Februar 27th, 2009 Stephan Gruber
Heute Nachmittag fand das schon vor längerem angekündigte Hearing für unseren DOC-team-Antrag im Clubraum der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt. Dem Setting und der Bedeutung des Ereignisses angemessen, waren wir einigermaßen angespannt, sind aber mit dem Ablauf unserer Präsentation und der anschließenden Fragerunde zufrieden. Da nun auch dieser Schritt des Antragsprozesses abgeschlossen ist, hoffen wir, in den nächsten Tagen die Entscheidung der Vergabekommission hier bekanntgeben zu können.
Unser gespanntes Warten dauert also nicht mehr lange, erreicht dafür seinen finalen Höhepunkt …

Posted in Internes | No Comments »
Februar 25th, 2009 Anna Masoner
pressetext.at berichtet, dass Forscher an der Tel Aviv University an einem System arbeiten, mit dem Menschen anhand ihrer Ausdünstungen identifiziert werden können.
Theoretisch könnte die “Schweiß-Identität” in Verbindung mit einer “bionischen Nase”, die beispielsweise beim Flughafen-Security-Check installiert wird, eventuelle Täter erschnüffeln.
Auch Bankrüber und Terroristen, die am Tatort keine Fingerabdrücke hinterlassen, sollen durch das Schweiß-Profiling geschnappt werden.
Schweiß besteht aus einer Mischung aus Proteinen und Nebenprodukten des Metabolismus. Funktionieren soll die Identifizierung, weil jeder Mensch über ein spezifisches Muster dieser Bestandteile verfügt.
Ich frag mich da bloß, ob die altgediente Vampierabwehrmethode auch HighTech Nasen verwirrt: einfach viel Knoblauch essen.
Posted in Mediensplitter | No Comments »
Februar 23rd, 2009 Stephan Gruber
Seelenkundige haben den geheimnisvollen Drang zu erklären gesucht, der manchen Verbrecher stets wieder an den Schauplatz seiner Untat zurückjagt.
Klingt fast wie ein kriminologisches Gutachten, ist aber ein Zitat aus Marie von Ebner-Eschenbachs Erzählung Krambambuli.
[Ebner-Eschenbach, Marie von: Krambambuli und andere Erzählungen. Stuttgart: Reclam 1994 (erstmals 1883), S. 10.]
Danke für den Hinweis an Irene.
Posted in Buch | No Comments »
Februar 22nd, 2009 Daniel Meßner
Peter Geimer ist am 4. März 2009 in Wien zu Gast. Titel seines Vortrags:
Was zählt und doch nicht zählt. Über Geschichte und »Vorgeschichte« der Fotografie
»Das Wesen einer Sache erscheint niemals zu Anfang, sondern im Verlauf ihrer Entwicklung sobald ihre Kräfte sich gefestigt haben«. Das schreibt Gilles Deleuze über die Entwicklungsgeschichte des Films. Wie beschreibt man aber im Rückblick die Zeit vor diesem Anfang – als die Kräfte sich noch nicht gefestigt hatten und das, was später einmal »der Film« sein würde, noch in lauter zusammenhanglose Enden und Einzelteile zerfiel?
Was also ist eine »Vor-geschichte«? Warum gehört, was sie umfasst, zur eigentlichen Geschichte noch nicht dazu? Ausgehend von einer Überlegung Georges Canguilhems möchte ich dieser Frage am Beispiel der Fotografie nachgehen. Es geht um eine Geschichte, die nach allgemeiner Darstellung im Jahr 1839 beginnt und mit dieser Datierung zugleich eine Reihe hybrider, uneigentlicher und unsauberer Phänomene definiert, die seither im zweifelhaften Raum der fotografischen »Vorgeschichte« hausen.
Mittwoch, 4. März 2009, 18:00 Uhr im Seminarraum Geschichte 1 (Hauptgebäude Uni Wien)
Posted in Veranstaltungen | No Comments »
Februar 20th, 2009 Stephan Gruber
Sehr ambitioniert klingen die Vorsätze der Plattform Academic Earth, die mir vor kurzem empfohlen wurde:
Academic Earth is an organization founded with the goal of giving everyone on earth access to a world-class education.
Die Website will also – gleichsam ein akademisches YouTube – Vorlesungen allgemein zugänglich machen. Ich bin besonders gespannt, wann das bisher recht spärliche Angebot aus dem Bereich der Kulturwissenschaften größer wird; unter “History” etwa sind bisher lediglich drei Vorlesungen zu finden. Aber vielleicht “studiere” ich ja doch noch Medizin, die Vorlesungseinheit von Marian Diamond über “The Human Brain and Muscular System” war jedenfalls schon mal sehr witzig und lehrreich.
Der junge Entrepreneur, der die Plattform gegründet hat, wird jedenfalls ziemlich sicher erfolgreich damit sein…

Lustige Fehlermeldungen spuckt die "Academic Earth" auch aus.
Posted in Tipps | 1 Comment »
Februar 19th, 2009 Stephan Gruber
Die letzte Woche habe ich in Schweden verbracht, hier einige Impressionen:

Die obligaten Hinweise auf Überwachungskameras – wenngleich diese Hinweise im internationalen Vergleich etwas spärlicher gesät scheinen.

Warnung vor Taschendieben

"Liebe Einbrecher: Hier gibt's nichts zu stehlen. Danke!"

Weitere Assoziationen zum "Allsehenden Auge"

Eintrag "Efterlysning" ("Fahndung") im "Svensk Uppslagsbok, Band 7"

Pflichtkauf bei H&M

Ausriss aus "Dagens Nyheter": Ein Mann, der 30 Dosen Snus (Oraltabak) gestohlen hat, soll "wie ein Italiener ausgeschaut" haben.

Ausriss aus "Dagens Nyheter": Die Stadt Stockholm will Überwachungskameras in Schulen.
Und das “Identifizierungs-Highlight” folgte schließlich am Flughafen Umeå: Die Fluglinie SAS verwendet auf Inlandsflügen ein biometrisches Identifizierungssystem, das noch nicht ganz ausgereift zu sein scheint. Beim Check-in sollte von allen Passagieren der Fingerabdruck registriert werden, um das Boarding zu beschleunigen. Funktionierte aber nicht so ganz: Den Fingerprint meiner Begleiterin konnte das Gerät nicht abnehmen. Lapidarer Kommentar des SAS-Angestellten: “You have no fingerprint. You have to show your ID on board.”

Diese Finger sind mit dem SAS-Gerät nicht kompatibel.
Posted in Unterwegs | No Comments »
Februar 12th, 2009 Anna Masoner
Nachdem der Europäische Gerichtshof vorgestern zum Schluß gekommen ist, dass die EG-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gesetzeskonform ist, brachte futurezone heute ein interessantes Interview mit dem Leiter des Ludwig-Boltzmann-Institus für Menschenrechte in Wien Hans Tretter.
Tenor des Gesprächs: Nichts genaues weiß man (noch) nicht, jedenfalls was die Anwendung der Richlinie in Österreich anbelangt.
Posted in Recht | No Comments »
Februar 11th, 2009 Daniel Meßner
Seit gestern ist Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg neuer Wirtschaftsminister in Deutschland. “Müssen wir uns diesen Namen merken?”, fragte die BILD-Zeitung über die halbe Titelseite und lieferte damit ein bestechendes Wikiality-Beispiel.
Mit dem Begriff “Wikiality” beschreibt der Satiriker Stephen Colbert die Situation, in der die Mehrheitsverhältnisse in Wikipedia darüber entscheiden, ob eine Information wahr oder falsch ist. [zitiert nach HistnetWiki]
Nur wenige UserInnen, die sich mit Wikipedia informieren, sehen sich ältere Versionen der Artikel oder Diskussionen um Artikel an. Die Konsequenz ist, dass der letzte Stand eines Artikel über die Wirklichkeitsbildung entscheidet.

Ausriss: BILD, Quelle: Bildblog
Was hat das jetzt mit BILD zu tun?
Am Sonntag fügte ein Journalist einen weiteren Namen in den Wikipedia-Eintrag des neuen Ministers: Wilhelm. Am Montag übernahmen viele Medien den neuen Namen Guttenbergs. So auch BILD, aber auch die taz, Süddeutsche …
Was dann passierte, macht Wikiality aus: Einigen Wikipedia-Autoren fiel die Änderung auf und einer forderte einen Einzelnachweis. Und der war schnell gefunden. Denn SpiegelOnline zitierte Guttenberg mit seinem falschen Namen. Die Katze beißt sich damit in den Schwanz:
Weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschreiben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachtet, wurde der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit.
Das schreibt der Urheber der Aktion im Bildblog. Möchte aber anonym bleiben.
Posted in Mediensplitter | 1 Comment »
Februar 10th, 2009 Anna Masoner
Anders als in den meisten Ländern der EU, wo Filesharer hemmungslos kriminalisiert werden, gehts in Holland zu. Im Lande der Piraten, immerhin parktizieren dort angeblich rund 30 Prozent der Bevölkerung Filesharing, gab die niederländische Regierung ein Forschungsprojekt in Auftrag. Das Ziel war herauszufinden, wie groß die von Musik-und Filmindustrie vielbeschworenen Auswirkungen von Filesharing auf die die sinkenden Einnahmen wirklich sind.
Das Ergebnis der Studie? Nun, zum einen fand sich keine direkte Verbindung zwischen sinkenden Verkaufszahlen von CDs und Co und Filesharing. Ganz im Gegenteil. Laut der Autorin der Studie, Annelies Huygen, hat Filsharing durchaus positive Effekte. Es sind nämlich die selben Leute, die Videospiele im Netz downloaden und kaufen. Die Möglichkeit eine Sache quasi zur preview gratis zu konsumieren führt öfter als die Unterhaltungsindustrie glaubt zum Kauf.
Hygen kommt zum Schluß, dass das illegale Downloaden der niederländischen Ökonomie jährlich an die 100 Mio. Euro einbringt.
Interessant ist übrigens, dass eine Studie, die von der kanadischen Regierung in Auftrag gegeben wurde und letzten Herbst erschienen ist, zu einem ähnlichen Schluß kommt.
Posted in Off Topic | No Comments »
Februar 9th, 2009 Stephan Gruber
Einmal muß Schluß sein. – Nichts dergleichen. – “Du willst nicht verstehen.” – Wie es gewesen sein wird. – Es war an der Zeit. – Wie lange noch? – “Das ist Geschichte.” – Komplett sogar. – “Es vergessen.” – Noch war es nicht vorbei.
Diese Sätze bilden in zehn Kapiteln die Klammern, zwischen denen sich in Doron Rabinovicis Roman “Ohnehin” die Handlung entfaltet. Der Roman ist vor allem eine wunderbare Reflexion über das Erinnern und Vergessen; auch über die unterschiedlichen Definitionen und Zugänge zu diesen Begriffen. Rabinovicis Interesse am individuellen wie kollektiven Umgang mit der Vergangenheit kommt nicht von ungefähr, hat er doch 2000 mit einer Dissertation sein Studium der Geschichte an der Universität Wien abgeschlossen, die den Titel trägt: “Instanzen der Ohnmacht. Die Wiener jüdische Gemeindeleitung 1938 bis 1945 und ihre Reaktion auf die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung”.
Also: Leseempfehlung (auch wenn wahrscheinlich nicht alle meine Meinung teilen werden) – für HistorikerInnen ebenso wie für Naschmarkt-BesucherInnen.
Kleine Leseprobe zum Abschluss (auf der Homepage des Autors gibts noch ein bisschen mehr):
Er lebte in einer anderen Zeit, oder lebte eben nicht in ihr, sondern war an sie verloren, in sie eingefroren. Er war aus der Welt, und nicht in einer eigenen, vielmehr war er in gar keiner, war er ein Gefangener, der nicht einmal über einen Kerker oder irgendeine Zelle, nicht über einen Zusammenhalt verfügte, denn alles in ihm und um ihn zersplitterte von einem Moment zum anderen.
Posted in Buch | No Comments »
Februar 6th, 2009 Stephan Gruber
Das Wiener Initiativkolleg “Naturwissenschaften im historischen Kontext” veranstaltet am 18. und 19. September 2009 einen Workshop zum Thema “Positivismus.Macht.Aufklärung. Zur Politisierung der naturwissenschaftlichen Weltauffassung”. Dazu ging nun dieser Call for Papers raus.
Deadline: 15. März 2009
Auszug:
Der Positivismus wurde bislang sowohl in Gesamtdarstellungen als auch in Spezialstudien als erkenntnistheoretische Strömung behandelt, dabei jedoch in seiner politischen und sozio-kulturellen Bedeutung vielfach unterschätzt. Der Workshop setzt sich zum Ziel, den Positivismus als europäische und internationale Bewegung in ihren vielfältigen Erscheinungsformen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft neu zu fassen. Dabei rücken drei Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Erstens die Ungleichzeitigkeit in der Verbreitung positivistischer Ideen in Europa, zweitens die kontextbedingte politische Funktionalisierbarkeit der wissenschaftlichen Weltanschauung und schließlich drittens die über Landes- und Disziplinengrenzen hinaus bestehenden intensiven Verflechtungen zwischen ihren Vertretern. Der Workshop zielt somit weder auf eine systematische Erfassung der positivistischen Weltauffassung noch auf eine schlichte werkbezogene Interpretation wissenschaftlicher Arbeiten, sondern auf eine Kartografie der Orte des Positivismus an den Schnittstellen zwischen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Feldern.
Posted in Veranstaltungen | No Comments »
Februar 4th, 2009 Stephan Gruber
Heute kam dieser Brief von einer gewissen “Domain Renewal Group” per Post:

Der Brief erweckt – zumindest auf den ersten, schnellen Blick – den Anschein, es sei eine Zahlung an diese Firma zu leisten, damit unsere Domain nicht ihre Gültigkeit verliert. Im Verlauf des Textes wird aber eingeräumt, diese “notice” sei keine Rechnung, sondern lediglich eine Serviceleistung für “domain name holders”, die gewillt seien, den Domain-Anbieter zu wechseln. Eine schnelle Google-Suche zeigt, dass diese Firma offenbar schon länger mit diesen sehr zweifelhaften Methoden ihr Glück versucht: Mithilfe des WHOIS-Protokolls werden Domain-Eigentümer ausgeforscht und mit diesen Briefen beglückt, um an deren Geld zu kommen.
Witzig ist aber der angedrohte mögliche “Identitätsverlust”:
“You must renew your domain name to retain exclusive rights to it […] Failure to renew your domain name by the expiration date may result in a loss of your online identity making it difficult for your customers and friends to locate you on the Web.”
Um mit einem anderen Blogger zu sprechen: Screw You, Domain Renewal Group
Posted in Aus dem Alltag | No Comments »
Februar 3rd, 2009 Daniel Meßner
Nachdem Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn heute zugeben musste, dass alle Mitarbeiter der Bahn überprüft und massenhaft Daten abgeglichen wurden, bin ich über ein Zitat gestolpert, das auf einen mythologischen Überwachungsstaat hinweist:
Odin, Gott der germanischen Mythologie, wird von zwei Raben begleitet, Hugin und Munin. Die beiden sind, zumindest einer Überlieferung nach, so etwas wie mythische Überwachungskameras:
Zwei Raben sitzen auf seinen Schultern und sagen ihm alles ins Ohr, was sie sehen und hören. Sie heißen Hugin und Munin. Bei Tagesanbruch entsendet er sie, um über die ganze Welt zu fliegen, und zur Frühstückszeit kehren sie zurück. Von ihnen erfährt er viele Neuigkeiten.
Drohnen sind allerdings ja auch nichts Neues mehr.
Posted in Aus dem Alltag | No Comments »
Februar 2nd, 2009 Daniel Meßner
Da wir in letzter Zeit ein wenig Zitat-lastig waren, wollte ich auch meinen Teil dazu beitragen.
Benjamin Blümchen:
Jetzt sammeln Karla Kolumna und ich Daten. Wichtige Daten!
Wärter Karl:
Daten? Ich kenne nur Leute, die Briefmarken sammeln, oder Bierdeckel, oder schlechte Noten.
[Benjamin Blümchen, Der Computer, Folge 63]
Posted in Film & Musik | No Comments »
Februar 1st, 2009 Stephan Gruber
Zwei Zitate aus “Zodiac” (USA 2007, Regie: David Fincher):
Can I give you a piece of advice? You’re looking in the wrong place. Handwriting, fingerprints, that’s what this whole thing’s about. Stick to the evidence.
Do you know what the chances of us arresting someone are now? Too much time has gone by, okay? Too much of the evidence is lost. People get old, Robert. They forget.
Posted in Film & Musik | 1 Comment »