Lettres des Princes, 1791
Marion Romberg
Kontexte
Der Lettre des Princes vom 10.9.1791 stellt ein offener Protestbrief der aristokratischen Gegenrevolution an Ludwig XVI. dar. Verfasser sind seine Brüder, der Comte de Provence (der spätere Ludwig XVIII.) und Comte d’Artois (der spätere Charles X.). Seit Sommer 1791 halten die Prinzen Hof in Koblenz. Von dort planen sie einerseits durch eine kriegerische Intervention der europäischen Mächte und andererseits durch die aktive Schürung des Widerstandes in Frankreich den Sturz der Revolution. Die Stimmung der Emigranten in der Umgebung der Prinzen ist antimonarchisch in dem Sinne, dass mit Verachtung vom König und der Königin gesprochen wird. So stellt Mirabeau bereits fest, dass die Emigranten „[...] die Rückkehr zum alten System gern um den Preis des Lebens des Königs erkaufen.“ würden. (zitiert nach Göhring 1951, 159)
Eingeordnet in die Verfassungsrevolution richtet sich das Protestschreiben gegen den königlichen Eid auf die am 3.9.1791 verabschiedete Verfassung der konstitutionellen Monarchie. Der Inhalt gibt Aufschluss über das Selbstverständnis und die wesentlichsten Ziele der adligen Emigranten. So protestieren sie im „Namen der Grundgesetze der Monarchie [...] [und] aller Stände“ (Lettre des Princes, zitiert nach: Reichhardt 1988, 101). Sie verstehen sich als das Frankreich. Dem König ist es unter keinen Umständen gestattet, von diesen grundlegenden Prinzipien abzuweichen. Durch die Annahme der Dekrete (die Verfassung wird von den Emigranten nicht als solche anerkannt) würde die Nation unwiderruflich verletzt werden, indem die Monarchie als Staatsform in seinem grundlegenden Prinzip der Herrschaftsausübung, dem Recht der Gesetzgebung, beschnitten wird. Des weiteren prophezeien die Prinzen aufgrund der gesellschaftlichen Nivellierung, der Abschaffung der öffentlichen Gewalt und der militärischen Mobilisierung des Volkes den Ausbruch von Tyrannei und Anarchie. Ihre grundlegende Forderung ist die Wiederherstellung des Ancien Régimes.
Der Brief macht deutlich, dass eine friedvolle Einigung der Revolution mit dem geflüchteten Adel nicht möglich ist. Die Vorstellungen divergieren zu sehr. Als Ende September der Brief veröffentlicht wird, fühlen sich viele in ihrer negativen Einstellung gegen die Herrscherfamilie bestärkt. Durch die Flucht der Königsfamilie im Juni desselben Jahres ist die Situation des Königs ohnehin prekär. Nur eine Minderheit hofft auf eine baldige Befreiung durch die Gegenrevolution.

Literatur:
Aubry, Octave: Die Französische Revolution – Die Zertrümmerung des Königtums, Bd. 1, Zürich 1942, S. 306 – 318.
Furet, François/Ozouf, Mona (Hrsg.): Kritisches Wörterbuch der Französischen Revolution, Bd. 2, Frankfurt 1996, S. 1122 – 1135.
Göhring, Martin: Geschichte der großen Revolution – vom Liberalismus zur Diktatur, Bd. 2, Tübingen 1951, S. 150 – 165.
Reichardt, Rolf E. (Hrsg.): Ploetz – Die Französische Revolution, Freiburg 1988, S. 98 – 102.
Roberts, James: The counter-revolution in France 1787 – 1830, Hong Kong 1990, S. 5 – 21.


<<Le Père Duchesne  ||  Levée en masse (23.8.1793)>>