Sprachmittlung bei Gericht und Behörden
Interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt

am Institut für Afrikawissenschaften 

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Jeder Angeklagte hat das Recht "in einer für ihn verständlichen Sprache über die Art und den Grund der gegen ihn erhobenen Beschuldigung in Kenntnis gesetzt zu werden."

EMRK Artikel 6/3a



 

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Dokumentation und Follow-Up
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Tag 2 – Arbeitsgruppe

Das Ziel des zweiten Workshop-Tages war, konkrete Lösungsvorschläge zu diskutieren und eine Basis für noch folgende Arbeitsgruppen zu schaffen.
Die einzelnen TeilnehmerInnen brachten neben bereits laufenden Initiativen auch viele Ideen für Möglichkeiten neuer „Schnittstellen“ in die Diskussion ein: 

Kodizes sowie Aus- und Weiterbildung für alle beteiligten Akteure
Ein wichtiges Instrument zur Stärkung des Berufsbildes von DolmetscherInnen sind Kodizes, in denen Rolle und Aufgaben von DolmetscherInnen festgehalten sind sowie Aus- und Weiterbildungsmodule für alle an den Verfahren beteiligten Akteure. Im österreichischen Kontext gibt es hier bereits mehrere Initiativen:

Eine Lücke in den bestehenden Initiativen sahen die am Workshop beteiligten Personen in zwei Bereichen:

  • Fortbildung für Englisch- und Französisch-DolmetscherInnen im Bereich afrikanischer Englisch-/ Französischvarietäten

  • Ausbildungsmodule für Sprachkundige, die derzeit bei Behörden und Gerichten als DolmetscherInnen für afrikanische Sprachen eingesetzt werden

Terminologie

Von Oktober 2007 bis August 2008 wurde von den Universitäten Wien (Zentrum für Translationswissenschaft) und Graz (Institut für Translationswissenschaft) in Kooperation mit dem Bundesasylamt ein vom Europäischen Flüchtlingsfonds gefördertes Projekt umgesetzt, in dessen Rahmen eine Terminologiedatenbank zum österreichischen Asylrecht erarbeitet wurde. Bisher konnten die Sprachen Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch und Serbisch berücksichtigt werden. Die Berücksichtigung von afrikanischen Sprachen in der Datenbank wurde von den TeilnehmerInnen am Workshop als sehr sinnvoll erachtet.  

Informationen für AsylwerberInnen/ Beschuldigte/ Angeklagte:

Im Asylverfahren werden derzeit Informationsblätter verwendet, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Die Verständlichkeit dieser Texte sei aber nicht immer gegeben. Von unterschiedlichen Seiten wurde im Rahmen des Workshops die Forderung gestellt,

  • diese schriftliche Form der Information durch mehr (mündliche) Beratung zu ergänzen und

  • die Informationsblätter mit dem Ziel, diese „verständlicher“ zu gestalten, zu überarbeiten (Hier gibt es bereits eine Zusammenarbeit zwischen dem Bundesasylamt und UNHCR. Im Jahr 2008 wurde außerdem vom Netzwerk Sprachenrechte unter der Leitung von Verena Plutzar mit Unterstützung des UNHCR eine Studie mit dem Titel „Komm.weg“ durchgeführt, die Kommunikationsabläufe in den Erstaufnahmestellen zum Gegenstand hatte.

Audioaufnahme von Verhandlungen

In der Diskussion wurde wiederholt angesprochen, dass Audioaufzeichnung von Verhandlungen einen wesentlichen Beitrag zu einer Qualitätssicherung leisten könnten:

  • Zum einen könnten dadurch die kommunizierten Inhalte (v.a. zwischen DolmetscherIn und AsylwerberIn/ Angeklagtem/r) als „Beweis“ gesichert werden

  • Zum anderen könnte auch die während der Verhandlung von einer Schreibkraft erstellte Verhandlungsniederschrift durch eine Transkription des Kommunikationsprozesses nach der Verhandlung ersetzt werden.

Einstimmig wurde von den vertretenen PraktikerInnen wie auch WissenschaftlerInnen festgestellt, dass letztlich die politischen Entscheidungsträger gefordert sind, hierfür die gesetzliche Grundlage zu schaffen und die notwendigen finanziellen Ressourcen bereitzustellen.

Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis

Neben der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, war ein wesentliches Ziel des Workshops auch die Zusammenarbeit selbst zum Gegenstand der Diskussion zu machen: Was erwartet die Praxis von der Wissenschaft? Und wo sieht die Wissenschaft ihre Rolle im Austausch mit der Praxis? Die TeilnehmerInnen waren sich einig, dass es dabei um einen laufend zu führenden Diskussionsprozess geht, der von gegenseitigem Feedback und Austausch geprägt sein sollte. Die Wissenschaft kann keine allgemein anwendbaren „Rezepte“ für die Praxis liefern. Die Wissenschaft kann aber in der Zusammenarbeit mit der Praxis Ansätze zur Problemlösung erarbeiten und den Blick der Praxis erweitern. Die Praxis ist ihrerseits gefordert der Wissenschaft einen Einblick in ihre tägliche Arbeit zu geben, damit die Wissenschaft ihre Konzepte an die Praxis stärker anpassen kann. Nur so kann die Forderung der Praxis nach „verwertbaren“ Ergebnissen erfüllt werden. 

 

 

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