Institut für
Wissenschaft und Kunst
Seminar- und Vortragsreihen
im Wintersemester
2007/08
Die Veranstaltungen finden - wenn nicht
anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.
biografiA
– Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung
Konzept und Organisation: Ilse Korotin
Im
Rahmen dieser
Vortragsreihe geben ExpertInnen aus unterschiedlichen
frauenbiografischen Forschungsbereichen Einblick in ihre Arbeit,
sprechen über die von ihnen bearbeiteten Felder und machen auf
mögliche Forschungslücken aufmerksam machen.
Die
Vortragsreihe steht in Zusammenhang mit dem Projekt
”biografiA.
Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen”, das
1998 vom
bm:bwk beauftragt wurde. Es umfasst derzeit rund 12.000
frauenbiografische Datensätze, zahlreiche Einzelprojekte sowie
eine eigene Schriftenreihe. Die multimodulare Dokumentations-,
Vernetzungs- und Forschungsinitiative wird von Frauen aus
unterschiedlichen Bereichen des Bibliotheks- und Dokumentationswesens
sowie der Wissenschaft und Forschung unterstützt und gilt als
bedeutender Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen in allen
Lebensbereichen.
biografiA
hat
sich durch die Bildung einer fundierten Basis für
weitergehende
Forschungen im Bereich der feministischen Geschichtsforschung, der
Wissenschaftsgeschichte und Frauenforschung zu einer national und
international wahrgenommenen Vernetzungsplattform für
biografisch
orientierte ForscherInnen entwickelt. Als interaktive Drehscheibe
für MeinungsbildnerInnen aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und
den
Medien fördert biografiA die Wahrnehmung für
spezifisch
weibliche Themen und Strukturen im öffentlichen Bewusstsein.
Montag, 8.
Oktober 2007, 18.30 Uhr
Felicitas
Seebacher (Klagenfurt):
”Die
Macht der Idee”. Rosa Kerschbaumer (1854-1923):
Engagement
für die Öffnung der medizinischen Fakultät
der
Universität Wien für das ”andere”
Geschlecht
Rosa
von
Schlikoff, 1851 in Moskau als Tochter einer Patrizierfamilie geboren,
wurde 1876 an der Universität Bern in Medizin promoviert. Ihr
Mentor Ferdinand von Arlt, Professor für Augenheilkunde an der
Universität Wien, bildete sie zur Augenärztin aus.
1877
heiratete sie seinen ehemaligen Assistenten Friedrich Kerschbaumer und
eröffnete mit ihm 1886 eine Augenklinik in Salzburg. Erst 1890
erhielt Kerschbaumer als erste Ärztin in
Österreich von
Kaiser Franz Joseph I. die ”Zulassung zur Ausübung
der
ärztlichen Praxis”. Kerschbaumer war aktives
Ehrenmitglied
im ”Verein für erweiterte Frauenbildung in
Wien”, der
einen wesentlichen Beitrag zur Legalisierung des Philosophie- und
Medizinstudiums für Frauen an der Universität Wien
leistete.
1895 führte Kerschbaumer eine Kontroverse mit Eduard Albert,
Professor für Chirurgie an der Universität Wien,
über
”Die Frauen und das Studium der Medicin”. Sie
widerlegte
die biologistischen Thesen über die angebliche
Unfähigkeit
der Frauen zum Medizinerberuf mit exakten Statistiken über
russische Ärztinnen. 1896 kehrte Kerschbaumer für
einen
Lehrauftrag an der neu errichteten medizinischen Akademie für
Frauen in St. Petersburg nach Russland zurück.
Felicitas
Seebacher: Mag.a Dr.in,
Studium der Geschichte und Pädagogik,
wissenschaftliche Mitarbeiterin der Alpen-Adria-Universität
Klagenfurt. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Habsburgermonarchie:
19. Jahrhundert, Universitätsgeschichte, Geschichte der
Medizin,
Gender Studies. Publikationen u. a.: ”Freiheit der
Naturforschung!” Carl Freiherr von Rokitansky und die Wiener
Medizinische Schule: Wissenschaft und Politik im Konflikt. Mit einem
Vorwort von Helmut Denk und einer Einführung von
Günther
Hödl. Bildteil: Karl Sablik (Österreichische Akademie
der
Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse.
Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der
Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin 56, Wien 2006); The
"National Feeling" in Sciences. Bohemian Professors at the
Medical Faculties of Vienna. International Networks, Exchange and
Circulation of Knowledge in Life Sciences, 18th to 20th Centuries,
edited by Brigitte Hoppe, Soňa
Štrbáňová, Nicolas
Robin. In: Archives Internationales d´Histoire des Sciences
56,
156–157 (Academie Internationale d´Histoire des
Sciences,
2006) S. 265–278.
Montag,
5. November 2007, 18.30 Uhr
Elisabeth
Grabenweger (Berlin):
Zwischen
politischem Engagement und wissenschaftlicher Karriere
Die
erste Privatdozentin der Wiener Germanistik Christine Touaillon
(1878-1928)
Christine
Touaillon gehörte im Wintersemester 1897/98 nicht nur zu den
ersten Studentinnen der Universität Wien, sie war 1921 auch
die
erste Frau, der an der Wiener Germanistik die Venia Legendi verliehen
wurde. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war sie zudem
in
der bürgerlichen Frauenbewegung und der Volksbildung
tätig,
engagierte sich in der Ethischen Gesellschaft rund um Wilhelm
Börner und gab gemeinsam mit Auguste Fickert die feministische
Zeitschrift ”Neues Frauenleben” heraus. Gerade
dieses,
die Biografie Touaillons bestimmende Spannungsverhältnis
zwischen
politischem Engagement und universitärer Karriere soll im
Vortrag
in den Blick genommen werden. Dabei wird vor allem die Frage nach der
Vereinbarkeit von feministischen Positionen und wissenschaftlicher
Laufbahn diskutiert.
Elisabeth
Grabenweger: Mag.a phil., studierte Germanistik
und Vergleichende
Literaturwissenschaft in Wien und Berlin, seit 2005 Doktoratsstudium an
der Wiener Germanistik, Oktober 2006 bis Juni 2007 Junior-Fellowship am
Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK Wien), seit
Oktober 2007 IFK-Abroad-Fellowship am Lehrstuhl für
Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Veröffentlichungen u.a.: Schriftstellerei als
Geschäft. Ada
Christens Briefe an Julius Campe, in: Sichtungen, 6/7, 2005, S.
158–180; gem. mit Stephan Kurz, "Denn, was man schwarz auf
weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen". Vom
Mitschreiben einer Vorlesung, in: Arno Dusini, Lydia Miklautsch (Hg.),
Vorlesung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
(erscheint
Herbst 2007).
Montag,
19. November 2007, 18.30 Uhr
Natascha
Vittorelli (Wien):
Triest
als Ort slowenischer Frauenbewegung um 1900
Um 1900 ist
Triest nicht nur ein bedeutender habsburgischer Hafen, sondern auch die
größte slowenische Stadt. Über 100
slowenische Vereine
sind vor dem Ersten Weltkrieg in Triest aktiv, darunter auch
Frauen(wohltätigkeits)vereine. In Triest erscheint auch
”Slovenka”, die sogenannte erste slowenische
Frauenzeitschrift,
um die herum sich fortschrittliche Sloweninnen sammeln.
Ausgehend von der Beobachtung, dass Frauenbewegungshistoriographien
vornehmlich von Frauenvereinen, Frauenzeitschriften sowie
Frauenrechtlerinnen erzählen, stellt der Vortrag die Frage, ob
damit auch von der Existenz einer slowenischen Frauenbewegung in Triest
um 1900 die Rede sein kann.
Natascha
Vittorelli: Dr.in phil., Historikerin,
Projektmitarbeiterin und
Lehrende
am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.
Montag,
3. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Ingolf
Erler / Elisabeth Günther (Wien):
”Keine
Chance für Lisa Simpson?” –
Bildungsungleichheit anhand einer hypothetischen Biographie
Würde
Lisa Simpson, die Tochter der Zeichentrickfamilie ”The
Simpsons”, in Österreich aufwachsen, wäre
es fraglich,
ob sie ein Universitätsstudium abschließen
könnte. Der
Vater ohne, die Mutter mit mittlerer Reife, in einer Kleinstadt lebend
– in dieser Konstellation hätte sie, selbst nach
erreichter
Matura, nur eine Chance von 6 – 8%, einen akademischen
Abschluss
zu erreichen. Eine österreichische Bildungsbiographie ist
demnach
immer noch deutlich von der sozialen Herkunft beeinflusst.
Ingolf
Erler:
Soziologe und Journalist. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung
(ÖIEB)
in Wien. Herausgeber des Buches ”Keine Chance für
Lisa
Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem” (Wien 2007).
Elisabeth
Günther: Soziologin und Journalistin. Autorin des Beitrages
”Gläserne Decken und unsichtbare
Stolpersteine” in:
”Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit
im
Bildungssystem” (Wien 2007).
Konzept
und Organisation:
Ilse Korotin: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin,
Leiterin der
IWK-Dokumentationsstelle
Frauenforschung und des Projekts „biografiA“(http://www.biografia.at).
Forschungsschwerpunkte:
Frauenbiografieforschung, Philosophie und Nationalsozialismus,
Wissenschaftsgeschichte.
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Frauennetzwerke
in Wissenschaft
und Kunst. Utopie und Wirklichkeit
Konzept und Organisation:
Susanne
Blumesberger
Bei
Frauennetzwerken handelt es
sich keineswegs um ein ausschließlich modernes
Phänomen. Immer wieder haben
sich Frauen zusammengeschlossen, um einander zu unterstützen,
um voneinander zu
profitieren und nicht zuletzt um in einer männerdominierten
Welt zu bestehen.
Die österreichische Geschichte weist hier zahlreiche
erfolgreiche Beispiele
auf. Private Verbindungen, Frauenverbände und andere
Zusammenschlüsse hatten
nicht selten wesentlichen Einfluss auf Wissenschaft und Kunst. Dieser
Arbeitskreis wird sowohl historische Beispiele vorstellen als auch
aktuelle
Frauennetzwerke diskutieren.
Montag,
1. Oktober 2007, 18.30
Susanne
Schwinghammer (Wien):
Das
fFORTE-Alumni-Netzwerk
2002
wurde fFORTE, eine Initiative zur Stärkung von Frauen in
Forschung und
Technologie, ins Leben gerufen. Die Referentin wird das neu
gegründete
fFORTE-Alumni-Netzwerk, seine Aufgaben, sein Veranstaltungsprogramm und
die
neue Website als Plattform der Kommunikation präsentieren.
Susanne
Schwinghammer: Dr.in Mag.a,
Geschäftsführerin von
"science2public".
Montag,
12.
November 2007, 18.30
Irmgard
Neubauer (Wien):
„Durch Erkenntnis
zu Freiheit und Glück!“ Über Irma von Troll
(1847-1912)
Die Schriftstellerin Irma von
Troll, eine der ersten und radikalsten Frauenrechtlerinnen
Österreichs, setzte
sich für Mädchenschulen, das Frauenstudium und das
Frauenstimmrecht ein. Sie
war an der Gründung von Frauenvereinen beteiligt und
engagierte sich in
Frauenzeitschriften für die Rechte der Frauen. Zahlreiche
Frauen trugen den
Kampf mit – wie Bertha von Suttner, Auguste Fickert, Rosa
Mayreder und andere,
mit denen sie nicht nur Arbeitskontakte, sondern auch
Freundinnenschaften
pflegte – ignoriert von einer patriarchalen
Geschichtsschreibung, die Frauen
und die Beziehungen zwischen ihnen unsichtbar macht.
Irmgard
Neubauer: IT-Fachfrau, Buchhändlerin, Musikerin
Montag,
14. Jänner 2008, 18.30
Helga Köcher (Wien):
„Emergence of
Projects“ – Die Logik umdrehen
Die dominierende Rolle von Labels in der Wirtschaft ist
unumstritten. Ist es aber möglich, ein Label für
künstlerisch und geistig
Schaffende zu kreieren, das die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit
erhöht? Wird ein
solches Label von ihnen überhaupt angenommen? Wie kann ein
offenes Netzwerk
funktionieren? Welche Rolle spielt dabei die Aktionsforschung? Die
Referentin,
die mit „Emergence of Projects“ (www.eop.at)
derzeit ihr drittes Netzwerk
betreibt, berichtet aus ihrer langjährigen praktischen
Erfahrung – auch unter
genderspezifischen Aspekten – und stellt ihre theoretischen
Analysen zu diesem
Bereich vor.
Helga
Köcher: Künstlerin im Sozialen Feld,
Marketingexpertin, Intensive Beschäftigung
mit Netzwerkforschung und Kulturwissenschaften, betreibt
gegenwärtig ihr
drittes Netzwerk „Emergence of Projects“ www.eop.at
in der Logik von Aktionsforschung. Organisatorin
multidisziplinärer
Projektgruppen (aktuell Projekt ViennAvant zur Erforschung der Wiener
Avantgarden)
Montag,
21. Jänner, 2008, 18.30
Waltraud Schlögl
(Wien):
Mentoring und
Peer-Networking
Über Chancen und
Herausforderungen von Gruppenmentoring am Beispiel von muv (mentoring
university vienna)
Das
Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschafterinnen an der
Universität Wien (muv) hat
sich seit dem Start des
Pilotprojekts im Jahr 2001 einer im europäischen Vergleich
ungewöhnlichen und
innovativen Organisationsstruktur verschrieben: dem
fächerübergreifenden
Gruppenmentoring. Netzwerken in der Peergruppe hat in diesem Konzept
einen
ähnlich wichtigen Stellenwert wie die Beziehung zu einem/r
Mentor/in. Während
das Mentoring wie auch die interdisziplinäre Teamstruktur als
enorm hilfreich
und bereichernd für die wissenschaftliche Karriere empfunden
werden, ist der
Gruppenmentoringprozess gleichzeitig offen für
strukturelle Widersprüche, die
den Wissenschaftsbetrieb widerspiegeln und ihm innewohnen.
Waltraud
Schlögl: Mag.a phil., Kultur- und
Sozialanthropologin,
Entwicklung und
Koordination des Mentoring-Programms für
Nachwuchswissenschafterinnen an der
Universität Wien (seit 2001); Evaluierung eines
Mentoring-Programms für Menschen
mit Behinderung; Equal-Projekt mit AsylwerberInnen; freiberufliche
Sozialwissenschafterin.
Konzept
und Organisation:
Susanne
Blumesberger: Dr.in,
Kommunikationswissenschaftlerin,
IWK-Projektbearbeiterin der
biografiA-Module „Jüdische Frauen in
Österreich und ihr Beitrag zu
Wissenschaft, Kunst und Kultur“ sowie „Die Frauen
des jüdischen Prager
Kreises“.
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Feministische Theorie und Gender
Studies
Konzept und Organisation:
Susanne Hochreiter, Silvia Stoller
Die
Vortragsreihe widmet sich aktuellen Themen aus dem Bereich der
feministischen Theorie, der Frauenforschung sowie den Gender Studies.
Eröffnet wird das Wintersemester mit einem Vortrag von Sylvia
Soswinski über eine Frauenbiografie vor und während
des
Zweiten Weltkriegs. Die Filmwissenschafterin Andrea B. Braidt geht dem
Verhältnis von Erzählung und Geschlecht im Film nach.
Heidi
Niederkofler beschäftigt sich als Historikerin mit der Rolle
der
Frauenorganisationen in den politischen Parteien in Österreich
nach 1945. Schließlich stellt sich Johanna Hopfner der Frage
nach
einer pädagogischen Frauen- und Geschlechterforschung.
Nationalsozialismus, Nachkriegspolitik, Filmwissenschaften und
Pädagogik bilden daher den Fokus der feministischen
Auseinandersetzung in diesem Semester.
Mittwoch,
14. November 2007, 18.30 Uhr
Sylvia
Soswinski (Klagenfurt):
Den
eigenen Tod überleben – Zur Lebensgeschichte von
Herta Soswinski
In ihrer
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus versucht die Referentin,
die persönliche Geschichte ihrer Großmutter in die
überlieferte Geschichte einzuweben und in Epochen eingeteilt
darzustellen. Jede dieser Epochen hat einen Schwerpunkt in der
Perspektive auf und von Frauen. So geht es einerseits um die
geschlechtsspezifische Sozialisation in der Zeit nach dem Ersten
Weltkrieg, in der Herta Soswinski in der damaligen Tschechoslowakei
aufgewachsen ist, und andererseits um Fragen des weiblichen Widerstands
in den Kriegsjahren um 1944/45 im KZ Auschwitz. Im Rahmen des Vortrages
macht die Referentin eine „Reise“ durch das Leben
ihrer
Großmutter und geht auf einige dieser Aspekte näher
ein.
Sylvia Soswinski: Mag.a,
Studium der
Erziehungswissenschaften und der Medienkommunikation, Lehrgang
Feministisches
Grundstudium am Rosa-Mayreder-College. Seit 2004 Koordinatorin des
IMST3 Gender
Netzwerks am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung,
IFF, Universität
Klagenfurt.
Mittwoch,
12. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Andrea
B. Braidt (Wien):
Trau,
schau, wem. Zur Genderspezifik der Perspektive im narrativen Film
Die Beantwortung der
Frage, aus welchem Blickwinkel und von welchem Erzähler bzw.
welcher Erzählerin
eine Erzählung präsentiert wird, beeinflusst die
Rezeption eines Films
fundamental und nachhaltig. Besonders am Filmbeginn sind die
ZuschauerInnen
mit der Konstruktion einer narrativen Instanz beschäftigt,
deren (ideologische,
vergeschlechtlichte usw.) Situiertheit die Wahrnehmung von Gender in
der Folge
grundlegend bestimmt. Anhand einer speziellen Variante der optischen
Perspektive – der nicht identifizierten Subjektive
– wird die Rolle erläutert,
die der Erzählperspektive bei der Konstruktion von Gender
zukommt.
Andrea
B. Braidt: Mag.a Dr.in,
Filmwissenschafterin am Institut für Theater-, Film- und
Medienwissenschaft der
Universität Wien. Schwerpunkte: Filmanalyse und -narratologie,
Genrefilm,
feministische Filmtheorie, Queer Theory.
Mittwoch,
9. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Heidi
Niederkofler (Wien)
Frauenbewegte
„Ursprünge“ –
Gründungsgeschichten der parteipolitischen
Frauenorganisationen
nach 1945
Die
1945 erfolgte
Konstituierung der Frauenorganisationen der österreichischen
politischen Parteien
kann nicht unabhängig von den Frauenbewegungen der
Zwischenkriegszeit und jenen
vor 1918 gesehen werden. Andererseits ist sie von den in der
Nachkriegszeit
gegründeten nicht parteipolitischen Frauenorganisationen
geprägt. Diesen
Naheverhältnissen und Nachfolgeansprüchen wird im
Vortrag anhand der von den
Frauenorganisationen der politischen Parteien KPÖ,
SPÖ und ÖVP selbst
produzierten Gründungsgeschichten, ihren
Erzählungen zur
Organisationsgründung, nachgegangen.
Heidi
Niederkofler: Dr.in, Historikerin und
Gruppentrainerin in Wien. Derzeit
Mitarbeit an
einem FWF-Projekt zu Familienrecht und Geschlechterpolitik.
Schwerpunkte:
Geschichte der Frauenbewegungen, Geschlechtergeschichte.
Mittwoch,
30.
Jänner 2008, 18.30 Uhr
Johanna
Hopfner
(Graz):
Pädagogische
Frauen- und Geschlechterforschung
Perspektiven
und Hindernisse für einen Dialog zwischen den Disziplinen
Für
die pädagogische
Frauen- und Geschlechterforschung war der
Austausch mit anderen sozial- und humanwissenschaftlichen Disziplinen
einerseits konstitutiv und bleibt bis in die Gegenwart hinein von
nachhaltiger
Bedeutung. Andererseits lassen sich selektive Wahrnehmungen und
Rezeptionsschwellen konstatieren, die der Entwicklung der
Frauen- und
Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft nicht unbedingt
zuträglich
waren und sind. Der Vortrag stellt einige Stationen dieser Entwicklung
dar,
zieht kritisch Bilanz und zeigt neue und vergessene Wege für
einen fruchtbaren
Dialog zwischen den Disziplinen auf.
Johanna
Hopfner: Universitätsprofessorin für Allgemeine
Pädagogik an der Universität
Graz. Schwerpunkte: historisch-systematische Themen,
Geschlechterforschung,
Wissenschaft und Alltagswissen
Konzept und Organisation:
Hochreiter,
Susanne: Studium der Germanistik, Philosophie, Psychologie,
Pädagogik,
Ausbildung zur Theaterpädagogin, Assistentin am Institut
für Germanistik der
Universität Wien. Forschungsschwerpunkte u. a.:
Feministische Theorie, Gender
Studies, Queer Theory.
Stoller,
Silvia: Philosophin, Lehrbeauftragte am Institut für
Philosophie der
Universität Wien: Schwerpunkte: Phänomenologie,
französische
Gegenwartsphilosophie, feministische Philosophie, Gender Studies;
derzeit
Habilitationsarbeit zum Thema „Existenz – Differenz
– Konstruktion“.
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Kompetenz
ohne Bildung?
Eine
Kooperation zwischen dem IWK, dem Ring Österreichischer
Bildungswerke und dem Verband Österreichischer
Volkshochschulen
Konzept
und Organisation: Wolfgang Kellner, Klaus Ratschiller, Stefan Vater
Kompetenzdiskurse
gewinnen in der Erwachsenen- und
Weiterbildung zunehmend an Dominanz und scheinen den Bildungsdiskurs zu
verdrängen – oder die Lücken, die er
hinterließ, zu füllen. Die Vorträge
befragen die „Ambivalenz der Kompetenz“ im Kontext
zentraler Konzepte (Demokratiekompetenz, interkulturelle Kompetenz) und
brisanter Verknüpfungen (Wissen und Herrschaft, Bildung und
Glück).
Mittwoch,
17. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Otto Nigsch (Linz):
Demokratiekompetenz
und Gouvernance
Respondent:
Ingolf Erler (Wien)
Der Vortrag befasst sich mit Möglichkeiten und Anforderungen
demokratischer Organisation. Er stellt die Frage nach den
dafür nötigen Kompetenzen angesichts der Paradoxien
der Demokratie im 21. Jahrhundert. Erörtert werden auch die
Bedingungen, die durch die neuen Herrschafts- und Machtstrukturen
(Gouvernance) sowie die umfassende gesellschaftliche Dominanz
marktorientierter Konzepte gesetzt werden.
Otto
Nigsch:
emertitierter Univ. Prof. für Soziologie
der Universität
Linz; Arbeitsschwerpunkte: Soziologische Theorie &
Bildungssoziologie.
Ingolf
Erler:
Soziologe und Journalist. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung
(ÖIEB)
in Wien. Herausgeber des Buches ”Keine Chance für
Lisa
Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem” (Wien 2007).
Mittwoch,
28. November 2007, 18.30 Uhr
Astrid
Messerschmidt (Darmstadt):
Interkulturelle
Kompetenz: Infragestellungen und Perspektivenwechsel
Respondentin:
Agnieszka Dzierzbicka (Wien)
Interkulturelle
Kompetenz ist zu einer professionellen Anforderung in vielen Feldern
der Weiterbildung und der sozialen Arbeit geworden. Dabei verspricht
das Konzept Sicherheit im Umgang mit Verschiedenheit, indem Differenzen
kulturalisiert werden. Genau dieses Wissen über angebliche
kulturelle Identitäten ist fragwürdig geworden und
hat eine
Diskussion erzeugt, durch die soziale
Ungleichheitsverhältnisse in
Migrationsgesellschaften in den Blick gerückt worden sind.
Erfahrungen von Diskriminierung und Prozesse des Fremdwerdens erfordern
selbstkritische Konzeptionen interkultureller Kompetenz. Der Vortrag
skizziert diesen Perspektivenwechsel und diskutiert einen
Kompetenzbegriff, der offen bleibt für Verunsicherungen.
Astrid
Messerschmidt: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für
Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der
Technischen
Universität Darmstadt.
Forschungsschwerpunkte: Interkulturelle Kompetenz,
Antisemitismusforschung, Bildungstheorien.
Agnieszka
Dzierzbicka: Univ.-Assistentin am Institut für
Bildungswissenschaft der Universität Wien.
Habilitationsprojekt:
Aufnahmen einer anderen Bildung. Vom Untergrund zur Open University.
Montag,
10.
Dezember
2007,
18.30 Uhr
Stefan
Vater (Linz):
Die
„fabbrica diffusa“ - Wissen und Kompetenz unter
Bedingungen des Postfordismus
Respondentin:
Heidelinde Hammer (Wien)
Trotz der
euphorischen Proklamation der "Wissensgesellschaft" (und deren
unbegrenzten Möglichkeiten) können Wissen und
Kompetenz
längst nicht mehr nur als ermächtigend verstanden
werden.
Gefragt wird, inwiefern Wissen und Kompetenz auch
unterdrücken,
selektieren und verbunden sind mit fragwürdigen Regimen der
Wahrheit.
Stefan
Vater:
Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für
Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und
der
Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des
Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung
Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at).
Publikationen (u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie
der Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main
2003.
Heidelinde
Hammer: Dr.in,
Mitarbeiterin
bei Knowledgebase Erwachsenenbildung, Modul Akademische
Forschungsarbeiten.
ACHTUNG:
Der ursprünglich für Donnerstag, den 17. Jänner 2008, angekündigte Vortrag muss leider verschoben werden:
Montag, 21. Jänner 2008, 19.00 Uhr, DEPOT (Breite Gasse 3, 1070 Wien)
Micha
Brumlik (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Bildung
und Glück
Respondent:
Wolfgang Kellner (Ring Österreichischer Bildungswerke)
Mit dem Titel „Bildung und
Glück“ wird ein Thema
angeschnitten, das über ein rein sozialpolitisches
Verständnis von Bildung als
gerechter Verteilung eines wichtigen gesellschaftlichen Guts hinausgeht
und das
auch weiter fragt als nur danach, ob eine bestimmte Ausbildung das
Ergreifen
eines späteren Berufs erleichtert oder nicht. Im Anschluss an
die antike
Philosophie soll vielmehr der Frage nachgegangen werden, ob
„Bildung“ nicht
jene Größe ist, die die notwendige Bedingung eines
guten und – gegebenenfalls –
auch eines geglückten Lebens sein kann. Ist Wissen Macht, oder
kann man über Wilhelm
Liebknechts berühmtes Diktum hinaus sagen, dass Bildung auch
Glück ist?
Micha
Brumlik:
Univ. Prof. am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft
der
Johann Wolfgang Goethe-Universität in
Frankfurt/Main. Daneben leitete er von Oktober 2000
bis
2005 als Direktor das Fritz Bauer Institut, Studien- und
Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in
Frankfurt am Main. Forschungsschwerpunkte:
Theorie
der Erziehung und Bildung,
Pädagogik, Ethik, Theorie und Empirie moralischer
Sozialisation sowie Religionsphilosophie.
Wolfgang
Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring
Österreichischer Bildungswerke.
Konzept und Organisation:
Wolfgang
Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring
Österreichischer Bildungswerke.
Klaus
Ratschiller: Lektor für Philosophie, freier Schriftsteller.
Stefan
Vater:
Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für
Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und
der
Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des
Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung
Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at).
Publikationen (u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie
der Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main
2003.
Workshop
Bildungstheorie: Der Jour fixe Bildungstheorie bietet als
Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden den
dreistündigen Workshop Bildungstheorie an (Anmeldung
erforderlich). Informationen/Anmeldung beim Ring
Österreichischer
Bildungswerke: Tel.: 01 533 88 83, http://members.telering.at/bildungswerke
Die fünf Veranstaltungen zusammen sind als Seminar Bildungstheorie
bei der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at)
akkreditierbar. Termin in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.
Die Veranstaltungsreihe wird gefördert von:

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http://www.erwachsenenbildung.at
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Hans Kelsen und die
Europäische Union
Erörterungen
moderner Staatlichkeit
Konzept
und Organisation: Tamara Ehs
Die
Europäische Union ist angesichts der Vertiefung des
Integrationsprojekts auf der Suche nach dem „Herz“
bzw. der
„Seele“ Europas, nach einer Identität, ja
Ideologie,
als kultureller Einheit und Wertegemeinschaft, die dem Projekt
Legitimation verschaffen soll. Dabei wird gerne auf Symbole und
Begrifflichkeiten des klassischen Nationalstaats
zurückgegriffen
und die Kulturnation im Sinne Herders und Fichtes für das 21.
Jahrhundert adaptiert – bislang ohne Erfolg. Denn diese Denk-
und
Handlungsmuster sind für die EU, die vielmehr Netzwerk und
Medium
denn Nationalstaat ist, nicht geeignet.
Es
lohnt daher,
mit der Staats- und Demokratietheorie Hans Kelsens einen Blick auf die
gegenwärtige europäische Seelensuche zu werfen. Denn
Kelsens
hochmoderne – da pluralistisch begründete
–
Staatstheorie, die vor dem Hintergrund eines ethnisch, sprachlich,
kulturell und religiös heterogenen politischen Gemeinwesens,
der
Habsburgermonarchie, konzipiert worden ist, gewinnt angesichts der
Europäischen Union wieder an Bedeutung. Bei Kelsen basiert das
Staatswesen nicht auf Ethnie, Kultur oder gar einer Seele, ist also
nicht metaphysisch überhöht, sondern gründet
einzig auf
der Rechtsgemeinschaft der Normunterworfenen: Staat (als Recht) und
Nation (als kulturell-ethnische imagined community) werden entkoppelt.
Darin liegt ebenso die Aktualität der Kelsen‘schen
Lehre wie
in der wertfreien, herz- und gottlosen Definition von politisch
verfassten Entitäten und der Gleichsetzung von Recht und Staat.
Donnerstag,
29. November 2007, 18.30 Uhr
Hauke
Brunkhorst (Flensburg):
Hans
Kelsen als Theoretiker der Völkerrechtsrevolution des 20.
Jahrhunderts
Kelsens
Werk
und insbesondere seine völkerrechtlichen Schriften stehen in
engem
Zusammenhang mit der Umwälzung des europäischen
Rechts und
Völkerrechts infolge zweier Weltkriege. Die politische
Bedeutung
Kelsens und der Kelsen-Schule erschließt sich erst aus diesem
Kontext der europäischen und globalen Rechtsrevolution des 20.
Jahrhunderts, aus der schließlich auch die
Europäische Union
hervorgegangen ist.
Hauke
Brunkhorst: Studium der Dt. Literaturwissenschaft, Philosophie,
Erziehungswissenschaft und Soziologie in Kiel, Freiburg und Frankfurt,
1982 Habilitation Erziehungswissenschaft, 1985 Habilitation Soziologie,
seit 1997 Professor für Soziologie an der Universität
in Flensburg, 2005 Research Fellow am Maison des Sciences de
l’Homme Paris. Jüngste Publikation (mit
Rüdiger Voigt): Verrechtlichung der
Souveränität. Hans Kelsens Rechts- und
Staatsverständnis (Baden-Baden: Nomos).
Am Mittwoch, den 28. November 2007, 19.00 Uhr, hält Hauke Brunkhorst am Renner Institut den Vortrag:
Die rächende Gewalt der kommunikativen Vernunft – der Paradigmenwechsel
in der Gesellschaftstheorie.
http://www.renner-institut.at/veranst/aktuell.htm
Donnerstag,
13. Dezember, 18.30 Uhr
Thomas
Olechowski (Wien):
Über
Wert und Unwert von Verfassungspräambeln
Die
Arbeiten
am EU-Verfassungsvertrag haben die unterschiedlichen
Verfassungsverständnisse der europäischen Staaten
aufgezeigt.
Insbesondere in Staaten mit ausgeprägtem
Nationalgefühl hat
die Verfassung stets mehr als bloß juristische Bedeutung; sie
trägt auch wesentlich zur Identitätsbildung bei,
woraus sich
das Vorhandensein nicht-normativer Elemente wie Präambeln
erklärt. Die Rechtslehre Hans Kelsens, des Mitgestalters der
österreichischen Verfassung, hat wesentlich dazu beigetragen,
dass
die österreichische Bundesverfassung keine derartige
Präambel
und auch sonst kaum nicht-normative Elemente enthält. Besitzt
das
Kelsensche Verfassungsverständnis im 21. Jahrhundert noch
Gültigkeit? Hat es gar angesichts des an die Stelle der
gescheiterten EU-Verfassung tretenden Reformvertrages mehr
Aktualität denn je?
Thomas
Olechowski: ao. Univ.-Prof. an der Juridischen Fakultät der
Universität Wien, Prof. für Staats- und
Rechtsgeschichte an der Bratislavská Vysoká Skola
Práva, 1998 Alfons Tropper-Preis der Akademie der
Wissenschaften, 2000-01 Mitarbeit in der Österr.
Historikerkommission, 2003 Habilitation, zurzeit Arbeit am FWF-Projekt
"Biographische Untersuchungen zu Hans Kelsen".
Donnerstag,
10. Jänner, 18.30 Uhr
Lars
Vinx (Ankara):
Kelsens
Identitätsthese und das Problem der Rechtstaatlichkeit
Kelsens
These
der Identität von Staat und Recht scheint eine scharfe
Trennung
zwischen Reiner Rechtslehre und jeder normativen Theorie der
Rechtstaatlichkeit zu implizieren. Wenn jeder Staat mit begrifflicher
Notwendigkeit ein Rechtsstaat ist, kann das Prädikat der
Rechtstaatlichkeit scheinbar nichts mehr zur Unterscheidung von
legitimer und illegitimer politischer Gewalt beitragen. Der Vortrag
versucht zu zeigen, dass dieser Eindruck täuscht. Kelsens
Identitätsthese kann als integraler Bestandteil einer Theorie
politischer Legitimität verstanden werden, die alle
staatlichen
Organe auf ein Ideal größtmöglicher
Legalität
verpflichtet.
Lars
Vinx: Assistant Professor am Institut für Philosophie der
Bilkent Universität (Ankara). Er arbeitet in der politischen
Philosophie, der Rechtsphilosophie und der politischen Ideengeschichte.
Lars Vinx studierte Geschichte, Philosophie sowie politische
Wissenschaft in Heidelberg und promovierte 2006 am Department of
Philosophy der Universität Toronto mit einer Arbeit
über Hans Kelsen. Im akademischen Jahr 2006-2007 war er Max
Weber Fellow am European University Institute (Florenz).
Konzept
und Organisation:
Tamara
Ehs: Studium der Politik-, Kommunikations- und Rechtswissenschaften an
der Universität Wien mit Studienaufenthalten an der
Universität Oxford, der LSE und der Sciences Po Lille, 2005
Promotion, 2006 Theodor Körner-Preis, 2006 Preis der Dr. Maria
Schaumayer-Stiftung, derzeit Politikwissenschafterin an der
Universität Wien. Jüngste Publikation: Hans Kelsen
und politische Bildung im modernen Staat (Wien: Manz).
Die Vortragsreihe wird
unterstützt von:

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Geistiges
Eigentum
Konzeption
und
Organisation: Odin Kröger
Diese
Veranstaltungsreihe findet im Depot (Breite
Gasse 3, 1070 Wien) statt, die Vorträge beginnen um 19.00.
Die
Diskussion um geistiges Eigentum dreht sich meistens um dessen
Legitimität. Will man die Dynamik gesellschaftlicher
Veränderungen im Bereich des geistigen Eigentums eingehender
analysieren, sollte aber auch der zugrunde liegende Eigentumsbegriff
schärfer unter die Lupe genommen werden. Geistiges Eigentum
unterläuft die traditionelle Trennung zwischen Geist und Ding
bzw.
zwischen Eigentum-Haben und Eigentum-Sein und damit Grundlagen der im
deutschen Sprachraum maßgeblichen Eigentumstheorie. Auf der
einen
Seite dehnt sich die Eigentumsordnung also in die geistige
Sphäre.
Auf der anderen Seite lässt die „digitale
Revolution“
es fraglich erscheinen, ob geistiges Eigentum überhaupt noch
haltbar ist; dem entsprechend wird gern das gesellschaftskritische
Potential der Freien-Software- und der Open-Access-Bewegung betont,
ohne dabei aber ausreichend die kapitalistischen Rahmenbedingungen
dieser Wissensproduktion zu reflektieren. Die Vorträge dieses
Semesters versuchen am Beispiel aktueller Probleme im Bereich der
Immaterialgüter (Biopatente, Software etc.)
grundsätzliche
Fragen geistigen Eigentums zu klären.
Montag,
26. November 2007, 19.00 Uhr, Depot
Ulrich
Brand (Wien):
Wem
gehört die Natur? – Biopiraterie und die Konflikte
um geistiges Eigentum
Konflikte
um
biologische Vielfalt und insbesondere ihre vererbbaren Eigenschaften
(die genetischen Ressourcen) sind in den letzten 20 Jahren immer
sichtbarer geworden. Zum einen schreitet die Erosion der biologischen
Vielfalt dramatisch voran und betrifft vor allem die Landwirtschaft.
Zum anderen gelten die genetischen Ressourcen als wichtiger Rohstoff
für die Agrar-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Manche
bezeichnen
das „grüne Gold der Gene“ als
„Erdöl des
21. Jahrhunderts“. Transnationale Unternehmen und
Forschungsinstitute werden etwa der „Biopiraterie“
bezichtigt.
In dem Vortrag geht es um die Konflikte der Aneignung biologischer
Vielfalt in einer zentralen Frage, nämlich den geistigen
Eigentumsrechten. Die Bandbreite der politischen Vorschläge
verläuft von der Patentierung der Vielfalt und der aus ihr
gewonnenen Produkte hin zu ihrer Behandlung als globales Gemeingut.
Anhand von Beispielen werden die Konflikte dargestellt und analysiert
sowie die Frage nach einer demokratischen
Biodiversitätspolitik
gestellt.
Ulrich
Brand: Professor am Institut für
Politikwissenschaft der Universität Wien und forscht
u.a. zu Biopatenten.
Montag,
17. Dezember 2007, 19.00 Uhr, Depot:
Sabine
Nuss (Berlin):
Copy
me – I want to travel
„Copy
me – I want to travel“ so lautet der Titel eines
Songs von
Bernadette La Hengst. In ihm ruft „die Idee“ dazu
auf, die
Leute mögen sie kopieren, sie sei kollektiv und
möchte gerne
reisen… Das Lied ist künstlerischer Ausdruck
gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um geistiges Eigentum, durch
dessen Formierung bislang noch nicht durch die Warenform organisierte
Sphären dem Eigentumsregime unterworfen werden. Im Vortrag
soll
die theoretische Grundlegung geistigen Eigentums, die in den aktuellen
Debatten meist stillschweigend vorausgesetzt bzw. naturalisiert wird,
analysiert werden. Auf dieser Grundlage sollen in der Folge
häufig
aufgeworfene Fragen diskutieren werden: Ist geistiges Eigentum durch
den technischen Fortschritt gefährdet? Sind alternative
Produktionsweisen wie Freie Software oder Open Access die
(Wissens)Produktionsweisen der Zukunft und weisen gar über
herrschende Verhältnisse hinaus? Wie reproduzieren sich
„WissensarbeiterInnen“ angesichts solcher
Produktionsweisen?
Sabine
Nuss: wissenschaftliche Mitarbeiterin der
Rosa-Luxemburg-Stiftung. Publikation u.a.: Copyright &
Copyriot. Aneignungskonflikte
um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus
(Münster 2006)
Dienstag,
15. Jänner 2007, 19.00 Uhr, Depot
Christian
Schmidt (Leipzig):
Der
produzierte Geist
Der
Vortrag
versucht zwei Fragen, die das Feld der aktuellen Auseinandersetzungen
um geistiges Eigentum bestimmen, zu beantworten. Zum einen: Ist
geistiges Eigentum überhaupt möglich, d.h.
lässt sich
eine im Umgang mit Dingen entwickelte soziale Praxis wie Eigentum
überhaupt anders als bloß metaphorisch auf die
Ergebnisse
geistiger Tätigkeit übertragen? Und zum anderen: Ist
geistiges Eigentum eine notwendige Konsequenz der ökonomischen
Entwicklung in der Gegenwart?
Schmidt,
Christian: Dr., Sächsische Akademie der
Wissenschaften zu Leipzig. Publikation u.a.: Individualität
und Eigentum. Zur
Rekonstruktion zweier Grundbegriffe der Moderne (Frankfurt am Main 2006)
Konzeption
und
Organisation:
Odin
Kröger: studiert Philosophie mit Schwerpunkt politische
Theorie und Medientheorie
und schreibt zur Zeit an seiner Diplomarbeit zu geistigem Eigentum.
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Produktivität
Konzept
und Organisation: Manfred Füllsack
Produktivität
fungiert
als zentrale Erwartung unserer wirtschaftlichen Aktivitäten.
Darüber hinaus
scheint sie heute aber auch Lebens- und Tätigkeitsbereiche zu
orientieren, an
die wir ökonomische Maßstäbe in der Regel
nur mit Unbehagen anlegen.
Zwischenmenschliche Beziehungen etwa, aber auch Kunst, Erziehung,
Wissenschaft
oder das Verhältnis zu unserer Umwelt, betrachten wir in der
Regel als
unzureichend erklärt, wenn sie mittels Output/Input-Relationen
erfasst und an
ihrer Verwertbarkeit oder Anwendbarkeit gemessen werden. Trotzdem
boomen
wissenschaftliche Bemühungen, auch solche
Zusammenhänge noch im Hinblick auf
ihre „subjectively expected utility“, ihre
„evolutionären Vorteile“, ihre
„bounded rationality“, ihre „situative
Logik“ zu erfassen. Und zum anderen zwingt
in den zunehmend dem globalen Wettkampf ausgesetzten Nationalstaaten
auch die
Politik dazu, selbst noch Lebenszusammenhänge, die ihren Sinn
eigentlich erst
jenseits ökonomischer Kriterien finden, mit
Verwertbarkeitsimperativen zu
überziehen.
Vor diesem Hintergrund wird
sich die Vortragsreihe den wissenschaftlichen und politischen
Spannungen
zwischen Ökonomisierung und Nicht-Ökonomisierbarkeit,
also den Bedingungen der
Möglichkeit des Produktivitätskriteriums, widmen und
von daher insbesondere
jene „Randbereiche“ zu thematisieren suchen, in
denen dieses an seine Grenzen
zu stoßen scheint.
Donnerstag, 18. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Fritz Betz (Eisenstadt / Wien):
Stigma und
Produktivität
In
letzter Zeit treten in leistungsorientierten
medialen Inszenierungen wie etwa „Reality Shows“
vermehrt Menschen mit
körperlichen Handicaps, nach Goffman sogenannte
„Stigmatisierte“ auf. Die
ProduzentInnen und TeilnehmerInnen dieser massenmedialen Formate
verbinden
damit den Anspruch, in der Interaktion zwischen Stigmatisierten und
Nicht-Stigmatisierten emanzipatorische Images zu schaffen, die sich
gegen
traditionelle paternalistische Denkfiguren wenden. Handelt es sich
dabei
tatsächlich um Strategien sozialer Inklusion? Wenn ja, um
welchen Preis? Und:
Was ist die Botschaft, die dabei an das Publikum der mehrheitlich und
vermeintlich Nicht-Behinderten geht? Der Vortrag versucht, Thesen zu
diesen
Fragen zu entwickeln, und wird sich dabei an Goffmans Arbeiten zum
„Stigma“, an
Foucaults Analyse moderner Disziplinarmechanismen sowie an Theorien
orientieren, die technischen Artefakten (dabei vor allem
Medientechnologien)
grundsätzlich die Funktion von „Prothesen“
zuschreiben (Freud, McLuhan, Stone).
Fritz Betz,
Prof. (FH), Dr. phil., Mag. rer. soc. oec. Kultur- und
Mediensoziologe, ist Hochschullehrer am FH-Studiengang
Informationsberufe/Angewandtes Wissensmanagement in Eisenstadt und
Lektor an der Universität Wien. Arbeitsgebiete:
Subjektivität
im Postfordismus, Historische Anthropologie der Medien, Semiologie und
Diskursanalyse, Informationsethik. Zuletzt erschienen: Kühle
Geborgenheit durch Evidenz. Zur Produktion von Wissen und Sicherheit im
Forensic TV, in: xing 04/06; eGovernment und eGovernmentality in
Österreich, in: proceedings der 1.Österr.
FH-Forschungskonferenz 2007.
Donnerstag, 8. November 2007, 18.30 Uhr
Ulrike Mühlberger (Wien):
Atypischen
Beschäftigungsverhältnisse und ihre
Produktivität
Empirische
Forschungen
zeigen, dass unternehmerische Praktiken der Flexibilisierung von
Arbeitsbedingungen
und des Outsourcing ganzer Tätigkeitsbereiche zunehmen. Ein
wachsender Teil der
Outsourcingaktivitäten basiert auf
Verträgen, bei denen die ausgelagerte
Arbeitskraft einerseits ökonomisch abhängig ist von
der auslagernden Firma und
andererseits in hierarchischer Subordination zu ihr steht. Warum fragen
Unternehmen diese Art von Arbeit nach? Worin liegen die
Motivationsgründe der
Arbeitskräfte? Durch welche formalen und informalen
Mechanismen entstehen
Abhängigkeiten und Kontrolle?
Mühlberger,
Ulrike: DDr.in ist
Universitätsassistentin an der WU Wien,
Abteilung für
Arbeitsmarkttheorie und -politik. Doktoratsstudien der Volkswirtschaft
und der
Sozial- und Politikwissenschaften an der WU Wien und dem European
University
Institute in Florenz. Publikation
u.a.: „Dependent Self-employment. Workers on the Border
between Employment and
Self-employment', Palgrave/Macmillan.
Donnerstag,
22. November 2007, 18.30 Uhr
Paul
Kellermann (Klagenfurt)
Bedürfnis
– Arbeit – Geld
Alles,
was
Menschen zur Sicherung ihres Lebens brauchen, müssen sie sich
erarbeiten. Allein, die Entsprechung von Bedürfnissen und
Arbeitsvermögen ist durch Geld ideologisch unterbrochen. Dass
Millionen von Menschen in Not leben, scheint Folge der politischen
Unfähigkeit, gesellschaftlich erforderliche Arbeit
zielführend zu organisieren.
Der Vortrag wird der Vermutung nachgehen, dass die Politik die
Funktionen von Geld auf Kosten wachsender Bevölkerungskreise
falsch wahrnimmt. Statt die symbolische Bedeutung von Geld für
Leistungsanspruch und Leistungsversprechen konsequent zur
gesellschaftlichen Organisation von erforderlicher Arbeit zu nutzen,
wird Geld als unmittelbare Leistung missverstanden. Doch Geld stillt
keine Lebensbedürfnisse – es lässt sich
nicht essen; es
heilt auch keine Wunden, weder in Gesellschaft, noch in Natur.
Paul Kellermann: em. Univ.-Prof. Dr.oec.publ. Dipl.-Soziol., war
Vorstand des Instituts für Soziologie an der
Universität
für Bildungswissenschaften in Klagenfurt mit den Fachgebieten:
Hochschulforschung, Arbeitsvermögen, -mittel, -organisation;
Bedarf, Leistung, Geld und Allgemeine Soziologie. Zuletzt erschienen:
Geld und Gesellschaft. Interdisziplinäre Perspektiven,
Wiesbaden
2006; Arbeit, Humankapital und Wirtschaftspolitik. Berlin 2006.
Donnerstag,
6. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Peter Stamer (Wien):
Was ist produktiv an Art
laboratories?
Während
die
Ästhetik sich mit der Frage beschäftigt, wie sie das
nicht-diskursiv Vorliegende der Kunst diskursiv fassen, es in Sprache
übersetzen kann und damit notwendig die Kunstpraxis als das
dem
Diskurs Andere definiert, versucht das Art laboratory dieses Unsagbare
der Kunst für den wissenschaftlichen Forschungsprozess
einerseits
und für künstlerische Produktivität
andererseits
fruchtbar zumachen und in die eigene Diskurspraxis zu integrieren.
Nach etwa zehn-jähriger Konjunktur dieses Formats in der
zeitgenössischen Kunst wird der Beitrag versuchen, die
Grundbedingungen des Art laboratory historisch aufzuarbeiten und seine
Produktivität in Kunst und Wissenschaft zu
überprüfen.
Peter
Stamer arbeitet als Dramaturg und Autor im Bereich
zeitgenössischer Tanz und Performance. Organisator zahlreicher
Art
laboratories und Performancies.
Donnerstag,
31. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Wolfgang Pircher (Wien):
Das Janusgesicht der
Produktion
Ausgehend
von den sachlichen Erfordernissen haben Ingenieure eine
Ökonomie
entwickelt, die sie für rational halten, während
ihnen die
monetär bestimmte Ökonomie als irrational erscheint.
Umgekehrt halten Ökonomen diese Rationalität
für ein
Verkennen wesentlicher Tatbestände und verdächtigen
sie nicht
selten einer Neigung zur Planwirtschaft. Tatsächlich scheint
eine
auf den Markt fixierte ökonomische Theorie die besonderen
Probleme
der Produktion im Kapitalismus eher auszublenden und sie
Managementwissenschaften zuzuwenden. Am Beispiel von Operational
Research und Kybernetik lassen sich die wechselseitig blinden Flecken
ein wenig aufhellen.
Wolfgang
Pircher ist a.o. Professor am Institut für
Philosophie der Universität Wien
Konzept und Organisation:
Manfred
Füllsack:
Univ.
Doz., Sozialwissenschafter an der Universität Wien.
Forschungsgebiet: epistemologische, historische und soziale Bedingungen
von
Arbeit und Wissen; Publikationen u.a.: Zuviel Wissen? Zur
Wertschätzung von
Arbeit und Wissen in der Moderne (Berlin 2006); Auf- und
Abklärung. Grundlegung
einer Ökonomie gesellschaftlicher
Problemlösungskapazitäten. (Aachen 2003);
Leben ohne zu arbeiten? Zur Sozialtheorie des Grundeinkommens (Berlin
2002).
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Sabine
Forschung,
Technologie und
Gesellschaft in
Österreich
Schwerpunkt:
Forschung abseits des Mainstream
Konzept und Organisation:
Norbert Rozsenich, Johann Dvořák
Gemeinsame Veranstaltung mit der
Österreichischen
Gesellschaft für
Technologiepolitik
Im Sommersemester 2007 standen vier Vorträge am Programm,
deren
Themenstellungen nicht ganz im Mainstream der universitären
Forschung lagen, aber dennoch gesellschaftspolitisch wichtige Fragen
der Anwendung von Wissenschaft und Technologie behandelten. Die
Vortragsreihe wird im Wintersemester mit vier Referenten fortgesetzt,
die sich in unterschiedlichen Phasen ihrer wissenschaftlichen und
beruflichen Laufbahn auch mit unkonventionellen methodischen
Ansätzen in der Erkenntnis- und/oder Ergebnis-orientierten
Forschung beschäftigt haben. Sie werden in ihren
Vorträgen
auf die Auswirkungen wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und
technischer Entwicklungen auf den Menschen, die Umwelt und die
Gesellschaft eingehen.
Dienstag, 16. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Hannes Werthner (Wien):
Computer Science - Web
Science - Service Science
Der Vortrag befasst sich – auch in historischer
Perspektive – mit der Informatik und der
Wirtschaftsinformatik.
Er analysiert sie als Basis und Motor der Informationsgesellschaft,
etwa im Hinblick auf das Wachstum im Bereich des E-Commerce.
Außerdem werden aktuelle Entwicklungen erörtert, die
in
Richtung Web Science und Service Science führen.
Hannes
Werthner: Informatiker, Schrödinger Stipendiat, Professor
für
E-Commerce an der TU Wien, vorher an der Uni Innsbruck, der Uni Trento
und der WU Wien, Gastprofessor and der Uni Surrey (UK),
Gründer
des EZ3-Kompetenztentrums für E-Commerce in Wien, Mitglied der
IST
Advisory Group der EU
Dienstag,
20. November 2007, 18.30 Uhr
Joachim Krenn (Graz):
Nano, Pico, Femto
– Hype und Wirklichkeit
Dass
Nanotechnologie wichtig ist, darüber herrscht zumeist noch
Konsens. Aber an der Frage was Nanotechnologie denn eigentlich sei,
daran scheiden sich bereits die Geister. Der Vortrag bietet einen
Streifzug durch die Welt des Kleinen und befasst sich mit der Frage, ob
man sich in einem „modischen“ Forschungsfeld auch
abseits
des Mainstream bewegen kann.
Joachim
Krenn:
Physiker mit den Schwerpunkten Nanooptik und organische Materialien,
Ao. Univ.Prof. für Experimentalphysik an der Karl Franzens
Universität in Graz und Leiter des Joanneum Research Instituts
Nanostrukturierte Materialien und Photonik in Weiz
Dienstag,
11. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Peter Weish (Wien):
Zur Frage der
Wertfreiheit von Wissenschaft und Technik
Ausgehend
von
dem Begriff der Wertfreiheit nach Max Weber wird argumentiert, dass die
Wertrationalität anders als noch vor einigen Jahrzehnten nicht
mehr außerhalb der empirischen Wissenschaften liegt. Der
ethische
Grundkonsens einer zukunftsfähigen Entwicklung bildet auch die
Basis für die Bewertung von Technik.
Peter Weish:
Studium Zoologie, Chemie, Physik, Promotion Uni Wien 1966. Univ. Doz.,
seit Ende
der Sechzigerjahre Beschäftigung mit Fragen von Umwelt und
Energie. Engagiert in der Ökologiebewegung, z.B.
Österreichischer Naturschutzbund, Forum Wissenschaft und
Umwelt,
Ökobüro. Lehraufträge für
Humanökologie
und Umweltethik an der BOKU und Uni. Wien.
Dienstag,
22. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Fritz Paschke (Wien):
Dissipationsfreies Modell
zur Berechnung planetarer Magnetfelder
Das
herkömmliche „Dynamomodell“ wird
analysiert und als
Alternative wird ein "Zwiebelmodell" vorgestellt, in dem durch den
hohen Gravitationsdruck Ladungsschalen mit Dicken in der
Größe der Debye-Distanz entstehen, die bei Rotation
dissipationsfrei Magnetfelder produzieren – die
Modellrechnung
liefert für alle Planeten und für den Dipolanteil der
Sonne
Werte in der richtigen Größenordnung.
Fritz Paschke:
Nachrichtentechniker, 1956-61 Radio Corporation of America (Princeton,
N.J., USA), 1961-66 Siemens AG (München), seit 1965 Professor
für Allgemeine Elektrotechnik an der TU Wien, diverse
akademische
Funktionen (Dekan, Rektor), Mitglied der ÖAW,
Mitbegründer
der Management Trust Holding AG (Wien)
Konzept und Organisation:
Johann
Dvořák: Dr.,
Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut
für Politikwissenschaft der Universität Wien,
Präsident des IWK.
Norbert Rozsenich:
Dr., Mathematiker, Lehrbeauftragter an der Universität Wien,
Ehrensenator der TU Wien, von 1984 bis 2002 Forschungs-, bzw.
Technologie-Sektionschef im BMWF und BMVIT, derzeit Präsident
der
Österr. Gesellschaft für Automatisierungs- und
Robotertechnik
und der Österr. Gesellschaft für Technologiepolitik
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Studien zur
ArbeiterInnenbewegung
Schwerpunkt: Umrisse einer nicht-kapitalistischen Ökonomie
Konzept und Koordination: Paul Habr /
Peter
Ulrich Lehner (Redaktion der Zeitschrift "mitbestimmung")
Kapitalanhäufung und Gewinnerzielung in privaten Formen auf
Grundlage gesellschaftlicher Arbeit und durch marktwirtschaftliche
Vermittlung kennzeichnen den Grundsachverhalt des Kapitalismus. Er
beruht auf einem Herrschafts- und Machtverhältnis. Das daraus
folgende „Wertgesetz“ wird über den Markt
und unter
Zuhilfenahme herrschaftlich organisierter gesellschaftlicher
Einrichtungen (Familie, Schule, Betrieb, staatliche Verwaltung,
politische Einrichtungen, Massenmedien) durchgesetzt.
Individualistische Durchbrechungen dieses
„Wertgesetzes“
durch Bettelei, Diebstahl, Raub und Einbruch finden zuweilen ihren
Niederschlag in der massenmedialen Berichterstattung, kaum aber
politisch angestrebte gesellschaftlich organisierte Versuche zu seiner
Außerkraftsetzung oder Überwindung.
Wie begegnen gesellschaftlich orientierte Initiativen dem
kapitalistischen „Wertgesetz“ durch
gebrauchswertgeleitete,
bedarfsdeckungsorientierte und selbstkostenbasierte Formen des
Wirtschaftens? Darüber diskutieren Theoretiker/innen und
Praktiker/innen der Arbeiter/innenbewegung mit Praktiker/inne/n und
Theoretiker/inne/n der Arbeiter/innenbewegung.
Dienstag, 2. Oktober, 18.30 Uhr
Tausch und
Unentgeltlichkeit
Gibt es einen „gerechten Tausch“? Welche Versuche
nicht-profitorientierter Tauschverhältnisse gab und gibt es?
Einleitungsreferate
von:
Stefanie
Grohmann (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung,
Kostnix-Laden)
Martin Haiderer (Wiener Tafel)
Walther Schütz (Kärntner Netzwerk gegen Armut und
soziale Ausgrenzung)
Gerhard Senft (WU Wien)
Dienstag, 6. November, 18.30 Uhr
Bedarfsdeckung und
Selbstkosten
Kennt das österreichische Gesellschaftsrecht
Organisationsformen
für nicht-gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen? Wie
entstand
die „Eigenvorsorge der armen Leute“?
Einleitungsreferate
von:
Helmut Gahleitner (Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)
Dienstag, 4. Dezember, 18.30 Uhr
Solidar- und
ArbeiterInnenökonomie
Statt der jugoslawischen Arbeiterselbstverwaltung und verwandten
Modellen in Frankreich, England und Spanien aus dem 20. Jahrhundert
erregen heute Betriebsübernahmen und partizipative Budgets in
Lateinamerika die Aufmerksamkeit alternativer Strömungen in
Europa.
Einleitungsreferate von:
Markus Auinger (Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik)
Hermann Dworczak (Sozialistische Alternative)
Emanuel Tomaselli (Der Funke, FSG-Zorn)
Dienstag, 8. Jänner, 18.30 Uhr
Überschuss und
Gesellschaft
Auch nicht-kapitalistische Unternehmen erwirtschaften
Überschüsse. Ihre Verteilung erfolgt aber nach
anderen
Prioritäten und durch andere Mechanismen.
Einleitungsreferate von:
Christian Fölzer (Schienen Controll)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)
Markus Auinger: Sozial- und Wirtschaftswissenschafter, Mitglied des
Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik.
Hermann Dworczak: Gesellschaftswissenschafter, Vorsitzender der
Sozialistischen Alternative, Wien.
Christian Fölzer: Wirtschaftswissenschafter, Mitarbeiter der
Schienen Control.
Helmut Gahleitner: Wirtschaftspädagoge, Mitarbeiter der
Abteilung Wirtschaftspolitik der Wiener Arbeiterkammer, Wien
Stefanie Grohmann: Sozialarbeiterin, Mitglied der Gruppe Wertkritische
Emanzipatorische Gegenbewegung (WEG) und Mitarbeiterin des
Kostnix-Ladens, Wien
Paul Habr:
Magistratsbeamter, Peronalvertreter.
Martin Haiderer: Mag., DSA, Referent für Sozialpolitik,
Sozialarbeiter, Philosoph, Coach, Gründer und
Geschäftsführer der Wiener Tafel
Peter Ulrich Lehner, ehemaliger Grundlagenforscher in einem
gemeinwirtschaftlichen Dienstleistungesunternehmen,
Geschäftsführender Redakteur der mitbestimmung, Wien.
Walther Schütz: studierte Geschichte und Geographie,
Mitarbeiter
des Kärntner Netzwerks gegen Armut und soziale Ausgrenzung,
Villach.
Gerhard Senft: Wirtschaftswissenschafter,
Universitätsprofessor, Wien
Emanuel Tomaselli: Geschichtswissenschafter, Baufacharbeiter,
Mitarbeiter der Zeitschrift Der Funke und bei FSG-Zorn,
Wien/Röns.
Die
Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im
Oktober
1986 regelmäßig in der „mitbestimmung.
zeitschrift
für demokratisierung der arbeitswelt“
veröffentlicht.
Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für
Wissenschaft und Kunst auf.
Die
Seminarreihe wird unterstützt von:

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Psyche
– Körper
– Gesellschaft
Schwerpunkt: Wahn
Konzept und
Organisation: Ulrike Kadi, Gerhard Unterthurner
Was
meinen wir,
wenn wir von Wahn sprechen? Ist es der Kontext des Nichtverstehens, der
den Wahn zu einem Wahn werden lässt? Gerät das
Sprechen
angesichts des Wahns an seine eigenen Grenzen? Sind es in erster Linie
Störungen auf Neurotransmitterebene, die eine
Überzeugung ins
Wahnhafte abgleiten lassen? Spiegelt sich im Wahn eine
gestörte
Beziehung zwischen einem Individuum und einer Gruppe wider? Oder ist
der Wahn als jenes imaginäre und daher auch
täuschende Moment
anzusehen, das all unseren ernsthaften Überzeugungen und
ästhetischen Produktionen zugrunde liegt? In diesem Semester
geht
es in der Vortragsreihe um psychoanalytische, philosophische,
gesellschaftskritische und medienwissenschaftliche Zugänge zum
Wahn.
Mittwoch,
31. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Alice
Pechriggl (Klagenfurt):
Der
Ab/grund der Ordnung und der Wahn
Der
Wahn
durchdringt, zu gesellschaftlicher Bedeutung geworden, unsere
„Normalität“ in ihren
„Grundfesten“. Und
doch ist er – als spezifische und
„private“, also je
eigene Angstabwehr – pathologisch zu begreifen: im Sinne
eines
Leidens (und zugleich einer Leidenschaft) radikaler Ausgeschlossenheit
aus dem common sense. Diese Ausgeschlossenheit umfasst sowohl den
Zerfall üblicher bzw. möglicher
Wunsch-Vorstellung-Affekt-Legierungen als auch die Zersetzung des
Denkens als bestimmender Verknüpfungstätigkeit. Die
These ist
nun, dass ein solcher akuter Wahn unsere zwanghaft-technizistisch
verfasste Gesellschaft besonders dort affiziert und mit Verfolgung und
subtiler Ausbeutung reagieren lässt, wo er relativ unmittelbar
auf
die weithin verleugnete, nicht begründbare Herkunft
gesellschaftlicher Ordnung verweist; auf die Imaginiertheit, die
Fiktionalität, aber auch auf die oftmals mit Gewalt verbundene
„Wahnhaftigkeit“, die im Zuge radikaler
Neuinstituierung
oder totaler Umordnung bzw. Krise der Gesellschaft auftaucht.
Alice Pechriggl: Studium der Philosophie, Politikwissenschaften und
Griechischen Altertumsgeschichte in Wien, Florenz und Paris; seit 2003
Universitätsprofessorin am Institut für Philosophie
der Universität Klagenfurt und seit 2006
Gruppenpsychoanalytikerin in Ausbildung unter Supervision.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Philosophie (v. a. griech.
Antike und 20. Jhd., Triebtheorie vor Freud), philosophische
Geschlechteranthropologie und Gruppen/psychoanalyse. Zuletzt
erschienen: Chiasmen. Antike Philosophie von Platon zu Sappho
– von Sappho zu uns, Transcript, Bielefeld 2006.
Mittwoch,
5. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Christoph
Weinberger (Wien):
There’s
someone in my head, but it’s not me
Realer
und simulierter Wahnsinn um 1800 und um1900
„Wahnsinn
ist eine Metapher von Techniken“: Diese pointierte Aussage
des
Medienwissenschaftlers Friedrich Kittler gilt es in meinem Vortrag
auszubuchstabieren. Zu rekonstruieren ist, wie „mediale
Dispositive“, also Netzwerke von Techniken und Institutionen,
in
zwei zentralen Modernisierungsschüben kolSabinelektive
Formen von
Phantasmen, Rauschzuständen und Wahnvorstellungen
hervorgebracht
haben. Anhand der „Aufschreibesysteme 1800/1900“,
dem die
Geisteswissenschaften revolutionierenden Hauptwerk Kittlers (1985),
soll gezeigt werden, wie die unbewussten Kräfte von medialen
Techniken Bewusstseinszustände und kulturelle Wirklichkeiten
überhaupt erst produzieren. Im Anschluss daran soll die Form
der
Kittlersch‘en Konzeption selbst problematisiert werden.
Christoph Weinberger: Mag. phil., studierte Publizistik und
Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Er
betreibt derzeit ein Doktoratsstudium im Fachbereich Philosophie an der
Universität Wien und ist Junior-Fellow am IFK. Diverse
Publikationen in österreichischen Tageszeitungen als Kultur-
und Wissenschaftsjournalist.
Achtung, dieser Termin entfällt!
Mittwoch, 23. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Bettina
Reiter (Wien):
Stimmen
hören – Wahn, Halluzination, Paranoia
Akustische
Fehlwahrnehmungen und ihre Interpretationen sind eines der
häufigsten Fundamente für Wahnentwicklungen. Der
Vortrag soll
die inneren Zusammenhänge der drei psychiatrischen Kategorien
Wahn, Halluzination und Paranoia anhand des Symptoms „Stimmen
hören“ entwickeln und dabei zugleich die
psychoanalytischen
Vorstellungen hierüber darstellen.
Bettina
Reiter: Dr.in med., Fachärztin
für Psychiatrie und
Neurologie, Psychoanalytikerin (WPV),
Geschäftsführerin der Akademie für
Ganzheitsmedizin. Herausgeberin der „Zeitschrift für
psychoanalytische Theorie und Praxis“ (Stroemfeld Verlag),
Mitherausgeberin von „Forschende Komplementärmedizin
– Wissenschaft, Praxis, Perspektiven“ (Karger
Verlag). Publikationen zu psychoanalytischen und
kulturwissenschaftlichen Themen. Im Erscheinen: Spaziergänge
mit Freud – psychoanalytische Beobachtungen, Edition
Steinbauer, 2007.
Freitag,
18. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Karl
Stockreiter (Wien):
Schrift
und Wahn
Die
Bedeutung
der Schrift als Modell zur Beschreibung des psychischen Apparates, zum
Verständnis des Gedächtnisses und zur Konzeption des
Unbewussten ist – durch Freud und nach ihm durch Lacan
–
unbestritten. Doch während der Einfluss des gesprochenen
Wortes
auf die Subjektgenese eingehend gewürdigt worden ist, blieb
die
Bedeutung der Aneignung der Schrift durch das Individuum weitgehend
vernachlässigt. In welchem Verhältnis steht die
Aneignung der
Schrift zum Ödipuskomplex? Und welche Rolle nimmt die Schrift
jenseits der symbolischen Kastration – im Wahn –
ein?
Karl Stockreiter: Univ.-Doz., Dr., Psychoanalytiker in freier Praxis in
Wien, Mitherausgeber der psychoanalytischen Quartalszeitschrift
„texte“; Mitglied der Neuen Wiener Lacan-Schule und
der Forschungsgruppe stuzzicadenti.
Konzept
und Organisation:
Ulrike Kadi: Dr.in med., Dr. phil., arbeitet als
Ärztin im
psychiatrischen Versorgungskrankenhaus und als externe Lehrbeauftragte
am Institut für Philosophie der Universität Wien.
Forschungsschwerpunkte: lacansche Psychoanalyse, Theorien des
Körpers, Sprachphilosophie. Für mehr Information
siehe: http://phaidon.philo.at/~kadi.
Unterthurner,
Gerhard: Dr. phil., Lehrbeauftragter am Institut für
Philosophie der Universität Wien, „freier“
Wissenschaftler, Lektor. Publikationen (u. a.): Hg. gem. mit Silvia
Stoller und Elisabeth Nemeth, Philosophie in Aktion. Demokratie
– Rassismus – Österreich, Wien 2000; Hg.
gem. mit Ulrike Kadi, sinn macht unbewusstes. unbewusstes macht sinn,
Würzburg 2005.
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Bearbeitung: 20.
September 2007
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