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Institut für Wissenschaft und Kunst

Seminar- und Vortragsreihen 

im Sommersemester 2008


 

Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt. 



Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Konzept und Koordination: Christine Kanzler, Ilse Korotin, Karin Nusko

Frauen haben im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur in Österreich eine maßgebliche Rolle gespielt. Diese Tatsache wurde sowohl in der historischen Forschung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit – zum Teil bis heute – ignoriert. Unter dem Einfluss der Oral History-Forschung sowie der Frauenbewegung hat die Erforschung des weiblichen Widerstands in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen entscheidenden Impuls erhalten. Besonders in den letzten Jahren haben sich WissenschafterInnen der Aufarbeitung wichtiger Thematiken innerhalb dieses Forschungsfelds angenommen. Neben dem Widerstand von Frauen in organisierten politischen und weltanschaulichen Zusammenhängen rückte im Sinne eines erweiterten Widerstandsbegriffes auch der Widerstand auf individueller Basis, etwa in Form von Solidarität und Hilfe für Verfolgte des NS-Regimes, ins Blickfeld der Forschung.
In dieser Vortragsreihe, die im Rahmen des Modulprojekts „Österreichische Frauen gegen den Nationalsozialismus“ von „biografiA. datenbank und lexikon österreichischer frauen” veranstaltet wird, sollen die mannigfaltigen Aspekte weiblicher Präsenz im österreichischen Widerstand sichtbar gemacht und neue Forschungsergebnisse präsentiert werden.

Dienstag,11. März 2008, 18.30 Uhr
Erika Dzeladini (Wien):
Die Verfolgung des individuellen und nicht organisierten Widerstandes 1939-1945 dargestellt anhand einer Untersuchung von Akten des Sondergerichtes Wien
Die in diesem Vortrag vorgestellte Studie versucht, die Verfolgung des individuellen und nicht organisierten Widerstandes in der Zeit von 1939 bis 1945 anhand einer Untersuchung von Akten des Sondergerichtes Wien darzustellen. Die Arbeit umfasst zwei Teile. Im ersten Teil erfolgt eine Einführung in die Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und eine Definition des individuellen und nicht organisierten Widerstandes, sowie eine Einführung in das Justizwesen der Jahre 1939-1945. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Sondergerichte, vor allem das Sondergericht Wien, gelegt. Im zweiten Teil werden das Material, die Methoden, die Erstellung der Variablen und die Analyse der Akten sowie deren Auswertung anhand von Aktenbeispielen beschrieben.

Dienstag, 8. April 2008, 18.30 Uhr
Martina Gugglberger (Linz):
„Versuche, anständig zu bleiben”
Widerstand und Verfolgung von Frauen im Reichsgau Oberdonau
Der Titel des Vortrags „Versuche, anständig zu bleiben” verweist auf ein Zitat des Historikers Karl Stadler, der Ende der 1960er Jahre „Widerstand” nicht nur als bewaffneten Widerstand definierte, sondern auch Handlungen von Einzelnen mit einbezog. Diese Definitionserweiterung ermöglichte es, auch den Beitrag von Frauen in der historischen Forschung stärker ins Blickfeld zu nehmen. Frauen waren in fast allen Widerstandsgruppen in Oberösterreich aktiv beteiligt. In den allermeisten Fällen blieben sie allerdings im „Hintergrund“ als Helferinnen und Unterstützerinnen von Männern. Entlang der drei Begriffsebenen „Alltagsdissens”, „weltanschaulicher Dissens” und „politischer Widerstand” werden exemplarisch unterschiedliche Ausformungen von Widerstandshandlungen von Frauen in Oberösterreich vorgestellt. Abschließend wird kurz auf die Situation von inhaftierten Widerstandskämpferinnen in Oberösterreich eingegangen.

Dienstag, 20. Mai 2008, 18.30 Uhr
Brigitte Ungar-Klein (Wien):
Das Schicksal jüdischer „U-Boote” und ihrer HelferInnen
„U-Boot” – ein Leben wählen im Untergrund, in die Illegalität verschwinden: Zahlreiche Menschen, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung, ihrer politischen, religiösen, sexuellen Einstellung während der NS-Zeit gefährdet waren, versuchten so, ihr Leben zu retten. Die Forschungen dazu haben europaweit erst viele Jahre nach 1945 eingesetzt, gestalten sich daher bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt äußerst schwierig und können noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Vortrag geht speziell auf das Schicksal der jüdischen U-Boote in Österreich ein, würdigt die Bedeutung der couragierten HelferInnen, die zumeist unentgeltlich halfen, und zeigt die Schwierigkeiten dieser Opfergruppe nach Kriegsende.

Dienstag, 17. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Gudula Walterskirchen (Wien):
Adelige Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Der Großteil des österreichischen Adels war erbitterter Gegner des Nationalsozialismus. Seine Haltung – katholisch, österreichisch-patriotisch, pro-habsburgisch – stand in scharfem Gegensatz zur NS-Ideologie. Viele adelige Frauen nahmen aktiv am Widerstand – manche sogar am militärischen – teil und riskierten dafür ihr Leben: Prinzessin Lily Schönburg war eine Mitverschwörerin des Stauffenberg-Attentates; Gräfin Helene Trauttmansdorff war Mitglied der O5 und wurde unmittelbar vor Kriegsende dafür erschossen; Prinzessin Christiane Croy bot in ihrem Wiener Palais der O5 Unterschlupf, Agathe Croy war ebenfalls O5-Aktivistin.

Die Vortragsreihe wird vom Zukunftsfonds der Republik Österreich und vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus unterstützt.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Kanzler, Christine: Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenenbildnerin. Forschungsschwerpunkte: Exilfor-schung, Biografieforschung. Derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Wider-stand gegen den Nationalsozialismus“

Korotin, Ilse: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin, Leiterin der IWK-Doku­mentationsstelle Frauenforschung und des Projekts „biografiA“ (http://www.biografia.at). Forschungsschwerpunkte: Frauenbiografieforschung, Philoso­phie und Nationalsozialismus, Wissenschaftsgeschichte.

Nusko, Karin: Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte; Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozia-lismus“

Dzeladini, Erika: wurde 1979 in Oberösterreich geboren und studierte ab 1998 in Wien Politikwissenschaft und Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Sie schloss ihr Studium im Jahr 2005 mit ihrer Dip-lomarbeit zum Thema „Die Verfolgung des individuellen und nicht organisierten Widerstandes. 1939 – 1945. Dargestellt anhand einer Untersuchung von Akten des Sondergerichtes Wien” ab. Seither arbeitet sie an ihrer Dissertation, die den Arbeitstitel „Eugenik und Euthanasie im Nationalsozialismus dargestellt anhand der nationalsozialistischen Familienpolitik 1933-1945 unter Bezugnahme auf Michel Foucaults Konzept der Bio-Macht“ trägt und besucht seit Oktober 2007 einen Ausbildungslehrgang zur akademi-schen Trainerin. Derzeit ist Erika Dzeladini als Personal Assistent bei der internationalen Rechtsan-waltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer Wien in den Bereichen IP/IT, Corporate und Human Re-sources tätig.

Gugglberger, Martina: hat das Studium der Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Französisch an der Universität Salzburg und der Université Bordeaux III absolviert; seit 2002 Wissenschaftliche Mitar-beiterin am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Johannes-Kepler-Universität Linz; Lehr-beauftragte an der Universität Linz und Salzburg. Forschungsschwerpunkte: Frauen- und Geschlechtergeschichte: Geschlecht und Krieg bzw. Besatzung, Frauen im nationalsozialistischen Widerstand, Oral History, Geschlecht und Mission. Derzeit: Dissertationsprojekt zu „Lebensgeschichten deutscher und österreichischer Missionsschwestern in Südafrika”. Publikation u.a.: „Versuche, anständig zu bleiben” – Widerstand und Verfolgung von Frauen im Reichsgau Oberdonau, in: Gabriella Hauch (Hg.): Frauen im Reichsgau Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im Nationalsozialismus, Bd. 5 der Reihe: Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus hg. v. Oberösterreichischen Landesarchiv, Linz 2006, 281-343.

Ungar-Klein, Brigitte: hat an der Universität Wien Germanistik und Geschichte (Lehramt) studiert. Einige Jahre Unterrichtstätigkeit an AHS in Wien. Seit 1977 freie Mitarbeiterin im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Mitautorin einiger Publikationen des DÖW (z.B.: „Jüdische Schicksale” aus der Reihe: „Erzählte Geschichte”) Publikationen zum Themenkreis: Jüdische Geschichte, Österrei-chische Geschichte, Shoa. Seit 1996 Leiterin des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung.

Walterskirchen, Gudula: Historikerin und Publizistin. Sie hat eine Reihe von Sachbüchern zur österreichi-schen Zeitgeschichte veröffentlicht, die teilweise Bestseller wurden. Ihr Spezialgebiet sind die 30er Jah-re und die NS-Zeit. Titel u.a. „Blaues Blut für Österreich. Adelige im Widerstand gegen den Nationalso-zialismus”, „Engelbert Dollfuß – Arbeitermörder oder Heldenkanzler”, „Starhemberg oder die Spuren der 30er Jahre”.

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Frauennetzwerke in Wissenschaft und Kunst
Utopie und Wirklichkeit


Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger

Obwohl das Thema Frauennetzwerke derzeit einen Boom erlebt, handelt es sich keineswegs um ein zeitgenössisches Phänomen. Immer wieder schlossen sich Frauen zusammen, um einander zu unterstützen, um voneinander zu profitieren und nicht zuletzt um in einer männerdominierten Welt bestehen zu können. Private Verbindungen, Frauenverbände und andere Zusammenschlüsse hatten nicht selten wesentlichen Einfluss auf Wissenschaft oder Kunst. Dieser Arbeitskreis wird sowohl historische Beispiele vorstellen als auch aktuelle Frauennetzwerke diskutieren.

Montag, 21. April 2008, 18.30 Uhr:
Marianne Baumgartner (Wien):
„Der Feueratem, der das werdende Unternehmen beseelte...“
Der Vortrag befasst sich mit den frühen Jahren des „Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien“ (1885-1938). Im ausgehenden 19. Jahrhundert schufen Schriftstellerinnen und bildende Künstlerinnen in Wien – jenseits politischer, gesellschaftlicher und religiöser Anschauungen – ihre eigene Berufsgenossenschaft mit Pensionsfonds. Mit diesem sehr erfolgreichen Netzwerk eng verbunden sind uns heute nicht mehr geläufige Autorinnen wie Julie Thenen, Ina Barber oder Minna Kautsky, aber auch so bekannte wie Marie Ebner von Eschenbach, Ada Christen oder Betty Paoli. Auf Seiten der bildenden Künstlerinnen beteiligten sich Malerinnen wie Olga Wisinger-Florian und Mina Högel führend an der Entwicklung des Vereins.

Montag, 2. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Angelika Brechelmacher und Barbara Smetschka (Wien):
Netzwerke für Wissenschafterinnen
Sind Frauennetzwerke eine brauchbare Strategie zur Verbesserung der Situation von Wissenschafterinnen? In unserem Vortrag geben wir Einblick in aktuelle Konzepte zu Vernetzung und Netzwerken. Ausgehend von jüngsten Daten zur Situation von Frauen an Universitäten besprechen wir bestehende nationale Netzwerke für Frauen in Wissenschaft und Forschung. Wir analysieren Ziele und Strukturen dieser Netzwerke und stellen ihren Nutzen für die Arbeit der Wissenschafterinnen zur Diskussion.


Montag,16. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Christine Kanzler und Karin Nusko (Wien):
Frauen im Widerstand gegen den Austrofaschismus
Mit dem Verbot der politischen, gewerkschaftlichen und kulturellen Organisationen der Arbeiterbewegung verloren auch deren Aktivistinnen ihren legalen Wirkungsbereich. In den Jahren der Illegalität zwischen 1933 und 1938 haben Frauen, sei es im Rahmen spontan entstandener Solidaritätsnetzwerke oder in konspirativen Kleingruppen innerhalb bestehender Organisationsstrukturen, eine wichtige Rolle im Widerstand gegen das autoritäre Regime geleistet. Im Vortrag werden diese Aktivitäten beleuchtet und anhand konkreter Biografien veranschaulicht.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Blumesberger, Susanne: Mag.a, Dr.in phil., Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft/Germanistik an der Universität Wien. Seit 1999 Mitarbeiterin des Projekts „biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen“ am IWK, seit 2007 Mitarbeiterin der UB Wien.

Baumgartner, Marianne: Mag.a phil., IT-Coaching, Unternehmensberaterin, z.Zt. Dissertationsprojekt „Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien“ am Historischen Institut der Universität Wien.

Brechelmacher, Angelika: Dr.in, Institut für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung an der Fakultät für Interdisziplinäre Fortbildung und Forschung der Universität Klagenfurt. Publikationen und Forschungstätigkeit: Universität und Regionalentwicklung, Interuniversitäre Netzwerke, Internationalisierung von Hochschulen; Videodokumentation von Forschungs- und Kulturprojekten im mitteleuropäischen Raum.

Smetschka, Barbara: Mag.a Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt an der Fakultät für Interdisziplinäre Fortbildung und Forschung der Universität Klagenfurt; leitet die Bereiche Wissens- und Forschungsmanagement; lehrt an der Universität Klagenfurt und der Universität Wien zu inter- und transdisziplinärer Forschung und Projektarbeit; forscht zu Gender und Nachhaltigkeit und zu Karriere und Arbeitssituation von Wissenschafterinnen.

Kanzler, Christine: Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenenbildnerin. Forschungsschwerpunkte: Exilfor-schung, Biografieforschung. Derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Wider-stand gegen den Nationalsozialismus“

Nusko, Karin: Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte; Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“


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Studien zur ArbeiterInnenbewegung
Schwerpunkt: Die Folgen von 1938


Konzept und Organisation:
Paul Habr und Peter Ulrich Lehner (Redaktion der Zeitschrift „mitbestimmung“)

Der Faschismus beziehungsweise seine Variante Nationalsozialismus speiste sich aus verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen und Kräften, auch aus der ArbeiterInnenschaft. Er stellte einen Rückfall des Kapitalismus in sein Stadium der Brachialgewalt dar. Noch bevor sich diese Gewalt verselbstständigte (und sich schließlich auch gegen ihre Urheber und Nutznießer richtete), galt sie schon der freien ArbeiterInnenbewegung. Ehe er seine völkisch-rassistische Gewalttätigkeit ungehemmt auslebte, war die Zerschlagung dieser eigenständigen gesellschaftlichen Kraft seine Hauptstoßrichtung. Dadurch war, nach der Beseitigung des Parlamentarismus, die „Senkung der Arbeitskosten“ umso leichter möglich.
Darüber diskutieren TheoretikerInnen und PraktikerInnen der ArbeiterInnenbewegung mit PraktikerInnen und TheoretikerInnen der ArbeiterInnenbewegung.

Dienstag, 4. März, 18.30 Uhr:
Beraubte ArbeiterInnenbewegung
Was geschah mit den Bildungs- und Erholungsheimen sowie dem anderen Vermögen der Freien Gewerkschaften, aber auch mit der „Eigenvorsorge der armen Leute“ im Austrofaschismus und im Nationalsozialismus?
Brigitte Pellar (Inst. zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
Peter Ulrich Lehner (mitbestimmung)

Dienstag, 1. April 2008, 18.30 Uhr:
Arbeitsfron(t) statt Arbeitsrecht
Durch die verordnete „Gemeinschaft“ von Unternehmern und Erwerbsarbeitenden sollten die Kriegsförmigkeit des Arbeitslebens und eine maximale Kapitalakkumulation sichergestellt werden. KZ-Häftlinge arbeiteten unter noch wesentlich schlechteren Bedingungen als seinerzeit SklavInnen.
Brigitte Pellar (Inst. zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
Bernhard Schwarz (angefragt)

Dienstag, 6. Mai, 18.30 Uhr:
ArbeiterInnenbewegung und Widerstand
Die freie ArbeiterInnenbewegung war die erste Gegnerin des Faschismus. Viele ihrer Angehörigen leisteten neben dem organisierten auch individuellen Widerstand. Diese individuelle Zivilcourage übten auch Menschen außerhalb der ArbeiterInnenbewegung.
Winfried R. Garscha (Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, DÖW)
Sabine Lichtenberger (Inst. zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern)
 
Dienstag, 3. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Gedenken gegen das Verdrängen
Leugnung oder Beschönigung von Mittäterei und Mitläufertum sowie „Erinnerungs“-Events machen politisch aufklärendes Gedenken notwendig. Darum bemühen sich Organisationen und Initiativen aus der ArbeiterInnenbewegung.
Yariv Lapid (Gedenkstätte Mauthausen)
Willi Mernyi (ÖGB; Mauthausen Komitee Österreich)
Stephan Roth (DÖW; Verein Gedenkdienst)
Heribert Schiedel (Abteilung Rechtsextremismusforschung, DÖW)
Florian Wenninger (Verein Gedenkdienst)


ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Garscha, Winfried R.: Dr., Geschichtswissenschafter, Ko-Leiter der Forschungsstelle Nachkiegsjustiz am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW).

Lapid, Yariv: studiert Geschichte, leitet ein Projekt zum Aufbau einer pädagogischen Infrastruktur in der Gedenkstätte Mauthausen.

Lehner, Peter Ulrich: ehemaliger Grundlagenforscher und Journalist, geschäftsführender Redakteur der mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt.

Lichtenberger, Sabine: Dr.in, Geschichtswissenschafterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern.

Mernyi, Willi: Leiter des Referats für Kampagnen im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB), Vorsitzender von Mauthausen Komitee Österreich.
Pellar, Brigitte: Dr.in Geschichtswissenschafterin, Universitätslektorin, ehemalige Leiterin des Instituts zur Erforschung der Geschcihte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammern.

Roth, Stephan: Mag. , studierte Kommunikations- und Publizistikwissenschaft, Bibliothekar des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Aktivist des Vereins Gedenkdienst, Wien

Schwarz, Bernhard: Dr., Jurist, ehemaliger Stellvertretender Direktor der Wiener Arbeiterkammer.

Wenninger, Florian: studiert Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte, Angestellter, Vorsitzender des Vereins Gedenkdienst

Die Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 regelmäßig in der „mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt“ veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für Wissenschaft und Kunst auf.

Die Seminarreihe wird unterstützt von:

Wien Kultur



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Forschung, Technologie und Gesellschaft in Österreich
Schwerpunkt: Ethik, Forschung und Technologie

Eine Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik
Konzept und Organisation: Norbert Rozsenich, Johann Dvořák

Wissenschaftliche Innovationen und technische Entwicklungen z. B. in der Gentechnik und in den Neurowissenschaften haben großen Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft. Das macht die Erforschung ihrer möglichen Folgen und die Abwägung von Alternativen und Handlungsoptionen notwendig, wie es seitens der Wissenschaftsethik und der mit ihr zusammenhängenden Technikfolgenabschätzung unternommen wird. Ethische Problemstellungen in der Naturwissenschaft, der Medizin, der Technik und der Wirtschaft werden seit einiger Zeit auch in Österreich nicht mehr nur anhand spektakulärer Einzelfragen, sondern in einem größeren sozioökonomischen Zusammenhang diskutiert (z.B. in der Joanneum Research-Arbeitsgruppe „Ethik in Forschung und Technik“ oder zuletzt in Austria Innovativ, Nr. 6/2007, „Grauzonen – wo Wissenschaft und Moral kollidieren“).
Für das Sommersemester wurden vier Vortragende eingeladen, die aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrungen im Umgang mit ethischen Fragen einbringen werden. Ziel dieser Vortragsreihe ist es insbesondere, die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen einer jeweils spezifischen Forschungs-, Technik- und Wirtschaftsethik zu erörtern und für die in der Forschung selbst Tätigen konkrete Hinweise zu liefern, wie eine gesellschaftlich verantwortungsvolle ethische Analyse und Beurteilung realer Handlungsmöglichkeiten in der wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Praxis funktionieren könnte.

Dienstag,15. April 2008, 18.30 Uhr:
Bernhard Pelzl (Graz):
Ethik und Forschung
Ethik, wie sie in der von Joanneum Research eingerichteten Arbeitsgruppe „Ethik in Forschung und Technik“ verstanden wird, betrifft die individuellen Entscheidungsoptionen von Forschern, mit dem Ziel, Forschung von Vereinnahmungen freizuhalten und die wissenschaftlichen Ziele und Methoden in Perspektiven einzuordnen, die auf das Ganze des menschlichen Lebens gerichtet sind.

Dienstag, 29. April 2008, 18.30 Uhr:
Helge Torgersen (Wien):
Ethik und Technologie
Technikentwicklung führt nicht selten zu Konflikten über „harte“ Interessen, über Wissensansprüche und über Werte. Professionelle Ethikkomitees diskutieren den verantwortungsvollen Umgang bis hin zu Verboten, und unter dem Etikett der Ethik werden Initiativen zur Technologieförderung mit sozialwissenschaftlicher Begleitforschung angereichert. Sind diese Trends auf reale Veränderungen in den Naturwissenschaften oder auf den veränderten gesellschaftlichen Umgang mit Technikentwicklung zurückzuführen?

Dienstag, 27. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Stephan Schulmeister (Wien):
Ethik und Wirtschaft
Ökonomie und Ethik/Politik sind zwei Denk- und Handlungssysteme mit unterschiedlichen „Spielregeln“. Ihr Verhältnis hängt in hohem Maß von der dominanten gesellschaftspolitischen „Weltanschauung“ ab. Dominiert der Neoliberalismus und damit die Ökonomie, so wird der Ruf nach mehr Ethik und Moral stärker – eine Mangelerscheinung.

Dienstag, 24. Juni 2008. 18.30 Uhr:
Wolf Frühauf (Wien):
Ethik und Life Sciences
Die Freiheit der Wissenschaften als Grundrecht soll die freie und nur der wissenschaftlichen Wahrheit dienende Entwicklung der Wissenschaften garantieren, hat aber Verantwortung und Ethik als wesentliche Bestimmungsfaktoren. Dies gilt besonders für die „Life Sciences“ wie Medizin, Biomedizin, Biotechnologie, Gentechnik und Pharmazie. Ethische Prinzipien und darauf basierende Regulierungen, wie etwa bei Gentechnik, klinischer Forschung und Tierversuchen sind daher auch wichtige Anliegen einer modernen demokratischen Gesellschaft.


ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Dvořák, Johann: Dr., Politikwissenschaftler und Historiker, Studiengangsleiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Frühauf, Wolf: Dr., Jurist, Universitätsassistent, Sektionschef und langjähriger Leiter der Präsidialsektion im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Legistik und Vollziehung  Tierversuchs- und Gentechnikrecht, F&E-Angelegenheiten im Bereich der Life Sciences, Initiator des „Impulsprogramm Biotechnologie“ und des Genforschungsprogramm „GENAU“, Ehrensenator der Universität Wien

Pelzl, Bernhard: Dr., Hon. Prof., Wissenschaftstheoretiker, Philosoph, Linguist und Orientalist; wissenschaftlicher Direktor der Joanneum Research ForschungsgesmbH Graz, Honorarprofessor für Medienwissenschaft an der Univ. Graz; seit November 2007 Ständiger Diako

Rozsenich, Norbert: Dr., Mathematiker, Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Ehrensenator der TU Wien, von 1984 bis 2002 Forschungs-, bzw. Technologie-Sektionschef im BMWF und BMVIT, derzeit Präsident der Österr. Gesellschaft für Automatisierungs- und Robotertechnik und der Österr. Gesellschaft für Technologiepolitik

Schulmeister, Stephan: Dr., Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, seit 1972 am (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, Forschungsschwerpunkte: Instabilität der Finanzmärkte und ihre realwirtschaftlichen Folgen, Zinsniveaus und Wirtschaftswachstum, längerfristige Entwicklung der Weltwirtschaft.

Torgersen, Helge: Dr., Biologe, 1981-89 Mitarbeiter der Institute für Molekularbiologie und Biochemie der Uni Wien. Seit 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Arbeitsgebiete:  Risikobewertung, Regulierung und öffentliche Wahrnehmung der Biotechnologie, Wissenschaftsforschung, Methoden partizipativer Technikfolgenabschätzung.

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Psyche – Körper – Gesellschaft
Schwerpunkt: Wahn


Konzept und Organisation: Ulrike Kadi, Gerhard Unterthurner

In den letzten Monaten war der Blick der Öffentlichkeit verstärkt auf die psychiatrische Versorgung in Wien gerichtet. Da ist es naheliegend, sich einzelnen seelischen Phänomenen, die mit psychischer Erkrankung assoziiert werden, zuzuwenden. Der Wahn wird oftmals als ein Synonym für Verrücktheit und damit für psychische Erkrankung im Allgemeinen aufgefasst. Als Restitutionsversuch ist er dem sogenannten Normalen weniger fern als landläufig angenommen. Umso mehr bietet er sich als Zentrum eines Austauschs zwischen Befremdendem und Bekanntem an. Ausgehend von der Frage nach dem Wahn, versammelt das Programm des Sommersemesters kinematographische, philosophische, psychoanalytische und psychiatrische Antwortversuche.

Der folgende Termin muss leider auf Mittwoch, den 25. Juni 2008, verschoben werden:
Mittwoch, 26. März 2008, 18.30 Uhr:
Florian Klenk und Friedrich Zawrel (W
ien): Gespräch

Freitag, 18. April 2008, 18.30 Uhr:
Andreas Cremonini (Basel):
Eifersucht. Zwischen Wahn und Wirklichkeit
Die philosophische Erforschung der Gefühle war zuletzt sehr erfolgreich bei dem Versuch, die als verworren geltende Welt der Gefühle auf ihre kognitiven Leistungen hin zu analysieren. Dieser Vortrag will die Grenzen des kognitivistischen Ansatzes am Beispiel der Eifersucht aufzeigen. Der Eifersüchtige verstößt gegen die Regeln rationalen Denkens und Handelns. Dies kann sich bis zu dem Extrempunkt steigern, an dem die Welterfahrung des Eifersüchtigen kaum noch kognitive Widerlager für Korrekturen der eigenen Überzeugungen bereithält, wo der Eifersüchtige durch sein impulsives Handeln gerade den Verlust des geliebten Gegenstandes vorantreibt. Die eigentümlich lebhafte imaginative Dimension der Eifersucht soll den Ausgangspunkt bilden, um mit Hilfe des psychoanalytischen Konzeptes von Begehren und Phantasma die Objektbeziehung der Eifersucht zu rekonstruieren. Claude Chabrols Film „L’Enfer“ soll dazu dienen, das Körnchen Wahn freizulegen, das jede Liebesbeziehung zerstören kann – oder aber lebendig erhält.

Mittwoch, 14. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Herbert Hrachovec und Horst Tellioglu (Wien):
Danebenbenehmen. Einige Blickpunkte
Die Situation ist nicht selten, aber sie wird selten analysiert: Der fremdländische Blumenverkäufer schenkt der Dame am Tisch eine Rose; eine körperlich behinderte Person legt einer Runde einen Zettel vor und bittet um Unterstützung. Das Unbehagen entsteht nicht einfach durch die Störung. Dass jemand sich einen Sessel ausborgt, verläuft undramatisch. Und auch die Affektion der Einzelnen durch die Verletzung der „Tischsitten“ erklärt die Peinlichkeit nur zum Teil. Der wunde Punkt in einer solchen Szenerie liegt darin, dass die Beteiligten jede für sich die Grenzüberschreitung erfahren und nicht in der Lage sind, auf sie gemeinsam zu reagieren. Das macht das verlegene Wegschauen und umgekehrt die Verbrüderung der Stammtische. Nach diesem Muster lässt sich auch der gesellschaftliche Umgang mit Auffälligkeiten im Denken und Verhalten fassen, mit „Wahnideen“ und „Abnormalität“. Sie treffen auf das prekäre Gleichgewicht, in dem erfolgreich sozialisierte Akteure leben – und sie evozieren unter normalen Umständen Befremden, Abwehr und Aggression. Die Spannweite reicht von individueller Erschütterung bis dorthin, wo das Individuum Schutz im sozialen Standard sucht, der sein verletzliches Wohlverhalten absichert.
Lars von Triers Film „Idioten“ (1998) bietet einen Schauplatz für diese mehrschichtigen Perspektiven. Kluge stellen sich dumm und spotten über Kluge. Wer wird daraus klug?   

Mittwoch, 11. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Peter Vitecek (Wien):
Krankheits- und Gesundheitsmodelle in der Psychiatrie und im Erleben der Betroffenen
Die Psychiatrie beschreibt Phänomene wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Menschen, die an schweren seelischen Störungen leiden. Sie verschiebt damit dieses Erleben in den Bereich des Pathologischen, das dem Verstehen zumeist unzugänglich bleibt. Für die Kranken bleiben diese prägenden Erlebnisse bestehen. Sie können sie nicht vergessen, schämen sich dafür, haben Angst, davon zu berichten. Psychiatrie und Betroffene verwenden unterschiedliche Erklärungsmodelle für diese Phänomene. Anhand von Fallbeispielen und Tonbandaufzeichnungen soll der Versuch einer Annäherung unternommen werden.

Mittwoch, 25. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Florian Klenk und Friedrich Zawrel (Wien):
Gespräch
Der „Falter“-Journalist Florian Klenk spricht mit dem ehemaligen Spiegelgrund-Gefangenen Friedrich Zawrel über die Mühen, seinen Peiniger, den NS-Arzt und Gerichtsgutachter Heinrich Gross, zu überführen.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Cremonini, Andreas: Wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Basel, Redaktionsmitglied und Mitherausgeber der Zeitschrift „RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse. Freud. Lacan“, Mitglied des Interdisziplinären psychoanalytischen Forums (Universität Zürich, ETH, www.ipf.uzh.ch). Publikationen u. a.: „Die Durchquerung des Cogito. Lacan contra Sartre“, München 2003.

Hrachovec, Herbert: Prof. am Institut für Philosophie an der Universität Wien. Längere Lehr- und Forschungsaufenthalte in Oxford, Münster, Cambridge, Massachusetts, Berlin, Essen und Weimar. Arbeiten über analytische Philosophie, Metaphysik und Ästhetik. Gegenwärtiger Arbeitsschwerpunkt: Neue Medien. Weitere Informationen unter http://hrachovec.philo.at.

Kadi, Ulrike: DDr.in, Philosophin, Ärztin, Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkte: Psychoanalyse, Phänomenologie, Sprachtheorien.

Klenk, Florian: Journalist und Jurist. Er arbeitete acht Jahre für die Wiener Stadtzeitung „Falter“ und wechselte dann als Redakteur zur „Zeit“ nach Hamburg. Seit Mai 2007 ist er stellvertretender Chefredakteur des „Falter“.

Tellioglu, Horst: Studium der Philosophie und der Informatik, Mitherausgeber von „cinetext – Film und Philosophie“, Softwareentwickler.

Unterthurner, Gerhard: Dr. phil., freier Wissenschaftler, Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkte: Phänomenologie und französische Gegenwartsphilosophie. Publikationen u.a.: Hg. mit Ulrike Kadi: sinn macht unbewusstes. unbewusstes macht sinn (Würzburg 2005); Foucaults Archäologie und Kritik der Erfahrung (Wien 2006).

Vitecek, Peter: Dr. med., Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut seit 1993, bis 2004 Oberarzt im Otto Wagner Spital; niedergelassener Wahlarzt für Psychiatrie und Psychotherapeut in Wien; Lehrtätigkeit im Rahmen des Psychotherapiepropädeutikums; mehrere Veröffentlichungen und regelmäßige Vortragstätigkeit.

Zawrel, Friedrich: geboren 1929, ist Überlebender der Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“, wo zwischen 1940 und 1945 über 800 Kinder getötet worden sind.


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Informelles Lernen
Konzepte – Orte – Kontroversen


Konzept und Organisation: Arbeitsgruppe Informelles Lernen
(Wolfgang Brückner, Hedwig Presch, Wolfgang Stifter, Eva Tepperberg, Martina Zach und Reinhard Zürcher)

Seit einigen Jahren wird der Kompetenzbegriff als neuer Leitbegriff für die Aus- und Weiterbildung diskutiert. Damit gelangen Lernorte außerhalb der Bildungsinstitutionen in den Blickpunkt, und der Lernbegriff erhält durch die Einbeziehung des nicht-formalen bzw. informellen Lernens eine zusätzliche Dimension. Dieses – den Großteil des Lernens im Lebenslauf umfassende und in der Vergangenheit von der Forschung und Bildungspolitik nur unzureichend beachtete – Lernen wird in dieser Vortragsreihe aus vier verschiedenen Perspektiven thematisiert.

Mittwoch, 12. März 2008, 18.30 Uhr
Volker Gehmlich (Osnabrück):
Lebenslanges Lernen – ein lebenslängliches Vergnügen durch Missverständnisse oder lebensbegleitendes Lernen mit Ungereimtheiten?
Implikationen von Begriffen im europäischen Kontext des Lernens
Im „Lernraum Europa“ entsteht eine neue begriffliche Welt. Zu deren Verständnis wäre Einheitlichkeit wünschenswert, aber wie realistisch ist ein solcher Wunsch angesichts der Vielfalt von Sprachen, Konzepten und Ansätzen? Wird sich ein „Model of Best Practice“ finden lassen? Auch ist es mehr als eine Vermutung, dass die verwendeten Begriffe nicht verstanden werden, obwohl sie „international geläufig“ erscheinen. Wenn das so ist, wie kann sichergestellt werden, dass Begriffe im Bildungswesen eindeutig sind, bleiben oder werden?


Mittwoch, 2. April 2008, 18.30 Uhr:
Lorenz Lassnigg (Wien):
Möglichkeiten und Probleme der Anerkennung informellen Lernens – politische Reflexion und gesellschaftliche Relevanz
In diesem Vortrag werden die Stärken und Schwächen der politischen Institutionalisierung und Unterstützung von informellem Lernen herausgearbeitet. Ausgangspunkt der Betrachtungen ist, dass informelles Lernen das formale und nicht-formale Lernen nicht ersetzen kann, aber doch eine Basis dafür darstellt und dadurch angeregt wird. Methoden der Anerkennung informellen Lernens können Chancen bieten, stellen aber Herausforderungen sowohl für die Bildungsinstitutionen als auch für die Politik dar.


Montag, 5. Mai 2008, 13.00-16.30 Uhr:
Ort: Hans-Mandl-Berufsschule, 1120 Wien, Längenfeldgasse 13-15
Fabian Kessl (Bielefeld):
Urbane Lernräume
Richard Krisch (Wien):
Bildungsprozesse Jugendlicher im Sozialraum Stadt
Im schulischen Kontext, in Institutionen wie beispielsweise den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere aber auch im öffentlichen Raum zeigen Kinder und Jugendliche oft eigentümliche Raumwahrnehmungen, geben Orten ihre eigene Bedeutung, widmen sie um, entwickeln eigene Nutzungsformen usw. Dies ist Ausdruck eigentätiger Formen der sozialräumlichen Aneignung und damit eine zentrale Entwicklungsaufgabe der Jugendlichen. Obgleich nicht jede Form der sozialräumlichen Aneignung von Kindern und Jugendlichen als Bildungsprozess gedeutet werden kann, erscheint evident, dass die Ermöglichung von Aneignung im städtischen Raum die Erweiterung von Handlungsfähigkeiten und den Erwerb von Kompetenzen beinhaltet.

Mittwoch, 28. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Friederike Weber (Wien):
Lernen im Arbeitsprozess
„Lernen im Arbeitsprozess“ klingt wie ein alter Hut. Es lohnt sich aber, diesen vor dem Hintergrund der Diskussion zum lebenslangen Lernen wieder aufzusetzen – weil Unternehmen zwar die Bedeutung dieses Lernens hervorheben, es aber nur wenige systematisch gestalten. Auch schafft es Zugang zu bildungsbenachteiligten Personen. Der Arbeitsplatz ist ein vertrauter Lebensbereich, er bietet die für diese Zielgruppe notwendige Praxisorientierung. Ansatzpunkte und Praxisbeispiele für das Lernen im und am Arbeitsprozess werden präsentiert, und es wird gezeigt, dass sich bei dessen entsprechender Gestaltung über die betriebliche Verwertungslogik hinaus eine Brücke zur allgemeinen Erwachsenenbildung schlagen lässt.

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Brückner, Wolfgang: Mag., Die Wiener Volkshochschulen, Zweiter Bildungsweg Floridsdorf.

Gehmlich, Volker: Dr., Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Englisch, zahlreiche Veröffentlichungen zu ECTS, ECVET, Learning Outcomes etc. Fachhochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Kessl, Fabian: Dr., Universität Bielefeld, Fakultät für Pädagogik.

Krisch, Richard: Dr. Verein Wiener Jugendzentren & Fachhochschule Campus Wien,

Lassnigg, Lorenz:Dr. Institut für Höhere Studien, Wien.

Presch, Hedwig: Dr.in, Institut für Alterskompetenzen.

Stifter, Wolfgang: Mag., Erwachsenenbildner und Bildungsberater, biv integrativ.

Tepperberg, Eva: Dr.in, Berufsschulinspektorin, Campus Längenfeld.

Weber, Friederike: Mag. a, prospect Unternehmensberatung

Zach, Martina: Mag.a, Lektorin, Projektkoordination EB (V/8).

Zürcher, Reinhard: Dr., Institut für Forschung, Innovation und Schulentwicklung, Pädagogische Hochschule Wien.


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Jour fixe Bildungstheorie

Sprechen über Bildung:
Begriffe, Metaphern, Diskurse

Eine Kooperation mit dem Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Verband Österreichischer Volkshochschulen
Konzept und Organisation: Agnieszka Dzierzbicka, Wolfgang Kellner, Klaus Ratschiller, Stefan Vater

Wie wird über Bildung gesprochen? Welche Bildungstheorien und -konzepte, aber auch Alltagsvorstellungen und Vorurteile sind diesem Sprechen immanent? Woher kommen die Modelle und Metaphern, mit deren Hilfe über Bildungsprozesse gesprochen wird? Der Jour fixe Bildungstheorie befragt Wirkungen jener Flut anglizistischer Benennungen, die den im Entstehen begriffenen „europäischen Weiterbildungsraum“ bestimmen, befragt die Effekte der damit einhergehenden Vermischung mit ökonomischen Diskursen und Codes der Medientechnologie – und die Chancen eines scheinbar hilflos opponierenden Bildungsidealismus. Verhandelt werden diese Fragen anhand von Reflexionen aus den Erziehungs- und den Kulturwissenschaften, aus Diskursanalyse und Geschlechtertheorien.

Mittwoch,16. April 2008, 19.00 Uhr
Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Herbert Hrachovec (Institut für Philosophie; Senat der Universität Wien):
Bildung als Polemik und als Ideal
Respondent: Gerhard Clemenz (Institut für Volkswirtschaftslehre; Senat der Universität Wien)
Mit dem Ausdruck „Bildung“ lässt sich ein doppeltes Spiel arrangieren. Erstens ein Kampfspiel, in dem Jobtraining gegen Überblick, Fachhochschulen gegen Universitäten und Einzelwissen gegen Bildung antreten. Und zweitens ein Ringelreihen, in dem die Beteiligten rund um Bildungsideale für alle Menschen tanzen. Der Ausdruck ruft eine Opposition hervor und schließt das Versprechen ein, die beiden Seiten zu vermitteln. Aktuell und kontrovers ist das Manöver im gegenwärtigen Umbau der Hochschulausbildung nach den Prinzipien der Europäischen Studienarchitektur zu beobachten. FürsprecherInnen der „Bildung“ attackieren die berufsbezogenen, verdünnten Kurzstudien und plädieren für ein breit angelegtes, historisch und theoretisch unterlegtes Kulturwissen. Die neu entwickelten Curricula werden in diesem Zusammenhang gerne als Kapitulation vor außer-akademischen Interessen betrachtet.
Der Vortrag verfolgt den Diskussionsverlauf in Stellungnahmen zum Bildungsverfall und überprüft ihn anhand einiger Beispiele aus der Bologna-Umstellung an der Universität Wien.

Montag, 19. Mai, 18.30 Uhr
Karin Harrasser (HU Berlin) und Helmut Lethen (IFK):
Kritik der Kultiviertheit – Sozialität der Distanz
 „... so ist die ganze moderne Bildung wesentlich innerlich: auswendig hat der Buchbinder so etwas darauf gedruckt wie: Handbuch innerlicher Bildung für äusserliche Barbaren.“ (Friedrich Nietzsche) Ausgehend von diesem Satz Nietzsches lassen sich konkurrierende Bildungs- und Kulturbegriffe entfalten.
Gegen ein spezifisch deutsches Bildungsideal der „Innerlichkeit“ wird Bildung im frühen 20. Jahrhundert zum Gegenstand von Verhaltenslehren. Sie ist ganz äußerlich, sonst ist sie gar nicht. Nur als Verhalten ist sie beobachtbar und kann daher auch mit Mitteln der Tierverhaltensforschung beschrieben werden: Die „Tiefe“ der Bildung entspricht der Weite des Aktionsradius, in dem sie sich realisiert. Dieses anti-humanistische Gegenprogramm ist einer Auffassung von Zivilisiertheit und einer „Sozialität der Distanz“ verpflichtet, in der aristokratische Verhaltensideale, koloniale Diskurse und ein naturwissenschaftlicher, funktionaler Verhaltensbegriff in brisante Beziehungen geraten.
In einer weiteren kritischen Wendung des Verhaltensbegriffs von Bildung können jedoch Äußerlichkeit und Sichtbarkeit auch als Momente lesbar werden, die die „Unantastbarkeit der Würde des Menschen“ erst ermöglichen.


Donnerstag, 29. Mai 2008, 18.30 Uhr:
Roland Reichenbach (Institut für Pädagogik, Universität Basel):
Neueuropäischer Bildungsschwulst
Metaphorologisch inspirierte Mutmaßungen zum „Bologna“-Vokabular
Respondentin: Elisabeth Sattler (Institut für Bildungswissenschaft, Universität Wien)
Zum Schwulstigen gehört das Aufgeblasene. Während der deutschsprachige Bildungsdiskurs immer eine gewisse Affinität zum Schwulstigen hatte, u. a. da er in der Vergangenheit akademische Dominanz- und Submissionsgelüste zu befriedigen vermochte, schien der angelsächsische Diskurs auch in der Pädagogik
davon nur wenig affiziert. Die anglizistischen Benennungen der sogenannten „neuen“ BA- und MA-Studiengänge können aber als Symptom einer trivialen Reschwulstifizierung eines in sich zusammen gesackten Bildungsidealismus betrachtet werden, an den zwar niemand mehr so richtig glauben will, dessen Wirksamkeit aber kaum unterschätzt werden kann.

Donnerstag, 5. Juni 2008, 18.30 Uhr:
Angela Venth (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – DIE, Bonn):
Gender-Diskurse und Erwachsenenbildung
Ein diskursanalytischer Blick auf Geschlechtermuster in Bildungskontexten
Respondentin: Nicole Schaffer (Inst. für Technologie- und Regionalpolitik, Joanneum Research)
Inwiefern ist Erwachsenenbildung Akteurin eines „Doing Gender“, das traditionelle Geschlechterkonstellationen verstärkt oder auflöst? Für diese Frage schärfen Diskursanalyse und Geschlechtertheorien den erkenntniskritischen Blick. Erwachsenenbildung wird dabei als prozessuales Geschehen verstanden, das sich durch explizite oder verdeckte Diskurse konstituiert, also als eine durch Diskurs hergestellte Praxis. Diskursanalytische Zugänge machen es möglich, jenseits des Prinzips der Geschlechtsneutralität, die Genderrelevanz solcher Diskurse ans Licht zu bringen und alltägliche Geschlechterordnungen, auf deren Grundlage die Erwachsenenbildung operiert, sichtbar zu machen.

Workshop Bildungstheorie: Der dreistündige Workshop ist eine Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden, bei der Annäherungen an ein Resümee zum Jour fixe-Thema gesucht werden – gemeinsam mit ExpertInnen aus den Institutionen, die den Jour fixe Bildungstheorie gestalten, sowie mit einigen der Semester-ReferentInnen/RespondentInnen (Anmeldung erforderlich). Informationen und Anmeldung: Ring Österreichischer Bildungswerke: Tel.: 01 533 88 83, http://members.telering.at/bildungswerke. Termin in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.

Seminar Bildungstheorie: Im Rahmen des Workshops (und nach Teilnahme an mindestens drei der vier Vortragsabende) kann ein Zeugnis erworben werden, das von der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) als Seminar Bildungstheorie anerkannt wird. 

ReferentInnen und KoordinatorInnen:

Clemenz, Gerhard: Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Vorsitzender des Senats der Universität Wien.

Dzierzbicka, Agnieszka: Dr. in, Univ.-Assistentin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Habilitationsprojekt: Aufnahmen einer anderen Bildung. Vom Untergrund zur Open University.

Harrasser, Karin: Studium Germanistik und Geschichte an der Universität Wien, derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt zur Herstellung von Wissen und Geschlecht im Museum.

Klaus Ratschiller: Lektor für Philosophie, freier Schriftsteller.

Lethen, Helmut: Prof. em. für Neueste deutsche Literatur an der Universität Rostock, seit Oktober 2007 Direktor des IFK, Wien. Publikationen u. a.: Der Sound der Väter. Gottfried Benn und seine Zeit (Berlin 2006); Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen (Frankfurt am Main 1994).

Reichenbach, Roland: Professor am Institut für Pädagogik der Universität Basel. 1999 habilitierte er über demokratische Bildung und Erziehung in der Spätmoderne.

Sattler, Elisabeth: Dr.in, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft.

Schaffer, Nicole: Mag.a, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Joanneum Research im Bereich regionale Arbeitsmarktforschung und -politik, Schwerpunkt Gender Mainstreaming.

Stefan Vater: Bildungssoziologe, Philosoph. Lehrbeauftragter für Bildungssoziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und der Kunstuniversität Linz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Projektleitung Knowledgebase Erwachsenenbildung (www.adulteducation.at). Publikationen (u.a.): Diskurs-Analyse-Intervention. Eine Methodologie der Diskursanalyse in illustrierten Redewendungen, Frankfurt am Main 2003.

Venth, Angela: Dr. in, seit 1977 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutsches Institut für Erwachsenenbildung. Schwerpunkte: Lernforschung; Genderperspektiven in der Erwachsenenbildung

Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.


Die Veranstaltungsreihe wird gefördert von:

Knowledgebase Erwachsenenbildung                  bifeb



http://www.adulteducation.at/
http://www.bifeb.at/


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Bearbeitung: 28. Februar 2008

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