Pater Franz Reinisch
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Q 1: Aus: Schriftliche Erklärung des Franz Dionysius Reinisch aus Feldkirch-Levis nach seiner Verurteilung zum Tode, 25.7.1942

Da es heute im Kampfe gegen den Bolschewismus um die Erhaltung des christlichen Glaubens und der deutschen Heimat geht, und, wie in der Hauptverhandlung der Herr Senatspräsident selbst erklärte, auch um die Erhaltung des christlichen Abendlandes, so glaubt der Verurteilte, unerschütterlich an seiner bisherigen Beweisführung festhalten zu müssen.
Denn es wird die Kriegszeit vornehmlich dazu benützt, um in der Heimat den Glauben an den Gott-Menschen Jesus Christus – wie es unzählige Beispiele beweisen – dem Volke und besonders der Jugend aus dem Herzen zu reißen, wodurch die Soldaten an der Front - durch ihren Urlaub, wie durch Briefe ihrer Angehörigen belehrt – in ihrer Wehrkraft gewaltig erschüttert werden. Aus Russland kamen Fronturlauber wie Verwundete, durchwegs Familienväter, und erklärten mir: „Was hat unser Kämpfen für einen Sinn? Wir kämpfen gegen den Bolschewismus des Auslandes, für den Bolschewismus in der Heimat“, z.B. Entfernung der Kruzifixe aus den Schulen, Aufhebung der Klöster und Schließung der Kirchen. Der Verurteilte ist kein Revolutionär; er ist ein katholischer Priester, der die Waffen des Geistes und des Glaubens braucht. Und er weiß, wofür er kämpft!
Es läge daher nahe, dass man jene Kräfte zuerst unschädlich machen und zum Tode verurteilen müsste, die diese Zersetzung der Wehrkraft vollziehen. Da aber gerade die gegenwärtige Regierung diesen Kräften nicht im geringsten das Handwerk legt, sondern sie sogar begünstigt, so glaubt der Verurteilte, durch Verweigerung des Treueeides auf die gegenwärtige Regierung mehr dem deutschen Volke die Treue in seinem Daseinskampfe zu halten als umgekehrt.
Er ist daher gerne bereit, für Christus den König und für die deutsche Heimat sein Leben hinzugeben, damit Christus der Herr diese antichristlich-bolschewistischen Kräfte und Mächte des Auslandes wie besonders in der Heimat besiegen möge, auf dass unser Volk wieder werde: ein starkes und freies Gottesvolk inmitten der Völker des Abendlandes.
Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934–1945 (WVT 2, S. 509f.


Q 2: Brief von Pater Reinisch an seine Eltern kurz vor seiner Hinrichtung

„Liebe Mutter! Herzlich danke ich Dir auch noch für Dein Päckchen. Es war ein Vorverkosten der himmlischen Seligkeit.
Liebe Eltern! So scheide ich von Euch nur körperlich und will darum nochmals von ganz aufrichtigem Herzen dafür danken, was Ihr mir gewesen seid als die größten Wohltäter auf Erden. Ich bin Euch nahe und bleibe Euch nahe! Denn der Himmel und die Erde sind nicht weit voneinander entfernt! Wir haben ja den Himmel auf Erden, wenn wir in Gott, im Gnadenstand leben. Darum freut Euch, wenn Ihr diesen Brief in den Händen haltet.
Dann wisset: Ich bin ewig glücklich!“
Brantzen, Pater Franz Reinisch, S. 165.

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