Seit einigen Tagen ist die multimediale Ausstellung “Welt der Habsburger“ im Internet frei zugänglich. Neben Hunderten von Bildern, Texten und Storys bietet die Website mittels einer Zeitleiste, einer Landkarte und eines Stammbaums die Möglichkeit, in die Geschichte des Adelsgeschlechts einzutauchen.
Ich habe in den letzten 2 Jahren als inhaltlicher Mitarbeiter – “Autor und Kurator”, wie das in den Projekt-Facts so schön heißt – am Entstehen dieser virtuellen Ausstellung mitgewirkt. Daher lade ich alle LeserInnen herzlich ein, nach Lust und Laune die Website zu besuchen, in der man aufgrund der Fülle des Ausstellungsmaterials sicher viel Zeit verbringen kann.
Nachdem die Ausstellung nun öffentlich zugänglich ist, lebt sie natürlich vom Zuspruch der BesucherInnen; das Ausstellungsteam freut sich über Rückmeldungen jeder Art. Besonders MedienvertreterInnen, LehrerInnen und StudentInnen, aber auch alle anderen seien daher eingeladen, die Online-Ausstellung weiterzuempfehlen, über sie zu berichten oder sie im Schulunterricht einzusetzen.
Eine Radierung des französischen Architekten Claude-Nicolas Ledoux aus dem Jahr 1804. Im Spiegelbild des Auges zeigt sich der Innenraum des von ihm entworfenen Theaters in Besançon.
Am New Yorker Times Square ist am 1. Mai 2010 beinahe in einem Geländewagen eine Autobombe explodiert. Die Katastrophe konnte durch die wachsamen Augen von zwei Menschen (!) verhindert werden. Die ARD-KorrespondentinnenAnja Bröker und Lena Bodewein sprachen am Times Square mit dem T-Shirt Verkäufer Duane Jackson, der Alarm geschlagen hatte. Die Polizei setzt indes auf mehr Überwachungskameras, wie die beiden Journalistinnen in ihrem Videoblog berichten.
Im Beitrag ist von dem sog. ‘Ring of Steel’ die Rede, eine andere Bezeichnung für die ‘Lower Manhattan Security Initiative’, die sich London’s ‘Ring of Steel’, ein umfassendes Netzwerk aus Überwachungskameras und Straßensperren zur Erkennung und Verhinderung von terroristischen Akten zum Vorbild nimmt. New York’s Bürgermeister Bloomberg erkundete soeben das Londoner Vorbild. Die Pläne für den New Yorker ‘Ring of Steel’ gibt es schon seit mindestens 2007, damals wurden die Kosten auf $ 90 Mio. geschätzt. Letzte Woche war bereits die 2,2-fache Summe von $ 200.7 Mio. zu lesen.
Noch einmal zurück zum Videoblog: Ein Bombenattentat konnte durch einen aufmerksamen Menschen verhindert werden und um noch mehr Sicherheit zu schaffen sollen weitere Kameras installiert und deren Vernetzung vorangetrieben werden. Was stimmt an diesem Satz nicht? 1. Es waren nicht die Kameras, die das Attentat verhindert haben, es war einfach ein aufmerksamer Mensch. Diese Tatsache als Begründung für noch mehr Überwachungskameras zu nehmen ist absolut irreführend und führt 2. zu der Annahme, dass ein Zusammenhang von (mehr) Sicherheit und Kameras besteht, welcher unhinterfragt stehen gelassen wird. Es bedarf scheinbar keiner Begründung, wieso mehr Kameras für mehr Sicherheit sorgen.
Ein schönes Zitat zum Thema Technikgläubigkeit – Stichwort “Ökonomie des Versprechens”, die wir bei der Entwicklung und Implementierung von Identifizierungstechniken untersuchen – findet sich in einem Kommentar von Tobias Müller im Standard vom 11. 5. 2010 unter dem Titel “Der menschliche Faktor“. Hintergrund ist ein U-Bahn-Unfall, bei dem ein Kind verletzt wurde, es geht nun um die Schuldfrage – Mensch oder Technik:
Menschen machen einfach öfter Fehler als Maschinen. Auch die Wiener Linien sollten mehr auf Technik als auf die U-Bahn-Fahrer vertrauen.
Volksdaktyloskopie — die Speicherung der Fingerabdrücke der Gesamtbevölkerung — ist eine kriminalistische Überwachungsphantasie seit Einführung des Fingerabdruckverfahrens um 1900 in Europa. Eine Ausweitung der gespeicherten Datenbestände ist — trotz ePass — nie passiert. Das mag an der kulturellen Akzeptanz der erkennungsdienstlichen Behandlung liegen, wie der Rechtshistoriker Miloš Vec vermutet. Zentral gespeichert werden — damals wie heute — die Abdrücke von Straffälligen und Asylsuchenden. Einige Beispiele zeigen, dass die erkennungsdienstliche Behandlung als Kriminalisierung und Vorverurteilung empfunden wurde und wird, eben weil mit dem Fingerabdruckverfahren gesellschaftliche Randgruppen überwacht werden sollen. Spannend in dem Zusammenhang ist ein Bericht der Moskauerin Chawa Dakajewa zitiert von Vilena Valeyeva: „Mir wurden schon Fingerabdrücke abgenommen, weil ich Tschetschenin bin.“
Ein Skript zu chemischen Methoden in der Kriminalistik des Science Forum an der Universität Siegen in dem unter anderem erklärt wird, wie sich Fingerabdrücke sichtbar machen lassen, zum Beispiel mit Graphit-Pulver oder Silbernitrat bzw. Ninhydrin. Unter dem Stichwort „Beweis“ heißt es: „Findet man beim Merkmalsvergleich eine Übereinstimmung von acht anatomischen Merkmalen (die sog. Minutien, d.h. feine Verzweigungen bzw. Endungen der Papillarlinien), so ist die Identität der entsprechenden Person eindeutig nachgewiesen.” An der Stelle ist mir das Simon Cole Zitat eingefallen: „Essentially I found that fingerprinting was accepted on trust early in the twentieth century and it’s been living on that trust ever since.“
Zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken lässt sich neben Ninhydrin und Silbernitrat auch Laser einsetzen.
Der Eintrag zu Robert Heindl in der Neuen Deutschen Biographie findet sich hier.
Eine interessante Vortragsreihe gibt es dieses Semester an der FU Berlin. 13 Vorlesungen zum Thema „Forensische Biologie – Wissenschaft im Dienste der Verbrechensaufklärung“: „In 13 Vorträgen kann jeder, der Interesse mitbringt, hinter die Kulissen von CSI & Co schauen und den Wahrheitsgehalt dieser Serien prüfen.“ Aufhänger ist zwar leider wieder einmal CSI, aber es werden viele spannende Themen abgedeckt. Die Daktyloskopie ist am 24. 6. 2010 dran.
Sich in 45 Sekunden über die Daktyloskopie informieren geht hier. Die Computerstimme ist gar nicht so schlecht, aber viele Betonungen sind dann doch falsch.
Das Magazin rhizone — in Anlehnung an Rhizom — ist seit einigen Tagen online.
Es kumuliert herausragende Seminararbeiten, die von Studierenden am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien verfasst wurden. Ziel dieses Publikationsprojektes ist es, Voraussetzungen für die Entwicklung einer studienbegleitenden Förderung der publizistischen Praxis von Studierenden zu schaffen.
Geleitet wird das Projekt von Ramón Reichert, die erste Ausgabe thematisiert Social Guidance Filme.
Heute beginnt die zweite Woche der soziologischen Nachwuchsforschung am Institut für Soziologie der Universität Wien. Ziel der Veranstaltung ist es, wissenschaftliche Forschungen, die im Rahmen von akademischen Abschlussarbeiten entstanden sind bzw. derzeit durchgeführt werden, sichtbar zu machen und zur Diskussion zu stellen.