Politische Bedeutung und Transformation von Gartenregimes in Wien seit den 1970er Jahren.

Die Produktion gesellschaftlicher Naturverhältnisse am Beispiel kollektiv gestalteter Grünräume

Gemeinschaftsgärten sind ein prominentes neues Projekt urbanen Grünraums geworden – in Wien mit zeitlicher Verzögerung seit dem rot-grünen Koalitionspapier 2010, das eine limitierte Förderung der Gemeinschaftsgärten festschreibt. Mit den Gemeinschaftsgärten wird eine Reihe von Erwartungen in Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit, soziale Integration, Demokratisierung und eine Belebung des öffentlichen Raums verbunden. Die relative Einheitlichkeit des Gemeinschaftsgartens als Konzept von Raum und der damit verknüpften Zuschreibungen steht in auffälligem Widerspruch zur heterogenen räumlichen Praxis dieses Gartentyps in Wien.

Auf einer allgemeinen Ebene ähneln Gemeinschaftsgärten in organisationaler Hinsicht den in Wien materiell weitaus bedeutsameren Kleingartenanlagen. In beiden Fällen handelt es sich zudem um die kollektive Produktion von Grünraum auf mehrheitlich öffentlichen Flächen. Diese Ähnlichkeit würde erwarten lassen, dass sich Gemeinschaftsgärten und Kleingartenanlagen auch in ihrer politischen Bedeutung gleichen. Doch werden diese beiden Gartentypen in gänzlich verschiedener Weise diskursiv repräsentiert. Sie unterliegen zudem unterschiedlichen Entwicklungen. Während Kleingartenanlagen zusehends gentrifiziert und privatisiert werden, zeichnet Gemeinschaftsgärten die Betonung des öffentlichen und eines kollektiven Charakters aus.

Die Dissertation untersucht davon ausgehend drei Fragestellungen: Warum kommt es zu einer derart divergierenden Entwicklung von kollektiv verwalteten Gartentypen auf öffentlichen Flächen? Wie sind deren abweichende politische Bedeutungsfelder zu erklären? Welche politischen Interessen und Strategien, welche ökonomischen Tendenzen und Subjektivierungsformen, welche Naturverhältnisse zeigen sich darin? Um diese Fragen zu beantworten wird die Transformation der Gartenregimes von Kleingartenanlagen und von Gemeinschaftsgärten in Wien im Kontext der Veränderungen des lokalen Staates untersucht. Diese Transformation wird als eine sich verändernde Produktion gesellschaftlicher Naturverhältnisse analysiert.

Methodisch verbindet die Dissertation anthropologische, raumtheoretische und politikwissenschaftliche Ansätze. Der Schwerpunkt liegt auf qualitativen Erhebungszugängen mit teilnehmender Beobachtung, Leitfadeninterviews und Inhaltsanalyse, ergänzt um quantitative Daten.

Die Dissertation ist Teil des vom WWTF geförderten Forschungsprojekts „Green Urban Commons“ (greenurbancommons.wordpress.com)

andreas.exner@aon.at