Die Aufregung um die Vergabe von österreichischen Diplomatenpässen (vgl. etwa “Kopf des Tages“) an österreichische (Ex-)Politiker, (Ex-)Politikerinnen und deren Familienangehörige hat sich wieder gelegt, dank Boomerang-Karten kann sich inzwischen jeder und jede einen eigenen “Diplomatenpass” nehmen:
Im Spectrum der gestrigen Ausgabe der Presse findet sich ein Artikel von Martin Baltes anlässlich des 100. Geburtstages des Medientheoretikers Marshall McLuhan:
Als die Welt ein Dorf wurde Ein kanadischer Geisteswissenschaftler entdeckt den „New Criticism“ und wächst zum visionären Kommunikationstheoretiker. „Das Medium ist die Botschaft“: Vor 100 Jahren wurde Marshall McLuhan geboren.
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Unvergesslich unter anderem McLuhans Cameo in Woody Allens “Annie Hall” (1977), als jener einen vorlauten Professor von der Columbia University zurechtweist:
Wem Guido Knopps Dauerpräsenz als DER Historiker in deutschen Medien auf die Nerven geht, dem könnte dieses Lied von Rainald Grebe gefallen. Auch meine Lieblingszeilen:
Die Geschichte hab ich griffbereit wie eine Tafel Schokolade /
Ich zieh sie aus der Tasche, wenn ich Hunger auf sie habe.
Auch eine Möglichkeit der Geschichtsvermittlung: Sich betrinken und dann über ein berühmtes historisches Ereignis sprechen. Zu sehen – eh klar – auf YouTube, u. a. mit Jack Black.
Vielleicht können wir ja bei Gelegenheit einen Beitrag über unser Thema beisteuern?
Sehr ambitioniert klingen die Vorsätze der Plattform Academic Earth, die mir vor kurzem empfohlen wurde:
Academic Earth is an organization founded with the goal of giving everyone on earth access to a world-class education.
Die Website will also – gleichsam ein akademisches YouTube – Vorlesungen allgemein zugänglich machen. Ich bin besonders gespannt, wann das bisher recht spärliche Angebot aus dem Bereich der Kulturwissenschaften größer wird; unter “History” etwa sind bisher lediglich drei Vorlesungen zu finden. Aber vielleicht “studiere” ich ja doch noch Medizin, die Vorlesungseinheit von Marian Diamond über “The Human Brain and Muscular System” war jedenfalls schon mal sehr witzig und lehrreich.
Der junge Entrepreneur, der die Plattform gegründet hat, wird jedenfalls ziemlich sicher erfolgreich damit sein…
Lustige Fehlermeldungen spuckt die "Academic Earth" auch aus.
Ein gutes neues Jahr von der Prefecture de Police – und wir schließen uns an. Was soll man sonst dazu sagen? Höchstens, dass die Marketingmethoden der Pariser Polizei schon seltsame Züge annehmen. Wusste übrigens gar nicht, dass die Polizei eine Marketingabteilung hat. Aber wer hat das in Zeiten wie diesen nicht. Wo ist denn eigentlich unsere?
Wir waren da. Gestern waren Stephan, Daniel und ich sozusagen auf Betriebsausflug in der Ausstellung “CSI: The Experience – Löse selbst den Fall“, die sich derzeit im grauenvoll missglückten Pratereingangsareal eingemietet hat. Die Idee: Die BesucherInnen der Ausstellung sollen auf den Spuren der TV-Ermittler und -Forensiker selbst Fälle lösen und da ganz nebenbei so einiges über moderne Ermittlungsmethoden und -techniken erfahren. Die Popularisierung der Popularisierung könnte man sagen.
Für einen von drei Kriminalfällen muss man sich am Eingang entscheiden. “Crash im Wohnzimmer” wurde unserer. Nach einem kurzen Briefing durch die CSI-Experten, natürlich per Videokonferenzschaltung, gings an den lieblos inszenierten Tatort. Unser erster Auftrag war, alle verdächtigen Spuren in einen Plan einzuzeichnen. Und man findet so einiges in einem Wohnzimmer, in das offensichtlich ein Auto gerast war und dessen Fahrer leider natürlich schon tot am Lenkrad sitzt. Fingerabdrücke an leeren Bierflaschen, blutige Fingerabdrücke an der Kühlerhaube des Wagens und – das lernten wir in de Ausstellung – passive Blutsspritzer am Boden. Als nächstes mussten wir die Spuren mit modernster Computertechnik auswerten. To cut a long story short: Natürlich haben wir am Ende am Computerterminal, als es darum ging, die einzelnen Puzzleteile zu einem Ganzen zu fügen, den Fall gelöst. Dank Gerichtsmedizinerurteil, Gewebe-, DNA- und Fingerabdruckanalyse und anschließendem Matching mit einer Datenbank. Die zwei anderen Fälle, an denen wir nicht gearbeitet haben, übrigens auch. War ja wirklich nicht schwierig. Ich freu mich trotzdem auf das Zertifikat, das ich in ein paar Wochen vom amerikanischen Fort Worth Museum für Wissenschaft und Geschichte, das für diesen Gruselzirkus verantwortlich ist, zugeschickt bekomme. In der Zwischenzeit rätsle ich schon mal, was da wohl draufstehen wird.
Die Kuratoren der Schau sind übrigens augenscheinlich mit einem enormen Impetus an die Chose herangegangen, wie ein Zitat aus der Kurier-Sonderbeilage beweist:
Dieses Projekt ist ein großartiges Beispiel dafür, wie sich die Welten der Unterhaltung und der Wissenschaft zum Wohle der Öffentlichkeit vereinigen.
So wohl fühlte ich mich nach ganzen 2 Stunden Ermittlungsarbeit leider nicht. Schließlich mussten die Ohren dank superhohem Geräuschpegel einiges aushalten und meine Wasserflasche ist mir im Eifer des Gefechts gestohlen worden. Ich muss in Sachen Polizeiarbeit wohl noch einiges lernen.
“CSI-Experience: Angehende Tatortermittler gesucht” – so die vielsagende Ankündigung einer “interaktiven Ausstellung” mit dem Titel “CSI: The Experience™” über die US-TV-Serie, die nun in Wien am Riesenradplatz Station macht und wohl einen Beitrag zum “CSI-Effekt” liefern wird.
Im Pressetext von der Ausstellungs-Website klingt das Versprechen der MacherInnen so (meine Hervorhebungen):
Die neue interaktive Wissenschaftsausstellung (sic!) zur erfolgreichen Fernsehserie, beginnt mit ihren Ermittlungen (…)
Inspiriert von der erfolgreichen CBS Fernsehserie, beleuchtet diese Wanderausstellung den Prozess der wissenschaftlichen Ermittlung und realen Untersuchungsmethoden, die bei der Lösung von Verbrechen zur Anwendung kommen.
Ich denke, wir müssen einen ‘Betriebsausflug’ dorthin machen…
Günter Traxler beleuchtet im STANDARD in seinem neuesten Blattsalat die jüngsten Ergüsse der (laut Eigendefinition “rechtsintellektuellen”) Wochenzeitung “Zur Zeit“. Genauer gesagt zwei Lieblingsthemen dieser Zeitung:
“Genderwahn“
“Endlich”, so ein Rezensent in “Zur Zeit”, sei “das Buch der niederösterreichischen Landesrätin und zehnfachen Mutter Barbara Rosenkranz” erschienen”. Es trägt den einfallsreichen Titel “MenschInnen. Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“. Höchste Zeit, empfindet der Rezensent, da es “über eine Perversion aufklärt, mit der vor allem junge Menschen in Schulen und an Universitäten verseucht werden, den Genderwahn!” Die “Perversion” besteht in der Meinung des Rezensenten darin:
Neomarxistische Kräfte wollen einen “neuen Menschen” erschaffen […]. Allen Ernstes wollen dort Akademiker ihren Schützlingen weismachen, daß neben dem biologischen Geschlecht es auch ein soziales Geschlecht gebe, also das Geschlecht nicht angeboren, sondern lediglich anerzogen sei.
Na allerhand! Gut, dass die “Ikone der Rechten“, wie das PROFIL Rosenkranz charakterisiert hat, diese “neomarxistische Ideologie” endlich enttarnt. Ein Beitrag, “den Genderwahn, der die Geschlechterdualität durch Geschlechtervielfalt ersetzen möchte, [zu] stoppen!”
Erschienen ist das Werk übrigens im Ares Verlag, um dessen rechtslastiges Verlagsprogramm schon einige hitzige Debatten geführt wurden.
“(Kriegs-)Gräberfürsorge”
In einem anderen Artikel in “Zur Zeit” deckt Robert Prantner einen – aus “rechtsintellektueller” Sicht – weiteren Missstand auf: Zwei Schüler hätten sich als Grabpfleger betätigt. Grundsätzlich “eine gute Sache und lobenswert”, findet Herr Prantner. Aber jetzt kommt der Sachverhalt, der Prantner alarmiert:
Und wo assistieren die beiden Schüler des Piaristengymnasiums an einer Grabpflege? Man wird es vielleicht für nicht sehr leicht möglich halten: sie werken beim 4. Tor, am jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofes. Erstaunlich. Die Israelitische Kultusgemeinde Wiens dürfte nicht gerade am Hungertuch nagen. Sonst wäre es ihr nicht beschieden gewesen, so prächtige neue Schulgebäude zu etablieren. Und darin wogt auch das Leben, welches eigentlich hinter dem 4. Tor eine Reihe kultivierender Gartenarbeit erledigen könnte. Denn die katholischen und evangelischen und alle nicht jüdischen Schüler sollten dem “Schwarzen Kreuz” dienen, im Klartext: der “Kriegsgräberfürsorge”.
Dass Prantner so etwas in diesem Medium von sich gibt, ist nichts Neues, ist er doch offenbar recht geübt im Äußern antisemitischer Statements, wie das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) nachweist. Was er da zu “jüdischen Ritualmorden” von sich gibt, gefällt nicht nur “Zur Zeit”, sondern auch auf der “katholisch-konservativen” Website couleurstudent.at: Dort findet man die Ergüsse von “Hochschulprofessor Robert Prantner, Dr. theol. und Dr. rer. pol., Mitglied der ÖCV-Verbindung Amelungia” gar so “vielbeachtet” und “weiterhin gültig”, dass man seinen Artikel “Gratwanderung auf einer Einbahnstraße” wiedergibt.
Sie musste ja ins Spiel kommen bei der Berichterstattung über den nächsten US-Präsidenten Barack Obama: die “Rasse”. In der heutigen Ausgabe des STANDARD etwa:
Unter den internationalen “Pressestimmen” ist ein Auszug aus “The Daily Telegraph” abgedruckt: Verblüffend, wie selbstverständlich da von der “gemischtrassigen Abstammung” Obamas geschrieben wird, der sich aber trotzdem “nicht über seine Rasse identifiziert”. Kann man in diesem Fall noch von einer sehr schlampigen Übersetzung (engl. “race” – dt. “Rasse”!?) ausgehen, so ist diese Ausrede für die deutschsprachigen Kommentatoren nicht mehr brauchbar: Erhard Stackl etwa schreibt unter dem Titel “Klasse statt Rasse”(!) über die “vor kurzem noch für unüberwindbar gehaltene Rassenbarriere”. Können halbwegs gebildete Redakteure das heute noch schreiben, zumal in einem sogenannten “Qualitätsmedium”? “Yes we can!”, denken sie sich offenbar …
Dass es auch anders ginge, zeigt etwa Christoph Prantner, wenn er von einer “neue(n) Zusammenarbeit über die Grenzen der (…) Ethnien hinweg” schreibt.
Dabei wäre doch nicht mal die Beschäftigung mit Rassismustheorien notwendig, ein Blick zu Wikipedia würde genügen, wo unter dem Lemma “Rasse” zu lesen ist:
Rasse bezeichnet:
eine noch bei Haustieren gebräuchliche, in der biologischen Systematik ansonsten veraltete Untereinheit der Art, siehe Rasse (Zoologie)
Und Wikipedia führt sogar über die “Heutigen Ansätze” weiter aus:
Heute wird die Menschheit nicht mehr in Rassen unterteilt. Die genetischen Unterschiede haben sich innerhalb einzelner Populationen als größer erwiesen als die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Populationsräumen. So lässt sich beispielsweise innerhalb der Grenzen Japans eine größere Varianz nachweisen als im Vergleich Japan – Australien. Eine einheitliche Klassifizierung sowohl nach morphologischen Kategorien wie “Hautfarbe”, “Haarstruktur” etc. hat sich als ebenso wenig haltbar erwiesen wie eine genetische Einteilung.
Es bleibt zu hoffen, dass die Wahl des neuen US-Präsidenten auch zu einem differenzierteren Umgang mit dem “Rassen”-Begriff in der Alltagssprache beiträgt. Und dass Klaus Emmerich, ehemaliger ORF-USA-Korrespondent, künftig vorher nachdenkt, bevor er in einer Live-Diskussion von sich gibt, dass er sich “nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen” möchte.
Die bestechende Evidenz von DNA-Analysen ist ein beliebter Topos in diversen TV-Krimiserien. Vor allem Produktionen in der Machart von “CSI: Crime Scene Investigation” basieren zu einem Gutteil auf dem Glauben an die Technik, die sich einfach nicht “irren” kann.
Das Thema wird auch in einer Folge der US-Serie Monk aufgegriffen: In Season 4, Episode 10 (“Mr. Monk Goes to a Fashion Show”) verläuft die Beweisführung zunächst ähnlich: Ein Mordfall wird neu aufgerollt, weil der neurotische Protagonist Zweifel an der Verurteilung des vermeintlichen Täters hat. Diese Verurteilung basierte aber auf einer DNA-Analyse, und die ist bekanntlich so gut wie unfehlbar, wie der “Experte” in der Serie, der Gerichtsmediziner, feststellt:
“People lie. People lie all the time. But DNA – never lies.”
Ähnlich argumentiert dann auch der – wie das Publikum an dieser Stelle schon vermutet – tatsächliche Mörder. Er hat nämlich, basierend auf der Evidenz der DNA-Analyse, ein Alibi, was er nicht müde wird zu betonen:
“What about the evidence, Mr Monk? What about – you’ve heard of DNA, right? I mean, does that ring a bell here, hm? … It couldn’t have been me – just not possible.”
Dass es doch möglich war, sich ein solch bestechendes Alibi zuzulegen, klärt sich schließlich auf: Der (korrupte) Experte nämlich, der Gerichtsmediziner, hatte die DNA-Probe gefälscht. Er wird der Beihilfe zum Mord und der Fälschung von Beweismitteln überführt: