Agrartreibstoffe und Transformationsprozesse - Die Politische Ökologie der Palmölproduktion in Indonesien

Agrartreibstoffe und Transformationsprozesse – Die Politische Ökologie der Palmölproduktion in Indonesien

Palmöl wird in der menschlichen Ernährung und für verschiedene industrielle Produkte, einschließlich Kosmetika und Agrardiesel genutzt. Indonesien ist weltweit größter Produzent von Palmöl und geographischer Bezugspunkt des Promotionsvorhabens. Die Produktion von Agrartreibstoffen sowie der Anbau ihrer Ausgangsmaterialien wurde in Indonesien als prioritäres nationales, energiepolitisches Ziel erklärt. In der Untersuchungsregion Jambi steht die Palmölproduktion bereits jetzt stark in Konkurrenz zu anderen Formen der Landnutzung. Die Agrartreibstoff-Agenda führt zu neuen sozialen Vulnerabilitäten und ist mit Konflikten hinsichtlich Nutzung und Verteilung von Naturressourcen sowie von Verfügungsrechten an natürlichen Ressourcen verbunden.

Ziel des Promotionsvorhabens ist eine politisch-ökologische Analyse der politischen und sozialen Konstruktion der Ölpalme und der Agrartreibstoffe als Lösungsstrategie für Indonesiens Problemstellungen im Energiesektor, bei der Armutsbekämpfung und Wirtschaftsentwicklung auf staatlich-politischer Ebene sowie den gegensätzlichen sozioökonomischen Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse lokaler Bevölkerungen. Der Fokus liegt auf der Untersuchung von Implementierungspraktiken und Regulationsweisen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen und der Einbezug relevanter Akteursgruppen in diesem Prozess. Dabei werden staatliche Reskalierungsprozesse in Folge der Dezentralisierung und der damit einhergehenden räumlichen Redimensionierung der Regulation natürlicher Ressourcen (insbesondere von Land im Kontext des Palmölsektors) analysiert. Es soll betrachtet werden, welche neuen gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse in Folge dieser Prozesse entstehen, wie Territorien umstrukturiert werden und welche Konflikte mit diesen Transformationsprozessen einhergehen.

Den theoretischen Leitrahmen der Dissertation bilden Ansätze der Politischen Ökologie, die um Erkenntnisse aus der scale-Debatte ergänzt werden. Gesellschaft-Umwelt-Interaktionen werden in historisch-geographischen Prozessen durch materielle und diskursive Praktiken produziert, wobei diese Produktionsprozesse immer in Machtverhältnisse eingebettet sind und ein umkämpftes Terrain darstellen. Da beim Untersuchungsgegenstand angenommen wird, dass sich die Interaktionen zwischen den unterschiedlichen Ebenen nicht hierarchisch konstituieren und räumliche Maßstabsebenen nicht einfach gegeben sind, sondern produziert werden, wird eine multiskalare Analyseperspektive eingenommen. Für die empirische Arbeit wird auf qualitative Methoden zurückgegriffen.

Die Dissertation ist Teil des DOC-teams (gemeinsam mit Christina Plank und Anke Schaffartzik) „Öl ins Feuer: Agrartreibstoffe und sozial-ökologische Konflikte“, das von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert wird.

alina.brad@univie.ac.at