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Institut für Wissenschaft und Kunst

Tagungen, Buch- und Projektpräsentationen, Vorträge

im Sommersemester 2008


 

Tagungen


Workshops, Buch- und Projektpräsentationen, Vorträge





Donnerstag, 24. April, und Freitag, 25. April 2008

Tagung
Ein weiblicher „Prager Kreis“?

Gesellschaftlich und literarisch engagierte jüdische Frauen in Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts


Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Wien
Konzept und Organisation: Susanne Blumesberger, Rahel Rosa Neubauer

Programmfolder zur Tagung


Tagungsort: Tschechisches Zentrum, Herrengasse 17, 1010 Wien

Eine Vielzahl jüdischer Frauen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Prag gesellschaftlich, journalistisch und literarisch aktiv. Sie gründeten Vereine und Zeitschriften und setzten sich in diesem Rahmen mit der Stärkung der jüdischen Identität, der Erziehung der jüdischen Jugend und diversen anderen kulturellen Fragen auseinander. Sie organisierten Vorträge und Lesungen und schufen damit eine Plattform für die moderne deutschsprachige Literatur des „Prager Kreises“. Zu diesen Frauen gehörten Ottla Kafka (die Schwester Franz Kafkas), Elsa und Sophie Brod (die Frau und die Schwester Max Brods), Else Bergmann (die Frau Hugo Bergmanns), Berta Fanta und viele andere.
Die Namen dieser engagierten Frauen sind aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Von der Forschung sind viele von ihnen – wenn überhaupt – nur als Randfiguren, versteckt hinter ihren Brüdern, Vätern und Ehemännern, berücksichtigt worden. Und auch die Bedeutung der von ihnen geschaffenen kulturellen Netzwerke, die für Prag eine wichtige Rolle spielten, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Das Symposion präsentiert Forschungsresultate zu Einzelbiografien, Periodika und Vereinen sowie zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Hintergrund für die Aktivitäten jüdischer Frauen in Prag bildeten, und will damit zum Schließen von Forschungslücken beitragen.


Donnerstag, 24. April
19.00 Uhr:
Wilma A. Iggers (Amherst, USA / Göttingen):

Eröffnungsvortrag


Freitag, 25. April
9.30 Uhr:
Susanne Blumesberger, Rahel Rosa Neubauer: Begrüßung

9.45 - 10.30 Uhr:
Hartmut Binder (Ditzingen bei Stuttgart):

Der „Klub deutscher Künstlerinnen“ in Prag (1906-1918)

10.30 - 11.15 Uhr:
Stefan Benedik Karner (Graz):
Vertuschte Tribünen
Veranstaltungen von „Frauenfortschritt“ und „Künstlerinnenklub“ als Plattformen von Frauen in der Prager Zwischenkriegszeit

11.45 - 12.30 Uhr:
Anthony Northey (Wolfville, Kanada):
Die „Prager Frauen-Zeitung“ der "Deutschen Zeitung Bohemia"
Ein kleiner Überblick der Jahre 1905 bis 1918


12.30  - 13.15 Uhr:
Bernd Kühne (Sulz am Neckar):
„Sparen ohne zu entbehren, Genießen ohne zu verschwenden“
Ida Barbers didaktische Beilage „Für unsere Frauen“ der „Selbstwehr“. Mit einem Seitenblick auf die Erzählungen Babette Frieds

14.45  - 15.30 Uhr:
Rahel Rosa Neubauer (Wien):
Der Prager „Klub jüdischer Frauen und Mädchen“

15.30  - 16.15 Uhr:
Ekkehard W. Haring (Wien / Dresden):
Kafkas Schwester Ottilie – eine Prager Assimilantin oder Zionistin par excellence?

16.45 - 17.30 Uhr:
Jörg Thunecke (Köln):
Die Prager Lyrik Gertrude Urzidils

17.30  - 18.15 Uhr:
Hella-Sabrina Lange (Neuss):
„Zeitlebens Prag verbunden“
Die Schriftstellerin Auguste Hauschner als kulturelle Mittlerin

20.00  - 21.00 Uhr:
Lesung
Christoph Haacker (Wuppertal):
Der Gründer und Leiter des Arco Verlages liest aus dem aus dem von Dieter Sudhoff herausgegebenen Band „Holunderblüten. Erzählungen deutscher Schriftstellerinnen aus Böhmen und Mähren“


In Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum:


Tschechisches Zentrum


Die Tagung wird unterstützt von:

ÖFG


Tagungsbericht von Vera  schneider

Ein weiblicher „Prager Kreis“?

Am 24. und 25.04.2008 würdigte ein Symposion des Wiener Instituts für Wissenschaft und Kunst gesellschaftlich und literarisch engagierte jüdische Frauen in Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

„Einen weiblichen Prager Kreis hat es nie gegeben.“ Diese provokative These von Wilma A. Iggers stand am Beginn eines Symposions des Instituts für Wissenschaft und Kunst in Wien. Sie versuchte damit eine erste Antwort auf die Frage, die der Veranstaltung ihren Titel gab. Kooperationspartner und Gastgeber war das Tschechische Zentrum in der Wiener Herrengasse 17, das am 24. und 25.04.2008 rund 70 Gäste begrüßen durfte, die meisten von ihnen aus Österreich, Deutschland und Tschechien. Eingebunden war das von Susanne Blumesberger und Rahel Rosa Neubauer initiierte und organisierte Symposion in die Projektinitiative biografiA, die sich seit zehn Jahren um die umfassende historisch-biografische Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten bemüht.

Wilma A. Iggers, die 1921 in Westböhmen geborene Grande Dame der Prag- und Böhmenforschung, bezog sich in ihrem Eröffnungsreferat auf den von Max Brod geprägten Begriff des „Prager Kreises“; er umfasste eine fest umrissene Gruppe von Autoren. Brod unterschied einen engeren Prager Kreis, dem außer seiner Person noch Franz Kafka, Ludwig Winder, Felix Weltsch und Oskar Baum angehörten, und einen weiteren Prager Kreis, der jene Gruppen und Personen einschloss, mit denen der engere Kreis in Beziehung stand (wie Werfel, Meyrink, Rilke oder der zionistische Zirkel um Hugo Bergmann). In diesen weiten oder engen Kreisen spielten Frauen zwar eine Rolle als Quelle der Inspiration, als Objekt der Sehnsucht, auch als Ehefrauen, Geliebte oder Schwestern. Als Autorinnen mit eigenem künstlerischem Profil traten sie jedoch nicht hervor. Iggers sah eine Ursache in der Rolle, die das konservative Prager deutsche Milieu den Frauen aufzwang und sie darauf festlegte, Französisch, Handarbeiten und Kochen zu lernen und mit Zwanzig zu heiraten. Intellektuelle Frauen fanden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Iggers’ Beobachtung eher im tschechischsprachigen Prag, etwa die couragierte Journalistin Milena Jesenská, die heute vielen nur noch als Freundin Franz Kafkas bekannt ist. So kam es auch, dass Prager deutsche Frauen mit künstlerischen oder intellektuellen Ambitionen, wie Auguste Hauschner oder Grete Fischer, oft schon sehr jung nach Berlin auswanderten.

Der Prager Kreis war nicht weiblich, konstatierte auch Rahel Rosa Neubauer in ihrer Begrüßungsrede. Dass man auch über die Abwesenheit eines Phänomens eine kontroverse und erhellende Diskussion führen kann, zeigte sich im Verlauf des Symposions. Vorausgesetzt natürlich, man hinterfragt die Methoden und Definitionen, die unsere landläufigen literaturhistorischen Kategorien prägen. Das Symposion verfolgte hier drei Strategien. Zunächst suchte es den Kultur- und Literaturbegriff zu erweitern, indem es den Fokus weg von der reinen schriftstellerischen Produktion und hin zur Schaffung und Pflege kultureller Netzwerke lenkte. In diesem Sinne nämlich war eine Vielzahl deutschsprachiger jüdischer Frauen in Prag gesellschaftlich aktiv; am bekanntesten geworden ist wohl der Salon der Berta Fanta (1865–1918), in dem unter anderem Franz Kafka und Albert Einstein verkehrten.

Als Auftakt der ersten Sektion zeichnete Hartmut Binder (Ditzingen bei Stuttgart) die Geschichte des 1906 gegründeten Vereins „Klub deutscher Künstlerinnen“ in Prag nach. Von der ersten Idee – einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Frauen unbehelligt rauchen, Kaffee trinken und Billard spielen konnten – führte die Entwicklung hin zu einem „Zentrum der Förderung und Anregung für Künstlerinnen“, das neben der Geselligkeit auch der Fortbildung und der Kunstverwertung diente. Für gediegene Inhalte sorgten Frauen wie die erste Präsidentin Hedda Sauer, die nicht nur Gattin des bekannten Prager Germanistikprofessors war, sondern auch selbst als Lyrikerin und Erzählerin hervortrat. Die materielle Basis sicherten potente Sponsoren wie die Böhmische Sparkasse oder das Prager Deutsche Theater. Einen Kontakt zu gleichartigen tschechischen Vereinen gab es nicht, vielmehr sollte eine Kunstausübung ohne die Störung des „nationalen Gegners“ garantiert werden. Eine weitergehende politische Positionierung wurde strikt vermieden.

Im seinem Referat Vertuschte Tribünen: Veranstaltungen von „Frauenfortschritt“ und „Künstlerinnenklub“ als Plattformen von Frauen in der Prager Zwischenkriegszeit fragte Stefan Benedik Karner (Graz) nach den Ursachen für die beharrliche Nichtwahrnehmung weiblicher Aktivitäten durch die Geschichtsschreibung. Er unternahm dafür einen methodologischen Exkurs zu den Narrativen der Literaturhistorie, die Frauengeschichte stets über den Umweg der Männergeschichte erzählt, also Frauen über ihre Männer, Väter oder Brüder definiert oder sich – etwa wenn es um die Shoa geht – auf weiblich-jüdische Opferstereotype beschränkt. Schon ein Blick in die Veranstaltungsprotokolle der beiden Prager Frauenvereine würde die Forschung eines Besseren belehren, gab Karner zu bedenken; so habe etwa der Auftritt der Kernphysikerin Lise Meitner alle männlichen Referenten den Schatten gestellt. Dabei sahen sich die Vereinsaktivistinnen nicht in erster Linie als Frauenrechtlerinnen, sondern als Trägerinnen einer deutschen Nationalkultur.

Der Prager „Klub jüdischer Frauen und Mädchen“, den Rahel Rosa Neubauer (Wien) in ihrem Referat vorstellte, hatte sich andere Ziele gesetzt, organisierten sich hier doch die Töchter der ersten Prager Zionist/innen. Wandten sich „Frauenfortschritt“ und „Künstlerinnenklub“ an Frauen der deutschsprachigen Ober- und Mittelschicht – unabhängig von ihrer Konfession –, so hatte sich der „Mädchenklub“ dem Hauptziel des Prager Zionismus verschrieben: einer Erziehung der jüdischen Jugend zum bewussten Judentum, die dem in Prag allgegenwärtigen Assimilierungstrend entgegensteuern wollte. Darüber hinaus bot der Klub den damals noch unbekannten Autoren des Prager Kreises ein wichtiges Forum. Klassenschranken spielten dabei keine Rolle, an den Vereinsabenden, bei den zionistischen Seminaren und während der Hebräischkurse saßen Fabrikantengattinnen neben Arbeiterinnen und Studentinnen. Für Aufsehen sorgte der „Klub jüdischer Frauen und Mädchen“ auch dadurch, dass eine Frau aus seinen Reihen schon 1913 nach Erez Israel auswanderte – als erstes Mitglied der Prager jüdischen Gemeinde überhaupt.

Ein weiteres, bisher von der Literaturgeschichte kaum beleuchtetes Betätigungsfeld für literarisch ambitionierte Pragerinnen waren die speziell an Frauen gerichteten Zeitungs- und Zeitschriftenbeilagen. Zwei Beispiele für dieses journalistische Genre wurden in der nächsten Sektion des Symposions näher betrachtet. Zunächst gab Anthony Northey (Wolfville, Kanada) einen Überblick zur Geschichte der „Prager Frauen-Zeitung“; sie erschien in den Jahre 1905 bis 1918 als Beilage der Deutschen Zeitung Bohemia, die neben dem Prager Tagblatt die meistgelesene Tageszeitung des Prager deutschsprachigen Bürgertums war. Zum einen richtete sich diese Beilage an die Ehefrau aus der wohlsituierten Mittelschicht in ihrer Rolle als Hausfrau und „Zierde des Salons“ – vier der insgesamt acht Seiten jeder Ausgabe waren für häusliche Themen wie Kindererziehung oder Kochrezepte reserviert – zum anderen verstand sie sich auch als Vorkämpferin für die Rechte der „neuen Frau“, die studierte oder berufstätig war und den Anschluss an die internationale Frauenbewegung suchte. Auch die Technikbegeisterung teilte die Prager Frauen-Zeitung mit ihren Leserinnen, sie berichtete über die Entwicklung der Aeroplane und gab „Empfehlungen für die Automobilkleidung der Frau von Welt“. Zur Unterhaltung bot das Blatt „mondäne Belletristik“, meist Novellen zeitgenössischer Schriftsteller wie Egon Erwin Kisch oder Oskar Baum, aber auch Texte von Autorinnen wie Hedda Sauer, Emma Rosenfeld und Marie Stona.

Die didaktische Beilage „Für unsere Frauen“, die 1910/11 einmal monatlich mit der zionistischen Wochenschrift „Selbstwehr“ erschien, stand im Mittelpunkt des Referates von Bernd Kühne (Sulz am Neckar). Zielgruppe waren die jüdischen Frauen und Mütter; mit Negativdarstellungen der assimilierten Juden suchte die Herausgeberin Ida Barber der „Zeitkrankheit Taufseuche“ entgegenzutreten. Babette Frieds in der Selbstwehr erschienene Ghettoerzählung Aus dem Assanierungsgebiete verfolgte ähnliche Ziele, indem sie neben dem Schmutz und der Armut der Judenstadt auch den inneren Reichtum jüdischen Lebens zeigte. Weitaus entschiedener als die Prager Frauen-Zeitung propagierte die Beilage Für unsere Frauen die Ehe bürgerlichen Zuschnitts und die Aufopferung der Frau für die Familie; die Frau könne zwar, so Barber, durchaus in die „Armee des Wissens“ eintreten, solle sich dabei aber auf Themen wie „Küchenchemie“ oder Gesundheitserziehung beschränken. Auch die Erzählungen Ida Barbers, die neben ihrer redaktionellen Tätigkeit selbst schrieb, zielten auf die Eingliederung der Protagonistinnen in eine intakte bürgerliche Welt.

Die dritte Sektion des Symposions war der Würdigung einzelner exemplarischer Persönlichkeiten gewidmet. Zunächst ging Ekkehard W. Haring (Wien/Dresden) in seinem Referat Kafkas Schwester Ottilie – eine Prager Assimilantin oder Zionistin par excellence? auf die Rolle der Ottla Kafka (1892–1943) als virtuelle Ko-Autorin des Kafkaschen Oeuvres ein. Sie schuf für ihren Bruder nicht nur die äußeren Voraussetzungen für ungestörtes Schreiben, indem sie seinen Rückzug aus der belastendend Familienkonstellation organisierte und unterstützte; vielmehr waren die Gespräche mit der „unverbildeten Leserin“ für Kafka Anregung und Korrektiv zugleich. Doch warnte Haring davor, Ottla auf ihre Funktion als Kafkas Schwester zu reduzieren, und hob statt dessen ihre Renitenz gegen die Tyrannei des Vaters und gegen den herrschenden Zeitgeist mit seinen Entscheidungszwängen hervor: Einerseits rebellierte Ottla gegen die in jüdischen Kreisen übliche Heiratsvermittlung und heiratete einen christlichen Tschechen, andererseits bewirtschaftete sie – angeregt durch die zionistische Forderung nach der Heranführung jüdischer Großstädter an das Landleben – einen Hof in Zürau und schloss gegen den Widerstand ihres Vaters eine Landwirtschaftsausbildung erfolgreich ab. So spiegeln sich ihrer Person und ihrem Schicksal die Konflikte ihrer Generation zwischen persönlichem Glücksanspruch, Assimilationsstreben und Suche nach Anschluss an eine neue jüdische Gemeinschaft.

Mit einer zweiten Frauengestalt, deren Name meist nur noch im Zusammenhang mit dem eines Mannes genannt wird, befasste sich Jörg Thunecke (Köln) in seinem Vortrag Die Prager Lyrik Gertrude Urzidils. Gertrude Urzidil (1898–1977), Tochter eines Rabbiners und Schwester des Religionsphilosophen Friedrich Thieberger, studierte als eine der ersten Frauen an der Prager Karlsuniversität und lernte ihren späteren Ehemann Johannes Urzidil im Café Arco, dem legendären Treffpunkt des „Prager Kreises“, kennen. In den Prager Jahren verfasste sie Naturlyrik im Stil der Neuen Sachlichkeit und beschrieb die positiven Aspekte des Landlebens; Prag wird in diesen Texten kaum thematisiert. Thunecke hob die vom Herzen kommende „weibliche“ Ästhetik des Besonderen hervor, die diese Gedichte auszeichnet. Er äußerte aber auch die These, erst das Exil habe die Lyrik der Autorin zur Vollendung gebracht. 1939 waren die Urzidils emigriert, sie lebten zunächst in England und später in New York. Gertrude sicherte den Lebensunterhalt des Paares anfänglich durch Babysitterdienste und schrieb kleinere Texte für Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien, mit denen sie aber nicht aus dem Schatten ihres zunehmend erfolgreichen Mannes treten konnte.

Mehr Raum zur Entfaltung ihrer Talente war der Autorin vergönnt, der sich Hella-Sabrina Lange (Neuss) in ihrem Referat „Zeitlebens Prag verbunden“ – Die Schriftstellerin Auguste Hauschner als kulturelle Mittlerin widmete. Hauschner (1850–1924) hatte Prag schon 1871 an der Seite eines vermögenden Industriellen in Richtung Berlin verlassen, blieb aber in engem Kontakt mit der Prager Kunst- und Literaturszene. Trotz eines recht umfangreichen Lebenswerkes – zu mehr als 15 Romanen und Novellen kommen zahlreiche Veröffentlichungen in namhaften Zeitschriften wie Simplicissimus oder Das Literarische Echo – teilt Hauschner mit Ottla Kafka und Gertrude Urzidil das Schicksal, von der Wissenschaft lediglich in ihrem Bezug auf die männlichen Protagonisten der Kulturgeschichte wahrgenommen zu werden. Bekannt ist sie heute vor allem als Cousine des Sprachphilosophen Fritz Mauthner, als die „betuchte Dame“ aus Brods Autobiografie, der damit auf ihr Wirken als Mäzenin anspielt, und als Mittelpunkt eines literarischen Salons, in dem Martin Buber, Romain Rolland oder Max Liebermann verkehrten. Lange lud in ihrem Referat zu einer Beschäftigung mit dem  literarischen Schaffens Hauschners ein, indem sie auf dessen Reichtum an historischen und zeittypischen Themen verwies. So entwirft die Autorin in ihren Romanen Die Familie Lowositz und Rudolf und Camilla ein differenziertes Bild des zeitgenössischen Prag mit seinem spannungsreichen Miteinander von deutsch- und tschechischsprachigen Juden und Christen, während ihre Novelle Der Tod des Löwen an die Blütezeit des jüdischen Prag um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert erinnert.

Aller gute Wille der Leserschaft ist hinfällig, wenn es am Zugang zu den Texten fehlt; auch über die Editionspolitik kann Literaturgeschichte geschrieben werden. Besondere Verdienste hat hier Christoph Haacker erworben, der Gründer und Leiter des Wuppertaler Arco Verlags, der den von Dieter Sudhoff herausgegebenen Band Holunderblüten. Erzählungen deutscher Schriftstellerinnen aus Böhmen und Mähren publizierte. In einer mitreißenden Lesung brachte Haacker zum Abschluss des Symposions Texte von Auguste Hauschner, Grete Fischer und Grete Meisel-Hess zu Gehör und sorgte damit für einen stimmigen Ausklang.

Einen weiblichen „Prager Kreis“ à la Max Brod hat es tatsächlich nicht gegeben, diese Erkenntnis konnte das Publikum als Fazit mit nach Hause nehmen. Wohl aber haben engagierte Frauen in Prag ihre Kreise gezogen, deren (Wieder-)Entdeckung sich lohnt.

Vera Schneider / Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam

 
Weblinks:
Ariadne-Projekt (Diskurse und Dokumente der österreichischen historischen Frauenbewegung
1848 – 1918): http://193.170.112.215/ariadne/vfb/index.htm
Projektinitiative biografiA: www.biografia.at
Arco Verlag: www.arco-verlag.de



Hinweis:
Die Deutsche Kafka-Gesellschaft veranstaltet von 18. bis 20. Juli 2008 in Kooperation mit dem Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg eine Tagung zu Frank Kafkas "Betrachtung".
Mehr Informationen...

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Informationen zur Tagung:
Zwischen Hegel und Levinas

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Tagung
Freitag, 13. Juni 2008, 16.00-21.00 Uhr
Etwas in Bewegung setzen
Erika Danneberg (1922-2007)

Konzept und Organisation:
AG Literatur (Raimund Bahr) in Kooperation mit AG biografiA (Ilse Korotin)

Vor beinahe einem Jahr starb Erika Danneberg 85-jährig in Wien. In Erinnerung an sie findet diese Tagung statt, die sich verschiedenen Abschnitten ihres Lebens widmet: der Kindheit und Jugend in Wien und Salzburg. den ersten literarischen Schritten, der Arbeit als Psychoanalytikerin, der Hinwendung zur KPÖ und schließlich ihrem letzten großen Abenteuer, das durch ihre Freundschaft zu Marie Langer zustande kam: Nicaragua. Vielen ist Erika Danneberg vor allem auch durch ihr Engagement in der Friedens- und Anti-Atombewegung bekannt. Der umfangreiche Nachlass, der derzeit aufgearbeitet wird, zeigt die Vielfalt ihres Werkes wie auch das intellektuelle und kulturelle Milieu, das Erika Danneberg geprägt hat.

Eine Veranstaltung der AG Literatur. Informationen unter 0660 122 53 89 oder: editionas@aon.at

13. Juni 2008, Beginn 16:00 Uhr

Programm:

16.00 Uhr
Begrüßung

16.15 – 17.00 Uhr
Erika Danneberg. Zur Biografie
Raimund Bahr

17:00 – 18:00 Uhr
Erika Danneberg und die Politik
Bärbel Mende-Danneberg

18:00 – 19:00 Uhr
Erika Danneberg und Hermann Hakel
Emmerich  Kolovic (Hermann Hakel Gesellschaft)

19:00 – 19:15 Uhr Pause

19:15 – 20:15 Uhr
ZeitzeugInnen erzählen
Helmut Weiss, Hedwig Danneberg, Evamaria Glatz

ab 20:15 Uhr
Buchpräsentation der Edition Art Science
Bruchstücke: Etwas in Bewegung setzen. Erika Danneberg 1922 – 2007

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Dienstag,11. März 2008,
Dienstag, 20. Mai 2008,
Dienstag, 3. Juni 2008,
jeweils 16.00-17.30 Uhr


Öffentliche Vorlesungen zur Interkulturalität

Mit Hakan Gürses

Eine Kooperation mit dem Projekt „Internationale Entwicklung“ der Universität Wien

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Interkulturalität: Begriff – Ansätze – Einsätze“, die Hakan Gürses an der Universität Wien (Studienrichtung: Internationale Entwicklung) leitet, sind drei Vorlesungen öffentlich zugänglich. Dadurch soll zum einen die Überzeugungskraft der universitären Lehre auch außerhalb des „geschützten Hörsaals“ überprüft werden. Zum anderen will die Vorlesungsreihe der Aktualität des Stichworts Interkulturalität (gerade im „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008“) kritisch Rechnung tragen.
In den „Öffentlichen Vorlesungen“ wird der Begriff der Interkulturalität im Zentrum stehen. Um diesen herauszuarbeiten, werden verschiedene Theorieansätze, praxisorientierte Konzepte und Methoden der Interkulturalität sowie deren Einsatzgebiete (wissenschaftliche Disziplinen sowie Berufsfelder mit den dazugehörigen Zielsetzungen und „Erwartungen“) unter die Lupe genommen. Die thesenhafte Frage lautet: Kann Interkulturalität als ein Modus der Kultur- und Machtkritik betrachtet werden?

Gürses, Hakan: Dr., Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie und des Projekts Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Referent im Rahmen des Lehrgangs Interkulturelle Kompetenzen an der Donau-Universität Krems; wissenschaftlicher Mitarbeiter der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung. Zahlreiche Publikationen in Büchern und Fachzeitschriften. http://www.hakanguerses.at


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Freitag, 28. März 2008, 19.00 Uhr:
Vortrag und Buchpräsentation
Geschichte und Psychoanalyse


Eine Kooperation mit der Sigmund Freud Privatstiftung

Konzept und Organisation: Klaus Neundlinger
Ort: Sigmund Freud-Museum, Berggasse 19, 1090 Wien

Luisa Accati (Triest):
Dominante Mütter
Geschichte und Psychoanalyse teilen zumindest zwei Interessen: die Untersuchung des Einflusses der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft sowie die Frage nach der Art und Weise, wie Menschen ihre gegenseitige Abhängigkeit leben und gestalten. Die Geschichte erledigt die damit verbundene Arbeit auf der Ebene des Sozialen, während die Psychoanalyse auf der Ebene des Individuellen vorgeht. Beide Disziplinen beschäftigen sich mit dem Übergang von einer Generation zur nächsten, mit den Formen der Nachfolge und der Weitergabe von Macht.
Die absolute Macht, welche die Grundlage vieler moderner Staaten bildet, steht in einem besonders engen Verhältnis zur absoluten Macht der Mutter in den Augen des Kindes, das in den ersten Lebensjahren vollkommen von dieser abhängig ist. Deshalb ist es möglich, die Entwicklung dieses Machttyps anhand des Marienkultes zu betrachten, der ja einen Kult der Mutterfigur darstellt. Der Vortrag unternimmt den Versuch, die Grundlagen des psychoanalytischen Denkens und jene der politischen Despotie sowie die kulturellen und sozialen Unterschiede zwischen dem katholischen, mutterzentrierten Süden und dem protestantischen, vaterzentrierten Norden Europas zu begreifen.

Vortrag in italienischer Sprache. Eine deutsche Übersetzung wird in schriftlicher Form bereitgestellt.

Gisela Engel (Frankfurt am Main):
Abwesende Väter
In diesem Kurzvortrag geht es um die  Bedeutung, die in Luisa Accatis Buch das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis mit seiner Vorgeschichte für die – symbolische – Ausschließung des Vaters aus der Beziehung zwischen der Madonna und ihrem Sohn hat und welche Folgen sich daraus für die westeuropäische, christlich geprägte Kultur ergeben: Als schlimmste Folgen des Autoritätsverlusts der Väter können Misogynie und Antisemitismus betrachtet werden.

Der Vortrag von Luisa Accati präsentiert Thesen, die sie in ihrem Buch „Das Monster und die Schöne. Vater- und Mutterbilder in der katholischen Erziehung der Gefühle“ vorgestellt hat. Im Anschluss an die beiden Vorträge wird dieses 2006 im Berliner Trafo-Verlag erschienene Buch präsentiert.


Luisa Accati lehrt seit 1986 als Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Triest. Ihre Forschungsschwerpunkte sind historische Anthropologie, Religiosität und Hexenwesen. In letzter Zeit befasst sie sich auch mit dem Marienkult, seinem symbolischen Gehalt und seiner Bedeutung für unterschiedliche soziale und politische Strukturen in katholischen und protestantischen Gesellschaften Europas. Publikationen in den Zeitschriften Annales, Clio, Duoda, Freibeuter, Genesis, Gender and History, Historia Social, Memoria, Quaderni Storici, Studi Medievali, Studi Storici. Monografien: Il matrimonio di Raffaele Albanese. Milano: Anabasi 1994; Il mostro e la bella. Padre e madre nell’educazione cattolica di sentimenti. Milano: Cortese 1998. (Deutsche Übersetzung: Das Monster und die Schöne. Vater- und Mutterbilder in der katholischen Erziehung der Gefühle. Berlin: Trafo 2006.)

Gisela Engel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit und am Institut für England- und Amerikastudien der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind Geschichte der Politischen Theorien, Gender Studies und die Kultur-, Ideen- und Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit. Sie ist Herausgeberin der Reihe Salecina-Beiträge zur Gesellschafts- und Kulturkritik und Herausgeberin der Reihe Frankfurter Kulturwissenschaftliche Beiträge.
Letzte Veröffentlichungen: Die Frankfurter Judengasse, zus. mit Fritz Backhaus, Robert Liberles und Margarete Schlüter. Frankfurt: Societätsverlag, 2006; Technik in der Frühen Neuzeit, zus. mit Nicole Karafyllis, Frankfurt: Klostermann, 2004; Bilder und Begriffe des Bösen, zus. mit Malte-Christian Gruber, Berlin: Trafo 2007 (= Salecina - Beiträge zur Gesellschafts- und Kulturkritik Bd. 7); Fallstudien: Theorie – Geschichte – Methode, zus. mit Johannes Süßmann und Susanne Scholz, Berlin: Trafo 2007 (= Frankfurter Kulturwissenschaftliche Beiträge Bd. 1)

Klaus Neundlinger ist Philosoph und Übersetzer, arbeitet derzeit am Ludwig Boltzmann-Institut für Geschichte und Gesellschaft an einem Projekt zu  den neuen Arbeitsformen.

Sigmund Freud Privatstiftung


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Montag, 31. März 2008, 18.30 Uhr

Buchpräsentation
Wie die Pharmazie ein Frauenberuf wurde
Buchpräsentation und Vortrag von Elisabeth Fritsch (Wien)


Anhand von 320 Kurz-Biografien Wiener Pharmazeutinnen beschreibt die Autorin die Entwicklung eines weiblichen Berufsfeldes: Klosterfrauen, Töchter und Ehefrauen von Apothekern, die ersten an der Wiener Universität angelobten „magistrae pharmaciae“, Flüchtlinge, die im Ersten Weltkrieg aus Galizien und der Bukowina nach Wien kamen und für die der Weg in die Pharmazie ein Ausweg aus „Küche, Kinderstube und Kirche“ war... Von den Apothekenbesitzerinnen der Zwischenkriegszeit, die ihren Betrieb selbst leiteten, waren überdurchschnittlich viele jüdischer Herkunft. Ihre Apotheken wurden unter der NS-Herrschaft „arisiert“.

Elisabeth Fritsch: Wie die Pharmazie ein Frauenberuf wurde. Materialien zu den in Wien ausgebildeten und berufstätigen Pharmazeutinnen mit Schwerpunkt 1905 bis 1945. Berlin: Logos Verlag 2007.

Fritsch, Elisabeth: Pharmazeutin, 1969-2001 im Bundesdienst (Arzneimittel-Kontrolle), daneben Studium der Geschichte (Schwerpunkt Wissenschaftsgeschichte).

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Montag, 7. April 2008, 18.30 Uhr:
Projektpräsentation
„Steine der Erinnerung“ am Alsergrund
„Glücksthals Rückkehr“ – Forumtheaterstück zur „Arisierung“


Mit Elisabeth Ben David-Hindler (Wien) und der Gruppe Kollektivtheater


Elisabeth Ben David-Hindler wird die Aktivitäten des Vereins „Steine der Erinnerung“ präsentieren, der es sich zum Ziel gesetzt hat, der ermordeten jüdischen EinwohnerInnen Wiens zu gedenken (www.steinedererinnerung.net). Vorgestellt wird ein Erinnerungsprojekt am Alsergrund, das vorläufig zwölf Stationen umfassen soll, unter anderem das ehemalige jüdische Altersheim in der Seegasse 9 und das Waisenhaus in der Grünentorgasse 26. Von diesen beiden Orten sind 1223 bzw. 123 Menschen deportiert worden. Dort sollen „Erklärungstafeln“ zur Geschichte der Häuser und der EinwohnerInnen aufgestellt werden. Vor zehn weiteren Häusern sind „Steine der Erinnerung“ mit dem Zusatz „Hier wohnten“ geplant.
Danach werden Mitglieder der Gruppe „Kollektivtheater“ das Stück „Glücksthals Rückkehr“ aufführen, das von ihnen im Rahmen ihrer Beschäftigung mit „Arisierung“, Vertreibung und Entschädigung entwickelt wurde. Die Aufführung orientiert sich an dem von Augusto Boal entwickelten Forumtheater: Das Publikum sieht auf der Bühne eine Konfliktsituation; in der Forumphase wird die Szene wiederholt, doch das Publikum hat nun die Möglichkeit, auf die Spielfläche zu kommen, in die Handlung einzugreifen und verschiedene Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren. Nach der Aufführung gibt es eine Diskussion. Mit Solveig Kelber, Vally Steiner, Ernst Fitzka, Renate Schneider, Gerhard Schinner, Christian Mokricky (Spielleitung) und Fresia Dagach (Regie).

Ben David-Hindler, Elisabeth: Studium der Soziologie; 23 Jahre Leiterin und Lehrerin in einer Alternativschule; Lebens- und Sozialberaterin. Initiatorin des Vereins "Steine der Erinnerung"

Nähere Informationen: http://steinedererinnerung.net/


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Mittwoch, 7. Mai, und Donnerstag, 8. Mai, 13.00-17.00 Uhr

Workshop
mit Heide Gerstenberger (Bremen):

Theorie der Entstehung bürgerlicher Staatsgewalt


Eine Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft

Konzept und Organisation: Ulrich Brand und Karl Reitter

Bürgerliche Staatsgewalt ist kein Nebenprodukt der Entwicklung des Kapitalismus oder überhistorischer Rationalisierungsprozesse. Vielmehr resultierte die revolutionäre Transformation vorbürgerlicher Herrschaft aus konkreter sozialer Praxis. Diese erwuchs aus materiellen und politischen Bedingungen, aber auch aus den Vorstellungen, die sich Menschen von Gott und der Welt machten. Gerstenberger erklärt, warum die Enteignung personaler Herrschaft in England/Großbritannien in einem langen Prozess radikaler Reformen möglich war, nicht aber in Frankreich.
Bürgerliche Staatsgewalt konnte nur in Gesellschaften entstehen, in denen es bereits zur Ausbildung von Öffentlichkeiten und Interessen gekommen war. Heute gibt es eine globale Verbreitung der politischen Form „Nationalstaat“, nicht aber der politischen Form „bürgerlicher Staat“.
Der Workshop basiert auf dem Buch: Heide Gerstenberger: Die subjektlose Gewalt. Theorie der Entstehung bürgerlicher Staatsgewalt. Münster: Westfälisches Dampfboot 2006 (2., überarbeitete Auflage). Texte zur Vorbereitung auf den Workshop werden demnächst   auf der Webpage verfügbar sein: www.subjektlosegewalt.net

Heide Gerstenberger hat von 1974 bis 2005 an der Universität Bremen „Theorie des Staates und der Gesellschaft“ gelehrt. Im Zentrum ihrer thematisch breit gefächerten Forschungen stehen Arbeiten zur Entwicklung von Staatsgewalt. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sie überdies zur historischen und aktuellen Entwicklung von Seefahrt geforscht, insbesondere zur Entwicklung seemännischer Arbeit in der Phase der Globalisierung.


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Donnerstag, 8. Mai, 20.00 Uhr

Vortrag
Heide Gerstenberger (Bremen):
Entgrenzung und Privatisierung

Veränderungen von Staatsgewalt im Zeitalter der Globalisierung


Ort:
Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien


Seit der Herausbildung von fürstlichen Territorialherrschaften wird die höchste Regulierungskompetenz in einem bestimmten Territorium als zentrales Charakteristikum von „Staat“ gesehen. An dieser Einheit von Staatsgewalt und Staatsgebiet hat sich nichts verändert, als Fürstensouveränität zur öffentlichen Gewalt revolutioniert wurde. In der Folge wurden Regulierungskompetenzen des Staates zunehmend erweitert. Mit der Globalisierung des Kapitalismus veränderten sich nicht nur die Bedingungen nationalstaatlicher Politik, es kommt auch zu einer Teilprivatisierung zuvor öffentlicher Gewalt sowie zur Aufspaltung staatlicher Souveränität in unterschiedliche Rechtsräume, mithin zur Auflösung der Einheit von Staat und Territorium.

Heide Gerstenberger hat von 1974 bis 2005 an der Universität Bremen „Theorie des Staates und der Gesellschaft“ gelehrt. Im Zentrum ihrer thematisch breit gefächerten Forschungen stehen Arbeiten zur Entwicklung von Staatsgewalt. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sie überdies zur historischen und aktuellen Entwicklung von Seefahrt geforscht, insbesondere zur Entwicklung seemännischer Arbeit in der Phase der Globalisierung.

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Samstag, 10. Mai 2008, 15.30 - 17.30 Uhr
Filmprojektion
Harun Farocki: „Aufschub“ (D 2007, 37 min)
Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit Harun Farocki

Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Im Rahmen einer Tagung des DFG-Netzwerks „Gewalt der Archive“, die am IWK stattfindet, zeigt der Essayfilmer Harun Farocki seinen Film „Aufschub“, in dem historische Aufnahmen aus dem Jahr 1944 zu sehen sind. Dieser Film ist „auf der ersten Ebene ein Dokument aus dem und über das Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden. Auf einer zweiten Ebene aber, und zwar durch die Wiederholung von Aufnahmen und mit Hilfe von Zwischentiteln, reflektiert Farocki die Konnotationen von Bildern. Er diskutiert die Ikonografie der KZ-Bilder, die sich zum Kanon verfestigt haben und in unseren Köpfen zu Chiffren erstarrt sind. Farocki beharrt auf der Mehrdeutigkeit von Bildern, auf der Konkurrenz möglicher Lesarten, und verfolgt, indem er gegen obsolete Regeln der Pietät verstößt, ein aufklärerisches Ziel.“ (Thomas Rothschild) Im Anschluss an den Film gibt es eine Diskussion mit dem Regisseur.

http://www.farocki-film.de/


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Mittwoch, 14. 5, 17.30 Uhr:
Leben - Sprache - Philosophie
Zu einem Gespräch mit der Germanistin und Philosophin Edith Ehrlich
lädt die FrauenAG der österreichischen Exilgesellschaft
Ort: Ausstellungszentrum des Dokumentationsarchivs des österreichischen
Widerstandes, Wipplingerstraße 6-8, 1010 Wien

Edith Ehrlich, geb. 1925 in Wien, besuchte bis 1938 das Chajes-Realgymnasium in Wien. Mit einem Kindertransport konnte sie im Mai 1939 nach England flüchten; 1940 emigrierte sie weiter in die USA. Sie studierte Psychologie in Chicago und an der Universität Basel, wo u.a. Karl Jaspers ihr Lehrer war. Bis 1971 war sie Dozentin für Germanistik an der University of Massachusetts, Amherst. Ein weiterer wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Juden unter dem NS. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Judaistik- und Philosophieprofessor Leonard Ehrlich, beschäftigte sie sich mit der Tätigkeit der Judenräte, wobei der Fokus auf Wien und Theresienstadt lag. Forschungen in Archiven in Europa, den USA und Israel sowie zahlreiche Interviews mit Überlebenden fanden ihren
Niederschlag in zwei Bänden "Choices under the Duress of the Holocaust, Vol. One: Vienna 1938-1945" und "Choices under Duress of the Holocaust, Vol. Two: Theresienstadt 1941-1945."
In ihren Erinnerungen "Chapters from a Young Life" erzählt sie über ihre Kindheit in Wien und deren Ende durch den Nationalsozialismus und reflektiert die Jahre als jugendlicher Flüchtling in GB und den USA.

Eine Veranstaltung der FrauenAG der österreichischen Exilgesellschaft in
Kooperation mit dem IWK.

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Montag, 9. Juni 2008, 18.30 Uhr
Buchpräsentation
Mimi Grossberg (1905-1997)

Mit der Herausgeberin Susanne Blumesberger und AutorInnen des Sammelbandes

Mimi Grossberg, die 1905 in Wien geboren wurde und den „Brotberuf“ einer Modistin erlernte, begann 1935 erste Gedichte zu publizieren, Lesungen zu halten und Vortragsabende zu gestalten. Im September 1938 gelang ihr die Flucht aus Wien. In den USA kümmerte sie sich um österreichische AutorInnen, die wie sie im amerikanischen Exil lebten. Nach 1945 veröffentlichte sie mehrere Anthologien österreichischer Exilschriftstellerinnen, gestaltete Ausstellungen, hielt zahllose Vorträge und wurde zu einer Pionierin der Exilforschung. Der Sammelband vereinigt Texte, die am 21. Oktober 2005 anlässlich der Tagung „Mimi Grossberg (1905-1997). Ein Leben zwischen Vertreibung, Verzweiflung und Versöhnung“ am IWK vorgetragen wurden.

Susanne Blumesberger (Hg.): Mimi Grossberg (1905-1997): Pionierin – Mentorin – Networkerin. Wien: Praesens 2008.

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Freitag, 27. Juni 2008, 16.00 Uhr
Festveranstaltung

Zehn Jahre
biografiA – datenbank und lexikon österreichischer frauen


Am 1. Juli 1998 startete die Vorbereitungsphase der Projektinitiative biografiA, mit dem Ziel der umfassenden historisch-biografischen Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten. Gemeinsam mit den zahlreichen WeggefährtInnen: MitarbeiterInnen, AutorInnen, KooperationspartnerInnen und UnterstützerInnen des Projekts wollen wir auf die geleistete Arbeit zurückblicken und über weitere Perspektiven diskutieren. 

biografiA

Programm:

16.00-16.15 Uhr
Begrüßung und Präsentation des Jubiläumsheftes „10 Jahre biografiA

16.15–16.45 Uhr
Klara Löffler: Das (auto-) biografische Interesse. Auf eine lange Zukunft!

17.00–18.30 Uhr
Sag mir wo die Frauen sind...“
Forumtheater-Produktion zum Thema „Frauen und Karriere“ der Gruppe „WIEGL-Theater der Unterdrückten“ 

Buffet

Kontakt: Dr. Ilse Korotin, IWK-Dokumentationsstelle Frauenforschung, Tel. 317 43 42, e-mail: info@biografia.at


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Version: 12. März 2008
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