Archives for posts with tag: ANT

Die Dissertation “Mediated Knowledge” von Astrid Mager untersucht soziotechnische Praxen der Kommunikation von medizinischem Wissen über das Netz und welche epistemologischen Auswirkungen sich daraus ergeben. Mit Hilfe der Actor-Network Theory (ANT) diskutiert sie, wie unterschiedliche Typen von AnbieterInnen medizinische Webseiten strukturieren, am Netz positionieren und für NutzerInnen vertrauenswürdig gestalten, und wie unterschiedliche NutzerInnen nach medizinischen Informationen suchen, Webseiten auswählen und nutzen, und wie sie die Qualität und Glaubwürdigkeit von online Gesundheitsinformationen einschätzen.

Diese Analyse zeigt, dass die Mediatisierung oder „Informatisierung“ von medizinischem Wissen durch das Internet neue Wissenspraxen hervor bringt, die neue Fähigkeiten erfordern. Die Stabilisierung von Google als „obligatory passage point“ führt zu Informationshierarchien und Marktmechanismen, die nur durch technisches Know-How und Wissen über Suchmaschinen umgangen werden können. Über das Handling der Technologie hinaus, erfordert die Aneignung von medizinischem Wissen über das Netz profunde kognitive Fähigkeiten und Wissensarbeit. Online Gesundheitsinformationen – z.T. fragmentiert und de-kontextualisiert – müssen entlang individueller Bedürfnisse und medizinischer Denkstile kombiniert, re-kontextualisiert und in Wissen transformiert werden. Dies relativiert Visionen des Netzes als „empowerment tool“ und zeigt, dass sich PatientInnen mit Hilfe der Technologie selbst „empowern“ müssen. Es legt weiters nahe, „informierte PatientInnen“ in dieser Wissensarbeit zu unterstützen. Anstelle von standardisierten Qualitätskriterien für Medizinwebseiten, schlägt die Arbeit vor, individuelle Informationspraxen und dazugehörige Wissensarbeit ins Zentrum zu rücken. Insbesondere ÄrztInnen sind aufgefordert, das Netz nicht als Gefahr zu begreifen, sondern auf Netzinformationen und Wissensbestände ihrer PatientInnen einzugehen. Diese könnten als Fenster in die Welt von PatientInnen und deren Bedürfnisse begriffen und genutzt werden, um ein neues Vertrauensverhältnis zwischen ÄrztInnen und PatientInnen aufzubauen.

Link zum <Download> der Arbeit

Strukturentstehung durch Verflechtung: Workshop zur Akteur-Netzwerk-Theorie 27.-29.05.2010, Universität Paderborn

Die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) hat den Anspruch, ,das Soziale neu zu versammeln’, und in der kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschung etablierte Grenzziehungen zu ueberwinden. Sie fordert einen neuartigen, strikt empirischen Blick auf die Verflechtungen zwischen Natur, Kultur, Gesellschaft und Technik. Zu diesem Zweck proklamiert sie ein generalisiertes Symmetrieprinzip, das jegliche a priori- Unterschiede zwischen Entitäten einebnet. Mit diesen Positionen hat die ANT in den letzten Jahren fuer kontroverse Diskussionen gesorgt, die weit ueber die Wissenschafts- und Technikforschung hinaus gehen. Der Workshop schließt an diese Debatte an und bietet Raum, um ueber die ANT, ihren Blick auf Prozesse der Strukturentstehung sowie Anschlussmöglichkeiten zu etablierten Theorieangeboten zu diskutieren. Read the rest of this entry »