gzu

Vortragsreihen, Seminarreihen, Lesekreise und Einzelvorträge im Sommersemester 2011

Termine werden laufend ergänzt!

Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.




Download des Semesterprogramms als PDF:
Culture of Control
Jour fixe - Bildungstheorie
Lernen: Konzepte, Kontroversen, Kontexte
Eine Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Verband Österreichischer Volkshochschulen
Konzept und Organisation: Agnieszka Czejkowska, Wolfgang Kellner, Stefan Vater
Der Jour fixe Bildungstheorie befasst sich im Sommersemester 2011 mit gleichermaßen neuartigen wie umstrittenen Thematisierungen von Lernen. Befragt werden das Lernverständnis der Neurowissenschaften, das Leitbild eines selbstorganisierten Lernunternehmertums in der Berufs- und Arbeitswelt sowie didaktische Modelle, die sich auf Konzepte der Dekonstruktion und Differenz beziehen.


Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Melanie Plößer (Kiel):
Verschiebungen, Irritationen, Verkennungen.
Dekonstruktive Umgangsweisen mit Differenz in Lehr- und Lernsituationen
Respondenz: Julia Seyss-Inquart (Wien)
Dekonstruktiv orientierte Differenztheorien eröffnen neue reflexive Perspektiven für die Analyse wie auch für die konzeptionelle Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen. Im Rahmen des Vortrags sollen die Besonderheiten dekonstruktiver Perspektiven auf Differenzverhältnisse beleuchtet sowie Ansatzpunkte einer dekonstruktiven Didaktik vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.

Melanie Plößer ist Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kiel. Publikationen: Plößer, Melanie (2005): Dekonstruktion – Feminismus – Pädagogik. Vermittlungsansätze zwischen Theorie und Praxis. Königstein: Helmer-Verlag
Kessl, Fabian; Plößer, Melanie (Hrsg.) (2010): Differenzierung, Normalisierung, Andersheit. Soziale Arbeit als Umgang mit den Anderen. Wiesbaden, VS-Verlag

Julia Seyss-Inquart ist Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft (Universität Wien) und forscht aktuell zur Transformation von Bildungssystemen.


Donnerstag, 9. Juni, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Philipp Gonon (Zürich):
Erwerbstätigkeit lernen: Zum Wandel von Arbeit, Beruf und Bildung
Respondenz: Peter Schlögl (Wien)
Im 20. Jahrhundert werden auch Arbeit und Beruf als Bildungsdomäne wieder „entdeckt“. Neukantianismus, Lebensphilosophie und Pragmatismus greifen eine bereits seit längerem virulente Schul- und Sozialkritik gegenüber klassischen und bildungsbürgerlichen Zuschneidungen von Erziehung und Unterricht auf und erweitern einen Lernbegriff, der eine auf enge Fachlichkeit und Zweckorientierung gerichtete Integration in den Arbeitsprozess vorsieht. Diese auch am Erwerb orientierte Perspektive hat allerdings bereits ihre Vorläufer in der „Industrie“ und „Gewerbsamkeit“. Im Leitbild des auf Beschäftigung und Kompetenz ausgerichteten selbstorganisierten Lernunternehmertums konvergieren sinnbezogene Bildungsansprüche und zweckorientiertes Selbstmanagement.

Philipp Gonon ist Professor für Berufsbildung an der Universität Zürich.
Publikationen (mit Emil Wettstein): Berufsbildung in der Schweiz. Bern: hep-Verlag 2009.
Philipp Gonon: The Quest for Modern Vocational Education – Georg Kerschensteiner between Dewey, Weber and Simmel. Bern: P. Lang 2009. Philipp Gonon: Vom ehrbaren Handwerker zum innovativen Self-Entrepreneur. Modernisierung der Berufsbildung anhand idealtypischer Leitfiguren. Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung

Peter Schlögl ist geschäftsführender Institutsleiter des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung in Wien, ÖIBF (www.oeibf.at)


Freitag, 10. Juni, 9.00–12.00 Uhr, IWK
ExpertInnengespräch mit Philipp Gonon
(Anmeldung erbeten: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at)


Donnerstag, 30. Juni, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Käte Meyer-Drawe (Bochum):
Lernen als Erfahrung? Neurowissenschaftliche und pädagogische Antworten
Respondenz: Gudrun Kern (Wien)
Neurowissenschaftler arbeiten oft mit einem Alltagsverständnis von Lernen und ignorieren pädagogisches Expertenwissen. Umgekehrt überlassen Pädagogen ihnen die gesamte Fachkompetenz, ohne dabei die Aussagen der Hirnforschung im Hinblick auf ihre Reichweite zu prüfen. Daraus resultieren Trivialisierungen auf beiden Seiten, die dem Phänomen des Lernens nicht gerecht werden können. Der Vortrag wird sich dieser problematischen Lage widmen und Auswege diskutieren.

Käte Meyer-Drawe, Dr.in päd., Professorin für Allgemeine Pädagogik im Institut für Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum; Arbeitsschwerpunkte: Bildung und Leiblichkeit; Selbst-, Welt- und Fremddeutungen des Menschen im Lichte technologischer Entwicklungen; philosophische Lerntheorien. Ausgewählte Bücher: Leiblichkeit und Sozialität. Phänomenologische Beiträge zu einer pädagogischen Theorie der Inter-Subjektivität. München 2001; Illusionen von Autonomie. Diesseits von Ohnmacht und Allmacht des Ich. München 2002; Menschen im Spiegel ihrer Maschinen. München 2002, Diskurse des Lernens. München 2008.

Gudrun Kern ist Erziehungswissenschafterin mit den Schwerpunkten Allgemeine Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik. Derzeit ist sie Projektassistentin in der Abteilung Bildung, Biographie und Medien des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien.



Freitag, 1. Juli, 9.00–12.00 Uhr, IWK
ExpertInnengespräch mit Käte Meyer-Drawe
(Anmeldung erbeten: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at)



Workshop Bildungstheorie: Als Feedback-Veranstaltung zu den Vortragsabenden wird der dreistündige Workshop Bildungstheorie angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Information/Anmeldung: Ring Österr. Bildungswerke (Tel.: 01 533 88 83, www.ring.bildungswerke.at).
Die Teilnahme an den Jour-fixe-Veranstaltungen und am Workshop ist als Seminar Bildungstheorie von der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditiert. Termine in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.

Ring Österreichischer Bildungswerke      

 VOEV      


  Ak_Bild

 
oieb





Download des Semesterprogramms als PDF:
  Culture of Control
Culture of Control?
Überwachung, Raum und (Un-)Sicherheiten regieren
Konzept und Organisation: Ulrike Mayer und Odin Kroeger

Die Rolle von Raum als Gegenstand und Instrument sozialer Kontrolle gewinnt im aktuellen Diskurs um Sicherheits- und Kriminalitätspraktiken zunehmend an Bedeutung. Wie Überwachungsmechanismen in Form strategisch räumlicher Kontrolltechniken ihre präventive Wirkung entfalten können, ist darüber hinaus von besonderem Interesse.
Die Vorträge dieses Semesters werden die wechselseitige Verflechtung und Nutzung von Raum und Geschlecht als sozial konstruierte Kategorien und strategische Mittel zur Herstellung von Ordnung und Stabilisierung gesellschaftlicher Verhältnisse verhandeln. Dabei wird der Blick zum einen auf geschlechtsspezifische Raumpolitiken gerichtet, zum anderen auf die kritische Analyse räumlicher Sicherheitsdiskurse und ihrer Kriminalisierungstendenzen.

Montag, 23. Mai, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Anke Strüver (Hamburg):
Überwachen und Raum-machen
Zur Konstitution geschlechtlich codierter (Un-)Sicherheitsräume
Respondenz: Elke Krasny 
Das Verständnis von öffentlichen Stadträumen als „spezifisch-weiblichen“ Angsträumen ist erst in jüngerer Zeit und im Zusammenhang mit der (Kritik an der) Kriminalisierung von Räumen grundlegend revidiert worden. Demnach ist nicht ein bestimmter Raumausschnitt „sicher“ oder „unsicher“; vielmehr basieren solche Bewertungen auf dem wechselseitigen Wirkungsgefüge von geschlechtlich codierten Identitäten und Räumen und dem ihm zugrundeliegenden gesellschaftlichen Ordnungssystem.
Vor diesem Hintergrund stellen sich die Fragen, welche Formen und Funktionen von Überwachung und sozialer Kontrolle in der postfordistischen Stadtgesellschaft existieren, wie diese zur Raumkonstitution führen und welche Rolle geschlechtlich codierte Subjektidentitäten dabei spielen.

Anke Strüver ist Professorin für Sozial- und Wirtschaftsgeographie an der Universität Hamburg und arbeitet zu den Wechselverhältnissen von Raum-, Gesellschafts- und Identitätskonstitutionen.

Elke Krasny ist Kulturtheoretikerin mit den Arbeitsschwerpunkten Urbanismus des 20. und 21. Jahrhunderts, Kunst- und Architekturtheorie, Gender Studies.


Montag, 6. Juni, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Bernd Belina (Frankfurt am Main):
Mittels Raum regieren
Respondenz: Michael Zinganel (Wien)
Städtische Bevölkerungen werden durch die Polizei und andere staatliche Apparate in vielfältiger Weise mittels Raumproduktionen regiert. Bei Raumverboten, der Videoüberwachung öffentlicher Räume, crime mapping oder räumlich selektiver Polizeiarbeit, die in Deutschland allesamt in den letzten Jahren in Polizeirecht und/oder -praxis Einzug hielten, wird von sozialen Verhältnissen abstrahiert, indem Räume als gefährlich oder gar „kriminell“ behandelt werden. Diese Abstraktion mittel Verräumlichung erlaubt es, gesellschaftliche Widersprüche ohne Bezug auf Gesellschaft zu regieren. Legitimiert wird sie mittels Ideologien wie der Broken Windows-These, selbst legitimiert sie extralegale Kontrollpraxen, indem sie diese in die Rechtsform überführt.

Bernd Belina ist Professor für Humangeographie an der Goethe Universität, Frankfurt a. M.

Michael Zinganel ist Architekturtheoretiker, Künstler und Kurator zu Projekten über Alltagsarchitektur, über die Produktivkraft des Verbrechens für die Entwicklung von Sicherheitstechnik und Architektur und Stadt.


KoordinatorInnen:

Odin Kroeger: Studium der Philosophie in Wien, Berlin und Canberra. O. Kroeger, G. Friesinger, P. Lohberger, E. Ortland (Hg.): Geistiges Eigentum und Originalität. Zur Politik der Wissens- und Kulturproduktion. 2011. Wien / Berlin: Turia+Kant.

Ulrike Mayer ist Produktionsassistentin beim donaufestival und Politikwissenschafterin; in Kürze erscheint: „Standing in the Way of Control“. Eine gouvernementale Analyse kontrollgesellschaftlicher Formen von Musikzensur am Beispiel der Zäsur 9/11. Wien: Peter Lang.


depot



Download des Semesterprogramms als PDF:
Studien zur ArbeiterInnenbewegung
Jour fixe
Simulation komplexer Systeme - Forschen in der Von-Neumann-Galaxis
Koordination: Manfred Füllsack

Die Möglichkeit, das Verhalten komplexer Systeme am Computer zu simulieren, eröffnet zur Zeit einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen neue Forschungszugänge. Viele bisher für „dirigiert“ gehaltene Phänomene – von Tierschwärmen über Verkehrsstaus und Spezifika der Stadtentwicklung bis hin zu Märkten und sozialen Normen – entpuppen sich mit ihr als selbst-organisiert und lassen sich in ihren Parametern verändern und in ihrem Entstehen beobachten. Die bottom-up-Methode der Simulation macht Wirkungen sichtbar, die top down, also von ihrem Ergebnis her, oft auf andere Ursachen zurückgeführt würden. Sie scheint damit in der Lage, „altbekannte“ wissenschaftliche Fragen in ein  neues Licht zu rücken.
Die Veranstaltungsreihe will – Disziplinen-übergreifend – Personen, die an dieser Methode Interesse haben, eine gemeinsame Plattform bieten und den Austausch von Informationen und Neuigkeiten zu dieser Methode und entsprechenden Forschungsprojekten fördern.
Weitere Informationen: http://sim.econ.tuwien.ac.at/

Donnerstag, 10. März, 19.00 Uhr:
Thomas Fent (Wien):
Demografie und agentenbasierte Modellierung
Demografische Prozesse wie z.B. Partnerwahl, Heirat, Kinderwunsch und Fertilität werden maßgeblich durch soziale Interaktionen und soziales Lernen beeinflusst. Dennoch werden in der Demografie soziale Netzwerke und die über soziale Netzwerke wirkenden Einflussmechanismen in vielen empirischen Studien vernachlässigt. Im Rahmen dieses Vortrages möchte ich zeigen, wie agentenbasierte Modelle den Einfluss von sozialen Netzwerken auf demografische Prozesse berücksichtigen können.

Thomas Fent ist Bevölkerungsökonom am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital. Er studierte Technische Mathematik/Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität Wien und Betriebswirtschaftslehre an der Noordelijke Hogeschool Leeuwarden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Altern, Produktivität und Wirtschaftswachstum sowie soziale Netzwerke, soziale Interaktionen und demografisches Verhalten.

 

Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr:
Stefanie Widder (Wien):
Netzwerk-Motive und Evolution
Regulatorische Interaktionen von Genen lassen sich als sogenannte Gen-Regulations-Netzwerke (GRN) darstellen. Das sind Graphen, deren Knoten Gene und deren Kanten die Interaktion zwischen ihnen repräsentieren und die, im maximalen (hypothetischen) Falle, alle regulatorischen Kontakte einer Zelle darstellen. Solche Netze beschreiben die Maschinerie des zellulären Lebens und implementieren u.a. Entscheidungsvorgänge und Informations-Prozessierung. Die statistische Analyse dieser Objekte hat gezeigt, dass verschiedene kleine Submuster, sogenannte Motive mit einer erhöhten Häufigkeit (gemessen am Zufallsgraphen nach Erdös-Renyi) in GRNs vorkommen. Im Speziellen weist der Feed-Forward Loop (FFL), eine Klasse von Motiven, die durch die Verlinkung von 3 Genen zustande kommt, ein auffälliges Verteilungsmuster in natürlichen Systemen auf. Es scheint eine systematische Überrepräsentation von einigen Sub-Motiven dieser Klasse zu geben. Wir glauben nun dieses Verteilungsmuster unter Zuhilfenahme der Motivfunktion, der Plastizität und der Evolvierbarkeit dieser Funktion reproduzieren zu können. Wir haben dazu die gesamte Motiv-Funktions-Landschaft analysiert und kommen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit der verschiedenen FFLs mit deren intrinsischer Kapazität zur Implementierung eines Repertoires verschiedener Funktionen, kurz mit deren intrinsischer Plastizität und deren daraus resultierenden Evolvierbarkeit korreliert.

Stefanie Widder (Dr. Mag. rer. nat.) ist Systembiologin und Univ. Ass. an der Universität Wien, Department f. Computational Systems Biology. Sie arbeitet im Bereich theoretische Chemie in Wien und Barcelona, zurzeit in der Gruppe von Thomas Rattei an der Uni Wien.


Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr
Markus Peschl (Wien):
Innovation und Wissensgenerierung ermöglichen. On the Design of Enabling Spaces
 
In diesem Vortrag wird das Konzept der Enabling Spaces präsentiert. Also Räume, die das Generieren und Hervorbringen des (radikal) Neuen ermöglichen - wobei Räume nicht nur architektonisch/physisch zu verstehen sind, sondern ebenso eine soziale, kognitive, emotionale, epistemologische, organisationale/kulturelle, technologische etc. Dimension beinhalten. Die Herausforderung besteht darin, diese Dimensionen nicht isoliert zu sehen, sondern sie zu einem funktionierenden Ganzen zu integrieren. Ausgangspunkt dieses Ansatzes sind immer die Wissens-, Innovations- & Kernprozesse einer/s Organisation/Systems, die in einem komplexen Prozess zu Designpatterns (cf. C. Alexander) verdichtet werden; diese dienen als Grundlage für einen interdisziplinären Designprozess, in dem gemeinsam mit ArchitektenInnen, Personen aus dem Design Thinking, SoziologenInnen etc. ein konkreter integrierter Enabling Space entsteht.
Diese Räume werden also nicht primär nach ästhetischen oder rein ökonomischen Kriterien, sondern auf der Basis von Wissens- und Innovationsprozessen gestaltet, die in jedem Detail dieses Enabling Space verkörpert sind.
Neben den theoretischen Grundlagen wird auch eine Auswahl an Projekten präsentiert, die mit diesem Ansatz gemeinsam mit Architekten realisiert wurden (office organization & design, Neuplanung einer Universität, Ausstellungsdesign, Learning environment design etc...).
 
Markus F. Peschl ist Professor für Cognitive Science und Philosophy of Science am Institut für Philosophie, Research Group Philosophy of Science: Cultures and Technologies of Knowledge, an der Universität Wien. Er forschte zwei Jahre an der University of California in San Diego und ein halbes Jahr an der University of Sussex. Seine Forschungsinteressen gelten Fragen der Kreation, Innovation und Repräsentation von Wissen in natürlichen und künstlichen kognitiven (neuronalen) Systemen, in der Wissenschaft, in Organisationen und bildungstheoretischen Settings wie auch im Kontext von Wissenstechnologien und ihrer Einbettung in soziale Systeme.


Donnerstag, 9. Juni, 19.00 Uhr, Hörsaal 2i des Instituts für Philosophie der Universität Wien, NIG 2. Stock
Buchpräsentation
"Gleichzeitige Ungleichzeitigkeiten. Eine Einführung in die Komplexitätsforschung"
Manfred Füllsack präsentiert Aspekte aus seinem neuen Buch "Gleichzeitige Ungleichzeitigkeiten. Eine Einführung in die Komplexitätsforschung" (2011, VS-Verlag) und diskutiert mit Herbert Hrachovec die Frage: Lässt sich ohne Computer überhaupt noch philosophieren?


Donnerstag, 16. Juni, 19.00 Uhr
Manuel Wäckerle (Wien):
Evolution und Komplexität in der Ökonomie
Die evolutionäre Ökonomie gilt seit ca. 30 Jahren als etablierte, eigenständige Sub-Disziplin der ökonomischen Theorie. Im Gegensatz zur neo-klassischen ökonomischen Lehre wird Wandel in ihr endogen erklärt, das heißt die Wirtschaft wird als ein sich kontinuierlich selbst-transformierendes System verstanden. Dies legt einen Paradigmenwechsel vom mechanistischen/Newtonschen Weltbild hin zu einem evolutions- und komplexitätstheoretisch fundierten Weltbild nahe. Orientiert an diesen beiden "Mastertheorien" wird der Vortrag zum einen das Verhältnis zwischen Evolution und Komplexität und ihre Eignung als Analogie oder Ontologie in der Ökonomie hinterfragen. Zum zweiten wird er die methodologische Bedeutung lokaler Regeln im Hinblick auf universale Gesetze in der ökonomischen Theorie, sowie in Lehre und Praxis thematisieren und im Hinblick darauf die Anwendung neuerer formaler Methoden (z.B.: Agenten-basierte Modellierung, dynamische soziale Netzwerkanalyse) in der Ökonomie diskutieren.

Manuel Wäckerle (Mag. Dr. rer.soc.oec) ist Projektassistent in der Forschungsgruppe Ökonomie an der Technischen Universität Wien. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der evolutionären, institutionellen Ökonomie sowie in der Politischen Ökonomie.



 


Download des Semesterprogramms als PDF:
Studien zur ArbeiterInnenbewegung
Digitale Objekte sichern, archivieren und rasch verbreiten
Das digitale Langzeitarchivierungssystem Phaidra an der Universität Wien
Konzept und Durchführung:
Susanne Blumesberger (Universitätsbibliothek Wien / IWK)
Phaidra, ein Akronym für "Permanent Hosting, Archiving and Indexing of Digital Resources and Assets", ist ein gesamtuniversitäres Digital Asset Management System mit Langzeitarchivierungsfunktionen der Universität Wien. Das System steht ohne Einschränkungen allen Angehörigen der Universität Wien (Lehrenden wie Studierenden) frei. Der aktive Umgang mit Phaidra, das heißt das Speichern und Verlinken von Objekten, ist – ohne bürokratische Hürden – offen für BenutzerInnen mit Mailbox-Account, das sind in der Regel Angestellte der Universität Wien und Externe, die diese Berechtigung erhalten, sowie für Studierende mit u:net-Account. Das Recherchieren und Ansehen der Inhalte ist – wenn gewünscht – ohne Einloggen weltweit möglich.
Phaidra erfüllt somit mehrere Funktionen: Es kann als sicherer Speicherort für wertvolle digitale Objekte verwendet werden. In Phaidra sind unter anderem alte Buchbestände in aufbereiteter digitaler Form archiviert; sie werden  mittels eines eigens entwickelten Bookviewers online zur komfortablen Verwendung zur Verfügung gestellt  Selbstverständlich können auch eigene digitalisierte Objekte oder „digital-born“-Objekte, die gesichert werden sollen, in Phaidra gespeichert werden. Jedes Objekt, das mit Lizenzen und ausführlichen Metadaten versehen wird, erhält einen permanenten Link, der eine beständige Zitiermöglichkeit bietet. Weiters kann die Zugangsberechtigung  für jedes archivierte Objekt nach Bedarf vergeben werden. Daraus ergibt sich eine Fülle an Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Anlegen von Bildersammlungen oder das Archivieren von wertvollen Audio- bzw. Videodokumenten. Phaidra fungiert somit als Wissensportal. Phaidra wird auch in der Lehre und Forschung verwendet. Zum Beispiel ist es möglich, mittels eines Bookimporters selbst digitale Werke wie Bücher, Skripten oder Endberichte zu erstellen und im Bookviewer sichtbar zu machen. Lehrmaterialien können in Phaidra archiviert, mit Zugangsberechtigungen auf bestimmte Personen oder Institute versehen und zu Sammlungen zusammengefügt werden. Eine wichtige Funktion ist auch die rasche Publikationsmöglichkeit von Forschungsergebnissen, Beiträgen oder audiovisuellen Materialien, von Lehrenden und Studierenden.
Phaidra wird inzwischen auch an anderen Universitäten erfolgreich verwendet.
Die Serviceseite gibt einen ersten Einblick in das System: http://phaidraservice.univie.ac.at

Die Veranstaltungsreihe führt in mehreren Schritten in den Umgang mit Phaidra ein.

Montag, 21. März, 18.00 Uhr
Phaidra im Überblick
Digitale Langzeitarchivierung an der Universität Wien


Montag, 28. März, 18.00 Uhr
Sicherheit durch Phaidra
Objekte beschreiben und sicher archivieren


Montag, 18. April, 18.00 Uhr
Phaidra für Lehre und Forschung
Eine Einführung für Lehrende und Studierende der Universität Wien






Druckgraphik erlesen – erforschen – erleben
Die Um:Druck-Gespräche zu Theorie, Geschichte und Praxis der Druckgraphik
Eine Kooperation mit Künstlerhaus Wien, MyArt und Um:Druck – Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur
Konzept: Philipp Maurer

Druckgraphiken sind vervielfältigte und verbreitete Bilder, die seit dem 15. Jahrhundert unsere Wahrnehmung und Beurteilung von Alltag, Geschichte, Politik und Kunst wesentlich beeinflussen oder sogar prägen. Zeitgenössische KünstlerInnen bedienen sich der traditionellen und der digitalen Methoden der Bildherstellung und nehmen mediale Aufgaben der Bilder in der Gegenwart wahr. Um der Druckgraphik gerecht zu werden, dürfen ihre Geschichte und ihre aktuellen Formen nicht mehr als reine Kunstgeschichte dargestellt, sondern Druckgraphik muss als wesentlicher Teil der Medien- und Sozialgeschichte erkannt werden.

Die Um:Druck-Gespräche wollen Geschichte und Theorie von Druckgraphik und Bildmedien vermitteln, die sozialen und politischen Botschaften der Druckgraphik analysieren sowie junge DruckgraphikerInnen einem interessierten und fachkundigen Publikum präsentieren. Um:Druck-Gespräche leisten einen rationalen und kontroversiellen Diskurs über Kunst, lassen ExpertInnen zu Wort kommen und nehmen die Expertisen der DiskutantInnen ernst.

Die Um:Druck-Gespräche gibt es in drei Formaten:


1) Druckgraphik erlesen – Der druckgraphische Lesezirkel
Gesprächsleiter: Philipp Maurer und Georg Lebzelter
Nach der individuellen Lektüre werden Texte diskutiert, die grundlegend für das Verständnis der Druckgraphik und die Diskussion über sie sind. Die Gespräche ermöglichen es, Fragen zu stellen, Informationen einzuholen, Gegenmeinungen anzuhören, Bilder zu vergleichen, weiterzudenken.
Die Auswahl weiterer Texte geschieht in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen. Ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Donnerstag, 7. April, 18.00 Uhr
Ort: Wiener Künstlerhaus, 1010 Wien, Karlsplatz 5
Druckgraphik erlesen
Philipp Maurer über Ernst Rebel, Druckgrafik. Die Transmedialisierungen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, dargestellt in Ernst Rebel, Druckgrafik. Reclam, 2.Auflage, 2009.

Donnerstag, 12. Mai, 18.00 Uhr
Druckgraphik erlesen
Michael Schneider und Philipp Maurer präsentieren im:print 2011
im:print 2011 mit Beiträgen von Sneijina Bisserova (BG), Chiara Giorgetti (I), Dorothee Pauli (NZL), Beauvais Lyons (USA), Michael Schneider und Philipp Maurer (beide A), herausgegeben von der Universität für angewandte Kunst, ist bei SpringerWienNewYork erschienen.



2) Druckgraphik erforschen – Druckgraphik und Sozialgeschichte
Gesprächsleitung: Philipp Maurer
In Lichtbild-Vorträgen stellen Philipp Maurer und jeweils ein/e Expert/in historische Druckgraphiken, die zu ihrer Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben, vor und analysieren die sozialgeschichtlichen, politischen, philosophischen Botschaften.

Donnerstag, 3. März, 18.00 Uhr, Wiener Künstlerhaus, 1010 Wien, Karlsplatz 5
Philipp Maurer und Dietrich Kraft:
Otto Rudolf Schatz: Holzschnitt, Politik und Bildung im Wien der 1. Republik

Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Wiener Künstlerhaus, 1010 Wien, Karlsplatz 5
Philipp Maurer und Johann Dvorák:
Honoré Daumier, Rue Transnonain, 15. April 1834
Bildpublizistik und Revolution




3) Druckgraphik erleben – Aktuelle Druckgraphik im Gespräch
Philipp Maurer und Manfred Flener präsentieren in Manfred Fleners MyArt-Loft Druckgraphik und DruckgraphikerInnen in neuer Form: Die meisten Arbeiten werden ohne Glaskäfig präsentiert und können daher in die Hand genommen und ganz nah erlebt werden. Im Gespräch mit den KünstlerInnen werden Themen, Techniken, Hintergründe diskutiert.


Mittwoch, 23. Februar, 19.00 Uhr, myart Loft Manfred Flener, 1120 Wien, Gaudenzdorfer Gürtel 43-45, 4.Stock, 4C
Jochen Stücke: Das Pariser Album. Druckgraphik
Künstlergespräch und Präsentation des Zeichners und Druckgrafikers Jochen Stücke aus Münster. Fasziniert von Paris, zeigt er uns in seinem ”Pariser Album” die Stadtlandschaft von Paris, historisch bedeutsame Gebäude, Boulevards, Passagen und schildert uns Persönlichkeiten, die dort leb(t)en, wirk(t)en und starben. Wir diskutieren u.a. über die "Erfindung der Stadt und ihres Bildes" in der Druckgraphik und zeigen auch ältere Arbeiten von Jochen Stücke.
Anmeldung bitte unter: office@myart-flener.at  oder  +43 676 603 6293
Das "myart Grafik Kabinett" mit der Dauerpräsentation österreichischer und internationaler Druckgraphik ist geöffnet am 24. und 25. Februar von 15-19 Uhr und am 26. Februar von 11-14 Uhr oder nach tel. Vereinbarung 0699 1705 66 74 (Maurer) oder 0676 603 6293 (Flener).


Mittwoch, 16. März, 19.00 Uhr, myart Loft Manfred Flener, 1120 Wien, Gaudenzdorfer Gürtel 43-45, 4.Stock, 4C
Wojciech Krzywoblocki: Struktur und Klang. Das druckgraphische Werk
Präsentiert wird beispielhaft die Druckgrafik der letzten 40 Jahre und das jüngst  im Dezember 2010 erschienene Buch von Rainer Clauss mit obigem Titel, Edition Sonnberg. Künstler und Autor sind anwesend.
Wojciech Krzywoblocki, 1938 geboren in Lemberg, Studium in Krakau, seit 1984 in Wien. Internationale Ausstellungen, Beteiligung an zahlreichen Biennalen, ausgezeichnet mit diversen Kunstpreisen.  Lehrer an der “wiener kunstschule”, Dozent an der Kunstuniversität Krakau.
Anmeldung bitte unter: office@myart-flener.at oder +43 676 603 6293
Das "myart Grafik Kabinett" mit der Dauerpräsentation österreichischer und internationaler Druckgraphik ist geöffnet am 17. und 18. März von 15.00-19.00 Uhr und am 19. März von 11.00-14.00 Uhr oder nach tel. Vereinbarung 0699 1705 66 74 (Maurer) oder 0676 603 6293 (Flener).

Mittwoch, 18. Mai, 19.00 Uhr, myart Loft Manfred Flener, 1120 Wien, Gaudenzdorfer Gürtel 43-45, 4.Stock, 4C
Druckgraphik Tokio – Berlin – Wien
Zum Abschluss der internationalen Ausstellungsserie sprechen wir mit Wolfgang Buchta, Thomas Nemec, Michael Schneider, Andre Steinhausen u.a. über ihre aktuellen Arbeiten.
Das „myart Grafik Kabinett“ mit österreichischer und internationaler Druckgraphik ist geöffnet am 19. und 20. Mai von 15.00-19.00 Uhr und am 27. Mai von 11.00-14.00 Uhr oder nach tel. Vereinbarung 0699 1705 66 74 (Maurer) oder 0676 603 6293 (Flener).


Kuenstlerhaus          my_art               UM:DRUCK




Download des Semesterprogramms als PDF Culture of Control

Angepasst, verdrängt, verfolgt
Österreichische Kinder- und Jugendliteratur in den Jahren 1933 bis 1945
Karriereverläufe im Vergleich
Konzept: Susanne Blumesberger
Während die in der Zeit des Nationalsozialismus entstandene Literatur für Erwachsene schon seit längerer Zeit erforscht wird, ist dies bei der Literatur für Kinder- und Jugendliche (KJL) kaum der Fall. Es sind – besonders in Österreich – noch viele Forschungsfragen offen. Seit Jänner 2011 widmet sich am IWK ein Projekt, finanziert vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank und vom Zukunftsfonds der Republik Österreich, diesem Forschungsbereich. Ziel des Projekts ist die Erfassung von nationalsozialistischer KJL bzw. von KJL aus dem Exil aus den Jahren 1933-1945 und die biografische Aufarbeitung der daran maßgeblich beteiligten Personen wie AutorInnen, Illustratorinnen und VerlegerInnen in Form einer Datenbank und einer Publikation. Bisher gibt es keinen umfassenden Überblick über jene Literatur, die sich während der NS-Zeit an Kinder richtete, ebenso sind Lücken in der Aufarbeitung der Verlagsgeschichte in der KJL zu verzeichnen. Der Einsatz von KJL als Propagandainstrument wird wenig beachtet und die nationalsozialistische Vergangenheit mancher AutorInnen ist kaum bekannt. Auf der anderen Seite fehlt Wissen über die KJL des Exils, viele jener AutorInnen sind in Vergessenheit geraten. Die Vortragsreihe soll Einblick in diese Forschungsarbeit geben.

Montag, 2. Mai, 18.30 Uhr:
Susanne Blumesberger (Wien):
Tapfere Mädel – treue Kameradinnen
Mädchenbücher aus der Zeit des Nationalsozialismus

Mädchen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus verschiedene Rollen und wünschenswerte Charaktereigenschaften zugewiesen. Sie sollten gute Mütter und treue Ehefrauen werden, die ihren Mann unterstützen, schließlich sollten sie aber auch selbst tapfer sein und bereit, im Kampf für Deutschland zu sterben. Diese unterschiedlichen Anforderungen finden sich mehr oder weniger subtil auch in den Mädchenbüchern der Zeit wieder. Durch Spannung, eine stringente Erzählstruktur und entsprechende Illustrationen sollten die jungen Leserinnen in den jeweiligen Protagonistinnen ihre Vorbilder erkennen.


Montag, 23. Mai, 18.30 Uhr:

Ernst Seibert (Wien):

"Von Starken, Tapferen und Treuen" - das Märchen in der NS-Zeit

Die unter dem zitierten Titel offenbar in hoher Auflage erschienenen Märchenbearbeitungen von Marie Moser aus dem Jahr 1942 zeigen die Tendenz zur Wehrbereitschaft sowie zur Unterordnung unter die Gemeinschaft und zur Kampfertüchtigung. Dem entspricht das knappe Begleitwort am Ende der Sammlung: „Und dies ist  d e i n e  Treue: daß dir die Ehre der Gefolgschaft, darin du stehst, dein Volk, deine Sippe, dein Fähnlein, deine Klasse jede Anstrengung wert ist, denn sie ist mehr als du!" An dem Beispiel soll die Funktionalisierung des Märchens für die NS-Ideologie dargestellt werden.

 

Montag, 30. Mai, 18.30 Uhr:

Jana Mikota (Siegen):
Deutschsprachige Mädchenliteratur des Exils zwischen 1933 und 1945

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung verließen zahlreiche Autoren Deutschland und engagierten sich außerhalb des Landes gegen Faschismus und Militarismus. Sie schrieben für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ihre Literatur sollte einen Beitrag zur antifaschistischen, mitunter auch pazifistischen Kinder- und Jugendliteratur leisten.
Der Vortrag fragt nach der Mädchenliteratur des Exils und ihrer Funktion für den Leser. Oder anders gesagt: Leistet die Mädchenliteratur von Autoren der Jahre 1933 bis 1945, die aufgrund der nationalsozialistischen Herrschaftsmaschinerie Deutschland verlassen mussten, einen Beitrag zur antifaschistischen und möglicherweise einer internationalen und pazifistischen Erziehung? Im deutschsprachigen Raum blickt die Mädchenliteratur auf eine lange Tradition zurück. Mit der so genannten typischen Mädchenliteratur wurden die tradierten Geschlechterrollen festgeschrieben und die Leserinnen sollten auf ihre zukünftige Rolle als Gattin, Hausfrau und Mutter vorbereitet werden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert bildete sich zudem eine so genannte atypische Mädchenliteratur heraus, die neue Themen, Motive und auch Gattungen wie dem Kolonialroman aufnahm. Die Mädchenliteratur des Exils orientierte sich an beiden Formen der Mädchenliteratur. Im Exil verzichten die Autorinnen nicht gänzlich auf geschlechtsspezifische Geschlechtermerkmalszuordnungen, doch vergrößern sich die Handlungsräume der weiblichen Protagonisten und sie agieren selbstständiger und aktiver als in den früheren Jahrzehnten in der deutschsprachigen Mädchenliteratur.


Montag, 27. Juni, 17.30 Uhr:

Gina Weinkauff (Heidelberg):
Der Regenbogen fährt nach Masagara – über das Reisemotiv im kinderliterarischen Werk Friedrich Rosenfelds  
Friedrich Rosenfeld (geboren am 5.12. 1902 in Wien; gestorben am 27.12. 1987 in Bexhill, England) war in den Jahren von 1923-1934 als Feuilletonredakteur der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung sowie als Dramatiker und Romancier hervorgetreten. Als Jude und Sozialist doppelt gefährdet, floh er 1934 vor dem Terror des Dollfuß-Regimes nach Prag und von dort 1939 vor den Nazis nach England. Noch in der Ersten Republik hatte Friedrich Rosenfeld zwei märchenhaft-phantastische Kinderromane publiziert: „Tirilin reist um die Welt. Eine Erzählung für denkende Kinder“ (1931) und „Der Flug ins Karfunkelland. Eine fast wahre Geschichte voll seltsamer Abenteuer“ (1931). Sein drittes Kinderbuch, die 1938 im Prager Exil veröffentlichte realistische Fahrtenerzählung „Der Regenbogen fährt nach Masagara“ wird, wie alle späteren Werke des Verfassers, mit dem Pseudonym „Friedrich Feld“ gezeichnet.
Friedrich Rosenfeld hat seit seiner Emigration kaum noch für Erwachsene geschrieben und er ist nach 1945 nicht nach Österreich zurückgekehrt. Dennoch hat er die deutschsprachige und insbesondere die österreichische Kinderliteratur der Nachkriegszeit mit seinen vor allem in den Verlagen Jungbrunnen, Jugend und Volk und Boje unter dem Pseudonym „Friedrich Feld“ publizierten Erzählungen, aber auch mit seinen Hörspielen und Laienspieltexten bis in die siebziger Jahre hinein in einem erstaunlichen Umfang geprägt. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um literarisch eher unprätentiöse Texte für Leseanfänger, von denen viele, wie Gudrun Pausewang festgestellt hat, „im realen, konfliktbereinigten Leben der Kinder seiner Zeit handeln." Während Friedrich Rosenfeld – gleichgültig ob er sich an erwachsene Leser wandte oder an „denkende Kinder“ – stets ein politischer Schriftsteller war, sind die Texte Friedrich Felds von einer starken Idyllensehnsucht bestimmt und geraten in der sich rasant verändernden Kinderliteratur der siebziger Jahre rasch in Vergessenheit.
In der Absicht, die von Friedrich Rosenfeld zu Friedrich Feld führende Entwicklung vor dem Hintergrund der Exilerfahrung nachvollziehbar zu machen, beschäftigt sich der Vortrag mit den Metamorphosen des Reisemotivs in den ersten drei Kinderbüchern.






Download des Semesterprogramms als PDF:
Studien zur ArbeiterInnenbewegung
Studien zur ArbeiterInnenbewegung
Schwerpunkt: ArbeiterInnenbewegung ‑ was tun?
Koordination: Paul Habr und Peter Ulrich Lehner (Redaktion der Zeitschrift „mitbestimmung“)
Die ArbeiterInnenbewegung konnte im 20. Jahrhundert die gesellschaftliche Entwicklung in Europa maßgeblich mitgestalten. Eine Nebenwirkung ihrer Erfolge aber war die Verdrängung ursprünglich sozialistischer gesellschaftspolitischer Visionen durch technokratischen Pragmatismus und Anfälligkeit für den Neoliberalismus. Zusätzlich hatte der stalinistische Politbüro-„Kommunismus“ in Osteuropa zur nachhaltigen Diskreditierung leider auch des Begriffs Sozialismus geführt. Dennoch bestehen an Demokratie, Frieden, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität orientierte gesellschaftspolitische Zukunftsvorstellungen weiter, die seit Längerem von zahlreichen Initiativen und Bewegungen außerhalb des Parteienspektrums der herkömmlichen ArbeiterInnenbewegung thematisiert werden.

Solche Initiativen und Bewegungen sollen zum Abschluss unseres ein Vierteljahrhundert währenden Grundlagenseminars in zwangloser Reihenfolge und ohne Themenspezifikation von ihren AktivistInnen vor TheoretikerInnen und PraktikerInnen der ArbeiterInnenbewe­gung vorgestellt und mit ihnen diskutiert werden.


Dienstag, 1. März, 18.30 Uhr, IWK
ArbeiterInnenbewegung ‑ was tun?
Hermann Dworczak, Karl Reitter: Einleitungsreferate   

Hermann Dworczak, Gesellschaftswissenschafter, Aktivist der Sozialforum-Bewegung, Wien
Karl Reitter, Sozialphilosoph, Universitätslektor, Mitherausgeber der Zeitschrift grundrisse, Wien

 
Dienstag, 5. April, 18.30 Uhr, IWK
ArbeiterInnenbewegung ‑ was tun?
Martin Birkner, Fritz Schiller: Einleitungsreferate  

Martin Birkner, politischer Theoretiker und Aktivist, Mitherausgeber und Redakteur der grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte, Wien
Fritz Schiller, Ökonom, Betriebsratsvorsitzender, stellvertretender Bundesvorsitzender der AUGE/UG, Arbeiterkammerrat, Mitglied des Bundesvorstandes der Gewerkschaft der Privatangestellen, Druck, Journalismus, Papier, Wien

 
Dienstag, 3. Mai, 18.30 Uhr, IWK
ArbeiterInnenbewegung ‑ was tun?
Karin Fischer, Katharina Mader: Einleitungsreferate   

Karin Fischer, historische Sozialwissenschafterin, Obfrau des Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik, Wien/Linz
Katharina Mader, Ökonomin, Universitätslektorin, Vorstandsmitglied des Beirates für gesellschafts-, wirtschafts– und umweltpolitische Alternativen, Wien

 
Dienstag, 7. Juni, 18.30 Uhr, IWK
ArbeiterInnenbewegung ‑ was tun?
Barbara Blaha, Peter Fleissner: Einleitungsreferate   

Barbara Blaha, ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft, Leiterin des Kongresses "Momentum", kaufmännische Leiterin des Czernin-Verlags, Wien
Peter Fleissner, Universitätsprofessor Dipl.-Ing., Sozialkybernetiker, Wien


Die Vorträge dieser Seminarreihe werden seit ihrem Beginn im Oktober 1986 regelmäßig in der „mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt“ veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt in der Bibliothek des Instituts für Wissenschaft und Kunst auf.
 




Diskussionsreihe:
Systemwechsel. Für ein gutes Leben für Alle!
Politik, Wirtschaft und Naturverhältnisse gemeinsam demokratisch gestalten
Koordination: Martin Birkner (European Network Against Racism Austria)
Antirassistische Theorie bleibt meistens an zwei gesellschaftlichen Phänomenen orientiert: Migration und Rassismus. Dies ist zwar durch die konkrete Erfahrung antirassistischen Engagements naheliegend, ver- bzw. behindert aber auch das Nachdenken über Strategien für eine Welt ohne Rassismus. Dieses Nachdenken muss sich an der Verschränktheit gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse orientieren – gerade um über ebenjene hinaus zu gelangen. Im Rahmen der Systemwechsel-Diskussionsreihe werden unterschiedliche Stränge der aktuellen Debatte um alternative Vergesellschaftungsformen miteinander in Diskussion gebracht werden. Dabei gilt es, gegen das Utopieverbot des neoliberalen Kapitalismus grundsätzliche Formen konkreter Utopie ins Spiel zu bringen, Überlegungen zu einer Gesellschaft, die weder durch den Verwertungsimperativ geprägt noch durch die Form des Nationalstaates und der liberalen Demokratie begrenzt ist. Anhand der Konfrontation unterschiedlicher Diskussionsfelder und Debattenstränge sollen deren (mögliche) Gemeinsamkeiten und gegenseitige Ergänzungen, aber auch ihre Differenzen und Hindernisse beleuchtet werden. Gegliedert ist die Reihe in 4 Themenblöcke:

Mittwoch, 23. März, 19.00 Uhr
Anders Organisieren am Beispiel Lateinamerikas
Mit Helge Buttkereit und Friederike Habermann
Thema ist das Verhältnis von sozialen Bewegungen und progressiven Regierungen in Lateinamerika bzw. die neuen Formen von Organisierung, die dieses Verhältnis mit sich bringt. Angesichts der Krise der repräsentativen Demokratie sind diese Organisierungs- und Bewegungsprozesse wohl die derzeit spannendsten Beispiele für eine mögliche Überwindung der organisatorischen Schwäche der emanzipativen Kräfte. Dabei bringt uns Revolutionsromantik ebenso wenig weiter wie ein einfaches Kopieren der lokal und regional gewachsenen lateinamerikanischen Beispiele, dennoch bieten diese in methodischer wie organisationspraktischer Hinsicht viele Anknüpfungs- und Diskussionspunkte für einen sich als transnational verstehenden Kampf für eine Gesellschaft ohne Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung.

Es diskutieren:
Helge Buttkereit, Journalist, u.a. Autor des 2010 erschienenen Bandes „Utopische Realpolitik – Die Neue Linke in Lateinamerika".
Friederike Habermann, Ökonomin und Historikerin, Autorin u.a. von „Aus Not eine andere Welt. Gelebter Widerstand in Argentinien“  (2004)  und „Halbinseln gegen den Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag“ (2009).
Moderation:
Martin Birkner (ENARA, grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte)

Anbei finden Sie den Link zum Video: http://ichmachpolitik.at/questions/1116



Mittwoch, 27. April, 19.00 Uhr
Anders Wirtschaften: Commons/Gemeingüter!
Mit Brigitte Kratzwald und Massimo DeAngelis
Eine Gesellschaft ohne Rassismus und Ausbeutung ist in ihrer ökonomischen (und ökologischen) Grundlegung nur jenseits des Kapitalismus vorstellbar. Langezeit galt eine mehr oder weniger zentrale Planwirtschaft als Patentmodell nachkapitalistischer Ökonomie. Die gescheiterten „realsozialistischen“ Experimente zwangen uns zum Überdenken dieses Dogmas. Im Zuge der Debatten um eine „Solidarische Ökonomie“ sowie aus dem Kontext der „Open-Source“-Bewegung von ComputeraktivistInnen wurden in letzter Zeit intensive Diskussionen um eine Ökonomie der Commons, der Gemeingüter geführt. Im Rahmen unserer Diskussion soll ausgelotet werden, welche Chancen, aber auch Risken, eine nichtkapitalistische Ökonomie basierend auf Commons für eine Überwindung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse mit sich bringen kann. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Rolle sozialer Bewegungen und Kämpfe gerichtet werden, die ja eine Commons-basierte Wirtschaft erst Wirklichkeit werden lassen und dabei gleichzeitig deren chauvinistisches bzw. neokoloniales Potenzial bekämpfen müssen.

Es diskutieren:
Brigitte Kratzwald, Sozialwissenschafterin und Commons-Aktivistin. Sie betreibt die Seite www.commons.at und lebt in Graz.
Massimo De Angelis, Professor für Politische Ökonomie an der University of East London. Seine Forschungsschwerpunkte sind Globalisierung, Werttheorie und soziale Bewegungen. 2006 veröffentlichte er „The Beginning of History. Value Struggles and Global Capital“. De Angelis ist Herausgeber des Web-Journals „The Commoner“ und lebt in Monchio (Italien).
Moderation:
Martin Birkner (ENARA, grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte)

Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt!


Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr
Andere Sozialpolitik:
Energiegrundsicherung und Bedingungsloses Grundeinkommen!
Mit Melina Klaus (Wien) und Karl Reitter (Wien)
Im Kapitalismus bedeutet Sozialpolitik immer auch Kontrolle der Bevölkerung. Leistungen, wie z.B. die „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“, sind nach wie vor an die unbedingte Bereitschaft zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft gekoppelt. Darüber hinaus liefert der neoliberale Drang zu Privatisierung und Vermarktlichung elementare Bedürfnisse vor allem armer Menschen zunehmend den asozialen Kräften des Marktes aus. Der Zwang zur Annahme jeder auch noch so schlechten und schlecht bezahlten Arbeit verbindet sich mit Verteuerungen bei oft gleichzeitiger Verschlechterung sozialer bzw. infrastruktureller Leistungen (Energie, öffentlicher Verkehr, …). Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und dem Konzept „Energiegrundsicherung“ soll diesen Tendenzen entgegen gewirkt werden, sowohl auf monetärer Ebene als auch auf jener nicht-monetärer Leistungen. Beide Konzepte eröffnen Spielräume für eine Demokratisierung gesellschaftlicher Mitbestimmungsprozesse und stellen somit bessere Bedingungen um die Wiederaneignung gesellschaftlichen Reichtums her. Die Verbindungen und Anknüpfungspunkte der beiden Konzepte/Forderungen/Bewegungen sollen ebenso diskutiert werden wie ihre Begrenzungen und Unvereinbarkeiten.

Es diskutieren:
Melina Klaus, Erwachsenenbildnerin und Bundessprecherin der Kommunistischen Partei Österreichs
Karl Reitter, Aktivist des „Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt“ und Redakteur der grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte


Montag, 20. Juni, 19.00 Uhr
Die Arabischen Revolution – wie weiter?
Mit Ramin Taghian und Fawwaz Traboulsi
Kaum jemand hätte vor zwei Jahren die massiven Bewegungen für möglich gehalten, die seit Ende 2010 die Regimes der gesamten Region erschüttern. So unterschiedlich die Aufstände in den verschiedenen Ländern auch waren, allesamt forderten sie die autokratischen Herrscher heraus und stürzten diese teilweise auch. Waren soziale, ökonomische und politische Aspekte gleichermaßen wesentlich für die unterschiedlichen Bewegungen, so wurde durch die geballte Macht der westlichen Regierungen, Medien und letztlich auch Kampfflugzeuge die „gewünschte“ Linie wiederhergestellt; seither geht es – zumindest dem Westen – um die Etablierung einer „Demokratie“ nach westlichem Vorbild. Aber die Geschichte ist auch im arabischen Raum nicht zu Ende.
Welche AkteurInnen waren und sind in den unterschiedlichen Ländern aktiv? Welche Rolle spielen Frauen, welche feministische Forderungen in den Bewegungen? Welche Perspektiven gibt es jenseits der westlich-parlamentarischen politischen Form? Wie stellt sich die ökonomische Dimension der Bewegungen dar? Welche Gefahr stellen westlich-imperiale Interessen einerseits und religiös-fundamentalistische andererseits für eine emanzipatorische Entwicklung der Bewegungen dar? Und welche Einflüsse und Wechselwirkungen gibt es – nicht zuletzt angesichts der globalen Dimension der Krise – zwischen den Arabischen Revolutionen und den Widerständen gegen die Zumutungen des Kapitalismus in anderen Teilen der Welt?

Es diskutieren:

Ramin Taghian: Historiker mit Schwerpunkt Mittlerer Osten, Mitglied der Gruppe Perspektiven-Magazin für linke Theorie und Praxis, und AGMO-Arbeitsgruppe Mittlerer Osten (Wien)

Fawwaz Traboulsi – Professor für Geschichte und Politik an der Lebanese American University in Beirut, langjähriger politischer Aktivist im Libanon

Systemwechsel! Wird vom European Network Against Racism Austria (ENARA) gemeinsam mit dem IWK, der Grünen Bildungswerkstatt Wien, der ÖH der Universität Wien sowie grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte veranstaltet.

Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt!




Nähere Informationen zu den Veranstaltungen, Hintergrundtexte, ReferentInnen und mehr finden sich – laufend aktualisiert – unter www.systemwechsel.net
Systemwechsel! Wird vom European Network Against Racism Austria (ENARA) gemeinsam mit dem IWK, der Grünen Bildungswerkstatt Wien, der ÖH der Universität Wien sowie grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte veranstaltet.




Lesekreis:
Philosophie auf Türkisch
Koordination: Franz Martin Wimmer

Ziel des Lesekreises ist die Erarbeitung von philosophischer Terminologie im Türkischen an Hand der Lektüre von Darstellungen okzidentaler und nicht-okzidentaler Philosophie, Texten der neuzeitlichen okzidentalen und der interkulturellen Philosophie sowie aktuellen philosophischen Diskursen in der Türkei. Das Leseprogramm des Semesters wird beim ersten Termin vereinbart. Alle Texte werden in türkischer Sprache gelesen und auf Deutsch interpretiert. Daraus wird ein wachsendes türkisch-deutsches Verzeichnis philosophischer Begriffe entwickelt. Die Teilnahme am Lesekreis ist frei, sie setzt Kenntnisse der türkischen und der deutschen Sprache sowie Grundkenntnisse in Philosophie voraus. Um Anmeldung per Email ersucht: franz.martin.wimmer@univie.ac.at

Nähere Informationen zum Lesekreis finden Sie unter: www.lesekreis.wikispaces.com 

Termine: 2.3., 16.3., 30.3., 13.4., 4.5., 18.5., 15.6., 29.6.
jeweils Mittwoch, 18.00 - 20.00 Uhr, IWK

Franz Martin Wimmer ist Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Präsident der Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie, Forschungsschwerpunkt: Interkulturell orientierte Philosophie.




Lesekreis: Sektion Logik

(Neue Wiener Gruppe / Lacan-Schule)
Koordination: Sándor Ivády
Einmal im Monat veranstaltet die Sektion Logik der Neuen Wiener Gruppe Workshops und Vorträge zum Thema Lacan und Logik.
Nähere Informationen finden Sie unter:
http://logik.psychoanalyse.co.at
http://www.lacan.at
logik@psychoanalyse.co.at

Montag, 7. Februar, 20.00 Uhr
Christoph Moik
Geheimsein und Offenbarsein.
Der Philosoph Karl Christian Friedrich Krause
Nebst seiner Lebenlehre (Geschichtsphilosophie), seiner Sittenlehre und den Grundwahrheiten, beanspruchte Krause den fundamental-globalen Horizont in die Philosophie gebracht zu haben (Menschheitsbund). Seine Erkennlehre (Logik) und die dazugehörige Anleitung beanspruchen organisch-harmonisch zu sein. Im Verlauf des Abends sollen der Wissenschaftsgliedbau Krauses und die Wesenschau für eine Analyse im Lacan’schen Diskursschema vorbereitet und mögliche Anküpfungen diskutiert werden.
 

Montag, 28. März, 20.00 Uhr
Peter Dyck (Antwerpen)
Introduction to Lacanian Topology
Vortrag in englischer Sprache.
"Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen", sagte Wittgenstein. Die Psychoanalyse ist anderer Auffassung. Wovon man nicht sprechen kann, das muss man sagen oder zumindest zeigen, wie derselbe Wittgenstein sagt. Beim späten Lacan "zeigt" sich etwas mit der Logik und der Topologie. Die Matheme bilden einen Aspekt der vollständigen Mitteilbarkeit dessen, was Lacan als "Diskurs ohne Worte" preist.
Im Vortrag wird, auf dem Wege einer kombinatorischen Topologie, eine Einführung in Lacans Topologie geboten. Dieser Zweig der Mathematik begreift den Raum durch eine abstrakte Klassifikation von Eigenschaften, die durch bestimmte Manipulationen der in ihm enthaltenen Objekte nicht verändert werden. Dies wird zunächst an einigen Theoremen demonstriert, um dann zu der Operation zu kommen, die Lacan mit dem Sektion LogikMöbiusband vornimmt. Wird dieses der Länge nach zerschnitten, so entsteht eine orientierbare Oberfläche, die einem Torus gleicht. Aus dieser Transformation soll die Theorie der Matheme und im Besonderen der vier Diskurse des Seminars 17 ("L'Envers de la psychanalyse") erläutert werden.

Peter Dyck ist Psychoanalytiker in Antwerpen und Brüssel, Mitglied der Vereinigung Acte psychanalytique (www.acte-psychanalytique.org).

Montag, 11. April 2011, 20:00 Uhr
Klaus Ganglbauer und Ernst Kerstan
Die Politische Differenz  
Es soll gezeigt werden, dass das sich das von Jaques Lacan im Seminar 17 entfaltet Diskurs-Schema ideal auf die Konzepte der politischen Philosophie in Frankreich übertragen lässt, die in Anschluss an das post-strukturalistische Paradigma in diesem Sprachraum entwickelt worden sind.  
1980 gründeten Lacoue-Labarthe und Nancy ein Zentrum zur philosophischen Untersuchung des Politischen („Centre de Recherches Philosophiques sur la Politique“). Ziel der Untersuchung war eine genuin philosophische Bestimmung des politischen Phänomens, die in der Folge von Laclau, Mouffe, Lefort, Rancière, Agamben oder Badiou tatsächlich entfaltet worden ist.  
Als Ausgangspunkt der im Vortrag zu entwickelnden Auseinandersetzung soll „Die politische Differenz“ von Oliver Marchart dienen, der in diesem Werk einen Überblick über die genannten Theorien des Politischen erarbeitet hat. Marchart analysiert den Grund-Widerspruch der verschiedenen Ansätze anhand der ontisch-ontologischen Differenz Heideggers, wobei er das Ontische der Politik und das Ontologische dem Politischen zuzuordnen tendiert. Wir werden argumentieren, dass sich die in Frage stehende Differenz präziser anhand des Lacan'schen Diskurs-Schemas erörtern lässt.


Montag, 16. Mai, 20.00 Uhr
Lesekreis: Sektion Logik
Der Herr

Im Seminar XVII (Die Kehrseite der Psychoanalyse) entwickelt Lacan seine "vier Diskurse" und setzt die Psychoanalyse mit ihrer Kehrseite in Verbindung: dem Diskurs des Herrn. Wir fragen: Was ist der Herr, dem die Fähigkeit zukommt, in solcher Weise strukturierend zu wirken? Und auf welche Weise kann man sich bezüglich seines Diskurses positionieren wollen, als politisches Subjekt, als revolutionäres Subjekt? Die Mitglieder des Lesekreises der Sektion Logik werden in mehreren kurzen Beiträgen das zur Sprache bringen und damit Zeugnis ablegen von dem, was von der Lektüre des Lesekreises in den letzten Wochen und Monaten angestoßen worden ist.


Montag, 27. Juni, 20.00 Uhr
Lesekreis: Sektion Logik
Herr des Diskurses - Diskurs des Herrn
»Wenn bei einer ernsthaften Infragestellung des Wissens, die sich im etablierten Rahmen der Universität anbietet und fortpflanzt, etwas herauskommen konnte, dann gibt es keinerlei Grund dafür, daß sich das nicht in einem kleinen Schutzwinkel machen lassen könnte, so etwas in der Art wie dieser Ort hier, der sich dasselbe Gesetz geben würde, d.h., nicht etwas zu präsentieren, um irgendeinem Herrn ins rechte Licht zu setzen, sondern um etwas struktural Rigoroses zu sagen, was auch immer daraus werden mag. Das könnte eine größere Reichweite haben, als man zunächst erwarten mag.« (Jacques Lacan, 17. Juni 1970)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lesekreises über das Seminar XVII (Die Kehrseite der Psychoanalyse) präsentieren ihre Konzepte, Gedanken und Vorschläge rund um den Diskurs des Herrn und seine Funktion in Politik, Psychoanalyse und Philosophie und stellen sie zur Debatte.





Lesekreis: Gender- und Postcolonial Studies
Koordination: Birgit Haehnel (Wien)

In diesem Lesekreis werden seit Frühling 2009 wichtige Texte aus dem Bereich Gender und Postcolonial Studies gelesen werden. Der nächste Termin ist::

Montag, 28. Februar, 19.00 Uhr
Ort: Frauensolidarität C3, Sensengasse 3, 1090 Wien:
Trinh T. Minh-ha: Not You/Like You: Post-Colonial Women and the Interlocking Questions of Identity and Difference
Abrufbar im Internet unter: http://www2.ucsc.edu/culturalstudies/PUBS/Inscriptions/vol_3-4/minh-ha.html
Trinh T. Minh-ha: Difference: “A special Third World Women Issue”, in: Dies.: Texte, Filme und Gespräche, hrsg. vom Kunstverein München, Wien/Berlin 1995, 19-36. 

Montag, 28. März, 19.00 Uhr
Ort: Frauensolidarität C3, Sensengasse 3, 1090 Wien:
Gayatri Chakravorty Spivak: Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation (1. Kapitel). Turia+Kant 2008.

Donnerstag, 28. April, 19.00 Uhr
Ort: Frauensolidarität C3, Sensengasse 3, 1090 Wien:
G. Spivak: Alte und neue Diasporas: Frauen in einer transnationalen Welt, S. 19ff.
Elisabeth Fink
/ Uta Ruppert: Postkoloniale Differenzen über transnationale Feminismen. Eine Debatte zu den transnationalen Perspektiven von Chandra T. Mohanty und Gayatri C. Spivak, S. 64ff.

Montag, 30. Mai, 19.00 Uhr
Ort: Frauensolidarität C3, Sensengasse 3, 1090 Wien:
G. Spivak: Die Politik der Übersetzung (engl. 1992)

Mittwoch, 14. September, 19.00 Uhr (Sensengasse 3)
Lektüre für den nächsten Termin:
Chimamanda Ngozi Adichie: Blauer Hibiskus (im Original 2003 erschienen)
Das Buch gibt es mittlerweile als Taschenbuch: btb-Verlag, 9,30 €
Mehr Informationen zur Autorin ...


Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, schicken wir Ihnen den Text gerne zu. Schreiben Sie bitte in diesem Fall ein Mail an birgithaehnel@web.de

In den letzten Semestern wurden folgende Texte gelesen: 

  • Claire Pajaczkowska: Issues in Feminist Visual Cultures, 2000
  • Pauline de Souza: Multicultural Discourses, 2000. (Beide Aufsätze finden sich in: Fiona Carson and Claire Pajaczkowska: Feminist Visual Culture, Edinburgh 2000)
  • Gloria Wekker: The Politics of Passion. Women's Sexual Culture in the Afro-Surinamese Diaspora, Columbia University Press. Between women, between men series, 2006
  • Miriam Nandi: Am I that Other? Postkoloniale Intellektuelle und die Grenzen des Postkolonialismus. In: Julia Reuter, Paula-Irene Villa (Hg.): Postkoloniale Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention.
  • Gabriele Dietze: Okzidentalismuskritik. Möglichkeiten und Grenzen einer Forschungsperspektivierung, in: Dies. u.a. (Hg.): Kritik des Okzidentalismus. Transdisziplinäre Beiträge zu (Neo-)Kolonialismus und Geschlecht. Bielefeld: Transcript, S. 23-54.
  • Jin Haritaworn, Tamsila Tauquir and Esra Erdem: Gay Imperialism. Gender and Sexuality Discourse in the “War on Terror”. In: Adi Kuntsman / Esperanza Miyake: Out of Place. Interrogating Silences in Queerness/Raciality, University of York, 2008, S. 71-95.
  • Ella Shohat: Post-Third Worldist Culture. Gender, Nation and the Cinema. In: Dies.: Taboo Memories Diasporic Voices, Durham / London 2006, 290-329.


Es werden Vorschläge für weitere Texte, aber auch Ideen zu Projekten und Netzwerken gesammelt. Nähere Informationen zum Lesekreis bei: birgithaehnel@web.de

Birgit Haehnel: Dr.in, freischaffende Kunsthistorikerin. Forschungsschwerpunkte: Postcolonial- und Gender Studies im Bereich der Visuellen Kultur; Migration und Erinnerung. Mitglied im CePoG (Centrum für Postcolonial und Gender Studies) Universität Trier.





Dienstag, 31. Mai, 19.00 Uhr, Institut Français de Vienne, Währingerstraße 30, 1090 Wien
Vortrag in französischer Sprache
Jean-Michel Thurin (Paris):
Evaluierung von Veränderungen in der Psychoanalyse
Welchen Beitrag leistet die Forschung in Frankreich?
Die Psychoanalyse ist, klinisch und theoretisch, eine unersetzliche Möglichkeit, um das Funktionieren des Geistes in seiner dynamischen Komplexität zu begreifen, in seinen Störungen und in deren Ursachen. Seit mehr als einem Jahrhundert hat sie eine Vielzahl an konzeptuellen Arbeiten hervorgebracht. Ein großer Teil davon nahm seinen Ausgang aus einer klinischen Reflexion, die von Psychotherapien mit einem breiten Spektrum von Diagnosen und der entsprechenden Pluralität von Behandlungsansätzen ausging. Zusammen mit anderen wissenschaftlichen Gebieten, vor allem dem der Neurowissenschaften, schafft sie zahlreiche Verbindungen, von denen vielversprechende neue Untersuchungen zeugen.
Gleichzeitig war diese dynamische Komplexität lange Zeit ein fast unüberwindbares Hindernis für die wissenschaftliche Evaluierung der therapeutischen Resultate. Diese Situation, deren Auswirkungen auf den Zugang zu den Therapien früher ausschlaggebend waren und auch heute noch sind, ist gerade in Veränderung begriffen. Dank neuesten methodologischen Entwicklungen können klinische und entwicklungsmäßige Veränderungen des Patienten in Verbindung gebracht werden mit den wichtigsten Merkmalen des psychotherapeutischen Prozesses, der ihnen in einem gegebenen Kontext zugrundeliegt.
Auf diesen neuen Grundlagen ist ein Netzwerk von Forschungsarbeiten zu psychotherapeutische Praktiken aufgebaut worden, das vom INSERM zusammengestellt wurde und von der DGS (Generaldirektion für Gesundheit) unterstützt wird.
Ärzte und Forscher arbeiten hier zusammen, nicht nur um die unter natürlichen Bedingungen erreichten Resultate bei zwei schwierigen Pathologien zu ermitteln, den Borderline-Störungen und dem Autismus, sondern auch um die Vermittler und die Mechanismen zu bestimmen, die zur Veränderung beigetragen haben. Diese Forschungen, bei denen die qualitativen und quantitativen Ansätze nicht mehr miteinander in Konkurrenz, sondern komplementär zueinander stehen, fördern auch den Fortschritt und die Qualität der Behandlungspraktiken.
Der Vortrag wird die Hauptlinien und einige der wichtigsten Punkte aufzeigen, die sich aus den ersten Ergebnissen der aktuellen Forschungen ableiten lassen.

Jean-Michel Thurin arbeitet im Netzwerk zur Erforschung von psychotherapeutischen Praktiken (Forschungseinheit U 699) am INSERM (Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung) in Paris und im Französischen Psychiatrieverband, dessen Generalsekretär und Präsident er war.

Jean-Michel Thurin arbeitet im Netzwerk zur Erforschung von psychotherapeutischen Praktiken (Forschungseinheit U 699) am INSERM (Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung) in Paris und im Französischen Psychiatrieverband, dessen Generalsekretär und Präsident er war.


Dienstag, 14. Juni, 19.00 Uhr, Institut Français de Vienne, Währingerstraße 32, 1090 Wien
Vortrag in französischer Sprache
Marc Abélès, Jade Legrand (Paris):
Agir dans l’exception : temps de crises chez les professionnels de l’urgence humanitaire 

Handeln unter Ausnahmebedingungen. Die Zeit der Krisen bei den Experten der humanitären Hilfe
In Kooperation mit dem Institut Français de Vienne
Diejenigen, die beruflich mit internationalen Notsituationen befasst sind, und vor allem die Freiwilligen und die Angestellten der großen internationalen Organisationen (NGOs) müssen permanent außergewöhnliche Situationen meistern. Außergewöhnlich, denn es geht immer darum, eine Antwort auf Krisen zu finden, die den Rhythmus einer plötzlich unerreichbar gewordenen Normalität unterbrechen. Und auch außergewöhnlich, denn dieser Eingriff muss vorübergehend bleiben, so kurz und so wenig schmerzhaft wie möglich für die betroffene Bevölkerung.
Im Schatten der Zeitlichkeit der Notsituation entsteht - durchdacht, rationalisiert und standardisiert in den Gegenmaßnahmen, die man ihr entgegensetzt - eine dreifache Herausforderung, nämlich diejenige für die Empfänger der humanitären Programme, aus der Krise herauszukommen; dann
diejenige für die "nationalen" Mitglieder der Teams, an Ort und Stelle zu bleiben; und schließlich diejenige für die Expats, ein normales Leben aufzubauen, mit kurzfristigen, immer sehr anstrengenden Aufgaben, deren Unkommunizierbarkeit paradoxerweise oft mit einer Hypermedialisierung einhergeht oder mit einem Schweigen, das die Katastrophen begleitet, bei
denen sie eingreifen müssen.
In diesem Vortrag geht es mit Blick auf die besondere Zeitlichkeit der Notfalleinsätze darum, die unbekannten Aspekte eines Berufes aufzuzeigen, der lange Zeit als freiwilliger Einsatz von idealistischen Helden betrachtet wurde, die loszogen, um die Welt zu retten. Dabei wird zugleich die globale Wirklichkeit unserer heutigen Welt untersucht: eine Wirklichkeit, die von einem "Präsentismus" geprägt ist, verortet zwischen den bedrängenden Spasmen des Gedächtnisses, der Unmittelbarkeit der "realen" Zeit und dem Bild einer von Unsicherheit geprägten Zukunft. Indem man die Argumente der Befürworter und der Kritiker des humanitären Systems untersucht, wird man auf die Frage gestoßen, was sich an unserer Haltung der Zeit und der Politik gegenüber
verändert hat. Ausgehend von einzelnen Individuen werden die großen Umwälzungen der Welt aufgezeigt und an den Beitrag der Anthropologie zur Reflexion der Gegenwart und unserer Gesellschaften erinnert.

Marc Abélès ist Stu­dienleiter an der EHESS und Forschungsleiter im CNRS.

Jade Legrand ist Doktorandin am LAIOS beim interdisziplinären Institut für Anthro­pologie der Gegenwart (CNRS und EHESS).





 




























©   2010 Institut für Wissenschaft Kunst