Thomas Tretzmüller:
Sozialistische Europapläne während des 2. Weltkriegs am Beispiel des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes und der Socialist Vanguard Group


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Zur Geschichte des ISK und der SVG Europapläne Biographische Hinweise Verwendete und weiterführende Literatur


1. Erläuterung des Themas
 
 

„What is in fact the job which is waiting to be done when this war is over?“
Hilda Monte 1)

„Für diese Idee sind die hiesigen internationalen Sozialisten durchaus zu haben; die Schwierigkeit besteht darin, daß sie an der Durchsetzung einer eigenen europäischen Politik zweifeln, weil sie sehen, daß diese von den drei genannten Großmächten nicht gewünscht wird.“
Willi Eichler 2)


Diese beiden Sätze entstammen der politischen Aktualität der 1940er Jahre, und sie markieren zwei Angelpunkte jenes Feldes von Aussagen, das ich auf den nächsten Seiten zu umreißen versuche. Zwischen ihnen läßt sich die Antizipation des "Daydream Continent"3) Europa während des 2. Weltkriegs ansiedeln, die sich im Rahmen teils zuversichtlich beantworteter Fragen nach dem „Danach“ einerseits und nüchterner Einschätzungen angesichts laufender Ereignisse andererseits bewegte. Beide Sätze wurden nicht unbedingt an einem ruhigen Schreibtisch erdacht und niedergeschrieben, sondern unter den Bedingungen des britischen Exils ihrer VerfasserInnen.4)  Hilda Monte unternahm neben ihrer publizistischen Tätigkeit trotz der Gefährdung durch ihre jüdische Abstammung mehrfach Kurierfahrten nach Deutschland, um Kontakte zum Widerstand vor Ort aufrecht zu erhalten, Informationen auszutauschen, Aktionen vorzubereiten und Fluchthilfe zu leisten.5)  Willi Eichler führte in London eine Splittergruppe hauptsächlich deutscher SozialistInnen, versuchte deren Bestehen und Funktionieren sicherzustellen, organisierte Diskussionsveranstaltungen und unterhielt Kontakte zu möglichen BündnispartnerInnen.6) Beide können auf ihre Art als beispielhaft gelten für die verschiedenen Arten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, dessen Manifestationen von intellektueller Intervention in die weltpolitischen Debatten bis zu sogenannten direkten Aktionen, wie etwa Attentatsversuchen, reichen konnten.

Hobsbawm bezeichnet den 2. Weltkrieg als einen „internationalen ideologischen Bürgerkrieg“ zwischen pro- und antifaschistischen Kräften, in dem „die Mitglieder eines jeden Volkes […] auf beiden Seiten gekämpft“ haben. Der „Nation“ als Referenz- und Handlungsrahmen kam somit ein untergeordneter Stellenwert zu.7) Zudem war der Nationalstaatsgedanke in weiten Kreisen des Widerstandes und des Exils durch den übersteigerten Nationalismus des Hitler-Regimes und des italienischen Faschismus diskreditiert.8) Pläne zu einer Einheit Europas hatten – fußend auf Entwürfen und Bestrebungen der Zwischenkriegszeit – in allen politischen Lagern Konjunktur.9) Nach Kriegsende scheint die „Nation“ im Zuge der Kriegsfolgenbewältigung allerdings sehr schnell wieder in den Vordergrund gerückt zu sein;10) zu einer direkten Umsetzung der Einigungsbestrebungen kam es weder von seiten einzelner europäischer Staaten noch von seiten der Alliierten. Zudem verlor mit der Friedenssicherung eines der zentralen Argumente für eine Einheit Europas stark an Gewicht, da die neuerliche Kriegsgefahr nunmehr von den Europa beherrschenden Großmächten ausging und nicht mehr von den europäischen Nationalstaaten.11) Je deutlicher die tatsächlich realisierte Nachkriegsordnung eines geteilten Europa sich während des Krieges herauszukristallisieren begann, um so geringer wurde das Interesse an der Ausarbeitung detaillierter Einigungspläne.12) Dennoch können die zahlreich verfaßten Entwürfe und Pamphlete als Zukunftsperspektive oder als politische Utopie sowie als Manifestationen des Widerstands Interesse beanspruchen, da eine Generation von PolitikerInnen und politischen KommentatorInnen von diesen Plänen geprägt wurde, und viele der damals angesprochenen Themen nach wie vor zur Disposition stehen.13) Dies nicht zuletzt, weil die gegenwärtig statthabende politische und ökonomische Situation in Europa mitnichten als Umsetzung zentraler Gedanken der im folgenden vorgestellten Planungen angesehen werden kann.

Zwei ausgesprochen aktive, stark international ausgerichtete Kleingruppen trugen zu diesen Diskussionen und Entwürfen einiges bei: der Internationale Sozialistische Kampf-Bund (ISK), dem die eingangs zitierte Hilda Monte lange Zeit angehörte und dessen Vorsitzender Willi Eichler war, und seine britische Sektion, die Socialist Vanguard Group (SVG). Es handelt es sich beim ISK um eine der sogenannten „linken Splittergruppen“ in der Weimarer Republik, die auf dem politischen Spektrum zwischen SPD und KPD anzusiedeln ist. Die Ursprünge der Organisation sind nicht im Sozialismus marxistischer Prägung zu suchen, von dem sich die Gruppe stark distanzierte, sondern in der Jugend- und Lebensreformbewegung der Jahrhundertwende zum einen und in der Rechtslehre des Göttinger Philosophieprofessors Leonard Nelson zum anderen. Dessen 1917 gegründeter Internationaler Jugend-Bund (IJB) war innerhalb der SPD angesiedelt, bis seine Mitglieder 1925 nach einem Unvereinbarkeitsbeschluß des Parteivorstandes aus der Partei ausgeschlossen wurden. Nelson gründete daraufhin den ISK als eigenständige Partei.14)

Ziel der folgenden Ausführungen ist es, in einem Überblick zur Organisationsgeschichte des ISK und der SVG jene grenzüberschreitenden Netzwerke und Diskussionszusammenhänge ansatzweise zu verdeutlichen, aus denen die im zweiten Teil vorgestellten und diskutierten Europakonzepte hervorgegangen sind.15) Als Quellen für die Beschäftigung mit diesen Zukunftsentwürfen ziehe ich Protokolle und Resolutionen international besetzter Tagungen, die vom ISK und der SVG veranstaltet wurden, heran. Besonders aufschlußreich sind darüber hinaus die 1943 in London erschienen Bücher "Die Wirtschaft im neuen Europa" von Walter Fliess und "The Unity of Europe" von Hilda Monte. Diese Texte zählen zu den am detailliertesten ausgearbeiteten Entwürfen einer zukünftigen europäischen Ordnung, die während des 2. Weltkriegs publiziert wurden.16)
 

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2. Zur Geschichte des ISK und der SVG
 

Nach dem Tod seines Gründers Leonard Nelson im Oktober 1927 wurde der ISK von Willi Eichler geleitet, dem es gelang, die Organisation nicht nur zu erhalten, sondern sie auch zu stabilisieren und auszubauen.17) Die sozialistische Orientierung des Bundes gründete auf den ethischen Prinzipien von Nelsons Staatslehre; seine Satzung nennt den „Kampf für die Verwirklichung der ausbeutungsfreien Gesellschaft“18) als seinen einzigen Zweck. Die sogenannte Mindestforderung für einen Eintritt in den ISK umfaßte die Mitgliedschaft in einer Freien Gewerkschaft, vegetarische Ernährung (angehende Mitglieder mußten einen Schlachthofbesuch absolvieren), den Verzicht auf Alkohol, Nikotin und sexuelle Beziehungen, Kirchenaustritt und die Ausrichtung an „elitären, antidemokratischen Führerschaftsprinzipien“, mit dem Ziel einer „Erziehungsdiktatur mit solitärer Spitze, die keiner Fremdkontrolle unterliegen dürfe.“19) Ziel der Organisation war die Schaffung einer „Elite von Berufsrevolutionären“.20) Vor allem anfangs stand die Schulungs- und Erziehungsarbeit stark im Vordergrund, welche für die angestrebte „Diktatur der ethisch und intellektuell Besten“21) geeignetes Kaderpersonal auszubilden beanspruchte. Der Bund betrieb unter der Leitung von Minna Specht das Landerziehungsheim Walkemühle in Melsungen bei Kassel, wo sowohl eine Schule für Kinder als auch die Erwachsenenbildung angesiedelt waren. Für die stark pädagogisch geprägte Infrastruktur der Partei war weiterhin ein aufwendiges internes Berichtswesen kennzeichnend.22) Diese spezifischen Organisationsformen kamen der Gruppe später in der Widerstands- und Exilarbeit zugute. Die führerschaftliche Organisationsideologie sowie die antidemokratische Ausrichtung des ISK wurden während der Weimarer Republik nicht als solche propagiert, da man befürchtete, in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt zu werden und ein Bündnis mit anderen Kräften der ArbeiterInnenbewegung gegen eben diesen zu verunmöglichen.23)

Weitere Tätigkeitsbereiche der Gruppe waren die Beschäftigung mit Nelsons Theorien und die Herausgabe seines Werkes im Rahmen der Philosophisch-Politischen-Akademie des ISK,24) sowie die Veröffentlichung mehrerer Zeitschriften und Buchpublikationen. 1932/33 erschien mit dem Funken sogar eine eigene Tageszeitung, deren Auflage zwischen 1400 und 3100 Exemplaren schwankte.25)Anfang der 30er Jahre hatte der ISK knapp 200 Mitglieder, von denen ungefähr ein Drittel Frauen waren. Ungefähr 600 bis 1000 Personen zählten zum sympathisierenden Umfeld des Bundes.26) Wie das Wort „international“ im Parteinamen deutlich macht, war es eine seiner vorrangigen Bestrebungen, grenzüberschreitende Kontakte und Organisationsformen aufzubauen. Die Mehrzahl der Mitglieder stammte zwar aus Deutschland, jedoch bei weitem nicht alle, wie etwa die beiden Vizevorsitzenden Si-luan Wei (China) und Zeko Torbov (Bulgarien). Beziehungen in andere europäische Staaten wurden früh geknüpft, wovon die Gruppe während des Exils ebenfalls profitierte.27) 1930/31 wurde mit der Socialist Vanguard Group eine eigenständig organisierte britische Sektion ins Leben gerufen, die während der 40er Jahre etwa 50 Mitglieder hatte.28)

Schon in den beiden Jahren vor der nationalsozialistischen Machtergreifung hatte man im ISK mit ersten Vorsichtsmaßnahmen die Umstellung auf die Illegalität in die Wege geleitet.29) Strenge Verhaltensmaßregeln sollten sicherstellen, soweit wie möglich unentdeckt zu bleiben.30) Die Finanzierung des Bundes konnte bis in den Krieg hinein – von den Mitgliedsbeiträgen abgesehen – zu großen Teilen durch den Betrieb vegetarischer Gaststätten in mehreren deutschen Großstädten gesichert werden, die gleichzeitig als geheime Treffpunkte die Untergrundarbeit ab 1933 stützten.31) Während des Exils betrieb der ISK auch in Paris, Amsterdam und London derartige Restaurants.32) Nachdem die Gestapo diesen Zusammenhang 1937 erkannt hatte, gelang es ihr durch Verhaftungen und die Ermordung einzelner Mitglieder, die illegale Organisation in Deutschland bis zum Spätsommer 1938 nahezu vollständig zu zerschlagen.33) Für den Schweizer Staatsbürger René Bertholet hatte die Widerstandsarbeit vergleichsweise harmlose Folgen. Er wurde Ende 1932 mit 200 Flugblättern und einer größeren Summe Bargeld von der SS aufgegriffen und verhaftet. Seinen Gefängnisbericht „Dreißig Monate Z“ publizierte der ISK 1937.34)

Der Vorstand des Bundes um Eichler befand sich seit 1933 im Pariser Exil; ISK-Reichsleiter war ab 1934 Hellmuth von Rauschenplat.35) Eichler wurde im April 1938 aus Frankreich ausgewiesen, konnte jedoch von Luxemburg aus ein Visum für Großbritannien erhalten. Ab 1939 hatte die ISK-Führung ihren Sitz in London.36) Zudem existierte ein ganzes Netz von Stützpunkten in Europa und in den USA. So konnte etwa eine Gruppe um Minna Specht und Mary Saran in Östrupgaard (Dänemark) die Jugend- und Erziehungsarbeit des Bundes im Rahmen einer dort eingerichteten Schule fortsetzen. 1939 wurde die Schule nach Großbritannien verlegt. 1940 mußte sie jedoch geschlossen werden, weil von der Internierung einer großen Anzahl deutscher EmigrantInnen durch die britische Regierung auch die LehrerInnen betroffen waren.37)

Die Kommunikation innerhalb des Bundes wurde über Aussendungen der Führungsspitze, über zum Teil intensive Briefwechsel, sowie in Gesprächskreisen aufrecht erhalten. Ein Teil der ca. 35 im Großbritannien befindlichen ISK-Mitglieder lebte in drei Londoner Wohngemeinschaften.38) 1938/39 kam es zu Konflikten zwischen Eichler auf der einen, Hellmut von Rauschenplat, Hilda Monte und Hans Lehnert auf der anderen Seite. Letztere hatten Strategien für direkte Aktionen in Deutschland ausgearbeitet und traten aus dem ISK aus, nachdem Eichler derartige Vorhaben abgelehnt hatte.39)

Vergleichsweise große Außenwirkung erreichte der Bund mit seiner politisch-publizistischen Tätigkeit im Exil. Der oben erwähnte René Bertholet, intern als „troubleshooter“ des ISK bezeichnet, baute in den Jahren 1939 bis 1941 ein Netz von Kontakten zur Informationsbeschaffung aus den besetzten Gebieten und später auch aus Deutschland auf. Eichler sicherte sich das Vorrecht, diese Mitteilungen als erster einsehen und verwerten zu dürfen und verschaffte so sich selbst und dem ISK einen entscheidenden Vorteil, auf den er auch großen Wert legte. Der oftmals erreichte Informationsvorsprung machte auch die Zeitschriften des ISK und der SVG (u.a. Renaissance. For Right, Freedom and Progress, Europe speaks und Socialist Commentary) als Informationsquellen attraktiv und verschaffte dem Bund eine im Vergleich zur Anzahl seiner Mitglieder überproportionale Reputation innerhalb des Exils.40)

Eichler versuchte in mehreren Initiativen, die internationale Zusammenarbeit von SozialistInnen zu reaktivieren, welcher nach der de-facto-Auflösung der 1923 gegründeten Sozialistischen Arbeiter-Internationale (SAI) zu Beginn des Krieges ein organisierter Rahmen weitgehend fehlte.41) Diverse Versuche, diese Spaltung zu überwinden, scheiterten nicht zuletzt am Mißtrauen gegenüber den SozialistenInnen aus Deutschland und Italien, die aus einigen Versammlungen während des Krieges ausgeschlossen blieben.42) Im ISK bestanden Kontakte zu Mitgliedern der Exilregierungen Frankreichs, Polens und Luxemburgs sowie zu führenden SozialistInnen aus Italien und Norwegen,43) in die Labour Party,44) aber auch zur Internationalen Transportarbeiterföderation.45) Verhältnismäßig große Aufmerksamkeit erregten zwei international besetzte Tagungen von Sozialisten und Gewerkschaftern in London 1942 angesehen werden, auf denen auch der Frage einer künftigen europäischen Integration breiter Raum gewidmet wurde.

1941 trat der ISK der Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien bei und stellte innerhalb derselben die zweitgrößte Gruppierung nach der SoPaDe (Exil-SPD) dar.46) Im Zuge der Annäherung der in der Union zusammengeschlossenen Organisationen wurde im Laufe des Jahres 1944 die sogenannte Mindestforderung für den Eintritt in den ISK aufgehoben.47) ISK-Mitglieder beteiligten sich in Zusammenarbeit mit den Alliierten gegen Kriegsende auch an Versuchen, in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Das wohl spektakulärste Beispiel hierfür ist Jupp Kappius, der im Rahmen einer Mission des Office of Strategic Services 1944 mit dem Fallschirm über Norddeutschland absprang. Dort konnte er untertauchen und daran arbeiten, die wenigen nach der Zerschlagung der ISK-Organisation in Deutschland noch bestehenden Verbindungen zu reaktivieren.48) Ebenfalls 1944 versuchte Hilda Monte vergeblich, nach Deutschland einzureisen, um ein Attentat auf Hitler vorzubereiten. 1945 begab sie sich mehrfach nach Österreich, um dort Verbindungen zum Widerstand herzustellen, wurde aber am 17. April von deutschen Zollbeamten beim Grenzübertritt erschossen.49)

Im Dezember 1945 wurde der ISK offiziell aufgelöst, nachdem Eichler mit der SPD-Führung über eine Vereinigung beider Organisationen verhandelt hatte.50) Vor die Wahl gestellt, entweder als Kleingruppe mit relativ beschränktem Wirkungskreis weiterzubestehen, oder im größeren Rahmen der SPD als Teil der Führungsspitze Einfluß zu nehmen, hat sich Eichler nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Deutschland im Sommer 1945 für letzteres entschieden.51) Den ISK-Mitgliedern empfahl er den Eintritt in die SPD, wo einige von ihnen in der Folge in Spitzenpositionen aufsteigen konnten; nicht zuletzt Eichler selbst, der als Vorsitzender der Programmkommission zu den Hauptautoren des Godesberger Programms von 1959 zählte.52) Weiterhin Bestand hatte hingegen die SVG, die, nachdem die Mehrzahl ihrer Mitglieder 1942 in die Labour Party eingetreten war, innerhalb derselben als Gruppe agierte und schließlich 1952 in der Socialist Union aufging.53)
 

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3. Europapläne
 

Im Heidelberger Programm der SPD von 1925 findet sich das Bekenntnis zu einer europäisch orientierten Politik.54) Dem seit der Parteientstehung programmatischen Internationalismus wurde somit eine weitere politische Vision zur Seite gestellt.55) Bis es im Exil zur Zusammenarbeit und zu einer Annäherung der Standpunkte zwischen dem SPD-Parteivorstand und von der SPD abgespaltenen sozialistischen Kleingruppen wie dem ISK kam, blieb „Europa“ in der deutschen Sozialdemokratie jedoch eher ein Randthema. Übereinstimmend wurde der Sieg eines demokratischen Sozialismus in den europäischen (Nachkriegs-)Staaten als Vorbedingung einer jedweden Föderationsbildung angesehen.56)

Als gemeinsames Merkmal der im folgenden vorgestellten Europakonzepte kann festgehalten werden, daß die Zukunftsplanung ihren Ausgang jeweils von der eingehenden Analyse der gegenwärtigen politischen bzw. militärischen Lage nahm. Die Europaplanungen können als Antworten auf die jeweilige Situation betrachtet werden, die, wie sich zeigen wird, den aktuellen Ereignissen auch angepaßt wurden. In der Forschungsliteratur wird die hohe Qualität der historischen und politischen Analysen in den Publikationen des ISK ausdrücklich hervorgehoben.57)

„Schon Mitte der 20er Jahre hatte sich die Organisation entschieden für eine Beschränkung der Souveränität der Nationalstaaten und für einen europäischen Staatenbund ausgesprochen.“58) Zentraler Bezugs- und Ausgangspunkt war hierfür natürlich die Staatslehre Leonard Nelsons, der allein dem Recht Souveränität zuerkannte und in dieser Perspektive nationale bzw. staatliche Souveränität ablehnte. Nelson formulierte das Ziel eines Staatenbundes, in dem die einzelnen Staaten sich „einer gemeinsamen Regierung, d.h. einem mit Zwangsgewalt verbundenen, ihren Verkehr rechtlich regelnden positiven Gesetz“ unterwerfen.59)
 

3.1. Friedenssicherung und Deutschlandpolitik

Im Rahmen der Bestrebungen, die inaktive Sozialistische Arbeiter-Internationale wiederzubeleben, veranstalteten die SVG und der ISK im Jahr 1942 zwei Tagungen zu Themen einer künftigen internationalen Ordnung. Am 5. und 6. April 1942 trafen sich auf Einladung der SVG bekannte Sozialisten und Gewerkschafter aus sechs europäischen Staaten in London, um unter dem Motto „Preparing for the Post-War-Order“ auch über die künftige Gestaltung Europas zu diskutieren.60) Die Teilnehmer einigten sich auf folgendes 9-Punkte-Programm mit dem Titel „Calling All Europe“:

1. Die künftige Organisation Europas darf nicht auf souveränen nationalen Staaten aufbauen.

2. Jede auf der Teilung Europas in Staatenblöcke oder Einflußzonen aufbauende europäische Ordnung wäre eine Katastrophe.

3. Zur Sicherstellung der wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas muß eine Föderation geschaffen werden.

4. Zur Gewährleistung der friedlichen Zusammenarbeit mit anderen Mächten muß die europäische Föderation ein Sozial- und Wirtschaftsprogramm verwirklichen, das sich dem Sozialismus nähert.

5. Eine hegemonieartige Herrschaft der anglo-amerikanischen Mächte liegt weder im Interesse Europas noch in dem des künftigen Friedens.

6. Eine Ausdehnung des heutigen russischen Herrschaftsbereichs über ganz Europa oder einen Teil davon wäre nicht erwünscht.

7. Ein sozialistisches Europa wäre die beste Garantie für die Sicherheit Rußlands.

8. Die Sozialisten des Kontinents sehen mit großer Hoffnung, wie die britischen Sozialisten alles daransetzen, ihre vollste Unterstützung einer Politik zuteil werden zu lassen, die die Schaffung eines fortschrittlich ausgerichteten Europas fördert. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Sozialisten des Kontinents und den britischen Sozialisten ist wünschenswert.

9. England, Amerika und Rußland werden auf den Aufbau Europas nach dem Kriege einen entscheidenden Einfluß haben. Aber auch die Europäer selbst werden durch gemeinsames Planen und durch die Erkenntnis der Zweckmäßigkeit gemeinsamen Vorgehens die Möglichkeit haben, ihre Forderungen geltend zu machen und eine Stellung einzunehmen, in der sie als gleichberechtigte Partner angesehen und behandelt werden können. Nach diesem Ziele müssen die Sozialisten streben, indem sie ihre Bemühungen um die Einheit und die sozialistische Aktion verstärken.61)

Adressiert ist dieses Dokument nicht zuletzt an die Labour Party (vgl. Punkt 8), die zu dieser Zeit einer europäischen Einigung durchaus nicht ablehnend gegenüberstand.62) Die Zurückweisung einer Aufteilung Europas in „Einflußsphären“, wie sie in Punkt 2 bereits zum Ausdruck kommt, wird in den Punkten 5 und 6 nochmals spezifiziert. Eine Aussage Willi Eichlers auf der Tagung vermag eine Erklärung für diese Verdeutlichung zu liefern. Auch in sozialistischen Kreisen würde eine Blockbildung als Option diskutiert:
If I reject the idea of treating Europe as experimental ground for new colonising attempts, my main reason is this: Neither Russia, nor Britain, nor America, have proved to be qualified for just this role. Britain has never been willing to abandon her balance of power politics; U.S.A. did not move into action until she was attacked by Japan, and Russia even concluded a direct alliance with Hitler. Of course, this does not make Europe any the better. But Europe does not offer itself as teacher and master to others.63)
Eichler fordert eine Zukunftsgestaltung durch die Europäer selbst ein, was einem stabilen Frieden dienlich sei. Jenen Mächten, die den Kontinent gegen Ende 1943 unter einander „aufteilen“ sollten, erteilt er somit eine klare Absage. Zu verhindern gelte es eine Politik, „which would succeed in perpetuating divisions in Europe, and thus prepare the ground for the next world war.“64) (George Green) Zugleich ist in den neun Punkten eine geographisch-politische Definition Europas enthalten, die sich auf das kontinentale Europa, jedoch nicht auf die Sowjetunion bezieht. Vorholt führt diesbezüglich aus, daß man letzterer im ISK eher reserviert gegenübergestanden sei, da man sowjetische Expansionsbestrebungen abgelehnt und seit dem Hitler-Stalin-Pakt die „Totalitarismusthese“ vertreten habe, was auch in Eichlers Wortschöpfung „Kommunazismus“ zum Ausdruck komme.65) Andere Publikationen der SVG, wie beispielsweise jene Mary Sarans, stellten gleichermaßen die Staaten West- und Nordeuropas, die über eine demokratische Tradition verfügten, als künftige Mitglieder einer Föderation ins Zentrum der Überlegungen.66)

Die Forderung nach europäischer Einigung und Eigenständigkeit wurde am 12. Dezember 1942 auf einer international besetzten Tagung des ISK erneuert.67) Eichler zufolge zählte man bei dieser Veranstaltung 120 BesucherInnen, was „ein für Londoner Verhältnisse sehr gutes Ergebnis“68) gewesen sei.

Eine modifizierte Version der oben erwähnten Neun-Punkte-Deklaration erschien im Februar 1944 in der SVG-Zeitschrift Socialist Commentary. Sie kann als Reaktion auf die Festlegung der Nachkriegspolitik durch die Alliierten und das zunehmende Desinteresse an den politischen Initiativen des Exils gelesen werden.69) Im Anschluß an eine Analyse der politischen Lage lautete der erste Punkt nunmehr: „Es ist notwendig, sich der Wiederkehr des Regimes souveräner Staaten zu widersetzen.“70) Diese Formulierung verweist auf eine veränderte Akzentuierung: von der Zukunftsplanung hin zur Auseinandersetzung mit gegebenen Verhältnissen. Die übrigen Punkte markieren eine Verschiebung zu konkreteren Handlungsanleitungen und Zielvorstellungen, die stärker als zuvor auf die eigenen, sozialistischen Organisationszusammenhänge bezogen sind. Der Gedanke einer europäischen Föderation wird zwar nicht aufgegeben, eine Wortwahl wie „unterstützen“, „fordern“ oder „ermutigen“ deutet aber auf eine notwendig gewordene Veränderung in der Programmatik sowie in der Bewertung der Reichweite einmal erhobener Forderungen hin.71) Deutlich wird an diesem Dokument zugleich der Übergang von einer „idealistischen“ Phase der Nachkriegsplanungen zwischen 1940 und 1945, in der die optimistische Perspektive eines vereinten Europa auf föderaler Basis formuliert wurde, hin zu einer „realistischen“ Phase zwischen 1945 und 1950, die von der Akzeptanz der weltpolitischen Gegebenheiten gekennzeichnet war.72) Auch die SVG anerkannte nach Kriegsende etwa die führende Rolle der USA in Westeuropa.73)

Bei allen Planungen nahm die Frage nach der künftigen Stellung Deutschlands in Europa breiten Raum ein. Die konsequente Einbindung eines zukünftig sozialistischen Deutschland in die föderale Nachkriegsordnung sollte eine erneute Vormachtstellung verhindern. Gedacht war hierbei an eine enge Verflechtung der Volkswirtschaften unter zentraler Kontrolle und Planung, wobei die Kapazitäten der deutschen Industrieproduktion vor allem auch in den Wiederaufbau und die Angleichung des Lebensstandards aller europäischen Staaten fließen sollten.74) Wie schon erwähnt, stießen Delegierte aus Deutschland und Italien bei internationalen Zusammenkünften oftmals auf Skepsis, wurden nicht immer zugelassen bzw. besonderer Beobachtung unterzogen.75) Stellvertretend für diese Bedenken sei hier der tschechische Sozialdemokrat Josef Belina zitiert, der in einem Brief den Standpunkt Eichlers und anderer ISK-Vertreter, daß eine sozialistische Revolution Europas ihren Ausgang von Deutschland nehmen solle,76) kritisierte:

He is simply asking to believe in a Socialist Germany which will be of no danger to everyone even if Austria should be included by the voluntary decision of her population. Propaganda for Greater Germany in a Socialist coat.77)
Auf „heimliche“ nationale Motive hinter dem Ansinnen einer europäischen Föderation weist auch Voigt hin: Der drohenden Aufhebung der Souveränität Deutschlands habe man durch einen teilweisen Verzicht auf selbige zuvorkommen wollen.78) Mit Blick auf den ISK und andere sozialistische Exilpolitiker trägt Regin gegen diese Interpretation das Argument vor, daß deren Europapläne einen sozialistischen Umbau der deutschen Gesellschaft als „die beste Gewähr für ein künftig friedliches Europa“ einschätzten und „ganz explizit als Alternativen zu Nachkriegsplanungen konzipiert [waren], die diese Ziele zu gefährden drohten.“79) Deshalb sei es schwer, diese Konzepte „als überwiegend national motiviert ein[zu]ordnen.“80)
 

3.2. Gestaltung einer künftigen europäischen Föderation

1943 erschien die Broschüre „Die Wirtschaft im neuen Europa“ von Walter Fliess, in welcher er den Plan einer zentralen europäischen Wirtschaftsorganisation ausführte. An den Neuaufbau nach dem Krieg würden drei prinzipielle Forderungen gestellt: „Die Sicherung des Friedens, die Herstellung wirtschaftlicher Gerechtigkeit und die Verwirklichung der Freiheit.“81) Für eine wirkliche Friedenssicherung seien einschneidende Maßnahmen notwendig, die auf die Erfüllung der „wichtigsten Forderungen aller Sozialisten“82) hinausliefen. Zur Erreichung wirtschaftlicher Gerechtigkeit sei die Beseitigung der Arbeitslosigkeit sowie der Monopole der Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt notwendig. Nicht wünschenswert sei hingegen eine Kollektivierung, da diese der dritten zentralen Forderung, nämlich jener nach Freiheit, widerspreche. Die ArbeiterInnen seien letztendlich wieder ohnmächtig, diesmal den staatlichen Direktoren und Bürokaten gegenüber. Daher müsse die „Wirtschaftsgestaltung Europas […] gewisse Forderungen des Kollektivismus und des Liberalismus“83) in einer gemischten Wirtschaft vereinen.84)

Ähnliches fordert Fliess zur Erreichung internationaler Gerechtigkeit zwischen den nationalen und regionalen Gemeinschaften Europas, was ihn zu seiner Forderung nach einer Zentralbehörde führt. Diese müsse nach in einer Verfassung klar festgelegten Richtlinien arbeiten, aber auch entsprechend große Kompetenzen erhalten. Vor allem für die erste Zeit nach dem Krieg sei eine „Aktion eisern entschlossener und fortschrittlicher Menschen“85) erforderlich, um die „Neue Ordnung“ der Nationalsozialisten zu zerschlagen und die Einigung Europas auf den Weg zu bringen. Hinsichtlich der dauerhaften Einrichtung dieser Zentralbehörden widmet sich Fliess auch der Frage, auf welcher Grundlage das ordnungsgemäße Funktionieren dieser mit weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Institutionen stehen solle:

In letzter Instanz gibt es gegen den Mißbrauch der Macht nur eine Sicherung sowohl bei den Regierenden als auch bei denen, die diese Regierung kontrollieren wollen: Es ist die Stetigkeit und die Sauberkeit des Charakters, der sich entschließt, die ihm anvertraute Macht nur im Interesse seiner rechtlichen Aufgabe zu gebrauchen. Solche Charaktere zu finden, auszubilden und einzusetzen, mag schwer sein. Aber es ist einfacher und würdiger, als weiterhin die Verschleierungsversuche aller möglichen Interessenten-Kreise zu erdulden, die hinter einer „demokratischen Fassade“ reine Klassenpolitik betreiben.86)
In dieser Aussage läßt sich der Einfluß der Nelson‘schen Rechtslehre und damit die Herkunft der Konzeption aus dem ISK erkennen. Als Regulativ schlägt Fliess einen Ständigen Beratenden Ausschuß vor, dessen Um und Auf die Öffentlichkeit seiner Versammlungen zu sein habe.87)

Besondere Bedeutung mißt er einer starken Zentralbehörde im Bereich der Montanindustrie zu, die nicht zuletzt für militärische Rüstung von entscheidender Bedeutung ist. Im Rahmen einer intensiven Kontrolle und eines Weisungsrechts durch das von Fliess so bezeichnete Europäische Montan-Amt88) könne zum einen jede geheime Wiederaufrüstung vor allem Deutschlands verhindert werden. Zum anderen könnten die Kapazitäten dieses Industriezweigs für den Wiederaufbau und „die beabsichtigte Industrialisierung der sogenannten rückständigen Länder“89) eingesetzt, internationale Gerechtigkeit herbeigeführt werden. Auch im Bereich der Landwirtschaft sei Planung durch eine Europäische Landwirtschafts-Kommission sinnvoll. Durch Intervention vor allem über Preispolitik könne diese einerseits die Existenz möglichst vieler selbständiger landwirtschaftlicher Betriebe sichern und andererseits eine intensive Bodenkultur und die Vielfalt der erzeugten Produkte fördern, was nicht zuletzt eine gesunde Ernährung begünstige.90) Auch hier spricht der Nelson-Schüler, der diese Pläne vielleicht in seinem Londoner vegetarischen Restaurant mit anderen diskutiert hat.
 
 

(Quelle: Voigt (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung, S. 104)

 

Die Forderung nach einer europäischen Zentralbehörde kennzeichnet auch Hilda Montes Abhandlung „The Unity of Europe“.91) Sie legt den Schwerpunkt nicht primär auf die konkrete Ausgestaltung künftiger Institutionen, sondern argumentiert detailreich deren Grundlagen und Notwendigkeit. Beinahe die Hälfte ihrer Ausführungen widmet Monte der Frage nach Zentrum und Peripherie, nach einem Ausgleich zwischen Ost- und Westeuropa. Breiten Raum nimmt weiters der Themenkomplex „Militarism and Monopoly Capitalism“ ein.

Ein Kapitel des Buches ist der Frage nach dem „Preis“ einer europäischen Einigung gewidmet.92) Monte nimmt folgende mögliche Einwände vorweg:

Kurz zusammengefaßt wird sich das „Verlustkonto“ der europäischen Einheit wie folgt darstellen:
1. Die europäische Einheit beraubt die Nationen Europas eines Teils ihrer Souveränität.
2. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts in Europa bedeutet für die höher entwickelten Länder Europas den Verlust ihrer Vorzugsstellung gegenüber den weniger entwickelten Ländern.
3. Die sozialistische Lösung der europäischen Probleme bringt den Verlust der Privilegien der herrschenden Klassen mit sich.
4. Planung nimmt dem Individuum unvermeidlich einen Teil seiner Handlungsfreiheit.93)
In der folgenden Abhandlung dieser vier Punkte hebt sie vor allem hervor, daß jene staatlichen Handlungen, die unmittelbar zu den beiden Weltkriegen geführt haben, über weite Strecken von Klasseninteressen beeinflußt waren.94) Die Lösung eines „sozialistischen Europa“ führe notwendig zum Verlust der Privilegien sowohl einzelner als auch der wirtschaftlich höher entwickelten Staaten. Ein neuerlicher Krieg könne nur auf diese Weise verhindert werden. Nationale Souveränität sei im wirtschaftlichen und technischen Bereich ohnehin eher eine Belastung als ein Gewinn:
Kein begründetes Interesse irgendwelcher Art darf die nackte Tatsache verbergen, daß in Anbetracht der modernen Technik die kleinen Nationen, ja alle Nationen Europas zu eng sind, um wirtschaftliche Prosperität, ein rationales Verkehrs-, Post- und Fernmeldesystem oder gar die letzte politische Unabhängigkeit zu erlangen, an der ihnen soviel liegt.95)
Für die notwendige Planung argumentiert Monte mit einer mehrmaligen Gegenüberstellung der Wirtschaftsplanung der amerikanischen Tennessee Valley Authority und jener der sowjetischen Fünfjahrespläne.96) So kann sie auch der Diskreditierung von Wirtschaftsplanung durch jene entgegnen, die „die totalitären Aspekte der Sowjetherrschaft als unvermeidliche Folge jeglichen Eingriffs von oben in die heilige Sphäre des Privatkapitals“ erscheinen lassen und „unter dem Schlagwort der Freiheit“97) für die Wiederherstellung des status quo ante eintreten würden. Auch diese „kleine Gruppe von Monopolkapitalisten“ sei „nicht einmal gegen internationale Planung, wenn nur die internationalen Kartelle und Trusts die Kontrolle ausüben.“ Nach dem Krieg müsse man sich zwischen eben diesen und einer Behörde, „die im Dienst der Massen des Volkes steht,“ entscheiden: „Es wird auf jeden Fall irgendeine Planung geben, es liegt an uns, die Planer zu wählen!“98)

Aus pragmatischen Gründen hielt Monte eine Unionsbildung vorerst nur in Europa für sinnvoll, da hier das Zentrum der weltpolitischen Konflikte liege. Deren Aufhebung in einer zukünftigen internationalen Ordnung könne von einer solchen Föderation ihren Ausgang nehmen. Zu Beginn des Jahres 1942, als der 2. Weltkrieg lange nicht entschieden war, schätzte sie die Aussicht auf eine friedliche Zukunft wie folgt ein:

Some fear that the unity of Europe, far from being an instrument of peace, will lead to new wars on an inter-continental scale. That the United States of Europe, and the United States of America, and Soviet Russia, and China, and the British Empire, will go to war against each other. The danger clearly existed if the Continent would be united under Adolf Hitler. And it is for this very reason that unity in itself need not mean much progress. But unity on a socialist basis, on a basis that is, on which the motives for which wars are made will be infinitely reduced, such unity would hardly be said to foster new serious conflicts. We are not utopian enough to envisage a future of complete harmony. There will be conflicts and quarrels even if all the world should go socialist. But it may become possible in the course of time – in the course of a very long time perhaps – to deal with such conflicts in a more civilised manner than we are doing now. European unity alone will not solve that problem, as indeed it cannot solve all problems. But it is a necessary condition for thei solution.99)


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4. Schluß

Die Mehrheit der ehemaligen ISK-Mitglieder trat Anfang 1946 der SPD bei und erreichte in dieser zum Teil bedeutende Positionen – nicht zuletzt aufgrund ihrer Kompetenzen aus dem engen Organisationszusammenhang der Kleingruppe. Eine der Ausnahmen war Walter Fliess, der seine politische Karriere in den 70er Jahren als Präsidiumsmitglied der Londoner Labour Party beendete.100)

Inwieweit der Versuch unternommen wurde, im Sinne der vorgestellten Europaplanungen zu wirken, wäre zu untersuchen. Die direkten politischen Ziele der Sozialdemokratie waren nach 1945 jedenfalls stärker nationalstaatlich als europäisch ausgerichtet; der Integration stand man zunächst zurückhaltend gegenüber.101)  Festzuhalten bleibt, daß dem ISK im Zusammenhang mit der endgültigen Verabschiedung des Marxismus und des historischen Materialismus aus der Programmatik der SPD entscheidende Bedeutung zukam. Die 1959 in Bad Godesberg vollzogene „Entideologisierung“ hin zu einer Begründung sozialdemokratischer Politik durch Werte und ethische Erwägungen, geht nicht zuletzt auf die Vermittlung Nelson’scher Gedanken durch Willi Eichler, Grete Henry-Hermann und andere zurück.102)
 

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Anmerkungen

(1) Hilda Monte [d.i. Hilde Meisel], The Unity of Europe. Mit einem Vorwort von Edvard Benes, Typoskript, o.O. 1942, Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien, Materialien London Büro, Karton 4, Mappe 31, S. 1-268, hier S. 3. Da die Druckfassung dieses Buches in Wien nicht greifbar war, zitiere ich aus dem Text nach diesem Typoskript, dessen Fertigstellung sich anhand des kurzen Geleitwortes von Benes vor den 15. März 1942 datieren läßt. Soweit ich durch stichprobenartige Textvergleiche feststellen konnte, scheint es sich um dieselbe Textfassung zu handeln, die schließlich im Herbst 1943 bei Victor Gollancz in London im Druck erschienen ist.    [zurück]

(2) [Willi Eichler,] M[onats] A[ntwort] des B[undes] V[orstands], Jan. [19]43 (Auszug), in: Ludwig Eiber, Die Sozialdemokratie in der Emigration. Die „Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien“ 1941-1946 und ihre Mitglieder. Protokolle, Erklärungen, Materialien, Bonn 1998 (AfS Beiheft 19), S. 762.    [zurück]

(3) Vgl. Monte, The Unity of Europe, S. 1f.    [zurück]

(4) Vgl. dazu allg. Eiber, Sozialdemokratie, S. XVIII-XXIV.    [zurück]

(5) Vgl. Alexandra Bröhm, Hilda Monte. Ein Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus, in: Traverse 2 (1995), H. 2, Beilage, S. 35-38.    [zurück]

(6) Vgl. Werner Röder/Herbert A. Strauss (Hg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band I. Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München u.a. 1980, S. 148.    [zurück]

(7) Vgl. Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aus dem Englischen von Yvonne Badal, München ³1999, S. 186f.    [zurück]

(8) Vgl. Klaus Voigt, Einleitung, in: ders. (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung. Ideen des deutschen Exils 1939-1945, Frankfurt/M. 1988, S. 11-21, hier S. 19.    [zurück]

(9) Vgl. Walter Lipgens/Wilfried Loth (Hg.), Documents on the History of European Integration. Vols. 1, 2, Berlin/New York 1984, 1986. Zur Frage möglicher nationaler Motive im Zusammenhang mit Europaplänen siehe Abschnitt 3.1 dieser Arbeit.    [zurück]

(10) Vgl. etwa Werner Röder, Deutschlandpläne der sozialdemokratischen Emigration in Großbritannien 1942-1945, in: VfZ 17 (1969), S. 72-86, bes. S. 85f.    [zurück]

(11) Vgl., Voigt, Einleitung, S. 20.    [zurück]

(12) Vgl. ebd., S. 12, und Eiber, Sozialdemokratie, S. XXIIf.    [zurück]

(13) Vgl. ebd., S. 21.    [zurück]

(14) Zur Organisationsgeschichte vgl. Werner Link, Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bundes (IJB) und des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes (ISK). Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Meisenheim/Gl. 1964; Karl-Heinz Klär, Zwei Nelson-Bünde: Internationaler Jugend-Bund (IJB) und Internationaler Sozialistischer Kampf-Bund (ISK) im Licht neuer Quellen, in: IWK 18 (1982), H. 3, S. 310-360. Diese Link in vielen Details korrigierende Studie Klärs beruht auf den Anfang der achtziger Jahre erstmals zugänglich gemachten Archivbeständen zum ISK im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn. Vgl. ebd., S. 310f. Neuere Forschungen greifen ebenfalls auf diese Archivbestände zurück, etwa: Udo Vorholt, Die Sowjetunion im Urteil des sozialdemokratischen Exils 1933 bis 1945. Eine Studie des Exilparteivorstandes der SPD, des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, der Sozialistischen Arbeiterpartei und der Gruppe Neu Beginnen, Frankfurt/M. u.a. 1991, S. 33-40, 123-145; Sabine Lemke-Müller, Zur Organisations- und Wirkungsgeschichte des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK). Charakterisierung der Texte und ihrer Autoren, in: dies. (Hg.), Ethik des Widerstands. Der Kampf des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) gegen den Nationalsozialismus. Quellen und Texte zum Widerstand aus der Arbeiterbewegung 1933-1945, Bonn 1996, S. 9-29; Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXVI-CXXXVI, 761-820. Zum Teil sind diese neueren Arbeiten im Umfeld der nach wie vor bestehenden Philosophisch-Politischen Akademie des ISK entstanden, der unter anderem Vorholt und Lemke-Müller angehören.    [zurück]

(15) Zu diesen Europaplänen existieren neben einigen Hinweisen Voigts lediglich zwei Studien neueren Datums, nämlich: Cornelia Regin, „Die Wirtschaft im neuen Europa.“ Pläne der deutschen sozialistischen Emigration für die Gestaltung der europäischen Integration, in: Jac Bosmans (Hg.), Europagedanke, Europabewegung und Europapolitik in den Niederlanden und Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg, Münster/Hamburg 1996, S. 51-77, und Mark Minion, The Labour Party and Europe during the 1940's: the strange case of the Socialist Vanguard Group, in: http://www.sbu.ac.uk/~euroinst/498.pdf, 1998.    [zurück]

(16) Vgl. Walter Lipgens (Hg.) Documents on the History of European Integration. Volume 2. Plans for European Union in Great Britain and in Exile 1939-1945, Berlin/New York 1986, S. 605f.    [zurück]

(17) Die Organisationsstruktur des ISK gestaltete sich zwar um einiges komplexer, indem Eichler lediglich eines von drei Mitgliedern des Bundesvorstandes, und Minna Specht als Vorsitzende der Philosophisch-Politischen Akademie formell das Oberhaupt der Nelson-Bewegung war; Eichler scheint jedoch sehr bald zur dominierenden Führungsperson aufgestiegen zu sein. Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 318, 325.    [zurück]

(18) Satzung des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes, §2, zit. nach Link, Geschichte des IJB und des ISK, S. 339.    [zurück]

(19) Klär, Nelson-Bünde, S. 315f.; Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXVI.    [zurück]

(20) Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 33f. Für eine historisch-ideologiekritische Diskussion der Nelson’schen Philosophie vgl. Link, Geschichte des IJB und des ISK, S. 3-38. Auf Parallelen zu Lenins Parteikonzeption, mit welcher Nelson sich beschäftigt hatte, wird des öfteren hingewiesen, so von Minion, Socialist Vanguard Group, S. 6, und – etwas indigniert – von Thomas Meyer, Ethischer Sozialismus bei Leonard Nelson, in: Helmut Holzhey (Hg.), Ethischer Sozialismus. Zur politischen Philosophie des Neukantianismus, Frankfurt/M. 1994, S. 301-315, hier S. 313.    [zurück]

(21) Hartmut Mehringer, Sozialdemokratischer und sozialistischer Widerstand, in: Peter Steinbach/Johannes Tuchel (Hg.), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn 1994, S. 126-143, hier S. 136.    [zurück]

(22) Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 35; Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXX.    [zurück]

(23) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 322. Gegen Ende des 2. Weltkriegs verschob sich der Akzent dann deutlich in Richtung Demokratie, was nicht zuletzt dem Beitritt des ISK zur Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien geschuldet war. Ebd., 351f.    [zurück]

(24) Ebd., S. 326.    [zurück]

(25) Vgl. ebd., S. 322f.    [zurück]

(26) Ebd., S. 320; Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXVI.    [zurück]

(27) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 311, 324f.    [zurück]

(28) Minion, Socialist Vanguard Group, S. 7, 9; Klär, Nelson-Bünde, S. 324.    [zurück]

(29) Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 39.    [zurück]

(30) So enthält etwa ein Flugblatt aus dem Jahr 1934 mit dem Titel: „Willst du gesund bleiben?“ Ratschläge für den Aufbau von Organisationszusammenhängen. Abgedr. in: Lemke-Müller (Hg.), Ethik des Widerstands, S. 80-84. Von der 100 000 Stück umfassenden Auflage gelangte etwa ein Zehntel nach Deutschland, wobei die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) bei der Verbreitung dieser und anderer Flugschriften eine zentrale Rolle spielte. Vgl. Lemke-Müller., Zur Organisations- und Wirkungsgeschichte, S. 19. Siehe auch unten, Anm. 45.    [zurück]

(31) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 327.    [zurück]

(32) Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 126.    [zurück]

(33) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 333f., und Mehringer, Widerstand, S. 137.    [zurück]

(34) Pierre Robert [d.i. René Betholet], 30 Monate Z (1937), in: Lemke-Müller (Hg.), Ethik des Widerstands, S. 114-132.    [zurück]

(35) Biographisches Handbuch, S. 143.    [zurück]

(36) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 335f.    [zurück]

(37)  Vgl. Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 124f. Zur Internierung der „enemy aliens“ in Großbritannien vgl. Eiber, Sozialdemokratie, S. XIX-XXI.    [zurück]

(38) Vgl. ebd., S. CXXIXf.    [zurück]

(39) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 334, und Biographisches Handbuch, S. 143, 507, 426.    [zurück]

(40) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 334f., 346-348, und Lipgens (Hg.), Documents, Vol. 2, S. 666f.    [zurück]

(41) Vgl. Eberhard Knopp, Die Sozialistische Internationale. Herkunft, Aufbau und Ziele einer transnationalen Parteienorganisation, Diss. Heidelberg 1992, S. 49-54, und Klär, Nelson-Bünde, S. 346.    [zurück]

(42) Vgl. Walter Lipgens, Views of Socialist and Trade Union Associations on the Postwar Order in Europe. Introduction, in, ders. (Hg.), Documents, Vol. 2, S.653-660.    [zurück]

(43) Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXXIIf. nennt Pierre Krier (Außenminister der Exilregierung Luxemburgs), Henry Hauck (Direktor für Arbeit im französischen Nationalkomitee) Louis Lévy (Repräsentant der Jean-Jaurès-Gruppe, SFIO), André Philip (Bevollmächtigter des franzöischen Nationalkomitees, später Wirtschafts- und Finanzminister), Paolo Treves (PSI), Aake Anker-Ording (Sekräterin der norwegischen Zentralbank in London und Angehörige der norwegischen Exilregierung), Szmul Zygielbojm und Emanuel Scherer (beide Allg. Jüdischer Arbeiterbund Polens und Mitglieder des Nationalrats der polnischen Exilregierung in London).    [zurück]

(44) Ebd., S. CXXXIII, und Minion, Socialist Vanguard Group, bes. S. 8f.    [zurück]

(45) Zum Kontankt zwischen deren Vorsitzedem Edo Flimmen und Eichler vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 329; zur Widerstandsarbeit der ITF die Einleitung von Dieter Nelles zu Hermann Knüfken, Über den Widerstand der Internationalen Transportarbeiter Föderation gegen den Nationalsozialismus und Vorschläge zum Wiederaufbau der Gewerkschaften in Deutschland – zwei Dokumente 1944/45, in: 1999. Zs. für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jh. 7 (1992), H.3, S.64-87, hier S. 64-72.    [zurück]

(46) Überblicksmässig zur Union und den in ihr vereinten Gruppierungen vgl. Detlef Lehnert, Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, Frankfurt/M. ²1984, S. 155-164.    [zurück]

(47) Bericht über die Arbeit des Londoner O[rts-]V[ereins] des ISK, Mai-Dezember 1944 (Auszug), in: Eiber, Sozialdemokratie, S. 787-791, hier S. 791, Anm. 6.    [zurück]

(48) Klär, Nelson-Bünde, S. 354f.; Biographisches Handbuch, S. 348.    [zurück]

(49) Biographisches Handbuch, S. 507.    [zurück]

(50) Rundschreiben des Bundesvorstandes an die Mitglieder über den Eintritt in die SPD und die Auflösung der ISK-Organisation vom 10. Dezember 1945, in: Eiber, Sozialdemokratie, S. 818-820.    [zurück]

(51) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 355f., und Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXXVf.    [zurück]

(52) Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 357-359; Lehnert, Sozialdemokratie, S. 187.    [zurück]

(53) Vgl. Minion, Socialist Vanguard Group, S. 4, 8f. Minion rollt seine Analyse der Europapläne von dieser Nachkriegssituation her auf, als eine Reihe von Gruppierungen innerhalb der Labour Party über eine genuin sozialistische Außenpolitik nachdachten und versuchten, die Gesamtpartei auf das Konzept einer „third force“ in der Weltpolitik einzuschwören. Vgl. ebd., S. 1-5.    [zurück]

(54) Regin, Pläne für die Gestaltung, S. 52.    [zurück]

(55) Vgl. etwa die Formulierung im ersten Teil des Erfurter Programms von 1891: „Die Interessen der Arbeiterklassen sind in allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise die gleichen. […] In dieser Erkenntnis fühlt und erklärt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands sich   e i n s   mit den klassenbewußten Arbeitern aller übrigen Länder.“ Zit. nach Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Abgehalten zu Stuttgart vom 3. bis 8. Oktober 1898, Berlin 1898 [Nachdr. Berlin/Bonn 1979], S. 4.    [zurück]

(56) Vgl. Regin, Pläne für die Gestaltung, S. 53f.    [zurück]

(57) So etwa von Klär, Zwei Nelson-Bünde, S. 323, 335f.    [zurück]

(58) Regin, Pläne für die Gestaltung, S. 54.    [zurück]

(59) Vgl. Link, Geschichte des IJB und des ISK, S. 29; das Zitat ebd. aus Leonard Nelson, Vom Staatenbund. Schlußvorlesung, gehalten am 31. Juli 1914 (sic!) [sic!], Berlin 1918, S.6.    [zurück]

(60) Eine Mitschrift der Debatte erschien im selben Jahr in London unter dem Titel: Calling all Europe. A Symposium of Speeches on the Future Order of Europe. Auszüge in: Lipgens (Hg.), Documents. Vol. 2, S. 666-672. Die Teilnehmer waren Jef Rens (Belgien), Willi Eichler (Deutschland, für den ISK), Bernard Drzewieski (Polen), Louis Lévy (Frankreich), Paolo Treves (Italien) und George Green (Großbritannien; Repräsentant der SVG). Siehe auch Anm. 43.    [zurück]

(61) Walter Lipgens (Hg.), Europa-Föderationspläne der Widerstandsbewegungen 1940-1945, München 1968, S. 456f. Engl. Version in Lipgens (Hg.), Documents. Vol. 2, S. 671f.    [zurück]

(62) Vgl. Eiber, Sozialdemokratie, S. XXIIf.    [zurück]

(63) Lipgens (Hg.), Documents, Vol. 2, S. 668. Vgl. auch [Willi Eichler,] M[onats] A[ntwort] des B[undes] V[orstands], Jan. [19]43 (Auszug), in: Eiber, Sozialdemokratie, S. 759-765, hier S. 763.    [zurück]

(64) Lipgens (Hg.), Documents, Vol. 2, S. 671.    [zurück]

(65) Udo Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 284f., 287. Vgl. auch Minion, Socialist Vanguard Group, S. 14. Monte, The Unity of Europe (1942), S. 33-39 diskutiert die Frage, ob Großbritannien und die Sowjetunion Teile Europas seien oder nicht.    [zurück]

(66) Vgl. Minion, Socialist Vanguard Group, S. 13f.    [zurück]

(67) Vgl. Lipgens (Hg.), Documents, Vol. 2, S. 672-676.    [zurück]

(68) [Willi Eichler,] M[onats] A[ntwort] des B[undes] V[orstands], Jan. [19]43 (Auszug), in: Eiber, Sozialdemokratie, S. 759-765, hier S. 763.    [zurück]

(69) Vgl. Eiber, Sozialdemokratie, S. XXIII.    [zurück]

(70) Lipgens (Hg.), Europa-Föderationspläne, S. 457.    [zurück]

(71) Ebd.:

1. Es ist notwendig, sich der Wiederkehr des Regimes souveräner Staaten zu widersetzen.

2. Es ist notwendig, alle Pläne zu demaskieren, die auf eine Teilung Europas in Blocks oder von rivalisierenden Mächten abhängige Einflußsphären hinauslaufen.

3. Es ist notwendig, gegen alle politischen und wirtschaftlichen Kräfte zu kämpfen, die für das Entstehen der faschistischen Regime verantwortlich waren.

4. Es ist notwendig, alle Maßnahmen vorzubereiten für die sofortige und totale Abrüstung Deutschlands und für die Beseitigung aller sozialen, politischen und kulturellen Basen des Nazismus, des Militarismus und des Rassismus.

5. Es ist notwendig, die Schaffung einer europäischen Föderation zu unterstützen und zu fordern, die den europäischen Völkern Reichtum, demokratische Freiheiten und nationale Selbstverwaltung garantiert.

6. Es ist notwendig, die Gewerkschaften und die sozialistischen Bewegungen auf dem Kontinent wieder zum Aufblühen zu bringen und ihre Repräsentanten wie die der anderen Widerstandsbewegungen von der verantwortlichen Bedeutung der Schaffung eines neuen Europa zu überzeugen.

7. Es ist notwendig, das neue vereinigte Europa zu ermutigen, seine Rolle in der weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit und in der Weltfriedensorganisation zu spielen.

8. Es ist notwendig, für all das in allerengstem Kontakt mit den progressiven Kräften des Kontinents zusammenzuarbeiten und den Beziehungen zwischen ihnen und denen aller übrigen Teile der Welt zu dienen.

Engl. Version in Lipgens (Hg.), Documents. Vol. 2, S. 671, Anm. 12.    [zurück]

(72) Vgl. Minion, Socialist Vanguard Group, S. 11.    [zurück]

(73) Ebd.    [zurück]

(74) So Monte, The Unity of Europe (1942), S. 236.    [zurück]

(75) Vgl. Walter Lipgens, Views of Socialist and Trade Union Associations on the Postwar Order in Europe. Introduction, in: ders. (Hg.), Documents Vol. 2, S. 653-660.    [zurück]

(76) Vgl. Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXXIII, und Monte, The Unity of Europe (1942), S. 215, 232.    [zurück]

(77) Zit. nach Eiber, Sozialdemokratie, S. CXXXIII.    [zurück]

(78) Vgl. Voigt, Einleitung, S. 17.    [zurück]

(79) Regin, Pläne für die Gestaltung., S. 77.    [zurück]

(80) Ebd.    [zurück]

(81) Zit. nach Voigt (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung, S. 91.    [zurück]

(82) Ebd., S. 92.    [zurück]

(83) Ebd., S. 94.    [zurück]

(84) Regin, Pläne für die Gestaltung, S. 69. Das Konzept einer „gemischten Wirtschaft“ wurde vom ISK auch in die Programmberatungen innerhalb der Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien eingebracht. Vgl. Klär, Nelson-Bünde, S. 321. Vergleichbare Vorstellungen hatte auch Leonard Nelson im Anschluß an die Wirtschaftstheorie Franz Oppenheimers vertreten. Vgl. Link, Geschichte des IJB und des ISK, S. 16-27.    [zurück]

(85) Zit. nach Voigt (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung., S. 95.    [zurück]

(86) Ebd., S. 95.    [zurück]

(87) Ebd., S. 96.    [zurück]

(88) Ebd., S. 97.    [zurück]

(89) Ebd.    [zurück]

(90) Ebd., S. 99f.    [zurück]

(91) London 1943. Die Tatsache, daß sich im Bestand zum London Büro der österreichischen Sozialisten in Großbritannien im Archiv und Dokumentationszentrum der österreichischen Arbeiterbewegung ein Typoskript dieses Textes befindet, sowie das Vorwort von Edvard Benes geben Hinweise auf die Diskussionszusammenhänge und die Zirkulation von Texten innerhalb des europäischen Exils. Vgl. Anm. 1, sowie die Beiträge von Christoph Treiblmayr und Eva Leicmanova zu diesem Seminar.    [zurück]

(92) Im Original: „The Price of European Unity“, Monte, The Unity of Europe (1942), S. 171-187.    [zurück]

(93) Zit. nach Voigt (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung, S. 110.    [zurück]

(94) Vgl. ebd., S. 114-116.    [zurück]

(95) Ebd., S. 112f.    [zurück]

(96) Vgl. ebd., S. 118.    [zurück]

(97) Beide Zitate ebd., S. 117.    [zurück]

(98) Alle Zitate ebd., S. 120.    [zurück]

(99) Monte, The Unity of Europe (1942), S. 212.    [zurück]

(100) Klär, Nelson-Bünde, S. 357-359; Biographisches Handbuch, S. 181.    [zurück]

(101) Vgl. Röder, Deutschlandpläne, S. 85f., und Regin, „Die Wirtschaft im neuen Europa“, S. 75.    [zurück]

(102) Vgl. Lehnert, Sozialdemokratie, S. 186-191, und Meyer, Ethischer Sozialismus, S. 301f., 314.    [zurück]
 




Biographische Hinweise


René Bertholet

1907-1969, Schüler in der Walkemühle, ISK, Journalist und Gewerkschafter, 1934-36 30 Monate Haft wegen des Besitzes illegaler Flugblätter, später weiterhin Mitarbeit beim ISK, u.a. Kuriertätigkeiten, Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg. 1940-45 Widerstandsarbeit in Frankreich. Nach dem Krieg Mitarbeiter des Schweizerischen Arbeiterhilfswerkes und Gründer von Genossenschaften in Brasilien.

Publikation u.a:
[pseud. Pierre Robert,] 30 Monate Z, London 1937.

(Sabine Lemke-Müller, Ethik des Widerstands, S. 20f.; http://members.aol.com/ppaev/)

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Willi Eichler

1896-1971, kaufmännischer Angestellter, verheiratet mit der Publizistin Susanne Strasser (Pseud. S. Miller), ebenfalls ISK-Mitglied, 1919 SPD, Mitglied IJB, 1924-27 engster politischer Mitarbeiter von Nelson, 1926 im Bundesvorstand ISK, ab 1927 dessen Vorsitzender, 1929-33 Hrsg. der Zeitschrift isk, 1929-33 Chefredakteur der Zeitung Der Funke, 1933 Emigration Saarland, Frankreich, Aufbau der Auslandszentrale des ISK, 1933-39 Hrsg. der Reinhart-Briefe, 1934-40 Hrsg. der Sozialistischen Warte, 1938 Ausweisung aus Frankreich: Luxemburg, 1939 Großbritannien, 1941 Hrsg. Renaissance, ab 1941 Hrsg. Europe Speaks, Mitgl. der Exekutive der Union dt. soz. Org. in GB und Landesgruppe deutscher Gewerkschafter, ab 1942 Mitarbeit German Educational Reconstruction sowie BBC, 1945 Rückkehr nach Deutschland, SPD, ab 1946 Chefredakteur der Rheinischen Zeitung, Redakteur der Zeitschrift Geist und Tat, 1946-1968 SPD-PV (ab 1952 besoldetes Mitglied), 1947-48 MdL-NRW, 1948-49 Mitglied Frankfurter Wirtschaftsrat, 1949-53 MdB, Vorsitzender der Kommission, die das Godesberger Programm vorbereitete, Vorstandsmitglied der Ebert-Stiftung.

Publikationen u.a.:
mit Jef Rens, Bernard Drzewieski, Louis Lévy, Paolo Treves und George Green: Calling All Europe, London 1942.
Towards European Unity. French-German Relations Discussed by Henry Hauck (France), Willi Eichler (Germany) and Other European Representatives, London 1943.
mit Wilhelm Heidorn, Mary Saran und Minna Specht: Re-making Germany, London 1945.

(Udo Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 34, Anm. 52; Biographisches Handbuch, S. 148.)

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Walter Fliess

1901-1985, Höhere Maschinenbauschule Magdeburg, Ingenieur, u.a. beschäftigt bei der Rüstungsdemontage der interalliierten Kontrollkommission, 1925 Bezirksleiter Oberrhein der Jungsozialistischen Vereinigung, führender Funktionär in IJB und ISK, Mitgründer des ISK-Parteiorgans isk, 1933 Flucht in die Niederlande, 1934 GB, dort mit seiner Frau Jenny Marwilski bis 1957 Betrieb eines vegetarischen Restaurants, 1940-41 Internierung in Australien, 1942 Mitglied der Beratungskommission der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in GB, Arbeit in Union, 1943-45 Mitarbeit Radio Freies Europa, 1947-48 Leiter der Abteilung German Organisation der britischen Militärverwaltung, 1948-50 Berater des Foreign Office beim Wirtschaftsrat in Frankfurt/M., 1963-70 Vorstandsmitglied der Labour Party London.

Publikation u.a.:
Die Wirtschaft im neuen Europa, London 1943. (engl. London 1944; ital. Zürich 1944.)

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 126, Anm. 171; Biographisches Handbuch, S. 181.)

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Josef Kappius

1907-1967, Betriebsfachschule für Werkmeister in Bochum, anschl. Konstrukteur im Stahlhoch- und Brückenbau, 1924 SAJ, ab 1933 in der vom ISK geleiteten Unabhängigen Sozialistischen Gewerkschaft aktiv - Leiter d. Bochumer USG, verheiratet mit Änne Ebbert/Kappius, die ebenfalls dem ISK angehörte, 1937 Flucht in die Schweiz, Frankreich, 1939 GB, 1940-44 in Australien interniert, nach Rückkehr Vorbereitung einer OSS-Mission in Deutschland, Sept. 1944 Fallschirmabsprung über dem Emsland und illegale Arbeit mit Hilfe alter ISK-Kontakte zur Reorganisation von Betriebsräten und Gewerkschaften, 1945 mit Gastmandat auf der Wennigser Konferenz der SPD, Schulungs- und Bildungsarbeit in der SPD, Sekretär des SPD-Bezirks Westl. Westfalen, ab 1955 MdL NRW.

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 139, Anm. 235; Biographisches Handbuch, S. 348.)

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Hans Lehnert

1899-1942, Rechtsanwalt, Mitgründer und Leiter des ISK-München, aktiv in der Freidenker-Bewegung, 1933 Organisation der illegalen Arbeit in Süddeutschland, 1937-38 inhaftiert, danach Emigration, 1939 Austritt aus dem ISK, 1940 Internierung, Tod im Schweizer Exil.

Publikation u.a.:
mit Hilda Monte: Gedichte, Hamburg 1950.

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 137, Amn. 226; Biographisches Handbuch, S. 426.)

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Hilda Monte

[d.i. Hilde Meisel] 1914-1945, geb. in Wien, 1924-29 Lyceum Berlin, 1929 ISK, 1933 Emigration, abgebr. Studium in London, illegale Aufenthalte in Deutschland, 1938 zur Vermeidung der Ausweisung aus Großbritannien Scheinheirat mit John Olday, 1939 Austritt aus dem ISK, Mitglied der Fabian Society, ab 1942 Mitarbeit German Educational Reconstruction, Mitarbeit beim Sender der Europäischen Revolution sowie bei der BBC, Wiederannäherung an den ISK, 1944 vermutl. Teilnahme am Einsatzprogramm des OSS, von der Schweiz aus Verbindung zu österreichischen Widerstandsgruppen, wurde am 17.4.1945 nach Rückkehr von einem illegalen Aufenthalt in Wien bei Festnahme und anschließendem Fluchtversuch von einer SS-Patrouille bei Feldkirch erschossen.

Publikationen u.a.:
mit Hellmut v. Rauschenplat [später Fritz Eberhard]: How to Conquer Hitler, London 1940.
                                                                               Help Germany to Revolt, London 1942.
The Unity of Europe, London 1943.
Where Freedom Perished (1943), London 1947.
mit Hans Lehnert: Gedichte, Hamburg 1950.

(Biographisches Handbuch, S. 507; Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 137, Anm. 225; Leber, Das Gewissen steht auf, S. 17-19; Alexandra Bröhm, Hilda Monte, S. 35-38.)

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Leonard Nelson

1882-1927, 1901-04 Studium der Mathematik und Philosophie, 1904 Promotion, Mitarbeit in der Freideutschen Jugend und in politischen Bildungsveranstaltungen von Wilhelm Ohr, 1909 Habilitation, 1913 Gründung der Jakob-Friedrich-Fries-Gesellschaft, 1917 Gründung des Internationalen Jugend-Bundes, 1919 a.o. Professor in Göttingen, 1922 Gründung der Philosophisch-Politischen Akademie e.V., 1923 SPD (1918/19 kurze Mitgliedschaft in der USPD), 1925 Ausschluß aus der SPD, 1926 Gründung des ISK.

Neslons Werk liegt in einer Gesamtausgabe vor: Gesammelte Schriften in neun Bänden, Hamburg 1970-77.

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 33, Anm. 45.)

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Hellmut von Rauschenplat (Fritz Eberhard)

1896-1982, Studium der Staatswissenschaft, 1921 IJB, 1922-25 SPD, 1924-31 Lehrer in der Walkemühle, 1932-33 Redakteur Der Funke, 1934-37 Reichsleiter des ISK, Emigration in die Schweiz und nach Großbritannien, 1939 Austritt aus dem ISK, Mitarbeit bei der BBC und und beim Sender der Europäischen Revolution, German Educational Reconstruction, 1945 Rückkehr nach Deutschland, SPD, 1946-49 MdL Württemberg-Baden, 1948-49 Mitglied des Parl. Rats, ab 1961-68 Direktor des Instituts für Publizistik der FU Berlin.

Publikationen u.a.:
Strategy on the Economic Front, London 1938.
Government and People in Germany, in: The Contemporary Review, Vol. 157, 1940.
mit Hilda Monte: How to Conquer Hitler, London 1940.
                          Help Germany to Revolt, London 1942.
mit Walter Auerbach und Otto Kahn-Freund: The Next Germany. A basic Discussion on Peace in Europe, Harmondsworth 1943/New York 1944.

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 36, Anm. 59; Biographisches Handbuch, S. 143.)

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Mary Saran

1897-1976, abgebr. Medizinstudium, Erwachsenenbildung und Sozialarbeit, vorübergehend verheiratet mit dem Sexualpädagogen Max Hodann, 1918 USPD, später SPD und IJB, ISK, zählte zu den ideologisch führenden PublizistInnen im ISK, 1933 Entlassung aus dem öffentlichen Dienst und Emigration Frankreich, Großbritannien, in Dänemark Mitwirkung an der Verlegung des ISK-Landerziehungsheimes Walkemühle, Okt. 1933 erneut GB, Mitgl. SVG und Londoner ISK-Gruppe, 1941-54 (Mit-)Herausgeberin von Socialist Commentary, ab 1945 freie Publizistin, Mitarb. UNESCO, 1954 Frauensekretärin der Sozialistischen Internationale, Vortragstätigkeit, ab 1974 an einer Londoner Schule tätig.

Publikationen u.a.:
European Revolution: How to Win the Peace, London ²1941.
The Future Europe: Peace or Power Politics?, London 1943.
mit Willi Eichler, Wilhelm Heidorn und Minna Specht: Re-making Germany, London 1945.

(Biographisches Handbuch, S. 635; Minion, Socialist Vanguard Group, S. 10.)

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Minna Specht

1879-1961, 1906-09 und 1912-14 Studium der Geschichte, Geographie, Philosophie und Mathematik, ab 1915 Mitarbeiterin von L. Nelson, Lehrerin und Privaterzieherin, 1917 Mitgründerin des IJB, 1923 Lehrerin im IJB/ISK-Landerziehungsheim Walkemühle, ab 1925 dessen Leiterin bis 1933, 1926 ISK, 1927 Vorsitzende der Philosophisch-Politischen-Akademie des ISK und damit dessen formelles Oberhaupt, 1933 Emigration Dänemark, Verlegung der Schule dorthin und Fortführung der päd. Arbeit mit Kindern, 1938 Überwechseln der Schule nach Wales bis zur Internierung des Lehrpersonals 1940-41 auf der Isle of Man, Einrichtung einer Lagerschule, 1942 Mitarbeit German Educational Reconstruction, Mitarbeit Union dt. soz. Org. in GB (Programmkommission) und Landesgruppe deutscher Gewerkschafter, 1945 Rückkehr nach Deutschland, 1946-51 Leiterin der Odenwaldschule, 1952-54 Mitarbeiterin UNESCO-Institut für Pädagogik, 1952-59 Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, ab 1954 Beraterin der Vereinigung dt. Landerziehungsheime, jugendpolit. Ausschuß beim SPD-Parteivorstand, zahlreiche Vortragsreisen.

Pubikationen u.a.:
Gesinnungswandel. Die Erziehung der deutschen Jugend nach dem Weltkrieg, London [1943].
mit Willi Eichler, Wilhelm Heidorn und Mary Saran: Re-making Germany, London 1945.
 

(Vorholt, Sowjetunion im Urteil, S. 34f., Anm. 52; Biographisches Handbuch, S. 713f.)

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Verwendete und weiterführende Literatur

Quellen und Forschungsliteratur zu diesem Thema sind hierorts vor allem in der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Arbeiterkammer Wien (Prinz-Eugen-Straße 20-22, A-1040 Wien; verfügt über einen OPAC) sowie im Archiv und Dokumentationszentrum der österreichischen Arbeiterbewegung (Rechte Wienzeile 97, A-1050 Wien) greifbar.
 

Quellen / Editionen

Ludwig Eiber, Die Sozialdemokratie in der Emigration. Die „Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien“ 1941-1946 und ihre Mitglieder. Protokolle, Erklärungen, Materialien, Bonn 1998 (AfS Beiheft 19).

Sabine Lemke-Müller, Ethik des Widerstands. Der Kampf des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) gegen den Nationalsozialismus. Quellen und Texte zum Widerstand aus der Arbeiterbewegung 1933-1945, Bonn 1996.

Walter Lipgens (Hg.), Europa-Föderationspläne der Widerstandsbewegungen 1940-1945, München 1968.

Ders. (Hg.) Documents on the History of European Integration. Volume 2. Plans for European Union in Great Britain and in Exile 1939-1945, Berlin/New York 1986.

Hilda Monte [d.i. Hilde Meisel], The Unity of Europe. Mit einem Vorwort von Edvard Benes, Typoskript, o.O. 1942, Archiv des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien, Materialien London Büro, Karton 4, Mappe 31, S. 1-268.

Dies., The Unity of Europe, London 1943.

Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Abgehalten zu Stuttgart vom 3. bis 8. Oktober 1898, Berlin 1898 [Nachdr. Berlin/Bonn 1979].

Mary Saran, European Revolution: How to Win the Peace, London ²1941.

Dies., The Future Europe: Peace or Power Politics?, London 1943.

SVG, Europe and World Peace, London 1944.

Klaus Voigt (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung. Ideen des deutschen Exils 1939-1945, Frankfurt/M. 1988.

Hermann Knüfken, Über den Widerstand der Internationalen Transportarbeiter Föderation gegen den Nationalsozialismus und Vorschläge zum Wiederaufbau der Gewerkschaften in Deutschland. Zwei Dokumente 1944/45, eingeleitet von Dieter Nelles, in: 1999. Zs. für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jh. 7 (1992), H.3, S. 64-87.
 

Forschungsliteratur

Philippe Adant, Widerstand und Wagemut. René Bertholet - eine Biographie. Aus dem Französischen von Susanne Miller, Frankfurt/M. 1996.

Alexandra Bröhm, Hilda Monte. Ein Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus, in: Traverse 2 (1995), H. 2, Beilage, S. 35-38.

Julius Braunthal, Geschichte der Internationale. Band 2, Berlin/Bonn-Bad Godesberg ²1974; Band 3, Hannover 1971.

Otfried Dankelmann, Zwischen SAI und Sozialistischer Internationale. Zur Genesis der International Labour and Socialist
Preparatory Committee in London 1940-45, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 24 (1976), S. 1394-1413.

Helga Haas-Rietschel/Sabine Hering, Nora Platiel. Sozialistin, Emigrantin, Politikerin. Eine Biographie, Köln 1990.

Inge Hansen-Schaberg, Minna Specht - Eine Sozialistin in der Landerziehungsheimbewegung (1918 bis 1951), Frankfurt/M. u.a. 1992.

Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aus dem Englischen von Yvonne Badal, München ³1999.

Karl-Heinz Klär, Zwei Nelson-Bünde: Internationaler Jugend-Bund (IJB) und Internationaler Sozialistischer Kampf-Bund (ISK) im Licht neuer Quellen, in: IWK 18 (1982), H. 3, S. 310-360.

Eberhard Knopp, Die Sozialistische Internationale. Herkunft, Aufbau und Ziele einer transnationalen Parteienorganisation, Diss. Heidelberg 1992.

Annedore Leber, Das Gewissen steht auf. 64 Lebensbilder aus dem deutschen Widerstand 1933-1945, Berlin/Frankfurt/M. 1954.

Detlef Lehnert, Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, Frankfurt/M. ²1984.

Sabine Lemke-Müller, Ethischer Sozialismus und soziale Demokratie. Der politische Weg Willi Eichlers vom ISK zur SPD, Bonn 1988.

Dies., Zur Organisations- und Wirkungsgeschichte des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK). Charakterisierung der Texte und ihrer Autoren, in: dies. (Hg.), Ethik des Widerstands. Der Kampf des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) gegen den Nationalsozialismus. Quellen und Texte zum Widerstand aus der Arbeiterbewegung 1933-1945, Bonn 1996, S. 9-29.

Werner Link, Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bundes (IJB) und des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes (ISK). Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Meisenheim/Gl. 1964.

Walter Lipgens, Views of Socialist and Trade Union Associations on the Postwar Order in Europe. Introduction, in: ders. (Hg.), Documents on the History of European Integration. Volume 2. Plans for European Union in Great Britain and in Exile 1939-1945, Berlin/New York 1986, S. 653-660.

Hartmut Mehringer, Sozialdemokratischer und sozialistischer Widerstand, in: Peter Steinbach/Johannes Tuchel (Hg.), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn 1994, S. 126-143.

Thomas Meyer, Ethischer Sozialismus bei Leonard Nelson, in: Helmut Holzhey (Hg.), Ethischer Sozialismus. Zur politischen Philosophie des Neukantianismus, Frankfurt/M. 1994, S. 301-315.

Susanne Miller, Änne und Josef Kappius - Handeln nach sozialistischer Ethik, in: Bernd Faulenbach/Günther Högl, Eine Partei in ihrer Region. Zur Geschichte der SPD im Westlichen Westfalen, Essen ²1988, S. 176-179.

Mark Minion, The Labour Party and Europe during the 1940's: the strange case of the Socialist Vanguard Group, in:  http://www.sbu.ac.uk/~euroinst/498.pdf, 1998.

Birgit S. Nielsen, Erziehung zum Selbstvertrauen. Ein sozialistischer Schulversuch im dänischen Exil 1933-1938. Mit einem Vorwort von Hellmut Becker, Wuppertal 1985.

Cornelia Regin, „Die Wirtschaft im neuen Europa.“ Pläne der deutschen sozialistischen Emigration für die Gestaltung der europäischen Integration, in: Jac Bosmans (Hg.), Europagedanke, Europabewegung und Europapolitik in den Niederlanden und Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg, Münster/Hamburg 1996, S. 51-77.

Werner Röder, Die deutschen sozialistischen Exilgruppen in Grossbritannien. Ein Beitrag zur Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, Hannover 1968.

Ders., Deutschlandpläne der sozialdemokratischen Emigration in Großbritannien 1942-1945, in: VfZ 17 (1969), S. 72-86.

Ders./Herbert A. Strauss (Hg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band I. Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München u.a. 1980.

Walther Schevenels, Fünfundvierzig Jahre Internationaler Gewerkschaftsbund 1900-45, Brüssel 1956.

Geoffrey Spencer, Beloved Alien: Walter Fliess, 1901-1985, Donhead St. Andrew 1985.

Rolf Steininger, Deutschland und die Sozialistische Internationale nach dem Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Frage, die Internationale und das Problem der Wiederaufnahme der SPD auf den internationalen sozialistischen Konferenzen bis 1951, unter besonderer Berücksichtigung der Labour Party. Darstellung und Dokumentation, Bonn 1979 (AfS Beiheft 7).

Isabelle Tombs, The Victory of Socialist "Vansittartism": Labour and the German Question, 1941-5, in: Twentieth Century British History 17 (1996), Nr. 3, S. 287-309.

Klaus Voigt, Europäische Föderation und neuer Völkerbund. Die Diskussion im deutschen Exil zur Gestaltung der internationalen Beziehungen nach dem Krieg, in: Thomas Koebner/Gert Sautermeister/Sigrid Schneider (Hg.), Deutschland nach Hitler. Zukunftspläne im Exil und aus der Besatzungszeit 1939-1949, Opladen 1987, S. 104-122.

Klaus Voigt, Einleitung, in: ders. (Hg.), Friedenssicherung und europäische Einigung. Ideen des deutschen Exils 1939-1945, Frankfurt/M. 1988, S. 11-21.

Udo Vorholt, Die Sowjetunion im Urteil des sozialdemokratischen Exils 1933 bis 1945. Eine Studie des Exilparteivorstandes der SPD, des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, der Sozialistischen Arbeiterpartei und der Gruppe Neu Beginnen, Frankfurt/M. u.a. 1991.
 

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Thomas Tretzmüller, 4. Jänner 2001.
 

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