Die iggerm


und ihre Grundsätze

Die iggerm (Institutsgruppe Germanistik) ist eine Gruppe von Menschen, die an der Uni Wien Germanistik studieren und dies mit einem explizit politischen Engagement am Institut und darüber hinaus zu verbinden versuchen.
Wir agieren als unabhängige Gruppe, d.h. wir sind weder in Form einer Partei organisiert, noch gehören wir einer unipolitischen Fraktion an. Somit baut unsere Arbeit und unser Engagement auf ein Verständnis des Politischen auf, welches über das hinausgeht, was gemeinhin unter „Politik“ verstanden wird. Die so verstandene Unabhängigkeit ist aber – als einer unserer Grundsätze – nur ein Teil eines allgemein politischen Bewusstseins, dessen Eckpfeiler die Grundlagen unserer Arbeitsweise bilden.

unabhängig

Wir versuchen den Raum der Universität zu nutzen, um gegen herrschende und ausgrenzende Strukturen aufzutreten, die allen Bereichen der sozialen Sphäre, so auch und insbesondere der Wissenschaft, inhärent sind. Emanzipatorische und fortschrittliche Politik zu betreiben heißt, dass wir uns nicht mit Stellvertreter*innenpolitik begnügen, sondern Studierende als Akteu­r*innen der Politik sehen und Wege größtmöglicher Partizipation zu eröffnen suchen.

emanzipatorisch

Dieser Anspruch fordert schon von sich her ein antirassistisches Engagement. Wir treten entschieden gegen rassistische und autoritäre Strömungen ein, wie sie sich teils in der politischen Landschaft widerspiegeln. Das neue FremdenUNrechtsgesetz zeigt beispielsweise, wie gesellschaftsfähig derarti­ges Gedankengut immer noch ist. Daher unterstützen wir antirassistische Organisationen finanziell und bieten ihnen Raum zum Arbeiten. Gleichzeitig bedeutet für uns eine kritische (und) theoretische Beschäftigung mit Rassismus auch, die eigene Eingebundenheit in strukturelle Rassismen zu problematisieren und damit verbundene Privilegien zu hinterfragen.

antirassistisch

Die faschistischen Kontinuitäten, die in Österreich – und nicht zuletzt an der Germanistik – seit 1945 weiterbestehen, erfordern dahingehend unsere politische Betätigung, als dass sie sichtbar gemacht, kontextualisiert und vehement bekämpft werden müssen. Vor allem Alltagsantisemitismen und faschistoide Tendenzen werden gerne heruntergespielt. Hier anzusetzen und zu sensibilisieren, ist (auch und gerade im Umgang mit Literatur) unumgänglich, egal wie marginal diese zuweilen erscheinen mögen.

antifaschistisch

Das bisher Gesagte zeigt schon, dass auch der Faktor Geschlecht für uns ein Schauplatz politischer Kämpfe ist. Die Konstruktionen von Geschlechtsidentitäten, Genderhierarchien und geschlechtsspezifischen Rollenzuweisungen innerhalb und außerhalb institutioneller Zusammenhänge führen etwa zur strukturellen Benachteiligung von Frauen in Arbeitsverhältnissen sowie im wissens­chaftlichen Umfeld und können existenzbedrohende Ausformungen annehmen. Wir versuchen deswegen in den uns offenen Gremien Frauen zu fördern und diese auch in der Lehre und durch den Gebrauch von geschlechtsneutraler Sprache sichtbar zu machen. Darüber hinaus zielt unsere Arbeit auf eine profunde Auseinandersetzung mit feministischer Theoriebildung, wobei wir dies in Form von Lesekreisen, Podiumsdiskussionen, sowie der Förderung von und in Zusammenarbeit mit feministischen Projekten in eine breiter angelegte Diskurssphäre tragen möchten.

feministisch

So ist etwa die heterosexuelle Zweierbeziehung ein privilegierter Lebensentwurf, zugunsten dessen jegliche anderen Lebensentwürfe margina­lisiert und sanktioniert werden. Dieses Privileg basiert auf einer binären Geschlechterkonzeption. Es zehrt von der Unterscheidung einer öffentlichen Sphäre und eines privaten Raums, der als ein „Außen“ fungiert für das, was im Bereich des Öffentlichen (Juridischen, usw.) indiskutabel ist. Heteronormativität ist gesellschaftsimmanent und drückt sich z.B. auch in Homophobie, Transphobie, Sexismus, Rassismus etc. aus. Antiheteronormatives Arbeiten reflektiert diese Normen nicht nur mit, sondern zielt auf die Destabilisierung und Dekonstruktion gesellschaftlicher Machtstrukturen ab.

antiheteronormativ

Wir fühlen uns den hier angeführten Grundsätzen verpflichtet, wähnen uns allerdings nicht im Besitz fertiger Rezepte für uni- und gesellschaftspolitische Veränderungen. Die Affirmation des Undogmatischen als Grundsatz versichert uns der Notwendigkeit produktiver Kritik und unablässiger Selbstkritik. Damit wird der vorliegende „Grundsatzkatalog“ zwar keineswegs relativiert, sondern vielmehr angedeutet, dass er nicht als steinerne Doktrin zu lesen ist. Das Undogmatische ist somit ein integratives Element und steht für ständige Reflexion als Teil unseres Engagements.

undogmatisch

Die konkrete Form für all die angesprochenen Bereiche, auf die unser Engagement abzielt, ist die basisdemokratische Verfasstheit unserer Gruppe. Ihr Angelpunkt sind die wöchentlich stattfindenden Plena (Jours Fixes). Diese sind offen, das heißt, alle, die sich gerne in einer wie dargestellt positionierten Gruppe einbringen möchten, sind willkommen. Da wir Hierarchien jeglicher Art ablehnen, wird innerhalb des Jour Fixe nicht per Mehrheitsbeschluss, sondern durch Konsensfindung entschieden. Damit ist jedoch auch schon die grundlegende Polarität angesprochen, in der wir uns einerseits als Studienvertretung im institutionellen – und alles andere als demokratischen – Rahmen der Universität eingebunden finden, und andererseits als Institutsgruppe und Teil der Hochschülerinnenschaft abseits (oder am Rande) dieser institutionellen Hierarchien positioniert sind. Insofern wir uns als basisdemokratische Gruppe verstehen, ist aber auch der Studienvertretungs-Aspekt unserer Tätigkeit von der Forderung nach einer antihierarchischen Arbeitsweise geprägt. Das bedeutet etwa, dass Entscheidungsprozesse derart gestaltet werden, dass Beschlüsse nur dann gefällt werden können, wenn sie alle mittragen können. Dabei ist es selbstverständlich äußerst wichtig, dass darauf geachtet wird, niemanden durch informelle Hierarchien (wie Informationsvorsprung oder Erfahrung) oder dominantes Diskussionsverhalten von einer gleichberechtigten Teilnahme abzuhalten.

basisdemokratisch

Da wir uns als politische Gruppe verstehen, ist es uns ein Anliegen, die angesprochenen Einstellungen und Ziele nicht nur zu deklarieren oder gar nur als stummen Katalog auf Plakate zu bannen, sondern sie aktiv in unserem Leben am Institut und darüber hinaus zu verankern. Das ist aber unmöglich ohne Partizipation, gerade auch damit der Anspruch gleichberechtigter Teilnahme nicht zu einem Schlagwort für das Miteinander einiger eingeschworener alter Häs_innen verkommt.