Wem Facebook und Konsorten schon in der heutigen Ausprägung unheimlich sind, der sollte den folgenden Artikel besser gar nicht lesen:
“Eine schwedische Software-Firma kombiniert Gesichtserkennung, Augmented Reality und soziale Netze zu einem neuen Dienst: ‘Recognizr’ sagt, wer im Café neben einem sitzt.” [weiterlesen auf heise.de]
Klingt zwar noch etwas nach düsterer Überwachungszukunft, ist aber gar nicht mehr weit weg: Die Technologie, so einer der Entwickler, sei “schon so weit, dass eine kommerzielle Anwendung innerhalb von zwei Monaten machbar wäre.”
Hier konnten die Pigbrother Fans ihre Lieblinge 6 Wochen lang rund um die Uhr beobachten und so einen Einblich in das Leben von Schweinen gewinnen.
In 5 Wochen wurden die 4 Ferkel von über 743.000 absolut eindeutigen Besuchern online beobachtet. Menschen aus 118 verschiedenen Ländern sorgten für 11,8 Millionen Seitenzugriffe. 3.717 registrierte Fans fütterten über 16.500 Kartoffeln.
Die HSK-Redaktion scheint’s aber auch mit einer Portion Humor zu nehmen: Im aktuellen “hsk digest” (September 03, 2009) wurde nicht nur die eben genannte “Erwiderung auf die Replik zur Rezension” versandt, sondern auch ein Hinweis auf eine Konferenz mit dem passenden Titel “Gelehrte Polemik: Typen und Techniken wissenschaftlicher Konfliktführung” (23.-25. September 2009, Gießen).
Sehr ambitioniert klingen die Vorsätze der Plattform Academic Earth, die mir vor kurzem empfohlen wurde:
Academic Earth is an organization founded with the goal of giving everyone on earth access to a world-class education.
Die Website will also – gleichsam ein akademisches YouTube – Vorlesungen allgemein zugänglich machen. Ich bin besonders gespannt, wann das bisher recht spärliche Angebot aus dem Bereich der Kulturwissenschaften größer wird; unter “History” etwa sind bisher lediglich drei Vorlesungen zu finden. Aber vielleicht “studiere” ich ja doch noch Medizin, die Vorlesungseinheit von Marian Diamond über “The Human Brain and Muscular System” war jedenfalls schon mal sehr witzig und lehrreich.
Der junge Entrepreneur, der die Plattform gegründet hat, wird jedenfalls ziemlich sicher erfolgreich damit sein…
Lustige Fehlermeldungen spuckt die "Academic Earth" auch aus.
Nachdem der Europäische Gerichtshof vorgestern zum Schluß gekommen ist, dass die EG-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gesetzeskonform ist, brachte futurezone heute ein interessantes Interview mit dem Leiter des Ludwig-Boltzmann-Institus für Menschenrechte in Wien Hans Tretter.
Tenor des Gesprächs: Nichts genaues weiß man (noch) nicht, jedenfalls was die Anwendung der Richlinie in Österreich anbelangt.
Der Brief erweckt – zumindest auf den ersten, schnellen Blick – den Anschein, es sei eine Zahlung an diese Firma zu leisten, damit unsere Domain nicht ihre Gültigkeit verliert. Im Verlauf des Textes wird aber eingeräumt, diese “notice” sei keine Rechnung, sondern lediglich eine Serviceleistung für “domain name holders”, die gewillt seien, den Domain-Anbieter zu wechseln. Eine schnelle Google-Suche zeigt, dass diese Firma offenbar schon länger mit diesen sehr zweifelhaften Methoden ihr Glück versucht: Mithilfe des WHOIS-Protokolls werden Domain-Eigentümer ausgeforscht und mit diesen Briefen beglückt, um an deren Geld zu kommen.
Witzig ist aber der angedrohte mögliche “Identitätsverlust”:
“You must renew your domain name to retain exclusive rights to it […] Failure to renew your domain name by the expiration date may result in a loss of your online identity making it difficult for your customers and friends to locate you on the Web.”
Ein Überblicks-Folder mit wichtigen Webseiten und Anwendungen für HistorikerInnen. Erstellt habe ich ihn für die LV “Digitale Medien in der Geschichtswissenschaft” (WS 2008/2009).
Virtuelle Alternativwelten und Online-Nachbildungen der ‘echten’ Welt erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Boomten lange Zeit Fantasy-Umgebungen wie “World of Warcraft” (kurz WoW), so scheint nun die ‘schöne’ Realität auf dem Vormarsch. Das “Second Life” (Slogan “Your world. Your imagination.”) gibt es ja schon länger, nun stößt auch Sony mit seiner Playstation 3 in diese Richtung: “PlayStation®Home” nennt sich das Projekt, das seit einigen Monaten als “closed beta trial”, also für eine geschlossene Community läuft. Morgen öffnet Sony die “Home”-Welt dann für alle PS3-User.
Ich habe mich in diese mir bisher fremde Online-Welt gewagt. Noch bevor ich allerdings in diese schöne neue Welt durfte, wurde ich mit handfesten ‘realen’ Nutzungsbedingungen konfrontiert – ich muss also vor meinem Eintritt quasi meine Privatsphäre draußen lassen: Ich werde “überwacht“, alles was ich online tue, wird “aufgezeichnet” und “erfasst“; wenn ich mich schlecht benehme, kann ich auch mit den “Strafverfolgungsbehörden” zu tun kriegen. (Ziemlich sicher verstoße ich mit diesem Blog-Eintrag auch schon gegen einige dieser Bestimmungen, z. B. die Verschwiegenheitsklausel, die der Beta-Version eine geheimbündlerische Aura verleiht.)
Wenn ich damit einverstanden bin – die Hemmschwelle zum “Bestätigen” der Vereinbarung ist ja sehr gering –, dann kann ich daran gehen, mein virtuelles Alter Ego zu erschaffen. Die Akribie, mit der ich hier vorgehen darf, erinnert fast an polizeiliche Identifizierungstechniken wie die Bertillonage. Geschlecht, Schädelform, Gesicht, Körperform, Haut, Haare, auch Kleidung – alles darf ich nach meinen Wünschen bis ins letzte Detail anpassen.
Faszinierend ist dabei, dass die meisten User offenbar versuchen, ein (idealisiertes) Abbild ihres ‘echten’ Körpers zu erschaffen. Wenn also jemand mal diesem jungen Mann im Kino oder in der Bowlingbahn von PlayStation®Home begegnen sollte: Ich bin’s.
Eine ‘Anekdote’ aus dem Identifizierungs-Alltag: Eine besonders ‘perfide’, weil nervtötende Identifizierungsmethode wird bei der Hotline der Telekom Austria (0800 100 100) angewandt. Zunächst wird man von einer aggressiv-freundlichen Automatenstimme begrüßt und in Sicherheit gewogen: Der Anruf werde, so das Versprechen, durch das automatisierte Navigationssystem nämlich derart beschleunigt, dass man “schnell und einfach” mit einer (echten) Person verbunden werde, die mit Rat und Tat zur Hilfe stehe. Nach gefühlten 5 Minuten der Selbstbeweihräucherung durch die Hotline-Stimme darf man dann endlich auswählen, zu welchem Thema man Hilfe wolle.
Und dann kommt der Identifizierungs-Part: Um den Anruf zu “beschleunigen”, solle man bitte seine Telefonnummer (die unschuldige Telekom-Hotline kennt natürlich keine Call ID …) und Kundennummer wahlweise eintippen oder einsprechen – unendliches Herumärgern mit der Sprach- und Tastenerkennung ist vorprogrammiert.
Aber nun ist man endlich und eindeutig identifiziert, wer man denn sei und was man eigentlich wolle. Doch die Vorfreude auf die persönliche Beratung kommt zu früh: Denn als Lohn für die Bereitstellung aller Informationen bedankt sich die Hotline-Stimme nun bei den geduldigen KundInnen für den Anruf – leider rufe man aber für dieses spezielle Problem (genauer gesagt “andere Fragen”) außerhalb der dafür vorgesehenen Beratungszeit an. “Auf Wiedersehen!” Tütütüt …
Ja, ebenfalls, ☠☣♨☭☄♒✆ Maschine!
(Ein P.S. für ‘Advanced Hotline Callers’ und Masochisten: Es gibt eine beinahe subversiv anmutende Methode, die Maschine auszutricksen und doch zu einer Person aus Fleisch und Blut durchzudringen. Nämlich: Einfach ein Beratungs-Thema auswählen, für das doch noch jemand am anderen Ende der Leitung zu erreichen ist. Nach ein paar Versuchen klappts bestimmt … Kleiner Tipp: “Information” bekommt man auch nach 18 Uhr, “andere Fragen” sind zu dieser späten Stunde nicht mehr erlaubt.)
Symposion in der Wienbibliothek im Rathaus
Do-Sa 9.-11.10.2008
Das Internet-Zeitalter beginnt seine Vorgeschichte zu schreiben: An Stelle der “politischen Haupt- und Staatsaktionen” rücken zunehmend Medien ins Zentrum des historischen Interesses, es werden Aufschreibesysteme, Datenverarbeitung und Übertragungstechnologien untersucht. Zu diesen Forschungen möchte das Symposion einen Beitrag leisten, indem es sich mit jenen Einrichtungen, Personen und Techniken beschäftigt, die als “Vorläufer” heutiger Suchmaschinen betrachtet werden können, seien es Staatshandbücher, Diener, Bibliothekskataloge, Fragebögen oder Zeitungskomptoire. Welche strukturellen Ähnlichkeiten gibt es zwischen diesen vergangenen und den heutigen Suchmaschinen? Welche Unterschiede lassen sich feststellen? Welche Utopien knüpften sich an die Suchmaschinen des analogen Zeitalters? Welche Formen von Kontrolle ermöglichten sie? – Diese und ähnliche Fragen sollen im Rahmen des Symposions behandelt werden. Ein solcher Zugang verspricht, nicht nur neue Erkenntnisse über die Medien der Vergangenheit zu liefern, sondern auch die Analysen der gegenwärtigen medialen Lage zu vertiefen.
Anton Tantner, der bei unserem Workshop als Experte dabei war, ist mit Thomas Brandstetter für die Konzeption verantwortlich.