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Institut für Wissenschaft und Kunst

Seminar- und Vortragsreihen 

im WINTERSEMESTER 2008/09


 

Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt. 


AUFTAKT DER VORTRAGSREIHE: 
NEUE PERSPEKTIVEN: MIGRATION IM ZENTRAL- UND SÜDOSTEUROPÄISCHEN RAUM


In Kooperation mit der Initiative Minderheiten

Donnerstag 22.1.2009, 18.30 Uhr
The politics of international migration: a debate over the Turkey-EU relationship (Vortrag in englischer Sprache)
Prof. Dr. Ahmet Içduygu, Direktor des Programms für Migrationsforschung an der Koç Universität (Istanbul)

 
Ausgehend davon, dass die Türkei nicht nur ein Auswanderungsland darstellt, sondern auch als Transit- und Einwanderungsland fungiert, spricht Ahmet Içduygu über Migrationspolitiken als eines der zentralen Themenfelder der Verhandlungen zum EU-Beitritt der Türkei. Içduygu gibt einen Überblick über aktuelle Debatten und Studien zum Thema.

Diese Veranstaltung bildet den Auftakt einer Vortragsreihe der Initiative Minderheiten in Kooperation mit dem Institut für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Projekts "Neue Perspektiven. Migration im zentral- und südosteuropäischen Raum". Das Projekt beschäftigt sich mit bestehenden Migrationsbewegungen und -politiken in der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und Österreich und deren Kontextualisierung in einem globalen geopolitischen Zusammenhang seit den späten 1980er Jahren. Unter der Beteiligung von Rechercheteams in Belgrad, Istanbul, Wien und Zagreb sind ein Symposium in Zagreb (8.-10. Mai 2009) sowie Ausstellungen in Wien, Istanbul und Belgrad, geplant.

Die Vortragsreihe am IWK ist als öffentlicher Dialog des Wiener Projektteams mit internationalen ExpertInnen gedacht und soll so auch einen Ort der Präsentation und Diskussion aktueller migrationspolitischer Fragen unter Einbezug verschiedener Perspektiven darstellen.

Vorschau:
Am 20. Februar 2009 wird Dr. Silva Mežnarić, langjährige Leiterin von Forschungsprojekten am Institute for Migration and Ethnic Studies (Zagreb), zum Thema New Immigration Policies and New Europe: Case of Croatia sprechen.
Koordination der Vortragsreihe: Renée Winter renee.winter@reflex.at

Kuratorium: Vida Bakondy, Vlatka Frketić, gangart / Simonetta Ferfoglia, Heinrich Pichler /, Jasmina Janković, Cornelia Kogoj, Gamze Ongan, Renée Winter, Zagreb: Amir Hodžić, Beograd: Jelena Đorđević, Istanbul: Dilman Muradoğlu, Kunstausstellung: Christian Kravagna

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der: ERSTE STIFTUNG, BMUKK – Kunstsektion, Arbeiterkammer Wien, Wirtschaftskammer Österreich

INFORMELLES LERNEN: KONZEPTE - ORTE - KONTROVERSEN

Konzept und Organisation: Arbeitsgruppe Informelles Lernen (Norbert Bichl, Wolfgang Brückner, Hedwig Presch, Wolfgang Stifter, Eva Tepperberg, Martina Zach und Reinhard Zürcher)

Das informelle Lernen hat in den letzten Jahren insbesondere deshalb beträchtliches Interesse gefunden, weil manche - auch beruflich verwertbare - Kompetenzen informell erworben werden. In dieser vierteiligen Reihe wird versucht, die ökonomisch verwertbaren Aspekte des informellen Lernens in einen erweiterten Bildungszusammenhang zu stellen und Bezüge zur nachhaltigen Entwicklung zu identifizieren.

ENTFÄLLT
Mittwoch, 1. Oktober, 18.30 Uhr
Kornelia Hauser (Innsbruck):
Der neokapitalistische Umbau des Selbst
Alle Anforderungen an das "neue Subjekt", das neokapitalistische Selbst, sind dekontextualisiert, werden eher als Vereigenschaftung von Verhältnissen dennals Aneignung, Kompetenz und Haltung gefasst. Diese Entwicklungen sind mit einerm kritsichen Bildungsbegriff unvereinbar, obwohl diese Anforderungen in Begriffen der vormaligen westlichen Befreiungsbewegungen gefasst werden, indem Freiheit, Gruppe, Transparenz, Emanzipation, Kreativität, Eigensinn, Flexibiltät und Mobilität explizit benannt und in den Kontext der erfolgreichen Selbst-Vermarktung gestellt werden. Für die öffentlichen Bildungsdebatten und -prozesse stellt unverhohlen Bildung selbst eine Rechtfertigung dar, und der Ein- und Ausschluss von Bildungsprozessen artikuliert fehlendes bzw. vorhandenes Engagement mit.

Mitwoch, 5. November, 18.30 Uhr
Luise Gubitzer (Wien):
"Literarität" im Bereich Wirtschaft
Beim Lernen ökonomischer Grundbegriffe in formalen Bildungswegen wird immer auch eine Realität und eine dahinter stehende Theorie vermittelt. Mit "Wirtschaft" ist dabei häufig gewinnorientierte Wirtschaft gemeint. Insbesondere Frauen lernen mit dem Einstieg in das Berufsleben und wenn sie Kinder bekommen, dass es noch eine andere Wirtschaft, die Hauswirtschaft, die öffentliche Wirtschaft und auch andere Menschenbilder gibt. Informelles Lernen als Lernen durch den Alltag der verschiedenen Tätigkeitsbereiche und als nicht zertifiziertes Lernen in Economic Literacy-Workshops erweitert die Sicht auf Wirtschaft, auf Arbeit, auf Rationalität und auf tätige Frauen und Männer. An diesem Abend sollen Grundlagen vorgestellt werden, formal erlernte ökonomische Grundbegriffe durch informelles Lernen zu dekonstruieren.

Freitag, 5. Dezember, 18.30 Uhr
Bernd Overwien (Kassel):
Informelles Lernen als Teil einer Bildung für nachhaltige Entwicklung
In der Diskussion um informelles Lernen stellt sich die Frage, wie denn informelle und formale Lehr- und Lernformen miteinander in Verbindung treten können. Der Rahmen, in dem diese Diskussion an diesem Abend geführt wird, bildet das Themenfeld der Bildung für nachhaltige Entwicklung, die in den letzen Jahren nicht nur durch die von der UNO ausgerufenen Dekade besondere Aktualität gewonnen hat.

Mittwoch, 17. Dezember, 14.00-17.00 Uhr, Albert Schweitzer-Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
Gabriella Kovacs (Linz):
Kompetenzprofil für MigrantInnen
Elisabeth Chlebecek 
 (Wien):
Kompetenzenbilanz
Markus Bretschneider (Bonn):
Kompetenzenbilanzen für MigrantInnen im Spannungsfeld individuellen, gesellschaftlichen und betrieblichen Nutzens
Eines der wichtigsten Themen und zentralen Herausforderungen der europäischen und österreichsichen Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ist die Frage nach dem Umgang mit Migration und der Anerkennung von berufsbezogenen Qualifikationen und Kompetenzen. Kompetenzbilanzen und -profile könnten gerade MigrantInnen darin unterstützen, Berufs- und Bildungsziele zu erreichen. In dieser Veranstaltung werden zwei spezifische Kompetenzbilanzmodelle für MigrantInnen in Österreich vorgestellt, und es wird über erste Erfahrungen berichtet. Den Abschluss bildet eine Nutzenanalyse von Markus Bretschneider.

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.interculturexpress.at bzw. www.migrant.at.
E-mail: kompetenzzentrum@migrant.at

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Hauser, KorneliaProfessorin am Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck

Gubitzer, Luise: Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien am Institut für Volkswirtschaftstheorie und –politik.

Overwien, Bernd: Professor für "Didaktik der Politischen Bildung" an der Universität Kassel.

Bretschneider, Markus: Dr.; Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn.

Bichl, Norbert: DSA, Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen, Wien.

Brückner, Wolfgang: Mag.; Die Wiener Volkshochschulen, Wien Floridsdorf

Presch, Hedwig: Dr.in; Institut für Alterskompetenzen

Stifter, Wolfgang: Mag., Erwachsenenbildnerund Bildungsberater, biv integrativ.

Tepperberg, Eva: Dr.in; Berufschulinspektorin, Campus Längenfeld

Zach, Martina: Mag.a; Lektorin, Projektkoordinatorin EB (V/8)

Zürcher, Reinhard: Dr., Institut für Forschung, Innovation und Schulentwicklung, Pädagogische Hochschule Wien.

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FRAUENNETZWERKE IN WISSENSCHAFT UND KUNST: UTOPIE UND WIRKLICHKEIT

Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger

Obwohl das Thema Frauennetzwerke derzeit einen Boom erlebt, handelt es sich keineswegs um ein zeitgenössisches Phänomen. Private Verbindungen, Frauenverbände und andere Zusammenschlüsse hatten nicht selten wesentlichen Einfluss auf Wissenschaft oder Kunst. Dieser Arbeitskreis wird sowohl historische Beispiele vorstellen als auch aktuelle Frauennetzwerke diskutieren.

Montag, 6. Oktober, 18.30 Uhr
Irmgard Neubauer (Wien):
"Ihr wollt die Freiheit? Wohlan mein Herz glüht nach ihr" Betty Paoli

Die erste österreichische Berufsjournalistin Betty Paoli verfasste Beiträge für die "Neue Freie Presse", rezensierte Literatur, bildende Kunst und Burgtheateraufführungen. Der FreundInnenkreis von Petty Paoli, Annette von Drose-Hülshoff und Marie von Ebner-Eschenbach bildete ein Netzwerk, das weibliche Karrieren schuf. Diese drei Lebensfreundinnen unterstützten und förderten sich gegenseitig - auch neue Kolleginnen, die sich mit Rat an sie wandten. Es handelt sich hierbei um eine erste Vernetzung zwischen Autorinnen - dieses Beziehungsnetz kann als Vorstufe zur ersten weiblichen Berufsgenossenschaft, dem "Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen" in Wien, gesehen werden.

Montag, 27. Oktober, 18.30 Uhr
Sarolta Lipóczi (Budapest):
Die Romane von Zsuzsanna Gahse und Zsuzsa Bánk über ungarische EmigrantInnen  nach 1956
Nach einem Überblick über den historischen Hintergrund und das literarische Umfeld werden zwei Romane analysiert: "Nichts ist wie oder Rosa kehrt nicht zurück" (1999) der 1946 in Ungarn geborenen und 1956 in den Westen emigrierten Zsuzsanna Gahse und "Der Schwimmer" (2002) der 1965 in Frankfurt am Main geborenen Zsuzsa Bánk. Was für Vorstellungen haben die ProtagonistInnen von der Freiheit, wie bewältigen sie die Situation im Exil und welche Chancen bietet die Emigration für sie?
Hajna Stoyan (Kecskemét):
Leben und Werk von Magda Szabó (1917 - 2007) im Spiegel ihrer autobiographischen Romane
Der Vortrag befasst sich mit Romanen der ungarischen Schrifstellerin Magda Szabó, die auf ihre unterschiedlichen autobiographischen Motive und Darstellungsformen hin analysiert werden. Abschließend wird auf die jugendliterarische Tätigkeit der Autorin eingegangen, vor allem auf den Roman "Abigél" (1970).

Montag, 10. November, 18.30 Uhr
Christine von Oertzen (Berlin):
Netzwerke für die Wissenschaft:
Zur transnationalen Geschichte der International Federation of University Women 1917-1945
Der Vortrag verfolgt Gründung und Geschichte eines transnationalen Netzwerks von Akademikerinnen, das 1919 im Umfeld des Völkerbundes entstand. Er analysiert Programm und Politik einer angloamerikanischen Initiative, die darauf abzielte, das berufliche und wissenschaftliche Fortkommen von Hochschulabsolventinnen zu befördern und damit gleichzeitig zur Völkerverständigung beizutragen. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gerichtet, was die Gründung der IFUW für die europäischen, und insbesondere für die österreichischen und deutschen Akademikerinnen bedeutete, die dem Netzwerk 1922 bzw. 1926 als nationale Vereinigung beitraten. Dies betrifft die Zeit vor und nach 1933 bzw. 1938, als die IFUW zum Netzwerk weiblicher akademischer Fluchthilfe wurde.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Neubauer, Irmgard: IT-Fachfrau, Buchhändlerin, Musikerin.

Stoyan, Hajna: Dr.in, Studium der Germanistik, Ungarologie, Slavistik; intensive Beschäftigungn mit deutschsprachiger Kinderliteratur als Dozentin der Lehrerbildungsfakultät der Eötvös-Lórand-Universität in Budapest; ausgehend von ihrer Dissertation zum Thema "Phantastische deutsche Kinder- und Jugendliteratur in den Jahren 1960 bis 1900" entstand das Buch "Die phantastischen Inderbücher von Michael Ende" (Frankfurt am Main 2004); Vorträge auf mehreren internationalen Konferenzen sowie Organisation inländischer und internationaler Konferenzen; Ehrung mit dem Verdienstkreuz der Ungarischen Volksrepublik in Silber 2004.

Lipóczi, Sarolta: Professorin an der Pädagogischen Fakultät der Hochschule Kecskemét, Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft/ Abteilung Deutsche Sprache und Literatur; Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Komparatistische Fragestellungen zur Entwicklung der ungarischen und deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Veränderungen nach 1945; Die europäische Dimension im Sprach- und Literaturunterricht; Forschungsaufenthalte in Deutschland (Frankfurt, Freiburg) und Österreich (Wien); Kooperation in bilateralen und multilateralen europäischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit zahlreichen Hochschulen/ Universitäten in Europa.

Oertzen, Christine von: promovierte an der Freien Universität Berlin und war von 2002 bis 2005 Research Fellow am Deutschen Historischen Institut in Washington D.C.; seit Juni 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin.

Blumesberger, Susanne: Dr.in, Kommunikationswissenschafterin; Mitarbeiterin des IWK-Projekts "biografiA.Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen."

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STUDIEN ZUR ARBEITERINNENBEWEGUNG - 

SCHWERPUNKTTHEMA: ARBEITERINNENBEWEGUNG UND FILM



Koordination:
Paul Habr und Peter Ulrich Lehner (Redaktion der Zeitschrift "mitbestimmung") in Zusammenarbeit mit Christian Dewald (Filmarchiv Austria) und Susanne Pyrker


Der Film, ein Medium, das Bewegung auf Zelluloid bannte, um sie als bewegte Bilder wiederzugeben, und sein Verhältnis zur ArbeiterInnenbewegung bildet in diesem Semester das Thema der Seminarreihe. Filme werden gemacht und haben daher im Wortsinn etwas mit Arbeit zu tun. Doch vor Jahrzehnten schon hat sich das Kapital des Films bemächtigt und ihn als Filmindustrie zu einem maßgeblichen Bestimmungsfaktor der Bewusstseinsindustrie gemacht. Wie stehen die FilmemacherInnen zur ArbeiterInnenbewegung? Konnte die ArbeiterInnenbewegung das Medium Film für ihre Ziele erfolgreich in Anspruch nehmen? Wie werden die Anliegen von Menschen im Film dargestellt, die zur Vermietung ihrer Arbeitskraft genötigt sind (oder dafür immer weniger Mieter finden)?

Dienstag, 7. Oktober, 18.30 Uhr
Patrice Blaser (Wien):
Wie der Film entstand
Was waren die Anfänge des Films? Wie wurden Amateure zur professionellen Filmherstellern? Welche gesellschaftlichen Schichten bedienten sich dieses neuen Mediums?
 

Dienstag, 4. November, 18.30 Uhr
Susanne Pyrker und Gerhard Schedl (Wien):
Film als Arbeit
Welche vielfältigen Tätigkeiten sind notwendig, ehe das Kunstwerk über die Leinwand oder den Bildschrim flattern kann? Welche schöpferischen Freiräume bieten die einzelnen Arbeitsbereiche? Gibt es geschlechtsspezifische Herstellungstätigkeiten?


Dienstag, 2. Dezember, 18.30 Uhr
Christian Dewald und Michael Loebenstein (Wien):
ArbeiterInnenbewegung und Film
Welche Themen greifen ausgesprochene "ArbeiterInnenfilme" mit welchen Mitteln auf und für welche Ziele? Wie thematisieren sie die Geschlechterverhältnisse?

Dienstag, 13. Jänner, 18.30 Uhr
Christian Dewald und Gerhard Schedl (Wien):
ArbeiterInnenbewegung im österreichischen Film
Bestehen in der kapitalistischen Filmproduktion Freiräume zur authentischen Thematisierung des Lebens und der Probleme erwerbsarbeitender und erwerbsarbeitsloser Menschen?


Die Vorträge dieser Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 nachträglich regelmäßig in der mitbestimmung.zeitschrift für demokratische arbeitswelt veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Insituts für Wissenschaft und Kunst auf.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Blaser, Patrice: Dr.; Regisseur, Filmwissenschafter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Pyrker, Susanne: Geschäftsführerin des Pressebüros Pyrker, Presse und PR für Film und Kino, Wien

Schedl, Gerhard: Mag.; Filmschaffender; Filmproduzent; Berater bei filmsupport; gehört dem Filmbeirat Cine Tirol und dem Kuratorium des Filmfonds Wien an; ehemaliger Direktor des Österreichischen Filminstituts Wien.

Dewald, Christian: Dr.; Filmhistoriker; Mitarbeiter des Filmarchivs Austria in Wien.

Loebenstein, Michael: Mag.; Autor und Mediengestalter; Mitarbeiter des Österreichischen Filmmuseums in Wien.

Habr, Paul: Magistratsbeamter, Personalvertreter

Lehner, Peter Ulrich:
ehemaliger Grundlagenforscher in einem gemeinwirtschaftllichen Dienstleistungsunternehmen, Mitarbeiter der Zeitschrift "mitbestimmung"

Die Seminarreihe wird unterstützt von

Wien Kultur


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FEMINISTISCHE THEORIE UND GENDER STUDIES

Die Vortragsreihe widmet sich aktuellen Themen aus dem Bereich der feministischen Theorie und der Gender Studies. Dieses Semester steht das vielschichtige Thema Liebe im Zentrum der Auseinandersetzung, das im Unterschied zu Begehren und Sexualität im feministischen Kontext noch weitgehend wissenschaftlich unaufgearbeitet ist. Dabei wird das Phänomen Liebe aus unterschiedlichen Perspektiven und interdisziplinär verhandelt. Den Beginn macht die Literatur- und Kulturwissenschafterin Barbara Schaff, die über Liebe in Zeiten der Populärkultur und deren unstete Liebesformen spricht. Der Repräsentation romantischer Liebe in Lifestyle-Magazinen widmet sich die Kunsthistorikerin Doris Guth. Die Literaturwissenschafterin Stefanie Rinke zeigt, wie in feministische Liebeskonzepten des 20. Jahrhunderts Gedanken der mittelalterlichen Mystik eingeflossen sind. Zu guter Letzt setzt sich die Germanistin Angelika Baier mit dem Liebesdiskurs in deutschsprachigen Rap-Texten auseinander.

Mittwoch, 8. Oktober, 18.30 Uhr
Barbara Schaff (Göttingen):
Love Actually - Liebe als Episode in der zeitgenössischen Populärkultur
Als typisch postmoderne Lebensform beschreibt Zymunt Baumann den Tourismus: Der Tourist ist dem Sammeln von Erfahrungen an Orten verpflichtet, an denen er fremd bleibt. Ähnliches lässt sich auf für postmoderne Liebesformen sagen. In den flüchtigen, unsteten Bindungen der spätkapitalistischen Konsumgesellschaft, von Baumann als "liquid love" bezeichnet, verpflichten sich die ProtagonistInnen zwar dauerhaft der romantischen Liebe, nicht mehr jedoch dem/der PartnerIn und bleiben, ähnlich wie der/die TouristIn ortlos. Anhand von zeitgenössischen Film- und Literaturbeispielen zeigt der Vortrag, wie dieses Prinzip der episodischen Reihung von Beziehungen auf die Darstellung postmoderner Liebe als serielle Monogamie hin funktionalisiert wird.


Mittwoch, 12. November, 18.30 Uhr
Stefanie Rinke (Berlin):
"Ich glaube an das Genießen der Frau" (Jacques Lacan) - Liebeskonzepte der Mystik in der psychoanalytischen Theorie
Der Vortrag geht den Bezügen psychoanalytischer Werke von Lacan, Irigaray und Kristeva auf Liebeskonzepte der religiösen Mystik des Mittelalters nach. Der Bezug, der durch Lacan geprägten psychoanalytischen Schule auf die Mystik hat geschlechtsspezifische Codierungen in die Psychoanalyse übertragen, ohne dass diese Übertragung reflektiert wurde. Das gilt unter anderem für Lacan selbst, der sich auf das Genießen Gottes der mittelalterlichen Mystikerinnen bezieht. Hierbei übernimmt er die geschlechtsspezifische Codierung der Mystikerin als "Empfangsmedium" Gottes. Er lässt allerdings unberücksichtigt, dass es sich im Mittelalter um strategische Selbstinszenierungen der religiösen Frauen gehandelt hat.

Montag, 17. November, 18.30 Uhr
Doris Guth (Wien):
True Love - Zur Repräsentation romantischer Liebe in Lifestyle-Zeitschriften.

Romantische Liebesideale, die auf heterosexuellen Grundlagen beruhen, dominieren nach wie vor unsere Vorstellungen von Liebe. Dass auch diese von Ambivalenzen durchzogen sind, zeigt uns der konkrete mediale Alltag. Im Vortrag werden folgende Fragen behandelt. Inwieweit werden in Lifestyle-Zeitschriften Idealvorstellungen von Liebe entworfen? Welche Positionen von Männlichkeit und Weiblichkeit werden hier konstituiert bzw. dekonstruiert? Gibt es in Lifestyle-Zeitschriften auch Bilder oder Beiträge, die normative Diskurse unterlaufen? Inwieweit gibt es (queere, polyamouröse etc.) Alternativen zur romantischen Liebe?

Mittwoch, 21. Jänner, 18.30 Uhr
Angelika Baier
(Wien):
"Wer soll ich für dich sein?" - Spielformen des Selbst in Liebesliedern des deutschsprachigen Rap
„Es wird oft angemerkt“, meint Simon Frith, „aber nur selten ernsthaft diskutiert, dass ein Großteil der Popsongs Liebeslieder sind.“ Das Konzept der Liebe und damit einhergehend die Aushandlung von (Geschlechts-)Identität spielen in vielen Rap-Texten eine große Rolle. In meinem Vortrag gehe ich der Frage nach, welche Topoi des Liebesdiskurses in Rap-Texten aufgegriffen bzw. auf welche Weise das Ich und Du in den Texten (geschlechtlich) markiert werden. Es gilt zu hinterfragen, inwiefern in Rap-Texten gängige Konzepte des (heterosexuellen) Liebesdiskurses sowie der Geschlechtsidentität übernommen, adaptiert oder gegebenenfalls überschritten werden.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Schaff, Barbara:
Professorin für Anglistische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Göttingen. Käthe-Leichter-Gastprofessorin für Gender Studies am Institut für Komparatistik der Universität Wien 2005; Forschungsinteressen: Reiseliteratur und Tourismus; zeitgenössische Populärkultur

Guth, Doris:
Kunsthistorikerin; Assistenzprofessorin an der Akademie der bildenden Künste Wien; Arbeitsschwerpunkte: Zeitgenössische Kunstproduktion und Geschlechterverhältnisse, Liebe und Feminismus im 20. Jahrhundert, Geschlechterpolitik an Universitäten

Rinke, Stefanie: Literatur- und Kulturwissenschafterin in Berlin; wissenschaftliche Mitarbeiterin des Feministischen Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin; Forschungsschwerpunkte: Christliche Geschlechterordnung, Mystik, Körper und Religionsausübung, Kulturgeschichte und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Ästhetik der Moderne und Mediengeschichte

Baier, Angelika:
Studium der Deutschen Philologie und Publizistik und Kommunikationswissenschaften; Lehrende im Bereich "Deutsch als Fremdsprache"


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GEISTIGES EIGENTUM - DAS GENIE DES URHEBERINNENRECHTS

Konzept und Organisation: Odin Kroeger

Das UrheberInnenrecht wird gerne mit Verweis auf die kreative Leistung der KünstlerInnen legitimiert: Seien deren Werke Skulpturen, Popsongs oder Werbetexte, sie müssen als Ausdruck der besonderen Individualität ihrer SchöpferInnen verstanden werden, denen daher allein Kontrolle über den Vollzug des Schöpfungsakts oder dessen Nachahmung, der Kopie, zukommen soll. Aber das Image der KünstlerIn, mit dem geistiges Eigentum beworben wird, scheint die Realität nicht richtig abzubilden. Es ist an einigen Stellen zu weich gezeichnet, an anderen verzerrt; seiner Nachzeichnung mit Blick auf die Praxis der Kultur-, Medien- und Rechteindustrie widmen sich die Vorträge dieses Semesters.

Dienstag, 21. Oktober, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Volker Grassmuck (Berlin):
Remixing and User Generated Content
Das Urheberrecht schützt das Autorsubjekt und sein geistiges Eigentum, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert formuliert wurden. Die Medienumwelt des 21. Jahrhunderts dagegen stützt das Remixing bestehender Werke und eine geistige Großzügigkeit und Promiskuität. In Appropriation, Tropikalisierung, Hybriden und Mash-Ups verschwinden die Autoren nicht etwa, doch als Kristallisationspunkt von Reputation wird ihre Funktion neu ausgehandelt - zwischen Persönlichkeitsrechten und Kunstfreiheit, zwischen Erwerbsarbeit der Profis und Selbstausdruck aller.

Montag, 24. November, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse, 1070 Wien:
Eberhard Ortland (Hildesheim):
Ästhetik des Urheberrechts
Die Entwicklung der Künste in der Moderne verläuft seit dem 18. Jahrhundert in enger Wechselwirkung mit der Herausbildung des Urheberrechts. Während das beginnende Uhrheberrecht im 18. Jahrhundert zunächst nur die Rechte an er Verbreitung von Druckwerken regelte, wurde sein Zuständigkeitsbereich in der Folge sukzessive ausgedehnt, und betraf auf die Bedingungen, unter denen die Produktion neuer, eigenständiger Werke im Ausgang von bestehenden der Kontrolle durch die Rechteinhaber der Vorlage unterstellt sein sollte. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Freiheit in der Entwicklung neuer Werke. So erweist sich das Urheberrecht als die gesellschaftlich-normative Bedingung der Möglichkeit der modernen Kunst und zugleich als eine Schranke ihrer Entwicklung. So wie urheberrechtliche Normen vielfach ästhetische Konsequenzen zeitigen, spielen im Streit um die Legitimität oder Revisionsbedürftigkeit urheberrechtlicher Normen ästhetische Präferenzen eine irreduzible Rolle. 

Donnerstag, 18. Dezember, 19.00 Uhr, Depot,
Breite Gasse, 1070 Wien:
Cornelia Sollfrank (Dundee/Hamburg):
Das Genie als Bedürfnis der Medienindustrie
Das Urheberrecht ist geprägt durch Konzepte von Kreativität und Originalität, die aus dem 18. Jahrhundert stammen und in deren Zentrum das aus sich selbst schöpfende Individuum steht. Ästhetische Praxis und Kunsttheorie haben mittlerweile derlei Vorstellungen weitgehend dekonstruiert, dennoch werden sie von bestimmten Interessengruppen aktiv am Leben erhalten. Ausgehend von der Arbeitsthese, dass KünstlerInnenbilder und Kunstbegriffe Konstruktionen sind, die nicht zuletzt politischen und/oder ökonomischen Interessen dienen - die wiederum nicht selten den Interessen von KünstlerInnen diametral entgegengesetzt sind - möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, mit welchen KünstlerInnenbildern im Diskurs um das geistige Eigentum operiert wird. Dabei möchte ich eine Verbindungslinie aufzeichen vom Genie als Bedürfnis der bürgerlichen Gesellschaft zum Genie als Bedürfnis der Medienindustrie.

Montag, 19. Jänner, 19.00 Uhr, Depot
Breite Gasse, 1070 Wien:
Odin Kroeger (Wien):
Kalkulierte Originalität? Legitimationsmythos und ökonomische Wirklichkeit
Nicht jeder Einfall gilt dem UrheberInnenrecht als schützenswert, vielmehr verlangt es nach einem Mindestmaß an Originalität. Diesem juristischen Aspruch entspricht dessen Legitimierung durch das Bild der genialen KünstlerIn, deren Arbeiten wegen ihres unverwechselbaren Stils den Schutz desselben vor NachahmerInnen verlangen können sollen. Damit gilt der Stil selbst als individuelle Freiheitssphäre, die vor dem Zugriff anderer zu schützen ist, wofür unter bürgerlichen Verhältnissen das Instrument "Eigentum" dient. Dieses tendiert aber dazu, Ware zu werden und Kultur ist tatsächlich ein handelbares Gut, doch Waren zeichnen sich dadurch aus, für die Erwartungen eines Markts produziert zu werden, sind Kalkulationsobjekte und als solche wenig originell. Die Tiefe dieses Abgrunds zwischen Theorie der Legitimierung und Praxis der Ökonomie möchte ich ausloten.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Grassmuck, Volker: Publizist, Sozial- und Medienwissenschafter; arbeitet derzeit beim DFG-Projekt "Bild, Schrift, Zahl in der Turing-Galaxis. Die technischen und soziokulturellen Hintergründe geistigen Eigentums unter den Bedingungen multimedialer Digitalisierung und globaler Vernetzung"; zuletzt erschien u.a. "Recent Copyright Trends on the Internet" in InterCommunication Magazine (2008, Nr. 65).

Ortland, Eberhard: Dr.; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim; zuletzt erschien (u.a.): "Urheberrecht als Bildregime", in: Cornelia Vismann und Thomas Weitin (Hg.), Bildregime des Rechts, merz & solitude, Stuttgart 2007.

Sollfrank, Cornelia: Künstlerin; beschäftigt sich derzeit praktisch und theoretisch mit dem Verhältnis von Kunst und geistigem Eigentum.

Kroeger, Odin: studiert Philosophei mit Schwerpunkt politische Theorie und Medientheorie und schreibt derzeit an seiner Diplomarbeit zu geistigem Eigentum.

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ÖSTERREICHISCHE FRAUEN IM WIDERSTAND GEGEN DEN NATIONALSOZIALISMUS 

Konzept und Koordination: Christine Kanzler, Ilse Korotin, Karin Nusko

Frauen haben im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur in Österreich eine maßgebliche Rolle gespielt. Diese Tatsache wurde sowohl in der historischen Forschung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit - zum Teil bis heute - ignoriert. Unter dem Einfluss der Oral History-Forschung sowie der Frauenbewegung hat die Erforschung des weiblichen Widerstands in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen entscheidenden Impuls erhalten. Besonders in den letzten Jahren haben sich WissenschafterInnen der Aufarbeitung wichtiger Thematiken innerhalb dieses Forschungsfelds angenommen. Neben dem Widerstand von Frauen in organisierten politischen und weltanschaulichen Zusammenhängen, sei es in Österreich selbst oder im Exil, rückten auch andere Themen ins Blickfeld der Forschung: Solidarität und Hilfe für die Opfer politischer und rassistischer Repression oder Formen der Selbstbehauptung von Verfolgten.
In dieser Vortragsreihe, die im Rahmen des Modulprojektes "Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" von "biografiA -
biografische datenbank und  lexikon österreichischer frauen" veranstaltet wird, sollen die mannigfaltigen Aspekte weiblicher Präsenz im österreichischen Widerstand sichtbar gemacht und neue Forschungsergebnisse präsentiert werden.

Dienstag, 21. Oktober, 18.30 Uhr
Sieglinde Bolbecher (Wien):
Frauen - Widerstand - Exil: Die weibliche Perspektive
Von Vertreibung, Flucht, Exilantendasein waren Frauen in gleichem Ausmaß, aber auch in differenter Weise getroffen wie Männer. Ein „Exil“ stand nirgendwo bereit, sondern musste erkämpft, erkauft, erschlichen werden und ist doch selbst eine besondere Form des Widerstandes. Und es erweist sich, dass erstens Einzelschicksale nicht als isolierte Einzelfälle anzusehen sind, und dass zweitens die zeitgeschichtliche Trennung von Widerstand und Exil bei politisch engagierten Frauen, bei Frauen, die sich Exilorganisationen anschlossen, nicht dem realen Lebensverlauf entsprach. Wir begegnen ihnen als Verfolgte, als Widerstandskämpferinnen, als Illegale, als Gefangene in Internierungslagern und als Deportierte in die Vernichtungslager. Sie sind mit der Entprivatisierung des Lebens konfrontiert und setzen vielfältige Anstrengungen der Widerwehr, knüpfen Netzwerke der individuellen, sozialen und politischen Selbstbehauptung, ohne dabei die Männer an Militanz übertreffen zu müssen.

Dienstag, 11. November, 18.30 Uhr
Irene Filip (Wien):
Österreicherinnen in den Internationalen Brigaden
Als im Juli 1936 General Franco gegen die demokratisch gewählte Regierung putschte und damit den spanischen Bürgerkrieg auslöste, eilten zehntausende Freiwillige aus aller Welt der Spanischen Republik zu Hilfe, knapp 1400 davon ÖsterreicherInnen. Sie reihten sich in der Mehrzahl in die Internationalen Brigaden ein, einige kämpften auch in anderen Milizverbänden wie z.B. der CNT. Ungefähr 50 von ihnen waren Frauen, die vor allem im Sanitätsdienst der Interbrigaden als Ärztinnen und Krankenschwestern tätig waren. Im Vortrag sollen auch jene Frauen erwähnt werden, die zwar selbst nicht in Spanien waren, aber durch ihre Tätigkeit in den Transportorganisationen in Wien, Vorarlberg, der Schweiz und besonders in Paris erst das Durchschleusen der Männer zu den Brigaden ermöglichten.

Dienstag, 16. Dezember, 18.30 Uhr
Annemarie Fenzl (Wien)
Die Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken
Der Theodor Innitzer ist in der Öffentlichkeit vor allem mit jenem unseligen „Heil Hitler“ verbunden, das der Kardinal im März 1938 unter sein Begleitschreiben zur „Feierlichen Erklärung“ der damaligen Österreichischen  Bischofskonferenz setzte. Nur wenige wissen, dass derselbe Theodor Innitzer als einziger Kirchenfürst im deutschsprachigen Raum in seinem bischöflichen Palais eine „Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ eingerichtet hatte, die hunderten katholischen „Nichtariern“ zur Flucht in ein sicheres Ausland verhalf und als das nicht mehr möglich war, mit den Deportierten Kontakt aufrecht hielt und ihnen neben praktischen Hilfeleistungen vor allem das Gefühl gab, nicht vergessen zu sein.
Unterstützt wurde der Kardinal  dabei von einer Gruppe mutiger Frauen, zumeist selber jüdischer Abstammung, unter der Leitung von Liselotte Fuchs, welche knapp vor Kriegsende nach Theresienstadt und von dort weiter nach Auschwitz deportiert wurde.

Dienstag, 20. Jänner, 18.30 Uhr
Brigitte Halbmayr (Wien):
Selbstbehauptung, Solidarität und Widerstand im Frauenkonzentrationslage Ravensbrück
Über 120.000 Frauen aus ganz Europa waren im Konzentrationslager Ravensbrück zwischen Mai 1939 und Kriegsende 1945 inhaftiert, mindestens 2.500 von ihnen kamen aus Österreich. Im Laufe der Jahre verschlechterten sich die Lebens- und Überlebensbedingungen aufgrund von Überfüllung des Lagers, durch Zwangsarbeit, Reduktion der Essensrationen, Selektionen, Einrichtung einer Gaskammer etc. enorm. Ausgehend von zahlreichen Überlebendenberichten wird gezeigt, welch vielfältige Formen des Widerstands die Frauen dem zunehmenden Vernichtungsdruck der SS entgegensetzten, auf welchen Motivationen widerständiges Verhalten beruhte und was ein Widerstehen überhaupt ermöglichte bzw. verhinderte.

Die Vortragsreihe wird von Zukunftsfonds der Republik Österreich und vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus unterstützt.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Bolbecher, Sieglinde
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Historikerin und Exilforscherin; wissenschaftliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes; Mitbegründerin der Theodor Kramer Gesellschaft; derzeit stellv. Vorsitzende, und Herausgeberin der Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstandes Zwischenwelt; zahlreiche Ausstellungen (Theodor Kramer - Dichter im Exil, Wien 1938, Kabarett und Satire im Widerstand, Elisabeth Bergner u.a.); Studien und Beiträge zur österrei­chi­schen Exilliteratur, zur Literatur von Frauen im Exil; u.a. Herausgeberin der Prosa und Lyrik von Stella Rotenberg Ungewissen Ursprungs (Wien 1997), An den Quell. Gesammelte Gedichte (Wien 2003). Mitverfasserin des Lexikon der öster­reichischen Exilliteratur (Wien 2000); zuletzt erschien Frauen im Exil (Jahrbuch der Theodor Kramer Gesellschaft, 2007).

Filip, Irene
:
1952 in Mödling als Tochter des österreichischen Interbrigadisten Leopold Baumann geboren; viele Jahre politische Tätigkeit in verschiedenen Bereichen der KPÖ, zuletzt Schwerpunkt Frauen und Lateinamerika; Mitarbeit in der Chile-Solidaritätsfront bzw. dem Chile-Komitee und seit den 1990er Jahren in der Vereinigung der österreichischen Freiwilligen in der Spanischen Republik; ab Mai 2007 ehrenamtliche Mitarbeiterin in dem von Hans Landauer aufgebauten Spanienarchiv des DÖW.; zur Zeit biographische Forschungsarbeit über die Österreicherinnen im Spanischen Bürgerkrieg.

Fenzl, Annemarie: Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Wien; Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung; seit 1975 Leiterin des Wiener Diözesanarchivs und von 1986 Leiterin des Büros von Kardinal König bis zu dessen Tod im März 2004.

Halbmayr, Brigitte: Mag.a Dr.in; Soziologin und Politologin; seit 1992 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Konfliktforschung in Wien; Forschungsschwerpunkte: Rassismus, Rechtsextremismus, Integration, Gender Studies, Nationalsozialismus und Holocaust, Oral History; Mitarbeit in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen (ÖLGRF), seit 1995, seit 2005 deren Obfrau.

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BILDUNG UND AKTIVIERUNG
ZUR AMBIVALENZ DER AKTIVIERUNGSDISKURSE IN DER ERWACHSENENBILDUNG

Eine Kooperation mit dem Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und Verband Österreichischer Volkshochschulen.

Konzept und Organisation: Agnieszka Dzierzbicka, Wolfgang Kellner, Klaus Ratschiller, Stefan Vater

Bildungsdiskurse verhandeln in vielfältiger Weise das Wechselspiel von zwei anspruchsvollen Zielen: gilt es doch, neue Räume der Reflexion und Muße ebenso zu eröffnen wie neue Räume der Aktivierung und Initiative. Letzere sind gegenwärtig gleichermaßen Gegenstand von Bildungsförderung und Bildungskritik: insbesondere die Bildungsmaßnahmen einer aktivierenden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik des "aktivierenden Staates" - mit den Leitbildern wie Employability, Empowerment, Integration. Alle Spielarten von "Aktivierung durch Bildung" befinden sich im vielfältigen Spannungsfeld von Mobilisierung und Kontrolle, von Freiheit und Disziplinierung, von Anpassung und Widerstand. Wir befragen das Bildungsverständnis aktueller Aktviierungsdiskurse und -konzepte anhand von Beispielen für MigrantInnen, für ältere Menschen, für die Bereiche Arbeitsmarkt sowie für Genderpolitik - und erkunden Chancen und Grenzen von Aktivierung durch Bildung ebenso wie von Bildung als "zweckfreier" Eigenaktivität.

Donnerstag, 23. Oktober, 18.30 Uhr:
Erich Ribolits (Wien):
Arbeit und Muße - wird Lernen zur Arbeit, geht's nicht um Bildung
Das in modernen Gesellschaften zu seiner Entfaltung gelangte Arbeitsethos wird in der Postmoderne zunehmend voneinem Lernethos abgelöst. Statt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, heißt die Wohlverhaltensregel nun: Wer nicht lernt, soll auch nicht essen. Es gilt, sich durch Lernen permanent aktiv und markttauglich zu halten. Für eine Bildung, die sich an der Vorstellung orientiert, Menschen zu befähigen, die Welt im Sinne ihrer Interessen und Bedürfnisse beeinflussen zu können, ist eine solche Ausrichtung des Lernens allerdings äußerst kontraproduktiv.

Donnerstag, 6. November, 18.30 Uhr:
Barbara Strametz, Lilli Müller (Wien):
Aktivierung ohne Emanzipation? Gender und Erwachsenenbildung im Kontext feministischer Bildungsarbeit
Respondentin: Petra Steiner (Wien)
Im Sinne eines Brückenschlags von theoretischer Konstruktion hin zu empirischer Forschung untersuchen die ReferentInnen die Begriffe Autonomie und Emanzipation im Hinblick auf Möglichkeiten der Rückeroberung von Autonomie und Emanzipation als Grundbegriffe für eine feministische Bildungsarbeit, die Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel hat. Feministische Bildungsarbeit und Erwachsenenbildung sind im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit gefordert, die eigene Position und Richtung kritisch zu hinterfragen.

Donnerstag, 11. Dezember, 18.30 Uhr: 
Paul Mecheril (Bielefeld/Innsbruck):
Rassismen und Handlungsvermögen. Aspekte eines Zusammenhangs
Respondentin: Helga Eberherr (Wien)
An Rassismen anschließende und diese bestätigende Unterscheidungen können als Praxen der Fremd- und Selbstpositionierung bezeichnet werden. In diesen Positionierungen formen sich Verständnisse, die von Individuen als normal, als ordnend und strukturierend wahrgenommen werden, die ihre Sicht auf die Welt bilden und Grundlage von Handlungsweisen sowie des "Aktiviert-Seins" darstellen. Es gilt, diesen Zusammenhang so auszuloten, dass auch Möglichkeiten seiner Schwächung angesprochen werden.

Donnerstag, 15. Jänner, 18.30 Uhr:
Dietmar Köster (Witten):
Aktivierung im Alter: Konzepte kritischer Altersbildung
Respondentin: Charlotte Strümpel (Wien)
In einer "Gesellschaft des langen Lebens" wächst die Erkenntnis, dass die Gestaltung von kollektiven Alterungsprozessen unter der Perspektive der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, unter dem Blickwinkel der Potenziale und der Partizipation älterer Menschen zu erfolgen hat. Kritische Altersbildung setzt bei der "Aktivierung im Alter" vor allem auf zivilgesellschaftliches Engagement, auf Partizipation und Gemeinwesenorientierung.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Ribolits, Erich:
Professor für Bildungswissenschat an der Universität Wien

Strametz, Barbara: Mag.a; freie Bildungswissenschafterin in Wien

Müller, Lilli:
Mag.a; freie Bildungswissenschafterin in Wien

Steiner, Petra:
Mag.a; freie Bildungswissenschafterin in Wien

Mecheril, Paul: Professor an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universitäten Bielefeld und Innsbruck

Eberherr, Helga: Mag.a; Soziologin; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Gender & Diversität der Wirtschaftsuniversität Wien

Köster, Dietmar: Dr.; Sozialwissenschafter; Geschäftsführer des Forschungsinstituts Geragogik in Witten.

Strümpel, Charlotte: Mag.a; Sozialwissenschafterin; Österreichisches Rotes Kreuz, Wien.

Dzierzbicka, Agnieszka: Dr.in; Universitätsassistentin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien

Kellner, Wolfgang: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke

Ratschiller, Klaus: Lektor für Philosophie; freier Schriftsteller

Vater, Stefan: Bildungssoziologe, Philosoph; wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes österreichischer Volkshochschulen

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FORSCHUNG, TECHNOLOGIE UND GESELLSCHAFT IN ÖSTERREICH
WISSENSCHAFTSPOLITISCHES KOLLOQUIUM 


Eine Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik (ÖGTP).
Konzept und Organisation: Norbert Rozsenich, Johann Dvorák


Aus Aktualitätsgründen steht in diesem Semester die Wissenschafts- und Hochschulpolitik im Vordergrund, die nach Ansicht von Tibor Vámos eigentlich keine Politik mit all den negativ besetzten Konnotationen, sondern eine Kultur im umfassenden Sinne des Wortes sein sollte. Eine Rückbesinnung auf die erkenntnisorientierte und emanzipatorische Rolle der Hochschulen in Österreich soll keineswegs deren über Jahre gewachsene Bereitschaft in Abrede stellen, wesentliche Beiträge zur Stärkung des nationalen Innovationssystems und der europäischen Wettbewerbsfähigkeit - unter Einschluss der KMUs - zu leisten, wie zwei weitere Vortragende klar belegen. Wie jedoch das Fallbeispiel der Eliteuni Gugging zeigt, führt jeden Störung der Ausgewogenheit zwischen wissenschaftsimmanenten und öffentlichen Interessen einerseits und lobbyistischen Partei- und Industrieinteressen anderseits - gelinde gesagt - zu suboptimalen Konstrukten in unserer prinzipiell leistungswilligen und leistungsfähigen scientific community.
Im Wintersemester werden vier Vortragende aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrungen im Umgang mit wissenschafts- und hochschulpolitischen Fragen einbringen. Die Veranstalter freuen sich insbesondere darüber, dass sich zwei Mitglieder des Internationalen Beirates der ÖGTB - Gordane Popovic von der Europäischen Kommission in Brüssel und Tibor Vámos von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften - als Vortragende zur Verfügung gestellt haben.

Dienstag, 28. Oktober, 18.30 Uhr:
Gordana Popovic (Brüssel):
Forschung und Technologieentwicklung in den KMUs - Welche Initiativen setzt die EU?
Der Vortrag stellt das Forschungsrahmenprogramm der EU und das CIP (Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation 2007-2013) vor, das KMUs in der Forschung und im Technologietransfer unterstützt. Präsentiert werden weiters das Entreprise Europe Network, das Entrepreneurship and Innovation Programme (EIP) sowie die Aktivitäten der Exekutivagentur für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (EAWI). Abschließend werden die Chancen der Universitäten bei der Bewerbung in diesen Programmen besprochen.

Dienstag, 18. November, 18.30 Uhr:
Tibor Vámos (Budapest):
Wissenschaftspolitik: Politik oder Kultur?
In diesem Vortrag wird der Beitrag analysiert, den die Forschung zur Erreichung wirtschaftlicher Ziele leistet, wobei zwischen Großmächten und kleineren Staaten differenziert wird. Weitere Themen sind das Verhältnis von Megaorganisationen und Politik, die Aufgaben der Verwaltung (Infrastruktur, Bildung im Spannungsfeld von Chancengleichheit und Elitenförderung), Probleme der Konzentration (Monopole versus KMUs) und der Finanzierung (seed money und Grundfinanzierung). Am Beispiel Österreich-Ungarn wird schließlich auch das Verhältnis von Tradition und Modernität in der Wissenschaftspolitik untersucht.

Dienstag, 16. Dezember, 18.30 Uhr: ÖGTP, Floragasse 7/2, 1040 Wien
Helmut Detter (Wien): 

Was leisten die österreichischen Universitäten und Fachhochschulen für die Industrie?
Der Vortrag analysiert die Rolle der Hochschulen für die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich sowie die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als Motor permanenter Innovation. Dazu werden Fallbeispiele aus der Praxis des Referenten (Umwelttechnik, Tribologie, Mikro- und Nanoengineering) herangezogen. Ausgehend davon wird schließlich der Ist-Zustand der österreichischen Hochschulpolitik im Bund und in den Bundesländern kritisch beleuchtet.

Dienstag, 27. Jänner, 18.30 Uhr, Institut für Politikwissenschaft, Uni Wien, NIG,  Universitätsstraße 7, 2. Stock, Hörsaal 3)

Norbert Rozsenich (Wien):
Eliteuniversität Gugging - Chance oder Farce?
Nachdem zunächst internationale Vorbilder für sogenannte Eliteuniversitäten vorgestellt werden, zeichnet der Referent den Weg nach, den Anton Zeilingers Gedankenexperiment zur Gründung einer Spitzenforschungseinrichtung in Österreich genommen hat: von der Bemächtigung der Gründungsidee durch Politik und Industrie bis zur Mutation zu einem Insitute for Science and Technology Austria (ISTA). Der Vortrag mündet in eine kritische Analyse des Elitenbegriffs, des Gründungsgesetzes des ISTA, der Standortentscheidung und der bisherigen Entwicklung.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Popovic, Gordana:
Dr.in; Diplom-Ingenieurin Elektronik und Mikrosystemtechnik (TU Wien); Ass. Prof. Fakultät Elektrotechnik TU Wien (karenziert); Officer in der Europäischen Kommission in Brüssel in der GD Forschung und der GD für Informationssysteme und Medien, sowie in den Exekutivagenturen der EU-Kommission für Bildung bzw. für Wettberwerbsfähigkeit und Innovation; Mitglied des Internationalen Beirates der ÖGTP; Universitätsrätin der Uni Salzburg; Gastprofessorin der Uni Malta; Tutorin der Schweizer Stiftung für Mikrosystemtechnik

Vámos, Tibor:
D
oktor und Professor der Elektrotechnik (TU Budapest); Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Vorstand des Computer und Automation Instituts); Spezialgebiete: komplexe Systeme, Gestalterkennung, Texterkennung, epistemologische Probleme der Rechnerwissenschaft; Ehrenmitglied der OCG und der ÖSGK; Präsident IFAC 1981-84; Fellow IEEE, IFAC und ECCAI; Ehrenpräsident der John von Neumann Gesellschaft, Mitglied des Internationalen Beirates der ÖGTP.

Detter, Helmut:
D
oktor des Maschinenbaus (TU Wien); F&E-Erfahrung bei Siemens München; Professor bzw. Institutsvorstand an der TU Wien (Feinwerktechnik, Sensor- und Aktuatorsysteme); Geschäftsführer Forschungszentrum Seibersdorf; Gründungsgeschäftsführer der FH Wiener Neustadt; Vorstandsmitglied ÖGTP;  Präsident der Österr. Gesellschaft für Mikrosystemtechnik; Ehrendoktor der TU Chemnitz; Ehrenkreuz I. und II. Klasse für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich. 

Rozsenich, Norbert:
Doktor der Mathematik (Uni Wien); Industrieerfahrung bei Böhler Kapfenberg; Forschungs- bzw. Technologiesektionschef im Wissenschafts-, bzw. Infrastrukturministerium; Präsident der ÖGTP und der Österreichischen Gesellschaft für Automatisierungs- und Robotertechnik; Universitätslektor für Forschungspolitik an der Universität Wien; Mitglied des Aufsichtsrates der Austrian Research Centers GmbH; stv. Vorsitzender des Universitätsrates der Uni für Bodenkultur Wien; Ehrensenator der TU Wien.

Dvorák, Johann: Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien

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PSYCHE - KÖRPER - GESELLSCHAFT: 
SCHWERPUNKTTHEMA: WAHN

Konzept und Organisation: Ulrike Kadi und Gerhard Unterthurner

Um ein Wahngebilde als psychopathologisches Phänomen anzusehen, stützen wir uns auf Konventionen von Normalität und Krankheit, von Inklusion und Exklusion. Die Vorträge der Reihe widmen sich im Wintersemester den Objekten der Exklusion ebenso wie einer Infragestellung der Grenze zwischen Normalität und Krankheit. Insbesondere wird nach Kriterien einer Grenzziehung zwischen einem Wahn als Teil einer Erkrankung und strukturähnlichen künstlerischen Produktionen gefragt.

ENTFÄLLT
Freitag, 5. Dezember, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Susanne Regener (Siegen):
Normierte Leidenschaft? Visualisierungen weiblicher Seelenkrankheit in der Psychiatrie
Ab 1900 spielte die Fotografie von PatientInnen in europäischen Psychiatrien eine Rolle für die Diagnose, die Dokumentation von Krankheitsverläufen und die didaktische Vermittlung von Krankheitsbildern. Insbesondere Frauen waren Zielobjekte, an denen mit visuellen Zeichen von Verrücktheit und Anormalität experimentiert wurde. Bilder aus der Psychiatrie des 20. Jahrhunderts konstruieren die Frau als Ikone psychischen Leidens und Anormalität.
Die Referentin untersucht die Blickkultur, die über visuelle Normierungsversuche der Psychiatrie Weiblichkeit be- und festschreibt.

Freitag, 12. Dezember, 18.30 Uhr, IWK:
Rainer Gross (Hollabrunn):
Wahnsinn und/oder Kunstwerk
Der Art brut zugerechnete Kunstwerke werden in der Regel nicht als Produktionen des Wahnsinns angesehen. Die Psychoanalyse sieht im Wahn weniger ein pathognomonisches Zeichen als einen Resitutionsversuch. Unter Einbeziehung der Theorien von H. Segal und W. Bion werden psychoanalytische Perspektiven auf die Grenze zwischen Wahn und Kunst gesucht.

Mittwoch, 14. Jänner, 18.30 Uhr, IWK:
Georg Psota (Wien):
Wahn und Wirklichkeit - Vom Gegensatz bis zur Ergänzung
Konstruktionen bestimmen unser Verhältnis zur Realität mit. Konstruierte Wirklichkeiten sind dem Menschen mögliche Gedankenwelten. Wir schätzen ihre Formen in Literatur und Kunst. Wo mündet das kreative Konstruieren in Krankheit? Und wer beurteilt das?

Freitag, 23. Jänner, 18.30 Uhr, IWK:
Marc Rölli (Darmstadt):
Logik des Wahnsinns?
Der französische Philosoph Gilles Deleuze hat in den 1960er-Jahren eine Logik des Sinns entwickelt, die im Rekurs auf "minoritäre" Daseinsformen - z.B. der Schizophrenie - den gängigen Begriff der Vernunft einer grundlegenden Revision unterzieht. Während eine rein exklusive Vernunft alle mit ihr nicht übereinstimmenden Denk- und Handlungsweisen ausschließt, enftaltet Deleuze einen neuartigen Vernunftbegriff auf der Basis der "Differenz", der "Wunschmaschinen" oder des Begehrens. Zusammengeführt werden diese Überlegungen in der sogenannten "Schizoanalyse" des "Anti-Ödipus". Wie ist es aber möglich, eine solche "Analyse" vorzunehmen, wenn dem Anspruch nach die Distanz zwischen dem vernünftigen Subjekt der Analyse und ihrem "un-vernünftigen" Objekt preisgegeben wird?

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Regener, Susanne: Professorin für Mediengeschichte/ Visuelle Kultur an der Universität Siegen . Sie lebt in Berlin und Siegen.

Gross, Rainer: Dr.; Primar der Psychiatrischen Abteilung des KH Hollabrunn; Facharzt für Psychiatrie und Neurologie; Psychoanalytiker; Publikationen zu psychiatrischen, psychoanalytischen und ästhetischen Themen

Psota, Georg: Dr.; Facharzt für Psychiatrie und Neurologie; seit 2001 leitender Oberarzt am Gerontopsychiatrischen Zentrum des Psychosozialen Dienstes Wien sowie seit 2007 Ärztlicher Leiter des Ambulatoriums Josefstadt, 
Psychosozialer Dienst Wien; zahlreiche Publikationen in diversen medizinischen Fachzeitschriften, vor allem zu den Themen Demenz und Altersdepression

Rölli, Marc: Dr.; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der TU Darmstadt; Forschungsscherpunkte: Philosophische Anthropologie und Anthropologiekritik, Philosophie der Biowissenschaften und Biopolitik, Französische Gegenwartsphilosophie, Pragmatismus; Buchveröffentlichungen (u.a.): "Gilles Deleuze. Philosophie des transzendentalen Empirismus" (Wien 2003); Hg.: "Ereignis auf Französisch. Von Bergson bis Deleuze" (München 2004); Mithg.: "Ambivalenzen des Todes" (Darmstadt 2007).

Kadi, Ulrike: Philosophin, Ärztin; Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien

Unterthurner, Gerhard: freier Wissenschaftler; Lehrbeauftragter am Insitut für Philosophie der Universität Wien

Die Vortragsreihe wird unterstützt von  

Novartis

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Bearbeitung: 5. November 2008

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