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Frühneuzeit-Studien, Neue Folge

Neue Folge, Band 1

Volker Bauer: Hofökonomie. Der Diskurs über den Fürstenhof in Zeremonialwissenschaft, Hausväterliteratur und Kameralismus. Wien; Köln; Weimar: Böhlau 1997 (= Frühneuzeit-Studien, Neue Folge 1)

Im 18. Jahrhundert waren die deutschen Fürstenhöfe Gegenstand einer Debatte, in der es unter dem zeitgenössischen Etikett der "Hofökonomie" um ihre wirtschaftlichen Kosten ging. Konstitutiv für den hofökonomischen Diskurs waren 1. die Zeremonialwissenschaft, 2. der Kameralismus und 3. die Hausväterliteratur. Impliziert wurde stets die Frage nach der Rechtfertigung höfischer Repräsentation aufgeworfen, so daß das Problem der Hofökonomie entscheidend zur Legitimationskrise der höfischen Gesellschaft beitrug.

360 S., EUR 42.73, ISBN 978-3-205-98798-7,
Böhlau Verlag

Neue Folge, Band 2

Seelenmaschinen. Gattungstraditionen, Funktionen und Leistungsgrenzen der Mnemotechniken des vom späten Mittelalter bis zum Beginn der Moderne. Hg. von Jörg Jochen Berns und Wolfgang Neuber. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2000 (= Frühneuzeit-Studien, Neue Folge 2)

Die aus der Rhetorik herkommenden Merk- und Erinnerungstechniken gelangen durch die Literatur des 13. bis 19. Jahrhunderts zu einer europaweiten Verbreitung. Durch die neuen Möglichkeiten, Bilder zu publizieren und mobil zu machen, können von nun an Imaginationsformen, Texte und Bildprogramme wie Predigten, Stammbäume, Reichsadler, allgemeine Wissenschaften und Geschichtskenntnisse standardisiert und reguliert werden. Die interdisziplinären Beiträge untersuchen Merk- und Erinnerungstechniken vom späten Mittelalter bis zum Beginn der Moderne.

800 S., EUR 80.38, ISBN 978-3-205-99148-9,
Böhlau Verlag

Rezension von Helmut Zedelmaier

Inhalt

JÖRG JOCHEN BERNS UND WOLFGANG NEUBER
Vorwort der Herausgeber

I. RHETORIK UND ARS MEMORATIVA

MARY CARRUTHERS
Rhetorische memoria und die Praxis des Erinnerns. Boncompagno da Signas Rhetorica novissima
ANITA TRANINGER
Domänen des Gedächtnisses. Das Scheitern der Mnemotechnik an der memoria des absoluten Herrschers
JOACHIM KNAPE
Friedrich Riederers ars memorativa (1493)
ELMAR LOCHER
Hypotypose und memoria in der Ästhetik Harsdörffers

II. PHILOSOPHIE / WISSENSCHAFTSGESCHICHTE UND ARS MEMORATIVA

WOLFGANG NEUBER
Die vergessene Stadt. Zum Verschwinden des Urbanen in der ars memorativa der Frühen Neuzeit
ERNST ULRICH
Memoria und ars memorativa in der Tradition der Enzyklopädie. Von Plinius zur Encylopédie française
JOHANN KREUZER
Der Seelengrund als Subjekt und Objekt der Erinnerung bei Eckhart und Tauler
SABINE HEIMANN-SEELBACH
Ars und scientia. Wissenschaftssystematische Implikationen in ars-memorativa-Traktaten des 15. Jahrhunderts
ANDREAS B. KILCHER
Ars memorativa und ars cabalistca. Die Kabbala in der Mnemonik der Frühen Neuzeit
MARTIN MULSOW
Seelenwagen und Ähnlichkeitsmaschine. Zur Reichweite der praktischen Geometrie in der Ars cyclognomica von Cornelius Gemma
THOMAS LEINKAUF
Systema mnemonicum und circulus encyclopaediae. Johann Heinrich Alsteds Versuch einer Fundierung des universalen Wissens in der ars memorativa
CLAUS ZITTEL
Mirabilis scientiae fundamenta. Die Philosophie des jungen Descartes (1619–1629)
BARBARA KELLER
Auflösung und "Aufklärung". Ein Beschreibungsversuch zur spanischen Mnemonik des 17. und 18. Jahrhunderts
STEFAN RIEGER
Der Wahnsinn des Merkens. Für eine Archäologie der Mnemotechnik

III. IKONOGRAPHIE UND ARS MEMORATIVA

JÖRG JOCHEN BERNS
Aquila Biceps. Die mnemonische Belastbarkeit des Reichsadlers und das Problem der Schemaüberblendung
LINA BOLZONI
Fresken, illustrierte Bücher und mnemonische Systeme. Die Gedächtniskunst und die Kunst der Transkodifikation
BARBARA BAUER
Die Philosophie auf einen Blick. Zu den graphischen Darstellungen der aristotelischen und neuplatonisch-hermetischen Philosophie vor und nach 1600
THOMAS RAHN
Geschichtsgedächtnis am Körper. Fürstliche Merk- und Medidationsbilder nach der Weltreiche-Prophetie des 2. Buches Daniel
KILIAN HECK
Ahnentafel und Stammbaum. Zwei genealogische Modelle und ihre mnemotechnische Aufrüstung bei frühneuzeitlichen Dynastien
DETLEF HOFFMANN
Die mnemonischen Kartenspiele Thomas Murners
WOLFGANG BRÜCKLE UND JÜRGEN MÜLLER
Der innere Christus. Zur mnemonischen Tradition der Passionsandacht und einer mystischen Vergegenwärtigung des Gekreuzigten bei Pieter Bruegel d. Ä.
GERHARD F. STRASSER
Johannes Bunos mnemotechnische Verfahren
ULRICH SCHÜTTE
Fortifizierte Tugenden. Praktische Philosophie, Mathematik und Gedächtniskunst in Erhard Weigels Wienerischem Tugend=Spiegel (1687)

IV. SCHRIFTLICHKEIT UND ARS MEMORATIVA

VALERIO MARCHETTI
Mnemotechnik, Schrift, Buchdruckerkunst
ALEIDA ASSMANN
Das Gedächtnis der Buchstaben
JAN ASSMANN
Hieroglyphen als mnemotechnisches System. William Warburton und die Grammatologie des 18. Jahrhunderts

V. MUSIK UND ARS MEMORATIVA

LOTHAR SCHMIDT
Andachtsmnemonik im italienischen geistlichen Madrigal

VI. AUSBLICK

JÖRG JOCHEN BERNS UND WOLFGANG NEUBER
Seelenmaschinen. Zur Konstruktion einer Gattungsgeschichte der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen ars memorativa

Neue Folge, Band 3

Andrea Griesebner: Konkurrierende Wahrheiten. Malefizprozesse vor dem Landgericht Perchtoldsdorf im 18. Jahrhundert. Wien; Köln; Weimar: Böhlau 2000 (= Frühneuzeit-Studien, Neue Folge 3)

Die Autorin spürt der Frage nach, welche Praktiken im Laufe des 18. Jahrhunderts als "Malefizverbrechen" verfolgt wurden und welche Rolle das Geschlecht der handelnden Personen dabei spielte. Dafür dient ihr das südwestlich von Wien gelegene Landgericht Perchtoldsdorf als historisches Laboratorium.

Durch ein Gegenlesen von Strafnormen (Ferdinandea und Theresiana) und Gerichtspraxis veranschaulicht sie, wie die im sozialen Raum eingenommene Position der AkteurInnen und die Beziehungskonstellation zwischen "Opfer und Täter" darüber mitentschied, ob eine konkrete Handlung als legal oder illegal, als bloßes Vergehen oder aber als Malefizverbrechen bewertet wurde. Wie konkurrierende Wahrheiten über den Tathergang im Laufe des gerichtlichen Ermittlungsverfahrens zunehmend vereindeutigt wurden, analysiert die Autorin in einer quellennahen Rekonstruktion einzelner Malefizprozesse.

Besonders plastisch wird dieser "Vereindeutigungsprozeß" in jenem Kapitel, wo sie mit dem methodischen Kunstgriff der szenischen Darstellung arbeitet.

Ausgehend von dem Befund, daß die Relevanz, die dem Frau- oder Mannsein im jeweiligen Bewertungsprozeß zukam, untrennbar mit weiteren hierarchisch strukturierten Markierungen verwoben war, schließt die Autorin mit einem Vorschlag, wie Geschlecht als eine mehrfach relationale Kategorie gedacht werden könnte.

352 S., EUR , ISBN 978-3-205-99296-7,
Böhlau Verlag

Neue Folge, Band 4

Albert Schirrmeister: Triumph des Dichters. Gekrönte Intellektuelle im 16. Jahrhundert. Köln; Weimar; Wien: Böhlau (= Frühneuzeit-Studien, Neue Folge 4)

1487 wird auf der Nürnberger Burg Conrad Celtis durch Friedrich III. zum kaiserlich gekrönten Dichter. 1555 ist die Dichterkrönung des Nikolaus Mameranus eine der letzten Amtshandlungen Kaiser Karls V. Diese beiden Daten markieren die zeitlichen Grenzen der vorliegenden Arbeit, die ihr Zentrum in der Zeit Maximilians I. zwischen 1493 und 1519 findet.

Es ist die Zeit, in der lateinisch schreibende Dichter versuchten, mit dem Titel eines Poeta laureatus caesareus ihre soziale Position und ihre kulturelle Identität zu definieren. Dieser »Lorbeer des Dichters« verschränkt seit Petrarcas selbst inszenierter Krönung Elemente eines universitäten Diploms mit Verweisen auf antike Traditionen.

Die poetae laureati als mit Insignien ausgezeichnete Künstler der sprachlich vermittelten Herrschaft erhalten in der Frühen Neuzeit eine Schlüsselposition, aus der sie neue und spezifische Praktiken und kollektive Repräsentationen entwickeln. Ausgehend von der Hypothese, daß sich die Identität der Humanisten in den Praktiken der poetae laureati manifestiert, werden diese unter Rückgriff auf die theoretischen Konzepte Pierre Bourdieus und Roger Chartiers untersucht.

ca. IX, 203 Seiten, ca. 24 SW-Abbildung(en) auf 16 Tafeln, 34,90 Eur[D] / 35,90 Eur[A], ISBN 978-3-412-09703-5
Böhlau Verlag

Aktuelles & Termine

  • 17. Jänner 2018 – Jour Fixe Lenka Veselá (Prag): The Library of Hieronymus Beck von Leopoldsdorf in the Context of 16th Century Central European Aristocratic Libraries
  • 13. Dezember 2017 – Jour Fixe Marion Romberg (Wien): Die Welt im Dienst des Glaubens. Erdteilallegorien in Dorfkirchen auf dem Gebiet des Fürstbistums Augsburg im 18. Jahrhundert

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