Dezember 6th, 2010 Daniel Meßner
Das Jubiläum haben wir knapp verpasst, dennoch an dieser Stelle der Hinweis auf das 100-Jahr-Jubiläum der Daktyloskopie in Polen 2009. Also die Einführung der Daktyloskopie wird damit auf 1909 datiert. Ohne jetzt genau zu wissen, auf welches Ereignis und welchen Ort sich das Datum bezieht, beschleichen mich doch leichte Zweifel, ob nicht schon einige Jahre vorher die Daktyloskopie in Polen im Einsatz war. Zumindest macht sich bei genauerem Hinsehen die komplexe Geschichte Polens bemerkbar, weil in Krakau wurde mit Sicherheit vor 1909 daktyloskopiert. Krakau gehörte zu der Zeit allerdings zum österreichischen Kronland Galizien und wurde erst nach Ende des 1. Weltkrieges 1918 Teil des polnischen Staates.

Zu Ehren der 100-Jahr-Feier wurde in Polen eine Postkarte herausgeben. Über diese bin ich vor einigen Tagen gestolpert und sie ist auch der Grund für dieses Posting. Besonders interessant aus meiner Sicht ist einerseits die grafische Darstellung des Fingerabdrucks auf der Briefmarke rechts oben im Eck und die Überlappung des Fingerabdrucks mit einer Platine auf der Karte selbst.
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August 19th, 2010 Daniel Meßner
Vor wenigen Tagen ist die neue Ausgabe der Zeitschrift JIPSS (Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies) erschienen. Darin findet sich ein Aufsatz von mir zum Thema “Volksdaktyloskopie als Überwachungsphantasie”.
Bis das Exemplar in den Bibliotheken zugänglich ist, wird es wahrscheinlich noch ein paar Monate dauern, aber bei ACIPSS (Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies) am Institut für Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz gibt es das Einzelheft für nur 10 Euro inklusive Versand.
Der Aufsatz basiert auf meinen Vorträgen bei der IFK_Sommerakademie (Spuren und Archive des “Bösen”) und am Kulturgeschichtetag 2009 in Linz.
Daniel MESSNER: Volksdaktyloskopie — Das Fingerabdruckverfahren als Überwachungsphantasie zwischen Ausweitung und Widerstand, in: JIPSS 1/2010, S. 7-19.
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Juni 29th, 2010 Stephan Gruber
Vor einigen Tagen ist der Sammelband Ermitteln, Fahnden und Strafen. Kriminalitätshistorische Studien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, herausgegeben von Andrea Griesebner und Georg Tschannett, im Löcker Verlag erschienen. Der Band enthält zehn Beiträge von jungen Absolventen und Absolventinnen der Studienrichtung Geschichte der Universität Wien, darunter auch zwei Aufsätze von uns:
- DANIEL MESSNER: Erkennungsdienstliche Behandlung verdächtiger Personen. Über technisierte Identifizierung durch Fotografie, Anthropometrie und Daktyloskopie
- STEPHAN GRUBER: Steckbrieflich gesucht. Behördliche Fahndung in der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert
Zum Download: Ankündigungstext und Inhaltsverzeichnis
Andrea Griesebner, Georg Tschannett (Hg.):
Ermitteln, Fahnden und Strafen
Kriminalitätshistorische Studien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert
Wien: Löcker 2010
12,5 x 10,5 cm
Broschur
282 Seiten
€ 22,–
ISBN 978-3-85409-553-8
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Mai 11th, 2010 Daniel Meßner
- Volksdaktyloskopie — die Speicherung der Fingerabdrücke der Gesamtbevölkerung — ist eine kriminalistische Überwachungsphantasie seit Einführung des Fingerabdruckverfahrens um 1900 in Europa. Eine Ausweitung der gespeicherten Datenbestände ist — trotz ePass — nie passiert. Das mag an der kulturellen Akzeptanz der erkennungsdienstlichen Behandlung liegen, wie der Rechtshistoriker Miloš Vec vermutet. Zentral gespeichert werden — damals wie heute — die Abdrücke von Straffälligen und Asylsuchenden. Einige Beispiele zeigen, dass die erkennungsdienstliche Behandlung als Kriminalisierung und Vorverurteilung empfunden wurde und wird, eben weil mit dem Fingerabdruckverfahren gesellschaftliche Randgruppen überwacht werden sollen. Spannend in dem Zusammenhang ist ein Bericht der Moskauerin Chawa Dakajewa zitiert von Vilena Valeyeva: „Mir wurden schon Fingerabdrücke abgenommen, weil ich Tschetschenin bin.“

- Ein Skript zu chemischen Methoden in der Kriminalistik des Science Forum an der Universität Siegen in dem unter anderem erklärt wird, wie sich Fingerabdrücke sichtbar machen lassen, zum Beispiel mit Graphit-Pulver oder Silbernitrat bzw. Ninhydrin. Unter dem Stichwort „Beweis“ heißt es: „Findet man beim Merkmalsvergleich eine Übereinstimmung von acht anatomischen Merkmalen (die sog. Minutien, d.h. feine Verzweigungen bzw. Endungen der Papillarlinien), so ist die Identität der entsprechenden Person eindeutig nachgewiesen.” An der Stelle ist mir das Simon Cole Zitat eingefallen: „Essentially I found that fingerprinting was accepted on trust early in the twentieth century and it’s been living on that trust ever since.“
- Zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken lässt sich neben Ninhydrin und Silbernitrat auch Laser einsetzen.
- Der Eintrag zu Robert Heindl in der Neuen Deutschen Biographie findet sich hier.
- Eine interessante Vortragsreihe gibt es dieses Semester an der FU Berlin. 13 Vorlesungen zum Thema „Forensische Biologie – Wissenschaft im Dienste der Verbrechensaufklärung“: „In 13 Vorträgen kann jeder, der Interesse mitbringt, hinter die Kulissen von CSI & Co schauen und den Wahrheitsgehalt dieser Serien prüfen.“ Aufhänger ist zwar leider wieder einmal CSI, aber es werden viele spannende Themen abgedeckt. Die Daktyloskopie ist am 24. 6. 2010 dran.
- Sich in 45 Sekunden über die Daktyloskopie informieren geht hier. Die Computerstimme ist gar nicht so schlecht, aber viele Betonungen sind dann doch falsch.
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