Institut für
Wissenschaft und Kunst
Seminar- und
Vortragsreihen
im Sommersemester
2008
Die Veranstaltungen finden - wenn nicht
anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.
Österreichische Frauen im Widerstand gegen den
Nationalsozialismus
Konzept
und Koordination: Christine Kanzler, Ilse Korotin, Karin Nusko
Frauen haben im Widerstand gegen die
nationalsozialistische Diktatur in Österreich eine
maßgebliche Rolle gespielt. Diese Tatsache wurde sowohl in
der historischen Forschung als auch in der öffentlichen
Wahrnehmung lange Zeit – zum Teil bis heute –
ignoriert. Unter dem Einfluss der Oral History-Forschung sowie der
Frauenbewegung hat die Erforschung des weiblichen Widerstands in den
achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen entscheidenden Impuls
erhalten. Besonders in den letzten Jahren haben sich
WissenschafterInnen der Aufarbeitung wichtiger Thematiken innerhalb
dieses Forschungsfelds angenommen. Neben dem Widerstand von Frauen in
organisierten politischen und weltanschaulichen Zusammenhängen
rückte im Sinne eines erweiterten Widerstandsbegriffes auch
der Widerstand auf individueller Basis, etwa in Form von
Solidarität und Hilfe für Verfolgte des NS-Regimes,
ins Blickfeld der Forschung.
In dieser Vortragsreihe, die im Rahmen des Modulprojekts
„Österreichische Frauen gegen den
Nationalsozialismus“ von „biografiA. datenbank und
lexikon österreichischer frauen” veranstaltet wird,
sollen die mannigfaltigen Aspekte weiblicher Präsenz im
österreichischen Widerstand sichtbar gemacht und neue
Forschungsergebnisse präsentiert werden.
Dienstag,11. März 2008, 18.30 Uhr
Erika Dzeladini (Wien):
Die Verfolgung des individuellen und nicht organisierten
Widerstandes 1939-1945 dargestellt anhand einer Untersuchung von Akten
des Sondergerichtes Wien
Die in diesem Vortrag vorgestellte Studie versucht, die
Verfolgung des individuellen und nicht organisierten Widerstandes in
der Zeit von 1939 bis 1945 anhand einer Untersuchung von Akten des
Sondergerichtes Wien darzustellen. Die Arbeit umfasst zwei Teile. Im
ersten Teil erfolgt eine Einführung in die Geschichte des
Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und eine Definition des
individuellen und nicht organisierten Widerstandes, sowie eine
Einführung in das Justizwesen der Jahre 1939-1945. Besonderes
Augenmerk wird hierbei auf die Sondergerichte, vor allem das
Sondergericht Wien, gelegt. Im zweiten Teil werden das Material, die
Methoden, die Erstellung der Variablen und die Analyse der Akten sowie
deren Auswertung anhand von Aktenbeispielen beschrieben.
Dienstag, 8. April 2008, 18.30 Uhr
Martina Gugglberger (Linz):
„Versuche, anständig zu
bleiben”
Widerstand und Verfolgung von Frauen im Reichsgau Oberdonau
Der Titel des Vortrags „Versuche,
anständig zu bleiben” verweist auf ein Zitat des
Historikers Karl Stadler, der Ende der 1960er Jahre
„Widerstand” nicht nur als bewaffneten Widerstand
definierte, sondern auch Handlungen von Einzelnen mit einbezog. Diese
Definitionserweiterung ermöglichte es, auch den Beitrag von
Frauen in der historischen Forschung stärker ins Blickfeld zu
nehmen. Frauen waren in fast allen Widerstandsgruppen in
Oberösterreich aktiv beteiligt. In den allermeisten
Fällen blieben sie allerdings im
„Hintergrund“ als Helferinnen und
Unterstützerinnen von Männern. Entlang der drei
Begriffsebenen „Alltagsdissens”,
„weltanschaulicher Dissens” und
„politischer Widerstand” werden exemplarisch
unterschiedliche Ausformungen von Widerstandshandlungen von Frauen in
Oberösterreich vorgestellt. Abschließend wird kurz
auf die Situation von inhaftierten Widerstandskämpferinnen in
Oberösterreich eingegangen.
Dienstag, 20. Mai 2008, 18.30 Uhr
Brigitte Ungar-Klein (Wien):
Das Schicksal jüdischer
„U-Boote” und ihrer HelferInnen
„U-Boot” – ein Leben
wählen im Untergrund, in die Illegalität
verschwinden: Zahlreiche Menschen, die aufgrund ihrer
jüdischen Abstammung, ihrer politischen, religiösen,
sexuellen Einstellung während der NS-Zeit gefährdet
waren, versuchten so, ihr Leben zu retten. Die Forschungen dazu haben
europaweit erst viele Jahre nach 1945 eingesetzt, gestalten sich daher
bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt äußerst
schwierig und können noch nicht als abgeschlossen betrachtet
werden. Der Vortrag geht speziell auf das Schicksal der
jüdischen U-Boote in Österreich ein, würdigt
die Bedeutung der couragierten HelferInnen, die zumeist unentgeltlich
halfen, und zeigt die Schwierigkeiten dieser Opfergruppe nach
Kriegsende.
Dienstag, 17. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Gudula Walterskirchen (Wien):
Adelige Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Der Großteil des österreichischen Adels
war erbitterter Gegner des Nationalsozialismus. Seine Haltung
– katholisch, österreichisch-patriotisch,
pro-habsburgisch – stand in scharfem Gegensatz zur
NS-Ideologie. Viele adelige Frauen nahmen aktiv am Widerstand
– manche sogar am militärischen – teil und
riskierten dafür ihr Leben: Prinzessin Lily Schönburg
war eine Mitverschwörerin des Stauffenberg-Attentates;
Gräfin Helene Trauttmansdorff war Mitglied der O5 und wurde
unmittelbar vor Kriegsende dafür erschossen; Prinzessin
Christiane Croy bot in ihrem Wiener Palais der O5 Unterschlupf, Agathe
Croy war ebenfalls O5-Aktivistin.
Die Vortragsreihe wird vom Zukunftsfonds
der Republik
Österreich und vom Nationalfonds der
Republik
Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
unterstützt.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Kanzler,
Christine: Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenenbildnerin.
Forschungsschwerpunkte: Exilfor-schung, Biografieforschung. Derzeit
Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische
Frauen im Wider-stand
gegen den Nationalsozialismus“
Korotin,
Ilse: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin,
Leiterin der
IWK-Dokumentationsstelle
Frauenforschung und des Projekts „biografiA“ (http://www.biografia.at).
Forschungsschwerpunkte:
Frauenbiografieforschung, Philosophie und Nationalsozialismus,
Wissenschaftsgeschichte.
Nusko,
Karin: Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte;
Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des
IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand
gegen den
Nationalsozia-lismus“
Dzeladini,
Erika: wurde 1979 in Oberösterreich geboren und studierte ab
1998
in Wien Politikwissenschaft und Publizistik und
Kommunikationswissenschaft. Sie schloss ihr Studium im Jahr 2005 mit
ihrer Dip-lomarbeit zum Thema „Die Verfolgung des
individuellen
und nicht organisierten Widerstandes. 1939 – 1945.
Dargestellt
anhand einer Untersuchung von Akten des Sondergerichtes Wien”
ab.
Seither arbeitet sie an ihrer Dissertation, die den Arbeitstitel
„Eugenik und Euthanasie im Nationalsozialismus dargestellt
anhand
der nationalsozialistischen Familienpolitik 1933-1945 unter Bezugnahme
auf Michel Foucaults Konzept der Bio-Macht“ trägt
und
besucht seit Oktober 2007 einen Ausbildungslehrgang zur akademi-schen
Trainerin. Derzeit ist Erika Dzeladini als Personal Assistent bei der
internationalen Rechtsan-waltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer
Wien in den Bereichen IP/IT, Corporate und Human Re-sources
tätig.
Gugglberger,
Martina: hat das Studium der Geschichte, Kommunikationswissenschaften
und Französisch an der Universität Salzburg und der
Université Bordeaux III absolviert; seit 2002
Wissenschaftliche
Mitar-beiterin am Institut für Frauen- und
Geschlechterforschung
der Johannes-Kepler-Universität Linz; Lehr-beauftragte an der
Universität Linz und Salzburg. Forschungsschwerpunkte: Frauen-
und
Geschlechtergeschichte: Geschlecht und Krieg bzw. Besatzung, Frauen im
nationalsozialistischen Widerstand, Oral History, Geschlecht und
Mission. Derzeit: Dissertationsprojekt zu „Lebensgeschichten
deutscher und österreichischer Missionsschwestern in
Südafrika”. Publikation u.a.: „Versuche,
anständig zu bleiben” – Widerstand und
Verfolgung von
Frauen im Reichsgau Oberdonau, in: Gabriella Hauch (Hg.): Frauen im
Reichsgau Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im
Nationalsozialismus, Bd. 5 der Reihe: Oberösterreich in der
Zeit
des Nationalsozialismus hg. v. Oberösterreichischen
Landesarchiv,
Linz 2006, 281-343.
Ungar-Klein,
Brigitte: hat an der Universität Wien Germanistik und
Geschichte
(Lehramt) studiert. Einige Jahre Unterrichtstätigkeit an AHS
in
Wien. Seit 1977 freie Mitarbeiterin im Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstandes, Mitautorin einiger
Publikationen
des DÖW (z.B.: „Jüdische
Schicksale” aus der
Reihe: „Erzählte Geschichte”)
Publikationen zum
Themenkreis: Jüdische Geschichte, Österrei-chische
Geschichte, Shoa. Seit 1996 Leiterin des Jüdischen Instituts
für Erwachsenenbildung.
Walterskirchen,
Gudula: Historikerin und Publizistin. Sie hat eine Reihe von
Sachbüchern zur österreichi-schen Zeitgeschichte
veröffentlicht, die teilweise Bestseller wurden. Ihr
Spezialgebiet
sind die 30er Jah-re und die NS-Zeit. Titel u.a. „Blaues Blut
für Österreich. Adelige im Widerstand gegen den
Nationalso-zialismus”, „Engelbert Dollfuß
–
Arbeitermörder oder Heldenkanzler”,
„Starhemberg oder
die Spuren der 30er Jahre”.
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Frauennetzwerke
in Wissenschaft und Kunst
Utopie und Wirklichkeit
Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger
Obwohl das Thema Frauennetzwerke derzeit einen Boom
erlebt, handelt es sich keineswegs um ein zeitgenössisches
Phänomen. Immer wieder schlossen sich Frauen zusammen, um
einander zu unterstützen, um voneinander zu profitieren und
nicht zuletzt um in einer männerdominierten Welt bestehen zu
können. Private Verbindungen, Frauenverbände und
andere Zusammenschlüsse hatten nicht selten wesentlichen
Einfluss auf Wissenschaft oder Kunst. Dieser Arbeitskreis wird sowohl
historische Beispiele vorstellen als auch aktuelle Frauennetzwerke
diskutieren.
Montag, 21. April 2008, 18.30 Uhr:
Marianne Baumgartner (Wien):
„Der Feueratem, der das werdende Unternehmen
beseelte...“
Der Vortrag befasst sich mit den frühen Jahren
des „Vereins der Schriftstellerinnen und
Künstlerinnen in Wien“ (1885-1938). Im ausgehenden
19. Jahrhundert schufen Schriftstellerinnen und bildende
Künstlerinnen in Wien – jenseits politischer,
gesellschaftlicher und religiöser Anschauungen –
ihre eigene Berufsgenossenschaft mit Pensionsfonds. Mit diesem sehr
erfolgreichen Netzwerk eng verbunden sind uns heute nicht mehr
geläufige Autorinnen wie Julie Thenen, Ina Barber oder Minna
Kautsky, aber auch so bekannte wie Marie Ebner von Eschenbach, Ada
Christen oder Betty Paoli. Auf Seiten der bildenden
Künstlerinnen beteiligten sich Malerinnen wie Olga
Wisinger-Florian und Mina Högel führend an der
Entwicklung des Vereins.
Montag, 2. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Angelika Brechelmacher und Barbara Smetschka (Wien):
Netzwerke für Wissenschafterinnen
Sind Frauennetzwerke eine brauchbare Strategie zur
Verbesserung der Situation von Wissenschafterinnen? In unserem Vortrag
geben wir Einblick in aktuelle Konzepte zu Vernetzung und Netzwerken.
Ausgehend von jüngsten Daten zur Situation von Frauen an
Universitäten besprechen wir bestehende nationale Netzwerke
für Frauen in Wissenschaft und Forschung. Wir analysieren
Ziele und Strukturen dieser Netzwerke und stellen ihren Nutzen
für die Arbeit der Wissenschafterinnen zur Diskussion.
Montag,16. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Christine Kanzler und Karin Nusko (Wien):
Frauen im Widerstand gegen den Austrofaschismus
Mit dem Verbot der politischen, gewerkschaftlichen und
kulturellen Organisationen der Arbeiterbewegung verloren auch deren
Aktivistinnen ihren legalen Wirkungsbereich. In den Jahren der
Illegalität zwischen 1933 und 1938 haben Frauen, sei es im
Rahmen spontan entstandener Solidaritätsnetzwerke oder in
konspirativen Kleingruppen innerhalb bestehender
Organisationsstrukturen, eine wichtige Rolle im Widerstand gegen das
autoritäre Regime geleistet. Im Vortrag werden diese
Aktivitäten beleuchtet und anhand konkreter Biografien
veranschaulicht.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Blumesberger,
Susanne: Mag.a, Dr.in
phil., Studium der Publizistik-
und Kommunikationswissenschaft/Germanistik an der Universität
Wien. Seit 1999
Mitarbeiterin des Projekts „biografiA. Datenbank und Lexikon
österreichischer
Frauen“ am IWK, seit 2007 Mitarbeiterin der UB Wien.
Baumgartner,
Marianne: Mag.a phil., IT-Coaching,
Unternehmensberaterin, z.Zt.
Dissertationsprojekt „Der Verein der Schriftstellerinnen und
Künstlerinnen in Wien“ am Historischen Institut der
Universität Wien.
Brechelmacher,
Angelika: Dr.in, Institut für
Wissenschaftskommunikation und
Hochschulforschung an der Fakultät für
Interdisziplinäre
Fortbildung und Forschung der Universität Klagenfurt.
Publikationen und Forschungstätigkeit: Universität
und
Regionalentwicklung, Interuniversitäre Netzwerke,
Internationalisierung von Hochschulen; Videodokumentation von
Forschungs- und Kulturprojekten im mitteleuropäischen Raum.
Smetschka, Barbara: Mag.a Institut für
Soziale
Ökologie der
Universität Klagenfurt an der Fakultät für
Interdisziplinäre Fortbildung und Forschung der
Universität
Klagenfurt; leitet die Bereiche Wissens- und Forschungsmanagement;
lehrt an der Universität Klagenfurt und der
Universität Wien
zu inter- und transdisziplinärer Forschung und Projektarbeit;
forscht zu Gender und Nachhaltigkeit und zu Karriere und
Arbeitssituation von Wissenschafterinnen.
Kanzler,
Christine: Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenenbildnerin.
Forschungsschwerpunkte: Exilfor-schung, Biografieforschung. Derzeit
Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische
Frauen im Wider-stand
gegen den Nationalsozialismus“
Nusko,
Karin: Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte;
Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des
IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand
gegen den
Nationalsozialismus“
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Studien
zur ArbeiterInnenbewegung
Schwerpunkt: Die Folgen von 1938
Konzept und Organisation:
Paul Habr und Peter Ulrich Lehner (Redaktion der
Zeitschrift „mitbestimmung“)
Der Faschismus beziehungsweise seine Variante
Nationalsozialismus speiste sich aus verschiedenen gesellschaftlichen
Strömungen und Kräften, auch aus der
ArbeiterInnenschaft. Er stellte einen Rückfall des
Kapitalismus in sein Stadium der Brachialgewalt dar. Noch bevor sich
diese Gewalt verselbstständigte (und sich
schließlich auch gegen ihre Urheber und Nutznießer
richtete), galt sie schon der freien ArbeiterInnenbewegung. Ehe er
seine völkisch-rassistische Gewalttätigkeit ungehemmt
auslebte, war die Zerschlagung dieser eigenständigen
gesellschaftlichen Kraft seine Hauptstoßrichtung. Dadurch
war, nach der Beseitigung des Parlamentarismus, die „Senkung
der Arbeitskosten“ umso leichter möglich.
Darüber diskutieren TheoretikerInnen und
PraktikerInnen der ArbeiterInnenbewegung mit PraktikerInnen und
TheoretikerInnen der ArbeiterInnenbewegung.
Dienstag, 4. März, 18.30 Uhr:
Beraubte ArbeiterInnenbewegung
Was geschah mit den Bildungs- und Erholungsheimen sowie
dem anderen Vermögen der Freien Gewerkschaften, aber auch mit
der „Eigenvorsorge der armen Leute“ im
Austrofaschismus und im Nationalsozialismus?
Brigitte Pellar (Inst. zur Erforschung der Geschichte der
Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)
Dienstag, 1. April 2008, 18.30 Uhr:
Arbeitsfron(t) statt Arbeitsrecht
Durch die verordnete „Gemeinschaft“
von Unternehmern und Erwerbsarbeitenden sollten die
Kriegsförmigkeit des Arbeitslebens und eine maximale
Kapitalakkumulation sichergestellt werden. KZ-Häftlinge
arbeiteten unter noch wesentlich schlechteren Bedingungen als
seinerzeit SklavInnen.
Brigitte Pellar (Inst. zur Erforschung der Geschichte der
Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
Bernhard Schwarz (angefragt)
Dienstag, 6. Mai, 18.30 Uhr:
ArbeiterInnenbewegung und Widerstand
Die freie ArbeiterInnenbewegung war die erste Gegnerin des
Faschismus. Viele ihrer Angehörigen leisteten neben dem
organisierten auch individuellen Widerstand. Diese individuelle
Zivilcourage übten auch Menschen außerhalb der
ArbeiterInnenbewegung.
Winfried R. Garscha (Forschungsstelle Nachkriegsjustiz,
DÖW)
Sabine Lichtenberger (Inst. zur Erforschung der Geschichte
der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
Dienstag, 3. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Gedenken gegen das Verdrängen
Leugnung oder Beschönigung von
Mittäterei und Mitläufertum sowie
„Erinnerungs“-Events machen politisch
aufklärendes Gedenken notwendig. Darum bemühen sich
Organisationen und Initiativen aus der ArbeiterInnenbewegung.
Yariv Lapid (Gedenkstätte Mauthausen)
Willi Mernyi (ÖGB; Mauthausen Komitee
Österreich)
Stephan Roth (DÖW; Verein Gedenkdienst)
Heribert Schiedel (Abteilung Rechtsextremismusforschung,
DÖW)
Florian Wenninger (Verein Gedenkdienst)
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Garscha,
Winfried R.: Dr., Geschichtswissenschafter, Ko-Leiter der
Forschungsstelle Nachkiegsjustiz am Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstands (DÖW).
Lapid,
Yariv: studiert Geschichte, leitet ein Projekt zum Aufbau einer
pädagogischen Infrastruktur in der Gedenkstätte
Mauthausen.
Lehner,
Peter Ulrich: ehemaliger Grundlagenforscher und Journalist,
geschäftsführender Redakteur der mitbestimmung.
zeitschrift
für demokratisierung der arbeitswelt.
Lichtenberger,
Sabine: Dr.in, Geschichtswissenschafterin,
wissenschaftliche
Mitarbeiterin des Instituts zur Erforschung der Geschichte der
Gewerkschaften und der Arbeiterkammern.
Mernyi,
Willi: Leiter des Referats für Kampagnen im
Österreichischen
Gewerkschaftsbund (ÖGB), Vorsitzender von Mauthausen Komitee
Österreich.
Pellar, Brigitte: Dr.in
Geschichtswissenschafterin,
Universitätslektorin, ehemalige Leiterin des Instituts zur
Erforschung der Geschcihte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern.
Roth,
Stephan: Mag. , studierte Kommunikations- und Publizistikwissenschaft,
Bibliothekar des Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstands, Aktivist des Vereins Gedenkdienst, Wien
Schwarz,
Bernhard: Dr., Jurist, ehemaliger Stellvertretender Direktor der Wiener
Arbeiterkammer.
Wenninger,
Florian: studiert Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte,
Angestellter, Vorsitzender des Vereins Gedenkdienst
Die
Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im
Oktober
1986 regelmäßig in der „mitbestimmung.
zeitschrift
für demokratisierung der arbeitswelt“
veröffentlicht.
Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für
Wissenschaft und Kunst auf.
Die
Seminarreihe wird unterstützt von:

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Forschung,
Technologie und Gesellschaft in
Österreich
Schwerpunkt: Ethik, Forschung und Technologie
Eine Kooperation mit der Österreichischen
Gesellschaft für Technologiepolitik
Konzept und Organisation: Norbert Rozsenich, Johann
Dvořák
Wissenschaftliche Innovationen und technische
Entwicklungen z. B. in der Gentechnik und in den Neurowissenschaften
haben großen Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft.
Das macht die Erforschung ihrer möglichen Folgen und die
Abwägung von Alternativen und Handlungsoptionen notwendig, wie
es seitens der Wissenschaftsethik und der mit ihr
zusammenhängenden Technikfolgenabschätzung
unternommen wird. Ethische Problemstellungen in der Naturwissenschaft,
der Medizin, der Technik und der Wirtschaft werden seit einiger Zeit
auch in Österreich nicht mehr nur anhand
spektakulärer Einzelfragen, sondern in einem
größeren sozioökonomischen Zusammenhang
diskutiert (z.B. in der Joanneum Research-Arbeitsgruppe
„Ethik in Forschung und Technik“ oder zuletzt in
Austria Innovativ, Nr. 6/2007, „Grauzonen – wo
Wissenschaft und Moral kollidieren“).
Für das Sommersemester wurden vier Vortragende
eingeladen, die aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrungen im
Umgang mit ethischen Fragen einbringen werden. Ziel dieser
Vortragsreihe ist es insbesondere, die Möglichkeiten,
Bedingungen und Grenzen einer jeweils spezifischen Forschungs-,
Technik- und Wirtschaftsethik zu erörtern und für die
in der Forschung selbst Tätigen konkrete Hinweise zu liefern,
wie eine gesellschaftlich verantwortungsvolle ethische Analyse und
Beurteilung realer Handlungsmöglichkeiten in der
wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Praxis
funktionieren könnte.
Dienstag,15. April 2008, 18.30 Uhr:
Bernhard Pelzl (Graz):
Ethik und Forschung
Ethik, wie sie in der von Joanneum Research eingerichteten
Arbeitsgruppe „Ethik in Forschung und Technik“
verstanden wird, betrifft die individuellen Entscheidungsoptionen von
Forschern, mit dem Ziel, Forschung von Vereinnahmungen freizuhalten und
die wissenschaftlichen Ziele und Methoden in Perspektiven einzuordnen,
die auf das Ganze des menschlichen Lebens gerichtet sind.
Dienstag, 29. April 2008, 18.30 Uhr:
Helge Torgersen (Wien):
Ethik und Technologie
Technikentwicklung führt nicht selten zu
Konflikten über „harte“ Interessen,
über Wissensansprüche und über Werte.
Professionelle Ethikkomitees diskutieren den verantwortungsvollen
Umgang bis hin zu Verboten, und unter dem Etikett der Ethik werden
Initiativen zur Technologieförderung mit
sozialwissenschaftlicher Begleitforschung angereichert. Sind diese
Trends auf reale Veränderungen in den Naturwissenschaften oder
auf den veränderten gesellschaftlichen Umgang mit
Technikentwicklung zurückzuführen?
Dienstag, 27. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Stephan Schulmeister (Wien):
Ethik und Wirtschaft
Ökonomie und Ethik/Politik sind zwei Denk- und
Handlungssysteme mit unterschiedlichen
„Spielregeln“. Ihr Verhältnis
hängt in hohem Maß von der dominanten
gesellschaftspolitischen „Weltanschauung“ ab.
Dominiert der Neoliberalismus und damit die Ökonomie, so wird
der Ruf nach mehr Ethik und Moral stärker – eine
Mangelerscheinung.
Dienstag, 24. Juni 2008. 18.30 Uhr:
Wolf Frühauf (Wien):
Ethik und Life Sciences
Die Freiheit der Wissenschaften als Grundrecht soll die
freie und nur der wissenschaftlichen Wahrheit dienende Entwicklung der
Wissenschaften garantieren, hat aber Verantwortung und Ethik als
wesentliche Bestimmungsfaktoren. Dies gilt besonders für die
„Life Sciences“ wie Medizin, Biomedizin,
Biotechnologie, Gentechnik und Pharmazie. Ethische Prinzipien und
darauf basierende Regulierungen, wie etwa bei Gentechnik, klinischer
Forschung und Tierversuchen sind daher auch wichtige Anliegen einer
modernen demokratischen Gesellschaft.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Dvořák, Johann: Dr.,
Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut
für
Politikwissenschaft der Universität Wien.
Frühauf,
Wolf: Dr.,
Jurist, Universitätsassistent, Sektionschef und
langjähriger Leiter der
Präsidialsektion im Bundesministerium für
Wissenschaft und Forschung, Legistik
und Vollziehung Tierversuchs- und
Gentechnikrecht, F&E-Angelegenheiten im Bereich der Life
Sciences,
Initiator des „Impulsprogramm Biotechnologie“ und
des Genforschungsprogramm
„GENAU“, Ehrensenator der Universität Wien
Pelzl, Bernhard: Dr., Hon. Prof.,
Wissenschaftstheoretiker, Philosoph,
Linguist und Orientalist; wissenschaftlicher Direktor der Joanneum
Research
ForschungsgesmbH Graz, Honorarprofessor für Medienwissenschaft
an der Univ.
Graz; seit November 2007 Ständiger Diako
Rozsenich, Norbert: Dr., Mathematiker,
Lehrbeauftragter an
der Universität Wien, Ehrensenator der TU Wien, von 1984 bis
2002 Forschungs-,
bzw. Technologie-Sektionschef im BMWF und BMVIT, derzeit
Präsident der
Österr. Gesellschaft für Automatisierungs- und
Robotertechnik und der Österr.
Gesellschaft für Technologiepolitik
Schulmeister, Stephan:
Dr., Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, seit 1972 am
(Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung,
Forschungsschwerpunkte:
Instabilität der Finanzmärkte und ihre
realwirtschaftlichen Folgen, Zinsniveaus
und Wirtschaftswachstum, längerfristige Entwicklung der
Weltwirtschaft.
Torgersen, Helge: Dr., Biologe,
1981-89 Mitarbeiter der Institute für Molekularbiologie und
Biochemie der Uni
Wien. Seit 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut
für
Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften.
Arbeitsgebiete: Risikobewertung,
Regulierung und öffentliche Wahrnehmung der Biotechnologie,
Wissenschaftsforschung, Methoden partizipativer
Technikfolgenabschätzung.
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Psyche
– Körper – Gesellschaft
Schwerpunkt: Wahn
Konzept und Organisation: Ulrike Kadi, Gerhard Unterthurner
In den letzten Monaten war der Blick der
Öffentlichkeit verstärkt auf die psychiatrische
Versorgung in Wien gerichtet. Da ist es naheliegend, sich einzelnen
seelischen Phänomenen, die mit psychischer Erkrankung
assoziiert werden, zuzuwenden. Der Wahn wird oftmals als ein Synonym
für Verrücktheit und damit für psychische
Erkrankung im Allgemeinen aufgefasst. Als Restitutionsversuch ist er
dem sogenannten Normalen weniger fern als landläufig
angenommen. Umso mehr bietet er sich als Zentrum eines Austauschs
zwischen Befremdendem und Bekanntem an. Ausgehend von der Frage nach
dem Wahn, versammelt das Programm des Sommersemesters
kinematographische, philosophische, psychoanalytische und
psychiatrische Antwortversuche.
Der folgende Termin muss leider auf Mittwoch, den 25. Juni 2008, verschoben werden:
Mittwoch, 26. März 2008, 18.30 Uhr:
Florian Klenk und Friedrich Zawrel (Wien): Gespräch
Freitag, 18. April 2008, 18.30 Uhr:
Andreas Cremonini (Basel):
Eifersucht. Zwischen Wahn und Wirklichkeit
Die philosophische Erforschung der Gefühle war
zuletzt sehr erfolgreich bei dem Versuch, die als verworren geltende
Welt der Gefühle auf ihre kognitiven Leistungen hin zu
analysieren. Dieser Vortrag will die Grenzen des kognitivistischen
Ansatzes am Beispiel der Eifersucht aufzeigen. Der
Eifersüchtige verstößt gegen die Regeln
rationalen Denkens und Handelns. Dies kann sich bis zu dem Extrempunkt
steigern, an dem die Welterfahrung des Eifersüchtigen kaum
noch kognitive Widerlager für Korrekturen der eigenen
Überzeugungen bereithält, wo der
Eifersüchtige durch sein impulsives Handeln gerade den Verlust
des geliebten Gegenstandes vorantreibt. Die eigentümlich
lebhafte imaginative Dimension der Eifersucht soll den Ausgangspunkt
bilden, um mit Hilfe des psychoanalytischen Konzeptes von Begehren und
Phantasma die Objektbeziehung der Eifersucht zu rekonstruieren. Claude
Chabrols Film „L’Enfer“ soll dazu dienen,
das Körnchen Wahn freizulegen, das jede Liebesbeziehung
zerstören kann – oder aber lebendig erhält.
Mittwoch, 14. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Herbert Hrachovec und Horst Tellioglu (Wien):
Danebenbenehmen. Einige Blickpunkte
Die Situation ist nicht selten, aber sie wird selten
analysiert: Der fremdländische Blumenverkäufer
schenkt der Dame am Tisch eine Rose; eine körperlich
behinderte Person legt einer Runde einen Zettel vor und bittet um
Unterstützung. Das Unbehagen entsteht nicht einfach durch die
Störung. Dass jemand sich einen Sessel ausborgt,
verläuft undramatisch. Und auch die Affektion der Einzelnen
durch die Verletzung der „Tischsitten“
erklärt die Peinlichkeit nur zum Teil. Der wunde Punkt in
einer solchen Szenerie liegt darin, dass die Beteiligten jede
für sich die Grenzüberschreitung erfahren und nicht
in der Lage sind, auf sie gemeinsam zu reagieren. Das macht das
verlegene Wegschauen und umgekehrt die Verbrüderung der
Stammtische. Nach diesem Muster lässt sich auch der
gesellschaftliche Umgang mit Auffälligkeiten im Denken und
Verhalten fassen, mit „Wahnideen“ und
„Abnormalität“. Sie treffen auf das
prekäre Gleichgewicht, in dem erfolgreich sozialisierte
Akteure leben – und sie evozieren unter normalen
Umständen Befremden, Abwehr und Aggression. Die Spannweite
reicht von individueller Erschütterung bis dorthin, wo das
Individuum Schutz im sozialen Standard sucht, der sein verletzliches
Wohlverhalten absichert.
Lars von Triers Film „Idioten“ (1998)
bietet einen Schauplatz für diese mehrschichtigen
Perspektiven. Kluge stellen sich dumm und spotten über Kluge.
Wer wird daraus klug?
Mittwoch, 11. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Peter Vitecek (Wien):
Krankheits- und Gesundheitsmodelle in der Psychiatrie und
im Erleben der Betroffenen
Die Psychiatrie beschreibt Phänomene wie
Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Menschen, die an schweren
seelischen Störungen leiden. Sie verschiebt damit dieses
Erleben in den Bereich des Pathologischen, das dem Verstehen zumeist
unzugänglich bleibt. Für die Kranken bleiben diese
prägenden Erlebnisse bestehen. Sie können sie nicht
vergessen, schämen sich dafür, haben Angst, davon zu
berichten. Psychiatrie und Betroffene verwenden unterschiedliche
Erklärungsmodelle für diese Phänomene.
Anhand von Fallbeispielen und Tonbandaufzeichnungen soll der
Versuch
einer Annäherung unternommen werden.
Mittwoch, 25. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Florian Klenk und Friedrich Zawrel (Wien):
Gespräch
Der „Falter“-Journalist Florian Klenk
spricht mit dem ehemaligen Spiegelgrund-Gefangenen Friedrich Zawrel
über die Mühen, seinen Peiniger, den NS-Arzt und
Gerichtsgutachter Heinrich Gross, zu überführen.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Cremonini, Andreas: Wissenschaftlicher
Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Basel,
Redaktionsmitglied und Mitherausgeber der Zeitschrift
„RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse. Freud.
Lacan“, Mitglied des
Interdisziplinären psychoanalytischen Forums
(Universität Zürich, ETH,
www.ipf.uzh.ch). Publikationen u. a.: „Die
Durchquerung des Cogito. Lacan contra Sartre“,
München
2003.
Hrachovec, Herbert:
Prof. am Institut für Philosophie an der Universität
Wien. Längere Lehr- und
Forschungsaufenthalte in Oxford, Münster, Cambridge,
Massachusetts, Berlin,
Essen und Weimar. Arbeiten über analytische Philosophie,
Metaphysik und
Ästhetik. Gegenwärtiger Arbeitsschwerpunkt: Neue
Medien. Weitere Informationen
unter http://hrachovec.philo.at.
Kadi,
Ulrike: DDr.in, Philosophin, Ärztin,
Lehrbeauftragte am
Institut für
Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkte:
Psychoanalyse,
Phänomenologie, Sprachtheorien.
Klenk, Florian: Journalist und Jurist. Er
arbeitete acht Jahre für die Wiener Stadtzeitung
„Falter“ und wechselte dann
als Redakteur zur „Zeit“ nach Hamburg. Seit Mai
2007 ist er stellvertretender
Chefredakteur des „Falter“.
Tellioglu, Horst: Studium der Philosophie und
der Informatik, Mitherausgeber von „cinetext – Film
und Philosophie“,
Softwareentwickler.
Unterthurner,
Gerhard: Dr. phil., freier Wissenschaftler, Lehrbeauftragter am
Institut für
Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkte:
Phänomenologie und
französische Gegenwartsphilosophie. Publikationen u.a.: Hg.
mit Ulrike Kadi: sinn macht unbewusstes. unbewusstes macht sinn
(Würzburg 2005); Foucaults Archäologie und Kritik der
Erfahrung (Wien 2006).
Vitecek, Peter: Dr. med., Facharzt für
Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut seit 1993, bis 2004
Oberarzt im
Otto Wagner Spital; niedergelassener Wahlarzt für Psychiatrie
und
Psychotherapeut in Wien; Lehrtätigkeit im Rahmen des
Psychotherapiepropädeutikums; mehrere
Veröffentlichungen und regelmäßige
Vortragstätigkeit.
Zawrel,
Friedrich: geboren 1929, ist
Überlebender der Euthanasieanstalt „Am
Spiegelgrund“, wo zwischen 1940 und 1945
über 800 Kinder getötet worden sind.
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Informelles
Lernen
Konzepte – Orte – Kontroversen
Konzept und Organisation: Arbeitsgruppe Informelles Lernen
(Wolfgang Brückner, Hedwig Presch, Wolfgang
Stifter, Eva Tepperberg, Martina Zach und Reinhard Zürcher)
Seit einigen Jahren wird der Kompetenzbegriff als neuer
Leitbegriff für die Aus- und Weiterbildung diskutiert. Damit
gelangen Lernorte außerhalb der Bildungsinstitutionen in den
Blickpunkt, und der Lernbegriff erhält durch die Einbeziehung
des nicht-formalen bzw. informellen Lernens eine zusätzliche
Dimension. Dieses – den Großteil des Lernens im
Lebenslauf umfassende und in der Vergangenheit von der Forschung und
Bildungspolitik nur unzureichend beachtete – Lernen wird in
dieser Vortragsreihe aus vier verschiedenen Perspektiven thematisiert.
Mittwoch, 12. März 2008, 18.30 Uhr
Volker Gehmlich (Osnabrück):
Lebenslanges Lernen – ein
lebenslängliches Vergnügen durch
Missverständnisse oder lebensbegleitendes Lernen mit
Ungereimtheiten?
Implikationen von Begriffen im europäischen
Kontext des Lernens
Im „Lernraum Europa“ entsteht eine
neue begriffliche Welt. Zu deren Verständnis wäre
Einheitlichkeit wünschenswert, aber wie realistisch ist ein
solcher Wunsch angesichts der Vielfalt von Sprachen, Konzepten und
Ansätzen? Wird sich ein „Model of Best
Practice“ finden lassen? Auch ist es mehr als eine Vermutung,
dass die verwendeten Begriffe nicht verstanden werden, obwohl sie
„international geläufig“ erscheinen. Wenn
das so ist, wie kann sichergestellt werden, dass Begriffe im
Bildungswesen eindeutig sind, bleiben oder werden?
Mittwoch, 2. April 2008, 18.30 Uhr:
Lorenz Lassnigg (Wien):
Möglichkeiten und Probleme der Anerkennung
informellen Lernens – politische Reflexion und
gesellschaftliche Relevanz
In diesem Vortrag werden die Stärken und
Schwächen der politischen Institutionalisierung und
Unterstützung von informellem Lernen herausgearbeitet.
Ausgangspunkt der Betrachtungen ist, dass informelles Lernen das
formale und nicht-formale Lernen nicht ersetzen kann, aber doch eine
Basis dafür darstellt und dadurch angeregt wird. Methoden der
Anerkennung informellen Lernens können Chancen bieten, stellen
aber Herausforderungen sowohl für die Bildungsinstitutionen
als auch für die Politik dar.
Montag, 5. Mai 2008, 13.00-16.30 Uhr:
Ort: Hans-Mandl-Berufsschule, 1120 Wien,
Längenfeldgasse 13-15
Fabian Kessl (Bielefeld):
Urbane Lernräume
Richard Krisch (Wien):
Bildungsprozesse Jugendlicher im Sozialraum Stadt
Im schulischen Kontext, in Institutionen wie
beispielsweise den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe,
insbesondere aber auch im öffentlichen Raum zeigen Kinder und
Jugendliche oft eigentümliche Raumwahrnehmungen, geben Orten
ihre eigene Bedeutung, widmen sie um, entwickeln eigene Nutzungsformen
usw. Dies ist Ausdruck eigentätiger Formen der
sozialräumlichen Aneignung und damit eine zentrale
Entwicklungsaufgabe der Jugendlichen. Obgleich nicht jede Form der
sozialräumlichen Aneignung von Kindern und Jugendlichen als
Bildungsprozess gedeutet werden kann, erscheint evident, dass die
Ermöglichung von Aneignung im städtischen Raum die
Erweiterung von Handlungsfähigkeiten und den Erwerb von
Kompetenzen beinhaltet.
Mittwoch, 28. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Friederike Weber (Wien):
Lernen im Arbeitsprozess
„Lernen im Arbeitsprozess“ klingt wie
ein alter Hut. Es lohnt sich aber, diesen vor dem Hintergrund der
Diskussion zum lebenslangen Lernen wieder aufzusetzen – weil
Unternehmen zwar die Bedeutung dieses Lernens hervorheben, es aber nur
wenige systematisch gestalten. Auch schafft es Zugang zu
bildungsbenachteiligten Personen. Der Arbeitsplatz ist ein vertrauter
Lebensbereich, er bietet die für diese Zielgruppe notwendige
Praxisorientierung. Ansatzpunkte und Praxisbeispiele für das
Lernen im und am Arbeitsprozess werden präsentiert, und es
wird gezeigt, dass sich bei dessen entsprechender Gestaltung
über die betriebliche Verwertungslogik hinaus eine
Brücke zur allgemeinen Erwachsenenbildung schlagen
lässt.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Brückner,
Wolfgang: Mag., Die Wiener Volkshochschulen, Zweiter Bildungsweg
Floridsdorf.
Gehmlich, Volker: Dr., Professor für Allgemeine
Betriebswirtschaftslehre und Englisch, zahlreiche
Veröffentlichungen zu ECTS, ECVET, Learning Outcomes etc.
Fachhochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften.
Kessl, Fabian: Dr., Universität Bielefeld, Fakultät
für Pädagogik.
Krisch, Richard: Dr. Verein Wiener Jugendzentren &
Fachhochschule Campus Wien,
Lassnigg, Lorenz:Dr. Institut für Höhere Studien,
Wien.
Presch, Hedwig: Dr.in, Institut für
Alterskompetenzen.
Stifter, Wolfgang: Mag., Erwachsenenbildner und Bildungsberater, biv
integrativ.
Tepperberg, Eva: Dr.in, Berufsschulinspektorin,
Campus
Längenfeld.
Weber, Friederike: Mag. a, prospect Unternehmensberatung
Zach, Martina: Mag.a, Lektorin,
Projektkoordination EB (V/8).
Zürcher, Reinhard: Dr., Institut für Forschung,
Innovation und Schulentwicklung, Pädagogische Hochschule Wien.
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Jour
fixe Bildungstheorie
Sprechen über Bildung:
Begriffe, Metaphern, Diskurse
Eine Kooperation mit dem Institut
für
Bildungswissenschaft der Universität Wien, dem Ring
Österreichischer Bildungswerke und dem Verband
Österreichischer Volkshochschulen
Konzept und Organisation: Agnieszka Dzierzbicka, Wolfgang
Kellner, Klaus Ratschiller, Stefan Vater
Wie wird über Bildung gesprochen? Welche
Bildungstheorien und -konzepte, aber auch Alltagsvorstellungen und
Vorurteile sind diesem Sprechen immanent? Woher kommen die Modelle und
Metaphern, mit deren Hilfe über Bildungsprozesse gesprochen
wird? Der Jour fixe Bildungstheorie befragt Wirkungen jener Flut
anglizistischer Benennungen, die den im Entstehen begriffenen
„europäischen Weiterbildungsraum“
bestimmen, befragt die Effekte der damit einhergehenden Vermischung mit
ökonomischen Diskursen und Codes der Medientechnologie
– und die Chancen eines scheinbar hilflos opponierenden
Bildungsidealismus. Verhandelt werden diese Fragen anhand von
Reflexionen aus den Erziehungs- und den Kulturwissenschaften, aus
Diskursanalyse und Geschlechtertheorien.
Mittwoch,16. April 2008, 19.00 Uhr
Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Herbert Hrachovec (Institut für Philosophie;
Senat der Universität Wien):
Bildung als Polemik und als Ideal
Respondent: Gerhard
Clemenz (Institut für
Volkswirtschaftslehre; Senat der Universität Wien)
Mit dem Ausdruck „Bildung“
lässt sich ein doppeltes Spiel arrangieren. Erstens ein
Kampfspiel, in dem Jobtraining gegen Überblick,
Fachhochschulen gegen Universitäten und Einzelwissen gegen
Bildung antreten. Und zweitens ein Ringelreihen, in dem die Beteiligten
rund um Bildungsideale für alle Menschen tanzen. Der Ausdruck
ruft eine Opposition hervor und schließt das Versprechen ein,
die beiden Seiten zu vermitteln. Aktuell und kontrovers ist das
Manöver im gegenwärtigen Umbau der
Hochschulausbildung nach den Prinzipien der Europäischen
Studienarchitektur zu beobachten. FürsprecherInnen der
„Bildung“ attackieren die berufsbezogenen,
verdünnten Kurzstudien und plädieren für ein
breit angelegtes, historisch und theoretisch unterlegtes Kulturwissen.
Die neu entwickelten Curricula werden in diesem Zusammenhang gerne als
Kapitulation vor außer-akademischen Interessen betrachtet.
Der Vortrag verfolgt den Diskussionsverlauf in
Stellungnahmen zum Bildungsverfall und überprüft ihn
anhand einiger Beispiele aus der Bologna-Umstellung an der
Universität Wien.
Montag, 19. Mai, 18.30 Uhr
Karin Harrasser (HU Berlin) und Helmut Lethen (IFK):
Kritik der Kultiviertheit – Sozialität
der Distanz
„... so ist die ganze moderne Bildung
wesentlich innerlich: auswendig hat der Buchbinder so etwas darauf
gedruckt wie: Handbuch innerlicher Bildung für
äusserliche Barbaren.“ (Friedrich Nietzsche)
Ausgehend von diesem Satz Nietzsches lassen sich konkurrierende
Bildungs- und Kulturbegriffe entfalten.
Gegen ein spezifisch deutsches Bildungsideal der
„Innerlichkeit“ wird Bildung im frühen 20.
Jahrhundert zum Gegenstand von Verhaltenslehren. Sie ist ganz
äußerlich, sonst ist sie gar nicht. Nur als
Verhalten ist sie beobachtbar und kann daher auch mit Mitteln der
Tierverhaltensforschung beschrieben werden: Die
„Tiefe“ der Bildung entspricht der Weite des
Aktionsradius, in dem sie sich realisiert. Dieses anti-humanistische
Gegenprogramm ist einer Auffassung von Zivilisiertheit und einer
„Sozialität der Distanz“ verpflichtet, in
der aristokratische Verhaltensideale, koloniale Diskurse und ein
naturwissenschaftlicher, funktionaler Verhaltensbegriff in brisante
Beziehungen geraten.
In einer weiteren kritischen Wendung des
Verhaltensbegriffs von Bildung können jedoch
Äußerlichkeit und Sichtbarkeit auch als Momente
lesbar werden, die die „Unantastbarkeit der Würde
des Menschen“ erst ermöglichen.
Donnerstag, 29. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Roland Reichenbach (Institut für
Pädagogik, Universität Basel):
Neueuropäischer Bildungsschwulst
Metaphorologisch inspirierte Mutmaßungen zum
„Bologna“-Vokabular
Respondentin: Elisabeth
Sattler (Institut für
Bildungswissenschaft, Universität Wien)
Zum Schwulstigen gehört das Aufgeblasene.
Während der deutschsprachige Bildungsdiskurs immer eine
gewisse Affinität zum Schwulstigen hatte, u. a. da er in der
Vergangenheit akademische Dominanz- und Submissionsgelüste zu
befriedigen vermochte, schien der angelsächsische Diskurs auch
in der Pädagogik
davon nur wenig affiziert. Die anglizistischen Benennungen
der sogenannten „neuen“ BA- und
MA-Studiengänge können aber als Symptom einer
trivialen Reschwulstifizierung eines in sich zusammen gesackten
Bildungsidealismus betrachtet werden, an den zwar niemand mehr so
richtig glauben will, dessen Wirksamkeit aber kaum
unterschätzt werden kann.
Donnerstag, 5. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Angela Venth (Deutsches Institut für
Erwachsenenbildung – DIE, Bonn):
Gender-Diskurse und Erwachsenenbildung
Ein diskursanalytischer Blick auf Geschlechtermuster in
Bildungskontexten
Respondentin: Nicole
Schaffer (Inst. für
Technologie- und Regionalpolitik, Joanneum Research)
Inwiefern ist Erwachsenenbildung Akteurin eines
„Doing Gender“, das traditionelle
Geschlechterkonstellationen verstärkt oder auflöst?
Für diese Frage schärfen Diskursanalyse und
Geschlechtertheorien den erkenntniskritischen Blick. Erwachsenenbildung
wird dabei als prozessuales Geschehen verstanden, das sich durch
explizite oder verdeckte Diskurse konstituiert, also als eine durch
Diskurs hergestellte Praxis. Diskursanalytische Zugänge machen
es möglich, jenseits des Prinzips der
Geschlechtsneutralität, die Genderrelevanz solcher Diskurse
ans Licht zu bringen und alltägliche Geschlechterordnungen,
auf deren Grundlage die Erwachsenenbildung operiert, sichtbar zu
machen.
Workshop Bildungstheorie:
Der dreistündige
Workshop ist eine Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden,
bei der Annäherungen an ein Resümee zum Jour
fixe-Thema gesucht werden – gemeinsam mit ExpertInnen aus den
Institutionen, die den Jour fixe Bildungstheorie gestalten, sowie mit
einigen der Semester-ReferentInnen/RespondentInnen (Anmeldung
erforderlich). Informationen und Anmeldung: Ring
Österreichischer Bildungswerke: Tel.: 01 533 88 83,
http://members.telering.at/bildungswerke.
Termin in Abstimmung mit den
TeilnehmerInnen.
Seminar Bildungstheorie: Im Rahmen des Workshops (und nach
Teilnahme an mindestens drei der vier Vortragsabende) kann ein Zeugnis
erworben werden, das von der WeiterBildungsAkademie Österreich
(www.wba.or.at)
als Seminar Bildungstheorie anerkannt wird.
ReferentInnen
und KoordinatorInnen:
Clemenz, Gerhard: Professor an der
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Vorsitzender des Senats der Universität Wien.
Dzierzbicka,
Agnieszka: Dr. in, Univ.-Assistentin am Institut für
Bildungswissenschaft der Universität Wien.
Habilitationsprojekt:
Aufnahmen einer anderen Bildung. Vom Untergrund zur Open University.
Harrasser,
Karin: Studium Germanistik und Geschichte an der Universität
Wien,
derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt zur Herstellung von Wissen und
Geschlecht im Museum.
Klaus
Ratschiller: Lektor für Philosophie, freier Schriftsteller.
Lethen,
Helmut:
Prof. em. für Neueste deutsche Literatur an der
Universität
Rostock, seit Oktober 2007 Direktor des IFK, Wien. Publikationen u. a.:
Der Sound der Väter. Gottfried Benn und seine Zeit (Berlin
2006);
Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den
Kriegen
(Frankfurt am Main 1994).
Reichenbach,
Roland: Professor am Institut für Pädagogik der
Universität Basel. 1999 habilitierte er über
demokratische
Bildung und Erziehung in der Spätmoderne.
Sattler,
Elisabeth: Dr.in, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut
für Bildungswissenschaft.
Schaffer,
Nicole: Mag.a, wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Joanneum Research im
Bereich regionale Arbeitsmarktforschung und -politik, Schwerpunkt
Gender Mainstreaming.
Stefan
Vater:
Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für
Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und
der
Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des
Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung
Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at). Publikationen
(u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie der
Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main 2003.
Venth,
Angela:
Dr. in, seit 1977 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutsches Institut
für Erwachsenenbildung. Schwerpunkte: Lernforschung;
Genderperspektiven in der Erwachsenenbildung
Wolfgang
Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring
Österreichischer Bildungswerke.
Die Veranstaltungsreihe wird gefördert von:

http://www.adulteducation.at/
http://www.bifeb.at/
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