Beispiel für eine Kurzrezension
L'Homme LogoHier ein Beispiel für eine eher kürzere Rezension aus der Zeitschrift L'Homme. Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft.


Karen Hagemann u. Ralf Pröve Hg., Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger. Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen Wandel (=Reihe "Geschichte und Geschlechter", hg. V. Ute Daniel, Karin Hausen u. Heide Wunder, Bd. 26). Frankfurt a. m./New York: Campus 1998, 368 S., mit Abb., ISBN 3-593-36101-9.

"Ein Experiment mit ungewissem Ausgang” sei – so Herausgeberin Karen Hagemann – am Beginn jenes Denk- und Diskussionsprozesses gestanden, aus dem der vorliegende Sammelband hervorgegangen ist. 1997 war es in Berlin zu einer ersten Annäherung zwischen zwei Forschungsfeldern gekommen, die bis dahin weitgehend isoliert voneinander gearbeitet hatten: VertreterInnen der historischen Frauen- und Geschlechterforschung, die sich auch für Fragen der Geschichte von Männern und Männlichkeit zu öffnen beginnt, und einer neuen, im sozial- und gesellschaftlichen Kontext positionierten Militärgeschichte debattierten im Rahmen eines Workshops über "Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen Wandel".
Die nunmehr veröffentlichten, überarbeiteten Beiträge – ergänzt um weitere Aufsätze – dokumentieren das Potenzial, das in diesem gemeinsamen Diskurs liegt: Gehören doch Militär und Krieg zum "Kern von Herrschaft und ihrer Ausübung" (346) und stellen somit höchstens bedeutungsvolle und folgenschwere gesellschaftliche Szenarien dar. Zugleich sind sie gewichtige Institutionen und Zeiten für die Konstruktion von Geschlechterverhältnissen.
Der gewählte Zeitrahmen – vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert – erlaubt es, zentrale Phasen eines grundlegenden Wandels im Militär- und Kriegswesen und seine Verflechtungen mit der Ordnung der Geschlechter in den Blick zu nehmen: von der Zeit der Söldnerheere im 16. und 17. Jahrhundert über die Periode der stehenden Heere im 18. Jahrhundert bis zur "Epoche der industrialisierten Massenkriegsführung auf der Basis einer allgemeinen Wahlpflicht am Vorabend des Ersten Weltkrieges" (10).
In zwölf Beiträgen werden die vielschichtigen Beziehungen zwischen Militär, Krieg, Zivilgesellschaft und Geschlechterbeziehungen behandelt. Sie repräsentieren einen Ausschnitt aus der "denkbaren Breite des jungen Forschungsfeldes" (11) und sind drei thematischen Schwerpunkten zugeordnet: "Militär, Krieg und Männlichkeit", "Frauen im Krieg" sowie "Militär, Gesellschaft und Geschlechterbeziehungen". Den Rahmen bilden zwei weitere Bausteine: In einem einleitenden Forschungsüberblick reflektiert Karen Hagemann die Möglichkeiten und Grenzen einer Geschlechtergeschichte von Krieg und Militär. Martin Dinges unternimmt als Ausklang der Publikation den Versuch einer "Bilanz". Diese ist nicht als Schlusspunkt, sondern als Anregung zu weiteren Forschungen zu verstehen, hat die fruchtbare interdisziplinäre Auseinandersetzung doch gerade erst eingesetzt. Der erste Überblick über die laufende Forschung im deutschsprachigen Raum – und den wollten die Herausgeberin und der Herausgeber mit ihrem Sammelband geben – ist ein produktiver Anfang, der auf weitere Synergieeffekte hoffen lässt.

Ingrid Bauer, Salzburg

Ingrid Bauer: Kurzrezension des Bandes Hagemann/Pröve, Landsknechte, erschienen in L'homme 10, 1 (1995), 153-154.

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