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Wildes Bildagieren

published by Daniel Meßner

Da gibt es diese These in meiner Diplomarbeit über die Standardisierung der Polizeifotografie. Nicht, dass ich die These entwickelt hätte, aber in der Anwendung auf meinen Quellenbestand hat sie sich als sehr brauchbar erwiesen. In Anlehnung an Susanne Regener gehe ich davon aus, dass die Polizeifotografen in den Anfangsjahren (ab 1870) auf der Suche nach dem “richtigen” Bild waren. Eine Phase des wilden Bildagierens [siehe: Susanne Regener, Die fotografische Erfassung, S. 68].

Jagger, Eines Tages

Grund dafür war, dass die Polizei über kein eigenes Darstellungsmuster verfügte, da die Fotografie zunächst ein bürgerliches Medium war. Diese These ließ sich mit dem von mir bearbeiteten Fotobestand gut nachweisen, da es viele unterschiedliche TäterInnen-Bilder enthält. Schließlich, so die These, kam es nach einigen Jahrzehnten zur Standardisierung, indem sich die von Alphonse Bertillon verwendeten Maßstäbe durchsetzten. Das bedeutete vor allem die Darstellung in Profil- und Frontalbild.


Mugshot 50Cent, Eines Tages

Auf der Zeitgeschichte-Plattform Eines Tages von Spiegel-Online veröffentlichte Christoph Gunkel eine Geschichte, “Bitte lächeln, sie sind verhaftet”, mit VerbrecherInnen-Fotos von Prominenten. Im Text weist er, wenig überraschend, auf Bertillon als “Vater der Polizeifotos” hin:

“Tausende von Verdächtigen fotografierte und vermaß Bertillon in den folgenden Jahren – stets nach demselben Muster: frontal, im Profil von links und in Dreiviertel-Vorderansicht. [...] Damit war das standardisierte Polizeifoto geboren, auch wenn sich Bertillons Vermessung des Knochenbaus langfristig nicht durchsetzte.”

Hendrix

Zweifel an der These kommen mir aber, wenn ich mir die Bilder anschaue: von einer Standardisierung ist ziemlich wenig zu sehen. Mick Jagger muss sein Schild selber halten, 50 Cent hatte einen Maßstab im Hintergrund, bei Jimi Hendrix sind die Infos handgeschrieben, während Martin Luther King ein Schild um den Hals hat. Von den Qualitätsunterschieden der Aufnahmen möchte ich gar nicht sprechen und auf Haltung und Mimik wurde auch nicht bei allen Wert gelegt (vergleiche bsp. David Bowie und Hugh Grant). Ein großer internationaler Mugshots-Vergleich steht also noch aus.

Meine These:

Bowie, Eines Tages

Die Phase des wilden Bildagierens dauert noch an.

GrantKing, Eines Tages

This entry was posted on Sonntag, Mai 10th, 2009 at 20:05 and is filed under Mediensplitter. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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One Response to “Wildes Bildagieren”

  1. Mugshot | Verdaten. Klassifizieren. Archivieren. Says:
    September 7th, 2009 at 12:46

    [...] Bilder von TäterInnen und Verdächtigen schreibe ich nicht zum ersten Mal. Meinen letzten Beitrag, bei dem ich Bilder von Prominenten-Mugshots gezeigt habe, möchte ich jetzt ergänzen. Ich bin in [...]

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