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Občan K. – Kinostart

Oktober 25th, 2012 Stephan Gruber

Vor einiger Zeit haben wir auf eine Aktion des tschechischen Kollektivs Ztohoven mit dem Titel “Občan K.” (“Bürger K.”) hingewiesen, das dieser Gruppe einigen Ärger mit den Behörden einbrachte: Die Künstler ließen sich neue Personalausweise ausstellen und benützten dafür gemorphte Porträtfotos, die sich aus den Bildern mehrerer Personen zusammensetzten und so die gewünschte Eindeutigkeit von Foto-IDs unterwanderten. Am 8. November startet nun der daraus entstandene Dokumentarfilm der Gruppe in ausgewählten tschechischen Kinos: Občan K. – dokumentární film o záměně identit členů umělecko-aktivistické skupiny Ztohoven (Bürger K. – Ein Dokumentarfilm über die Identitätsverwechslungen der Künstler-Aktivistengruppe Ztohoven).

Hier gibt’s den Trailer dazu:

Und auf ARTE lief vor einiger Zeit ein sehenswertes Porträt über die Gruppe und ihre Aktionen – dazu gehörten subversive Ampelmännchen, das Austauschen von Werbeplakaten und als Highlight eine vorgespielte atomare Explosion im tschechischen Frühstücksfernsehen: (2 Teile)


(Dank für die Hinweise wiederum an Pavel!)

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Ein Tag, drei neue Ausweise

Oktober 4th, 2011 Stephan Gruber

Heute durfte ich wieder einmal in geballter Form erleben, wie wichtig Ausweise für unseren Alltag sind: Um Zutritt zu verschiedenen Leistungen, Institutionen, Online-Anmeldesystemen und sogar Bestellungen von Mensa-Mittagsmenüs zu erhalten, braucht man solche Identitätsnachweise – heute natürlich allesamt relativ einheitlich gestaltet, im Scheckkartenformat und mit einem Foto als wichtigstem Identitätsmerkmal.

Ist man neu in einer Stadt/einem Land (in meinem Fall in der tschechischen Hauptstadt Prag), ist es daher unumgänglich, diverse Amtswege zu erledigen, um zu diesen Plastikkarten zu kommen, die den Alltag komfortabler gestalten sollen. Hier das Ergebnis meiner heutigen Ausbeute – inklusive der Prager Bürgerkarte “Opencard” (Slogan: “Smart card that will make your life in the capital city easier”), die unter anderem wegen datenschutzrechtlicher Bedenken und Korruptionsverdacht bei der Auftragsvergabe ein besonderes Ausweisschmankerl darstellt:

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UNHCR Kampagne gegen Staatenlosigkeit

September 21st, 2011 Christoph Musik

Der Staatenlose Mehran Karimi Nasseri lebte 18 Jahre lang im Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Seine Geschichte diente als Vorbild für Steven Spielberg's Film "Terminal".

Wie uns Daniel Meßner in seiner Rezension zum Buch „Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens“ von Thomas Claes aufmerksam machte, regeln Identifizierungsdokumente wie Ausweise oder Pässe den Zugang zu bestimmten Territorien und Räumen wie Städte oder Nationalstaaten. Zugehörigkeit zu einem Staatswesen bedeutet aber auch Zugang zu Bürgerrechten. Staatenlosigkeit hingegen bedeutet Rechtlosigkeit. Ausweise und Pässe markieren also eine Grenze zwischen Inklusion und Exklusion.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), welches das Mandat hat Staatenlosigkeit zu verhindern, startete Ende August eine Kampagne, um auf das aus ihrer Sicht vernachlässigte Thema der Staatenlosigkeit aufmerksam zu machen und die Zahl der Staatenlosen weltweit zu verringern. Denn laut der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” von 1948 hat jeder Mensch Anspruch auf eine Staatsangehörigkeit.

UNHCR schätzt die Zahl staatenloser Menschen global auf bis zu zwölf Millionen. Exakte Zahlen anzugeben, ist aber äußerst problematisch. Unterschiedliche statistische Kriterien in Verbindung mit verschiedenen Definitionen erschweren es, das Ausmaß von Staatenlosigkeit zu erfassen.

Die Datenlage für Österreich ist ähnlich problematisch: UNHCR Österreich sind Daten des BMI bekannt, nach welchen mit 31.12.2010 in Österreich 401 Personen als Staatenlose gemeldet sind und von 174 Personen die Staatsangehörigkeit ungeklärt ist. Laut der Bevölkerungsstruktur der Statistik Austria sind mit 1.1.2011 in Österreich aber 12.660 Personen (7.160 Männer, 5.500 Frauen) der Kategorie “unbekannt/ungeklärt/staatenlos” zugeordnet. UNHCR Österreich kündigte an, diesen Sachverhalt im Rahmen eines Projektes nächstes Jahr zu klären.

Immerhin hat Österreich das „Übereinkommen über die Rechtsstellung der Staatenlosen von 1954″ erst im Jahr 2008 ratifiziert. Das Übereinkommen wurde am 6.12.2007 mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen (dagegen: FPÖ, BZÖ) im Nationalrat beschlossen und anschließend vom Bundesrat angenommen. Die Debatte im Bundesrat kann man hier nachlesen. Unter anderem wurde darin auch die Ausgabe von Identitätsausweisen und Reiseausweisen diskutiert, die jedem Staatenlosen von den vertragschließenden Staaten ausgestellt werden müssen (Artikel 27 und 28). In der Praxis scheint die Ausgabe dieser Ausweisdokumente mittlerweile eher restriktiv zu sein, wie der Rechtsanwalt für Ausländer- und Asylrecht Robert Bitsche im Artikel “Die kein Staat will” auf profil.at berichtet:

Für Personen, die von vorhinein keinerlei Status oder irgendwelche Dokumente haben, ist es unmöglich, einen Fremdenpass zu bekommen.

 

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Formular für Heimatscheine, 1850

August 2nd, 2011 Stephan Gruber

Eingeführt mit Erlass der k. k. n. ö. Statthalterei vom 10. Mai 1850, Z. 18220, an die 17 Bezirkshauptmannschaften, an die k. k. Stadthauptmannschaft und den Wiener Magistrat, über die Ausfertigung der Heimatscheine. In: Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Oesterreich unter der Enns. VIII. Stück. Ausgegeben und versendet am 5. Juni 1850, S. 154–157.

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Formular für Wanderbücher 1827/28

Juli 15th, 2011 Stephan Gruber

Aus: Seiner k. k. Majestät Franz des Ersten politische Gesetze und Verordnungen für sämmtliche Provinzen des Oesterreichischen Kaiserstaates, mit Ausnahme von Ungarn und Siebenbürgen. Auf allerhöchsten Befehl und unter Aufsicht der höchsten Hofstellen herausgegeben. Sechs und fünfzigster Band, welcher die Verordnungen vom 1. Januar bis letzten December 1828 enthält. Wien: k. k. Hof- und Staats-Aerarial-Druckerey, 1830. Online verfügbar unter http://alex.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=pgs&datum=1828&zoom=2, zuletzt geprüft am 13.07.2011.

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Kurzinterview: Magazin Vergangenheitsverlag

Februar 16th, 2011 Daniel Meßner

Im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Buch Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens von Thomas Claes, ist ein kleines Interview entstanden, das auf der Magazinseite des Vergangenheitsverlages nachzulesen ist:

Wieso wir uns ausweisen müssen

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Rezension: Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens von Thomas Claes

Februar 15th, 2011 Daniel Meßner

Thomas Claes: Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens, Vergangenheitsverlag, Berlin 2010, 140 Seiten, ISBN 978-3940621276 , Preis: 14,90 Euro

Ausweise, Pässe und andere Identifizierungstechniken haben eine Geschichte. Somit verändern sich auch die Praktiken des Identifizierens von Personen und die damit verbundenen Artefakte im Laufe der Zeit. Thomas Claes zeichnet in „Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens“ eine Geschichte des Ausweises nach vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Während dieser Zeit wandelten sich Pässe von Legitimationsinstrumenten, die das „Nicht-am-Platz-sein“ rechtfertigten sollten, zu einem immer stärker individualisierten Artefakt, das zunehmend mit biometrischen Daten verbunden wurde.

Das Passwesen ist einer der wichtigsten Bereiche ziviler Identifizierung und es stellt sich daher die Frage des Warum: Welche Funktionen erfüllen Ausweise und Pässe? Claes betont hier vor allem die kontrollierende und disziplinierende Funktion von Ausweisen durch Obrigkeiten: „Identifizierungsdokumente waren folglich schon immer Mittel der Kontrolle.“1 Wesentliche Wegmarker in der Entwicklung von Ausweisen und Pässen waren die Französische Revolution und die Einführung des Personenstandes (état civil) Ende des 18. Jahrhunderts. Die Erfindung der Staatsbürgerschaft führte zu wesentlichen Veränderungen des Passwesens: „Der moderne Staat wollte seine eigenen Subjekte erkennen, überwachen und kontrollieren“, betont Claes. Deutlich wird die Verknüpfung von Nationalstaatsbildung und Passwesen: „Die Geschichte des Passes ist auch die Geschichte des modernen Staates.“2 Hauptzweck ziviler Identifizierung ist vor allem die Zugangskontrolle: Identifizierungsdokumente regeln den Zugang zu bestimmten Territorien und Räumen wie Städte oder Nationalstaaten. Allerdings gilt es zu betonen, dass sie gleichzeitig ermächtigende und limitierende Effekte haben. Auch darauf verweist Claes, denn Zugehörigkeit zu einem Staatswesen bedeutet auch Zugang zu Bürgerrechten und eben nicht nur staatliche Kontrolle. Staatenlosigkeit bedeutet Rechtlosigkeit. Ausweise und Pässe markieren somit immer auch eine Grenze zwischen Inklusion und Exklusion.

Während die politischen Rahmenbedingungen für die Ausweitung des Passwesens mit den Nationalisierungsbewegungen in Europa im 19. Jahrhundert gesetzt werden, gilt es ebenso, den Übergang von Mittelalter/Früher Neuzeit hin zur Moderne zu erklären. Als Gründe für die Ausweitung der Anwendung von Ausweisen und Pässen nennt Claes das Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert, die gestiegene Mobilität – zum Beispiel durch die Eisenbahn – und die rasch wachsenden Großstädte durch die Industrialisierung. „Vormoderne Gesellschaften benötigen keine Mittel zur genauen Identifikation“, so das Fazit des Autors.3 Doch mobile Bevölkerungsgruppen gab es auch schon im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, worauf Claes selbst verweist, darunter Boten, Kaufleute aber auch Pilger, Bettler, Handwerker, Tagelöhner und nicht zuletzt Soldaten. Dennoch werden Ausweisdokumente, wie der Geleitbrief, nicht an individuelle Personen gekoppelt, geschweige denn mit biometrischen Merkmalen ergänzt. Für das Passwesen bedeutete der Erste Weltkrieg eine Zäsur. Claes betont die liberalen Passbestimmungen in Europa – die er mit dem Schengenraum vergleicht – und die mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein Ende fanden. Eine interessante Neuerung wurde nun in den Pass aufgenommen: Fortan wurde auch ein Foto des Passinhabers zur Pflicht; neben der Unterschrift des Passträgers das wichtigste biometrische Merkmal – bis heute.

Eine Geschichte des Passwesens verweist auf wesentliche (Macht-)Verhältnisse, innerhalb dessen Menschen interagieren. Claes beschreibt, wie es gerade nach dem Ersten Weltkrieg Probleme mit Flüchtlingen gab, die keine Ausweise hatten oder die sich im Sinne der Nationalstaaten nicht klar zuordnen ließen. Das gilt ebenso für nicht-sesshafte Bevölkerungsgruppen, die von Obrigkeiten häufig als Sicherheits- und Ordnungsproblem wahrgenommen wurden – und werden. Claes erwähnt mit dem sog. „Nansen-Pass“ des Völkerbundes einen Lösungsansatz. Der 1920 gegründete Völkerbund war eine wichtige Institution hinsichtlich der Standardisierung von Ausweisdokumenten. Ein Einschnitt in der Geschichte des Passwesens war die 1938 durch die Nationalsozialisten eingeführte Kennkartenverordnung und der Kennkartenzwang, der die politische Instrumentalisierung von Ausweisen besonders verdeutlicht. Denn zum Besitz einer Kennkarte verpflichtet wurden alle wehrpflichtigen Männer spätestens drei Monate vor ihrem 18. Geburtstag und alle Juden mit deutscher Staatsbürgerschaft. Die Wechselwirkungen zwischen politischen Machtverhältnissen und technischen Möglichkeiten wird von Claes eher vernachlässigt, zugunsten einer Ausrichtung vor allem auf den politischen Kontext.

Die technischen Neuerungen durch den Einsatz von EDV in der Verwaltung prägte die Geschichte der Ausweise in den 1980er-Jahren. Bemerkenswert sind die „Datenschutzrechtlichen Bestimmungen“ im Passgesetz der deutschen Bundesregierung von 1986, in dem es unter §16 heißt: „Der Paß darf weder Fingerabdrücke noch verschlüsselte Angaben über die Person des Inhabers enthalten.“ Die verstärkten Bemühungen biometrische Daten auf Ausweisen und Pässen zu integrieren, zeichnen gegenwärtige Tendenzen aus. Als Gründe führt Claes Terrorismus – vor allem 9/11 – sowie Globalisierungsbewegungen an. Biometrie spielte vorher vor allem durch Unterschrift und Lichtbild des Passträgers auf Ausweisen eine Rolle, während alle anderen biometrischen Verfahren im zivilen Bereich keine Anwendung fanden. Seit Fingerabdrücke auf Reisepässen und Personalausweisen gespeichert werden, ist dies anders, wobei zu betonen ist, dass es weiterhin zu keinen Überschneidungen mit der strafrechtlichen Anwendung von Fingerabdrücken kommt. Biometrie schließt nun – so Claes – „die Jahrhunderte alte Lücke zwischen Mensch und Dokument.“4 Außer Acht gelassen wird hier von Claes – dessen Anspruch es ist, eine kritische Geschichte des Passwesens zu verfassen –, dass das nur gilt, wenn es zu einem 1-zu-1-Vergleich zwischen Passträger und den Fingerabdrücken, die auf dem Pass gespeichert sind, kommt. Schließlich müssen die Meldebehörden die Daten nach Aushändigung des Passes löschen. Ein 1-zu-1-Vergleich ist derzeit aber noch nicht möglich und wird auch – wenn die technischen Probleme überwunden sind – nicht im großen Maßstab durchführbar sein, dafür ist der Vergleich zweier Fingerabdrücke zu komplex und nicht vollständig automatisiert durchführbar, sondern immer von menschlicher Expertise abhängig.5 Für eine strafrechtliche Verwendung reicht die Speicherung der Zeigefingerpapillarlinien nicht aus. Kritik übt Claes hingegen an der Speicherung biometrischer Lichtbilder: „Der Sinn, biometrische Passbilder im Ausweis zu speichern, ist jedoch weniger ersichtlich.“6 Doch gerade hier ergeben sich zukünftig neue Methoden der Identifizierung, die es gilt im Auge zu behalten. So können die Daten eines Reisepasses kontaktlos mit Hilfe eines RFID-Chips ausgelesen werden. Anschließend würde sich zum Beispiel mit einem Face-recognition-System die Möglichkeit ergeben, die Person zu identifizieren.

Die Frage, was es bedeutet, eine Person zu identifizieren, wirft das Beispiel des neuen Personalausweises in Deutschland, der sog. ePass, auf. Die Kritik, die an den neuen Ausweisen geübt wurde, ist, dass diese nicht sicher genug seien, und Claes geht näher auf einen Test des Chaos Computer Clubs ein, der Sicherheitslücken der neuen Personalausweise aufgezeigt hat. Ohne Zweifel ist es wichtig, auf die Sicherheitslücken hinzuweisen, aber, dabei darf nicht vergessen werden, dass mit den Ausweisen versucht wird, Identitäten von Personen, die im Internet Geschäfte tätigen, eindeutig sicherzustellen. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob das generell überhaupt möglich ist. Die Ausweise sollen gewährleisten, dass eine Person im Internet auch die Person ist, für die sie sich ausgibt. Das ist allerdings nicht möglich über biometrische Daten, die auf einem Dokument gespeichert sind. Schließlich kommt es nicht zu einem 1-zu-1-Vergleich zwischen Pass und Internetanwender. Nur weil eine Person im Besitz des Passes ist und die PIN des Benutzers weiß, ist sie noch lange nicht die Person, für die sie sich ausgibt. Die Unsicherheit der Verwendung, wie sie der Chaos Computer Club aufzeigte, geht vor allem von der Möglichkeit aus, Schadsoftware über den Computer oder das Kartenlesegerät zu installieren. Das lässt sich ohnehin nie verhindern. Hier hätte Claes meines Erachtens stärker auf die soziale Interaktion des Identifizierens eingehen können, also auf die Praxis des Identifizierens und die Frage, wie Personen zu bestimmten Zeiten mit Hilfe von Pässen identifiziert wurden. Denn wird nicht meistens der Abgleich, ob Person und Ausweis zusammengehören, in die Frage ausgelagert, ob der Ausweis gefälscht ist oder nicht?

Mein Eindruck ist, dass bei dem Buch die Grenzen zwischen akademischem Fachbuch – vor allem was die Sprache betrifft – und Sachbuch, für einen breiteren Markt, verschwimmen. Sprachlich hätten dem Buch erzählende Passagen, vor allem als Einstieg in die Kapitel, und personalisierte Beispiele gutgetan. Dazu gehört auch, dass das Buch anschaulicher hätte gestaltet werden können. Gerade Ausweise hätten sich angeboten, wie das Cover auch zeigt, über Bilder einen besseren Eindruck davon zu vermitteln, wie sich Ausweise in den letzten Jahrhunderten veränderten oder auch, welche Merkmale zu welchen Zeiten auf den Pässen gefordert waren.

Insgesamt bietet das Buch einen guten Einstieg in das Thema. Es liest sich schnell und vermittelt einen kompetenten Überblick über wichtige Entwicklungen des Passwesens und über aktuelle Forschungsfragen. Darüber hinaus werden LeserInnen im Literaturteil auf einschlägige weiterführende Lektüre verwiesen. So werden viele Standardwerke genannt, die sich für eine vertiefende Lektüre empfehlen würden – insbesondere der Sammelband „Documenting Individual Identity“, herausgegeben von Jane Caplan und John Torpey, ist hier zu nennen.7

  1. Claes, Passkontrolle, S. 10 [↩]
  2. Claes, Passkontrolle, S. 100 [↩]
  3. Claes, Passkontrolle, S. 91 [↩]
  4. Claes, Passkontrolle, S. 84 [↩]
  5. Siehe u.a. Cole, Simon A. (2002): Suspect identities. A history of fingerprinting and criminal identification. 2nd print. Cambridge, MA: Harvard Univ. Press [↩]
  6. Claes, Passkontrolle, S. 89 [↩]
  7. Caplan, Jane (Hg.) (2001): Documenting individual identity. the development of state practices in the modern world. Princeton N.J. u.a.: Princeton Univ. Press [↩]

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“Gestrandet”

Dezember 22nd, 2010 Stephan Gruber

Gudrun Harrer (guha) hat im heutigen Standard auf Basis einer kleinen Anekdote ein lesenswertes “Einserkastl” zum Thema Identitätsverlust durch Verlust von Dokumenten verfasst – Titel: “Gestrandet. Der Identität beraubt auf einer Reise durch Kafkas Schloss”:

Kein Albtraum, sondern Kollegin B. passiert: Bei der Einreise in London, wohin sie eine Dienstreise führt, nehmen ihr die britischen Behörden am Flughafen ihren Personalausweis ab. Dieser sei bei der österreichischen Polizei als gestohlen oder verloren gemeldet, deshalb müssen sie ihn einziehen, hier und jetzt.

Für das seiner nachweisbaren Identität beraubte Menschenkind selbst fühlen sich die Behörden aber nicht zuständig: Sie darf, ausweislos, nach London fahren. Offenbar gibt es keine Zweifel, dass sie diejenige ist, deren – verschwundenen – Ausweis sie hatte. […]

[Sie] kann sich nun etwas besser vorstellen, wie das ist: gestrandet sein, nichts sein. Womöglich mit der falschen Hautfarbe und Nationalität.

[zum Volltext]

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“Občan K.”: Identitätsfälschung in Tschechien

Juni 25th, 2010 Stephan Gruber

In Tschechien sorgte kürzlich eine Kunstaktion mit dem Titel “Občan K.” (“Bürger K.”) für Aufsehen – und Ärger mit den Behörden: Mitglieder der künstlerischen Aktionsgruppe Ztohoven (bedeutet etwa “Rausvonhier”) ließen sich neue Personalausweise ausstellen. Das Besondere daran: Sie benutzten “gefälschte” Ausweisfotos, indem die Porträtfotos von jeweils zwei Personen so gemorpht wurden, dass beide Personen dasselbe Bild benutzen konnten. Somit konnte eine Zeit lang mit der Identität des jeweils Anderen gelebt werden, einschließlich Heirat und Wahlen. Ziel der Aktion war, auf den relativ einfachen Missbrauch persönlicher Daten von x-beliebigen Personen aufmerksam zu machen. Nach der (freiwilligen) Aufdeckung der Aktion folgte jedoch die polizeiliche Verfolgung …1

Občan K. / Citizen K. / Der Bürger K. from Občan K. on Vimeo.

Danke für den Hinweis an Pavel H.!

  1. Siehe auch “Czech Citizen K: Artist arrested for identity fraud”, http://aktualne.centrum.cz/czechnews/clanek.phtml?id=671259 sowie “Aktionskünstler von ‘ztohoven’ leben ein halbes Jahr unter falscher Identität”, http://www.radio.cz/de/artikel/129124 [↩]

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Schwellenland

Juni 1st, 2010 Anna Masoner

oe1.orf.at

Seit gestern habe ich eine neue Identität. Doch mehr als meinen neuen Namen, weiß ich ich bisher nicht über mich. Als Anna Masoner werde ich am 3. Juni ausgebürgert. Als Julia Sara Medina muss ich mich von da an für 10 Tage in Wien herumschlagen. Ohne Ausweis, Bankomatkarte und E-Card. Die werden an besagtem Tag in einem Plastiksackerl versiegelt.

Die Ausbürgerungs-Aktion habe ich mir nicht selber ausgedacht, sondern das Berliner Kollektiv matthaei & konsorten, die das sogennnte Tansmedia-Game Schwellenland gerade im Rahmen der Wiener Festwochen das veranstalten.

Laut Homepage werde ich in den nächsten Tagen per SMS von Verabredungen erfahren und an Orte gelotst, zu denen ich bisher noch keinen Zugang hatte.

“Begleitet werden Sie von Coaches und Referees, welche die üblichen Nationalgrenzen längst hinter sich gelassen haben und in Wien als Flüchtlinge oder ohne Papiere leben. Diese Spezialisten helfen Ihnen, die Herausforderungen von SCHWELLENLAND zu meistern. Aber sie haben auch die Macht, Sie auszuweisen, wenn Sie zu viele Fehler machen…”

Ich werd mich also in Zeug legen. Laut Kulturjournal-Bericht auf OE1 bin ich eine von 250 Ausbürgerungswilligen. Ich halte euch auf dem Laufenden…

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“Das Foto auf Ihrem Pass sieht Ihnen nicht ähnlich”

Dezember 7th, 2009 Stephan Gruber

Im Standard findet sich heute unter dieser Überschrift ein Artikel über den beschwerlichen Bürokratie-Weg aus der Türkei nach Österreich:

Türkische Unternehmer beschweren sich über die Visumspolitik mancher EU-Staaten – Österreich gilt als besonders bürokratieintensiv … [Weiterlesen]

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These papers tell me you are nothing

Oktober 7th, 2009 Stephan Gruber

“But I am a German!”

“No, you are nothing. These papers tell me you are nothing. Nothing at all. You do not exist.”

“One day! They are out of date by one day, that is all.”

“Sir, this gentleman comes through all the time,” Klingermann gave Alois an uncomfortable look. “He is… he is well known to me. I can vouch for him.”

“Oh, you can vouch for him, can you Klingermann? And why do you think the Imperial Government in Vienna spends a fortune every month on papers, stamps, passports and vouchers, then? For fun? What do you think a voucher is? It is a stamped piece of paper to be carried around at all times, legitimising the bearer. Or does this non-existent citizen of nowhere imagine that he will carry you around as his voucher?”

“But as a German, I am allowed free passage into Austria!”

“But you are not a German. You may have been, from these papers, a German yesterday. But today, today you are no one and nothing.”

aus Stephen Fry: Making History, London 1997, S. 32

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Biometrie im Fußballstadion

August 20th, 2009 Stephan Gruber

Der niederländische Fußballclub ADO Den Haag hat eine eigenwillige Taktik, seine Fans unter Kontrolle zu halten: Für alle BesucherInnen, die Tickets für die Heimspiele des Clubs erwerben wollen, ist der Besitz einer sogenannten Club Card verpflichtend. Und an die kommt man nur, indem man persönlich mit ausgefülltem Antragsformular bei der Ticketstelle im Stadion vorstellig wird. Doch damit nicht genug:

Bij het indienen van de aanvraag wordt de benodigde biometrische foto op locatie gemaakt.

Soll heißen: Bei der Beantragung muss man ein biometrisches Foto von sich machen lassen, das auf der Clubcard gespeichert wird. Kauft man dann ein Ticket, stimmt man der Kameraüberwachung mit biometrischen Methoden zu.

Fans der Auswärtsteams können übrigens ohne Clubcard Tickets kaufen – dürfen dann aber nicht individuell anreisen, sondern müssen eine “verpflichtende Bus-Kombi” nehmen, also geschlossen im Bus zum Spiel kommen.

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Gasthaus, St. Leonhard am Hornerwald

Juni 1st, 2009 Stephan Gruber

signalement

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Identifizierung unterwegs: Stockholm & Umeå

Februar 19th, 2009 Stephan Gruber

Die letzte Woche habe ich in Schweden verbracht, hier einige Impressionen:

kamera

Die obligaten Hinweise auf Überwachungskameras – wenngleich diese Hinweise im internationalen Vergleich etwas spärlicher gesät scheinen.

varning

Warnung vor Taschendieben

einbrecher

"Liebe Einbrecher: Hier gibt's nichts zu stehlen. Danke!"

eye

Weitere Assoziationen zum "Allsehenden Auge"

fahndung

Eintrag "Efterlysning" ("Fahndung") im "Svensk Uppslagsbok, Band 7"

shirt

Pflichtkauf bei H&M

dn1

Ausriss aus "Dagens Nyheter": Ein Mann, der 30 Dosen Snus (Oraltabak) gestohlen hat, soll "wie ein Italiener ausgeschaut" haben.

dn2

Ausriss aus "Dagens Nyheter": Die Stadt Stockholm will Überwachungskameras in Schulen.

Und das “Identifizierungs-Highlight” folgte schließlich am Flughafen Umeå: Die Fluglinie SAS verwendet auf Inlandsflügen ein biometrisches Identifizierungssystem, das noch nicht ganz ausgereift zu sein scheint. Beim Check-in sollte von allen Passagieren der Fingerabdruck registriert werden, um das Boarding zu beschleunigen. Funktionierte aber nicht so ganz: Den Fingerprint meiner Begleiterin konnte das Gerät nicht abnehmen. Lapidarer Kommentar des SAS-Angestellten: “You have no fingerprint. You have to show your ID on board.”

finger

Diese Finger sind mit dem SAS-Gerät nicht kompatibel.

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