Johann Lukas von Hildebrandt
Johann Lukas von Hildebrandt wurde am 14. 11. 1668 in Genua (Italien) geboren, und starb 2 Tage nach seinem 77. Geburtstag am 16. 11. 1745 in Wien. Hildebrandt war neben Johann Bernhard Fischer von Erlach der bedeutendste Architekt des österreichischen Barock. Schüler von C. Fontana in Rom und Festungsingenieur in den italienischen Feldzügen unter Prinz Eugen, wurde er dessen bevorzugter Baumeister. Hildebrandt kam 1696 nach Wien und wurde 1700 Hofingenieur, 1711 übernahm er die Leitung des Hofbauamtes, und im Jahr 1723 ernannte man ihm zum Hofbaumeister. Er konnte sich dennoch bei Hof nicht gegen die Konkurrenz der beiden Fischer von Erlach (Vater: Johann Bernhard 1656-1723, dessen Sohn: Joseph Emanuel, 1693-1742) durchsetzen und war hauptsächlich für die Wiener Aristokratie tätig. Seine Werke erscheinen im Gegensatz zu der monumentaleren Kunst Fischer von Erlachs verbindlicher und beziehen dekorative Elemente stärker ein. Dadurch erreichte Hildebrandt eine beträchtliche Breitenwirkung bis in die bürgerliche Sphäre. Prinzipiell vereinigte aber auch er italienische und französische Einflüsse und prägte die weitere barocke Entwicklung im süddeutsch-österreichischen Raum. Hildebrandt war an mehreren größeren Projekten beteiligt, die von anderen Architekten fortgeführt wurden (Würzburg, Göttweig, Pommersfelden, Palais Schwarzenberg und andere). Umfangreich ist die Zahl seiner Stadtpaläste in Wien, wie zum Beispiel Daun-Kinsky aus dem Jahr 1716, bedeutsam seine vielen Sakralbauten (Peterskirche und Piaristenkirche, Maria Treu in Wien, Dominikanerkirche in Gabel, Tschechische Republik, Deutschordenskirche in Linz), dominant aber die Schlossbauten für den Grafen Schönborn in Göllersdorf (1712-17) und für den Prinzen Eugen (Belvedere in Wien, 1713-23, Schlosshof, 1729, und Ráckeve, Ungarn, 1701ff.).

Literatur:
Johann Lukas von Hildebrandt. In: www.aeiou.at/aeiou.encyclop.h/h572164.htm AEIOU Österreich Lexikon (21.2.2005)

Palais Strozzi: Von der Erbauung bis heute
Christina Kendi
Attribute
Es war Gräfin Maria Katharina Strozzi die sich im Jahr 1702 am dürren Lerchenfeld einen Sommersitz erbauen ließ, und so den Anstoß für eine verstärkte Bautätigkeit in dieser Gegend gab. Der Architekt dieses Gartenpalais ist nicht bekannt, es könnte aber sich um Johann Lukas von Hildebrandt handeln. Nach dem Tod der Gräfin erbte ihr Neffe Oberst Johann Ludwig Graf Khevenhüller 1714 den Besitz, der ihn an die Stadt verkaufen wollte, die aber ablehnte; stattdessen wurden ihm 20 000 Gulden für die weitere Gestaltung geliehen. Bereits zwei Jahre später verkaufte er das Anwesen aber an den Erzbischof von Valencia Antonio Francesco Folco de Cardona, der das Palais erweitern ließ. In seinem Testament vermachte er die Grundherrschaft, die mit dem Palais verbunden war, seinem Neffen, den Bau jedoch Kaiser Karl VI, dem er als Berater gedient hatte. Nach dem Tod Kaiser Karls VI ging es an seiner Tochter Maria Theresia über, die das Palais 1753 dem Feldzeugmeister Johann Graf Chotek, Spross einer böhmischen Adelsfamilie, die 1556 in den Freiherrenstand und 1745 mit dem Prädikat "von Chtokowa und Wognin" in den Grafenstand erhoben worden war, schenkte. Durch die Verwüstung der Besitzungen des Grafen in Böhmen während des Siebenjährigen Krieges, geriet Graf Chotek in Geldschwierigkeiten, woraufhin er die Grünflüchen des Palais parzellieren ließ und verkaufte; 1770 wurden die Gartengründe schließlich verbaut.

Nach dem Tod des Grafen Chotek (1787) übernahmen seine Neffen das Anwesen, und es blieb bis 1841 im Besitz der Familie. In dieser Zeitspanne wurden Teile des Palais vermietet, so auch an den Biedermaiermaler- und porträtist Friedrich von Amerling. Als in den Jahren 1831/32 ein Choleranotspital im Palais eingerichtet wurde, mussten die Mieter das Palais verlassen. Bereits ein Jahr später konnte Amerling nach einem Italienaufenthalt wieder in das Palais einziehen, diesmal aber in die vornehmen Räume des 1.Stockes, nachdem er bei seinem ersten Aufenthalt mit den einfacheren Räumlichkeiten im Parterre Vorlieb nehmen musste.

Im Jahr 1840 wurde das Gebäude vom Staat gekauft, um dort ein Jahr später das 1786 von Josef II. gegründete k.k. Zivilmädchenpensionat – zur "Erziehung weiblicher Jugend von Stand" – das bis dahin in verschiedenen Klöstern ansässig war, unterzubringen. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Bezeichnung "k.k." aus dem Namen gestrichen werden musste, und die staatliche Unterstützung gekürzt wurde, war man gezwungen sich eine andere Unterkunft suchen, und fand diese in der ehemaligen Militärakademie im 3.Bezirk, die für das zahlenmäßig kleiner gewordene Heer nicht mehr benötigt wurde.

Das Palais Strozzi ging aus dem k.k. Eigentum in den Besitz der Republik Österreich über, die es an die Gemeinde Wien vermietete. Diese richtete dort im Jahr 1920 die Invalidenfürsorge (Magistratsabteilung 11) ein, und das Palais wurde somit wieder zu einem wichtigen Angelpunkt des Bezirks. Die MA 11 war nicht nur für die Genehmigung und Auszahlung von finanziellen Unterstützungen zuständig, sondern organisierte auch Ausspeisungen und Spendensammlungen für die Notleidenden in der Nachkriegszeit. Erst im Jahr 1938, mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Neuorganisierung der Invalidenfürsorge, wurde diese Dienststelle aufgelöst, und im Palais Strozzi das Finanzamt angesiedelt. Das änderte sich auch nicht als das Anwesen wieder in den Besitz der Republik Österreich im Jahr 1946 überschrieben wurde. Auch heute befindet sich im 1996 restaurierten Palais das Finanzamt für die Wiener Bezirke 8, 16 und 17.

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