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Französische Revolution und Religion

Von der Verfolgung zur Entchristianisierung

Impressum

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Überblick

Religiöse Situation vor 1789

Problem der Finanzen

Einschränkungen/Verfolgung:

Entchristianisierung:

Die Entwicklung bis 1801

Die Kirche des 19. Jh.

Literaturverzeichnis

 

Der Kult des Höchsten Wesens

Die Entchristianisierung hatte in der Bevölkerung jedoch nicht nur Anhänger gefunden. Vor allem in den Provinzen war es schwer die Menschen von der Aufgabe uralter Gewohnheiten zu überzeugen. Zum Beispiel das Herabholen der Kirchenglocken löste im Volk einen starken Protest aus, da diese nicht nur ein Symbol der christlichen Zeiteinteilung waren, sondern auch den Tagesablauf der Menschen markierte, indem sie zur Arbeit und zu Festen aufriefen oder von Unglücksfällen kündeten. Auch gegen die Schließung der Kirchen regte sich in der Bevölkerung Widerstand. (Bertaud, 91 und 93)
Robespierre war sich dieses Widerstandes der breiten Bevölkerung bewusst. Bereist am 21. November 1793 sprach er sich im Jakobinerclub ausdrücklich für die Freiheit der Religionsausübung aus, obwohl er kein Befürworter des Katholizismus war. Er sah in der Abschaffung der Gottesdienste jedoch einen politischen Fehler, der der Republik nur noch mehr Feinde im In- und Ausland einbringe. (Soboul, 315)

Am 6. Dezember 1793 erinnerte auch der Konvent in einem feierlichen Dekret an die freie Religionsausübung, die er proklamierte und auch beabsichtigte aufrecht zu erhalten. Damit war ein erster Schritt zur Eindämmung des Kultes der Vernunft vollzogen worden. Ebenso wie Danton, der sich gegen die "antireligiösen Maskeraden" (Soboul, 315) wandte und Robespierre, der noch einmal vor den Gefahren der Entchristianisierung warnte, ließ nun auch Chaumette die Freiheit der öffentlichen Religionsausübung von der Kommune bestätigen. (Soboul, 315)
Durch das Dekret des Konvents änderte sich jedoch nichts an den bereits getroffen Maßnahmen - geschlossene Kirchen blieben geschlossen.
Am 7. Mai 1794 befasste sich Robespierre in einer Ansprache an den Konvent mit der Bedeutung von Religion und Moral. Das anschließend vom Konvent erlassene Dekret legte im Artikel 1 folgendes fest: "Das französische Volk erkennt die Existenz eines Höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele an." (Markov/Soboul, 243) In die Reihe der nationalen Feste wurde nun jenes des Höchsten Wesens aufgenommen.
Am 8. Juni 1794 weihte ein "Fest des Höchsten Wesens" in Paris den neuen Kult feierlich ein. Robespierre nahm persönlich an dem von David genauestens geplanten Fest teil. Nichts wurde dabei dem Zufall überlassen, selbst die Äußerungen der Begeisterung, der Ekstase folgten einem minuziösen Protokoll. Davids Regieanweisungen überliefert Hans Maier in seinem Werk, Revolution und Kirche wie folgt:

"Die Mütter heben die jüngsten ihrer Kinder in ihren Armen hoch und bringen sie dem Schöpfer der Natur in Ehrfurcht dar. Die jungen Mädchen werfen Blumen zum Himmel empor ... Die jungen Männer ziehen ihre Säbel und schwören, sie überall siegreich zu führen. Die von der Begeisterung ihrer Söhne fortgerissenen Alten legen ihnen die Hände auf und teilen ihre väterliche Segnung aus .... Eine furchtbare Artilleriesalve, das Zeichen der nationalen Rache erschallt, und alle Franzosen vereinigen ihre Gefühle in einer brüderlichen Umarmung: sie haben nur mehr eine Stimme, deren vereinigter Schrei: Es lebe die Republik! die Lüfte erbeben lässt". (Maier, 275)

Selbst die Häuser, aus deren Fenstern Fahnen flatterten, wurden geschmückt und die Straßen mit Blumen bestreut. Es wurden Instruktionen erteilt, wer die Getreideähren und Blumenkörbe tragen sollte und sogar bestimmt, wie die jungen Mädchen ihre Haare tragen mussten, welche Blumensträuße sie halten durften und wie ihre Kleider mit Rosen besteckt wurden. Auch die musikalische Seite des Festivals wurde bis aufs Kleinste geplant. (Ozouf, 111)
Robespierre sollte von einer hohen Rednerbühne zur Versammlung und zum Volk sprechen, in der er das Höchste Wesen anrief und die Zuhörer aufforderte, diesem zu huldigen. Während die Musiker des "Institut National de Musique" eine Hymne Gossecs anstimmten, entzündete Robespierre einen Scheiterhaufen, wodurch Atheismus, Zwietracht und Ehrgeiz brennend zusammenstürzten, während aus der Asche ein Standbild der Weisheit (mit leicht geschwärzte Antlitz) emporstieg. (Aubry, 210) Danach führte Robespierre als Vorsitzender des Nationalkonvents den Festzug nach Klängen von Gossec und Méhul vom Nationalpark der Tuilerien zum Marsfeld. Dort wurde ein symbolischer "Berg" errichtet, der von einem Freiheitsbaum überragt wurde. Im Gegensatz zum Fest der Vernunft wurde dieser Hügel nun im Freien errichtet. Die Zeremonie am Marsfeld war rein musikalisch und religiös, mit Orchestermusik, der Emporhebung der Kinder zum Himmel und einem Eid gestaltet. (Ozouf, 112)

In der Provinz wurde die Einführung dieses neuen Kultes begrüßt, vor allem in manchen Gegenden Südost- oder Westfrankreichs fand dieser bei der Bevölkerung großen Anklang. (Bertaud, 96)

Darstellung Fest des Höchsten Wesens