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Institut für Wissenschaft und Kunst

    Seminarreihen, Vortragsreihen, Lesekreise 

    im Wintersemester 2009/2010



Konzept und Organisation: Susanne Lettow

Mit der Entwicklung der Lebenswissenschaften und Biotechnologien sind weit reichende gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen verbunden. Diese betreffen Fragen von Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit, Sexualität und Fortpflanzung. Veränderungen in den Körper- und Naturverhältnissen zeichnen sich sowohl im Alltagsleben als auch in neuen Formen der Biopolitik und Bioökonomie ab, ebenso wie in Artikulationen der Kunst. Die Vortragsreihe beleuchtet Facetten dieser Prozesse aus kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Sie setzt es sich zum Ziel, Zusammenhänge, Widersprüche und Ambivalenzen aufzuzeigen und Handlungsmöglichkeiten in den gesellschaftlichen Technologieverhältnissen auszuloten.


Die Vortragsreihe umfasst folgende Schwerpunkte: (1) Biotechnologien, Alltag, Subjektivität, (2) Bio-Ökonomien,
(3) Bio-Kunst / Bio-Ästhetik, (4) Biopolitiken: Staat, Recht, Zivilgesellschaft.

Donnerstag, 15. Oktober, 18.30 Uhr
Lars Thorup Larsen (Aarhus):
The Birth of Bioeconomy
From a Technology-Centered to a Genealogical Understanding of Bioeconomy

The issue of bioeconomy opens up a new field of studies centered on the relations between biopolitics and economy. Much of the recent literature on bioeconomy tends to understand the technological development of the life sciences as the cause of this connection. The aim of this lecture, on the contrary, is to approach the issue of bioeconomy through a genealogy and thereby demonstrate that economy was already intimately related to biopolitics long before the discovery of genes, codes, and neurotransmitters. Instead of viewing bioeconomy merely as the marketing department of biotechnology, we should aim for a better conceptual understanding of bioeconomy in order to analyze in more detail what connections are established between the life sciences and economic principles of governing as well as economic forms of truth.

Donnerstag, 12. November, 18.30 Uhr
Skúli Sigurdsson (Berlin / Reykjavik):
Biobanken-Biokapitalismus
Der Fall deCODE Genetics und Island

In den Jahren 1998-2003 kam es in Island zu einer weit reichenden Kontroverse über das Unternehmen deCODE Genetics und die Pläne, eine umfassende medizinische Datenbank mit Daten der isländischen Bevölkerung aufzubauen. Der Vortrag rekonstruiert verschiedene Aspekte dieser Kontroverse. Dabei geht es erstens um den von deCODE aufgerufenen Islandmythos und die Konstruktion des „homogenen nordischen Ursprungs“ der Isländer, zweitens um die Rolle der NASDAQ-Börse sowie drittens um Formen zivilen Ungehorsams, Biopolitik und die Bedeutung des Internet. Darüber hinaus wird das Verhältnis zwischen Biokapitalismus und dem Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems im Jahr 2008 thematisiert. Abschließend soll diskutiert werden, welche Anhaltspunkte sich für eine Analyse der Ver­schränkungen von Biobanken, Gesundheitspolitik, Kapitalismus, Wissenschaft, Technik und Bürgerrechten aus dieser Geschichte gewinnen lassen.
 
Freitag, 4. Dezember, 18.30 Uhr
Beate Herrmann (Heidelberg):
Körperkommerz
Die Verwertbarkeit des menschlichen Körpers im Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdverfügung

Im Unterschied zu äußeren Gütern sind der eigene Körper und seine Teile traditionell nicht Gegenstand ökonomischer Verwertungsinteressen. Mit der faktisch realisierbaren Fremdverwertbarkeit des mensch­lichen Körpers wird auch dessen normative Unverfügbarkeit zunehmend in Frage gestellt. Warum sollte eine Person beispielsweise nicht ihre zweite gesunde Niere verkaufen dürfen? Eröffnet die Möglichkeit, die eigenen Organe zu verkaufen, nicht jedem Einzelnen eine zusätzliche Handlungsoption und bedeutet damit eine Ausweitung der eigenen Handlungsfreiheit? Diese Fragen werden aus einer moralphilosophischen und gerechtigkeitstheoretischen Perspektive thematisiert. Sie betreffen sowohl die Bedeutung der körperlichen Verfasstheit für die Person wie auch die gerechtigkeitsrelevante Frage, was Menschen – auch und insbesondere als körperlich-leibliche Wesen – einander schulden.

Freitag, 11. Dezember, 18.30 Uhr
Sigrid Schmitz (Oldenburg):
Entscheidungsraum Gehirn:
Neurokultur, Neuroökonomie und das cerebrale Subjekt

Unter dem Stichwort „Neuroökonomie“ vollzieht sich aktuell eine enge Verflechtung der wirtschafts- und neurowissenschaftlichen Forschung. Mit Hilfe bildgebender Verfahren der Hirnforschung werden öko­nomische Entscheidungsprozesse und Konsumentenpräferenzen untersucht und häufig aus ihren komplexen sozio-kulturellen Zusammenhängen herausgelöst. Der Vortrag unternimmt den Versuch, neuro­ökonomische Entwicklungstrends wieder im Kontext gesellschaftlicher Optimierungsdiskurse zu verorten und folgende Fragen zu beantworten: Welche Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt dieser Forschung? Welche Prozesse werden auf- oder abgewertet? Wo werden Interventionen im Gehirn angestrebt? Welche Normierungen, inklusive Geschlechterdeterminationen, sind in die Neuroökonomie eingeschrieben?

Herrmann, Beate: Dr., des., M.A. ist seit April 2007 als Klinische Ethikberaterin an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. Sie war Stipendiatin des Graduiertenkollegs „Bioethik“ am Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am IZEW und am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Tübingen. 

Larsen, Lars Thorup: PhD, is assistant professor in political science at the University of Aarhus. He has worked on public health policy, tobacco control, political knowledge, morality politics and Michel Foucault. He is co-founder and editor of Distinktion: Scandinavian Journal of Social Theory

Lettow, Susanne: Dr.in, Institut für Philosophie der Universität Paderborn; FWF Research Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen/Wien. Arbeitsgebiete: Biopolitik und Geschlechterverhältnisse; Philosophie und Geschichte der Lebenswissenschaften, feministische Theorie. Veröffentlichungen: Biophilosophien. Wissenschaft, Technologie und Geschlecht im philosophischen Diskurs der Gegenwart (voraussichtlich Frühjahr 2010); zus. m. Ulrike Manz und Katja Sarkowsky (Hg.): Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Politiken, Erfahrungen, Subjekte. Königstein/Ts. 2005; Die Macht der Sorge. Die philosophische Artikulation von Geschlechterverhältnissen in Sein und Zeit, Tübingen 2001


Schmitz, Sigrid: Dr. habil. rer. nat., Biologin und Wissenschaftsforscherin der Natur- und Technikwissenschaften; Gastprofessorin an der Universität Oldenburg, bis 2009 Hochschuldozentin an der Universität Freiburg; Leitung des Kompetenzforums „Genderforschung in Informatik und Naturwissenschaft [gin]; verschiedene Gastprofessuren in Österreich und Deutschland

Sigurdsson, Skúli: ist Rathenau Senior Fellow am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Berlin) und Affiliated Researcher am Science Institute der Universität Island (Reykjavík). Er ist Mitglied in der isländischen NGO Mannvernd, die in den Jahren 1998-2003 aktiv war. Für Hintergrundinformationen zum Vortrag siehe auch: http://www.raunvis.hi.is/~sksi/hsd_dec.html

biografiA – Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung

Koordination: Ilse Korotin

Im Rahmen dieser Vortragsreihe geben ExpertInnen aus unterschiedlichen frauenbiografischen Forschungsbereichen Einblick in ihre Arbeit, sprechen über die von ihnen bearbeiteten Felder und machen auf mögliche Forschungslücken aufmerksam machen.
Die Vortragsreihe steht in Zusammenhang mit dem Projekt ”biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen”, das 1998 vom bm:bwk beauftragt wurde. Es umfasst derzeit rund 16.700 frauenbiografische Datensätze, zahlreiche Einzelprojekte sowie eine eigene Schriftenreihe. Die multimodulare Dokumentations-, Vernetzungs- und Forschungsinitiative wird von Frauen aus unterschiedlichen Bereichen des Bibliotheks- und Dokumentationswesens sowie der Wissenschaft und Forschung unterstützt und gilt als bedeutender Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen in allen Lebensbereichen.
biografiA hat sich durch die Bildung einer fundierten Basis für weitergehende Forschungen im Bereich der feministischen Geschichtsforschung, der Wissenschaftsgeschichte und Frauenforschung zu einer national und international wahrgenommenen Vernetzungsplattform für biografisch orientierte ForscherInnen entwickelt. Als interaktive Drehscheibe für MeinungsbildnerInnen aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und den Medien fördert biografiA die Wahrnehmung für spezifisch weibliche Themen und Strukturen im öffentlichen Bewusstsein.

Montag, 5. November, 18.30 Uhr
Petra Unger (Wien)

Frauenspuren in Wien.
Frauenstadtgeschichtsforschung und -vermittlung in Wien

Frauengeschichte zu recherchieren gleicht oft archäologischer Ausgrabungstätigkeit oder detektivischer Suche, denn nicht immer steht Geschichte von Frauen leicht greifbar in den Regalen der Bibliotheken. Voraussetzung für Rundgänge zu Frauengeschichte in den Wiener Bezirken ist also eine gründliche historische Recherche. Langfristiges Ziel ist es, für jeden Wiener Gemeindebezirk erste historische Grundinformationen zur Geschichte der Frauen zusammenzustellen, um interessierten WienerInnen diese Aspekte der Stadt zugänglich zu machen.

Montag, 14. Dezember, 18.30 Uhr
Lioba Theis (Wien):
Die ausgegrenzten, vertreibenen und ermordeten Wissenschaftlerinnen des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien

Der Vortrag befasst sich mit einer Ausstellung, die den AbsolventInnen des Kunsthistorischen Instituts gewidmet ist, welche aus ethnischen, religiösen und politischen Gründen in der Zeit zwischen 1933/1934 und 1945 ausgegrenzt, vertrieben und ermordet wurden. Dadurch soll den Namen auch wieder „ein Gesicht“ gegeben werden und die Geschichte persönlicher Lebenswege aufgezeigt werden. Die von Studierenden getragene Recherche hat gezeigt, dass die Erforschung dieses Teils der Geschichte des Institutes längst noch nicht abgeschlossen ist. Hier handelt es sich um ein „work in progress“, dessen Veränderungen in einer ständigen Online-Präsentation der Ergebnisse ablesbar ist (www.univie.ac.at/geschichtegesichtet).

Montag, 11. Jänner, 18.30 Uhr
Christine Kanzler (Wien):
Österreichische Alpinistinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Seit der Gründung alpiner Vereine in Österreich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts waren Frauen an der touristischen Erschließung der Alpen beteiligt. In einer Zeit, in der ihnen von Seiten mancher männlicher Alpinisten die Fähigkeit - und zuweilen auch die Berechtigung - zum Bergsteigen abgesprochen wurde, erbrachten nicht wenige Frauen alpinistische Höchstleistungen. Damit stellten sie – oft ohne es zu beabsichtigen – vorgefasste Rollenbilder in Frage. Etliche Frauen haben in der alpinen Presse anschauliche Berichte ihrer Bergfahrten hinterlassen, ihre Motivation zum Bergsteigen dargelegt und sich in die zeitgenössische Diskussion zum Thema „Frau am Berg“ eingeschaltet. Im Vortrag sollen einige dieser heute fast vergessen Pionierinnen des weiblichen Alpinismus vorgestellt werden.

Monstag, 18. Jänner, 18.30 Uhr
Christine Kanzler, Ilse Korotin, Karin Nusko (Wien):
Projektpräsentation: „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Eine biografische Datenbank“.

Zielsetzung des thematischen Modulprojekts von „biografiA – datenbank und lexikon österreichischer frauen“ war eine möglichst umfassende biografische Dokumentation jener Frauen, die im Zeitraum von 1938 bis 1945 Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur geleistet haben, sei es in politisch organisierter Form oder auf individueller Basis. Im Rahmen des Projekts, gefördert aus Mitteln des Zukunftsfonds der Republik Österreich, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus sowie der Länder Tirol und Salzburg, wurden in der Datenbank mehr als 3000 Frauen erfasst. Wir erläutern die inhaltlichen Voraussetzungen des Vorhabens, das methodische Vorgehen, die damit verbundenen Problemstellungen und diskutieren Resultate und Perspektiven. Ausgewählte Biografien sollen die Arbeit am Projekt veranschaulichen.

ReferentInnen und KoordinatorInnen: 

Korotin, Ilse: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin, Leiterin der IWK-Doku­mentationsstelle Frauenforschung und des Projekts „biografiA“ (http://www.biografia.at). 

Unger, Petra: M. A., Expertin für Gender Studies und Feministische Forschung, Kulturvermittlerin, Autorin und Begründerin der Wiener Frauenspaziergänge. 

Theis, Lioba: Prof.in für byzantinische Kunstgeschichte an der Uni Wien. 

Kanzler, Christine: Dr.in, Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenen­bildnerin. Forschungsschwerpunkte: Exilforschung, Biografie­forschung.

 
Nusko, Karin: Mag.a, Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Biofrafia Logo

Projekthomepage: http://www.biografiA.at

Frauen haben im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur in Österreich eine maßgebliche Rolle gespielt. Diese Tatsache wurde sowohl in der historischen Forschung als auch in der öffentlichen Wahr­nehmung lange Zeit – zum Teil bis heute – ignoriert. Seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts und besonders in den letzten Jahren haben sich WissenschafterInnen der Aufarbeitung vielfältiger Thematiken innerhalb dieses Forschungsfelds angenommen und damit nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur Würdigung der Frauen im Widerstand geleistet. Zum Abschluss unserer Vortragsreihe, die im Rahmen des Modulprojektes „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ von „biografiA – biografische datenbank und lexikon österreichischer frauen“ veranstaltet wird, richten wir den Blick auf die Zeit nach 1945. Thematisiert werden die Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit, wie sie durch ehemalige Widerstandskämpferinnen und Verfolgte selbst initiiert wurden, sowie die Weitergabe dieses gesellschaft­lichen Auftrags an die nachfolgenden Generationen. Weiters werden die Rezeption und das Fortwirken der Tätigkeit von Frauen im Widerstand im innerfamiliären Zusammenhang erörtert.

Dienstag, 20. Oktober, 18.30 Uhr
Evamaria Glatz, Käthe Springer-Dissmann (Wien):

Die Bedeutung des Widerstandes von Frauen gegen den Nationalsozialismus im Leben ihrer Töchter
Die Erfahrung von Widerstand und Verfolgung prägte den Lebensverlauf der betroffenen Frauen auch nach 1945 und wirkt in die nachfolgenden Generationen hinein. Evamaria Glatz und Käthe Springer-Dissmann stellen die Biografien ihrer Mütter Maria Hrachovec (Katholikin) und Gertrude Springer (Kommunistin) vor und reflektieren die Bedeutung der Widerstandstätigkeit der Mütter für das eigene Leben. Unter anderem werden folgende Fragen angesprochen: Wie wurde die Widerstandstätigkeit der Mutter in der Familie und im Umfeld wahrgenommen und erinnert? Welche Rolle spielte sie für die Ausbildung eigener Werthaltungen? Gibt es Aspekte, die als problematisch erlebt wurden und Abgrenzung notwendig machten? Nicht zuletzt: Besteht eine Kontinuität von Widerständigkeit im Generationenverlauf?

 
Dienstag, 27. Oktober, 18.30 Uhr
Helga Amesberger (Wien):
Zur Geschichte und Zukunft der österreichischen Lagergemeinschaften Ravensbrück

Im Zentrum des Vortrags stehen die mittlerweile über 60-jährige Geschichte, die Aktivitäten und Ziel­setzungen der österreichischen Lagergemeinschaften Ravensbrück, wobei den geschlechtsspezifischen Aspekten besonderes Augenmerk gewidmet wird.  Behandelt werden auch  aktuelle Fragen zur Fortführung der Lagergemeinschaft nach Ableben der ehemals Verfolgten. Die durchaus nicht einhellige Haltung der Lagergemeinschaften bezüglich der Weiterführung der Überlebendenorganisationen sowie der unterschied­liche Umgang damit (innerhalb der Lagergemeinschaften und der internationalen Komitees) erfordern eine Auseinandersetzung mit der Legitimierung und Legitimität der NachfolgerInnen, der Art und Weise der zukünftigen Gedenk- und Erinnerungspolitik sowie der historisch-politischen Bildung.

Dienstag, 17. November, 18.30 Uhr
Sylvia Soswinski (Wien):
Frauen im Widerstand: Die Überlieferung in der Familie am Beispiel von Herta Soswinski (1917–2003)

Herta Soswinski (geb. Mehl), die Großmutter der Referentin, hinterließ nach Ihrem Tod das Transkript eines ausführlichen Interviews mit ihr. Darin beschreibt sie ihre Kindheit und Jugend in der damaligen Tschechoslowakei, ihre ersten Erfahrungen mit dem Antisemitismus, ihren Weg in die Politik und in den illegalen Widerstand in den KZ Ravensbrück und Auschwitz. Dies bildete die Grundlage für die Diplomarbeit der Referentin mit dem Titel „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Über die Lebensgeschichte von Herta Soswinski, 1917–2003“. Motivation für diese Auseinandersetzung war die Überlieferung der Geschichte der Großeltern in der Familie – der Großvater als politischer Internierter und die Großmutter interniert aufgrund ihrer jüdischen Herkunft. Der Vortrag wird auf die Überlieferungen innerhalb der Familie eingehen sowie auf die Geschichte und Erzählungen der Großmutter.

 
Die Vortragsreihe wird vom Zukunftsfonds der Republik Österreich und vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus unterstützt.

Amesberger, Helga: Dr.a, Sozialwissenschafterin am Inst. für Konflikt­forschung/Wien mit den Forschungsschwerpunkten Rassis­mus, nationalsozialistische Verfolgung von Frauen und Oral History.

Glatz, Evamaria: Dr.in, Studium der Klassischen Philologie und Psychologie in Wien, in den letzten Jahren intensive Beschäftigung mit Familienforschung.

Kanzler, Christine: Dr.in, Theaterwissenschaftlerin, Erwachsenen­bildnerin. Forschungsschwerpunkte: Exilforschung, Biografie­forschung

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Korotin, Ilse: Dr.in, Wissenschaftshistorikerin, Leiterin der IWK-Doku­mentationsstelle Frauenforschung und des Projekts „biografiA“ (http://www.biografia.at).

Nusko, Karin: Mag.a, Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Soswinski, Sylvia: Mag.a, Projektmitarbeiterin im Förderprogramm „Berufsmatura Wien: Lehre mit Reifeprüfung“.

Springer-Dissmann, Käthe: Dr.in: Studium der Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien, danach im sozialpädagogischen Bereich tätig.

Bei Frauennetzwerken handelt es sich keineswegs um ein ausschließlich modernes Phänomen. Immer wieder haben sich Frauen zusammengeschlossen, um einander zu unterstützen, um voneinander zu profitieren und nicht zuletzt um in einer männerdominierten Welt zu bestehen. Die österreichische Geschichte weist hier zahlreiche erfolgreiche Beispiele auf. Private Verbindungen, Frauenverbände und andere Zusammenschlüsse hatten nicht selten wesentlichen Einfluss auf Wissenschaft und Kunst. Dieser Arbeitskreis wird sowohl historische Beispiele vorstellen als auch aktuelle Frauennetzwerke diskutieren.
 
Montag, 19. Oktober,18.30 Uhr
Traude Kogoj (Wien):
Spinnen Journalistinnen? Von der Faktenjägerin zur Netzwerkkünstlerin

Im Vergleich zu Deutschland oder zu Amerika lässt sich die Präsenz von Frauen im heimischen Journalismus durchaus sehen: 41,8 % Frauen stehen 57,2 % Männern gegenüber, fast 60 % aller Journalistinnen/Journalisten unter 30 sind weiblich – Tendenz steigend. Die Realität in Medienunternehmen sieht anders aus. Nur wenigen Journalistinnen gelingt der Aufstieg in Managementfunktionen, in denen sie auch entscheiden können. Ausschlussmechanismen entlang des gesamten Medienproduktionsprozesses und fehlende Personalentwicklung erschweren die journalistische Karriere – insbesondere die von Frauen. Effiziente Netzwerke und Netzwerkarbeit sind vielfach die einzige Möglichkeit, um die Medien zu erobern.
 
Montag, 9. November,18.30 Uhr
Li Gerhalter  (Wien):
„In meinem Freundeskreis gibt es eine nette Tante, die miterlebt hat, wie …“
Netzwerke in den Beständen der „Sammlung Frauennachlässe“

Die „Sammlung Frauennachlässe“ am Institut für Geschichte der Universität Wien bewahrt aktuell die Nachlässe von 196 Frauen. Diesem kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, keine von ihnen stand prominent in der Öffentlichkeit. Die Inhalte und die Materialität ihrer schriftlichen Hinterlassenschaften sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Lebensgeschichten. Auf verschiedene Weise belegen die archivierten Korrespondenzen, Tagebücher, Poesiealben, Fotografien etc. dabei die persönlichen Netzwerke der Schreiberinnen. Neben den Inhalten der Dokumente machen auch ihre jeweiligen Übergabegeschichten unterschiedliche Netzwerke sichtbar: Wer hatte die Dokumente inzwischen aufbewahrt? Wer hat sie der „Sammlung Frauennachlässe“ übergeben? Woher wussten die Übergeberinnen und Übergeber vom Archiv? Welche Absichten standen dahinter?
Die „Sammlung Frauennachlässe“ ist Teil der Forschungsplattform der Universität Wien „Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext“. Weitere Informationen: http://www.univie.ac.at/Geschichte/sfn
 
Montag, 23. November, 18.30 Uhr
Karin Nusko (Wien):
Netzwerke gegen das NS-Regime. Frauen im Widerstand 1938-1945

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde in einem bisher von Forschung und Öffentlichkeit noch immer zu wenig beachteten Ausmaß von Frauen getragen. Männer und Frauen waren im Allgemeinen gemeinsam im Widerstand tätig, es gab jedoch auch Versuche, die Frauen im Rahmen von eigenen Widerstandsgruppen gesondert zu organisieren. Als Beispiel dafür ist die sogenannte „Mädelarbeit“ in Frankreich oder Belgien zu nennen. Neben dieser von politischen Gruppierungen initiierten Form der Zusammenarbeit entstanden weibliche Netzwerke aber auch spontan und privat organisiert. Diese Netzwerke waren nötig, um etwa vom NS-Regime Verfolgten Hilfe zu leisten. Auch in Konzentrationslagern waren illegale Widerstandsnetze in vielen Fällen lebensrettend. Im Vortrag soll anhand konkreter Biografien die weibliche Zusammenarbeit in möglichst vielen Bereichen des Widerstandes verdeutlicht werden
 
Donnerstag, 14. Jänner, 18.30 Uhr
Pia Janke (Wien):
„Eine Frau steht für alle Frauen“ - Elfriede Jelineks Zusammenarbeiten mit Künstlerinnen  

Elfriede Jelineks Zusammenarbeiten mit Filmemacherinnen, Komponistinnen und bildenden Künstlerinnen wie Ulrike Ottinger, Olga Neuwirth und VALIE EXPORT waren immer auch Projekte, gemeinsam mittels Witz, Zitat und Verfremdung Konventionen zu hinterfragen, den männlichen Blick zu unterlaufen und der Nicht-Existenz der Frau als schöpferisches Subjekt zu widersprechen. Um einige dieser Zusammenarbeiten soll es gehen – um Vernetzungen von Künstlerinnen mit subversiver Intention, um das Gelingen, aber auch Scheitern dieser Projekte.
 
Montag, 25.Jänner, 18.30 Uhr
Karin Gradwohl-Schlacher (Graz):
Autorinnen im Nationalsozialismus

Obwohl das „Dritte Reich“ eine explizit frauenfeindliche Diktatur war, begründeten einige Frauen ihre literarischen Karrieren gerade in der NS-Zeit (u. a. Gertrud Fussenegger und Erika Mitterer). Die Voraus­setzungen für das Schreiben und Publizieren in einem totalitären Regime aufzuzeigen und eventuelle Vernetzungen der Autorinnen herauszuarbeiten, wird im Mittelpunkt des Vortrags stehen.

Blumesberger, Susanne: Dr.in, Mitarbeiterin am IWK und an der Universitätsbibliothek Wien. Lehrauftrag an der Universität Wien.

Gerhalter, Li: Mag.a, Mitarbeiterin der Sammlung Frauennachlässe

Gradwohl-Schlacher, Karin: Dr. in phil., Studium Germanistik/Kunstgeschichte in Graz, Exeter und Rennes; Literaturwissenschafterin an der Forschungsstelle „Österreichische Literatur im Nationalsozialismus“ des Universitätsarchivs, Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik; zahlreiche Publikationen zur Literatur im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, Neuerscheinung (mit Uwe Baur): Literatur in Österreich 1938-1945, Band 1: Steiermark (2008).

Janke, Pia: Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaft. Arbeitete als Musiktheaterdramaturgin u.a. an der Wiener Staatsoper und an der Oper Bonn. Habilitation über politische Massenfest-spiele. Ao. Univ.-Prof. am Institut für Germanistik der Universität Wien, Leiterin des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums. Lehraufträge an der Universität für angewandte Kunst und an der Musikuniversität. Zahlreiche Publikationen zur Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts und zu interdisziplinären Themen.

Kogoj, Traude: Dr. in, Politikwissenschafterin, Historikerin, Sachbuchautorin, Organisations- und Unternehmensberaterin

Nusko, Karin: Mag.a, Studium der Volkskunde, Philosophie und Geschichte; Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung; derzeit Mitarbeiterin des IWK-Projekts „Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“

Die Vortragsreihe widmet sich aktuellen Themen aus dem Bereich der feministischen Theorie, der Gender Studies und Queer Theory. Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Disziplinen stellen ihre aktuellen Forschungsarbeiten zur Diskussion. Den Anfang macht in diesem Semester die Philosophin Esther Hutfless, die sich mit dem Subjekt im poststrukturalistischen Feminismus befasst. Die Romanistin Alexandra Rieder geht dem Phänomen des süditalienischen „Tarantismus“ nach. Die Figur des Androgyn am Beispiel von Goethes Figur Mignon untersucht die Germanistin Meri Disoski. Die Kunsthistorikerin Gudrun Ankele diskutiert schließlich das Textgenre des politischen Manifests an zwei Beispielen. Alle vier Beiträge geben interessante Einblicke in das breite Spektrum gegenwärtiger Theorieproduktion und -anwendung.

Mittwoch, 14. Oktober, 18.30 Uhr
Esther Hutfless (Wien):
Is this desire? – Begehren zwischen diskursiver Produktion und leiblichem Zur-Welt-Sein

Der Vortrag befragt die Konzepte der Subjektgenese im poststrukturalistischen Feminismus nach den Möglichkeiten widerständiger Praktiken. Dabei wird auf die Ansätze von Luce Irigaray, Julia Kristeva und Judith Butler zurückgegriffen. Mithilfe des Begriffs des Begehrens, der zwischen diskursiver Produktion und leiblicher Existenz angesiedelt wird, soll der Versuch unternommen werden, diese widerständigen Bezugnahmen zu begründen und zu reformulieren.

Mittwoch, 2. Dezember, 18.30 Uhr
Meri Disoski (Wien):
„Verkleideter Phallus“? Androgynie in der feministischen Rezeption am Beispiel der Mignon

In der feministischen Forschung wird die Frage, ob die Figur des Androgyn eine Möglichkeit der Aufhebung von Geschlechtergrenzen ist, kontroversiell diskutiert. Am Beispiel der Mignon in Goethes Wilhelm Meisters Lehr­jahre werden jene Textstrategien kritisch erörtert, mittels derer das (vermeintliche) Oszillieren zwischen den Geschlechtern performativ in Szene gesetzt wird. Hier erweist sich eine queere Lektürevariante als produktiv.

Mittwoch, 16. Dezember, 18.30 Uhr
Gudrun Ankele (Wien):
Versuchsweise extrem. Feministische Manifeste zwischen radikaler Individualität und utopischer Gemeinschaft
Das Manifest als Textgenre wird in diesem Vortrag als Ort des Streits um Subjektivität und politische Teilhabe diskutiert. Radikale feministische Manifeste zeigen diese Auseinandersetzungen sehr gut: Einerseits geht es um eine Abgrenzung zum jeweils dominanten Subjektmodell, andererseits um den Entwurf eines „anderen“ Verständnisses der Frau und ihrer gesellschaftlichen Möglichkeiten. An Helene von Druskowitz’ Pessimistische Kardinalsätze (1905) und Valerie Solanas SCUM Manifesto (1967) werden diese Fragen erörtert und auf aktuelle Theorie bezogen.

Mittwoch, 20. Jänner, 18.30 Uhr
Alexandra Rieder (Wien):
A gendered Subject: „La tarantata“
Unter „Tarantismus“ versteht man ein anthropologisch-ethnologisches, süditalienisches Phänomen, welches die Zuschreibung von pathologischen und exzessiven Gebärden an den Biss der taranta bezeichnet und an welches unterschiedliche Riten wie z. B. die Musiktherapie gebunden sind. Im Zentrum dieses Vortrags steht die Protagonistin dieses jahrhundertealten realen wie auch literarisch tradierten Kultes: die Gebissene oder Tarantelbesessene, eine ver- und ent-rückte Frau.

Ankele, Gudrun: Dr.in, Kunsthistorikerin und Germa-nistin. Forschungsbereiche: Gender Studies, feministische Theorie, Ästhetik und politische Philosophie.

Disoski, Meri: Mag.a, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der Universität Wien.

Hochreiter, Susanne: Mag.a Dr.in, Universitätsassistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien.

Hutfless, Esther: Mag.a, Dissertantin am Institut für Philosophie und Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Rieder, Alexandra: Mag.a, Romanistin (Italienisch). Forschungsschwerpunkte: Tarantismus und die meridionale Gegenwartsliteratur.

Stoller, Silvia: DDr.in, Universitätsdozentin am Institut für Philosophie der Universität Wien und derzeit Visiting Assistant Professor am Department of Philosophy der University of Oregon in Eugene (USA).

Mit der Erringung der Vereins- und Pressefreiheit stellte sich für die legalisierte Arbeiter/in­nenbewegung die Notwendigkeit, Verlage zu gründen, in denen ihre Druckwerke erscheinen konnten. Aufgrund ihrer bescheidenen Mittel konnten diese mit kommerziellen Verlagen kaum mithalten, dennoch waren sie unverzichtbare Einrichtungen einer sozialenBewegung, deren Bildungsinteressen politisch nicht berücksichtigt wurden. In den letzten Jahrzehnten sind traditionsreiche Verlage der Arbeiter/innenbewegung verschwunden oder an Eigentümern übergegangen, durch die die Verbindung zur Arbeiter/innenbewegung verloren ging.
Wie entstanden die Verlage der Arbeiter/innenbewegung? Was machte ihr Verlagsprogramm aus? Welche Auswirkungen haben elektronische Medien auf das Verlagswesen? Welche Bedeutung haben Verlage heute für die Thematisierung gesellschaftskritischer Anliegen?
Darüber diskutieren Theoretiker/innen und Praktiker/innen der Arbeiter/innenbewegung mit Praktiker/inne/n und Theoretiker/inne/n der Arbeiter/innenbewegung.

Dienstag, 6. Oktober, 18.30 Uhr:
Zur Geschichte des Verlagswesens

Wie entstanden Verlage? Wann entstanden Verlage der Arbeiter/innenbewegung? Welche Entwicklung haben sie genommen? Welche Bedeutung haben sie heute?
Murray G. Hall

Dienstag, 3. November, 18.30 Uhr:
Gewerkschaftliche Verlage
Welche Rolle spiel(t)e das gewerkschaftliche Verlagswesen im österreichischen politischen sowie Kultur- und Geistesleben?
Peter Autengruber, Hugo Pepper
 
Dienstag, 1. Dezember
, 18.30 Uhr:
Verlage der Arbeiter/innenparteien
Welche Verlage der Arbeiter/innenparteien gab es in Österreich. Was ist aus ihnen geworden? Wieso gibt es sie heute nicht mehr?
Michael Graber, Peter Wasservogel
 
Dienstag, 12. Jänner, 18.30 Uhr:
Gesellschaftskritik als Verlagsprogramm
Wie ist Lage von Verlagen mit gesellschaftskritischem Programm heute? Welche Beziehungen bestehen zur Arbeiter/innenbe-wegung?
Michael Baiculescu, Fritz Keller, Peter Lachnit

Die Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 regelmäßig in der „mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt“ veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für Wissenschaft und Kunst auf.

Referenten und Koordinatoren:

Autengruber, Peter: Historiker, Universitätslektor, Leiter des ÖGB Verlags, Wien.

Baiculescu, Michael: studierte Volkswirtschaft, Politologie, Soziologie, Leiter des Mandelbaum Verlags, Wien.

Graber, Michael: Volkswirtschafter, Chefradakteur der Volksstimme, wirtschaftspolitischer und Finanzzreferent der KPÖ.

Habr, Paul: Magistratsbeamter, Personalvertreter.

Hall, Murray G.: Literatur- und Verlagswissenschafter, Universitätsprofessor, Institut für Germanistik der Universität Wien, Wien.

Keller, Fritz: Gemeindebediensteter, Personalvertreter, Geschichtswissenschafter, Wien

Lachnit, Peter: Historiker und Politikwissenschafter, von 1985-1993 beim Verlag für Gesellschaftskritik, heute Redakteur beim Österreichischen Rundfunk (Diagonal Ö1), Redakteurssprecher, Wien.

Lehner, Peter Ulrich: ehemaliger Grundlagenforscher in einem gemein-wirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, geschäftsführender Redakteur der „mitbestimmung“.

Pepper, Hugo: ehemaliger Cheflektor des Europa-Verlags, Volks- und Arbeiterbildner, Staatspreisträger, Wien.

Wasservogel, Peter: Jurist und Kommuni-kationswissenschafter, freischaffender Medienberater, Wien

Forschung, Technologie und Gesellschaft
Möglichkeiten und Grenzen der künstlichen Intelligenz

Eine Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik

Konzept und Organisation: Norbert Rozsenich

1966 veröffentlichte Joseph Weizenbaum (M.I.T.) das Computer-Programm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte. ELIZA wurde als Meilenstein der „künstlichen Intelligenz“ gefeiert, seine Variante DOCTOR simulierte das Gespräch mit einem Psychologen. Weizenbaum war entsetzt, wie ernst viele Menschen dieses relativ einfache Programm nahmen, indem sie im Dialog intimste Details von sich preisgaben. Dabei war das Programm nie konzipiert gewesen, einen menschlichen Therapeuten zu ersetzen. Durch dieses Schlüsselerlebnis wurde Weizenbaum zum Kritiker der gedankenlosen Computergläubigkeit.

Für diesen Herbst möchten wir in vier Veranstaltungen das bereits vor 33 Jahren von Weizenbaum behandelte Thema „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ (Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977) wieder aufgreifen und von exzellenten Vertretern der Computer-, Neuro- und Kognitionswissenschaften erfahren, wie sie aus heutiger Sicht die Chancen aber auch Grenzen ihres Fachgebietes beurteilen und welche neuen transdisziplinären Forschungstrends gegenwärtig an der Schnittstelle zwischen humaner und künstlicher Intelligenz erkennbar sind. 

Dienstag, 13. Oktober, 18.30 Uhr
Robert Trappl (Wien):
Artificial Intelligence: Entwicklung, aktueller Stand, Zukunft
Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der Artificial Intelligence seit ihrem offiziellen Beginn 1956 soll anhand von Forschungsarbeiten am ÖFAI (Österreichisches Forschungsinstitut für Artificial Intelligence) - aus dem Bereich der Grundlagenforschung, der anwendungsorientierten Forschung mit Partnern im Rahmen multinationaler Projekte der Europäischen Union, und als Auftragsforschung allein oder gemeinsam mit Unternehmen des In- und Auslandes - der gegenwärtige Stand von Forschung und Anwendung von AI illustriert werden. Ein Versuch, Trends zu skizzieren, rundet den Vortrag ab.


Dienstag, 10. November
, 18.30 Uhr
Heinrich Garn (Seibersdorf):
Anwendungen der Neuroinformatik
Neuroinformatik ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen künstlicher Intelligenz und Kognitionswissenschaft. Neuroinformatik befasst sich mit der Informationsverarbeitung in neuronalen Systemen, um diese in technischen Systemen anzuwenden. Der Vortrag beschreibt zwei Anwendungen: (i) bio-inspirierte, integrierte optische Sensoren, und (ii) computergestützte Analyse von EEG-Signalen zur Diagnose von Nerven- und Gehirnerkrankungen.


Dienstag, 24.November, 18.30 Uhr

Buchpräsentation
Franz Pichler: „Stammzellenkrieg in Brüssel“
"Warum schreibst du nicht am Ende deiner Karriere ein wissenschaftliches Buch über das Siebente Forschungsrahmenprogramm der EU? Oder über die embryonalen Stammzellen?" Franz Pichler, ehemaliger österreichischer Wissenschaftsattaché in Brüssel, hat auf diese Frage mit einem Wissenschaftskrimi geantwortet. Hintergrund ist die fiktive Errichtung eines „Europäischen Zentrums für embryonale Stammzellenforschung“ (EZES), wobei einige Initiatoren dieses Zentrums  - darunter eine katholische Abgeordnete aus Österreich -  auf mysteriöse Weise ums Leben kommen. Der drohende Zerfall Belgiens erschwert die Arbeit der Brüsseler Polizei.  


Dienstag, 22. Dezember, 18.30 Uhr
Bruno Buchberger
(Linz)
:
Die Ohnmacht der Computer und die Macht der Vernunft

Mathematik - als systematisierte Vernunft - ist die Grundlage der heutigen Automatisierung aller Wissenschafts-, Technologie-, Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche.  Der Vortragende wird über seine Forschung berichten, die nun die Automatisierung der Mathematik selbst zum Ziel hat, und wird dann kritisch analysieren, inwieweit "der Computer" durch Automatisierung Macht erhält. Schließlich wird ein weiter Bogen gespannt zur Meditation als "Nicht-Mathematik" und ihrer Relevanz für ein dynamisches und zugleich entspanntes Leben.


Dienstag, 26. Jänner, 18.30 Uhr:
Giselher Guttmann (Wien):
Die neuronalen Grundlagen der kognitiven Funktionen
Die Frage, wie Informationen in unserem Gehirn gespeichert werden und warum neu Gelerntes mit erschreckend kurzer Halbwertszeit wieder aus dem Gedächtnis schwindet, beschäftigt die Psychologie, seit sie sich als Einzelwissenschaft von der Philosophie zu trennen begann. Rätselhaft waren auch andere Gesetzmäßigkeiten unserer kognitiven Funktionen wie etwa die Fähigkeit zur Mustererkennung und Gestaltwahrnehmung. Lange waren allerdings Modellvorstellungen über die möglichen neuronalen Grundlagen unserer kognitiven Funktionen höchst spekulativ und widersprüchlich. Erst eine Zusammenschau von Erkenntnissen der Psychologie, der Informatik und der Neurobiologie führte in jüngster Zeit zu einem geschlossenen Erklärungsmodell. Seine Kerngedanken und die daraus resultierenden praktischen Konsequenzen sollen in diesem Vortrag zur Diskussion gestellt werden.


REFERENTEN/-INNEN UND KOORDINATOREN:

Buchberger, Bruno: Studium und Habilitation am Institut für Mathematik der Uni Innsbruck; Professor für Computer-Mathematik an der Johannes Kepler Universität Linz;  Gründer des Journal of Symbolic Computation, des Research Institute for Symbolic Computation und des Softwarepark Hagenberg; Mitglied der Academia Europaea; drei Ehrendoktorate; ACM Kannelakis Award 2007 for Theory and Practice. 

Garn, Heinrich: Studium der Nachrichtentechnik an der TU Wien, Doktorat und Habilitation in „elektromagnetische Verträglichkeit“; Leiter des Geschäftsfeldes Neuroinformatik der AIT (Austrian Institute of Technology GmbH); Initiator und 2000-2007 Leiter des Kplus Kompetenzzentrums Advanced Computer Vision (ACV); Allgemein beeideter gerichtlicher Sachverständiger.

Guttmann, Giselher: Studium und Habilitation am Institut für Psychologie der Uni Wien; Nachfolger von H.  Rohracher auf dem Ordinariat für Psychologie; Dekan der Philosophischen, bzw. Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien; wirkl. Mitglied der Österr. Akademie der Wissenschaften; derzeit Professor und Dekan der Sigmund Freud Privatuniversität Wien; Präsident der Gesellschaft für wissenschaftl. Hypnose.

Pichler, Franz: Jusstudium in Wien und der internationalen Beziehungen in Genf und Budapest, Tätigkeit im BMWF seit 1972 und schließlich als Wissenschaftsattaché in Brüssel (1997-99, 2001-2006). Artikel in Tageszeitungen, Fachzeitschriften (inklusive Online-Zeitschriften) in deutscher, englischer und französischer Sprache. Der „Stammzellenkrieg in Brüssel“ ist das dritte Buch des Autors und sein erster Roman. Möglichkeiten zur On-Line-Bestellung sind über Google unter dem Suchbegriff „Stammzellenkrieg Brüssel“ leicht zu finden.

Rozsenich, Norbert: Doktor der Mathematik (Uni Wien); Industriepraxis bei Böhler-Kapfenberg. Langjähriger Forschungs- und Technologiesektionschef im Wissenschafts-, bzw. Infrastrukturministerium; derzeit stv. Vorsitzender des Universitätsrates der BOKU Wien, Präsident der ÖGTP und Universitätslektor für Forschungspolitik an der Uni Wien; Ehrensenator der TU Wien.

Trappl, Robert: Nach Studium der Elektrotechnik, Mathematik, Psychologie und Soziologie Habilitation in Biokybernetik und Bioinformatik. Langjähriger Ordinarius für Medizinische Kybernetik und Artificial Intelligence. Seit vielen Jahren Leiter des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (www.ofai.at).

Die Psychiatrie als Institution zu betrachten heißt, nicht nur konkrete Institutionen der Psychiatrie zum Thema zu machen, sondern auch die Psychiatrie in einem gesellschaftlichen-geschichtlichen Feld zu situieren. Die Psychiatrie war und ist nicht nur eine Institution der Therapie und des Helfens und Heilens, sondern sie hat auch eine soziale Funktion. Denn sie ist Ausdruck wirksamer (Vernunft-)Normen und Normalitätsbilder und ein Paradigma des Umgangs mit dem Unvernünftigen und Anormalen.
Die Psychoanalyse hat die heutige Gestalt der Psychiatrie seit dem 19. Jahrhundert wesentlich geprägt. Nicht nur in den gängigen Klassifikationen seelischen Leidens, sondern auch in den Techniken des Umgangs mit sogenannten psychischen Störungen lassen sich psychoanalytische Konzepte finden. Im Unterschied zur Psychiatrie hat die Freud’sche Psychoanalyse aber einen gesellschaftskritischen Zug, was Hoffnungen auf ein Bündnis zwischen Antipsychiatrie und Psychoanalyse befördert hat.
In den folgenden Semestern wird der Schwerpunkt als Arbeitsgruppe weitergeführt. Gelesen und diskutiert werden: Michel Foucault: „Die Macht der Psychiatrie. Vorlesung am Collège de France 1973–1974“ (Frankfurt/M. 2005; franz. 2003), sowie Maud Mannoni: „Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse“ (Frankfurt/M. 1983; franz. 1970). Voraussetzung für die Teilnahme ist die Textlektüre. Die Texte können zur Verfügung gestellt werden. Information: ulrike.kadi@univie.ac.at, gerhard.unterthurner@univie.ac.at

19.30–21.00 Uhr

Mittwoch, 14. Oktober, 19.30–21.00 Uhr
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 13–38 (1. Vorlesung); Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 19–37 (Die Absonderung der Unvernunft durch die Psychiatrie). 

Mittwoch, 11. November, 19.30–21.00 Uhr
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 39–66 (2. Vorlesung); Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 38–56 (Der Wahnsinn als gesellschaftlich verfügter Status). 

Mittwoch, 9. Dezember, 19.30–21.00 Uhr
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 67–98 (3. Vorlesung); Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 57–73 (Wahnsinn und Psychiatrie]. 

Mittwoch, 20. Jänner, 19.30–21.00 Uhr
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 99–140 (4. Vorlesung); Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 77–95 (Die Psychoanalyse als Institution und die Institution der Anstalt).


Jour fixe Bildungstheorie
Routinen des Kreativen
Partizipation, Kritik und Professionalisierung

Die Forderung nach Kreativität und Innovation begleitet gegenwärtig nahezu jede Debatte, die sich auf die Fragen der Zukunft von Wissensgesellschaften einlässt. Dem lebenslangen Lernen wird dabei eine Schlüssel­stellung zugeschrieben, allerdings oft – wie etwa in EU-Positionspapieren – mit sehr technokratischen Unter­tönen. Der Jour fixe Bildungstheorie „Routinen des Kreativen“ befasst sich mit Alternativen zu einer solchen Engführung der Kreativität, diskutiert aber auch die „hohen Erwartungen an einen schwachen Begriff“ (von Hentig). Anhand theoretischer Konzepte und praktischer Beispiele aus der Bildungs- und Kulturarbeit werden Partizipationsmodelle im Bereich von Kunst und Kultur befragt und Erfahrungen mit Professionalisierung im Spannungsfeld zwischen technokratischen Vorgaben und Ansprüchen emanzipatorischer Praxis erörtert.

Donnerstag, 29. Oktober, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Bernd Wagner (Bonn):
Soziokultur – Kunst, Kultur und Engagement im Alltag: Ein Konzept im Wandel

Respondenz: Wolfgang Kellner (Wien)
Seit den 70er Jahren steht Soziokultur für eine gesellschaftspolitisch engagierte Kulturarbeit, die durch aktive Teilhabe BürgerInnen neue Zugänge zu Kunst und Kultur eröffnet. Soziokultur knüpft an die Lebenswelt von Zielgruppen an, orientiert sich an Problemlagen in Stadtteilen oder Regionen, sucht produktive Verknüpfungen zwischen Kunst und Alltag. Im Rahmen des Vortrags wird nach dem Wandel des Konzepts Soziokultur in den letzten Jahrzehnten, nach kulturpolitischen Rahmenbedingungen und Fördermodellen gefragt – und nach den aktuellen Herauforderungen und Zukunftsperspektiven.

In Kooperation mit der IG Kultur Österreich


Donnerstag, 19. November, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:

Richard Stang (Stuttgart):
Kulturelle Bildung als gesellschaftliches Projekt
Respondenz: Marion Thuswald (Wien)
Kulturelle Bildung ist als Eckpfeiler der allgemeinen Erwachsenenbildung ein zentraler Ort inhaltlicher und methodischer Innovationen, des Erprobens neuer Formen der Partizipation. Es gelang in den letzten Jahr­zehnten, zentrale gesellschaftliche Herausforderungen als Aufgaben kultureller Bildung aufzunehmen: Medienkompetenz, kulturelle Veränderung durch Migration, demografischer Wandel, Schlüsselkompetenzen usw. Dennoch findet kulturelle Bildung im bildungspolitischen Diskurs bislang wenig Berücksichtigung. Anhand ausgewählter Beispiele und Problemstellungen (ökonomische Codierung, rechtlicher und politischer Rahmen usw.) wird kulturelle Bildung als Entwicklungsfeld des lebenslangen Lernens – und als Projekt für eine humanere Gesellschaft geltend gemacht.

In Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung

Am Freitag, den 20. Nov 2009, 9.00-12.00 Uhr, findet im Ring Österr. Bildungswerke, 1010 Wien, Heinrichsgasse 4/8 ein ExpertInnengespräch statt (mit Anmeldung).

Nähere Informationen

Donnerstag, 17. Dezember, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Jour fixe Bildungstheorie
Ruth Sonderegger (Wien):
Ästhetische Erziehung: geben, nehmen oder müssen?
Respondenz: Iver Ohm, Kunstvermittler
Ästhetische Erziehung, spielerisches Lernen und Konzepte einer zwischen Sinnlichkeit und Sinn, Aktivität und Passivität angesiedelten Kreativität verzeichnen seit (und mit) Schillers „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen“ eine wechselvolle Karriere. Die Referentin konfrontiert Schillers Verständnis der ästhetischen Erfahrung mit Rancières (zweihundert Jahre später) an Schiller anknüpfender Theorie des Ästhetischen. Beide sind sich bei aller Unterschiedlichkeit einig im Glauben an das Ästhetische und seine politische Sprengkraft. Der Vortrag fragt danach, ob diese Einschätzung des Ästhetischen im Zeitalter der Kreativindustrie naiv-affirmativ ist oder gar (noch immer) einen utopischen Stachel birgt. 

Donnerstag, 21. Jänner, 19.oo Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Karin Schneider (Wien):
Kunstvermittlung zwischen Prekariat und Professionalisierung
Respondenz: Stefan Palaver (Wien)
Anhand einer kurzen und kursorischen Geschichte einiger Beispiele von Kunstvermittlung in Wien seit den 1980er Jahren soll die Frage aufgeworfen werden, ob und wie deren Rahmenbedingungen das Selbst­verständnis von Kunstvermittlung prägen. Welche Spuren hinterlassen Selbstprofessionalisierung oder „Kundenorientierung“ einerseits und prekäre Arbeitsverhältnisse andererseits in der jeweiligen Praxis und Theoriebildung von Vermittlung? Wie wirken sich museums- und bildungspolitische Setzungen auf den Umgang mit und die Definition von Zielgruppen (Erwachsene, Kinder, Jungendliche im und außerhalb des Schulverbandes) bzw. auf die je eigenen Ziele von Vermittlung aus und was könnte dies für bildungspolitische Forderungen in diesem Bereich bedeuten?
 

Workshop Bildungstheorie: Als Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden wird der dreistündige Workshop Bildungstheorie angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich – Information/ Anmeldung: Ring Österreichischer Bildungswerke (Tel.: 01 533 88 83, www.ring.bildungswerke.at). Die Teil­nahme an den Jour-fixe-Veranstaltungen und am Workshop ist als Seminar Bildungstheorie bei der Weiter­BildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditiert. Termine in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.


Dzierzbicka, Agnieszka: Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Wien.

Kellner, Wolfgang: Mag., Leiter des Bildungs- und Projekt­managements im Ring Österreichischer Bildungswerke.

Morawek, Katharina: Mag.a, Redakteurin der Zeitschrift MALMOE und Kunstvermittlerin im MuMoK.

Palaver, Stefan: Mag., Bildender Künstler und Kunstvermittler

Schneider, Karin: Zeithistorikerin, Kunst- und Wissenschaftsvermittlerin.

Sonderegger, Ruth: Prof.in an der Akademie der bildenden Künste Wien. Publikation: Für eine Ästhetik des Spiels. Hermeneutik, Dekonstruktion und der Eigensinn der Kunst, Ffm. 2000.

Thuswald, Marion: Mag.a, Akademie der bildenden Künste

Stang, Richard: Prof. für Medienwissenschaft in der Fakultät „Informa­tion und Kommunikation“ der Hochschule der Medien Stuttgart.

Vater, Stefan: Dr., Bildungssoziologe, Philosoph; wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes österreichischer Volkshochschulen

Wagner, Bernd: Dr., wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Kulturpolitik/Bonn; stellv. Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft/Bonn.


            Ring Österreichischer Bilfungswerke            Verband Österreichischer Volkshochschulen             oieb             IG Kultur Österreich

Ziel des Lesekreises ist die Erarbeitung von philosophischer Terminologie im Türkischen an Hand der Lektüre von Darstellungen okzidentaler Philosophie, Darstellungen nicht-okzidentaler Philosophie, Texten der neuzeitlichen okzidentalen Philosophie, Texten der interkulturellen Philosophie und aktuellen philosophischen Diskursen in der Türkei. Das konkrete Leseprogramm des Wintersemesters wird beim ersten Termin vereinbart. Textvorschläge von Seiten der TeilnehmerInnen sind willkommen. Alle Texte werden in türkischer Sprache gelesen und auf Deutsch interpretiert. Daraus wird nach Möglichkeit ein wachsendes türkisch-deutsches Verzeichnis philosophischer Begriffe entwickelt. Die Teilnahme am Lesekreis ist frei, sie setzt Kenntnisse der türkischen und der deutschen Sprache sowie Grundkenntnisse in Philosophie voraus. Da die Teilnehmerzahl aus praktischen Gründen begrenzt werden muss, wird um Anmeldung per Email ersucht: franz.martin.wimmer@univie.ac.at

Nähere Informationen zum Lesekreis finden Sie unter: http://www.lesekreis.wikispaces.com  

Termine: 7.10. (Besprechung des Programms und Beginn der Textlektüre von: „Imâm Gazzâlî ve Türkiye’de Tehâfüt el Felâsife Geleneği“ aus: Remzi Demir: Philosophia Ottomanica I. Eski Felsefe. Ankara: Lotus 2005), 
28.10., 4.11., 18.11., 2.12., 16.12., 13.1., 27.1.


Vortragsreihe

Die Sozialwissenschaften und die aktuellen Probleme der Erwerbsarbeit

Reflexion und Intervention

Vortragsreihe November 2009 - Juni 2010

In Kooperation mit dem Institut Français de Vienne und dem

ERC-Starting Grant-Projekt „The Production of Work“ (Universität Wien)

Konzept und Koordination: Alexander Mejstrik, Sigrid Wadauer


Mit Schlagworten wie „Krise des Sozialstaates“, „Ende der Normalerwerbsbiographie“ und „Prekarität“ werden seit einigen Jahren die historischen Veränderungen in der Organisation von Lebensunterhalten diskutiert. ForscherInnen unterschiedlicher Disziplinen und Länder beschäftigen sich mit dieser Thematik, an der auch eine breite Öffentlichkeit interessiert ist. Der Austausch bereitet jedoch Probleme. Oft fehlen Übersetzungen zwischen SpezialistInnen und der Öffentlichkeit, zwischen Disziplinen und Ländern. Beson­ders gravierend ist dies für Frankreich und Österreich. Die Sprachbarriere, Unterschiede in den Wissen­schaftstraditionen und in den Vorstellungen von der Rolle Intellektueller in der Öffentlichkeit erschweren die gegenseitige Rezeption. Um diesen Schwierigkeiten entgegenzutreten, werden französische ForscherInnen eingeladen, ihre Arbeiten einem Wiener Publikum zu präsentieren. Im Sommersemester wird die Reihe mit Delphine Serre, Gérard Noiriel, Isabelle Coutant und Gisèle Sapiro fortgesetzt.

Die Vorträge werden auf Französisch gehalten, eine deutsche Übersetzung wird projiziert. Am Folgetag findet ein Workshop statt (Informationen zum Workshop: alexander.mejstrik@univie.ac.at).


Download des Programmfolders


18. November, 19.00 Uhr, Institut Français de Vienne, Währinger Straße 30, 1090 Wien

Gérard Mauger (Paris):

Une génération sacrifiée? Intellectuels précaires et jeunes en difficulté

(Eine aufgegebene Generation? Prekäre Intellektuelle und Jugendliche ohne Perspektive)

Eine Reihe von aktuellen Publikationen - in Presse und Wissenschaft - bekräftigen die Vorstellung einer strukturellen "Deklassierung", der die gesamte französische Gesellschaft und/oder eine "aufgegebene Generation" unterworfen ist. Der Vortrag wird zeigen, dass der „massenhafte Zustrom in die Schulen“ zwar zu einer allgemeinen "Inflation/Abwertung" schulischer Abschlüsse geführt hat, jedoch in erster Linie die "kleinen Inhaber" von schulischen Titeln (die "prekären Intellektuellen") betrifft sowie jene, die ohne Abschluss die Schulen verlassen (die "Jugendlichen ohne Perspektive"). Diese beiden Entwicklungen und deren zahlreiche Auswirkungen werden anhand der verfügbaren Statistiken aufgezeigt und beschrieben.


Gérard Mauger ist Soziologe und arbeitet als Forschungsdirektor am CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) und als stellvertretender Direktor am Centre de Sociologie Européenne (CSE).


16. Dezember, 19.00 Uhr, Institut Français de Vienne, Währinger Straße 30, 1090 Wien

Frédéric Lebaron (Amiens):

Economistes et sociologues dans le champ intellectuel et le débat public en France

(Ökonomen und Soziologen im intellektuellen Feld und die öffentliche Debatte in Frankreich)  
Ökonomen und Soziologen sind besonders dazu geeignet, Expertisen, Diskurse, Analysen zu entwerfen und Vorschläge für öffentliche Vorhaben zu machen, die sich auf allgemeine ökonomische und soziale Fragen beziehen (die "Krise", Wohlstand usw.) sowie auch auf Fragen ganz anderer Tragweite.
Der Vortrag wird zeigen, dass sich die strukturelle Dominanz der Ökonomen in Frankreich zuletzt verstärkt hat und zwar in einem solchen Maße, dass die Ökonomie, sieht man einmal von wissenschaftlichen Spezialgebieten (Genetik, Nanotechnologie usw.) ab, den Raum der öffentlich debattierten Frage fast zur Gänze beherrscht – unabhängig davon, ob man diese Fragen als ökonomische definiert (Wirtschaftskrise, Konjukturpolitik usw.) oder nicht (nachhaltige Entwicklung, Lebensqualität, Ungleichheiten im Bildungssystem, das französische Sozialmodell usw.).
Dieser Prozess der Monopolbildung (oder "Quasi-Monopolbildung") durch eine Berufsgruppe ist nicht völlig neu und beruht auf bekannten sozialen Mechanismen. Er hat allerdings ein bisher in der Gesellschaftsgeschichte unbekanntes Ausmaß angenommen und verdient daher eine tiefgehende Analyse.
         
     
            Institut francais      ercUni Wien     fwf



Lesekreis:
Gender- und Postcolonial Studies

Koordination: Birgit Haehnel (Wien)

In diesem Lesekreis werden seit Frühling 2009 wichtige Texte aus dem Bereich Gender und Postcolonial Studies gelesen werden. Bisher wurden gelesen:

Nächster Text:
Miriam Nandi: Am I that Other? Postkoloniale Intellektuelle und die Grenzen des Postkolonialismus-1. In: Julia Reuter, Paula-Irene Villa (Hg.): Postkoloniale Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention

Miriam Nandi: Am I that Other? Postkoloniale Intellektuelle und die Grenzen des Postkolonialismus-2. In: Julia Reuter, Paula-Irene Villa (Hg.): Postkoloniale Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention

Miriam Nandi: Am I that Other? Postkoloniale Intellektuelle und die Grenzen des Postkolonialismus-3. In: Julia Reuter, Paula-Irene Villa (Hg.): Postkoloniale Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention

Nächste Termine: 
Montag, 22.2., 19.00 Uhr 
Montag, 29.3., 19.00 Uhr

Es werden Vorschläge für weitere Texte, aber auch Ideen zu Projekten und Netzwerken gesammelt. Die nächsten Benachrichtigungen werden über einen extra Emailverteiler erfolgen. Nähere Informationen bei: birgithaehnel@web.de

Birgit Haehnel: Dr.in, freischaffende Kunsthistorikerin. Forschungsschwerpunkte: Postcolonial- und Gender Studies im Bereich der Visuellen Kultur; Migration und Erinnerung. Mitglied im CePoG (Centrum für Postcolonial und Gender Studies) Universität Trier.


Jour fixe
Simulation komplexer Systeme - Forschen in der Von-Neumann-Galaxis

Koordination: Manfred Füllsack

Dieser Jour fixe, der in Hinkunft etwa ein- bis zwei-monatlich stattfinden soll, will einen regelmäßigen Gedankenaustausch jener WissenschafterInnen und Interessierten ermöglichen, die sich mit der Computer-gestützten Simulation komplexer Systeme, ihren Voraussetzungen, Möglichkeiten, ihrer Durchführung wie auch ihren z.B. erkenntnistheoretischen Konsequenzen beschäftigen.
Die Veranstaltung geht aus einem nun seit über zehn Jahren bestehenden Diskussionskreis zur Systemtheorie Niklas Luhmanns hervor und will einen informellen Rahmen für einen Gedankenaustausch bieten, der erstens explizit keinen disziplinären Grenzen gehorchen soll und zweitens in der Thematik - je nach TeilnehmerInneninteressen - einem möglichst breiten Spektrum von medien-philosophischen, systemtheoretischen, strukturalistischen, spieltheoretisch-mathematischen, physikalischen, ökonomischen bis hin zu spezifischen programmier-technischen Fragen offenstehen soll. Thema der Veranstaltung soll - kurz gesagt - alles sein können, was sich in der einen oder anderen Weise im Umfeld von Simulations- und Systemforschung bewegt - von Kybernetik und Operation Research über System Dynamics, Schwarmforschung, Netzwerkanalyse bis hin zu Multi-Agenten-Simulationen, AI, Cloud-computing etc.
Geplant ist, pro Termin eine/n TeilnehmerIn zu bitten, ein gerade interessierendes oder selbst beforschtes Projekt, Modell, Programm, Problem etc. vorzustellen, worauf dann eine Diskussion folgen soll. Es geht  als (zunächst) in erster Linie um die Möglichkeit, EIGENE Projekte, Vorhaben, Modelle, Probleme, Fragen etc.  KollegInnen vorzustellen und mit ihnen zu diskutieren. Und es geht überdies um disziplinenübergreifende Verständigung, um Austausch von Informationen zu den sich rasant entwickelnden Methoden, sowie um die Förderung möglicher Kooperationen. Der Vortrag von extern dafür geladenen ExpertInnen ist zumindest vorläufig nicht geplant.

Weitere Informationen
: http://sim.econ.tuwien.ac.at/

5. November, 19.00 Uhr
10. Dezember, 19.00 Uhr
28. Jänner, 19.00 Uhr

Kontaktadresse Manfred Füllsack: manfred.fuellsack@univie.ac.at