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Institut für Wissenschaft und Kunst

Tagungen, Buch- und Projektpräsentationen, Vorträge

im Wintersemester 2008/09


 
 Tagungen/ Symposien

  Workshops, Buch- und Projektpräsentationen, Vorträge


ELLA LINGENS (1908-2002). ZUR ERINNERUNG

Konzept und Koordination: Ilse Korotin

An Ella Lingens – Juristin, Ärztin und Widerstandskämpferin – zu erinnern bedeutet auch, die Verflechtung eines individuellen Lebens mit den bedeutsamen zeithistorischen Phänomenen aufzuzeigen. Aus einer bürgerlichen Familie stammend, wandte sie sich im Roten Wien früh der Sozialdemokratischen Partei zu. Im kulturradikalen Kreis um Karl Motesiczky gewann die Psychoanalyse an Bedeutung, später, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die in diesem Kontext gegründete antifaschistische Widerstandsgruppe. Daraufhin folgten Denunziation, Verhaftung und Deportation nach Auschwitz, aber Ella Lingens überlebte als nichtjüdische Ärztin den Holocaust. In der Nachkriegszeit erfüllte Ella Lingens neben ihrer beruflichen Tätigkeit als leitende Mitarbeiterin im Sozialministerium unermüdlich eine Reihe von wesentlichen Aufgaben: Als „Zeugin der Anklage“ brachte sie die Kraft auf, 1964/65 im Auschwitz-Prozess auszusagen, als Zeitzeugin ging sie in Schulen und zu LehrerInnenseminaren. Ihr 1947 verfasster autobiografischer Bericht „Prisoners of Fear“  (deutsch: „Gefangene der Angst“, Wien 2003) ist ein Klassiker der frühen analytischen Literatur zum KZ-System und ein Meilenstein der Erinnerungsliteratur. Zum 100. Geburtstag von Ella Lingens nehmen WissenschafterInnen Bezug auf wichtige Stationen ihres bewegten und inhaltserfüllten Lebens, um diese mit aktuellen Forschungsfragen und -ergebnissen zu  ergänzen.

Programm:

Freitag, 14. November

Eröffnung:
10.00-10.30 Uhr
Ilse Korotin
(Wien):
Biografische Einleitung

10.30-11.00 Uhr
Christiane Rothländer
(Wien):
Karl Motesiczky und Ella Lingens. Freundschaft und Solidarität in Zeiten der Verfolgung

11.15-11.45 Uhr
Christine Kanzler
(Wien) und Karin Nusko (Wien):
Humanität als Widerstand
Hilfeleistung von Frauen für rassistisch Verfolgte während des NS-Regimes

13.00-13.30 Uhr
Helmuth Gröger
(Wien):
Die fatale Verbindung von Medizin und Nationalsozialismus

13.30-14.00 Uhr Uhr
Gerhard Botz
(Wien):
Ella Lingens und ihr Beitrag zum Verständnis der Ambivalenz des Überlebens im Vernichtungs-„Alltag“ von Birkenau

14.15-14.45 Uhr
Irmtrud Wojak
(Bad Arolsen):
„Mengele war der Teufel“. Ella Lingens als Zeugin der Anklage im Auschwitz-Prozess

14.45-15.15 Uhr
Gert Dressel
(Wien):
Zeugen der Zeit – wer zeugt wie für was?

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Korotin, Ilse: Wissenschaftshistorikerin, Leiterin der IWK-Dokumentationsstelle Frauenforschung und des Projekts "biografiA"; Forschungsschwerpunkte: Frauenbiografiefor-schung, Philosophie und Nationalsozialismus, Wissen-schaftsgeschichte.

Rothländer, Christiane: Dr.in phil., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts- und Verfassungsge-schichte an der Universität Wien.

Kanzler, Christine: Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenen-bildnerin; Forschungsschwerpunkte: Exilforschung, Biogra-fieforschung; zuletzt Sachbearbeiterin eines Projekts über österreichische EmigrantInnen auf den Philippinen am DÖW.

Nusko, Karin: Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte; Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts "biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen".

Gröger, Helmut: Dr. med.; geb. 1949 in Wien; Arzt und Medizinhistoriker; Studium der Medizin an der Universität Wien; Ärztliche Tätigkeit seit 1981; seit 1988 (mit Unterbrechun-gen) Assistent und Lektor am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien (seit 2004 Medizinische Uni-versität Wien) mit den Forschungsschwerpunkten Ge-schichte der  Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie sowie Medizin im Nationalsozialismus - unter besonderer Berücksichtigung der Wiener Verhältnisse - und Wiener Medizinische Schule des 19. und 20. Jahrhunderts.; zahl-reiche medizinhistorische Vorträge und Publikationen im In- und Ausland.

Botz, Gerhard: Dr. phil.; Professor für Zeitgeschichte; Univer-sität Wien; Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Histo-rische Sozialwissenschaft, Salzburg-Wien.

Wojak, Irmtrud: PD Dr.in; Studium der Geschichte und Politik-wissenschaft in Bochum; Dr.in phil. mit einer Dissertation über das Exil jüdischer Emigranten in Chile 1933-1945; von 1996-2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin und zeitweise Leiterin des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Do-kumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Ho-locaus (Frankfurt am Main); 2007 Habilitation an der Uni-versität Hannover; seit 2008 Leitung des Bereichs For-schung und Mitglied der Geschäftsleitung des International Tracing Service (IST) in Bad Arolsen; zahlreiche For-schungsaufenthalte und Fellowships im In- und Auslang, u.a. in Lateinamerika, in Israel (Yad Vasehm) und Washington (US Holocaust Memorial Museum).

Dressel, Gert: Dr.phil.; Historiker; verantwortlich für zahlreiche biografisch orientierte Forschungs-, Schul-, Weiterbildungs- und Kulturprojekte; derzeit am Institut für Wissen-schaftskommunikation und Hochschulforschung IFF Wien / Universität Klagenfurt

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ROTER ADEL UND HOCHVERRAT. HERMYNIA ZUR MÜHLEN (1883-1951) UND IHR KAMPF UM EINE GESELLSCHAFTSVERÄNDERNDE LITERATUR 

In Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung

Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger, Ernst Seibert

Tagungsfolder mit Programmablauf: Download unter:
http://phaidra.univie.ac.at/o:1338 

Hermynia Zur Mühlen wurde 1883 als Gräfin Folliot de Crenneville-Poutet in Wien geboren und entstammte einer der angesehensten Familien der Monarchie. Ihr Leben war geprägt vom Widerstand gegen die Familie, gegen die Unterdrückung der Frau, gegen soziale Ungerechtigkeiten und gegen den Faschismus. Dank ihrer proletarischen Märchen, in denen sie dem Arbeiterkind komplizierte Bedingungen und Prozesse der Gesellschaft in einfacher Weise zu erklären versuchte, zählte sie zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen der proletarisch-revolutionären Literaturbewegung der Weimarer Republik. Außerdem übersetzte sie nahezu 150 meist sozialkritische Werke russischer, französischer, englischer und amerikanischer AutorInnen. In ihren eigenen Romanen verknüpfte sie vielfach die Erfahrungswelt der Aristokratie mit sozialistischen und frauenbewegten Problemstellungen. In ihrem nach ihrer Emigration verfassten Roman „Unsere Töchter, die Nazinen“ schildert sie den Sieg des Nationalsozialismus, die Auswirkungen des Antisemitismus und die Formierung von Widerstand am Modellfall einer süddeutschen Kleinstadt.

Dienstag, 25. November, Beginn: 10.00 Uhr

Begrüßung/Einleitung:
Susanne Blumesberger, Ernst Seibert (Wien):
Roter Adel und Hochverrat. Biografische Schlaglichter auf Hermynia Zur Mühlen

Susanne Blumesberger (Wien):
Adelige – Proletarierin – Nazine
Zu den Frauenbildern in den Werken von Hermynia Zur Mühlen

Siglinde Bolbecher (Wien):
Der Faden der Ariadne. „Unsere Töchter, die Nazinen“  und
„Als der Fremde kam“ als Entwürfe antifaschistischer Schreibstrategien

Jana Mikota (Siegen):
Märchen der Armen: Hermynia Zur Mühlens proletarische Märchen der 1920er Jahre

Ernst Seibert (Wien):
Die Slowakei als literarisches Zwischenspiel bei Hermynia Zur Mühlen

Jörg Thunecke (Köln):
Die rote Gräfin klagt an
Anmerkungen zu Texten aus dem Sammelband „Der rote Heiland“ (1924)

Patrik von zur Mühlen (Bonn):
Hermynias Zeit im Baltikum und deren Verarbeitung in ihren Erinnerungen „Ende und Anfang“

Angefragte ReferentInnen: Beate Frakele und Klaus Kastberger

Zum Abschluss der Tagung wird ein Tondokument präsentiert:
Hermynia Zur Mühlen: Das Geschenk. Ein Weihnachtsmärchen (BBC, Austrian Youth Feature, gesendet am 15.12.1948, Fragment, Österr. Exilbibliothek)

Während der Tagung wird es einen Büchertisch der Buchhandlung Leporello geben.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Blumesberger, Susanne: Mag.a, Dr.in phil.; Kommunikationswissenschafterin; Mitarbeiterin des IWK-Pro¬jekts „biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen“, in-sbesondere Bearbeiterin der biografiA-Module "Jüdische Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur" sowie "Die jüdischen Schriftstellerinnen Österreichs. Ihr Leben, ihr Schicksal und ihr Schaffen".

Seibert, Ernst: Germanist und Lektor an der Universität Wien, Projektarbeiten in Zusammenarbeit mit dem "Internationalen Institut für Jugendliteratur und Leseforschung", Vorsitzender der "Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung".

Bolbecher, Siglinde: Historikerin und Exilforscherin; wissen-schaftliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes; Mitbegründerin der Theo-dor Kramer Gesellschaft; derzeit stellv. Vorsitzende, und Herausgeberin der Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstandes Zwischenwelt; zahlreiche Ausstellungen (Theodor Kramer - Dichter im Exil, Wien 1938, Kabarett und Satire im Widerstand, Elisabeth Bergner u.a.); Studien und Beiträge zur österrei¬chi¬schen Exilliteratur, zur Literatur von Frauen im Exil; u.a. Herausgeberin der Prosa und Lyrik von Stella Rotenberg Ungewissen Ursprungs (Wien 1997), An den Quell. Gesammelte Gedichte (Wien 2003). Mitverfasserin des Lexikon der öster¬reichischen Exilliteratur (Wien 2000); zuletzt erschien Frauen im Exil (Jahrbuch der Theodor Kramer Gesellschaft, 2007).

Mikota, Jana: Dr.in phil; Studium der Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Siegen und Prag; promovierte über Exilliteratur; Arbeitsschwerpunkte: Autobiografieforschung, Kinder- und Jugendliteratur und Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts; Habilitationsprojekt zu Lektürekanon an höheren Mädchenschulen nach 1872; seit 2003 Lehrbeauftragte für Erziehungswissenschaft /Psychologie an der Universität Siegen.

Thunecke, Jörg: Seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Westdeutschen Akademie für Kommunikation in Köln; zahlreiche Publikationen zu deutscher Literatur des 19. Jahrhunderts, zu Exil- und NS-Literatur.

Zur Mühlen, Patrik von: Dr. phil; Historiker; Studium (Ge-schichte, Philosophie, Politische Wissenschaft) in Berlin und Bonn; Promotion zum Dr. phil. 1971 in Bonn; 1973-75 Mitarbeiter im Bundesministerium für Bildung und Wissen-schaft; 1975-2007 Mitarbeiter der Abteilung Sozial- und Zeitgeschichte im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung; Forschungsgebiete: Widerstand, Exil und Emigration in der NS-Zeit, Spanischer Bürgerkrieg, DDR-Geschichte und baltische Geschichte.

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WIEN, BERLIN UND DIE KULTUR DER MODERNE 

Konzept und Organisation: Johann Dvořák

Die Idee zu einer Abfolge von Tagungen und dazugehörigen Publikationen, die sich mit Zusammenhängen, Vergleichen und Gegensätzen von  zwei zentraleuropäischen Metropolen der Moderne beschäftigen sollen, entstand im Rahmen eines Heinrich Heine-Kolloquiums in Berlin bei „Helle Panke“ (einem Verein zur Förderung von Politik, Bildung und Kultur). Im Juni 2007 hat „Helle Panke“ eine erste Tagung mit dem Titel „Berlin-Wien. Eine Kulturbrücke“ veranstaltet. Die nunmehrige Wiener Arbeitstagung beschäftigt sich in Vorträgen und Diskussionen mit diversen Aspekten der Auseinandersetzungen um die Kultur der Moderne. 

Freitag, 28. November, 15.00-20.00 Uhr

Ursula Prokop (Wien):
Zur Heterogenität der Wiener Moderne am Beispiel Adolf Loos versus Sezession
(mit Bildbeispielen)

Gerhard Wagner (Berlin):
Die tätowierte Moderne. Kritik des Ästhetizismus bei Walter Benjamin und Adolf Loos

Wolfgang Beutin (Stormarn):
Karl Kraus (Wien) gegen Alfred Kerr (Berlin)

Simon  Ganahl (Dornbirn):
Presse, Radio und Film in der „Dritten Walpurgisnacht“ von Karl Kraus

Johann  Dvořák (Wien):
Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ im Spiegel der Briefe von Walter Benjamin und Theodor W. Adorno

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Prokop, Ursula: Historikerin und Kunsthistorikerin, u. a. Mitar-beiterin am Forschungsprojekt der Akademie der Wissen-schaften "Österreichische Architektur des 20. Jahrhunderts".

Wagner, Gerhard: Dr. habil.; Wissenschaftspublizist und -lektor in Berlin.

Beutin, Wolfgang: Germanist und Historiker; Privatdozent an der Universität Bremen; zahlreiche Veröffentlichungen zur Literaturgeschichte des Mittelalters, der frühen Neuzeit und der Moderne.

Ganahl, Simon: studierte Kommunikationswissenschaft,
Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Wien und Hamburg. Seine Diplomarbeit "Ich gegen Babylon: Karl Kraus und die Presse im Fin de Siècle" erschien im Frühjahr 2006 beim Wiener Verlag "Picus". Er schreibt derzeit als DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an einer Dissertation über die "Dritte Walpurgisnacht" von Karl Kraus und das Buch "Pròdromos" von Peter Altenberg.

Dvorák, Johann: Univ. Doz. Dr.; Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut für Politikwissen-schaft der Universität Wien.

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PIERRE RAMUS-SYMPOSION. REVOLUTION UND RÄTEDEMOKRATIE. POLITISCHE AUFBRUCHBEWEGUNGEN IN BAYERN, ÖSTERREICH UND UNGARN NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG 

Eine Veranstaltung der Pierre Ramus Gesellschaft

Der Umbruch in Europa im Jahr 1918 war, wie der prominente Historiker Eric Hobsbawm kürzlich feststellte, „etwas, das viel wichtiger war als das meiste was danach kam.“ 1918 war das Vertrauen in die bestehende soziale Ordnung schwer erschüttert, Ideen und Entwürfe zur Gestaltung einer neuen, einer anderen Gesellschaft fielen auf fruchtbaren Boden. Zu den typischen Erscheinungen der Jahre 1918/19 gehörten die Rätesysteme als Modelle einer direkten Demokratie.

Tagungsprogramm:

Freitag, 21. November, 18.15 Uhr
Eröffnung

Freitag, 21. November, 18.30 Uhr
Hans Hautmann (Wien):
Die Rätebewegung in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg

Freitag, 21. November 19.30 Uhr
Gerhard Senft (Wien):
Revolution und Rätesystem in Ungarn 1919

Samstag, 22. November, 17.00 Uhr
Dieter Schrage (Wien):
Die Räterepublik in Bayern 1919

Samstag, 22. November, 18.00 Uhr
Das Erste Wiener Lesetheater präsentiert Texte zur Räterepublik in Bayern
(G. Landauer, E. Mühsam, E. Toller, W. Hasenclever, O. M. Graf); es lesen
Franz Hütterer, Ottwald John, Ulrike Makomaski und Andrea Pauli


Samstag, 22. November, 19.00 Uhr
Präsentation von Dokumentarfilmmaterial zur Geschichte der Bayerischen Räterepublik (bereitgestellt von der Mediothek der Humboldt-Universität Berlin)

Samstag, 22. November, 20.00 Uhr
Film von Wolfgang Kahle und Georg Walschus: „Revoluzzer – Räte – Reaktionäre. Die Geschichte der Bayerischen Räterepublik 1918 - 1919 unter Kurt Eisner.“ (bereitgestellt von der Mediothek der Humboldt-Universität Berlin)


Büchertisch: Verlag Monte Verita

Wien Kultur


ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Hautmann, Hans: Studium der Rechts-wissenschaft, Geschichte und Germanistik in Wien; 1966 bis 1968 Mitarbeiter am Dokumentationsarchiv des öster-reichischen Widerstandes in Wien; 1969 bis 1982 Assistent am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz; 1982 bis 2005 Dozent und außerordentlicher Universitätsprofessor in Linz.

Senft, Gerhard: Wirtschaftswissenschaftler, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Schrage, Dieter: Kunsthistoriker und Theaterwissenschaftler, ehemaliger Kustos im Museum moderner Kunst.

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LESEKREIS: PHILOSOPHIE AUF TÜRKISCH 

Leitung: Franz Martin Wimmer (Wien)

Termine: Mittwoch, 17.00-19.00 Uhr, 15. Oktober, 29. Oktober, 12. November, 26. November, 10. Dezember, 14. Jänner, 28. Jänner

Ziel des Lesekreises ist die Erarbeitung von philosophischer Terminologie im Türkischen an Hand der Lektüre von Darstellungen okzidentaler Philosophie, Darstellungen nicht-okzidentaler Philosophie, Texten der neuzeitlichen okzidentalen Philosophie, Texten der interkulturellen Philosophie und aktuellen philosophischen Diskursen in der Türkei. Das konkrete Leseprogramm des Wintersemesters wird beim ersten Termin vereinbart. Textvorschläge von Seiten der TeilnehmerInnen sind willkommen. Alle Texte werden in türkischer Sprache gelesen und auf Deutsch interpretiert. Daraus wird nach Möglichkeit ein wachsendes türkisch-deutsches Verzeichnis philosophischer Begriffe entwickelt. Die Teilnahme am Lesekreis ist frei, sie setzt Kenntnisse der türkischen und der deutschen Sprache sowie Grundkenntnisse in Philosophie voraus. Da die Teilnehmerzahl aus praktischen Gründen begrenzt werden muss, wird um Anmeldung per e-mail ersucht:: franz.martin.wimmer@univie.ac.at

Wimmer, Franz M.: Philosoph, Professor am Institut für Philo-sophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkt: Interkulturell orientierte Philosophie; Publikationen (u. a.): "Interkulturelle Philosophie - Theorie und Geschichte“, 1990; Vorlesungen zu Theorie und Methode der Philosophie im Vergleich der Kulturen, 1997; „Thesen, Bedingungen und Aufgaben interkulturell orientierter Philosophie“, in: polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren 1/1998; „Interkulturelle Philosophie. Vom Dilemma der Kulturalität zum Polylog“, IWK-Texte Nr. 4, Wien 2001; „Interkulturelle Philosophie. Eine Einführung“, Wien 2004.

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BUCHPRÄSENTATION: ROSA KERSCHBAUMER-PUTJATA (1851-1923). ERSTE ÄRZTIN ÖSTERREICHS UND PIONIERIN DER AUGENHEILKUNDE 

Montag, 20. Oktober, 18.30 Uhr

Rosa Kerschbaumer gelang es im Jahr 1890 – zehn Jahre bevor Frauen in Österreich Medizin studieren durften – aufgrund einer Sondergenehmigung von Kaiser Franz Joseph in Salzburg eine private Augenheilanstalt zu leiten. Die gebürtige Russin, die in der Schweiz Medizin studiert hatte, war eine ausgezeichnete Augenärztin, die hunderte PatientInnen behandelte und medizinische Forschungen betrieb. Sie engagierte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung, forderte den Zugang von Frauen zum Medizinstudium und zur ärztlichen Praxis und förderte junge Medizinerinnen. 1896 verließ sie Salzburg, leitete danach „mobile Augenheiltruppen“ in Russland, wurde Primarärztin in Tiflis, kehrte 1907 kurz nach Österreich zurück und wanderte mit 60 Jahren in die Vereinigten Staaten aus, wo sie 1923 starb.
Mit der außergewöhnliche Lebensgeschichte der ersten in Österreich praktizierenden Ärztin, eingebettet in die medizinhistorischen und sozialpolitischen Veränderungen des späten 19. Jahrhunderts, hat sich Sabine Veits-Falk in einer 2008 erschienenen Publikation befasst.

Sabine Veits-Falk: Rosa Kerschbaumer-Putjata (1851–1923). Erste Ärztin Österreichs und Pionierin der Augenheilkunde. Ein außergewöhnliches Frauenleben in Salzburg (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 23), Salzburg 2008.

Veits-Falk, Sabine: Mag.a Dr.in; Historikerin und Archivarin am Stadtarchiv Salzburg; Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg; zahlreiche Publikationen und Vorträge zur Ar-mutsgeschichte, Frauen- und Geschlechtergeschichte und Stadtgeschichte.

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CHRISTOPH JÜNKE (BOCHUM):
DIE DREI STUFEN DER FREIHEIT. LEO KOFLER UND DIE SOZIALISTISCHE DEMOKRATIETHEORIE

Mittwoch, 22.10., 18.30 Uhr

Folgt man dem neoliberalen Mainstream, so sind Freiheit und Sozialismus nicht vereinbar. Leben und Werk des deutsch-österreichischen Soziologen und Philosophen Leo Koflers, eine der markantesten Gestalten des deutschen Nachkriegsmarxismus, kann uns eines Besseren belehren. Als "heimatloser Linker" wurde der an Max Adler und Georg Lukács geschulte marxistische Einzelgänger in den 50er und 60er Jahren zu einem wichtigen Vermittler von alter Arbeiterbewegung und Neuer Linker. Bekannt geworden vor allem als
Autor einer "Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft", war Kofler nicht nur ein sozialistischer Pädagoge und marxistischer Methodologe, sondern auch ein durchaus politischer Denker. Unter dem Eindruck von spätbürgerlichem Irrationalismus und stalinistischer Unfreiheit knüpfte er nicht zuletzt die Fäden von Freiheit und Sozialismus neu. Christoph Jünke - Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft e.V. und Autor einer soeben erschienenen umfangreichen politischen Biografie Koflers (Sozialistisches Strandgut. Leo Kofler- Leben und Werk 1907-1995, Hamburg 2007) - erinnert an Koflers Demokratietheorie und zeigt deren Aktualität auf.

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FRANZ KAIN UND HERBERT ZAND. ZWEI AUTOREN ÜBER DEN KRIEG 

Konzept und Organisation: AG Literatur (Raimund Bahr)

Vortrag und Buchpräsentation

Donnerstag, 27. November, 18.30 Uhr

Franz Kain (1922-1997) und Herbert Zand (1923-1970) haben sich zeitlebens mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt, an dem sie als Soldaten auch teilgenommen hatten – der Kommunist Franz Kain war wegen antifaschistischer Propaganda in eine Strafbrigade versetzt worden, Herbert Zand hatte an der Ostfront eine schwere Verletzung erlitten. Gemeinsam ist den beiden auch die enge Verbundenheit mit ihrer Heimat, dem Salzkammergut. Mit dem Buch „Der Weg zum Ödensee“ (1973) gelang es Franz Kain, jenseits der Blut- und Bodenideologie und jenseits kitschiger Bauernidyllen einen Heimatroman über das Salzkammergut zu verfassen. In Herbert Zands Roman „Letzte Ausfahrt“ (1953), der in einem sich schließenden Kessel der Ostfront einsetzt, wird der Krieg zum Paradigma einer ausweglosen menschlichen Existenz. Die beiden Autoren gehören zu den zu Unrecht vergessenen Autoren Österreich. Diese Veranstaltung will einen Beitrag zur Wiederentdeckung der beiden Schriftsteller leisten.

Vorträge von Judith Gruber-Rizy (Wien) zu Franz Kain und von Raimund Bahr (St. Wolfgang) zu Herbert Zand

Im Anschluss daran liest Helmut Rizy (Wien) aus seinem Roman „Ahasver kehrt zurück“. Mit seinem Roman „Hasenjagd im Mühlviertel“ hat sich Helmut Rizy in die Tradition von Franz Kain gestellt. In seinem neuen Buch „Ahasver kehrt zurück“ zeigt der Autor, wie zwei unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen: ein Israeli, der sich auf der Suche nach seinen familiären Wurzeln der „alten Welt“ annähert, und die ihm begegnenden Menschen, die aus ihrer „Fremdsicht“ den israelisch-palästinensischen Konflikt betrachten.

Eine Veranstaltung der AG Literatur. Informationen unter 0660 122 53 89 oder editionas@aon.at

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Gruber-Rizy, Judith: Dr.in phil.; freischaffende Autorin, Germanistin und Theaterwissenschafterin; Mitglied der IG-Autorinnen und Autoren, der Grazer AutorInnenversamm-lung sowie des Österreichischen Schriftsteller-Verbandes.

Bahr, Raimund: Mag. Dr. phil.; Historiker; Leiter des Günther Anders Forums für Wissenschaft, Kunst und Politik; zahlreiche Publikationen zu Günther Anders; Projektleiter: „Günther Anders – Biografie“ (2004-2007); Forschungs-schwerpunkte: Psychoanalyse, Biografie, Kinder- und Ju-gendliteratur.

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GÜNTHER ANDERS TAGE 2008 

Konzept und Organisation: Günther Anders Forum

Im Jahr 2008 hat das Günther Anders Forum mit einem „Call for papers“ eine offene Einladung ausgesprochen, aus der ein facettenreiches Programm entstanden ist, das das Werk von Günther Anders aus unterschiedlichsten Perspektiven diskutiert. Im Zuge der Tagung werden auch das von Elisabeth Semrad gestaltete Hörbuch zur Biographie sowie die neue Werkbibliographie zu Günther Anders vorgestellt. Eine Veranstaltung des Günther Anders Forums. Informationen unter 0660 122 53 89 oder info@guentheranders.at.

Samstag, 29. November

16.00-17.30 Uhr
Christian Dries (Karlsruhe):
Günther Anders und Hannah Arendt: eine Beziehungsskizze

Arne Hilke (Bremen):
„Kriterien der Konvivialität“ – Die Technikkritiken von Günther Anders und Ivan Illich

18.00-19.30 Uhr:
Raimund Bahr (St. Wolfgang):
„Der Friede ist immer geschieden“ – Zur Theorie des Krieges bei Günther Anders

Elisabeth Semrad (Graz):
Über die Schwierigkeiten, eine Hörbiographie zu produzieren

20.00-21-30 Uhr
Werner Deutsch (Braunschweig):
Wieviel Gefühl darf in der Musik stecken? oder: Warum Günther Anders keine Aufnahmen von Richard Tauber mochte

Buchpräsentation: „Günther Anders. Werkbibliographie“ (Edition Art Science 2008)

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Dries, Christian: M.A.; Philosoph und Autor; derzeit
Promovend an der Universität Freiburg zu Günther Anders, Hannah Arendt und Hans Jonas; Forschungsschwerpunkte: Zeitphilosophie, Technikphilosophie; Sozial- und politische Philosophie, Anthropologie; Preisträger des Deutschen Studienpreises 2003 und 2007; ist Chefredakteur von www.sciencegarden.de; Publikationen (u.a.): Moderni-sierungstheorie. Eine Einführung. München: Fink 2005 (mit Nina Degele).

Hilke, Arne: „Großstadtpoet“ Bremens; derzeit Studium der Physik und Religionspädagogik an der Universität Bremen; Veröffentlichungen (u.a.): Hg.: „Schein-Kriterium. Anthologie zum Stichwort: Studentenleben.“ (Norderstedt 2006); Hg.: „Wander-Lust. Anthologie zum Stichwort: Fernweh.“ (Norderstedt 2007).

Bahr, Raimund: Mag. Dr. phil.; Historiker; Leiter des Günther Anders Forums für Wissenschaft, Kunst und Politik; zahl-reiche Publikationen zu Günther Anders; Projektleiter: „Günther Anders – Biografie“ (2004-2007); Forschungs-schwerpunkte: Psychoanalyse, Biografie, Kinder- und Ju-gendliteratur.

Semrad, Elisabeth: Redakteurin des Stadtblogs „mursurfer.at“, wo JungjournalistInnen täglich aus, über und für Graz berichten.

Deutsch, Werner: Prof. Dr.; Professor für Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig - Leitung der Abteilung für Entwicklungspsychologie; Forschungsschwerpunkte: Entwicklung des Sprechens, Singens und des Zeichnens, Identitätsentwicklung insbesondere bei Zwillingen, Geschichte der Psychologie, Autismus
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KAFKA IN FRANKENSTEIN. VOLKSKRAFT, WEHRMACHT UND DER KAMPF UM DIE KRIEGSHEIMKEHRERFÜRSORGE 

Vortrag von Benno Wagner (Siegen)

Samstag, 10. Jänner, 19.30 Uhr

Am 23. Februar 1915 wurde die Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen zu Prag durch einen Erlass des k.k. Ministerium des Innern angewiesen, unter ihrem Dache und ihrer Leitung eine „Landeszentrale für heimkehrende Krieger“ zu konstituieren. Der Schriftsteller Franz Kafka, der als ein leitender Beamte der AUVA in Friedenszeiten unter anderem für die Organisation des Schutzes der böhmischen Arbeiter gegen Industrieunfälle verantwortlich war, engagierte sich nun für die Einrichtung einer Nervenheilanstalt für traumatisierte Frontsoldaten. Der Vortrag entwickelt den historischen Rahmen und die diskursiven Voraussetzungen dieses Einsatzes im Spannungsfeld von Biopolitik (Unfallversicherung) und Thanatopolitik (industrialiserter Krieg), und er rekonstruiert die bemerkenswerten Interventionen, die Kafka zum einen in seinen kriegspublizistischen, zum anderen in seinen literarischen Texten in dieses Feld hinein unternommen hat.

Wagner, Benno: apl. Professor für Allgemeine Literaturwissenschaft. und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Siegen
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BUCHPRÄSENTATION: "...GENUG GESCHICHTE ERLEBT" HILDE KOPLENIG (1904-2002). ERINNERUNGEN.

Zum Thema spricht: Univ.Prof. Dr. Helga Embacher (Universität Salzburg)

Freitag, 30. Jänner, 18.30 Uhr

Hilde Koplenig, geb. Oppenheim, entstammt einem jüdisch-deutschsprachigen bürgerlichen Milieu, in dem die Religion keine Rolle mehr spielte. Rationalität und Fortschrittsglaube traten an die Stelle der jüdischen Tradition. Nach dem Studium der Staatswissenschaften und einer Ausbildung zur Fürsorgerin geht sie in die Sowjetunion – für viele KommunistInnen und SozialistInnen, für linke Intellektuelle und KünstlerInnen ein ersehntes Ziel, das Land ihrer großen Hoffnungen. Bei Frauen paarten sich diese Vorstellungen mit hohen Ansprüchen hinsichtlich der sozialen und politischen Gleichberechtigung.
Seit 1929 mit dem Generalsekretär der KPÖ, Johann Koplenig, verheiratet, erlebt sie politische Verfolgung, Widerstand und Exil, bis sie 1945 in das befreite Wien zurückkehrt.

Hilde Koplenigs autobiografisches Manuskript ist in eine Reihe zu stellen mit den Erfahrungsberichten von Genia Quittner, Ruth von Mayenburg, Rosa Puhm, Hilda Vitzthum oder Helene Golnipas. Im Span-nungsverhältnis von Aufbruch und Selbstbestimmung als Frau und gesellschaftlicher Realität zeigen uns diese Erfahrungsberichte ein komplexes Bild der Alltagswelt, wie sie in der offiziellen Geschichtsschreibung lange keinen Platz fanden.

„... genug Geschichte erlebt.“ Hilde Koplenig (1904-2002). Erinnerungen. (Hg. von Ilse Korotin u. Karin Nusko). biografiA. Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung Bd. 6. Praesens Verlag, Wien 2008.
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Bearbeitung: 12. Februar 2009

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