Karlskirche - Das Äußere
Die Karlskirche besitzt eine große religionsgeschichtliche Symbolik, die Weite der katholischen Religion und ihre Auseinandersetzung mit der Antike sowie den Einflüssen außereuropäischen sakralen Schaffens manifestiert sich in diesem Bauwerk.

Der Tempel von Jerusalem mit seinen beiden flankierenden Säulen Jakin und Baos wird genauso miteinbezogen wie der im muslimischen Bereich geltende Charakter der kuppelartigen Zentralbauten mit ihren Minaretten. Die pagodenhaften Aufsätze der beiden Glockentürme erinnern an fernöstliche Tempel.

Es werden die anerkannte Werte der großen Weltreligionen als einmüdendenes Fundament in die ecclesia catholica et apostlica genauso einbezogen wie der seit Otto dem Großen herrschende Reichsgedanke der Einheit zwischen Thron, Altar oder Schwert und Krummstab.

Die kaiserliche Symbolik ergibt sich aus den goldenen Adlern, welche die beiden Säulen, bekörnen. Die beiden Säulen stellen die zwei Tugenden des Kaisers, fortitudio (Tapferkeit) und constantia (Beständigkeit) dar.

Die Reliefs an den Säulen sind der Trajanssäule in Rom nachempfunden, schildern aber nicht Kriegsgeschehen, sondern das Leben des Hl. Borromäus. Der Säulenvorbau erinnert an die griechisch-römischen Tempel, die beiden Engel an der Freitreppe symbolisieren das Alte und das Neue Testament. Beide Säulen tragen als Abschluss die Zeichen kaiserlicher Macht – Adler und Krone und sind mit dem Spruchband des Wahlspruchs Karls V. versehen.
Die Hauptkuppel wird vom Symbol des himmlischen Herrschers, dem Kreuz, bekrönt. Über dem Stückrelief mit dem Erlöschen der Pest im Giebelfeld erscheint die Apothese des Hl. Carl Borromäus umgeben von den allegorischen Figuren von Religion, Barmherzigkeit, Bußfertigkeit und Gebetseifer.


Literatur:
Nina Nemetschke u.a., Lexikon der Wiener Kunst und Kultur, Wien 1990, S. 190

Symbolik der Karlskirche
Doris Binder
Attribute
Die Karlskirche besteht aus einem zentralen Rundbau mit Kuppel, einem vorgestellten Säulenbau in griechischer Tempelform, zwei hohen bebilderten Säulen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom und aus zwei seitlichen Tor Pavillions. Die bebilderten Säulen stellen Karl VI. als weisen und starken weltlichen Herrscher dar, die beiden großen Säulen wurden von Marder und Matielli geschaffen. Die Säulen sind durch goldene Adler gekrönt, welche die zwei Tugenden des Kaisers symbolisieren – fortitudo (Tapferkeit) und constantia (Beständigkeit). Die beiden Säulen erinnern an die beiden Säulen vor dem Tempel in Jerusalem – Jakin und Boas. Die Bebilderung der beiden Säulen entspricht jedoch nicht dem Vorbild der Trajanssäulen in Rom, welche Kriegstaten schilderten, sondern diese erzählen die Lebensgeschichte des Hl. Borromäus. In der Schaufront der Karlskirche verbinden sich die unterschiedlichsten Symbole der Geschichte zu einer Einheit – die römischen Kaiser Trajan und Augustus, den salomonischen Tempel, die Peterskirche in Rom, die Hagia Sophia, Karl den Großen und das Reich Karls V. – durch die gekonnt eingesetzte Symbolik sollte der Anspruch des Hauses Habsburg auf die europäische Vorherrschaft dargestellt werden.
Der Grundriss der Kirche ist, wie im Barock typisch, Elipsenförmig. Im Innenraum der Karlskirche fällt sofort die große Barockskulptur auf, welche den Hl. Borromäus darstellt. Am Sockel sind die vier lateinischen Kirchenväter abgebildet. Das Innere der Karlskirche wird durch das mächtige Fresko im ovalen Kuppelraum geprägt, geschaffen wurde es von dem bedeutenden Barockmaler Johann Michael Rottmayr zwischen 1725-1730. Das Fresko zeigt die Muttergottes, welche die Fürbitte des Kirchenheiligen um Abwendung der Pest darstellt, umgeben ist die Szene von den Kardinaltugenden (Glaube, Liebe und Hoffnung). Im linken Eingangsflügel befindet sich das Grabmal für den österreichischen Dichter Heinrich Joseph von Collin (17771-1811).
Im Inneren der Karlskirche gibt es ein Museum, in dem die wertvollsten Stücke ausgestellt werden.
Zu diesen zählen: die Gewänder des Hl. Borromäus, ein Reliquiar aus Gold und Silber – eine Stiftung Kaiser Karls VI. und eine Rokoko-Monstranz (ca. 1760), welche einen Blutstropfen des Heiligen enthält. Thomas von Aquin.

Auch das Abbild des Baumeisters, Fischer von Erlach, gemalt von Jakob von Schuppen zählt zu den Kirchenschätzen.
Das ikonographische Programm der Karlskirche wurde von Carl Gustav Haerus verfasst, durch dieses sollte der Heilige Karl Borromäus mit dem kaiserlichen Stifter verbunden werden.

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