Der Bereich Internationale Politik am IPW: kritische Globalisierungsforschung

Die internationale Politik unterliegt in den letzten Jahren tiefgreifenden Veränderungen. Der unscharfe Begriff der Globalisierung zeigt einen epochalen gesellschaftlichen Umbruch an, der in den 1970er Jahren begann und nach 1989 an Dynamik gewann. Dabei handelt es sich um ökonomische, politische und kulturelle Entwicklungen, die von Regierungen, Unternehmen, Medien und anderen Akteuren vorangetrieben werden und die sich nicht nur auf internationaler oder transnationaler Ebene vollziehen. Die Globalisierung durchdringt die einzelnen Gesellschaften und wird durch eine Vielzahl von ökonomischen, politischen und kulturellen Alltagspraxen geschaffen. Vielfältige gesellschaftliche Strukturen und Wertvorstellungen werden verändert: Die Klassen- und Geschlechterverhältnisse, die Strukturierung entlang ethnischer Kriterien, die Naturverhältnisse, die Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung und der Konkurrenz, Öffentlichkeit – und insbesondere verändern sich Staat und Politik.

Im Globalisierungsprozess werden einige gesellschaftliche Gruppen reicher und mächtiger, andere ärmer und schwächer. Er geht einher mit vielfältigen Problemen und Krisen: wirtschaftliche Instabilität, soziale Polarisierung und Verarmung stehen einer immensen Reichtumsproduktion gegenüber. Die etablierten Formen demokratischer Repräsentation, die wesentlich an den Nationalstaat gebunden waren, werden unterlaufen. Daher wird die Globalisierung von vielen Menschen als undemokratisch und als von Eliten gesteuert empfunden. Ökologische Krisen und Ressourcenkonflikte sind eine weitere Dimension, die die Epoche der Globalisierung im Allgemeinen und das Nord-Süd-Verhältnis im Besonderen prägen. Zunehmend werden Krisen gewaltförmig bearbeitet, nicht zuletzt, um nicht-verallgemeinerbare Produktions- und Konsummuster zu stabilisieren.

Im Bereich Internationale Politik des Instituts für Politikwissenschaft werden die Ursachen, Dynamiken und Auswirkungen der Transformationen der letzten Jahrzehnte aus historischer Perspektive, theoriegeleitet und in einzelnen Feldern empirisch erforscht. Globalisierung wird nicht als „Sachzwang” verstanden, sondern als gesellschaftlich umkämpftes Ergebnis von Interessen und Strategien spezifischer Akteure und als in den einzelnen Bereichen ungleicher Prozess, der von Macht- und Herrschaftsverhältnissen geprägt ist. Zudem wird die Tatsache untersucht, dass die jüngsten weltweiten gesellschaftlichen Veränderungen politisch kaum stabilisiert werden können, sondern Krisen und Legitimationsdefizite zunehmen. Dennoch gibt es Formen der (staatlich-politischen) Problembearbeitung. Deren Entstehung, Wirkungen und Grenzen werden erforscht.