LithStratRichtlinien zur Handhabung der stratigraphischen Nomenklatur
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Chronostratigraphische Einheiten |
Geochronologische Einheiten |
Äonothem (engl.: Eonothem) |
Äon (engl.: Eon) |
Ärathem (engl.: Erathem) |
Ära (engl.: Era) |
System (engl.: System) |
Periode (engl.: Period) |
Serie (engl.: Series) |
Epoche (engl.: Epoch) |
Stufe (engl.: Stage) |
Alter (engl.: Age) |
Die Position innerhalb einer chronostratigraphischen Einheit wird durch Beifügung von Adjektiva angegeben, die sich auf die Position beziehen: "Unteres", "Mittleres", "Oberes".
Die Position innerhalb einer geochronologischen Einheit wird durch Beifügung von Adjektiva angegeben, die sich auf die Zeit beziehen: "Frühes", "Mittleres", "Spätes".
Die Grundeinheit der chronostratigraphischen Gliederung ist die Stufe. Diese soll im Ausmaß und in der hierarchischen Position den praktischen Notwendigkeiten einer regionalen chronostratigraphischen Klassifikation entsprechen. Weiters ist sie die kleinste chronostratigraphische Einheit, die auch auf globaler Ebene verwendet werden kann.
Alle chronostratigraphischen Einheiten werden durch Grenzstratotypen definiert und beruhen auf Grenzstratotypen-Punkten in einem Grenzstratotypen-Profil ("GSSP"). Die Basis einer chronostratigraphischen Einheit wird durch den "GSSP" definiert (Cowie et al. 1986). Die Hangendgrenze einer chronostratigraphischen Einheit wird durch die Basis der darüberfolgenden chronostratigraphischen Einheit definiert (Fig. 2). Die Grenzstratotypen einer chronostratigraphischen Einheit sollten sich innerhalb einer kontinuierlichen Abfolge befinden. Beide sollten mit deutlichen Chronohorizonten zusammenfallen, wodurch sie grundsätzlich isochron sind.
Der Name einer Stufe sollte von einer geographischen Bezeichnung aus der Umgebung des Stratotypus oder des Typusgebietes stammen.
Die Schreibweise der Stufenbezeichnung ist das latinisierte Substantiv mit dem Neutrum-Suffix "-ium": z. B. Frasnium, Sevatium, Oxfordium, Burdigalium.
Die Einheit, die über der Stufe rangiert, ist die Serie. Der Begriff der Serie ist ausschließlich auf die chronostratigraphische Einheit beschränkt und ist als Begriff für eine lithostratigraphische Einheit unzulässig (siehe unten).
Die Chronozone ist eine formale chronostratigraphische Einheit, die außerhalb der chronostratigraphischen Hierarchie (Äonothem, Ärathem, System, Serie, Stufe) steht und damit keiner hierarchischen Ebene entspricht. Sie entspricht der geochronologischen Einheit "Chron".
Eine Chronozone ist ein Gesteinskörper, der irgendwo auf der Erde während der Zeitspanne einer bestimmten stratigraphischen Einheit oder geologischen Erscheinung gebildet wurde. Die Zeitspanne einer Chronozone ist die Zeitspanne einer zuvor definierten stratigraphischen Einheit, wie einer lithostratigraphischen, biostratigraphischen, magnetostratigraphischen oder anderen stratigraphischen Einheit. Zum Beispiel beinhaltet eine formale Chronozone, die auf der Zeitspanne einer Biozone basiert, alle Gesteinsschichten, die dem Alter der maximalen Zeitspanne der Biozone entspricht (unabhängig vom Vorhandensein oder Fehlen der für diese Biozone diagnostischen Fossilien) = Biochronozone (Biochron).
Um Verwirrungen zu vermeiden ist bei Verwendung der Chronozone dem Namen der Einheit tatsächlich der Begriff "Chronozone" beizufügen.
Die Gliederung der Gesteinsabfolgen der Erde nach lithologischen Eigenschaften ist eine der grundlegenden stratigraphischen Korrelationsmethoden (insbesondere für den kartierenden Geologen), die bereits in den Anfängen der Gliederung der Erdgeschichte Verwendung gefunden hat.
Die Lithostratigraphie ist eine stratigraphische Korrelationsmethode, die zur lagerungsmäßigen und räumlichen Gliederung und Korrelation von lokalen und regionalen Gesteinsfolgen in unterscheidbare Gesteinseinheiten dient.
Die lithostratigraphische Klassifikation gliedert Gesteinskörper in stratigraphische Einheiten, die ausschließlich auf ihren lithologischen Eigenschaften beruhen.
Zur Definition von lithostratigraphischen Einheiten können alle beobachtbaren lithologischen Merkmale benutzt werden. Diese Merkmale können sein: sedimentologischer, petrologischer, mineralogischer, paläontologischer, chemischer, physikalischer, morphologischer etc. Natur. Der Fossilinhalt wird im Rahmen der Lithostratigraphie ausschließlich als ein lithologisches Merkmal der Gesteinseinheiten betrachtet.
Eine lithostratigraphische Einheit kann sedimentärer, magmatischer, metamorpher oder gemischter Entstehung sein. Auch metamorphe Einheiten sollten nach den Prinzipien der Lithostratigraphie gegliedert werden.
Ihre Definition ist von ihrem chrono- bzw. geochronologischen Alter unabhängig.
Die Grenzen lithostratigraphischer Einheiten werden einzig und allein durch den deutlichen Wechsel in der Lithologie definiert.
In Anlehnung an den "Stratigraphic Guide" (Salvador, 1994) wird die folgende Hierarchie von lithostratigraphischen Einheiten vorgeschlagen. Nach dem "=" folgt die Abkürzung des hierarchischen Begriffes.
- > Supergruppe (engl.: supergroup) = SpGr.
- - > Gruppe (engl.: group) = Gr.
- - - > Subgruppe (engl.: subgroup) = SbGr.
- - - - > Formation (engl.: formation) = Fm.
- - - - - > Subformation (engl.: member) = Sfm.
- - - - - - - > Bank, Lage (engl.: bed, layer) = Bk., Lg.
Die Formation ist die Grundeinheit in der lithostratigraphischen Hierarchie. Die Formation muß eine an der Erdoberfläche kartierbare und zumindest im Maßstab 1:10.000 darstellbare bzw. im Untergrund verfolgbare Gesteinseinheit sein.
Bei aufeinander folgenden Formationen können zwei oder mehrere Formationen auf Grund gemeinsamer lithologischer Merkmale zu einer Gruppe zusammengefaßt werden. Das Typusprofil der G r u p p e setzt sich aus den Typusprofilen der die Gruppe aufbauenden Formationen zusammen (siehe unten).
Ebenso können zwei oder mehrere derartige G r u p p e n zu einer Super- oder zwei oder mehrere Formationen zu einer Subgruppe vereinigt werden (Abbildung 3).
Eine Subformation ist Teil einer Formation. Sie kann auf Grund spezifischer lithologischer Eigenschaften innerhalb der Formation definiert werden. Eine Formation kann gänzlich durch Subformationen untergliedert werden bzw. kann eine Subformation ein Teil oder mehrere Subformationen Teile einer Formation sein.
Eine Bank ist eine geringmächtige, lithologisch deutlich hervortretende Einheit innerhalb einer Formation oder Subformation.
Komplex: Eine aus verschiedenen Gesteinstypen aufgebaute Gesteinseinheit, die von den benachbarten Gesteinseinheiten abgrenzbar ist und deren (komplizierter) Internbau nicht weiter lithostratigraphisch unterteilt werden kann. Der Begriff Komplex sollte nur für größere Einheiten - etwa ab Formation (oder Gruppe) - verwendet werden.
Zu ersetzende Begriffe: In der Literatur wurde und wird der Begriff "Serie" im Sinne von Formation (oder Subformation, Gruppe, Komplex) gebraucht, v. a. in metamorphen Gesteinskörpern oder als tektonische Einheit. Da dieser Begriff heute in die Terminologie der chronostratigraphischen Begriffe gehört, ist es nicht zulässig diesen Begriff im Sinne einer lithostratigraphischen Einheit zu gebrauchen (siehe oben). Der vieldeutige Begriff "Schicht(en)" ist in Zukunft bei der Benennung formeller lithostratigraphischer Einheiten nicht mehr zu verwenden.
Herkömmliche lithostratigraphische Begriffe, die derzeit nicht den obigen hierarchischen Begriffen entsprechen, sind erst nach einer Neubearbeitung durch solche der lithostratigraphischen Hierarchie zu ersetzen.
Der Name einer lithostratigraphischen Einheit soll zweiteilig (binär) sein.
An erster Stelle soll ein geographischer Begriff stehen, der von der Typuslokalität bzw. dem Typusprofil oder der Typusregion abgeleitet wird. An zweiter Stelle folgt der entsprechende hierarchische Begriff (Bank, Subformation, Formation, Gruppe etc., vgl. oben).
Alle Begriffe sind substantivisch zu verwenden.
Die Verwendung von chronostratigraphischen Begriffen für lithostratigraphische Einheiten ist unzulässig. (Dies gilt z. B. für damit hinfällige (obsolete) Begriffe auf "-ium", "-ien" bzw. "-ian").
Ein geographischer Name soll nur einmal für eine lithostratigraphische Einheit vergeben werden.
Viele als "Serie" oder "Schichten" bezeichnete Gesteinsfolgen können den Status einer Gruppe, einer Formation oder einer Subformation erhalten; meist wird es nur notwendig sein, die Typuslokalität zu definieren und die Abgrenzungskriterien deutlicher im obigen Sinne zu formulieren. Wo eine solche Revision erfolgt ist, sollte dies auch aus der Bezeichnung der Einheit ersichtlich werden.
Bei manchen überlieferten Namen steht an der Stelle einer Lokalität bzw. des geographischen Begriffes ein Fossilname oder eine rein lithologische Bezeichnung. Diese Namen können nur dann beibehalten werden, wenn sie eindeutig einer einzigen lokalen Einheit zugeordnet werden können und den obigen Anforderungen entsprechen. In begründeten Fällen kann ferner die Bezeichnung eines dominierenden lithologischen Charakters dem geographischen Begriff nachgestellt bleiben.
Obsolete oder wenig gebräuchliche Ausdrücke dieser Art sind jedoch so bald als möglich durch einen formell korrekten Namen zu ersetzen.
Falls sich verschiedene lithostratigraphische Begriffe als Synonyme erweisen sollten, ist die Prioritätsregel im zeitlichen Sinn anzuwenden, sofern dadurch nicht bereits eingebürgerte und gut definierte Begriffe verlorengehen.
Deutschland
Um die Stabilität der stratigraphischen Begriffe zu gewährleisten, ist die Deutsche Stratigraphische Kommission in Zusammenarbeit mit den Geologischen Diensten in unklaren oder strittigen Fällen zur Klärung anzurufen.
Die der Stratigraphischen Kommission vorgeschlagenen Namen sollten mit dem Fachinformationssystem (FIS)-Geologie abgeglichen werden und in ein Verzeichnis bestehender lithostratigraphischer Namen der geologischen Dienste aufgenommen werden.
Die geologischen Dienste veröffentlichen und unterhalten das Verzeichnis bestehender lithostratigraphischer Namen in Deutschland. Dieses Verzeichnis muß vor Vergabe eines neuen Namens berücksichtigt werden.
Österreich
Um die Stabilität der stratigraphischen Begriffe zu gewährleisten, ist die Arbeitsgruppe "Stratigraphie" des Österreichischen Nationalkomitees für Geologie (ÖNKG) in Zusammenarbeit mit der Geologischen Bundesanstalt in Wien (GBA), der zuständigen Arbeitsgruppe für Stratigraphie der Österreichischen Geologischen Gesellschaft und der zuständigen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in unklaren oder strittigen Fällen zur Klärung anzurufen.
Die einer Revision unterzogenen Namen (siehe oben) werden von der Geologischen Bundesanstalt veröffentlicht und in die Datenbank "Lithstrat" der GBA/ÖAW aufgenommen.
Benennung: der binäre Name setzt sich zusammen aus dem:
(1) Geographischen Begriff (substantivisch!)
(2) Hierarchischen Begriff (Formation, Gruppe etc.).
Beide Begriffe sind durch einen Bindestrich miteinander verbunden.
Ableitung des Namens:
(1) Angaben zur Ableitung des geographischen Teiles des Namens.
(2) Begründung zur Stellung innerhalb der hierarchischen, lithostratigraphischen
Begriffe.
Beschreibung: Differenzierte lithologische Charakterisierung der zu benennenden Einheit mit Angabe der wesentlichen Daten (z. B. Gesteinsbeschreibung, Mächtigkeit, Farbe, Mineral- bzw. Fossilinhalt u.s.f.).
Typus-Gebiet: Angaben zur räumlichen Verbreitung der lithologischen Einheit (Nummer des Kartenblattes der amtlichen Landesaufnahme). Abgrenzung des Gebietes, in welchem die lithologische Einheit typisch entwickelt, aufgeschlossen und zugänglich ist. In diesem Gebiet muß (soll) auch das Typusprofil bzw. Die Typusprofile liegen.
Typus-Profil: An dieses Profil - auch um die Stabilität der Namen zu wahren - ist der Name der lithologischen Einheit gebunden (= "klassisches Profil"). Die dadurch typisierte lithologische Einheit sollte in diesem Profil vollständig mit ihrer Liegend- und Hangendgrenze erfaßt und aufgeschlossen sein (Abbildung 4). Ein solches Profil kann aber auch aus mehreren unmittelbar nebeneinander liegenden, lateral zusammenhängenden Detailprofilabschnitten bestehen.
Sind die Grenzen im Typus-Profil nicht aufgeschlossen, müssen dafür als Referenzprofile sogenannte Grenzstratotypus - Profile definiert und beschrieben werden. Diese müssen ebenso wie das Typus-Profil gemessen und detailliert beschrieben werden (siehe unten).
Referenz-Profil(e): Diese dienen entweder als Grenzstratotypus-Profile innerhalb des Typus-Gebietes oder zur Charakterisierung der lithologischen Einheit außerhalb ihres eigentlichen Typusgebietes.
Typus-Profil und Referenz-Profil(e) müssen zu ihrer Beschreibung enthalten: exakte Angaben zur geographischen Lage (Nummer des Kartenblattes der amtlichen Landesaufnahme; Koordinaten nach allgemein zugänglichen Gitternetzen; Kartenskizze etc.); detaillierte gemessene und exakt beschriebene lithologische Abfolge; exakte Angaben zur Liegend- und Hangendgrenze.
Empfehlung: Typus- und Referenz-Profile sollten wenn möglich als Geotope unter Schutz gestellt werden.
Bemerkungen (zur beschriebenen, lithostratigraphischen Einheit): Diskussion der lithologischen Einheit besonders in Hinblick auf ihre Abgrenzung gegenüber benachbarten (liegenden und hangenden lithostratigraphischen) Einheiten.
Biostratigraphische Korrelation: Falls möglich soll eine Diskussion der Einordnung in eine biostratigraphische Zonierung und der dadurch ermöglichten biostratigraphischen Korrelation mit der entsprechenden Chronostratigraphischen Einheit erfolgen (siehe oben).
Chronostratigraphische (bzw. Geochronologische) Stellung: Diskussion der chronostratigraphischen (resp. geochronologischen) Stellung der lithostratigraphischen Einheit.
Die Frage von Typus-Profilen bzw. Referenz-Profilen wird bei bereits eingeführten Namen meist nur nach einer eingehenden Neubearbeitung möglich sein. Bei vermutlich mehreren tausend publizierten lithostratigraphischen Begriffen würde dies eines enormen Zeitaufwandes bedürfen. Dementsprechend wird vorgeschlagen, bei diesen Namen auf die Angabe von Typus- und Referenz-Profilen zu diesem Zeitpunkt zu verzichten.
Temporäre Aufschlüsse sollten in der Regel nicht als Typusprofile für lithostratigraphische Einheiten gewählt werden. Bohrungen oder Bauaufschlüsse können nur dann als Typusprofile von lithostratigraphischen Einheiten akzeptiert werden, wenn keine adäquaten Obertagaufschlüsse existieren. In allen Fällen, wo es unvermeidbar ist, temporäre Aufschlüsse oder Bohrungen als Typusprofile von lithostratigraphischen Einheiten heranzuziehen, ist dies nur dann zulässig, wenn diese Aufschlüsse detailliert bearbeitet, die Typusprofile publiziert und dokumentiert wurden und ausgiebiges Referenzmaterial in öffentlich zugänglichen Archiven hinterlegt wurde.