Veranstaltung im Rahmen unserer Vortragsreihe Internetforschung,

18. November 2010, 19h, Achtung Adressänderung! nun im Besprechungsraum, Berggasse 11, Stiege 1, 1090 Wien

Ambivalente epistemologische Verschiebungen in technologischer Wissensproduktion

Feministische Technikforschung hat vielfach aufgezeigt, dass der in der Informatik verbreitete Anspruch, möglichst realitäts- bzw. naturgetreu zu modellieren, dazu führt, Ausschlüsse entlang der bestehenden sozialen Ordnungen herzustellen und damit zugleich die strukturell-symbolische Geschlechterordnung zu reproduzieren. Während die frühen Bestimmungen des Semantic Web noch stark von derartigem Abbildungsbestreben geprägt waren, scheinen aktuelle Visionen und das praktische Engineering dieser Technologie  eher auf sozialen und konstruktivistischen Epistemologien zu basieren. Damit besteht die Hoffung, dass Kategorien wie Geschlecht in unserem zukünftigen, zunehmend technologisch vermittelten Umgang mit Wissen an Bedeutung verlieren werden.

Im Vortrag werde ich diese These der epistemologischen Verschiebung innerhalb der Semantic Web-Forschung mit ersten Ergebnissen meiner ethnographischen Feldstudie gegenlesen und ausdifferenzieren. Ziel ist es, die geschlechtertheoretischen und gesellschaftspolitischen Implikationen der beobachteten technowissenschaftlichen Entwicklung zu diskutieren.

Corinna Bath ist Postdoktorandin am Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“ der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war zuvor als  wissenschaftliche Mitarbeiterin und Research Fellow in der Mathematik, Informatik, Geschlechterforschung, Wissenschaftstheorie/Philosophie und Wissenschaftsforschung/ Soziologie (Berlin, Köthen, Bremen, Wien, Graz) tätig. 2009 verteidigte ihre Dissertation: „De-Gendering informatischer Artefakte. Grundlagen einer kritisch-feministischen Technikgestaltung“ in der Informatik an der Universität Bremen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschlechterforschung in der Informatik, feministische Technoscience-Forschung und Epistemologie. Dabei gilt ihr spezielles Interesse den „intelligenten“, „emotionalen“ und „semantischen“ Technologien.

Flyer

(keine Anmeldung nötig)