Im Spectrum der gestrigen Ausgabe der Presse findet sich ein Artikel von Martin Baltes anlässlich des 100. Geburtstages des Medientheoretikers Marshall McLuhan:
Als die Welt ein Dorf wurde Ein kanadischer Geisteswissenschaftler entdeckt den „New Criticism“ und wächst zum visionären Kommunikationstheoretiker. „Das Medium ist die Botschaft“: Vor 100 Jahren wurde Marshall McLuhan geboren.
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Unvergesslich unter anderem McLuhans Cameo in Woody Allens “Annie Hall” (1977), als jener einen vorlauten Professor von der Columbia University zurechtweist:
Wieder ein neues, interessantes Wort gelernt – “Novellant“:
Die erste gedruckte Wochenzeitung wurde nach derzeitigem Kenntnisstand 1605 in der Reichsstadt Straßburg von dem Verleger und Buchbinder Johann Carolus auf den Markt gebracht, der im Vorjahr eine Druckerei erworben hatte und dadurch auch zum Buchdrucker geworden war: Im wöchentlichen Postrhythmus und in der Reihenfolge des Posteingangs druckte er seit der zweiten Oktoberwoche 1605 die neuesten Nachrichten. Carolus hatte sich bereits früher, möglicherweise seit dem neuerlichen Anschluß Straßburgs an die Infrastruktur der Reichspost im Jahr 1601, als “Novellant“, also als professioneller Händler handschriftlich vervielfältigter wöchentlicher Nachrichten betätigt. Im Dezember 1605 beantragte er beim Straßburger Magistrat die Druckerlaubnis und das Monopol für diese wöchentlichen Nachrichten. Der Magistrat bewilligte das Ansuchen, und Carolus setzte den Druck seiner Wochenzeitung fort. Die Zeitung, die im Titel den Begriff “Relation” trug, bezog ihre Nachrichten aus dem Kommunikationsnetz der Taxis-Post mit den Nachrichtenzentren Rom, Venedig, Wien, Prag, Antwerpen und Madrid an der Spitze.
Drauf gekommen bin ich durch die relativ beliebige Suche nach einem User Name für Twitter…
[Winkelbauer, Thomas: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 1. Österreichische Geschichte 1522–1699, Wien 2003, S. 353 (meine Hervorhebung)]
Seit gestern ist Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg neuer Wirtschaftsminister in Deutschland. “Müssen wir uns diesen Namen merken?”, fragte die BILD-Zeitung über die halbe Titelseite und lieferte damit ein bestechendes Wikiality-Beispiel.
Mit dem Begriff “Wikiality” beschreibt der Satiriker Stephen Colbert die Situation, in der die Mehrheitsverhältnisse in Wikipedia darüber entscheiden, ob eine Information wahr oder falsch ist. [zitiert nach HistnetWiki]
Nur wenige UserInnen, die sich mit Wikipedia informieren, sehen sich ältere Versionen der Artikel oder Diskussionen um Artikel an. Die Konsequenz ist, dass der letzte Stand eines Artikel über die Wirklichkeitsbildung entscheidet.
Ausriss: BILD, Quelle: Bildblog
Was hat das jetzt mit BILD zu tun? Am Sonntag fügte ein Journalist einen weiteren Namen in den Wikipedia-Eintrag des neuen Ministers: Wilhelm. Am Montag übernahmen viele Medien den neuen Namen Guttenbergs. So auch BILD, aber auch die taz, Süddeutsche …
Was dann passierte, macht Wikiality aus: Einigen Wikipedia-Autoren fiel die Änderung auf und einer forderte einen Einzelnachweis. Und der war schnell gefunden. Denn SpiegelOnline zitierte Guttenberg mit seinem falschen Namen. Die Katze beißt sich damit in den Schwanz:
Weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschreiben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachtet, wurde der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit.
Das schreibt der Urheber der Aktion im Bildblog. Möchte aber anonym bleiben.
Die Handlung des Filmes “Boys Don’t Cry” (USA 1999, Regie: Kimberly Peirce) in einem einzigen Satz zusammenzufassen, ist zugegeben kein leichtes Unterfangen: Der Film behandelt die Lebensgeschichte “von Brandon Teena, einem jungen Transsexuellen, der sich biologisch im falschem Geschlecht fühlte und deshalb als Mann sein Leben zu meistern suchte” (Wikipedia) – ein Thema also, das für die meisten TV-Konsumenten wohl eher nicht alltäglich ist.
Wie aber die Leute von aonTV, dem IPTV der Telekom Austria, diesen Film als TV-Tipp ankündigen, lässt mich daran zweifeln, ob diese Menschen den Film gesehen und auch nur ansatzweise darüber nachgedacht haben:
Lesbe gibt sich als Kerl aus – mit katastrophalen Folgen, Oscar für Hilary Swank!
Ein gutes neues Jahr von der Prefecture de Police – und wir schließen uns an. Was soll man sonst dazu sagen? Höchstens, dass die Marketingmethoden der Pariser Polizei schon seltsame Züge annehmen. Wusste übrigens gar nicht, dass die Polizei eine Marketingabteilung hat. Aber wer hat das in Zeiten wie diesen nicht. Wo ist denn eigentlich unsere?
Wir waren da. Gestern waren Stephan, Daniel und ich sozusagen auf Betriebsausflug in der Ausstellung “CSI: The Experience – Löse selbst den Fall“, die sich derzeit im grauenvoll missglückten Pratereingangsareal eingemietet hat. Die Idee: Die BesucherInnen der Ausstellung sollen auf den Spuren der TV-Ermittler und -Forensiker selbst Fälle lösen und da ganz nebenbei so einiges über moderne Ermittlungsmethoden und -techniken erfahren. Die Popularisierung der Popularisierung könnte man sagen.
Für einen von drei Kriminalfällen muss man sich am Eingang entscheiden. “Crash im Wohnzimmer” wurde unserer. Nach einem kurzen Briefing durch die CSI-Experten, natürlich per Videokonferenzschaltung, gings an den lieblos inszenierten Tatort. Unser erster Auftrag war, alle verdächtigen Spuren in einen Plan einzuzeichnen. Und man findet so einiges in einem Wohnzimmer, in das offensichtlich ein Auto gerast war und dessen Fahrer leider natürlich schon tot am Lenkrad sitzt. Fingerabdrücke an leeren Bierflaschen, blutige Fingerabdrücke an der Kühlerhaube des Wagens und – das lernten wir in de Ausstellung – passive Blutsspritzer am Boden. Als nächstes mussten wir die Spuren mit modernster Computertechnik auswerten. To cut a long story short: Natürlich haben wir am Ende am Computerterminal, als es darum ging, die einzelnen Puzzleteile zu einem Ganzen zu fügen, den Fall gelöst. Dank Gerichtsmedizinerurteil, Gewebe-, DNA- und Fingerabdruckanalyse und anschließendem Matching mit einer Datenbank. Die zwei anderen Fälle, an denen wir nicht gearbeitet haben, übrigens auch. War ja wirklich nicht schwierig. Ich freu mich trotzdem auf das Zertifikat, das ich in ein paar Wochen vom amerikanischen Fort Worth Museum für Wissenschaft und Geschichte, das für diesen Gruselzirkus verantwortlich ist, zugeschickt bekomme. In der Zwischenzeit rätsle ich schon mal, was da wohl draufstehen wird.
Die Kuratoren der Schau sind übrigens augenscheinlich mit einem enormen Impetus an die Chose herangegangen, wie ein Zitat aus der Kurier-Sonderbeilage beweist:
Dieses Projekt ist ein großartiges Beispiel dafür, wie sich die Welten der Unterhaltung und der Wissenschaft zum Wohle der Öffentlichkeit vereinigen.
So wohl fühlte ich mich nach ganzen 2 Stunden Ermittlungsarbeit leider nicht. Schließlich mussten die Ohren dank superhohem Geräuschpegel einiges aushalten und meine Wasserflasche ist mir im Eifer des Gefechts gestohlen worden. Ich muss in Sachen Polizeiarbeit wohl noch einiges lernen.
Ein Nachruf soll ja eigentlich ein Lebenswerk würdigen, zumindest aber an Taten/Werke von Verstorbenen erinnern. Robert Misik verfasste im Standard zum Beispiel neulich einen Nachruf auf Samuel Huntington.
Und manchmal passiert es, dass Menschen ihren eigenen Nachruf lesen (dürfen/müssen). Schließlich liegen in den meisten Redaktionen bereits Nachruf-Entwürfe für berühmte Persönlichkeiten. Im August 2008 konnte so Steve Jobs schon mal seinen Nachruf begutachten.
Einen ziemlich miesen Nachruf hat sich die Zeitschrift MISS in der aktuellen Jänner-Ausgabe erlaubt, indem sie in der Kategorie ABSCHIEDE schon mal einen Nachruf auf Patrick Swayze brachte. Wohlwissend, dass der Schauspieler lebt.
“Vielleicht ist es schon vorbei, wenn Sie, liebe Leser, diese Zeitung in Händen halten.”
Habe ich irgendwo den Sarkasmus verpasst, die Ironie verschlafen? Oder ist der Beitrag einfach nur geschmacklos?
Besonders da es in den letzten Monaten seit Swayzes Erkrankung immer wieder Gerüchte in Boulevardblättern gab, dass der Schauspieler bald sterben werde. Swayze dementierte diese Gerüchte mehrfach.
Für ihn und seine Familie grenze die Verbreitung falscher Informationen an emotionale Grausamkeit, so Patrick Swayze zu den Gerüchten, er sei vom Krebs besiegt worden. Ist zwar nicht nach der seriösesten Quelle zitiert, aber immerhin.
Eine interessante Vokabel benutzt Michael Hagner in seinem Artikel “Das Hirnbild als Marke. Der Siegeszug des Neuroimaging und seine Folgen” (Recherche 3/2008, S. 4–5): Er bezeichnet die inflationär verwendeten Hirnbilder als Evidenzgeneratoren:
Es ist also nicht die jenseits der Geschichte in sich ruhende Form des im Schädel schwimmenden Gehirns, die einem Hirnbild Glaubwürdigkeit vermittelt. Dass diese Bilder als Evidenzgeneratoren funktionieren, hängt von den jeweiligen Sinnkontexten ab, in denen sie hergestellt, inszeniert und verbreitet werden.
Eine ‘Anekdote’ aus dem Identifizierungs-Alltag: Eine besonders ‘perfide’, weil nervtötende Identifizierungsmethode wird bei der Hotline der Telekom Austria (0800 100 100) angewandt. Zunächst wird man von einer aggressiv-freundlichen Automatenstimme begrüßt und in Sicherheit gewogen: Der Anruf werde, so das Versprechen, durch das automatisierte Navigationssystem nämlich derart beschleunigt, dass man “schnell und einfach” mit einer (echten) Person verbunden werde, die mit Rat und Tat zur Hilfe stehe. Nach gefühlten 5 Minuten der Selbstbeweihräucherung durch die Hotline-Stimme darf man dann endlich auswählen, zu welchem Thema man Hilfe wolle.
Und dann kommt der Identifizierungs-Part: Um den Anruf zu “beschleunigen”, solle man bitte seine Telefonnummer (die unschuldige Telekom-Hotline kennt natürlich keine Call ID …) und Kundennummer wahlweise eintippen oder einsprechen – unendliches Herumärgern mit der Sprach- und Tastenerkennung ist vorprogrammiert.
Aber nun ist man endlich und eindeutig identifiziert, wer man denn sei und was man eigentlich wolle. Doch die Vorfreude auf die persönliche Beratung kommt zu früh: Denn als Lohn für die Bereitstellung aller Informationen bedankt sich die Hotline-Stimme nun bei den geduldigen KundInnen für den Anruf – leider rufe man aber für dieses spezielle Problem (genauer gesagt “andere Fragen”) außerhalb der dafür vorgesehenen Beratungszeit an. “Auf Wiedersehen!” Tütütüt …
Ja, ebenfalls, ☠☣♨☭☄♒✆ Maschine!
(Ein P.S. für ‘Advanced Hotline Callers’ und Masochisten: Es gibt eine beinahe subversiv anmutende Methode, die Maschine auszutricksen und doch zu einer Person aus Fleisch und Blut durchzudringen. Nämlich: Einfach ein Beratungs-Thema auswählen, für das doch noch jemand am anderen Ende der Leitung zu erreichen ist. Nach ein paar Versuchen klappts bestimmt … Kleiner Tipp: “Information” bekommt man auch nach 18 Uhr, “andere Fragen” sind zu dieser späten Stunde nicht mehr erlaubt.)
Günter Traxler beleuchtet im STANDARD in seinem neuesten Blattsalat die jüngsten Ergüsse der (laut Eigendefinition “rechtsintellektuellen”) Wochenzeitung “Zur Zeit“. Genauer gesagt zwei Lieblingsthemen dieser Zeitung:
“Genderwahn“
“Endlich”, so ein Rezensent in “Zur Zeit”, sei “das Buch der niederösterreichischen Landesrätin und zehnfachen Mutter Barbara Rosenkranz” erschienen”. Es trägt den einfallsreichen Titel “MenschInnen. Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“. Höchste Zeit, empfindet der Rezensent, da es “über eine Perversion aufklärt, mit der vor allem junge Menschen in Schulen und an Universitäten verseucht werden, den Genderwahn!” Die “Perversion” besteht in der Meinung des Rezensenten darin:
Neomarxistische Kräfte wollen einen “neuen Menschen” erschaffen […]. Allen Ernstes wollen dort Akademiker ihren Schützlingen weismachen, daß neben dem biologischen Geschlecht es auch ein soziales Geschlecht gebe, also das Geschlecht nicht angeboren, sondern lediglich anerzogen sei.
Na allerhand! Gut, dass die “Ikone der Rechten“, wie das PROFIL Rosenkranz charakterisiert hat, diese “neomarxistische Ideologie” endlich enttarnt. Ein Beitrag, “den Genderwahn, der die Geschlechterdualität durch Geschlechtervielfalt ersetzen möchte, [zu] stoppen!”
Erschienen ist das Werk übrigens im Ares Verlag, um dessen rechtslastiges Verlagsprogramm schon einige hitzige Debatten geführt wurden.
“(Kriegs-)Gräberfürsorge”
In einem anderen Artikel in “Zur Zeit” deckt Robert Prantner einen – aus “rechtsintellektueller” Sicht – weiteren Missstand auf: Zwei Schüler hätten sich als Grabpfleger betätigt. Grundsätzlich “eine gute Sache und lobenswert”, findet Herr Prantner. Aber jetzt kommt der Sachverhalt, der Prantner alarmiert:
Und wo assistieren die beiden Schüler des Piaristengymnasiums an einer Grabpflege? Man wird es vielleicht für nicht sehr leicht möglich halten: sie werken beim 4. Tor, am jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofes. Erstaunlich. Die Israelitische Kultusgemeinde Wiens dürfte nicht gerade am Hungertuch nagen. Sonst wäre es ihr nicht beschieden gewesen, so prächtige neue Schulgebäude zu etablieren. Und darin wogt auch das Leben, welches eigentlich hinter dem 4. Tor eine Reihe kultivierender Gartenarbeit erledigen könnte. Denn die katholischen und evangelischen und alle nicht jüdischen Schüler sollten dem “Schwarzen Kreuz” dienen, im Klartext: der “Kriegsgräberfürsorge”.
Dass Prantner so etwas in diesem Medium von sich gibt, ist nichts Neues, ist er doch offenbar recht geübt im Äußern antisemitischer Statements, wie das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) nachweist. Was er da zu “jüdischen Ritualmorden” von sich gibt, gefällt nicht nur “Zur Zeit”, sondern auch auf der “katholisch-konservativen” Website couleurstudent.at: Dort findet man die Ergüsse von “Hochschulprofessor Robert Prantner, Dr. theol. und Dr. rer. pol., Mitglied der ÖCV-Verbindung Amelungia” gar so “vielbeachtet” und “weiterhin gültig”, dass man seinen Artikel “Gratwanderung auf einer Einbahnstraße” wiedergibt.
Die Gratiszeitung “Heute” druckte in ihrer gestrigen Ausgabe unter dem Titel “Die Stunde des Siegers” die – aus ihrer Sicht – “wichtigsten Passagen aus Obamas emotionaler Rede” anlässlich seines Wahlerfolges. Er bedankte sich bei den amerikanischen BürgerInnen mit einer Aufzählung einzelner Bevölkerungsgruppen, die “Heute” so widergibt:
Die Antwort kam von Jungen und Alten, von Reichen und Armen, von Demokraten und Republikanern, Weißen, Schwarzen, von lateinamerikanischen und asiatischen Amerikanern, von den amerikanischen Ureinwohnern.
Im Original ging Obamas Dank an folgenden Personenkreis:
It’s the answer spoken by young and old, rich and poor, Democrat and Republican, black, white, Hispanic, Asian, Native American, gay, straight, disabled and not disabled.
Fehler gefunden?
Nun könnte man natürlich sagen, “Heute” hat eben nicht so viel Platz und muss daher die Artikel möglichst kurz halten. Dass aber dann gerade bei diesem Satz die “gay, straight, disabled and not disabled” unter den Tisch fallen müssen, legt eher die Vermutung nahe, dass “Heute” diese Personen der Leserschaft nicht zumuten wollte. Also einfach weglassen? “Yes we can!”, lautete wohl auch hier die Devise.
Sie musste ja ins Spiel kommen bei der Berichterstattung über den nächsten US-Präsidenten Barack Obama: die “Rasse”. In der heutigen Ausgabe des STANDARD etwa:
Unter den internationalen “Pressestimmen” ist ein Auszug aus “The Daily Telegraph” abgedruckt: Verblüffend, wie selbstverständlich da von der “gemischtrassigen Abstammung” Obamas geschrieben wird, der sich aber trotzdem “nicht über seine Rasse identifiziert”. Kann man in diesem Fall noch von einer sehr schlampigen Übersetzung (engl. “race” – dt. “Rasse”!?) ausgehen, so ist diese Ausrede für die deutschsprachigen Kommentatoren nicht mehr brauchbar: Erhard Stackl etwa schreibt unter dem Titel “Klasse statt Rasse”(!) über die “vor kurzem noch für unüberwindbar gehaltene Rassenbarriere”. Können halbwegs gebildete Redakteure das heute noch schreiben, zumal in einem sogenannten “Qualitätsmedium”? “Yes we can!”, denken sie sich offenbar …
Dass es auch anders ginge, zeigt etwa Christoph Prantner, wenn er von einer “neue(n) Zusammenarbeit über die Grenzen der (…) Ethnien hinweg” schreibt.
Dabei wäre doch nicht mal die Beschäftigung mit Rassismustheorien notwendig, ein Blick zu Wikipedia würde genügen, wo unter dem Lemma “Rasse” zu lesen ist:
Rasse bezeichnet:
eine noch bei Haustieren gebräuchliche, in der biologischen Systematik ansonsten veraltete Untereinheit der Art, siehe Rasse (Zoologie)
Und Wikipedia führt sogar über die “Heutigen Ansätze” weiter aus:
Heute wird die Menschheit nicht mehr in Rassen unterteilt. Die genetischen Unterschiede haben sich innerhalb einzelner Populationen als größer erwiesen als die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Populationsräumen. So lässt sich beispielsweise innerhalb der Grenzen Japans eine größere Varianz nachweisen als im Vergleich Japan – Australien. Eine einheitliche Klassifizierung sowohl nach morphologischen Kategorien wie “Hautfarbe”, “Haarstruktur” etc. hat sich als ebenso wenig haltbar erwiesen wie eine genetische Einteilung.
Es bleibt zu hoffen, dass die Wahl des neuen US-Präsidenten auch zu einem differenzierteren Umgang mit dem “Rassen”-Begriff in der Alltagssprache beiträgt. Und dass Klaus Emmerich, ehemaliger ORF-USA-Korrespondent, künftig vorher nachdenkt, bevor er in einer Live-Diskussion von sich gibt, dass er sich “nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen” möchte.