Programm:
Die Wissenschaft – so scheint es – wird immer öffentlicher: ForscherInnen sind im Netz unmittelbar adressierbar, sie nutzen zunehmend Social-Media-Angebote und lehren in teils öffentlich zugänglichen E-Learning-Plattformen. Hochschulen verfügen über verschiedenste Repräsentationen im Netz – von umfangreichen Homepages bis Facebook und Twitter. Open-Access-Fachzeitschriften sprießen aus dem Boden, mitunter sogar mit öffentlichen Begutachtungsverfahren. Kontroversen werden offen in Foren, Mailinglisten und auf Blogs ausgetragen. In diesem Kontext bekommt das Wissenschaftssystem als Autorität der gesellschaftlichen Wissensproduktion zunehmend Konkurrenz von außerhalb und wird ständig hinterfragt und kritisiert.

Von den einen wird diese Entwicklung als „Demokratisierung“ des elitären Wissenschaftsbetriebs begrüßt, während andere die neue Rolle der Öffentlichkeit als Gefahr für die Qualität und Unabhängigkeit von Forschung und Lehre kritisieren. Diesem Spannungsfeld wollen wir uns mit unserem Themenabend unter dem Titel “Öffentliche Wissenschaft, demokratische Wissenschaft? Chancen und Risiken öffentlicher Forschung und Lehre im Internet” widmen. Dazu wird zunächst Michael Nentwich einen Überblick über die Entwicklung der von ihm 2003 diagnostizierten Cyberscience zu einer offeneren und sozialeren Cyberscience 2.0 geben. Anschließend werden sich Cornelius Puschmann und René König einen verbalen Schlagabtausch liefern, der die Pro- und Kontra-Argumente einer internetöffentlichen Wissenschaft zutage fördern soll. Diese werden – ganz im Sinne des Themas – anschließend offen unter allen Interessierten weiter diskutiert.

Ort und Zeit:
Raum D / quartier21
QDK / Electric Avenue, MQ, Museumsplatz 1, A-1070 Wien
07.12.2010, ab 18:00 Uhr
(keine Anmeldung nötig)

Informationen zu den Sprechern:
Michael Nentwich ist Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2003 veröffentlichte er seine Habilitationsschrift Cyberscience. Research in the Age of the Internet, die einen umfassenden Überblick über die durch das Internet eingeleiteten Umbrüche im Wissenschaftssystem gibt. Die aktuellen Entwicklungen hin zu einer Cyberscience 2.0 beschreibt er zusammenfassend in einem Aufsatz. Im Projekt Interactive Science untersucht er derzeit zusammen mit ITA-Mitarbeiter René König aufstrebende Online-Plattformen hinsichtlich ihrer Potenziale für die Wissenschaftskommunikation. Neben diesem Projekt kam König dem Themenfeld „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ auch in Arbeiten zu politischer Partizipation und Wikipedia näher.
Cornelius Puschmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er beschäftigt sich mit Internetkommunikation aus sprach- und medienwissenschaftlicher Sicht und erforscht zur Zeit im Rahmen der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe “Wissenschaft und Internet” die Nutzung sozialer Medien in Forschung und Lehre.