Besiedlung der Josefstadt im 18. Jahrhundert
Christina Kendi
Attribute
Auf dem Gebiet der heutigen Josefstadt prägten bis ins 17. Jahrhundert vor allem Äcker, Wiesen und Weingärten das Erscheinungsbild. Nach der überstandenen Türkenbelagerung (1683-1688) begann die große Zeit des Adels in Wien. Die Befreiung Wiens und die siegreichen Feldzüge im Osten hatten das Selbstbewusstsein der politischen Führungsschicht gestärkt, und repräsentative Bauten waren die Folgen, und so sind die Besiedlungsphasen der Josefstadt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung zu sehen. Nach dem Ende der türkischen Bedrohung setzte eine stadtartige Verbauung des Wiener Umlandes ein, also auf jenem Gebiet zwischen Stadtmauer und Linienwall; letzterer war 1704 als Schutz gegen die Kuruzzen errichtet worden (entspricht ca. dem heutigen Gürtel). Auf dem Boden des heutigen 8.Bezirks entstanden mehrere Adelsbesitzungen, von denen der wichtigste und größte das Landgut Rottenhof war. Mit der Übernahme des Besitzes durch den italienischen Offizier Marchese Ippolito Malaspina (1645-1710) im Jahr 1694 entwickelte sich eine rege Siedlungstätigkeit: Malaspina gab einen Teil seines Gutes für 40 Parzellen zur Bebauung frei, und weitere 18 Parzellen verkaufte er an den Orden der Piaristen. Im Jahr 1700 erwarb die Gemeinde Wien das Landgut Rottenhof von Malaspina, und die neue Vorstadt wurde zu Ehren des Kronprinzen Josef, und späteren Kaiser Josef I., "Josefstadt" benannt. Auf dem Gebiet des heutigen 8. Bezirks entstanden Teile der Vorstädte St. Ulrich, Altlerchenfeld und Alsergrund, sowie die Vorstädte Josefstadt, Breitenfeld und Strozzigrund.

Nachdem im 16. Jahrhundert viele Adelige als Verwaltungsbeamte nach Wien gekommen waren, und sich innerhalb der Stadtmauern angesiedelt hatten, wurden nach der Türkenbelagerung 1683 Anwesen in den Vorstädten gekauft, um sich dort Sommerpaläste erbauen zu lassen. Als eines der ersten Adelssitze wurde das Palais Strozzi erbaut, und ihm folgten einige mehr. So auch das heutige Palais Auersperg, das 1708 als ein Landhaus von Ferdinand Karl Reichsgraf von Weltz entstand, und 13 Jahre später im Besitz des Neapolitaners Girolamo Capece Marchese di Rofrano nach einem Plan von Johann Lukas von Hildebrandt zu einem prächtigen Palais mit Gartenanlage ausbauen ließ, und ab 1781 in den Besitz der Familie Auersperg überging. Weitere Palais, die im 18.Jahrhundert erbaut wurden, und bis heute erhalten sind, sind das Palais Damian in der Lange Gasse 53, erbaut Im Auftrag von Karl von Damian im Jahr 1700, das Palais Schönborn in der Laudongasse 15-19, nach den Plänen von Lukas von Hildebrandt. Aber nicht nur der Adel, sondern auch die Bürger, vor allem Handwerker, strebten in die Vorstädte, um dort kostengünstige Parzellen zu erstehen. Die meist einstöckigen Häuser jener Zeit wurden auf schmalen Parzellen errichtet, und dahinter wurden kleine Gärten oder Höfe angelegt. Somit setzte zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine starke Besiedelung der heutigen Josefstadt ein, dessen Ausgangspunkt neben dem Landgut Rottenhof das Palais Strozzi war.

Bedeutung der Palais>>