ao. Univ.-Prof. Dr. Karl Vocelka
703448 Vorlesung SS 2003

Kultur- und Geistesgeschichte der Gärten am Beispiel der Habsburgermonarchie


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11. Vorlesung 02.06.2003

Ulrike Zimmerl: Gartenstadt-, Kleingarten- und Siedlerbewegung

Die Gartenstadtbewegung in England

 

Ebenezer Howard (1850–1928)

1898: Ebenezer Howard: To-morrow: A Peaceful Path to Real Reform; 1902: Neuauflage unter dem Titel: Garden Cities of To-morrow.

Idealgartenstadt: Größe: 2.400 ha; Einwohnerzahl: ca. 30.000

1901: * Garden City Association

1903: * Letchworth = erste Gartenstadt, Gesellschaft: Garden City Pioneer Company

1919: * Welwyn Garden City, Gesellschaft: Garden City Pioneer Company

 

Deutsche Gartenstadtbewegung

 

Heinrich Krebs: Verbreitung der englischen Gartenstadtidee in Deutschland (Friedenshagener Freundeskreis)

1902: * Deutsche Gartenstadtgesellschaft (DGG)

Hans Kampffmeyer: Hauptvertreter der deutschen Gartenstadtbewegung; Beziehungen zu Österreich und Wien ab 1906; ab Jänner 1907 waren die Mitteilungen der Deutschen Gartenstadtgesellschaft als Beilage der Hohen Warte (Hg. Joseph August Lux) angegliedert; verstärkte Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Wohnungsreform in Österreich.

 

1906: * Hellerau bei Dresden = erste deutsche Gartenstadt; Karl Schmidt (Gründer und Eigentümer der Dresdner Werkstätten), Kommission u.a. mit Hermann Muthesius, Theodor Fischer, Richard Riemerschmid und Fritz Schumacher

 

Schrebergärten und lebensreformerische Kleingartenbewegung

 

Schrebergärten – benannt nach Daniel Gottlieb Moritz Schreber (Leipziger Arzt für Innere Medizin und Heilmittellehre, Orthopäde)

10. Mai 1864: * „Schreberverein“ durch Leipziger Schuldirektor Dr. Hauschild (nach Tod Hauschilds Übernahme der Leitung des Schrebervereins durch Heinrich Carl Gesell)

1869: Einführung der ersten Gartenordnung in Leipzig

1870: * der ersten Gartenanlage mit 30 Gärten durch den Schreberverein in Leipzig

 

Österreich - 3 Beispiele für lebensreformerische Kleingärten:

 

1.) Schrebergartenanlage in Deutschwald bei Purkersdorf (*1904), Gründer: August Bronold (Obmann des 1903 * Wiener Naturheilvereins)

2.) Anlage am Gänsehäufel: Gründer: Florian Berndl (Erster Wiener Lust- und Nutzgartenverein)

3.) Kleingartenanlage des Vereins Rosental (*1911), 14. Bezirk (Julius Straußghitel)

 

Die Wiener Siedlerbewegung

 

1918-1921: Phase der wilden Landnahme und des wilden Siedelns

wichtigste Wiener Kleingarten- und Siedlungsgebiete: Norden und Nordosten, in Floridsdorf, Kagran und Stadlau, Süden und Südosten, im 10. bis 12. Bezirk, und im Westen, im 13. bis 19. Bezirk.

 

1919–1924: Kleingartenausstellungen im Rathaus

1920–1922: 3 Großdemonstrationen der Siedler und Kleingärtner (1921: Gewinnung kommunaler und staatlicher Unterstützung); Jakob Reumann (1919–1923: erster sozialdemokratischer Bürgermeister Wiens)

 

1921–1922: Ausbildung des Netzwerks von Selbsthilfeorganisationen / Beispiele:

Mai 1921: * Siedlungsamt (Leitung von 1921–1928: Hans Kampffmeyer, Chefarchitekt: Adolf Loos)

September 1921: * Österreichischer Verband für Siedlungs- und Kleingartenwesen (ÖVSK) (= Zusammenschluss des Verbandes der Schrebergartenvereine Österreichs und des Hauptverbandes für Siedlungs- und Kleingartenwesen), geschäftsführender Obmann: Adolf Müller, Sekretär: Otto Neurath; Planungsbüro des ÖVSK: Chefarchitekten: George Karau und Franz Schuster (Mitarbeit u.a. von Josef Frank, Margarete Schütte-Lihotzky)

September 1921: * Gemeinwirtschaftliche Siedlungs- und Baustoffanstalt (GESIBA)

weitere Institutionen: Gemeinnützige BaugesellschaftmbH Grundstein, Verband Warentreuhand, Wiener Holz- und Kohlenverkauf GesmbH für Brennstoffe (WIHOKO)

 

Rationalisierung und Bausysteme / theoretische Untersuchungen: Franz Schuster, Franz Schacherl, Franz Kaym, Alfons Hetmanek

11. Februar 1921: Adolf Loos, Konstruktionsskizze „Haus mit einer Mauer“ (Patent)

Anfang der 1920er Jahre: „Kernhaus“ (Entwürfe: Margarete Schütte-Lihotzky, George Karau)

 

Gartenbewirtschaftung: Leberecht Migge: Grünes Manifest (1918)

 

durchschnittliche Größen der Siedlungsstellen und Siedlungshäuser der frühen 1920er Jahre: Wohnfläche: zwischen 50 und 65 m²; Siedlerstelle: 350 bis maximal 400 m².

 

Beispiele für genossenschaftliche Siedlungen der frühen 1920er Jahre:

 

Rosenhügelsiedlung (1120 Wien)

Baubeginn: Februar 1921; Fertigstellung: 1927

Architekten: Hugo Mayer,  Emil Krause

Bauträger: Genossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf

Größe: 543 Siedlungshäuser, 16 Wohnungen in mehrgeschossiger Bauweise

 

Siedlung Hoffingergasse (1120 Wien)

Baubeginn: 1921; Fertigstellung: 1925

Architekt: Josef Frank

Bauträger: Genossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf

Größe: 286 Siedlungshäuser

Aussehen der Anlage stark verändert / Zerstörung großer Teile der Siedlung während der letzten Kriegsjahre (2. WK); starke Umbauten durch Bewohner ab den 1950er Jahren.

 

Künstlersiedlung (1130 Wien)

Baubeginn: 1924, 1925 in 2 Etappen

Architekt: Emil Krause

Bauträger: Genossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf

Größe: 24 Siedlungshäuser

 

Heubergsiedlung (1170 Wien)

Baubeginn: 1922; Fertigstellung 1923

Architekt (Gesamtplanung): Hugo Mayer

Bauträger: Genossenschaft Heuberg – gemeinsam mit Gemeinde Wien

Größe: 169 Siedlungshäuser

 

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