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Institut für Wissenschaft und Kunst

Seminar- und Vortragsreihen

im Wintersemester 2007/08


 


Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.
 


biografiA – Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung

Konzept und Organisation: Ilse Korotin

Im Rahmen dieser Vortragsreihe geben ExpertInnen aus unterschiedlichen frauenbiografischen Forschungsbereichen Einblick in ihre Arbeit, sprechen über die von ihnen bearbeiteten Felder und machen auf mögliche Forschungslücken aufmerksam machen.
Die Vortragsreihe steht in Zusammenhang mit dem Projekt ”biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen”, das 1998 vom bm:bwk beauftragt wurde. Es umfasst derzeit rund 12.000 frauenbiografische Datensätze, zahlreiche Einzelprojekte sowie eine eigene Schriftenreihe. Die multimodulare Dokumentations-, Vernetzungs- und Forschungsinitiative wird von Frauen aus unterschiedlichen Bereichen des Bibliotheks- und Dokumentationswesens sowie der Wissenschaft und Forschung unterstützt und gilt als bedeutender Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen in allen Lebensbereichen.
biografiA hat sich durch die Bildung einer fundierten Basis für weitergehende Forschungen im Bereich der feministischen Geschichtsforschung, der Wissenschaftsgeschichte und Frauenforschung zu einer national und international wahrgenommenen Vernetzungsplattform für biografisch orientierte ForscherInnen entwickelt. Als interaktive Drehscheibe für MeinungsbildnerInnen aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und den Medien fördert biografiA die Wahrnehmung für spezifisch weibliche Themen und Strukturen im öffentlichen Bewusstsein.


Montag, 8. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Felicitas Seebacher (Klagenfurt):
”Die Macht der Idee”. Rosa Kerschbaumer (1854-1923):
Engagement für die Öffnung der medizinischen Fakultät der Universität Wien für das ”andere” Geschlecht
Rosa von Schlikoff, 1851 in Moskau als Tochter einer Patrizierfamilie geboren, wurde 1876 an der Universität Bern in Medizin promoviert. Ihr Mentor Ferdinand von Arlt, Professor für Augenheilkunde an der Universität Wien, bildete sie zur Augenärztin aus. 1877 heiratete sie seinen ehemaligen Assistenten Friedrich Kerschbaumer und eröffnete mit ihm 1886 eine Augenklinik in Salzburg. Erst 1890 erhielt Kerschbaumer  als erste Ärztin in Österreich von Kaiser Franz Joseph I. die ”Zulassung zur Ausübung der ärztlichen Praxis”. Kerschbaumer war aktives Ehrenmitglied im ”Verein für erweiterte Frauenbildung in Wien”, der einen wesentlichen Beitrag zur Legalisierung des Philosophie- und Medizinstudiums für Frauen an der Universität Wien leistete. 1895 führte Kerschbaumer eine Kontroverse mit Eduard Albert, Professor für Chirurgie an der Universität Wien, über ”Die Frauen und das Studium der Medicin”. Sie widerlegte die biologistischen Thesen über die angebliche Unfähigkeit der Frauen zum Medizinerberuf mit exakten Statistiken über russische Ärztinnen. 1896 kehrte Kerschbaumer für einen Lehrauftrag an der neu errichteten medizinischen Akademie für Frauen in St. Petersburg nach Russland zurück.

Felicitas Seebacher: Mag.a Dr.in, Studium der Geschichte und Pädagogik, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Habsburgermonarchie: 19. Jahrhundert, Universitätsgeschichte, Geschichte der Medizin, Gender Studies. Publikationen u. a.: ”Freiheit der Naturforschung!” Carl Freiherr von Rokitansky und die Wiener Medizinische Schule: Wissenschaft und Politik im Konflikt. Mit einem Vorwort von Helmut Denk und einer Einführung von Günther Hödl. Bildteil: Karl Sablik (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin 56, Wien 2006); The "National Feeling" in Sciences. Bohemian Professors at the Medical Faculties of Vienna. International Networks, Exchange and Circulation of Knowledge in Life Sciences, 18th to 20th Centuries, edited by Brigitte Hoppe, Soňa Štrbáňová, Nicolas Robin. In: Archives Internationales d´Histoire des Sciences 56, 156–157 (Academie Internationale d´Histoire des Sciences, 2006) S. 265–278.


Montag, 5. November 2007, 18.30 Uhr
Elisabeth Grabenweger (Berlin):
Zwischen politischem Engagement und wissenschaftlicher Karriere
Die erste Privatdozentin der Wiener Germanistik Christine Touaillon (1878-1928)
Christine Touaillon gehörte im Wintersemester 1897/98 nicht nur zu den ersten Studentinnen der Universität Wien, sie war 1921 auch die erste Frau, der an der Wiener Germanistik die Venia Legendi verliehen wurde. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war sie zudem in der bürgerlichen Frauenbewegung und der Volksbildung tätig, engagierte sich in der Ethischen Gesellschaft rund um Wilhelm Börner und gab gemeinsam mit Auguste Fickert die feministische Zeitschrift ”Neues Frauenleben” heraus.
Gerade dieses, die Biografie Touaillons bestimmende Spannungsverhältnis zwischen politischem Engagement und universitärer Karriere soll im Vortrag in den Blick genommen werden. Dabei wird vor allem die Frage nach der Vereinbarkeit von feministischen Positionen und wissenschaftlicher Laufbahn diskutiert.

Elisabeth Grabenweger: Mag.a phil., studierte Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Berlin, seit 2005 Doktoratsstudium an der Wiener Germanistik, Oktober 2006 bis Juni 2007 Junior-Fellowship am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK Wien), seit Oktober 2007 IFK-Abroad-Fellowship am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Veröffentlichungen u.a.: Schriftstellerei als Geschäft. Ada Christens Briefe an Julius Campe, in: Sichtungen, 6/7, 2005, S. 158–180; gem. mit Stephan Kurz, "Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen". Vom Mitschreiben einer Vorlesung, in: Arno Dusini, Lydia Miklautsch (Hg.), Vorlesung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (erscheint Herbst 2007).


Montag, 19. November 2007, 18.30 Uhr
Natascha Vittorelli (Wien):
Triest als Ort slowenischer Frauenbewegung um 1900
Um 1900 ist Triest nicht nur ein bedeutender habsburgischer Hafen, sondern auch die größte slowenische Stadt. Über 100 slowenische Vereine sind vor dem Ersten Weltkrieg in Triest aktiv, darunter auch Frauen(wohltätigkeits)vereine. In Triest erscheint auch ”Slovenka”, die sogenannte erste slowenische Frauenzeitschrift, um die herum sich fortschrittliche Sloweninnen sammeln.
Ausgehend von der Beobachtung, dass Frauenbewegungshistoriographien vornehmlich von Frauenvereinen, Frauenzeitschriften sowie Frauenrechtlerinnen erzählen, stellt der Vortrag die Frage, ob damit auch von der Existenz einer slowenischen Frauenbewegung in Triest um 1900 die Rede sein kann.

Natascha Vittorelli: Dr.in phil., Historikerin, Projektmitarbeiterin und Lehrende am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.


Montag, 3. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Ingolf Erler / Elisabeth Günther (Wien):
”Keine Chance für Lisa Simpson?” – Bildungsungleichheit anhand einer hypothetischen Biographie
Würde Lisa Simpson, die Tochter der Zeichentrickfamilie ”The Simpsons”, in Österreich aufwachsen, wäre es fraglich, ob sie ein Universitätsstudium abschließen könnte. Der Vater ohne, die Mutter mit mittlerer Reife, in einer Kleinstadt lebend – in dieser Konstellation hätte sie, selbst nach erreichter Matura, nur eine Chance von 6 – 8%, einen akademischen Abschluss zu erreichen. Eine österreichische Bildungsbiographie ist demnach immer noch deutlich von der sozialen Herkunft beeinflusst.

Ingolf Erler: Soziologe und Journalist. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (ÖIEB) in Wien. Herausgeber des Buches ”Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem” (Wien 2007).

Elisabeth Günther: Soziologin und Journalistin. Autorin des Beitrages ”Gläserne Decken und unsichtbare Stolpersteine” in: ”Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem” (Wien 2007).


Konzept und Organisation:
Ilse Korotin: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin, Leiterin der IWK-Doku­mentationsstelle Frauenforschung und des Projekts „biografiA“(http://www.biografia.at). Forschungsschwerpunkte: Frauenbiografieforschung, Philoso­phie und Nationalsozialismus, Wissenschaftsgeschichte
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Frauennetzwerke in Wissenschaft und Kunst. Utopie und Wirklichkeit

Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger

Bei Frauennetzwerken handelt es sich keineswegs um ein ausschließlich modernes Phänomen. Immer wieder haben sich Frauen zusammengeschlossen, um einander zu unterstützen, um voneinander zu profitieren und nicht zuletzt um in einer männerdominierten Welt zu bestehen. Die österreichische Geschichte weist hier zahlreiche erfolgreiche Beispiele auf. Private Verbindungen, Frauenverbände und andere Zusammenschlüsse hatten nicht selten wesentlichen Einfluss auf Wissenschaft und Kunst. Dieser Arbeitskreis wird sowohl historische Beispiele vorstellen als auch aktuelle Frauennetzwerke diskutieren.


Montag, 1. Oktober 2007, 18.30
Susanne Schwinghammer (Wien):
Das fFORTE-Alumni-Netzwerk

2002 wurde fFORTE, eine Initiative zur Stärkung von Frauen in Forschung und Technologie, ins Leben gerufen. Die Referentin wird das neu gegründete fFORTE-Alumni-Netzwerk, seine Aufgaben, sein Veranstaltungsprogramm und die neue Website als Plattform der Kommunikation präsentieren.

Susanne Schwinghammer: Dr.in Mag.a, Geschäftsführerin von "science2public".

Montag, 12. November 2007, 18.30
Irmgard Neubauer (Wien):
„Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück!“ Über Irma von Troll (1847-1912)
Die Schriftstellerin Irma von Troll, eine der ersten und radikalsten Frauenrechtlerinnen Österreichs, setzte sich für Mädchenschulen, das Frauenstudium und das Frauenstimmrecht ein. Sie war an der Gründung von Frauenvereinen beteiligt und engagierte sich in Frauenzeitschriften für die Rechte der Frauen. Zahlreiche Frauen trugen den Kampf mit – wie Bertha von Suttner, Auguste Fickert, Rosa Mayreder und andere, mit denen sie nicht nur Arbeitskontakte, sondern auch Freundinnenschaften pflegte – ignoriert von einer patriarchalen Geschichtsschreibung, die Frauen und die Beziehungen zwischen ihnen unsichtbar macht.

Irmgard Neubauer: IT-Fachfrau, Buchhändlerin, Musikerin

Montag, 14. Jänner 2008, 18.30
Helga Köcher (Wien):
„Emergence of Projects“ – Die Logik umdrehen
Die dominierende Rolle von Labels in der Wirtschaft ist unumstritten. Ist es aber möglich, ein Label für künstlerisch und geistig Schaffende zu kreieren, das die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit erhöht? Wird ein solches Label von ihnen überhaupt angenommen? Wie kann ein offenes Netzwerk funktionieren? Welche Rolle spielt dabei die Aktionsforschung? Die Referentin, die mit „Emergence of Projects“ (www.eop.at) derzeit ihr drittes Netzwerk betreibt, berichtet aus ihrer langjährigen praktischen Erfahrung – auch unter genderspezifischen Aspekten – und stellt ihre theoretischen Analysen zu diesem Bereich vor.

Helga Köcher: Künstlerin im Sozialen Feld, Marketingexpertin, Intensive Beschäftigung mit Netzwerkforschung und Kulturwissenschaften, betreibt gegenwärtig ihr drittes Netzwerk „Emergence of Projects“ www.eop.at in der Logik von Aktionsforschung. Organisatorin multidisziplinärer Projektgruppen (aktuell Projekt ViennAvant zur Erforschung der Wiener Avantgarden)


Montag, 21. Jänner, 2008, 18.30 
Waltraud Schlögl (Wien):
Mentoring und Peer-Networking
Über Chancen und Herausforderungen von Gruppenmentoring am Beispiel von muv (mentoring university vienna) 
Das Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschafterinnen an der Universität Wien (muv) hat sich seit dem Start des Pilotprojekts im Jahr 2001 einer im europäischen Vergleich ungewöhnlichen und innovativen Organisationsstruktur verschrieben: dem fächerübergreifenden Gruppenmentoring. Netzwerken in der Peergruppe hat in diesem Konzept einen ähnlich wichtigen Stellenwert wie die Beziehung zu einem/r Mentor/in. Während das Mentoring wie auch die interdisziplinäre Teamstruktur als enorm hilfreich und bereichernd für die wissenschaftliche Karriere empfunden werden, ist der Gruppenmentoringprozess gleich­zeitig offen für strukturelle Widersprüche, die den Wissenschaftsbetrieb widerspiegeln und ihm innewohnen.

Waltraud Schlögl: Mag.a phil., Kultur- und Sozialanthropologin, Entwicklung und Koordination des Mentoring-Programms für Nachwuchswissenschafterinnen an der Universität Wien (seit 2001); Evaluierung eines Mentoring-Programms für Menschen mit Behinderung; Equal-Projekt mit AsylwerberInnen; freiberufliche Sozialwissenschafterin.


Konzept und Organisation:
Susanne Blumesberger: Dr.in, Kommunikationswissenschaftlerin, IWK-Projektbearbeiterin der biografiA-Module „Jüdische Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur“ sowie „Die Frauen des jüdischen Prager Kreises“.


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Feministische Theorie und Gender Studies

Konzept und Organisation: Susanne Hochreiter, Silvia Stoller

Die Vortragsreihe widmet sich aktuellen Themen aus dem Bereich der feministischen Theorie, der Frauenforschung sowie den Gender Studies. Eröffnet wird das Wintersemester mit einem Vortrag von Sylvia Soswinski über eine Frauenbiografie vor und während des Zweiten Weltkriegs. Die Filmwissenschafterin Andrea B. Braidt geht dem Verhältnis von Erzählung und Geschlecht im Film nach. Heidi Niederkofler beschäftigt sich als Historikerin mit der Rolle der Frauenorganisationen in den politischen Parteien in Österreich nach 1945. Schließlich stellt sich Johanna Hopfner der Frage nach einer pädagogischen Frauen- und Geschlechterforschung. Nationalsozialismus, Nachkriegspolitik, Filmwissenschaften und Pädagogik bilden daher den Fokus der feministischen Auseinandersetzung in diesem Semester.


Mittwoch, 14. November 2007, 18.30 Uhr
Sylvia Soswinski (Klagenfurt):
Den eigenen Tod überleben – Zur Lebensgeschichte von Herta Soswinski
In ihrer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus versucht die Referentin, die persönliche Geschichte ihrer Großmutter in die überlieferte Geschichte einzuweben und in Epochen eingeteilt darzustellen. Jede dieser Epochen hat einen Schwerpunkt in der Perspektive auf und von Frauen. So geht es einerseits um die geschlechtsspezifische Sozialisation in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der Herta Soswinski in der damaligen Tschechoslowakei aufgewachsen ist, und andererseits um Fragen des weiblichen Widerstands in den Kriegsjahren um 1944/45 im KZ Auschwitz. Im Rahmen des Vortrages macht die Referentin eine „Reise“ durch das Leben ihrer Großmutter und geht auf einige dieser Aspekte näher ein.
 
Sylvia Soswinski: Mag.a, Studium der Erziehungswissenschaften und der Medienkommunikation, Lehrgang Feministisches Grundstudium am Rosa-Mayreder-College. Seit 2004 Koordinatorin des IMST3 Gender Netzwerks am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung, IFF, Universität Klagenfurt.


Mittwoch, 12. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Andrea B. Braidt (Wien):
Trau, schau, wem. Zur Genderspezifik der Perspektive im narrativen Film

Die Beantwortung der Frage, aus welchem Blickwinkel und von welchem Erzähler bzw. welcher Erzählerin eine Erzählung präsentiert wird, beeinflusst die Rezeption eines Films fundamental und nachhaltig. Besonders am Filmbeginn sind die ZuschauerInnen mit der Konstruktion einer narrativen Instanz beschäftigt, deren (ideologische, vergeschlechtlichte usw.) Situiertheit die Wahrnehmung von Gender in der Folge grundlegend bestimmt. Anhand einer speziellen Variante der optischen Perspektive – der nicht identifizierten Subjektive – wird die Rolle erläutert, die der Erzählperspektive bei der Konstruktion von Gender zukommt.

Andrea B. Braidt: Mag.a Dr.in, Filmwissenschafterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Schwerpunkte: Filmanalyse und -narratologie, Genrefilm, feministische Filmtheorie, Queer Theory.


Mittwoch, 9. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Heidi Niederkofler (Wien)
Frauenbewegte „Ursprünge“ – Gründungsgeschichten der parteipolitischen Frauenorganisationen nach 1945

Die 1945 erfolgte Konstituierung der Frauenorganisationen der österreichischen politischen Parteien kann nicht unabhängig von den Frauenbewegungen der Zwischenkriegszeit und jenen vor 1918 gesehen werden. Andererseits ist sie von den in der Nachkriegszeit gegründeten nicht parteipolitischen Frauenorganisationen geprägt. Diesen Naheverhältnissen und Nachfolgeansprüchen wird im Vortrag anhand der von den Frauenorganisationen der politischen Parteien KPÖ, SPÖ und ÖVP selbst produzierten Gründungs­geschichten, ihren Erzählungen zur Organisationsgründung, nachgegangen.

Heidi Niederkofler: Dr.in, Historikerin und Gruppentrainerin in Wien. Derzeit Mitarbeit an einem FWF-Projekt zu Familienrecht und Geschlechterpolitik. Schwerpunkte: Geschichte der Frauenbewegungen, Geschlechtergeschichte.
 

Mittwoch, 30. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Johanna Hopfner (Graz):
Pädagogische Frauen- und Geschlechterforschung
Perspektiven und Hindernisse für einen Dialog zwischen den Disziplinen
Für die pädagogische Frauen- und Geschlechterforschung war der Austausch mit anderen sozial- und humanwissenschaftlichen Disziplinen einerseits konstitutiv und bleibt bis in die Gegenwart hinein von nach­haltiger Bedeutung. Andererseits lassen sich selektive Wahrnehmungen und Rezeptionsschwellen kon­statieren, die der Entwicklung der Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft nicht unbedingt zuträglich waren und sind. Der Vortrag stellt einige Stationen dieser Entwicklung dar, zieht kritisch Bilanz und zeigt neue und vergessene Wege für einen fruchtbaren Dialog zwischen den Disziplinen auf.

Johanna Hopfner: Universitätsprofessorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Graz. Schwerpunkte: historisch-systematische Themen, Geschlechterforschung, Wissenschaft und Alltagswissen

Konzept und Organisation:
Hochreiter, Susanne: Studium der Germanistik, Philosophie, Psy­chologie, Pädagogik, Ausbildung zur Theaterpädagogin, Assistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien. For­schungsschwerpunkte u. a.: Feministische Theorie, Gender Studies, Queer Theory.
Stoller, Silvia: Philosophin, Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien: Schwerpunkte: Phänomenologie, französische Gegenwartsphilosophie, feministische Philosophie, Gender Studies; derzeit Habilitationsarbeit zum Thema „Existenz – Differenz – Konstruktion“.



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Kompetenz ohne Bildung?


Eine Kooperation zwischen dem IWK, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Verband Österreichischer Volkshochschulen


Konzept und Organisation: Wolfgang Kellner, Klaus Ratschiller, Stefan Vater

Kompetenzdiskurse gewinnen in der Erwachsenen- und Weiterbildung zunehmend an Dominanz und scheinen den Bildungsdiskurs zu verdrängen – oder die Lücken, die er hinterließ, zu füllen. Die Vorträge befragen die „Ambivalenz der Kompetenz“ im Kontext zentraler Konzepte (Demokratiekompetenz, interkulturelle Kompetenz) und brisanter Verknüpfungen (Wissen und Herrschaft, Bildung und Glück).



Mittwoch, 17. Oktober 2007, 18.30
Uhr
Otto Nigsch (Linz):
Demokratiekompetenz und Gouvernance
Respondent: Ingolf Erler (Wien)
Der Vortrag befasst sich mit Möglichkeiten und Anforderungen demokratischer Or­ganisation. Er stellt die Frage nach den dafür nötigen Kompetenzen angesichts der Paradoxien der Demokratie im 21. Jahrhundert. Erörtert werden auch die Bedingungen, die durch die neuen Herrschafts- und Machtstrukturen (Gou­vernance) sowie die umfassende gesellschaftliche Dominanz marktorientierter Konzepte gesetzt werden.


Otto Nigsch: emertitierter Univ. Prof. für Soziologie der Universität Linz; Arbeitsschwerpunkte: Soziologische Theorie & Bildungssoziologie.

Ingolf Erler: Soziologe und Journalist. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (ÖIEB) in Wien. Herausgeber des Buches ”Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem” (Wien 2007).




Mittwoch, 28. November 2007, 18.30 Uhr
Astrid Messerschmidt (Darmstadt):
Interkulturelle Kompetenz: Infragestellungen und Perspektivenwechsel
Respondentin: Agnieszka Dzierzbicka (Wien)
Interkulturelle Kompetenz ist zu einer professionellen Anforderung in vielen Feldern der Weiterbildung und der sozialen Arbeit geworden. Dabei verspricht das Konzept Sicherheit im Umgang mit Verschiedenheit, indem Differenzen kulturalisiert werden. Genau dieses Wissen über angebliche kulturelle Identitäten ist fragwürdig geworden und hat eine Diskussion erzeugt, durch die soziale Ungleichheitsverhältnisse in Migrationsgesellschaften in den Blick gerückt worden sind. Erfahrungen von Diskriminierung und Prozesse des Fremdwerdens erfordern selbstkritische Konzeptionen interkultureller Kompetenz. Der Vortrag skizziert diesen Perspektivenwechsel und diskutiert einen Kompetenzbegriff, der offen bleibt für Verunsicherungen.

Astrid Messerschmidt: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt.
Forschungsschwerpunkte: Interkulturelle Kompetenz, Antisemitismusforschung, Bildungstheorien.

Agnieszka Dzierzbicka: Univ.-Assistentin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Habilitationsprojekt: Aufnahmen einer anderen Bildung. Vom Untergrund zur Open University.



Montag
, 10. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Stefan Vater (Linz):
Die „fabbrica diffusa“ - Wissen und Kompetenz unter Bedingungen des Postfordismus
Respondentin: Heidelinde Hammer (Wien)
Trotz der euphorischen Proklamation der "Wissensgesellschaft" (und deren unbegrenzten Möglichkeiten) können Wissen und Kompetenz längst nicht mehr nur als ermächtigend verstanden werden. Gefragt wird, inwiefern Wissen und Kompetenz auch unterdrücken, selektieren und verbunden sind mit fragwürdigen Regimen der Wahrheit.


Stefan Vater: Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und der Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at). Publikationen (u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie der Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main 2003.

Heidelinde Hammer: Dr.in, Mitarbeiterin bei Knowledgebase Erwachsenenbildung, Modul Akademische Forschungsarbeiten.


ACHTUNG:
Der ursprünglich für Donnerstag, den 17. Jänner 2008, angekündigte Vortrag muss leider verschoben werden:

Montag,  21. Jänner 2008, 19.00 Uhr, DEPOT (Breite Gasse 3, 1070 Wien)
Micha Brumlik (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Bildung und Glück
Respondent: Wolfgang Kellner (Ring Österreichischer Bildungswerke)
Mit dem Titel „Bildung und Glück“ wird ein Thema angeschnitten, das über ein rein sozialpolitisches Verständnis von Bildung als gerechter Verteilung eines wichtigen gesellschaftlichen Guts hinausgeht und das auch weiter fragt als nur danach, ob eine bestimmte Ausbildung das Ergreifen eines späteren Berufs erleichtert oder nicht. Im Anschluss an die antike Philosophie soll vielmehr der Frage nachgegangen werden, ob „Bildung“ nicht jene Größe ist, die die notwendige Bedingung eines guten und – gegebenenfalls – auch eines geglückten Lebens sein kann. Ist Wissen Macht, oder kann man über Wilhelm Liebknechts berühmtes Diktum hinaus sagen, dass Bildung auch Glück ist?

Micha Brumlik: Univ. Prof. am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main.   Daneben leitete er von Oktober 2000 bis 2005 als Direktor das Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt am Main. Forschungsschwerpunkte: Theorie der Erziehung und Bildung, Pädagogik, Ethik, Theorie und Empirie moralischer Sozialisation sowie Religionsphilosophie.

Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.



Konzept und Organisation:
Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.
Klaus Ratschiller: Lektor für Philosophie, freier Schriftsteller.
Stefan Vater: Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und der Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at). Publikationen (u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie der Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main 2003.


Workshop Bildungstheorie: Der Jour fixe Bildungstheorie bietet als Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden den dreistündigen Workshop Bildungstheorie an (Anmeldung erforderlich). Informationen/Anmeldung beim Ring Österreichischer Bildungswerke: Tel.: 01 533 88 83, http://members.telering.at/bildungswerke Die fünf Veranstaltungen zusammen sind als Seminar Bildungstheorie bei der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditierbar. Termin in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.

Die Veranstaltungsreihe wird gefördert von:

Knowledgebase Erwachsenenbildung                  bifeb


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http://www.erwachsenenbildung.at


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Hans Kelsen und die Europäische Union
Erörterungen moderner Staatlichkeit


Konzept und Organisation: Tamara Ehs

Die Europäische Union ist angesichts der Vertiefung des Integrationsprojekts auf der Suche nach dem „Herz“ bzw. der „Seele“ Europas, nach einer Identität, ja Ideologie, als kultureller Einheit und Wertegemeinschaft, die dem Projekt Legitimation verschaffen soll. Dabei wird gerne auf Symbole und Begrifflichkeiten des klassischen Nationalstaats zurückgegriffen und die Kulturnation im Sinne Herders und Fichtes für das 21. Jahrhundert adaptiert – bislang ohne Erfolg. Denn diese Denk- und Handlungsmuster sind für die EU, die vielmehr Netzwerk und Medium denn Nationalstaat ist, nicht geeignet.
Es lohnt daher, mit der Staats- und Demokratietheorie Hans Kelsens einen Blick auf die gegenwärtige europäische Seelensuche zu werfen. Denn Kelsens hochmoderne – da pluralistisch begründete – Staatstheorie, die vor dem Hintergrund eines ethnisch, sprachlich, kulturell und religiös heterogenen politischen Gemeinwesens, der Habsburgermonarchie, konzipiert worden ist, gewinnt angesichts der Europäischen Union wieder an Bedeutung. Bei Kelsen basiert das Staatswesen nicht auf Ethnie, Kultur oder gar einer Seele, ist also nicht metaphysisch überhöht, sondern gründet einzig auf der Rechtsgemeinschaft der Normunterworfenen: Staat (als Recht) und Nation (als kulturell-ethnische imagined community) werden entkoppelt. Darin liegt ebenso die Aktualität der Kelsen‘schen Lehre wie in der wertfreien, herz- und gottlosen Definition von politisch verfassten Entitäten und der Gleichsetzung von Recht und Staat.


Donnerstag, 29. November 2007, 18.30 Uhr
Hauke Brunkhorst (Flensburg):
Hans Kelsen als Theoretiker der Völkerrechtsrevolution des 20. Jahrhunderts

Kelsens Werk und insbesondere seine völkerrechtlichen Schriften stehen in engem Zusammenhang mit der Umwälzung des europäischen Rechts und Völkerrechts infolge zweier Weltkriege. Die politische Bedeutung Kelsens und der Kelsen-Schule erschließt sich erst aus diesem Kontext der europäischen und globalen Rechtsrevolution des 20. Jahrhunderts, aus der schließlich auch die Europäische Union hervorgegangen ist.

Hauke Brunkhorst: Studium der Dt. Literaturwissenschaft, Philosophie, Erziehungswissenschaft und Soziologie in Kiel, Freiburg und Frankfurt, 1982 Habilitation Erziehungswissenschaft, 1985 Habilitation Soziologie, seit 1997 Professor für Soziologie an der Universität in Flensburg, 2005 Research Fellow am Maison des Sciences de l’Homme Paris. Jüngste Publikation (mit Rüdiger Voigt): Verrechtlichung der Souveränität. Hans Kelsens Rechts- und Staatsverständnis (Baden-Baden: Nomos).

Am Mittwoch, den 28. November 2007, 19.00 Uhr, hält Hauke Brunkhorst am Renner Institut den Vortrag:
Die rächende Gewalt der kommunikativen Vernunft – der Paradigmenwechsel in der Gesellschaftstheorie.

http://www.renner-institut.at/veranst/aktuell.htm

Donnerstag, 13. Dezember, 18.30 Uhr
Thomas Olechowski (Wien):
Über Wert und Unwert von Verfassungspräambeln

Die Arbeiten am EU-Verfassungsvertrag haben die unterschiedlichen Verfassungsverständnisse der europäischen Staaten aufgezeigt. Insbesondere in Staaten mit ausgeprägtem Nationalgefühl hat die Verfassung stets mehr als bloß juristische Bedeutung; sie trägt auch wesentlich zur Identitätsbildung bei, woraus sich das Vorhandensein nicht-normativer Elemente wie Präambeln erklärt. Die Rechtslehre Hans Kelsens, des Mitgestalters der österreichischen Verfassung, hat wesentlich dazu beigetragen, dass die österreichische Bundesverfassung keine derartige Präambel und auch sonst kaum nicht-normative Elemente enthält. Besitzt das Kelsensche Verfassungsverständnis im 21. Jahrhundert noch Gültigkeit? Hat es gar angesichts des an die Stelle der gescheiterten EU-Verfassung tretenden Reformvertrages mehr Aktualität denn je?

Thomas Olechowski: ao. Univ.-Prof. an der Juridischen Fakultät der Universität Wien, Prof. für Staats- und Rechtsgeschichte an der Bratislavská Vysoká Skola Práva, 1998 Alfons Tropper-Preis der Akademie der Wissenschaften, 2000-01 Mitarbeit in der Österr. Historikerkommission, 2003 Habilitation, zurzeit Arbeit am FWF-Projekt "Biographische Untersuchungen zu Hans Kelsen".



Donnerstag, 10. Jänner, 18.30 Uhr
Lars Vinx (Ankara):
Kelsens Identitätsthese und das Problem der Rechtstaatlichkeit

Kelsens These der Identität von Staat und Recht scheint eine scharfe Trennung zwischen Reiner Rechtslehre und jeder normativen Theorie der Rechtstaatlichkeit zu implizieren. Wenn jeder Staat mit begrifflicher Notwendigkeit ein Rechtsstaat ist, kann das Prädikat der Rechtstaatlichkeit scheinbar nichts mehr zur Unterscheidung von legitimer und illegitimer politischer Gewalt beitragen. Der Vortrag versucht zu zeigen, dass dieser Eindruck täuscht. Kelsens Identitätsthese kann als integraler Bestandteil einer Theorie politischer Legitimität verstanden werden, die alle staatlichen Organe auf ein Ideal größtmöglicher Legalität verpflichtet.

Lars Vinx: Assistant Professor am Institut für Philosophie der Bilkent Universität (Ankara). Er arbeitet in der politischen Philosophie, der Rechtsphilosophie und der politischen Ideengeschichte. Lars Vinx studierte Geschichte, Philosophie sowie politische Wissenschaft in Heidelberg und promovierte 2006 am Department of Philosophy der Universität Toronto mit einer Arbeit über Hans Kelsen. Im akademischen Jahr 2006-2007 war er Max Weber Fellow am European University Institute (Florenz).


Konzept und Organisation:
Tamara Ehs: Studium der Politik-, Kommunikations- und Rechtswissenschaften an der Universität Wien mit Studienaufenthalten an der Universität Oxford, der LSE und der Sciences Po Lille, 2005 Promotion, 2006 Theodor Körner-Preis, 2006 Preis der Dr. Maria Schaumayer-Stiftung, derzeit Politikwissenschafterin an der Universität Wien. Jüngste Publikation: Hans Kelsen und politische Bildung im modernen Staat (Wien: Manz).



Die Vortragsreihe wird unterstützt von:

           
 



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Geistiges Eigentum

Konzeption und Organisation: Odin Kröger

Diese Veranstaltungsreihe findet im
Depot (Breite Gasse 3, 1070 Wien) statt, die Vorträge beginnen um 19.00.

Die Diskussion um geistiges Eigentum dreht sich meistens um dessen Legitimität. Will man die Dynamik gesellschaftlicher Veränderungen im Bereich des geistigen Eigentums eingehender analysieren, sollte aber auch der zugrunde liegende Eigentumsbegriff schärfer unter die Lupe genommen werden. Geistiges Eigentum unterläuft die traditionelle Trennung zwischen Geist und Ding bzw. zwischen Eigentum-Haben und Eigentum-Sein und damit Grundlagen der im deutschen Sprachraum maßgeblichen Eigentumstheorie. Auf der einen Seite dehnt sich die Eigentumsordnung also in die geistige Sphäre. Auf der anderen Seite lässt die „digitale Revolution“ es fraglich erscheinen, ob geistiges Eigentum überhaupt noch haltbar ist; dem entsprechend wird gern das gesellschaftskritische Potential der Freien-Software- und der Open-Access-Bewegung betont, ohne dabei aber ausreichend die kapitalistischen Rahmenbedingungen dieser Wissensproduktion zu reflektieren. Die Vorträge dieses Semesters versuchen am Beispiel aktueller Probleme im Bereich der Immaterialgüter (Biopatente, Software etc.) grundsätzliche Fragen geistigen Eigentums zu klären.


Montag, 26. November 2007, 19.00 Uhr, Depot
Ulrich Brand (Wien):
Wem gehört die Natur? – Biopiraterie und die Konflikte um geistiges Eigentum

Konflikte um biologische Vielfalt und insbesondere ihre vererbbaren Eigenschaften (die genetischen Ressourcen) sind in den letzten 20 Jahren immer sichtbarer geworden. Zum einen schreitet die Erosion der biologischen Vielfalt dramatisch voran und betrifft vor allem die Landwirtschaft. Zum anderen gelten die genetischen Ressourcen als wichtiger Rohstoff für die Agrar-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Manche bezeichnen das „grüne Gold der Gene“ als „Erdöl des 21. Jahrhunderts“. Transnationale Unternehmen und Forschungsinstitute werden etwa der „Biopiraterie“ bezichtigt. In dem Vortrag geht es um die Konflikte der Aneignung biologischer Vielfalt in einer zentralen Frage, nämlich den geistigen Eigentumsrechten. Die Bandbreite der politischen Vorschläge verläuft von der Patentierung der Vielfalt und der aus ihr gewonnenen Produkte hin zu ihrer Behandlung als globales Gemeingut. Anhand von Beispielen werden die Konflikte dargestellt und analysiert sowie die Frage nach einer demokratischen Biodiversitätspolitik gestellt.

Ulrich Brand: Professor am Institut für Politikwissenschaft der Uni­versität Wien und forscht u.a. zu Biopatenten.


Montag, 17. Dezember 2007, 19.00 Uhr, Depot:
Sabine Nuss (Berlin):
Copy me – I want to travel
„Copy me – I want to travel“ so lautet der Titel eines Songs von Bernadette La Hengst. In ihm ruft „die Idee“ dazu auf, die Leute mögen sie kopieren, sie sei kollektiv und möchte gerne reisen… Das Lied ist künstlerischer Ausdruck gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um geistiges Eigentum, durch dessen Formierung bislang noch nicht durch die Warenform organisierte Sphären dem Eigentumsregime unterworfen werden. Im Vortrag soll die theoretische Grundlegung geistigen Eigentums, die in den aktuellen Debatten meist stillschweigend vorausgesetzt bzw. naturalisiert wird, analysiert werden. Auf dieser Grundlage sollen in der Folge häufig aufgeworfene Fragen diskutieren werden: Ist geistiges Eigentum durch den technischen Fortschritt gefährdet? Sind alternative Produktionsweisen wie Freie Software oder Open Access die (Wissens)Produktionsweisen der Zukunft und weisen gar über herrschende Verhältnisse hinaus? Wie reproduzieren sich „WissensarbeiterInnen“ angesichts solcher Produktionsweisen?


Sabine Nuss: wissenschaftliche Mitarbeiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Publikation u.a.: Copyright & Copyriot. Aneignungs­konflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapita­lismus (Münster 2006)


Dienstag, 15. Jänner 2007, 19.00 
Uhr, Depot
Christian Schmidt (Leipzig):
Der produzierte Geist
Der Vortrag versucht zwei Fragen, die das Feld der aktuellen Auseinandersetzungen um geistiges Eigentum bestimmen, zu beantworten. Zum einen: Ist geistiges Eigentum überhaupt möglich, d.h. lässt sich eine im Umgang mit Dingen entwickelte soziale Praxis wie Eigentum überhaupt anders als bloß metaphorisch auf die Ergebnisse geistiger Tätigkeit übertragen? Und zum anderen: Ist geistiges Eigentum eine notwendige Konsequenz der ökonomischen Entwicklung in der Gegenwart?


Schmidt, Christian: Dr., Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Publikation u.a.: Individualität und Eigentum. Zur Rekonstruktion zweier Grundbegriffe der Moderne (Frankfurt am Main 2006)


Konzeption und Organisation:
Odin Kröger: studiert Philosophie mit Schwerpunkt politische Theorie und Medientheorie und schreibt zur Zeit an seiner Diplomarbeit zu geistigem Eigentum.




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Produktivität

Konzept und Organisation: Manfred Füllsack

Produktivität fungiert als zentrale Erwartung unserer wirtschaftlichen Aktivitäten. Darüber hinaus scheint sie heute aber auch Lebens- und Tätigkeitsbereiche zu orientieren, an die wir ökonomische Maßstäbe in der Regel nur mit Unbehagen anlegen. Zwischenmenschliche Beziehungen etwa, aber auch Kunst, Erziehung, Wissenschaft oder das Verhältnis zu unserer Umwelt, betrachten wir in der Regel als unzureichend erklärt, wenn sie mittels Output/Input-Relationen erfasst und an ihrer Verwertbarkeit oder Anwendbarkeit gemessen werden. Trotzdem boomen wissenschaftliche Bemühungen, auch solche Zusammenhänge noch im Hinblick auf ihre „subjectively expected utility“, ihre „evolutionären Vorteile“, ihre „bounded rationality“, ihre „situative Logik“ zu erfassen. Und zum anderen zwingt in den zunehmend dem globalen Wettkampf ausgesetzten Nationalstaaten auch die Politik dazu, selbst noch Lebenszusammenhänge, die ihren Sinn eigentlich erst jenseits ökonomischer Kriterien finden, mit Verwertbarkeitsimperativen zu überziehen.
Vor diesem Hintergrund wird sich die Vortragsreihe den wissenschaftlichen und politischen Spannungen zwischen Ökonomisierung und Nicht-Ökonomisierbarkeit, also den Bedingungen der Möglichkeit des Produktivitätskriteriums, widmen und von daher insbesondere jene „Randbereiche“ zu thematisieren suchen, in denen dieses an seine Grenzen zu stoßen scheint.


Donnerstag, 18. Oktober 2007, 18.30
Uhr
Fritz Betz (Eisenstadt / Wien):
Stigma und Produktivität

In letzter Zeit treten in leistungsorientierten medialen Inszenierungen wie etwa „Reality Shows“ vermehrt Menschen mit körperlichen Handicaps, nach Goffman sogenannte „Stigmatisierte“ auf. Die ProduzentInnen und TeilnehmerInnen dieser massenmedialen Formate verbinden damit den Anspruch, in der Interaktion zwischen Stigmatisierten und Nicht-Stigmatisierten emanzipatorische Images zu schaffen, die sich gegen traditionelle paternalistische Denkfiguren wenden. Handelt es sich dabei tatsächlich um Strategien sozialer Inklusion? Wenn ja, um welchen Preis? Und: Was ist die Botschaft, die dabei an das Publikum der mehrheitlich und vermeintlich Nicht-Behinderten geht? Der Vortrag versucht, Thesen zu diesen Fragen zu entwickeln, und wird sich dabei an Goffmans Arbeiten zum „Stigma“, an Foucaults Analyse moderner Disziplinarmechanismen sowie an Theorien orientieren, die technischen Artefakten (dabei vor allem Medientechnologien) grundsätzlich die Funktion von „Prothesen“ zuschreiben (Freud, McLuhan, Stone).

Fritz Betz, Prof. (FH), Dr. phil., Mag. rer. soc. oec. Kultur- und Mediensoziologe, ist Hochschullehrer am FH-Studiengang Informationsberufe/Angewandtes Wissensmanagement in Eisenstadt und Lektor an der Universität Wien. Arbeitsgebiete: Subjektivität im Postfordismus, Historische Anthropologie der Medien, Semiologie und Diskursanalyse, Informationsethik. Zuletzt erschienen: Kühle Geborgenheit durch Evidenz. Zur Produktion von Wissen und Sicherheit im Forensic TV, in: xing 04/06; eGovernment und eGovernmentality in Österreich, in: proceedings der 1.Österr. FH-Forschungskonferenz 2007.


Donnerstag, 8. November 2007, 18.30
Uhr
Ulrike Mühlberger (Wien):
Atypischen Beschäftigungsverhältnisse und ihre Produktivität

Empirische Forschungen zeigen, dass unternehmerische Praktiken der Flexibilisierung von Arbeits­bedingungen und des Outsourcing ganzer Tätigkeitsbereiche zunehmen. Ein wachsender Teil der Out­sourcingaktivitäten basiert auf Verträgen, bei denen die ausgelagerte Arbeitskraft einerseits ökonomisch abhängig ist von der auslagernden Firma und andererseits in hierarchischer Subordination zu ihr steht. Warum fragen Unternehmen diese Art von Arbeit nach? Worin liegen die Motivationsgründe der Arbeits­kräfte? Durch welche formalen und informalen Mechanismen entstehen Abhängigkeiten und Kontrolle?


Mühlberger, Ulrike: DDr.in ist Universitätsassistentin an der WU Wien, Abteilung für Arbeitsmarkttheorie und -politik. Doktoratsstudien der Volkswirtschaft und der Sozial- und Politikwissenschaften an der WU Wien und dem European University Institute in Florenz. Publikation u.a.: „Dependent Self-employment. Workers on the Border between Employment and Self-employment', Palgrave/Macmillan.


Donnerstag, 22. November 2007, 18.30 Uhr
Paul Kellermann (Klagenfurt)
Bedürfnis – Arbeit – Geld
Alles, was Menschen zur Sicherung ihres Lebens brauchen, müssen sie sich erarbeiten. Allein, die Entsprechung von Bedürfnissen und Arbeitsvermögen ist durch Geld ideologisch unterbrochen. Dass Millionen von Menschen in Not leben, scheint Folge der politischen Unfähigkeit, gesellschaftlich erforderliche Arbeit zielführend zu organisieren.
Der Vortrag wird der Vermutung nachgehen, dass die Politik die Funktionen von Geld auf Kosten wachsender Bevölkerungskreise falsch wahrnimmt. Statt die symbolische Bedeutung von Geld für Leistungsanspruch und Leistungsversprechen konsequent zur gesellschaftlichen Organisation von erforderlicher Arbeit zu nutzen, wird Geld als unmittelbare Leistung missverstanden. Doch Geld stillt keine Lebensbedürfnisse – es lässt sich nicht essen; es heilt auch keine Wunden, weder in Gesellschaft, noch in Natur.

Paul Kellermann: em. Univ.-Prof. Dr.oec.publ. Dipl.-Soziol., war Vorstand des Instituts für Soziologie an der Universität für Bildungswissenschaften in Klagenfurt mit den Fachgebieten: Hochschulforschung, Arbeitsvermögen, -mittel, -organisation; Bedarf, Leistung, Geld und Allgemeine Soziologie. Zuletzt erschienen: Geld und Gesellschaft. Interdisziplinäre Perspektiven, Wiesbaden 2006; Arbeit, Humankapital und Wirtschaftspolitik. Berlin 2006.


Donnerstag, 6. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Peter Stamer (Wien):
Was ist produktiv an Art laboratories?

Während die Ästhetik sich mit der Frage beschäftigt, wie sie das nicht-diskursiv Vorliegende der Kunst diskursiv fassen, es in Sprache übersetzen kann und damit notwendig die Kunstpraxis als das dem Diskurs Andere definiert, versucht das Art laboratory dieses Unsagbare der Kunst für den wissenschaftlichen Forschungsprozess einerseits und für künstlerische Produktivität andererseits fruchtbar zumachen und in die eigene Diskurspraxis zu integrieren.
Nach etwa zehn-jähriger Konjunktur dieses Formats in der zeitgenössischen Kunst wird der Beitrag versuchen, die Grundbedingungen des Art laboratory historisch aufzuarbeiten und seine Produktivität in Kunst und Wissenschaft zu überprüfen.

Peter Stamer arbeitet als Dramaturg und Autor im Bereich zeitgenössischer Tanz und Performance. Organisator zahlreicher Art laboratories und Performancies.

Donnerstag, 31. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Wolfgang Pircher (Wien):
Das Janusgesicht der Produktion

Ausgehend von den sachlichen Erfordernissen haben Ingenieure eine Ökonomie entwickelt, die sie für rational halten, während ihnen die monetär bestimmte Ökonomie als irrational erscheint. Umgekehrt halten Ökonomen diese Rationalität für ein Verkennen wesentlicher Tatbestände und verdächtigen sie nicht selten einer Neigung zur Planwirtschaft. Tatsächlich scheint eine auf den Markt fixierte ökonomische Theorie die besonderen Probleme der Produktion im Kapitalismus eher auszublenden und sie Managementwissenschaften zuzuwenden. Am Beispiel von Operational Research und Kybernetik lassen sich die wechselseitig blinden Flecken ein wenig aufhellen.


Wolfgang Pircher ist a.o. Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien


Konzept und Organisation:
Manfred Füllsack: Univ. Doz., Sozialwissenschafter an der Univer­sität Wien. Forschungsgebiet: epistemologische, historische und soziale Bedingungen von Arbeit und Wissen; Publikationen u.a.: Zuviel Wissen? Zur Wertschätzung von Arbeit und Wissen in der Moderne (Berlin 2006); Auf- und Abklärung. Grundlegung einer Ökonomie gesellschaftlicher Problemlösungskapazitäten. (Aachen 2003); Leben ohne zu arbeiten? Zur Sozialtheorie des Grundeinkommens (Berlin 2002).


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Sabine
Forschung, Technologie und Gesellschaft in Österreich
Schwerpunkt: Forschung abseits des Mainstream

Konzept und Organisation:
Norbert Rozsenich, Johann Dvořák
Gemeinsame Veranstaltung mit der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik

Im Sommersemester 2007 standen vier Vorträge am Programm, deren Themenstellungen nicht ganz im Mainstream der universitären Forschung lagen, aber dennoch gesellschaftspolitisch wichtige Fragen der Anwendung von Wissenschaft und Technologie behandelten. Die Vortragsreihe wird im Wintersemester mit vier Referenten fortgesetzt, die sich in unterschiedlichen Phasen ihrer wissenschaftlichen und beruflichen Laufbahn auch mit unkonventionellen methodischen Ansätzen in der Erkenntnis- und/oder Ergebnis-orientierten Forschung beschäftigt haben. Sie werden in ihren Vorträgen auf die Auswirkungen wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und technischer Entwicklungen auf den Menschen, die Umwelt und die Gesellschaft eingehen.


Dienstag, 16. Oktober 2007, 18.30
Uhr
Hannes Werthner (Wien):
Computer Science - Web Science - Service Science
Der Vortrag befasst sich – auch in historischer Perspektive – mit der Informatik und der Wirtschaftsinformatik. Er analysiert sie als Basis und Motor der Informationsgesellschaft, etwa im Hinblick auf das Wachstum im Bereich des E-Commerce. Außerdem werden aktuelle Entwicklungen erörtert, die in Richtung Web Science und Service Science führen.

Hannes Werthner: Informatiker, Schrödinger Stipendiat, Professor für E-Commerce an der TU Wien, vorher an der Uni Innsbruck, der Uni Trento und der WU Wien, Gastprofessor and der Uni Surrey (UK), Gründer des EZ3-Kompetenztentrums für E-Commerce in Wien, Mitglied der IST Advisory Group der EU


Dienstag, 20. November 2007, 18.30 Uhr
Joachim Krenn (Graz):
Nano, Pico, Femto – Hype und Wirklichkeit
Dass Nanotechnologie wichtig ist, darüber herrscht zumeist noch Konsens. Aber an der Frage was Nanotechnologie denn eigentlich sei, daran scheiden sich bereits die Geister. Der Vortrag bietet einen Streifzug durch die Welt des Kleinen und befasst sich mit der Frage, ob man sich in einem „modischen“ Forschungsfeld auch abseits des Mainstream bewegen kann.

Joachim Krenn: Physiker mit den Schwerpunkten Nanooptik und organische Materialien, Ao. Univ.Prof. für Experimentalphysik an der Karl Franzens Universität in Graz und Leiter des Joanneum Research Instituts Nanostrukturierte Materialien und Photonik in Weiz


Dienstag, 11. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Peter Weish (Wien):
Zur Frage der Wertfreiheit von Wissenschaft und Technik

Ausgehend von dem Begriff der Wertfreiheit nach Max Weber wird argumentiert, dass die Wertrationalität anders als noch vor einigen Jahrzehnten nicht mehr außerhalb der empirischen Wissenschaften liegt. Der ethische Grundkonsens einer zukunftsfähigen Entwicklung bildet auch die Basis für die Bewertung von Technik.

Peter
Weish: Studium Zoologie, Chemie, Physik, Promotion Uni Wien 1966. Univ. Doz., seit Ende der Sechzigerjahre Beschäftigung mit Fragen von Umwelt und Energie. Engagiert in der Ökologiebewegung, z.B. Österreichischer Naturschutzbund, Forum Wissenschaft und Umwelt, Ökobüro. Lehraufträge für  Humanökologie und Umweltethik an der BOKU und Uni. Wien.


Dienstag, 22. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Fritz Paschke (Wien):
Dissipationsfreies Modell zur Berechnung planetarer Magnetfelder

Das herkömmliche „Dynamomodell“ wird analysiert und als Alternative wird ein "Zwiebelmodell" vorgestellt, in dem durch den hohen Gravitationsdruck Ladungsschalen mit Dicken in der Größe der Debye-Distanz entstehen, die bei Rotation dissipationsfrei Magnetfelder produzieren – die Modellrechnung liefert für alle Planeten und für den Dipolanteil der Sonne Werte in der richtigen Größenordnung.

Fritz
Paschke: Nachrichtentechniker, 1956-61 Radio Corporation of America (Princeton, N.J., USA), 1961-66 Siemens AG (München), seit 1965 Professor für Allgemeine Elektrotechnik an der TU Wien, diverse akademische Funktionen (Dekan, Rektor), Mitglied der ÖAW, Mitbegründer der Management Trust Holding AG (Wien)


Konzept und Organisation:
Johann Dvořák: Dr., Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, Präsident des IWK.
Norbert
Rozsenich: Dr., Mathematiker, Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Ehrensenator der TU Wien,  von 1984 bis 2002 Forschungs-, bzw. Technologie-Sektionschef im BMWF und BMVIT, derzeit Präsident der Österr. Gesellschaft für Automatisierungs- und Robotertechnik und der Österr. Gesellschaft für Technologiepolitik


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Studien zur ArbeiterInnenbewegung

Schwerpunkt: Umrisse einer nicht-kapitalistischen Ökonomie


Konzept und Koordination: Paul Habr / Peter Ulrich Lehner (Redaktion der Zeitschrift "mitbestimmung")

Kapitalanhäufung und Gewinnerzielung in privaten Formen auf Grundlage gesellschaftlicher Arbeit und durch marktwirtschaftliche Vermittlung kennzeichnen den Grundsachverhalt des Kapitalismus. Er beruht auf einem Herrschafts- und Machtverhältnis. Das daraus folgende „Wertgesetz“ wird über den Markt und unter Zuhilfenahme herrschaftlich organisierter gesellschaftlicher Einrichtungen (Familie, Schule, Betrieb, staatliche Verwaltung, politische Einrichtungen, Massenmedien) durchgesetzt. Individualistische Durchbrechungen dieses „Wertgesetzes“ durch Bettelei, Diebstahl, Raub und Einbruch finden zuweilen ihren Niederschlag in der massenmedialen Berichterstattung, kaum aber politisch angestrebte gesellschaftlich organisierte Versuche zu seiner Außerkraftsetzung oder Überwindung.
Wie begegnen gesellschaftlich orientierte Initiativen dem kapitalistischen „Wertgesetz“ durch gebrauchswertgeleitete, bedarfsdeckungsorientierte und selbstkostenbasierte Formen des Wirtschaftens? Darüber diskutieren Theoretiker/innen und Praktiker/innen der Arbeiter/innenbewegung mit Praktiker/inne/n und Theoretiker/inne/n der Arbeiter/innenbewegung.

Dienstag, 2. Oktober, 18.30 Uhr
Tausch und Unentgeltlichkeit
Gibt es einen „gerechten Tausch“? Welche Versuche nicht-profitorientierter Tauschverhältnisse gab und gibt es?
Einleitungsreferate von:
Stefanie Grohmann (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung, Kostnix-Laden)
Martin Haiderer (Wiener Tafel)
Walther Schütz (Kärntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung)
Gerhard Senft (WU Wien)


Dienstag, 6. November, 18.30 Uhr
Bedarfsdeckung und Selbstkosten
Kennt das österreichische Gesellschaftsrecht Organisationsformen für nicht-gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen? Wie entstand die „Eigenvorsorge der armen Leute“?
Einleitungsreferate von:
Helmut Gahleitner (Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)


Dienstag, 4. Dezember, 18.30 Uhr
Solidar- und ArbeiterInnenökonomie
Statt der jugoslawischen Arbeiterselbstverwaltung und verwandten Modellen in Frankreich, England und Spanien aus dem 20. Jahrhundert erregen heute Betriebsübernahmen und partizipative Budgets in Lateinamerika die Aufmerksamkeit alternativer Strömungen in Europa.
Einleitungsreferate von:
Markus Auinger (Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik)
Hermann Dworczak (Sozialistische Alternative)
Emanuel Tomaselli (Der Funke, FSG-Zorn)


Dienstag, 8. Jänner, 18.30 Uhr
Überschuss und Gesellschaft
Auch nicht-kapitalistische Unternehmen erwirtschaften Überschüsse. Ihre Verteilung erfolgt aber nach anderen Prioritäten und durch andere Mechanismen.
Einleitungsreferate von:
Christian Fölzer (Schienen Controll)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)




Markus Auinger: Sozial- und Wirtschaftswissenschafter, Mitglied des Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik.

Hermann Dworczak: Gesellschaftswissenschafter, Vorsitzender der Sozialistischen Alternative, Wien.

Christian Fölzer: Wirtschaftswissenschafter, Mitarbeiter der Schienen Control.

Helmut Gahleitner: Wirtschaftspädagoge, Mitarbeiter der Abteilung Wirtschaftspolitik der Wiener Arbeiterkammer, Wien

Stefanie Grohmann: Sozialarbeiterin, Mitglied der Gruppe Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung (WEG) und Mitarbeiterin des Kostnix-Ladens, Wien

Paul
Habr: Magistratsbeamter, Peronalvertreter.

Martin Haiderer: Mag., DSA, Referent für Sozialpolitik, Sozialarbeiter, Philosoph, Coach, Gründer und Geschäftsführer der Wiener Tafel

Peter Ulrich Lehner, ehemaliger Grundlagenforscher in einem gemeinwirtschaftlichen Dienstleistungesunternehmen, Geschäftsführender Redakteur der mitbestimmung, Wien.

Walther Schütz: studierte Geschichte und Geographie, Mitarbeiter des Kärntner Netzwerks gegen Armut und soziale Ausgrenzung, Villach.

Gerhard Senft: Wirtschaftswissenschafter, Universitätsprofessor, Wien

Emanuel Tomaselli: Geschichtswissenschafter, Baufacharbeiter, Mitarbeiter der Zeitschrift Der Funke und bei FSG-Zorn, Wien/Röns.

Die Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 regelmäßig in der „mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt“ veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für Wissenschaft und Kunst auf.

Die Seminarreihe wird unterstützt von:

Wien Kultur

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Psyche – Körper – Gesellschaft

Schwerpunkt: Wahn


Konzept und Organisation: Ulrike Kadi, Gerhard Unterthurner


Was meinen wir, wenn wir von Wahn sprechen? Ist es der Kontext des Nichtverstehens, der den Wahn zu einem Wahn werden lässt? Gerät das Sprechen angesichts des Wahns an seine eigenen Grenzen? Sind es in erster Linie Störungen auf Neurotransmitterebene, die eine Überzeugung ins Wahnhafte abgleiten lassen? Spiegelt sich im Wahn eine gestörte Beziehung zwischen einem Individuum und einer Gruppe wider? Oder ist der Wahn als jenes imaginäre und daher auch täuschende Moment anzusehen, das all unseren ernsthaften Überzeugungen und ästhetischen Produktionen zugrunde liegt? In diesem Semester geht es in der Vortragsreihe um psychoanalytische, philosophische, gesellschaftskritische und medienwissenschaftliche Zugänge zum Wahn.



Mittwoch, 31. Oktober 2007, 18.30 Uhr
Alice Pechriggl (Klagenfurt):
Der Ab/grund der Ordnung und der Wahn
Der Wahn durchdringt, zu gesellschaftlicher Bedeutung geworden, unsere „Normalität“ in ihren „Grundfesten“. Und doch ist er – als spezifische und „private“, also je eigene Angstabwehr – pathologisch zu begreifen: im Sinne eines Leidens (und zugleich einer Leidenschaft) radikaler Ausgeschlossenheit aus dem common sense. Diese Ausgeschlossenheit umfasst sowohl den Zerfall üblicher bzw. möglicher Wunsch-Vorstellung-Affekt-Legierungen als auch die Zersetzung des Denkens als bestimmender Verknüpfungstätigkeit. Die These ist nun, dass ein solcher akuter Wahn unsere zwanghaft-technizistisch verfasste Gesellschaft besonders dort affiziert und mit Verfolgung und subtiler Ausbeutung reagieren lässt, wo er relativ unmittelbar auf die weithin verleugnete, nicht begründbare Herkunft gesellschaftlicher Ordnung verweist; auf die Imaginiertheit, die Fiktionalität, aber auch auf die oftmals mit Gewalt verbundene „Wahnhaftigkeit“, die im Zuge radikaler Neuinstituierung oder totaler Umordnung bzw. Krise der Gesellschaft auftaucht.

Alice Pechriggl: Studium der Philosophie, Politikwissenschaften und Griechischen Altertumsgeschichte in Wien, Florenz und Paris; seit 2003 Universitätsprofessorin am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt und seit 2006 Gruppenpsychoanalytikerin in Ausbildung unter Supervision. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Philosophie (v. a. griech. Antike und 20. Jhd., Triebtheorie vor Freud), philosophische Geschlechteranthropologie und Gruppen/psychoanalyse. Zuletzt erschienen: Chiasmen. Antike Philosophie von Platon zu Sappho – von Sappho zu uns, Transcript, Bielefeld 2006.




Mittwoch, 5. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Christoph Weinberger (Wien):
There’s someone in my head, but it’s not me
Realer und simulierter Wahnsinn um 1800 und um1900
„Wahnsinn ist eine Metapher von Techniken“: Diese pointierte Aussage des Medienwissenschaftlers Friedrich Kittler gilt es in meinem Vortrag auszubuchstabieren. Zu rekonstruieren ist, wie „mediale Dispositive“, also Netzwerke von Techniken und Institutionen, in zwei zentralen Modernisierungsschüben kol
Sabinelektive Formen von Phantasmen, Rauschzuständen und Wahnvorstellungen hervorgebracht haben. Anhand der „Aufschreibesysteme 1800/1900“, dem die Geisteswissenschaften revolutionierenden Hauptwerk Kittlers (1985), soll gezeigt werden, wie die unbewussten Kräfte von medialen Techniken Bewusstseinszustände und kulturelle Wirklichkeiten überhaupt erst produzieren. Im Anschluss daran soll die Form der Kittlersch‘en Konzeption selbst problematisiert werden.

Christoph Weinberger: Mag. phil., studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Er betreibt derzeit ein Doktoratsstudium im Fachbereich Philosophie an der Universität Wien und ist Junior-Fellow am IFK. Diverse Publikationen in österreichischen Tageszeitungen als Kultur- und Wissenschaftsjournalist.



Achtung, dieser Termin entfällt!
Mittwoch, 23. Jänner 2008, 18.30 Uhr 

Bettina Reiter (Wien):
Stimmen hören – Wahn, Halluzination, Paranoia
Akustische Fehlwahrnehmungen und ihre Interpretationen sind eines der häufigsten Fundamente für Wahnentwicklungen. Der Vortrag soll die inneren Zusammenhänge der drei psychiatrischen Kategorien Wahn, Halluzination und Paranoia anhand des Symptoms „Stimmen hören“ entwickeln und dabei zugleich die psychoanalytischen Vorstellungen hierüber darstellen.

Bettina Reiter: Dr.in med., Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Psychoanalytikerin (WPV), Geschäftsführerin der Akademie für Ganzheitsmedizin. Herausgeberin der „Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis“ (Stroemfeld Verlag), Mitherausgeberin von „Forschende Komplementärmedizin – Wissenschaft, Praxis, Perspektiven“ (Karger Verlag). Publikationen zu psychoanalytischen und kulturwissenschaftlichen Themen. Im Erscheinen: Spaziergänge mit Freud – psychoanalytische Beobachtungen, Edition Steinbauer, 2007.



Freitag, 18. Jänner 2008, 18.30 Uhr
Karl Stockreiter (Wien):
Schrift und Wahn
Die Bedeutung der Schrift als Modell zur Beschreibung des psychischen Apparates, zum Verständnis des Gedächtnisses und zur Konzeption des Unbewussten ist – durch Freud und nach ihm durch Lacan – unbestritten. Doch während der Einfluss des gesprochenen Wortes auf die Subjektgenese eingehend gewürdigt worden ist, blieb die Bedeutung der Aneignung der Schrift durch das Individuum weitgehend vernachlässigt. In welchem Verhältnis steht die Aneignung der Schrift zum Ödipuskomplex? Und welche Rolle nimmt die Schrift jenseits der symbolischen Kastration – im Wahn – ein?


Karl Stockreiter: Univ.-Doz., Dr., Psychoanalytiker in freier Praxis in Wien, Mitherausgeber der psychoanalytischen Quartalszeitschrift „texte“; Mitglied der Neuen Wiener Lacan-Schule und der Forschungsgruppe stuzzicadenti.




Konzept und Organisation:
Ulrike Kadi: Dr.in med., Dr. phil., arbeitet als Ärztin im psychiatrischen Versorgungskrankenhaus und als externe Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: lacansche Psychoanalyse, Theorien des Körpers, Sprachphilosophie. Für mehr Information siehe: http://phaidon.philo.at/~kadi.

Unterthurner, Gerhard: Dr. phil., Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Wien, „freier“ Wissenschaftler, Lektor. Publikationen (u. a.): Hg. gem. mit Silvia Stoller und Elisabeth Nemeth, Philosophie in Aktion. Demokratie – Rassismus – Österreich, Wien 2000; Hg. gem. mit Ulrike Kadi, sinn macht unbewusstes. unbewusstes macht sinn, Würzburg 2005.



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Bearbeitung: 20. September 2007

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