Wie ich soeben dem Adresscomptoir entnehme, plant das sogenannte Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung den nächsten Anschlag: Nach der angekündigten Eliminierung der Finanzierung von freier Wissenschaft und Forschung in Österreich (Protestplattform hier) ist es nun der ministerielle Wille, sämtliche Förderungen von Symposien und wissenschaftlichen Publikationen zu streichen. Heinz Dieter Pohl (Klagenfurt), dem dieses Vorhaben auf Nachfrage vom Ministerium bestätigt wurde, hat nun dankenswerterweise einen Protestbrief gegen diese Maßnahme verfasst, den man auf seiner Website unterschreiben kann.
[Nachtrag: Treffender Kommentar zu den neuesten Vorgängen in "Schildbürgistan" von einem neutralen Beobachter, Peter Haber (hist.net): "Österreich schafft sich ab!"]
An das
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Teinfaltstraße 8
1014 Wien
Betr.: Streichung der Förderungen von Symposien und Druckkosten
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wir protestieren mit diesem Schreiben gegen das Einstellen der Förderung von Einzelpublikationen, Reihen, Zeitschriften und wissenschaftlichen Symposien, was nach Auskunft aus Ihrem Ministerium zwar erst mit 1. Jänner 2012 in Kraft treten soll, de facto aber bereits jetzt eingetreten ist.
Begründet wird dieses Einstellen mit Maßnahmen, die zur Budget-Konsolidierung notwendig wären. Wir geben jedoch zu bedenken, dass dieses Einstellen den Tod vieler wissenschaftlicher Publikationen und Veranstaltungen bedeuten würde. Diese Arbeiten machen die Forschung Österreichs der Öffentlichkeit zugänglich und befördern den internationalen wissenschaftlichen Austausch. Deren Auslöschung würde zu einer Austrocknung des intellektuellen Lebens Österreichs und zu einer Vernichtung des Wissenschaftsstandortes Österreichs im internationalen Zusammenhang führen.
Was also eine Ersparnis zu sein scheint, ist in Wirklichkeit ein ökonomischer und geistiger Kahlschlag in der österreichischen Wissenschaft.
Wir fordern daher das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung dringend auf, das Einstellen der Förderung von Einzelpublikationen, Reihen, Zeitschriften und Symposien rückgängig zu machen, damit die österreichische Wissenschaft weiterhin international präsent bleibt!
Nachdem der Europäische Gerichtshof vorgestern zum Schluß gekommen ist, dass die EG-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gesetzeskonform ist, brachte futurezone heute ein interessantes Interview mit dem Leiter des Ludwig-Boltzmann-Institus für Menschenrechte in Wien Hans Tretter.
Tenor des Gesprächs: Nichts genaues weiß man (noch) nicht, jedenfalls was die Anwendung der Richlinie in Österreich anbelangt.
Der Positivismus wurde bislang sowohl in Gesamtdarstellungen als auch in Spezialstudien als erkenntnistheoretische Strömung behandelt, dabei jedoch in seiner politischen und sozio-kulturellen Bedeutung vielfach unterschätzt. Der Workshop setzt sich zum Ziel, den Positivismus als europäische und internationale Bewegung in ihren vielfältigen Erscheinungsformen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft neu zu fassen. Dabei rücken drei Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Erstens die Ungleichzeitigkeit in der Verbreitung positivistischer Ideen in Europa, zweitens die kontextbedingte politische Funktionalisierbarkeit der wissenschaftlichen Weltanschauung und schließlich drittens die über Landes- und Disziplinengrenzen hinaus bestehenden intensiven Verflechtungen zwischen ihren Vertretern. Der Workshop zielt somit weder auf eine systematische Erfassung der positivistischen Weltauffassung noch auf eine schlichte werkbezogene Interpretation wissenschaftlicher Arbeiten, sondern auf eine Kartografie der Orte des Positivismus an den Schnittstellen zwischen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Feldern.
Von der österreichischen Universitätenkonferenz kam vor wenigen Tagen dieser Hilferuf:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Keine zwei Monate nach Amtsantritt der neuen Regierung scheinen sich die Befürchtungen der Österreichischen Universitätenkonferenz drastisch zu bestätigen. Deshalb möchten wir uns heute an Sie wenden: Es besteht die Gefahr, dass die “Koalition neu” die aktuelle Finanzkrise als Vorwand nimmt, um sich vor einer hinreichenden Budgetierung der Universitäten zu drücken, obwohl gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von Investitionen in Bildung und Forschung entscheidende Impulse ausgehen.
Sämtliche Versprechungen und Ankündigungen vor der Nationalratswahl betreffend einen Ausbau der Universitäten und die Beseitigung der massiven Unterfinanzierung der Hochschulen werden damit als leere Worthülsen entlarvt. Zwar findet sich im Koalitionspakt noch ein grundsätzliches Bekenntnis zum Budgetpfad, 2 Prozent des BIP für den tertiären Sektor aufzuwenden, ein Zeithorizont wird allerdings im Unterschied zu den Zusagen vor der Wahl nicht mehr genannt.
Die Universitäten brauchen zur Erfüllung ihrer wesentlichen Zukunftsaufgaben gerade jetzt ein adäquates Budgetwachstum, das über eine bloße Teuerungsabgeltung hinausgeht.
Die Universitätenkonferenz (uniko) erachtet es als ihre Pflicht, alle nahezu 300.000 Universitätsangehörigen, insbesondere die Studierenden, darauf hinzuweisen, dass real schrumpfende Budgets unweigerlich zu einer Verminderung des Leistungsangebots der Universitäten bzw. zum Abbau von Personal führen müssten. Wir brauchen aber das Gegenteil: Einen Ausbau der Universitäten sowohl hinsichtlich ihrer Lehrkapazitäten als auch hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Forschung und zur Entwicklung der Künste.
Die uniko hat in den letzten Wochen und Monaten in den Medien mehrfach auf diese drohende Entwicklung hingewiesen und wird die Öffentlichkeit über diese, einer gedeihlichen Entwicklung der Universitäten zuwider laufende Haltung der Bundesregierung vorbehaltlos informieren. Wir fürchten aber, dass diese Information allein nicht ausreicht. Wir bitten Sie daher um Ihre aktive Unterstützung: Sprechen Sie auch selbst mit Politikern/innen, Entscheidungsträgern/innen und Journalisten/innen und zeigen Sie, dass die Finanzierung von Forschung und Lehre ein Anliegen aller Universitätsangehörigen ist, das überdies im Interesse der gesamten Volkswirtschaft, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, liegt.
Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen
Peter Skalicky
Rektor TU Wien
Das Präsidium der Universitätenkonferenz:
Univ.Prof. Dr. Christoph Badelt
Dr. Gerald Bast
Dr. Ingela Bruner
Univ.Prof. Dr. Alfred Gutschelhofer
Univ.Prof. Dr. Heinrich Mayr
Univ.Prof. Dr. Heinrich Schmidinger
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Schütz
Univ.Prof. Dr. Hans Sünkel
Univ.Prof. Dr. Georg Winckler
Auf ihrem neuen Album “In aller Stille” befassen sich Die Toten Hosen – nicht mehr die Jüngsten, daher nun auch mit ernsteren Themen – unter anderem mit Datensammlungen. Im Song “Die letzte Schlacht” klingt das so:
Wir sind ‘ne schweigende Armee
Macht euch auf was gefasst
Wir sind die Graue Masse
Die kein Geheimnis hat
Weil man alles von uns weiß
Und uns ständig kontrolliert
Unsere Wege verfolgt und einstudiert
Auf der Suche nach der Norm
Forscht man uns akribisch aus
Speichert Informationen
Über unseren Lebenslauf
Was wir tun und was wir lassen
Wie wir denken, wie wir fühlen
Was wir mögen, was wir hassen am System
So weit, so bedrohlich. Doch die Subversion folgt sogleich im Refrain:
Ihr könnt uns jagen wie ihr wollt
Lernt uns ruhig noch besser kennen
Beim Versuch uns zu manipulieren
Doch ihr habt euch schwer getäuscht
Wenn ihr glaubt, dass man uns lenkt
Die letzte Schlacht gewinnen wir
Weil wir euch einzeln durch die Netze gehen
Am politischen Anspruch hält die Band fest, unterbrach ihre Pause im vergangenen Jahr sogar für den Protest gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Das Stück «Die letzte Schlacht» greift die jüngsten Datenskandale und die Datensammelwut der Unternehmen auf. Dabei ziehen die Hosen mit einer Liedzeile den Hut vor den großen Polit- Rockern der 70er und 80er Jahre, Ton Steine Scherben. «Die letzte Schlacht gewinnen wir» sang einst Rio Reiser, für Campino «eine ganz große Ausnahme-Erscheinung als Texter in der deutschen Musikkultur».
Heute spielen die “Hosen” in der (natürlich ausverkauften) Wiener Stadthalle.
Günter Traxler beleuchtet im STANDARD in seinem neuesten Blattsalat die jüngsten Ergüsse der (laut Eigendefinition “rechtsintellektuellen”) Wochenzeitung “Zur Zeit“. Genauer gesagt zwei Lieblingsthemen dieser Zeitung:
“Genderwahn“
“Endlich”, so ein Rezensent in “Zur Zeit”, sei “das Buch der niederösterreichischen Landesrätin und zehnfachen Mutter Barbara Rosenkranz” erschienen”. Es trägt den einfallsreichen Titel “MenschInnen. Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“. Höchste Zeit, empfindet der Rezensent, da es “über eine Perversion aufklärt, mit der vor allem junge Menschen in Schulen und an Universitäten verseucht werden, den Genderwahn!” Die “Perversion” besteht in der Meinung des Rezensenten darin:
Neomarxistische Kräfte wollen einen “neuen Menschen” erschaffen […]. Allen Ernstes wollen dort Akademiker ihren Schützlingen weismachen, daß neben dem biologischen Geschlecht es auch ein soziales Geschlecht gebe, also das Geschlecht nicht angeboren, sondern lediglich anerzogen sei.
Na allerhand! Gut, dass die “Ikone der Rechten“, wie das PROFIL Rosenkranz charakterisiert hat, diese “neomarxistische Ideologie” endlich enttarnt. Ein Beitrag, “den Genderwahn, der die Geschlechterdualität durch Geschlechtervielfalt ersetzen möchte, [zu] stoppen!”
Erschienen ist das Werk übrigens im Ares Verlag, um dessen rechtslastiges Verlagsprogramm schon einige hitzige Debatten geführt wurden.
“(Kriegs-)Gräberfürsorge”
In einem anderen Artikel in “Zur Zeit” deckt Robert Prantner einen – aus “rechtsintellektueller” Sicht – weiteren Missstand auf: Zwei Schüler hätten sich als Grabpfleger betätigt. Grundsätzlich “eine gute Sache und lobenswert”, findet Herr Prantner. Aber jetzt kommt der Sachverhalt, der Prantner alarmiert:
Und wo assistieren die beiden Schüler des Piaristengymnasiums an einer Grabpflege? Man wird es vielleicht für nicht sehr leicht möglich halten: sie werken beim 4. Tor, am jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofes. Erstaunlich. Die Israelitische Kultusgemeinde Wiens dürfte nicht gerade am Hungertuch nagen. Sonst wäre es ihr nicht beschieden gewesen, so prächtige neue Schulgebäude zu etablieren. Und darin wogt auch das Leben, welches eigentlich hinter dem 4. Tor eine Reihe kultivierender Gartenarbeit erledigen könnte. Denn die katholischen und evangelischen und alle nicht jüdischen Schüler sollten dem “Schwarzen Kreuz” dienen, im Klartext: der “Kriegsgräberfürsorge”.
Dass Prantner so etwas in diesem Medium von sich gibt, ist nichts Neues, ist er doch offenbar recht geübt im Äußern antisemitischer Statements, wie das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) nachweist. Was er da zu “jüdischen Ritualmorden” von sich gibt, gefällt nicht nur “Zur Zeit”, sondern auch auf der “katholisch-konservativen” Website couleurstudent.at: Dort findet man die Ergüsse von “Hochschulprofessor Robert Prantner, Dr. theol. und Dr. rer. pol., Mitglied der ÖCV-Verbindung Amelungia” gar so “vielbeachtet” und “weiterhin gültig”, dass man seinen Artikel “Gratwanderung auf einer Einbahnstraße” wiedergibt.
Unter dem Titel “Weblogs – Politische Tagebücher als Instrumente direkter Demokratie?” findet am Montag, 17. November 2008, um 17.00 Uhr ein Lese- und Diskussionsabend in der FB Soziologie und Politikwissenschaft statt (Programm).
Mit auf dem Podium sitzt SPÖ-Jugendsprecherin Laura Rudas.
Die Gratiszeitung “Heute” druckte in ihrer gestrigen Ausgabe unter dem Titel “Die Stunde des Siegers” die – aus ihrer Sicht – “wichtigsten Passagen aus Obamas emotionaler Rede” anlässlich seines Wahlerfolges. Er bedankte sich bei den amerikanischen BürgerInnen mit einer Aufzählung einzelner Bevölkerungsgruppen, die “Heute” so widergibt:
Die Antwort kam von Jungen und Alten, von Reichen und Armen, von Demokraten und Republikanern, Weißen, Schwarzen, von lateinamerikanischen und asiatischen Amerikanern, von den amerikanischen Ureinwohnern.
Im Original ging Obamas Dank an folgenden Personenkreis:
It’s the answer spoken by young and old, rich and poor, Democrat and Republican, black, white, Hispanic, Asian, Native American, gay, straight, disabled and not disabled.
Fehler gefunden?
Nun könnte man natürlich sagen, “Heute” hat eben nicht so viel Platz und muss daher die Artikel möglichst kurz halten. Dass aber dann gerade bei diesem Satz die “gay, straight, disabled and not disabled” unter den Tisch fallen müssen, legt eher die Vermutung nahe, dass “Heute” diese Personen der Leserschaft nicht zumuten wollte. Also einfach weglassen? “Yes we can!”, lautete wohl auch hier die Devise.
Sie musste ja ins Spiel kommen bei der Berichterstattung über den nächsten US-Präsidenten Barack Obama: die “Rasse”. In der heutigen Ausgabe des STANDARD etwa:
Unter den internationalen “Pressestimmen” ist ein Auszug aus “The Daily Telegraph” abgedruckt: Verblüffend, wie selbstverständlich da von der “gemischtrassigen Abstammung” Obamas geschrieben wird, der sich aber trotzdem “nicht über seine Rasse identifiziert”. Kann man in diesem Fall noch von einer sehr schlampigen Übersetzung (engl. “race” – dt. “Rasse”!?) ausgehen, so ist diese Ausrede für die deutschsprachigen Kommentatoren nicht mehr brauchbar: Erhard Stackl etwa schreibt unter dem Titel “Klasse statt Rasse”(!) über die “vor kurzem noch für unüberwindbar gehaltene Rassenbarriere”. Können halbwegs gebildete Redakteure das heute noch schreiben, zumal in einem sogenannten “Qualitätsmedium”? “Yes we can!”, denken sie sich offenbar …
Dass es auch anders ginge, zeigt etwa Christoph Prantner, wenn er von einer “neue(n) Zusammenarbeit über die Grenzen der (…) Ethnien hinweg” schreibt.
Dabei wäre doch nicht mal die Beschäftigung mit Rassismustheorien notwendig, ein Blick zu Wikipedia würde genügen, wo unter dem Lemma “Rasse” zu lesen ist:
Rasse bezeichnet:
eine noch bei Haustieren gebräuchliche, in der biologischen Systematik ansonsten veraltete Untereinheit der Art, siehe Rasse (Zoologie)
Und Wikipedia führt sogar über die “Heutigen Ansätze” weiter aus:
Heute wird die Menschheit nicht mehr in Rassen unterteilt. Die genetischen Unterschiede haben sich innerhalb einzelner Populationen als größer erwiesen als die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Populationsräumen. So lässt sich beispielsweise innerhalb der Grenzen Japans eine größere Varianz nachweisen als im Vergleich Japan – Australien. Eine einheitliche Klassifizierung sowohl nach morphologischen Kategorien wie “Hautfarbe”, “Haarstruktur” etc. hat sich als ebenso wenig haltbar erwiesen wie eine genetische Einteilung.
Es bleibt zu hoffen, dass die Wahl des neuen US-Präsidenten auch zu einem differenzierteren Umgang mit dem “Rassen”-Begriff in der Alltagssprache beiträgt. Und dass Klaus Emmerich, ehemaliger ORF-USA-Korrespondent, künftig vorher nachdenkt, bevor er in einer Live-Diskussion von sich gibt, dass er sich “nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen” möchte.