März 22nd, 2011 Stephan Gruber
Wie ich soeben dem Adresscomptoir entnehme, plant das sogenannte Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung den nächsten Anschlag: Nach der angekündigten Eliminierung der Finanzierung von freier Wissenschaft und Forschung in Österreich (Protestplattform hier) ist es nun der ministerielle Wille, sämtliche Förderungen von Symposien und wissenschaftlichen Publikationen zu streichen. Heinz Dieter Pohl (Klagenfurt), dem dieses Vorhaben auf Nachfrage vom Ministerium bestätigt wurde, hat nun dankenswerterweise einen Protestbrief gegen diese Maßnahme verfasst, den man auf seiner Website unterschreiben kann.
[Nachtrag: Treffender Kommentar zu den neuesten Vorgängen in "Schildbürgistan" von einem neutralen Beobachter, Peter Haber (hist.net): "Österreich schafft sich ab!"]
Protestbrief im Wortlaut:
An das
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Teinfaltstraße 8
1014 Wien
Betr.: Streichung der Förderungen von Symposien und Druckkosten
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wir protestieren mit diesem Schreiben gegen das Einstellen der Förderung von Einzelpublikationen, Reihen, Zeitschriften und wissenschaftlichen Symposien, was nach Auskunft aus Ihrem Ministerium zwar erst mit 1. Jänner 2012 in Kraft treten soll, de facto aber bereits jetzt eingetreten ist.
Begründet wird dieses Einstellen mit Maßnahmen, die zur Budget-Konsolidierung notwendig wären. Wir geben jedoch zu bedenken, dass dieses Einstellen den Tod vieler wissenschaftlicher Publikationen und Veranstaltungen bedeuten würde. Diese Arbeiten machen die Forschung Österreichs der Öffentlichkeit zugänglich und befördern den internationalen wissenschaftlichen Austausch. Deren Auslöschung würde zu einer Austrocknung des intellektuellen Lebens Österreichs und zu einer Vernichtung des Wissenschaftsstandortes Österreichs im internationalen Zusammenhang führen.
Was also eine Ersparnis zu sein scheint, ist in Wirklichkeit ein ökonomischer und geistiger Kahlschlag in der österreichischen Wissenschaft.
Wir fordern daher das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung dringend auf, das Einstellen der Förderung von Einzelpublikationen, Reihen, Zeitschriften und Symposien rückgängig zu machen, damit die österreichische Wissenschaft weiterhin international präsent bleibt!
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November 2nd, 2009 Stephan Gruber
Erklärung der Lehrendenversammlung österreichischer Universitäten vom 29. 10. 2009:
Wir erklären unsere volle Solidarität mit den derzeitig stattfindenden Protesten an verschiedenen österreichischen Bildungsinstitutionen. Wir rufen dazu auf, die Proteste aktiv zu unterstützen und auszuweiten.
Dank des Engagements der Studierenden ist der dringende Bedarf an einer bildungs- und gesellschaftspolitischen Debatte sichtbar geworden.
Die Solidarität von Lehrendenseite war vom ersten Moment an vorhanden, bislang aber eher vereinzelt und zumeist informell. Die letzten Jahre waren geprägt von einem rasanten Abbau universitärer Demokratie, einer sich verschärfenden Ausrichtung von Bildungspolitik an Marktlogiken bei gleichzeitig struktureller Verknappung der Ressourcen an Universitäten.
Lehrende und Forschende sind mit dem Zwang konfrontiert, unaufhörlich Forschungsanträge für Drittmittellukrierung zu formulieren sowie eine immer weiter ausufernde Bürokratisierung zu bedienen und werden durch intransparente Evaluierungsverfahren in der beruflichen Existenz bedroht. Die systematische Prekarisierung von Lehrenden, Forschenden und Studierenden hat Vereinzelung, Verunsicherung, Demotivierung und Konkurrenzdenken zur Folge.
Nicht zuletzt in Folge der Groß-Demonstration am 28. 10. 2009 erklären wir:
1. Wir Lehrende solidarisieren uns mit der Protestbewegung.
2. Wie fordern eine Demokratisierung der Universitäten, freien Zugang zu allen Bildungseinrichtungen und deren ausreichende finanzielle Ausstattung.
3. Wir fordern alle studierenden, forschenden und lehrenden KollegInnen aller Bildungseinrichtungen auf, der gegenwärtigen Situation Rechnung zu tragen und Lehrveranstaltungen für bildungs- und gesellschaftspolitische Fragen und Forderungen der Protestbewegung zu nutzen.
4. Wir fordern alle studierenden, forschenden und lehrenden KollegInnen aller Universitäten
dazu auf, die Einrichtung kollektiver Orte für die Debatte um die Gegenwart und Zukunft von
Bildung und Gesellschaft zu unterstützen und sich daran zu beteiligen.
Diese Erklärung wurde von etwa 150 Lehrenden und Forschenden der Akademie der bildenden Künste, der Uni Wien, der TU Wien und der BOKU Wien einstimmig angenommen.
Heute, Montag, 2. 11., 18 Uhr findet dazu das 3. Treffen für solidarische Lehrende und Forschende statt, und zwar im Großen Hörsaal 1 der Fakultät für Chemie, Währingerstraße 38-42.
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Dezember 12th, 2008 Stephan Gruber
Auf ihrem neuen Album “In aller Stille” befassen sich Die Toten Hosen – nicht mehr die Jüngsten, daher nun auch mit ernsteren Themen – unter anderem mit Datensammlungen. Im Song “Die letzte Schlacht” klingt das so:
Wir sind ‘ne schweigende Armee
Macht euch auf was gefasst
Wir sind die Graue Masse
Die kein Geheimnis hat
Weil man alles von uns weiß
Und uns ständig kontrolliert
Unsere Wege verfolgt und einstudiert
Auf der Suche nach der Norm
Forscht man uns akribisch aus
Speichert Informationen
Über unseren Lebenslauf
Was wir tun und was wir lassen
Wie wir denken, wie wir fühlen
Was wir mögen, was wir hassen am System
So weit, so bedrohlich. Doch die Subversion folgt sogleich im Refrain:
Ihr könnt uns jagen wie ihr wollt
Lernt uns ruhig noch besser kennen
Beim Versuch uns zu manipulieren
Doch ihr habt euch schwer getäuscht
Wenn ihr glaubt, dass man uns lenkt
Die letzte Schlacht gewinnen wir
Weil wir euch einzeln durch die Netze gehen
Hintergrund für den Song laut dpa-Meldung:
Am politischen Anspruch hält die Band fest, unterbrach ihre Pause im vergangenen Jahr sogar für den Protest gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Das Stück «Die letzte Schlacht» greift die jüngsten Datenskandale und die Datensammelwut der Unternehmen auf. Dabei ziehen die Hosen mit einer Liedzeile den Hut vor den großen Polit- Rockern der 70er und 80er Jahre, Ton Steine Scherben. «Die letzte Schlacht gewinnen wir» sang einst Rio Reiser, für Campino «eine ganz große Ausnahme-Erscheinung als Texter in der deutschen Musikkultur».
Heute spielen die “Hosen” in der (natürlich ausverkauften) Wiener Stadthalle.
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November 27th, 2008 Stephan Gruber
Eine ‘Anekdote’ aus dem Identifizierungs-Alltag: Eine besonders ‘perfide’, weil nervtötende Identifizierungsmethode wird bei der Hotline der Telekom Austria (0800 100 100) angewandt. Zunächst wird man von einer aggressiv-freundlichen Automatenstimme begrüßt und in Sicherheit gewogen: Der Anruf werde, so das Versprechen, durch das automatisierte Navigationssystem nämlich derart beschleunigt, dass man “schnell und einfach” mit einer (echten) Person verbunden werde, die mit Rat und Tat zur Hilfe stehe. Nach gefühlten 5 Minuten der Selbstbeweihräucherung durch die Hotline-Stimme darf man dann endlich auswählen, zu welchem Thema man Hilfe wolle.
Und dann kommt der Identifizierungs-Part: Um den Anruf zu “beschleunigen”, solle man bitte seine Telefonnummer (die unschuldige Telekom-Hotline kennt natürlich keine Call ID …) und Kundennummer wahlweise eintippen oder einsprechen – unendliches Herumärgern mit der Sprach- und Tastenerkennung ist vorprogrammiert.
Aber nun ist man endlich und eindeutig identifiziert, wer man denn sei und was man eigentlich wolle. Doch die Vorfreude auf die persönliche Beratung kommt zu früh: Denn als Lohn für die Bereitstellung aller Informationen bedankt sich die Hotline-Stimme nun bei den geduldigen KundInnen für den Anruf – leider rufe man aber für dieses spezielle Problem (genauer gesagt “andere Fragen”) außerhalb der dafür vorgesehenen Beratungszeit an. “Auf Wiedersehen!” Tütütüt …
Ja, ebenfalls, ☠☣♨☭☄♒✆ Maschine!
(Ein P.S. für ‘Advanced Hotline Callers’ und Masochisten: Es gibt eine beinahe subversiv anmutende Methode, die Maschine auszutricksen und doch zu einer Person aus Fleisch und Blut durchzudringen. Nämlich: Einfach ein Beratungs-Thema auswählen, für das doch noch jemand am anderen Ende der Leitung zu erreichen ist. Nach ein paar Versuchen klappts bestimmt … Kleiner Tipp: “Information” bekommt man auch nach 18 Uhr, “andere Fragen” sind zu dieser späten Stunde nicht mehr erlaubt.)

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Oktober 26th, 2008 Daniel Meßner
Die Protestaktionen und Demonstrationen in Italien werden von heimischen Medien nicht besonders thematisiert. Während es am Samstag zur ersten Großdemonstration in Rom kam, scheint fast unterzugehen, dass Studierende bereits seit Wochen gegen die geplante Bildungsreform protestieren und Universitäten und Schulen besetzen.
Berlusconi hat diese Woche angekündigt auch mit Polizeigewalt gegen rebelliernde Studierende vorzugehen und die Zeichen stehen nicht gerade auf Dialog. Die Bildungsreform würde massive Einschnitte bedeuten: Vorgesehen sind Kürzungen im öffentlichen Bildungssektor in einem Umfang von acht Milliarden Euro pro Jahr.
Ein Hauch von 1968 weht durch Italien … und irgendwie scheint das den meisten hier egal zu sein.
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