Forschungsfrage und Forschungsstand

Am Beginn jeder Forschung steht das Ausformulieren einer Fragestellung. Dabei ist eine zielorientierte Ausarbeitung der Forschungsfrage zu beachten, denn es ist ein Unterschied, ob man für ein Forschungsseminar, eine Diplomarbeit oder eine Dissertation an Quellen forscht. Wichtig ist stets auch, das Thema einzugrenzen. Häufig passiert der Fehler, dass man ein zu breites Thema wählt und sich dann damit an die Archive wendet. Bei umfassenderen Forschungsvorhaben empfiehlt es sich, diese in einzelne Teilfragen aufzusplitten.

Wenn man etwa ein Forschungsthema "Martin Luther" wählt und sich damit in die Arbeit stürzt, so wird einem schnell bewusst, dass man alleine diesem Thema ein ganzes Forscherleben widmen kann, ohne wohl am Ende jeden Aspekt ausführlich behandelt zu haben. Wesentlich erfolgsversprechender ist es dagegen, wenn man das große Thema auf eine bestimmte Frage einengt, etwa das "Widerstandsrecht bei Martin Luther aufgrund seiner Zirkulardisputation über Matth. 19,21 aus dem Jahre 1539" (diesen Titel trägt etwa eine 111 Seiten starke Diplomarbeit von Michael Rech aus dem Jahr 1991)

Wie sich aus dem Beispiel unschwer erkennen lässt, fußt eine gute Forschungsfrage auf dem soliden Fundament der Literaturrecherche. Erst wenn man zu einem Thema die wesentliche Literatur durchgearbeitet hat, wird man die Bandbreite an möglichen Fragestellungen erkennen können. Die Kenntnis des Forschungsstand hilft jedoch auch den Fehler zu vermeiden, dass man unwissentlich zu bereits publizierten Themen forscht oder gar für bereits edierte Quellen eine aufwändige Archivreise unternimmt. Das Einarbeiten in das Thema anhand der Literatur hilft weiters beim Lesen der Quellen, denn Orts- oder Personennamen bieten erfahrungsgemäß weniger Schwierigkeiten, wenn man sie vorher schon einmal gelesen hat. Nicht zuletzt wird man nur dasjenige in den Quellen erkennen können, worüber man bereits Kenntnisse besitzt.


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