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17. Jänner 2018 – Jour Fixe

Lenka Veselá (Prag):

The Library of Hieronymus Beck von Leopoldsdorf in the Context of 16th Century Central European Aristocratic Libraries

Moderation: Karl Vocelka

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 45, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1, 2. OG)

Abstract:

The Beck von Leopoldsdorf library from the end of the 16th century was unique in many aspects. This Lower Austrian book collection contained between 2.000 to 2.500 volumes and was carried off to Sweden as a part of the war booty from Bohemia and Moravia towards the end of the Thirty Years’ War. The detailed reconstruction of this book collection from Ebreichsdorf castle showed that it belonged amongst the little known progressive aristocratic libraries of an intellectual archetype, whose owners were not bound either by a family tradition or an intention to create collectors’ libraries of a universal nature. This library reflected some elements of Hieronymus Beck’s life and his world outlook, difficult to ascertain otherwise and uncaptured from other primary sources. His book collection is a unique proof of interaction between the Viennese learned and aristocratic environments of the second half of the 16th century.

The lecture will build on Beck library acquisitions and owner’s reader preferences, deciphering intellectual horizons of its creator that were until now unknown and classifying the Beck book collection within the context of other contemporary aristocratic libraries in the Czech and Austrian Lands in the second half of the 16th century.

Zur Person:

Dr. Lenka Veselá is a researcher at the Library of the Academy of Sciences in Prague. She deals with the history of libraries and book culture in the early modern period and especially with the Swedish War booty books from Bohemia and Moravia acquired during the Thirty Years' War.

13. Dezember 2017 – Jour Fixe

Marion Romberg (Wien):

Die Welt im Dienst des Glaubens. Erdteilallegorien in Dorfkirchen auf dem Gebiet des Fürstbistums Augsburg im 18. Jahrhundert

Moderation: Friedrich Polleroß

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 45, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1, 2. OG)

Abstract:

Nach dem Konzil von Trient galt es aufseiten der katholischen Kirche nicht nur mit dem Wort, sondern auch mit dem Bild zu argumentieren. Im Zuge dessen wurden Kirchen zu einer permanenten Schau- und Lehrbühne umgestaltet. In den Dienst dieser barocken Medienoffensive wurde eine Ikonografie gestellt, die in der höfischen Welt des 16. Jahrhunderts entstanden war. Diese Ikonografie der vier Erdteile erlangte ihre Blüte im 18. Jahrhundert an den Wänden und Decken süddeutscher Dorfkirchen. Im sogenannten Erdteilallegoriengürtel, in dessen Zentrum das Fürstbistum Augsburg liegt, findet sich die größte Dichte dieser Bildwerke.

Aber wie gelangten die Erdteilallegorien in die Dorfkirchen? Was für eine Funktion erfüllten sie? Mittels einer fürstbistumsgeschichtlichen Kontextualisierung zeichnet Marion Romberg in ihrem Vortrag diese Popularisierung als ein Bild kultureller Transferprozesse nach. In einem dynamischen Zusammenspiel verbanden sich unterschiedliche kulturelle Einflüsse durch Künstler, Patronatsherren, Pfarrer, Bruderschaften und zirkulierende Medien. Als Visualisierung zeitgenössischer Diskurse wurden die Erdteilallegorien Teil der Sprache des Volkes.

Zur Person:

Derzeit Projektmitarbeiterin im FWF-Projekt Kaiserin und Reich. Zeremoniell, Medien und Herrschaft 1550 bis 1740/45 an der ÖAW (Wien) und Stipendiatin der Gerda-Henkel-Stiftung (Düsseldorf) zum Thema Bruderschaftliche Kunstförderung im Fürstbistum Augsburg. 2012–2015 Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Erdteilallegorien im Barockzeitalter an der Universität Wien; online: http://erdteilallegorien.univie.ac.at; 2015 Promotion im Fach Geschichte; Redakteurin des wissenschaftlichen Fachportals und Mailingliste Habsburg Discussion Networks und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts.

15. November 2017 – Jour Fixe

Scott Edwards (Wien):

Im Spannungsfeld von Konfession, Nation und Tradition: Ludwig Senfl in den böhmischen Sammeldrucken

Moderation: Petr Mat’a

Zeit und Ort: 18:30 Uhr, Hörsaal 45, Hauptgebäude der Universität Wien (1010 Wien, Universitätsring 1, 2. OG)

Abstract:

Unter den letzten Drucken des 16. Jahrhunderts, die die lateinisch-textierte Musik von Ludwig Senfl posthum übermitteln, befinden sich vier Anthologien, die von Clemens Stephani, einem Schriftsteller und Buchhändler in der nordböhmischen Stadt Eger (heute Cheb, Tschechische Republik) herausgegeben wurden. Ein auffälliges Merkmal von dreien dieser Drucke ist, dass sie ausschließlich Kanons oder Werke, die prominent eine kanonische Faktur aufweisen, versammeln. Stephani war ein frommer Lutheraner, und es wurde bereits beobachtet, dass in den lutherischen Schulen des 16. Jahrhunderts Kanons von zentraler Bedeutung für die Musikpädagogik waren.

In dieser Arbeit werde ich die Bedeutung von Nordböhmen nicht nur für die lutherische Musikproduktion, sondern auch für die posthume Publikation/Überlieferung von Senfls Musik hervorheben. Bei der Zusammenstellung seiner Sammelbände baute Stephani auf einer Tradition der musikalischen Kultur auf, die bereits in der nahe gelegenen Stadt Joachimstal blühte. Hier hatten Johannes Mathesius und David Köler, die beide von Luthers Fürsprache für Senfl inspiriert waren, einen Lehrplan für die Musikausbildung in der örtlichen Lateinschule erstellt. In der konfessionell mehrdeutigen Gesellschaft Böhmens hat sich der lutherische musikalische Einfluss an verschiedene Umgebungen angepasst, eine Notwendigkeit, die wir in Stephanis Sammelbänden beobachten können. Die persönliche Abneigung des Herausgebers gegenüber „fremden“ musikalischen Einflüssen ist nur eine Manifestation der Vorurteile, die die spätere Verbreitung der sakralen Musik von Senfl aufrechterhielten.

Zur Person:

Scott Edwards arbeitet derzeit an der Universität Wien als Mitarbeiter im FWF-Projekt „Ludwig Senfl: Sämtliche Werke (New Senfl Edition)“. Zuvor war er zwei Jahre als College Fellow in der Abteilung für Musik an der Harvard University. Seine Dissertation „Repertory Migration in the Czech Crown Lands, 1570–1630“, schloss er im Jahr 2012 an der University of California, Berkeley ab. Aktuelle Artikel erschienen in The Journal of Musicology und Diasporas.

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  • 17. Jänner 2018 – Jour Fixe Lenka Veselá (Prag): The Library of Hieronymus Beck von Leopoldsdorf in the Context of 16th Century Central European Aristocratic Libraries
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