Nachträgliche Begleitforschung
published by Daniel MeßnerÜber ein interessantes Interview mit dem Wissenschaftsphilosophen Alfred Nordmann bin ich im Standard gestolpert: “Technik ohne Verlierer”. Nordmann betreibt Begleitforschung zum Thema “Nano”. Auf die Frage, warum das sinnvoll ist, antwortet er:
Der Nanokosmos ist ein Bild für ein schier grenzenloses, technisches Potenzial, für einen imaginierten Möglichkeitsraum, der vermeintlich allen offensteht. Die Nanowissenschaften werden zur Wunscherfüllungsmaschine. Dahinter steckt die Vorstellung, wenn wir alles richtig machen, kriegen wir eine Technik ohne Verlierer. Dabei wissen wir: Das kann eigentlich nicht stimmen.
Da ich den “imaginierten Möglichkeitsraum” bei der Technisierung der Polizeiarbeit um 1900 erarbeite, könnte ich mich also als nachträglichen Begleitforscher bezeichnen. Deutlich wurde beim Interview übrigens auch, mit welchen Verständnisschwierigkeiten sozial- und geisteswissenschaftliche Forschungen konfrontiert sind.
Nachdem Nordmann erklärt, dass es darum geht, die Wunscherfüllungsmaschine zu hinterfragen und sich an den Selbstverständigungsprozessen der Wissenschaft zu beteiligen, kommt die Frage:
Lenken Begleitforscher nicht von der eigentlichen Nanoforschung ab?
Gegenfrage: Was steckt da für ein Verständnis von Naturwissenschaft dahinter? Nordmann antwortet daher:
Diese Forschung braucht Öffentlichkeit und lebt davon, dass man sich ständig gegenseitig erklärt, woran man ist. [...] Keiner weiß, welchen Visionen man noch glauben darf.
So ist weiters der Titel “Technik ohne Verlierer” so vom Interviewten, meiner Ansicht nach, gar nicht intendiert. Suggeriert der Titel, dass Begleitforschung zu einer “Technik ohne Verlierer” führt, sagt Nordmann aber, dass genau die Vorstellung, die Technik könne zu einer “Technik ohne Verlierer” werden, kritikwürdig ist (siehe Zitat ganz oben).
Dass der Beitrag online fast nicht zu finden ist, weil er sehr weit unten verlinkt ist, obwohl er in der Printversion prominent im Schwerpunkt Nano-Technologie gedruckt wurde, passt irgendwie ganz gut ins Bild.

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