Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!
published by Stephan GruberVirtuelle Alternativwelten und Online-Nachbildungen der ‘echten’ Welt erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Boomten lange Zeit Fantasy-Umgebungen wie “World of Warcraft” (kurz WoW), so scheint nun die ‘schöne’ Realität auf dem Vormarsch. Das “Second Life” (Slogan “Your world. Your imagination.”) gibt es ja schon länger, nun stößt auch Sony mit seiner Playstation 3 in diese Richtung: “PlayStation®Home” nennt sich das Projekt, das seit einigen Monaten als “closed beta trial”, also für eine geschlossene Community läuft. Morgen öffnet Sony die “Home”-Welt dann für alle PS3-User.
Ich habe mich in diese mir bisher fremde Online-Welt gewagt. Noch bevor ich allerdings in diese schöne neue Welt durfte, wurde ich mit handfesten ‘realen’ Nutzungsbedingungen konfrontiert – ich muss also vor meinem Eintritt quasi meine Privatsphäre draußen lassen: Ich werde “überwacht“, alles was ich online tue, wird “aufgezeichnet” und “erfasst“; wenn ich mich schlecht benehme, kann ich auch mit den “Strafverfolgungsbehörden” zu tun kriegen. (Ziemlich sicher verstoße ich mit diesem Blog-Eintrag auch schon gegen einige dieser Bestimmungen, z. B. die Verschwiegenheitsklausel, die der Beta-Version eine geheimbündlerische Aura verleiht.)

Wenn ich damit einverstanden bin – die Hemmschwelle zum “Bestätigen” der Vereinbarung ist ja sehr gering –, dann kann ich daran gehen, mein virtuelles Alter Ego zu erschaffen. Die Akribie, mit der ich hier vorgehen darf, erinnert fast an polizeiliche Identifizierungstechniken wie die Bertillonage. Geschlecht, Schädelform, Gesicht, Körperform, Haut, Haare, auch Kleidung – alles darf ich nach meinen Wünschen bis ins letzte Detail anpassen.



Faszinierend ist dabei, dass die meisten User offenbar versuchen, ein (idealisiertes) Abbild ihres ‘echten’ Körpers zu erschaffen. Wenn also jemand mal diesem jungen Mann im Kino oder in der Bowlingbahn von PlayStation®Home begegnen sollte: Ich bin’s.


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