… im doppelten Sinn. In den letzten Wochen haben wir unsere ganze Anstrengung darin gesetzt, unseren Antrag für das Förderungsprogramm DOC-team zu verfassen. Gestern haben wir den Antrag nun (endlich) eingereicht. Die Zeit des (an)gespannten Wartens auf einen Bescheid kann also beginnen. Auf diesen ersten Schritt haben wir angestoßen:
(Foto: Stephan Gruber)
Einige Anmerkungen zum Identifizierungsvorgang bei dieser Einreichung: Im Zuge der Antragstellung mussten wir einen “Online-Erfassungsbogen”(!) ausfüllen, auf dem wir unter anderem eine Klassifizierung unseres Projektes und unserer institutionellen Zugehörigkeiten zu treffen hatten. Die Einordnung in einen Fachbereich mittels Kennzahl erfolgt auf Basis der Klassifikationsdatenbank der Wissenschaftszweige, die von der Statistik Austria erstellt wird. Nach Übertragung unserer Daten sind diese nun in einer Datenbank der Stipendienabteilung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gespeichert.
Unser nächster Wegpunkt in diesem Antragsverfahren: Die erste Hürde ist Ende November; hier erfahren wir, ob unser Projekt in Begutachtung geht.
Die Protestaktionen und Demonstrationen in Italien werden von heimischen Medien nicht besonders thematisiert. Während es am Samstag zur ersten Großdemonstration in Rom kam, scheint fast unterzugehen, dass Studierende bereits seit Wochen gegen die geplante Bildungsreform protestieren und Universitäten und Schulen besetzen.
Berlusconi hat diese Woche angekündigt auch mit Polizeigewalt gegen rebelliernde Studierende vorzugehen und die Zeichen stehen nicht gerade auf Dialog. Die Bildungsreform würde massive Einschnitte bedeuten: Vorgesehen sind Kürzungen im öffentlichen Bildungssektor in einem Umfang von acht Milliarden Euro pro Jahr.
Ein Hauch von 1968 weht durch Italien … und irgendwie scheint das den meisten hier egal zu sein.
Die bestechende Evidenz von DNA-Analysen ist ein beliebter Topos in diversen TV-Krimiserien. Vor allem Produktionen in der Machart von “CSI: Crime Scene Investigation” basieren zu einem Gutteil auf dem Glauben an die Technik, die sich einfach nicht “irren” kann.
Das Thema wird auch in einer Folge der US-Serie Monk aufgegriffen: In Season 4, Episode 10 (“Mr. Monk Goes to a Fashion Show”) verläuft die Beweisführung zunächst ähnlich: Ein Mordfall wird neu aufgerollt, weil der neurotische Protagonist Zweifel an der Verurteilung des vermeintlichen Täters hat. Diese Verurteilung basierte aber auf einer DNA-Analyse, und die ist bekanntlich so gut wie unfehlbar, wie der “Experte” in der Serie, der Gerichtsmediziner, feststellt:
“People lie. People lie all the time. But DNA – never lies.”
Ähnlich argumentiert dann auch der – wie das Publikum an dieser Stelle schon vermutet – tatsächliche Mörder. Er hat nämlich, basierend auf der Evidenz der DNA-Analyse, ein Alibi, was er nicht müde wird zu betonen:
“What about the evidence, Mr Monk? What about – you’ve heard of DNA, right? I mean, does that ring a bell here, hm? … It couldn’t have been me – just not possible.”
Dass es doch möglich war, sich ein solch bestechendes Alibi zuzulegen, klärt sich schließlich auf: Der (korrupte) Experte nämlich, der Gerichtsmediziner, hatte die DNA-Probe gefälscht. Er wird der Beihilfe zum Mord und der Fälschung von Beweismitteln überführt:
Die EU möchte Ganzkörperscanner auf Flughäfen zulassen, auf einigen Flughäfen (Amsterdam, Zürich, London) sind sie bereits im Einsatz. Während, wie bei den biometrischen Identifizierungsmaßnahmen, mit höherer Sicherheit argumentiert wird, sehen die KritikerInnen einen schweren Eingriff in die Privatssphäre der Fluggäste, deren Unterwäsche durchleutet wird.
Auf einen besonders interessanten Aspekt verweist auch Poster X999 mit seinem Kommentar unter dem Beitrag der ORF-FutureZone:
Stellt euch nicht so an, der Körper interessiert den Kontrolleur überhaupt nicht.
Die EU-Kommission will die Scanner ohne Zustimmung des Parlaments durchsetzen, da es sich um eine rein technische Angelegenheit handle.
Die Wiener Städtische Versicherung (und offenbar auch andere Versicherungen) legt ihren Haushaltsversicherungs-Polizzen nun einen Werbefolder bei, der den EmpfängerInnen den Erwerb eines Produktes namens M-DotDNA empfiehlt:
Winzige M-DotDNA-Mikropunkte markieren Gegenstände, wie zum Beispiel Fahrräder, Laptops, TV- oder Hi-Fi-Geräte, Skier, Videoausrüstung und Handys, gegen Diebstahl.
Der Clou an diesem Produkt – und hier kommen die professionellen Identifizierer, nämlich die Polizei, ins Spiel:
Diese Markierung ist mit freiem Auge nicht sichtbar, für die Polizei mit speziellen Lesegeräten allerdings sehr wohl. Die Polizei kann Ihr Eigentum mithilfe dieser Markierung jederzeit identifizieren.
Zur Untermauerung der Wirksamkeit des Produkts gegen Einbrüche wird gleich eine Statistik nachgeschoben:
In Wohnungen, die mit M-DotDNA gesichert sind, ist die Einbruchsgefahr nachweislich um 50 Prozent zurückgegangen. Warnaufkleber an Türen und Fenstern weisen auf das Sicherungssystem hin und machen diese Haushalte für Diebe unattraktiv, sodass Einbrecher Wohnungen oder Häuser, die mit M-DotDNA geschützt sind, eher meiden.
Mit beigelegtem “Gutschein für Ihre Sicherheit” kann man das Produkt um 50 statt 144 Euro erwerben. Warum man sich aber nicht einfach einen solchen Warnaufkleber besorgen soll, der wohl bedeutend günstiger als um 50 Euro angefertigt werden kann, darauf geht der findige Sicherheits-Werbeprospekt nicht ein. Stattdessen wird ein ganz anderes – wenn auch weniger nachvollziehbares – Argument gebracht:
Je mehr Gegenstände im Haushalt an möglichst vielen Stellen markiert sind, desto weniger ist ein Dieb daran interessiert, einzubrechen und etwas zu stehlen!
In diesem Sinne: Fürchtet euch vor den High-Tech-Dieben, die anscheinend doch mit freiem Auge erkennen, welche Gegenstände an wievielen Stellen mit der Wertgegenstände-DNA markiert sind!
Das Auge ist wohl das beliebteste Organ, wenn es um Identifizierungs- und Überwachungsmetaphern geht: Man wird “gesehen”, sei es von Überwachungskameras, sei es von Gott, der ja angeblich ALLES sieht. (Dazu fällt mir die Aussage eines Kollegen bei unserem Workshop im August ein, der in einer Diskussion über christliche Vornamen meinte: “Gott hat kein Identifizierungsproblem.”)
Nicht zufällig auch die Wahl des Titelbildes unserer Website: Das Auge wird einerseits mithilfe von Identifizierungstechniken analysiert (Irisscan), andererseits verweist es auf Überwachungsmetaphern – das “Allsehende Auge”. Ein Blick (no pun intended) zu Wikipedia, wo unter dem Lemma All-seeing eye (disambiguation) folgende Bedeutungen zu finden sind:
Eye of Sauron or the Lidless Eye, in J. R. R. Tolkien’s The Lord of the Rings
Und weiter geht die Assoziationskette: Von “All Seeing I” (= 4. Wikipedia-Bedeutung) stammt ein nettes, in der Inszenierung zum Thema passendes Musikvideo:
Tony Christie feat. All Seeing I – Walk Like a Panther
(Danke an Josef K. für den Hinweis auf das Video.)
Wenn ein Journalist wie Stefan Aust Geschichtsschreibung reflektiert, hört sich das so an:
Der Schilderung vergangener Ereignisse sind Grenzen gesetzt … Zum einen ist nicht jeder bereit Auskunft zu geben. Zum anderen sind auch Augenzeugenberichte immer subjektiv gefärbt. Ich habe damals und heute versucht, aus den verschiedenen Aussagen herauszufiltern, was sich tatsächlich abgespielt hat … Wertungen habe ich möglichst vermieden. Dennoch ist die Auswahl des Materials, die Gewichtung, die Zusammenstellung meine subjektive Entscheidung.
Diese interessanten Einsichten schreibt der ehemalige SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust im Vorwort zu “Der Baader-Meinhof-Komplex”.