Heute am 28. Jänner 2010 wird zum vierten Mal der europäische Datenschutztag begangen. Der Tag, der an die Unterzeichnung der Europäischen Datenschutzkonvention am 28.01.1981 erinnert, soll insbesondere für Themen rund um den Datenschutz sensibilisieren.
Auf WELT ONLINE heißt es zum Sprengstoffalarm am Münchner Flughafen:
Die Bundespolizei hatte am Mittwoch den Terminal 2 des Münchner Flughafens für knapp drei Stunden gesperrt, nachdem dort der Laptop eines Passagiers auf Sprengstoff angeschlagen hatte. Der unbekannte Fluggast hatte trotz des Alarms weitergehen können, ohne festgehalten zu werden. Schuld ist nach Ansicht von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand eine Kontrolleurin der von der Regierung von Oberbayern beauftragten privaten Sicherheitsfirma. Sie wollte den Laptop zwar einer Nachkontrolle unterziehen, doch der Englisch sprechende Reisende reagierte nicht und verschwand mit dem Notebook in der Menge.
Die Schuld an dem folgenreichen Vorfall wird auf einen Menschen abgeschoben. Andere politische Stimmen machen darüber hinaus die unzureichende Ausbildung bzw. die schlechte Bezahlung des Sicherheitspersonals mitverantwortlich.
Doch wer redet eigentlich von der gravierenden Fehlleistung des Detektors, der Maschine, welche immerhin der Auslöser der ganzen Misere war? Natürlich hätte die Sicherheitskraft den Mann ein zweites Mal kontrollieren müssen, doch handelte es sich bei dem Mann nicht um einen „… völlig unauffälligen, etwa 50-jährigen, englischsprachigen Mann“, wie die Auswertung der Videobilder im Nachhinein ergab (BR-Online)?
Ich frage mich, ob der gesunde Menschenverstand, das Bauchgefühl der Sicherheitskraft ihr im Moment der Kontrolle nicht genau das vermittelt hat. Für mich stellt dieser Vorfall jedenfalls das beste Beispiel dafür dar, welche gravierenden Folgen ein Fehlalarm in sicherheitspolitisch nervösen Zeiten haben kann. Ohne den Fehlalarm der Maschine kein Fehlverhalten der Sicherheitskraft. Im Endeffekt ist nicht die Sicherheitskraft alleine schuld, sondern ein ganzes komplexes Akteur-Netzwerk aus Sicherheitspersonal, deren Ausbildung und Bezahlung, politischen Rahmenbedingungen, Sprengstoffdetektoren, Laptops, Schwellenwerten, eiligen Geschäftsmännern usw.
In allen vier Walt Disney Themenparks in Orlando/Florida sind bereits seit 2006 Fingerabdruckscanner im Einsatz [vgl. Lyon, David (2007): Surveillance Studies. An Overview. Cambridge: Polity Press. p.109]
Der gespiecherte Fingerabdruck soll das Ticket ersetzen. Laut Kim Prunty, Sprecherin von Walt Disney World, werden dafür “nur” numerische Codes gespeichert. Mehr Informationen bei CBCNews.
Wieder mal ein Beispiel bei dem der Fingerabdruck für Werbung genutzt wird. Als Metapher für “einen bleibenden und individuellen Eindruck hinterlassen” haben sich die Papillarlinien an den Fingerspitzen wohl mittlerweile durchgesetzt und den Geschmack der erkennungsdienstlichen Behandlung verloren. Erstaunlich daran ist, dass Fingerabdrücke zur Identifizierung trotzdem allgegenwärtig sind, siehe Flughäfen oder Reisepässe.
Sinn und Unsinn der Vorratsdatenspeicherung 12. Jänner 2010 Beginn 16 Uhr Ort: OCG, A-1010 Wien, Wollzeile 1-3
Referenten: Rechtsanwalt Mag. Ewald Scheucher, Arbeitsgruppe Vorrat, Experte in Grundrechtsschutz BSc. Christian Czeczil, e-commerce monitoring GmbH, Experte in der “Umgehung” der Vorratsdatenspeicherung Dr. Hans G. Zeger, Obmann der ARGE DATEN Diskutiert werden sowohl die Grundrechtsfragen der Vorratsdatenspeicherung, aber auch welche technische Auswirkungen zu erwarten sind. Eintritt frei, Anmeldung erbeten (email hidden; JavaScript is required)
So sah eine Prognose Studie von IBM aus dem Jahr 1987 unter anderem die Zukunft der Nutzung des Computers. Die FAZ untersucht in ihrer Samstagsausgabe (02.01.2010) die damals aufgestellten zehn Thesen für das Jahr 2010 und entlarvt These neun als Irrtum:
„Auch im Jahre 2010 wird die aufgeklärte und demokratische Gesellschaft ihre spezifischen Ängste haben, aber sie werden wenig mit dem Computer zu tun haben. Themen wie ‘Angst vor Überwachung’, ‘Jobkiller’, ‘Datenschutz’ u.a. werden nicht mehr im Zusammenhang mit dem Computer gesehen. Datenschutz wird als Bürgerrecht akzeptiert und respektiert sein.“
Dass aber einige der Thesen wirklich eingetreten sind, kann man im gesamten Artikel nachlesen.