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Institut für Wissenschaft und Kunst

Seminarreihen, Vortragsreihen, Lesekreise 

im Sommersemester 2010



Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.

Donnerstag, 15. April 2010, 19.00 Uhr, Institut Français de Vienne, Währinger Straße 30, 1090 Wien
Gérard Noiriel (Paris):
Die Rolle der Einwanderung bei der Konstruktion und Dekonstruktion der Arbeiterklasse in Frankreich (19.-20. Jahrhundert)
(Le rôle de l’immigration dans la construction/déconstruction de la classe ouvrière en France [XIXe-XXe siècle])  
Heutzutage ist die Einwanderung in den meisten europäischen Ländern Ursache von Spannungen in den popularen Klassen: Das erklärt die Wiederkehr des Nationalismus und der extremen Rechten im politischen Feld. Der Vortrag wird zeigen, dass die Besonderheit Frankreichs in diesem Kontext auf seine lange Einwanderungstradition zurückgeht.1930 war Frankreich weltweit das erste Einwanderungsland – noch vor den Vereinigten Staaten. Doch im Unterschied zu den « neuen Ländern » diente  in Frankreich der massive Zuzug von Einwandernden nicht dazu, das Land zu bevölkern und zu erschließen. Die ausländischen ArbeiterInnen wurden massenhaft rekrutiert, um die unteren Posten am industriellen Arbeitsmarkt zu besetzen. Frankreich führte damit ab dem Ende des 19. Jahrhunderts jenes Einwanderungsmodell ein, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz  Europa durchsetzen sollte.Diese lange Geschichte der Einwanderung prägt bis heute die Geschichte der französischen ArbeiterInnen-Welt und der popularen Viertel so stark, dass es unmöglich ist, die aktuellen sozialen Konflikte in den Vorstädten zu verstehen, wenn man diese Vergangenheit nicht berücksichtigt. 

Der Vortrag wird auf Französisch gehalten, eine deutsche Übersetzung wird bereitgestellt.


Am 3. Juni findet ein Arbeitsgespräch mit Gisèle Sapiro statt (Informationen und Anmeldung: alexander.mejstrik@univie.ac.at).


Biotechnologien, Kultur und Gesellschaft
Schwerpunkt: Bio-Ökonomien
Konzept und Organisation: Susanne Lettow

Mit der Entwicklung der Lebenswissenschaften und Biotechnologien sind weit reichende gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen verbunden. Diese betreffen Fragen von Leben und Tod, Krankheit und Ge­sundheit, Sexualität und Fortpflanzung. Veränderungen in den Körper- und Naturverhältnissen zeichnen sich sowohl im Alltagsleben als auch in neuen Formen der Biopolitik und Bioökonomie ab, ebenso wie in Artikula­tionen der Kunst. Die Vortragsreihe beleuchtet Facetten dieser Prozesse aus kultur- und sozialwissen­schaftlichen Perspektiven. Sie setzt es sich zum Ziel, Zusammenhänge, Widersprüche und Ambivalenzen aufzuzeigen und Handlungsmöglichkeiten in den gesellschaftlichen Technologieverhältnissen auszuloten
 
Mittwoch, 17. März, 18.30 Uhr    
Ulrich Brand (Wien):
Welche Bioökonomie? Postneoliberale Naturverhältnisse und die Inwertsetzung von Natur
Die Thematisierung der „ökologischen Krise“ wird seit einiger Zeit von der anthropogenen Klimaerwärmung und den notwendigen Anforderungen an eine effektive Klimapolitik dominiert. Andere Dimensionen geraten aus dem Blick oder haben eher kurzzeitig Konjunktur: Nahrungsmittel, Wasser oder biologische Vielfalt. Letztere steht exemplarisch für die Herausbildung einer neuen Bioökonomie, denn hier überlagern sich mehrere Dimensionen: Schutz und ökonomische Inwertsetzung, zu schaffende Eigentumsrechte und öffentliche Güter, globale Strategien und lokale Konflikte, Kämpfe um Kontrolle und Befreiung.
 
Mittwoch, 24. März, 18.30 Uhr    
Milena Bister, Ursula Wagner (Wien):
Wertvoller Abfall: Vom nutzlosen Gewebe zum profitablen Gut
In der biomedizinischen Forschung kann menschliches Gewebe zunehmend losgelöst von den Körpern der SpenderInnen als „Substanz“ vermehrt, künstlich „am Leben“ gehalten und beforscht werden. Dies verein­facht den Austausch menschlicher Zellen zwischen Forschungsstätten und macht sie auch zu einem lukra­tiven wirtschaftlichen Gut. Der Vortrag kontrastiert zwei Beispiele einer profitgerichteten Verwertung mensch­licher Zellen in den USA mit den Einschätzungen von SpenderInnen in einem österreichischen Krankenhaus über den Wandel von ihrem Hautgewebe in „Operationsabfall“ und schließlich in Ausgangsmaterial für biomedizinische Forschung. Wir skizzieren die Bedeutungsvielfalt menschlichen Gewebes im klinischen Kontext und diskutieren die daraus entstehenden Konsequenzen für die Zirkulation von Körpersubstanzen.
 
Donnerstag, 22. April, 18.30 Uhr    
Dagmar Fink (Wien):
Il_Legitime Bastarde – Welche Grenzen überschreiten, zu welchem Zweck, zu wessen Nutzen?
Seit Mitte der 1980er Jahre befassen sich queere, feministische und anti-rassistische Konzepte mit der Transgression von Grenzen. Im Vortrag werde ich diesen Grenzverwischungen in Donna Haraways Be­schäftigung mit Cyborgs und mit der OncoMouse™ nachgehen sowie in zwei feministischen Sciencefictions, nämlich Marge Piercys "He, She, and It" (1991) und Amy Thomsons Virtual Girl (1993). Angeleitet wird diese Untersuchung u.a. von folgenden Fragen: Welche Formen der Durchkreuzungen und welche so entstandenen Bastarde werden als legitim betrachtet, welche als illegitim? Von wem? Und zu welchem Preis? Zu wessen Wohl werden Grenzen überschritten und wer profitiert davon? Gibt es überhaupt Gründe, die dazu berechtigen, ein bewusstes Wesen zu schaffen? Und welche Cyborgs würden Cyborgs schaffen?
 
Donnerstag, 20. Mai, 18.30 Uhr    
Christian Zeller (Salzburg):
Warum Wissen zur Ware wird: Eigentumsmonopole und die Aneignung von Renten im Pharma-Biotech-Komplex
In den letzten drei Jahrzehnten hat das konzentrierte Anlagekapital seine Macht bedeutend ausgeweitet. Auch die menschliche Kreativität und die Wissensproduktion sind zu neuen Feldern der Verwertung geworden. Der Vortrag analysiert, wie sich Pharma- und Biotechnologieunternehmen gesellschaftlich produziertes Wissen aneignen und wie sie gestützt auf Eigentumsmonopole Renteneinkommen erzielen. Ganz im Gegensatz zum Diskurs über „offene Innovation“ hat sich im Pharma-Biotech-Komplex auf der Basis institutioneller Veränderungen ein finanzgetriebenes Innovationsmodell durchgesetzt, das auch mit in einer spezifischen und sehr ungleichen Innovationsgeographie verbunden ist.
Brand, Ulrich: Professor für Internationale Politik an der Universität Wien
 
Bister, Milena: Mag.a rer. nat., Chemikerin und Wissenschaftsforscherin, Doktorandin am Institut für Wissenschaftsforschung und Mitarbeiterin am Graduiertenzentrum der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität Wien. 2005 bis 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin am Institut für Wissenschaftsforschung, Universität Wien.

Fink, Dagmar: 'freie' Literatur- und Kulturwissenschafterin, Doktorandin am Zentrum Gender Studies der Universität Basel, Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in Österreich und Deutschland, Übersetzerin, Mitglied im Beirat des Verbands feministischer Wissenschafterinnen in Österreich

Lettow, Susanne: Dr.in, Institut für Philosophie der Universität Paderborn; FWF Research Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen/Wien. Arbeitsgebiete: Biopolitik und Geschlechterverhältnisse; Philosophie und Geschichte der Lebenswissenschaften, feministische Theorie. Veröffentlichungen: Biophilosophien. Wissenschaft, Technologie und Geschlecht im philosophischen Diskurs der Gegenwart (voraussichtlich Frühjahr 2010); zus. m. Ulrike Manz und Katja Sarkowsky (Hg.): Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Politiken, Erfahrungen, Subjekte. Königstein/Ts. 2005; Die Macht der Sorge. Die philosophische Artikulation von Geschlechterverhältnissen in Sein und Zeit, Tübingen 2001
 
Wagner, Ursula: Mag.aphil., M.A.; Kultur- und Sozialanthropologin mit Schwerpunkt Medizinanthropologie; Forschungen zu psychischer und reproduktiver Gesundheitsfürsorge in Österreich, den Niederlanden und Guatemala. 2005 bis 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaftsforschung, derzeit tätig in der Abteilung Frauenförderung und Gleichstellung und als Lektorin, alles Universität Wien.  

Zeller, Christian: Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Salzburg
 




Feministische Theorie und Gender Studies

Konzept und Organisation: Susanne Hochreiter, Silvia Stoller
 

Die Vortragsreihe widmet sich aktuellen Themen aus dem Bereich der feministischen Theorie, der Gender Studies und Queer Theory. Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Disziplinen präsentieren rezente Forschungsarbeiten und stellen sie zur Diskussion. In diesem Semester eröffnet die Soziologin Veronika Wöhrer das Programm mit einem Vortrag über feministische Wissensproduktion. Mit der Erwerbstätigkeit lesbischer Frauen setzt sich die Wissenschaftsforscherin Roswitha Hofmann auseinander. Die Literaturwissenschaftlerin Veronika Zangl fragt in ihrem Vortrag nach Gender-Aspekten in der Holocaust-Forschung am Beispiel von ZeugInnenberichten. Der so genannten „Schleier-Debatte“ widmet sich die Kunsthistorikerin Birgit Haehnel in ihrem Vortrag mit Blick auf die Tradition des Verschleierns bei Männern
 
Mittwoch, 14. April, 18.30 Uhr
Veronika Wöhrer (Wien):
Post-sozialistische Perspektiven in den Gender Studies
Oder: Wie „stark“ ist die Objektivität feministischer Wissensproduktion?
Vor dem Hintergrund feministischer Konzeptionen von wissenschaftlicher Objektivität (Helen Longinos „Kontextueller Empirismus“, Sandra Hardings „strong objectivity“) wird untersucht, ob und inwiefern feministische Wissenschaft auf internationaler Ebene Positionen aus post-sozialistischen Kontexten berücksichtigt. Dies wirft die Frage auf, ob und wie feministische Forschung den in ihrem eigenen Feld entstandenen Ansprüchen an internationale wissenschaftliche Kommunikation und Rezeption nachkommt.
 
Mittwoch, 21. April, 18.30 Uhr
Roswitha Hofmann (Wien):
„Lesben am Werk“
Theoretische und politische Erkundungen zur Erwerbstätigkeit lesbischer Frauen
Fragen der Sichtbarkeit bzw. Sichtbarmachung lesbischer Frauen sowie damit verbundene Identitätskonzepte werden bereits seit längerer Zeit auf lebenspraktischer wie auf politischer und theoretischer Ebene kontrovers diskutiert. Der Vortrag widmet sich den damit in Zusammenhang stehenden Spannungsfeldern und baut dabei auf den Ergebnissen der 2009 an der WU Wien durchgeführten Studie „Lesben am Werk – Explorationsstudie zur Erwerbstätigkeit lesbischer Frauen in Österreich“ auf. Mit dieser Studie gibt es erstmals für Österreich eine repräsentative Untersuchung zur Situation lesbischer Frauen im Erwerbsleben.
 
 
Mittwoch, 16. Juni, 18.30 Uhr
Veronika Zangl (Wien):
Zur (De)Konstruktion von Gender in ZeugInnenberichten von Überlebenden des Holocaust
Fragen der Konstruktion von Geschlecht bzw. Gender sind im Bereich der Holocaust Studies nach wie vor umstritten. Rezente Publikationen weisen nach, dass die nationalsozialistische Vernichtungspolitik sehr wohl eine gegenderte Agenda verfolgte. In diesem Beitrag wird diskutiert, in welcher Weise spezifische Geschlechterbilder die Erfahrung der Überlebenden des Holocaust prägten und inwiefern die Geschlechterordnung der Post-Holocaust-Gesellschaft die Vermittlung der Erfahrung des Holocaust beeinflusste bzw. nach wie vor beeinflusst. Grundlage des Beitrages sind ZeugInnenberichte u. a. von Ruth Klüger, Charlotte Delbo und Jorge Semprun.
 
 
Mittwoch, 23. Juni, 18.30 Uhr
Birgit Haehnel (Wien):
Verhüllte Männlichkeit
Eine ungewohnte Debatte um den Schleier
Der Schleier wird ausschließlich mit der Frau im Islam diskutiert. Dass es aber in den muslimischen Ländern die Tradition des Verschleierns auch bei Männern gibt, scheint bisher kaum in die Forschungen eingeflossen zu sein. Die Analyse männlicher Formen der Verschleierung soll helfen, die einseitig feminisierten Diskussionen zu relativieren. Es gilt aufzuzeigen, dass nicht das Tragen eines Kopftuchs bzw. der Burka an sich problematisch ist, sondern die diesem Stück Stoff zugeschriebenen Bedeutungen.

Haehnel, Birgit: Dr.in, freischaffende Kunsthistorikerin. Forschungsschwerpunkte: Postcolonial- und Gender Studies im Bereich der Visuellen Kultur; Migration und Erinnerung. Mitglied im CePoG (Centrum für Postcolonial und Gender Studies) Universität Trier.

Hochreiter, Susanne: Mag.a Dr.in, Universitätsassistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien.

Hofmann, Roswitha: Dr.in, Soziologin, dzt. Assistentin an der Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement der WU Wien. Forschungsschwerpunkte: Gender- und Diversitätsforschung, feministische Theorien und Methoden, feministische Technik- und Wissen­schaftsforschung.

Stoller, Silvia: DDr.in, Universitätsdozentin am Institut für Philosophie der Universität Wien, derzeit Visiting Assistant Professor am De­partment

Wöhrer, Veronika: Dr.in, Soziologin, Projektleiterin beim Verein Science Communications Research und Lektorin für Gender Studies an der Universität Wien. Forschungsinteressen: Gender Studies, Wissenschaftsforschung und post-koloniale Theorie.

Zangl, Veronika: Dr.in, Literaturwissenschaftlerin, externe Lektorin am Institut für Theaterwissenschaft und am Institut für Germanistik, Universität Wien, sowie an der New Design University, St. Pölten. Forschungsschwerpunkte: Holocaust Studies, Poetik und Wirkungsästhetik, Gender Studies.

Die Erringung der Vereins- und Versammlungsfreiheit war nicht nur für die Entstehung der politischen ArbeiterInnenvereine und Gewerkschaften von großer Bedeutung. In weiterer Folge entstanden im Umfeld der Parteien der ArbeiterInnenbewegung und ihrer Gewerkschaften zahlreiche Vereine mit kulturellen, bildungsmäßigen, sozialen und ähnlichen Aufgaben und Zielsetzungen, in denen sich das soziale Leben der Angehörigen der arbeitenden Klassen entfalten und ausdifferenzieren konnte.
 
Wann und wie sind diese Vereine entstanden? Wie sind sie ihren Zielsetzungen gerecht geworden? Welche Bedeutung hatten sie für ihr politisches Umfeld, aber auch für den gesellschaftlichen Bereich, in dem sie tätig wurden? Gab es Ansätze oder Gelegenheiten zur Zusammenarbeit über die politischen Milieus hinaus?
 
Darüber diskutieren Theoretiker/innen und Praktiker/innen der ArbeiterInnenbewegung mit PraktikerInnen und Theoretiker/inne/n der ArbeiterInnenbewegung.
 
 
Dienstag, 2. März, 18.30 Uhr
Geschichtsvereine
Hans Hautmann, Sabine Lichtenberger, Wolfgang Maderthaner, Klaus-Dieter Mulley

Dienstag, 6. April, 18.30 Uhr
Kulturvereine
Hartmut Krones, Helmut Rizy
 
Dienstag, 4. Mai, 18.30 Uhr
Sozialvereine
Josef Weidenholzer, Willi Weinert
 
Dienstag, 1. Juni, 18.30 Uhr
Sportvereine
Michael Maurer, Manfred Mugrauer


Die Vorträge dieses Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 regelmäßig in der „mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt“ veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für Wissenschaft und Kunst auf.


ReferentInnen und Koordinatoren:

Paul Habr: Magistratsbeamter, Personalvertreter, Redaktion der Zeitschrift „mitbestimmung“.

Hans Hautmann: Universitätsprofessor, Geschichtswissenschafter, ehemaliger Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Johannes Kepler-Universität, ehemaliger Vorsitzender der Alfred Klahr-Gesellschaft.

Hartmut Krones: 
Universitätsprofessor, Musikwissenschafter, Leiter des Instituts für musikalische Stilforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Musikalischer Beirat des Österreichischen Arbeitersängerbundes

Peter Ulrich Lehner: ehemaliger Grundlagenforscher in einem gemein-wirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, geschäftsführender Redakteur der „mitbestimmung“.

Sabine Lichtenberger: Mag.a.,Geschichtswissenschafterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Gewerkschaften und Arbeiterkammern, Arbeiterkammer-Archiv.

Wolfgang Maderthaner:
Universitätsprofessor, Geschichtswissenschafter, Generalsekretär des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien.

Michael Maurer: studierte Sportwissenschaft und Betriebswirtschaft, staatlich geprüfter Trainer, ehemaliger Sportjournalist, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft für Sport- und Körperkultur in Österreich (ASKÖ).

Manfred Mugrauer:
Mag., Politikwissenschafter, wissenschaftlicher Sekretär der Alfred Klahr-Gesellschaft, Wien    

Klaus-Dieter Mulley: Geschichtswissenschafter, Leiter des Institus für Geschichte der Gewerkschaften und Arbeiterkammern, Arbeiterkammer-Archiv.

Helmut Rizy: Journalist und Schriftsteller, ehemaliger Redakteur der Volksstimme und Betrierbsrat sowie Vorstandsmitglied der Journalistengewerkschaft, Wien

Josef Weidenholzer: 
Universitätsprofessor, Sozial- und Wirtschaftswissenschafter, Leiter des Instituts für Gesellschaftspolitik an der Johannes Kepler-Universität und Mitarbeiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung, Präsident der Volkshilfe Österreich, Abgeordneter zum Europäischen Parlament, Linz.

Willi Weinert: ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Leiter der Abteilung Dokumentation der Kommunistischen Partei Österreichs sowie wissenschaftlicher Leiter der Alfred Klahr-Gesellschaft, Wien


Forschung, Technologie und Gesellschaft
Schwerpunkt: Medizin – Naturwissenschaft  – Technik

Eine Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik
Konzept und Organisation: Norbert Rozsenich
 
Die Medizin als Lehre von der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen bei Menschen und Tieren verdankt einen wesentlichen Teil ihres gegenwärtigen Standards dem Fortschritt der Naturwissenschaften und der Technik. Sie bedient sich dabei vor allem der Grundlagen der Physik, der Chemie und der Biologie und nutzt in Form von effizienten neuen Diagnose- und Therapieverfahren auch neueste Technologien, insbesondere aus der Elektronik und der Informatik. Gleichzeitig sind aus der  Kulturgeschichte der Medizin eine große Zahl von unterschiedlichen medizinischen Traditionen bekannt, beginnend mit den Ärzteschulen des europäischen und asiatischen Altertums über die Blütezeit der arabischen Medizin und Pharmazie bis hin zur modernen Vielfalt von Mainstream- und Alternativmethoden.
Im Sommersemester 2010 werden in vier Vorträgen die Wechselwirkungen zwischen Medizin, Naturwissenschaft und Technik unter Berücksichtigung der vielfältigen positiven und negativen Begleiterscheinungen behandelt. Die Seminarreihe beginnt mit je einem Überblicksvortrag zum Stand und zu den von der etablierten Schulmedizin nur zögerlich genutzten Möglichkeiten der Naturheilkunde und Ganzheitsmedizin bzw. der Biomedizinischen Technik. Der dritte Vortrag schildert ein Fallbeispiel einer alternativen Krebstherapie, die optimal rezente technisch-naturwissenschaftliche Erkenntnisse nutzt. Der letzte Vortrag fasst beherzt ein heißes Eises an und gibt Antworten auf die Frage, ob Tierversuche heute nicht nur aus ethischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht noch vertretbar sind.
 
Dienstag, 23. März , 18.30 Uhr
Thomas Kroiss (Wien):
Wie wissenschaftlich ist die Medizin?
Eine Betrachtung der heutigen Medizin im Vergleich zu Naturwissenschaften und naturwissenschaftlichem Denken. Worauf beruht Gesundheit und Gesundwerden? Es werden einige Prinzipien einer echten Heilkunde herausgearbeitet und dargestellt. Es wird sodann herausgearbeitet, wie effektiv heute eine gute Medizin sein könnte, wenn sie „naturwissenschaftlich“ durchdacht und angewandt würde. Dies wird durchaus kritisch mit der heutigen Lage in Vergleich gesetzt.
 
Mittwoch, 28. April,  18.30 Uhr
Hermann Gilly (Wien):
Biomedizinische Technik: Schlüssel zum Erfolg oder im Schatten der Medizin?
Nach einer kurzen Übersicht zur Entwicklung der Biomedizinischen Technik (BMT) bis zum eigenständigen Fachgebiet soll anhand von drei Beispielen aus dem eigenen Bereich die breite, überaus anwendungsorientierte Forschungsthematik der BMT beleuchtet werden. Ein (punktueller) Vergleich der österreichischen akademischen und industriellen BMT-Forschungslandschaft mit jener in Ländern, die der biomedizinischen Technik aufgeschlossen(er) gegenüber stehen, lässt die künftige Entwicklung abschätzen. Aktuelle globale Trends werden hinsichtlich ihrer versprochenen Umsetzung in der Humanmedizin diskutiert.
 
Dienstag, 11. Mai, 18.30 Uhr
Adrian Tanew (Wien):
Photodynamische Therapie:
Der lange Weg vom experimentellen Verfahren zum therapeutischen Standard
In den 1970er Jahren erhoffte man sich, mit der photodynamischen Therapie (PDT) das Idealprinzip einer selektiven, hochwirksamen und dabei weitgehend nebenwirkungsfreien Tumortherapie gefunden zu haben. Diese Therapieform basiert auf der Interaktion eines Photosensibilisators mit aktivierendem Licht, wodurch photochemische Prozesse in Gang gesetzt werden, die in Tumordestruktion, aber auch Immunmodulation resultieren. In dem Vortrag wird ein Überblick über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der PDT in der Dermatologie gegeben.
 
Dienstag, 22. Juni,  18.30 Uhr
Wegen des zu erwartenden großen Interesses an dem Vortrag von Frau Gericke wird der Vortrag nicht
im IWK, sondern an der Universität für Bodenkultur, 1190 Wien, Muthgasse 18, Hörsaal XXI stattfinden.
(von der U4-Endstation Heiligenstadt zu Fuß in wenigen Minuten gut erreichbar)
Corina Gericke (München):
Tierversuche – wissenschaftliche Notwendigkeit oder grausames Relikt?
Sind Tierversuche ethisch zu rechtfertigen? Warum werden Tierversuche gemacht? Sind Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragbar? Ist medizinischer Fortschritt ohne Tierversuche möglich? Wie geht es ohne Tierversuche? Was kann jeder tun? Die Beantwortung dieser und vieler weiterer Fragen soll einen Einblick in die Thematik geben und zur Diskussion anregen.

ReferentInnen und Koordinator:

Gericke, Corina: Tiermedizinstudium in Hannover und Gießen, Dissertation über das deutsche Tierschutzgesetz; Mitgründerin und jahrelang im Vorstand von SATIS (Studentische Arbeitsgruppe gegen Tiermissbrauch im Studium), seit 2001 Fachreferentin bei der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche.

Gilly, Hermann: Dr. phil. (Experimentalphysik; Universität Graz); seit 1975 Experimentelle Abteilung der Klinik für Anästhesie (Universität Wien), wissenschaftlicher Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Experimentelle Anästhesie (bis 2008). Mitautor „Forschungs- und Technologiekonzept 1992 – Biomedizinische Technik" und "Innovations- und Entwicklungspotential Biomedizinische Technik: BMT Austria 2000“.

Kroiss, Thomas: Arzt für Allgemeinmedizin, spezialisiert auf Ganzheitsmedizin, seit 1979 in eigener Praxis. Seit 1995 spezialisiert auch auf ganzheitliche Krebstherapie. Ehrenmedaille der EU für Verdienste um die Ganzheitsmedizin und holistische Krebstherapie.

Rozsenich, Norbert: Dr., langjähriger Forschungs- und Technologiesek­tionschef im Wissenschafts- bzw. Infrastrukturministerium, Mitglied des Aufsichtsrates der Austrian Research Centers GmbH, stv. Vor­sitzender des Universitätsrates der Uni für Bodenkultur Wien.
 
Tanew, Adrian: Habilitation über Phototherapeutische Verfahren in der Dermatologie. Oberarzt und Leiter der Psoriasis-Ambulanz sowie der Phototherapeutischen und Photodiagnostischen Ambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien.
Die Psychiatrie als Institution zu betrachten heißt, nicht nur konkrete Institutionen der Psychiatrie zum Thema zu machen, sondern auch die Psychiatrie in einem gesellschaftlichen-geschichtlichen Feld zu situieren. Die Psychiatrie war und ist nicht nur eine Institution der Therapie und des Helfens und Heilens, sondern sie hat auch eine soziale Funktion. Denn sie ist Ausdruck wirksamer (Vernunft-)Normen und Normalitätsbilder und ein Paradigma des Umgangs mit dem Unvernünftigen und Anormalen.
Die Psychoanalyse hat die heutige Gestalt der Psychiatrie seit dem 19. Jahrhundert wesentlich geprägt. Nicht nur in den gängigen Klassifikationen seelischen Leidens, sondern auch in den Techniken des Umgangs mit sogenannten psychischen Störungen lassen sich psychoanalytische Konzepte finden. Im Unterschied zur Psychiatrie hat die Freud’sche Psychoanalyse aber einen gesellschaftskritischen Zug, was Hoffnungen auf ein Bündnis zwischen Antipsychiatrie und Psychoanalyse befördert hat.
In den folgenden beiden Semestern wird der Schwerpunkt als Arbeitsgruppe weitergeführt. Gelesen und diskutiert werden: Michel Foucault: „Die Macht der Psychiatrie. Vorlesung am Collège de France 1973–1974“ (Frankfurt am Main 2005; franz. 2003), sowie Maud Mannoni: „Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse“ (Frankfurt am Main 1983; franz. 1970).
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Textlektüre. Die Texte können zur Verfügung gestellt werden. Information: ulrike.kadi@univie.ac.at, gerhard.unterthurner@univie.ac.at
 
Mittwoch, 24. März
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 141–180 (5. Vorlesung)
Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 95–110
 
Mittwoch, 21. April
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 181–208 (6. Vorlesung)
Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 111–133
 
Mittwoch, 5. Mai
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 209–249 (7. Vorlesung)
Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 134–143
 
Mittwoch, 16. Juni
Michel Foucault, Die Macht der Psychiatrie, S. 250–290 (8. Vorlesung)
Maud Mannoni, Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse, S. 143–166
 
Jeweils Mittwoch, 19.30–21.00 Uhr
IWK-Bibliothek

Jour fixe Bildungstheorie 
Citizenship Education, Partizipation und Lebenslanges Lernen
Veranstaltungsort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Eine Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Verband Österreichischer Volkshochschulen
Konzept und Organisation: Agnieszka Dzierzbicka, Wolfgang Kellner, Stefan Vater
 
Citizenship Education und politische Kompetenz sind neue Leitformeln für politisches Lernen – und neue Krisenantworten gegenüber Prozessen zunehmender sozialer Ausgrenzung, gegenüber dem grassierenden Populismus, gegenüber der sogenannten Politikverdrossenheit usw. Der Jour fixe Bildungstheorie fragt: Auf welche Formen der Partizipation von Bürgerinnen und Bürger zielen die mit den neuen Leitbegriffen verknüpften Initiativen und Konzepte ab? Welchen Grad an Partizipation streben sie an? Was bedeuten diese Neuorientierungen für tradierte Formen der politischen Bildung? Welchen Stellenwert haben Kultur und Kunst als Lernorte für mehr Demokratie in diesen Konzepten?
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Donnerstag, 6. Mai, 19.00 Uhr, Depot
Kerstin Polzin, Stefan Krüskemper (Berlin):
Bürgercampus common berlin
Kunst und Gesellschaft im öffentlichen Raum
Respondenz: Elisabeth Mayerhofer (Wien)
Der Kunstwettbewerb „common berlin“ zielt auf modellhafte Projekte, die sich mit Veränderungen im öffentlichen Raum, mit gesellschaftlichen Fragen und alternativen Lebensweisen im urbanen Raum Berlins auseinandersetzen: Die Stadt soll zu einem Bürgercampus im Sinne einer Gesellschaftsuniversität werden, in dem Kommunikationsprozesse initiiert und aktiviert werden, Kooperationen angestoßen und verwirklicht werden. BürgerInnen und KünstlerInnen, die kaum Kontakt miteinander hatten, arbeiten ergebnisorientiert zusammen und setzen Bewusstseinsprozesse sowie Veränderungen in Gang.
 
ExpertInnengespräch mit den ReferentInnen: Freitag, 7. Mai, 9.00–12.00 Uhr: Ring Österreichischer Bildungswerke, 1010 Wien, Heinrichsgasse 4/8 (mit Anmeldung: w.kellner@volksbildungswerke.org)

  
Donnerstag, 27. Mai, 19.00 Uhr Depot
Bettina Dausien (Wien):
„Lebenslanges Lernen“ und „biographische Kompetenz“ als Voraussetzung für politische Partizipation?
Oder: Was hat Biographie mit politischer Bildung zu tun?

Respondenz: Michael Nußbaumer (Wien)
„Lebenslanges Lernen“, ein Schlüsselkonzept europäischer Politik, wird mit einem doppelten Ziel verbunden: „Fithalten“ für den sich wandelnden Arbeitsmarkt (‚employability‘) und Entwicklung aktiver Staatsbürgerschaft (‚active citizenship‘). Bildungspolitik und pädagogische Praxis „konstruieren“ daraus ein sich permanent selbst reflektierendes Subjekt, das die Fähigkeit zu „selbstorganisiertem Lernen“ und „biographischer Kompetenz“ besitzen bzw. in geeigneten pädagogischen Settings erwerben soll. Der Vortrag setzt sich kritisch mit diesen Konzepten auseinander, fragt aber auch nach positiven Bestimmungsmöglichkeiten eines biographischen Ansatzes zu Fragen von Partizipation und politischem Lernen.
 
 
Donnerstag, 10. Juni, 19.00 Uhr, Depot
Christine Zeuner (Hamburg):
Perspektiven von Citizenship Education: Zwischen nationalem Staatsbürgertum und kosmopolitischem Weltbürgertum?
Respondenz: Johanna Lütterfelds (Wien)
Wenn heute zwischen Politischer Bildung und Citizenship Education unterschieden wird, so steht erstere meist für die Entwicklung eines nationalen Staatsbürgertums und letztere meist für die eines kosmopolitischen Weltbürgertums. Eine wichtigere, beide Ansätze verbindende Unterscheidung ergibt sich für die Referentin daraus, ob sie eher in Richtung Kritik oder Anpassung definiert werden. In den Mittelpunkt rückt dann die Frage, welche Reichweite Politische Bildung/Citizenship Education in einer globalisierten Welt haben müssten – und für wen sie eigentlich da sein sollen.
 
ExpertInnengespräch mit der Referentin: Freitag, 11. Juni, 9.00–12.00 Uhr: Ring Österreichischer Bildungswerke, 1010 Wien, Heinrichsgasse 4/8 (mit Anmeldung: w.kellner@volksbildungswerke.org)


Workshop Bildungstheorie: Als Feedback-Veranstaltung zu den vier Vortragsabenden wird der dreistündige Workshop Bildungstheorie angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich – Information/ Anmeldung: Ring Österreichischer Bildungswerke (Tel.: 01 533 88 83, www.ring.bildungswerke.at). Die Teilnahme an den Jour-fixe-Veranstaltungen und am Workshop ist als Seminar Bildungstheorie von der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditiert. Termine in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.  

 

Dausien, Bettina: Professorin für Pädagogik der Lebensalter, Universität Wien

Dzierzbicka, Agnieszka: Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Institut für künstlerisches Lehramt, Wien.

Kellner, Wolfgang: Mag., Leiter des Bildungs- und Projekt­managements im Ring Österreichischer Bildungswerke.

Krüskemper, Stefan: Studium der Architektur an der Universität Dortmund, Diplom I Studium Kunst und öffentlicher Raum an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Mitglied in der Berliner Kommission für Kunst im öffentlichen Raum (Kulturwerk), Arbeitsfelder sind Kunst im Stadtraum sowie integrative Kunststrategien. Projekte unter www.krueskemper.de

Lütterfelds, Johanna: Mag.a, Pädagogische Assistenz, VHS Donaustadt.

Mayerhofer, Elisabeth: Mag.a, ist Gründungs- und seit 2000 Vorstands­mitglied der Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und kulturpolitische Studien, FOKUS.

Nußbaumer Michael: Mag., Soziologe und Erwachsenenbildner, Institut für ganzheitliche Politik.

Polzin, Kerstin: Studium der Architektur in Weimar und Dresden, Studium Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Gastdozentin im FB Kunst Universität Dortmund, Dipl. postgrad. Kunst und öffentlicher Raum AdBK Nürnberg. Projekte unter: www.zwischenbericht.eu

Vater, Stefan: Dr., Bildungssoziologe, Philosoph; wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verbandes österreichischer Volkshochschulen

Zeuner, Christine: Professorin für  Erwachsenenbildung, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg,  Arbeitsgebiete: Evaluationsforschung, Berufliche Weiterbildung, Biographieforschung, Geschichte der Erwachsenenbildung, Institutionen der Erwachsenenbildung, International-vergleichende Erwachsenenbildung.

            Ring Österreichischer Bilfungswerke            Verband Österreichischer Volkshochschulen             oieb            


Jour fixe
Simulation komplexer Systeme - Forschen in der Von-Neumann-Galaxis

Koordination: Manfred Füllsack

Die Möglichkeit, das Verhalten komplexer Systeme am Computer zu simulieren, eröffnet zur Zeit einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen neue Forschungszugänge. Viele bisher für „dirigiert“ gehaltene Phänomene – von Tierschwärmen über Verkehrsstaus und Spezifika der Stadtentwicklung bis hin zu Märkten und sozialen Normen – entpuppen sich mit ihr als selbst-organisiert und lassen sich in ihren Parametern verändern und in ihrem Entstehen beobachten. Die bottom-up-Methode der Simulation macht Wirkungen sichtbar, die top down, also von ihrem Ergebnis her, oft auf andere Ursachen zurückgeführt würden. Sie scheint damit in der Lage, „altbekannte“ wissenschaftliche Fragen in ein  neues Licht zu rücken.
Die Veranstaltungsreihe will – Disziplinen-übergreifend – Personen, die an dieser Methode Interesse haben, eine gemeinsame Plattform bieten und den Austausch von Informationen und Neuigkeiten zu dieser Methode und entsprechenden Forschungsprojekten fördern.
 
 
Donnerstag, 11. März, 19.00 Uhr
Michael Bachhofer, Martin Wildenberg (Wien):
Fuzzy Cognitive Mapping (FCM) 
Eine Fuzzy Cognitive Map ist ein semi-qualitatives Systemmodell, welches auf der Graphentheorie sowie auf Fuzzy Logic basiert und kausale Zusammenhänge in Form eines Netzwerks zeigt. Die Methode wurde 1986 von Bart Kosko entwickelt, um kognitive Modelle oder Karten mathematisch berechnen zu können und Simulationen laufen zu lassen, welche als Resultate Trends zeigen.
Besonders geeignet scheint FCM für die Modellierung biologischer bzw. natürlicher Systeme, die sich eher mit Fuzzy Logic als mit bivalenter Logik beschreiben lassen, weil die meisten natürlichen Phänomene graduell sind.  
Die Vortragenden sind Mitbegründer des Projekts „FCMapper“, zu dem sich Informationen unter www.FCMappers.net finden.
 
Dienstag, 13. April, 19.00 Uhr

Sebastian Vehlken (Wien):
Synchronschwimmen. Über das Medien-Werden von Schwärmen.
Schwärme oszillieren zwischen Verteilung und Verdichtung, zwischen Vielheit und Einheit. Aus der Ferne scheinen sie als Gesamtheit erfassbar, ohne dass dadurch auf das Verhalten einzelner Schwarm-Individuen rückgeschlossen werden könnte. Und je näher man ihnen kommt, je analytischer der Blick auf sie wird, desto mehr stört ihr Bewegungsrauschen den Zugang zu einem Wissen über ihre Operationsweisen. In der Mediengeschichte biologischer Schwarmforschungen scheitern seit 1900 verschiedenste wissenschaftlich-apparative Zugänge am Nicht-Objekt Schwarm. Erst indem Schwärme als dynamische Systeme seit den 1990ern zu einem Einsatzgebiet für Computersimulationen und deren visuelle Synthetisierungen werden, wird der Zusammenhang ihrer lokalen und globalen Dynamiken klarer. In Computeranimationen kreuzt sich dabei eine Informatisierung der Biologie mit einer gleichzeitigen Biologisierung der Informatik: Während künstliche Multiagentensysteme neue Zugänge zu biologischen Schwärmen eröffnen, orientieren sich Programmierparadigmen zunehmend am Relationen-Wissen der Biologie. Diese gleichzeitige Operationalisierung von und das Operieren mit Schwärmen verdichtet ihr Rauschen zu Wissens-Figuren.
  
Donnerstag, 6. Mai, 19.00 Uhr
Volker Hafner (Wien):
Sinnverlust durch Komplexitätsreduktion
Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf das Technokratie-Tabu in Politik und Recht  
Die Themenkomplexe „Recht der Gesellschaft” und „Politik der Gesellschaft” scheinen der Möglichkeit der Simulation komplexer Systeme Grenzen zu setzen. Insbesondere ethisch begründete Vorbehalte gegen den Einsatz von Technik zur Steuerung, aber auch gegen die analytische Erklärung dieser sozialen Systeme lassen sich ausmachen. Besteht hier ein „tatsächlich unüberwindbares Komplexitätsgefälle“, insbesondere in Hinblick auf soziale Systeme, für die ergebnisoffene Verfahren konstitutiv sind? Und wie steht es mit überzogenen Selbstbeschränkungen seitens der Politik und des Rechts, die diese Systeme – etwa gegenüber Organisationen der Wirtschaft – strukturell zu schwächen scheinen? 

Donnerstag, 27. Mai, 19.00 Uhr
Roman Seidl (Wien):
Gentrification und ihre Modellierung  
Der Einsatz von Mikro-Simulationsmodellen zur Untersuchung sozial-räumlicher Prozesse ist relativ neu. Was können solche Modelle in diesem Bereich leisten? Dieser Frage soll anhand der Untersuchung von Gentrification-Modellen nachgegangen werden.

Donnerstag, 24. Juni, 19.00 Uhr
Peter Fleissner, Manfred Füllsack (Wien):
Widerspiegelung versus Arbitrarität
Eine - mit Simulationen unterlegte - Debatte
 
Mapping, das Abbilden und produktive Nutzen von Regelmäßigkeiten in natürlichen, sozialen und technischen Prozessen, scheint eine Voraussetzung für die Darstellung von emergenten Prozessen zu sein. Es stellt sich die Frage, ob und unter welchen Bedingungen dieses Mapping eher den Charakter einer Abbildung besitzt, die auf einer „Ähnlichkeit“ mit dem Abzubildendem beruht, oder eher einer „arbiträren“, also willkürlichen Darstellung, die keinen Zusammenhang von Abzubildendem und Abbild vermuten lässt.
Dieser im Grunde philosophischen, aber für viele angewandte Probleme der Komplexitätsbearbeitung nicht unbedeutenden Frage soll diskursiv und mithilfe von Computersimulationen nachgegangen werden.  

Weitere Informationen: http://sim.econ.tuwien.ac.at/

Kontaktadresse Manfred Füllsack: manfred.fuellsack@univie.ac.at

Referenten und Koordinator:

Bachhofer, Michael:  studierte Elektrotechnik, Völkerkunde und Architektur und schloss 2008 sein Studium der Ökologie mit Schwerpunk Ethnomedizin ab. Derzeit ist er auf der Suche nach einer PhD-Stelle, die ihm die Möglichkeit bietet, sich weiter mit Methoden wie SNA und FCM in einem interdisziplinären Umfeld zu befassen. Er arbeitet als freiberuflicher EDV und IT Dienstleister. 

Fleissner, Peter:  geboren 1944, seit 2006 im (Un)Ruhestand von der TU Wien, wo er von 1990 bis 2006 als Ordinarius für Sozialkybernetik tätig war. Arbeitsgebiete: Informationsgesellschaft, Arbeitswerttheorie, mathematische Simulationsmodelle. Weitere Informationen unter: http://members.chello.at/gre/fleissner/default.htm

Füllsack, Manfred : Dozent am Institut für Philosophie der Universität Wien und beschäftigt sich u.a. mit der Theorie komplexer Systeme, mit Multi-Agentensimulationen, Netzwerktheorien und dem Phänomenbereich Arbeit. Informationen unter: http://homepage.univie.ac.at/manfred.fuellsack

Hafner, Volker: Politikwissenschafter und derzeit Dissertant am Institut für Philosophie in Wien. Thema der Dissertation ist die Funktion der Erwartungssicherheit in der Weltgesellschaft. Forschungsschwerpunkte: Theorie funktionaler Differenzierung, Theorie der Weltgesellschaft, Organisationstheorie und Medientheorie. 

Seidl, Roman: hat als Softwareentwickler in unterschiedlichen Projekten gearbeitet und geforscht und danach Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien studiert. Sein Interesse gilt Transformationsprozessen in Städten und Regionen und räumlichen Simulationsverfahren und deren Anwendung.

Vehlken, Sebastian: seit 2007 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Epistemologie und Philosophie Digitaler Medien des Instituts für Philosophie der Universität Wien. Er studierte Film- und Fernsehwissenschaften, Publizistik und Wirtschaftswissenschaft in Bochum und  Media Studies in Perth. 2002 wurde er mit dem 3. Preis des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung ausgezeichnet. 2005 bis 2007 war er DFG-Stipendiat im GK Mediale Historiographien in Weimar. Er arbeitet er an einem Dissertationsprojekt mit dem Titel Schwärme. Medialitäten und Politiken der Unschärfe. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Theorie und Geschichte Digitaler Medien, Medien in der Biologie, und die Epistemologie der Computersimulation. 

Wildenberg, Martin: studierte Ökologie an der Universität Wien und befasste sich in seiner Dissertation am Institut für Soziale Ökologie (IFF) mit der Veränderung von Sozial-Ökologischen Systemen. Seit Beginn 2010 arbeitet er für Global 2000 an der Entwicklung eines Nachhaltigkeitslabels. Darüber hinaus liegt sein Arbeitsschwerpunkte im Bereich des Schutzes von Biodiversität und im Management natürlicher Ressourcen mit dem Fokus auf partizipative Methoden und Wissenstransfer.



Ziel des Lesekreises ist die Erarbeitung von philosophischer Terminologie im Türkischen an Hand der Lektüre von Darstellungen okzidentaler und nicht-okzidentaler Philosophie, Texten der neuzeitlichen okzidentalen und der interkulturellen Philosophie sowie aktuellen philosophischen Diskursen in der Türkei. Das Leseprogramm des Semesters wird beim ersten Termin vereinbart. Alle Texte werden in türkischer Sprache gelesen und auf Deutsch interpretiert. Daraus wird ein wachsendes türkisch-deutsches Verzeichnis philosophischer Begriffe entwickelt. Die Teilnahme am Lesekreis ist frei, sie setzt Kenntnisse der türkischen und der deutschen Sprache sowie Grundkenntnisse in Philosophie voraus. Um Anmeldung per Email ersucht: franz.martin.wimmer@univie.ac.at.

Nähere Informationen zum Lesekreis finden Sie unter: http://www.lesekreis.wikispaces.com  

Termine: 3. und 17. März, 14. und 28. April, 5. und 19. Mai, 9. und 23. Juni. (Mai-Termine wurden geändert!)


Lesekreis:
Gender- und Postcolonial Studies


Koordination: Birgit Haehnel (Wien)

In diesem Lesekreis werden seit Frühling 2009 wichtige Texte aus dem Bereich Gender und Postcolonial Studies gelesen werden. Bisher wurden gelesen:

Es werden Vorschläge für weitere Texte, aber auch Ideen zu Projekten und Netzwerken gesammelt. Die nächsten Benachrichtigungen werden über einen extra Emailverteiler erfolgen. Nähere Informationen bei: birgithaehnel@web.de

Birgit Haehnel: Dr.in, freischaffende Kunsthistorikerin. Forschungsschwerpunkte: Postcolonial- und Gender Studies im Bereich der Visuellen Kultur; Migration und Erinnerung. Mitglied im CePoG (Centrum für Postcolonial und Gender Studies) Universität Trier.

Montag., 21. Juni 2010, 19.00 Uhr
Lesekreis
Gender- und Postcolonial Studies
Frauensolidarität im C3,  Sensengasse 3, 1090 Wien
Diesmal lesen wir folgenden Text:
Ella Shohat: Post-Third Worldist Culture. Gender, Nation and the Cinema. In: Dies.: Taboo Memories Diasporic Voices, Durham / London 2006, 290-329.

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, schicken wir Ihnen die Texte gerne zu. Schreiben Sie bitte in diesem Fall ein Mail an iwk.institut@aon.at.