Beruf Archivar/in

Archivare bei der ArbeitLiteratur und Medien haben ein weit verbreitetes Bild des Archivars in der Öffentlichkeit geschaffen, das oft wenig schmeichelhaft ist. Häufig wird er in Büchern oder Filmen als ergrauter, etwas schrulliger Mensch dargestellt, der völlig einsam in dunklen Räumen mit Bergen von alten, verstaubten Dokumenten haust und mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart lebt. Die fiktionale Vorstellung steht jedoch in scharfem Kontrast zur Realität: die Archivare, worunter immer stärker auch Frauen zu verstehen sind, müssen oft hohen Anforderungen genügen und über eine gute Ausbildung verfügen, um das ihnen anvertraute kulturelle Erbe von Generationen adäquat zu betreuen. 

Die Beschleunigung des Lebens hat auch vor den Archiven nicht halt gemacht und so stehen Archivare heute vor anderen Herausforderungen, als dies noch bei ihren Vorgängergenerationen der Fall war. Der Beruf des Archivars hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten jedenfalls grundlegend geändert und ein Archivar, wie eingangs geschildert, würde die heutigen Anforderungen wohl nicht erfüllen.

Die mittelalterliche Überlieferung ist quantitativ so überschaubar, dass es jedes bis heute vorhandene Stück Wert ist aufbewahrt und erforscht zu werden. Mit dem Aufkommen des Papiers und der Durchdringung des öffentlichen und privaten Lebens mit Schriftlichkeit nahm und nimmt die Überlieferung seit der Neuzeit jedoch kontinuierlich zu. Heute stehen die Archive vor dem Problem der Quellenflut. Mangel an Raum und Personal zwingen die Archive dazu, das ihnen angebotene Schriftgut gründlich auf seine Archivwürdigkeit hin zu untersuchen. Von Behördenschriftgut, das Archiven angeboten wird, werden in manchen Fällen beispielsweise bis zu 99% der Unterlagen vernichtet und gerade einmal ein Prozent wandert zur dauerhaften Aufbewahrung in das Archiv. In einigen Archiven gibt es sogar genaue Vorschriften darüber, wieviel Prozent des von den Behörden übergebenen Schriftguts in das Archiv übernommen werden dürften.

Der hier skizzierte Wandel veranschaulicht, dass man heute wohl treffender von Archivaren als Gestalter von Erinnerung denn als Hüter der Vergangenheit spricht.

 


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