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Vortragsreihen, Jours fixes, Lesekreise und Einzelvorträge im Wintersemester 2012/13




Die Veranstaltungen finden wenn nicht anders angegeben im IWK, 1090 Wien, Berggasse 17, statt.




Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis
Biographisches Erzählen in der Bildungsarbeit
Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Verband Österreichischer Volkshochschulen
Konzept: Bettina Dausien, Wolfgang Kellner, Stefan Vater

Semesterprogramm als PDF: pdf
 
Biographische Ansätze sind seit den 1980er-Jahren fixer Bestandteil der Bildungsarbeit und Bildungsforschung geworden. »Die Entdeckung individueller Bildungsgeschichten in Wissenschaft und Praxis war nicht nur inspiriert von der Lebenslauf- und Sozialisationsforschung, sondern ebenso von den neuen sozialen Bewegungen, die eine enge Verbindung von Leben und Lernen kultivierten und zum Ausgangspunkt von (Selbst-)Aufklärungsprozessen machten« (Heidi
Behrens). Der Jour fixe zeichnet in diesem Semester die Entwicklung nach, die die Arbeit mit biographischen Erzählungen in der Erwachsenenbildung sowie in anderen pädagogischen Kontexten genommen hat, er präsentiert Praxisbeispiele biographischen Lernens mit Neuen Medien und im Web 2.0 wie auch anhand literarischer Migrationsbiographien. Und er befragt die Konstruktionsregeln biographischen Erzählens und stellt Ergebnisse aus der Elitenforschung zur Diskussion, die von den Grenzen lebenslangen Lernens bzw. von Illusionen der Chancengleichheit »erzählen«.
 
 
Mittwoch, 17.10.2012, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft, Hörsaal 1, Sensengasse 3a, 1090 Wien
Laura Isnenghi, Erwin Schmitzberger (Wien):
Digital Storytelling: Biographiearbeit und Web 2.0 in der Erwachsenenbildung
Respondenz: Elisabeth Feigl (Wien)
Digital Storytelling zielt auf biographisches Lernen mit digitalen Medien. Diese Arbeit mit der eigenen Biographie macht es möglich, dass MedienkonsumentInnen zu MedienproduzentInnen werden. Konkret funktioniert Digital Storytelling so: Sie erzählen eine Geschichte aus Ihrem Leben; diese wird zu einem persönlichen Kurzfilm von zwei bis drei Minuten verarbeitet. Der Film kombiniert Erzählung, Erinnerungsstücke, Fotos und Musik. Im Vortrag wird Digital Storytelling als Methode der Erwachsenenbildung vorgestellt und diskutiert.
 
Laura Isnenghi: seit zehn Jahren in der Sprachdidaktik tätig, wba-diplomierte Erwachsenenbildnerin, Weiterbildnerin, Verlagsreferentin, Unterrichtsbeobachterin, Lehrwerksautorin.
Erwin Schmitzberger: Ausbildung bei Steve Bellis (Yale College, Wales) und Joe Lambert (Storycenter, Berkeley), seit 2009 Obmann von digital story vienna.
Elisabeth Feigl: Referentin für Sprachunterricht beim Verband Österreichischer Volkshochschulen.
 
 
Donnerstag, 18.10.2012, 9.00–12.00 Uhr, IWK
ExpertInnengespräch mit Laura Isnenghi und
Erwin Schmitzberger
Anmeldung: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at
 
 
Mittwoch, 14.11.2012, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft, Hörsaal 1, Sensengasse 3a, 1090 Wien
Bettina Dausien (Wien):
Aus Geschichten lernen? Überlegungen zum Gebrauch und zur Produktion biographischen Wissens in professionellen pädagogischen Settings
Respondenz: Wolfgang Kellner (Wien)
Die Arbeit mit biographischen Erzählungen ist in der Erwachsenenbildung ein vertrauter Ansatz, findet aber zunehmend auch in anderen pädagogischen Kontexten Beachtung, z. B. in der Schule, in der Bildungsberatung oder bei der Ermittlung »informell« erworbener Kompetenzen. Wie lässt sich der pädagogische Gebrauch von Lebensgeschichten theoretisch begründen? Welche Art von Wissen kommt damit ins Spiel? Und: Welche pädagogischen Hoffnungen sind mit einer biographisch orientierten Bildungspraxis verbunden? Diese Fragen werden im Vortrag systematisch untersucht mit dem Ziel, eine theoretische Folie für die Reflexion und Kritik biographischer Ansätze anzubieten.
 
Bettina Dausien: seit 2009 Professorin für Pädagogik der Lebensalter am Institut für Bildungswissenschaft der Uni­versität Wen; Arbeitsschwerpunkte: Biographieforschung und Interpretative Sozialforschung, Bildung im Kontext von Lebenslauf und Lebensgeschichte, Professionalisierung pädagogischer Praxis, Biographie und Geschlecht.
Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österr. Bildungswerke.
 
 
Ergänzend zum Semesterschwerpunkt »Biographisches Erzählen in der Bildungsarbeit« findet als Kooperation des Jour fixe mit der Stabsstelle Gendermainstreaming der Medizinischen Universität Wien folgender Vortrag statt:
 
Mittwoch, 28.11.2012, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft
Michael Hartmann (Darmstadt):
Der Mythos der Leistungseliten
In seiner empirischen Studie »Der Mythos von den Leistungseliten« (Campus 2002) untersucht Michael Hartmann den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Zugangschancen zu Elitepositionen in Deutschland. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Chancengleichheit diesbezüglich erhebliche Defizite aufweist. Der Vortrag diskutiert diese Befunde auf der Basis aktueller Daten, die aus einem laufenden großen Forschungsprojekt über die deutschen Eliten stammen.
 
Michael Hartmann: Professor für Elite- und Organisationssoziologie an der TU Darmstadt.
 

med uni genderzentrum       meduni


Veranstaltungshinweis:

Michael Hartmann wird am 29. November um 10.00 Uhr bei der Tagung »Hat wissenschaftliche Leistung ein Geschlecht? Ergebnisse und Perspektiven der Exzellenzdebatte« (9.30–16.00 Uhr) zum Thema »Eliteuniversitäten – Die Spaltung des Hochschulsystems« referieren.
Weitere ReferentInnen: Nilufar Mossaheb, Karoline Rumpfhuber, Nicole Schaffer, Teresa Rees, Martina Schraudner.
Konzept: Stabsstelle Gendermainstreaming der Medizinischen Universität Wien.
Ort: Rektoratssaal der Medizinischen Universität Wien, Spitalgasse 23, 1090 Wien.
Anmeldung unter: gendermain@meduniwien.ac.at.


Nähere Informationen auf der Homepage des Gender Mainstreaming der Medizinischen Universität Wien: www.meduniwien.ac.at/gender.
 
 
Mittwoch, 12.12.2012, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft, Hörsaal 1, Sensengasse 3a, 1090 Wien
Hannes Schweiger (Wien):
Grenzgeschichten. Literarische Migrationsbiographien in der Bildungsarbeit
Respondenz: Nadja Thoma (Wien)
In vielen literarischen Texten – sowohl der Gegenwarts­literatur als auch aus vergangenen Jahrhunderten – finden sich Darstellungen von Lebensgeschichten, für die Migration und ihre Folgen bestimmend wirken. Derartige biographische Erzählungen lassen sich in der Bildungsarbeit einsetzen, um kulturelle und nationale Zuschreibungen zu hinterfragen, um sich mit Fragen der Identität auseinanderzusetzen und um kreative Zugänge zu kulturbezogenem Lernen zu schaffen. Anhand konkreter Beispiele aus der Erwachsenenbildung und des schulischen Deutsch- und Fremdsprachen­unterrichts werden in diesem Vortrag Konzepte für die Arbeit mit grenzüberschreitenden Lebensgeschichten diskutiert.
 
Hannes Schweiger: wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie in Wien und Lehrbeauftragter im Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Wien.
Nadja Thoma: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Schwerpunkte: Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit, Jugendkulturen und Jugendsprachen in der Migration.
 
 
Donnerstag, 13.12.2012, 9.00–12.00 Uhr, IWK
Workshop mit Hannes Schweiger
In dem Workshop wird anhand von Beispielen aus der Unterrichtspraxis diskutiert, welches Potenzial literarische Texte für die Auseinandersetzung mit Migrationsbiographien in der Erwachsenenbildung enthalten.
Anmeldung: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at
 
 
Mittwoch, 9.1.2013, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft, Hörsaal 1, Sensengasse 3a, 1090 Wien
Meinrad Ziegler (Linz):
Zur Konstruktion und Rekonstruktion von Biographien: kulturelle Muster und soziale Regeln
Respondenz: Franz Prammer (Wien)
Die Aufgabe von biographischen Erzählungen ist es nicht, den historischen Lauf der Dinge wiederzugeben oder Wahrheiten mitzuteilen. Sie gestalten vielmehr die Wirklichkeit, und zwar so, dass die Erzählenden in dieser Wirklichkeit leben und es in ihr aushalten können. In der Bildungsarbeit ist es wichtig, über die impliziten Konstruktionsregeln beim biographischen Erzählen informiert zu sein. Dieses Wissen ermöglicht es uns, bei der Arbeit der Re-Konstruktion zumindest ein Stück weit subjektive und historische Wirklichkeit zu unterscheiden. Der Vortrag stützt sich im Hinblick auf die Prinzipien biographischer Konstruktionen auf die Arbeiten von Paul Ricœur, im Hinblick auf bewährte Regeln für das Rekonstruieren von Biographien auf methodologische Überlegungen von Pierre Bourdieu aus dem Projekt über das »Elend der Welt«.

Meinrad Ziegler: ao. Univ.-Prof. am Institut für Soziologie der Universität Linz. Forschungsschwerpunkte: Erinnerungskulturen, Biographieforschung, Arbeit und gesellschaftlicher Wandel.
Franz Prammer
: bis 2010 Professor an der Pädagogischen Hochschule KPH Wien, Mitarbeit an Forschungsprojekten zur Kompetenzentwicklung an der KPH Wien, Publikationen und Lehraufträge an der Universität Wien zu Paul Ricœur.
 
 
Mittwoch, 23.1.2013, 19.00 Uhr, Institut für Bildungswissenschaft, Hörsaal 1, Sensengasse 3a, 1090 Wien
Heidi Behrens (Essen):
Vielstimmigkeit und Subjektivität als Prinzipien. Wie biographische Erzählungen die politische Bildung verändert haben
Seit den 1980er-Jahren konnte sich in der BRD der biographische Ansatz zunächst in Erziehungswissenschaft, Soziologie und Geschichtsschreibung etablieren. Auch die pädagogische Arbeit mit Zeitzeugen der Jahre 1933 bis 1945 in NS-Gedenkstätten hatte einen hohen Stellenwert, und die Massenmedien setzten zunehmend auf das Erfahrungswissen der »Mitlebenden«. Dennoch dauerte es noch mehr als ein Jahrzehnt, bis Ansätze des »biographischen Lernens« und der »biographischen Kommunikation« in der politischen Erwachsenenbildung als gleichberechtigtes Konzept neben anderen praktiziert und auch von Skeptikern allmählich akzeptiert wurde. Der Vortrag skizziert den zurückgelegten Weg, zeigt Impulse auf und setzt sich mit Prinzipien biographischer Kommunikation auseinander. Vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Ereignisse und gesellschaftlicher Herausforderungen wird schließlich nach Perspektiven – auch für die Profession – gefragt.

Julia Demmer (Wien):
Irritationen im Umgang mit biographischen Erzählungen in der pädagogischen Praxis
Als Respondenz zum Vortrag von Heidi Behrens aus österreichischer Perspektive wird eine ethnographische Studie zu NS-ZeitzeugInnengesprächen in Settings der historisch-politischen Bildungsarbeit vorgestellt.

Heidi Behrens war bis 2008 pädagogische Mitarbeiterin und Mitglied im Leitungsteam des Bildungswerks der Humani­stischen Union Essen. Schwerpunkte u. a.: politische Bildung zur NS- und DDR-Geschichte, Erinnerungskultur und Gedenk­stättenpädagogik, biographisches Lernen.
Julia Demmer ist seit 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, sie arbeitet derzeit an ihrem Dissertationsprojekts über NS-ZeitzeugInnengespräche in der historisch-politischen Bil­dungsarbeit.
 
 
Donnerstag, 24.1.2013, 9.00–12.00 Uhr, IWK
ExpertInnengespräch mit Heidi Behrens und Julia Demmer
Anmeldung: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at


Workshop Bildungstheorie: Als Feedback-Veranstaltung zu den fünf Vortragsabenden wird der dreistündige Workshop Bildungstheorie angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich – Information/Anmeldung: Ring Österreichischer Bildungswerke (Tel.: 01/533 88 83, www.ring.bildungswerke.at). Die Teilnahme an den Jour-fixe-Veranstaltungen und am Workshop ist als Seminar Bildungstheorie von der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditiert. Termine in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.
 

Bettina Dausien: seit 2009 Professorin für Pädagogik der Lebensalter am Institut für Bildungswissenschaft der Uni­versität Wien.
Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.
Stefan Vater: wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeits- und Forschungsstelle des Verbands Österreichischer Volkshochschulen.
 
 
Ring
                          Österreichischer Bildungswerke

VOEV


Uni Wien
Institut für Bildungswissenschaft

 

Soziale Bewegungen und politische Erwachsenenbildung
Vortragsreihe in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) und dem Depot
Konzept und Moderation: Rahel Baumgartner, Hakan Gürses (ÖGPB)

Semesterprogramm als PDF: pdf
 
Politische Erwachsenenbildung verschreibt sich der Aufgabe, bestehende politische Ordnungen in historischer wie struktureller Hinsicht zugleich verständlich und kritisierbar zu machen. Jüngere Ansätze wiederum erblicken die Hauptaufgabe der politischen Bildung in der Kompetenzsteigerung von Individuen – damit sie sich als Bürgerinnen und Bürger in diesen politischen Ordnungen zurechtfinden und daran teilhaben können.
Seit jeher stellen unterdessen soziale Bewegungen, die sich just an der radikalen Kritik des Bestehenden entzünden, eine Quelle für die Vermittlung des Politischen dar: sei es in Form eines Vermächtnisses (historisches Wissen, politische Erfahrungen, Theoriebildung) oder als Ermächtigung von Unterdrückten, Ausgeschlossenen und Diskriminierten. Soziale Bewegungen spielen aber auch im Rahmen der formalen politischen Bildung eine wesentliche Rolle – als Anschauungsbeispiele ebenso wie bei Paradigmenwechseln dieser Disziplin.
 
 
Mittwoch, 24.10.2012, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Hans Christian Voigt (Wien):
Social Media und soziale Bewegungen

Das Internet bietet sozialen Bewegungen niedrigschwellige Werkzeuge und Plattformen. Social Media scheinen Verstärkungs- und Katalysatorwirkung zu entfalten. Diese funktionalen Aspekte vernachlässigen den Umstand, dass »das Netz« seit gut 20 Jahren auch auf Vergesellschaftungsprozesse wirkt und zu neuartigen Vergesellschaftungsformen führt. Davon geben Begriffe wie »New Economy«, »Web 2.0«, die Rede von der »Cloud«, die Neukonnotation von sozialen Netzwerken ebenso Zeugnis wie die Phänomene Wikipedia, Anonymous und Piratenparteien, aber auch #unibrennt, #Stuttgart21, #occupy ...
 
Hans Christian Voigt: Soziologe aus Wien mit besonderem Interesse für Bedingungen der Dissidenz in sozialen Systemen und Herausgeber des Cross-Media-Handbuchs »Soziale Bewegungen und Social Media«. www.sozialebewegungen.org
 
 
Dienstag, 13.11.2012, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Birgit Sauer (Wien):
Feministisches Wissen und Politik

Soziale Bewegungen öffnen Räume, in denen alternatives Wissen gemeinsam produziert wird – Wissen, das Politik und Gesellschaft verändern soll. In diesem Sinne sind soziale Bewegungen genuine Orte des kollektiven Lernens. Diese Lern- und Emanzipationsprozesse und das Wissen sozialer Bewegungen können freilich im Raum des politischen Diskurses herrschaftlich vereinnahmt werden. Diese Paradoxie von Lernen und Wissen soll am Beispiel der österreichischen Anti-Gewalt-Bewegung dargestellt werden.
 
Birgit Sauer: Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien. www.birgitsauer.org
 
 
Mittwoch, 28.11.2012. 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Robert Foltin (Wien):
Autonome soziale Bewegungen und Demokratie

Soziale Bewegungen wie die der Studierenden bei unibrennt im Jahre 2009 können als Lernorte für Prozesse gelten, die zu mehr Beteiligung der vielen hinführen und auf die Probleme und Schwächen der repräsentativen Demokratie hinweisen.  Diese »großen« Bewegungen haben allerdings Organisationsformen aufgegriffen, mit denen in einem kleineren Ausmaß bereits in autonomen und anarchistischen Strukturen und Projekten, besonders aber bei Besetzungen von Häusern und Plätzen, experimentiert wurde.
 
Robert Foltin: studierte Sprachwissenschaft und Philosophie und ist Redakteur und Autor der »grundrisse. zeitschrift für linke theorie und debatte«. Er arbeitet zu politisch-gesellschaftlichen Grundlagen des Kapitalismus und zu sozialen Bewegungen. http://robertfoltin.net
 
 
Montag, 10.12.2012, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Lena Freimüller (Klagenfurt):
Frieden Bewegung Bildung

Der Begriff Friedensbewegung ist oft Auslöser für Hippie-Nostalgien – aber wie steht es um den aktuellen Friedensaktivismus? Wo bewegt sich was? Wie sind Friedensbewegungen mit emanzipatorischen Bildungsstrategien verknüpft? Was bedeutet das Leitmotiv »Kultur des Friedens« für die Vermittlung von Politik und für die Beteiligung an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen? Und wer ist ein »Peace-Joker« oder könnte ein solcher sein?
 
Lena Freimüller: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, European Peace University Schlaining & Peace in Action, PIA!

Weitere Informationen:
http://www.politischebildung.at
 
Rahel Baumgartner: Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖGPB; Sozialpädagogin, Kultur- und Sozialanthropologin.
Hakan Gürses: wissenschaftlicher Leiter der ÖGPB, 1997–2011 Lektor und Gastprofessor für Philosophie an der Universität Wien. http://homepage.univie.ac.at/hakan.guerses.

ögpb



Interkulturelles Philosophieren in Theorie und Praxis
Jour fixe der WiGiP (Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie)

Koordination: WiGiP

Philosophieren ist nicht nur eine kulturelle Tätigkeit, es findet immer auch in einem kulturellen Kontext statt. Einen solchen Kontext bot und bietet aber nicht bloß, wie generell angenommen, die okzidentale Kultur. Daher verstehen wir unter interkulturellem Philosophieren zunächst die Orientierung, philosophische Diskurse aus vielen verschiedenen Kulturen und Traditionen als gleichberechtigte Beiträge wahrzunehmen und zu respektieren. Es reicht aber nicht, verschiedene Philosophien vergleichend nebeneinander zu stellen. Philosophische Diskurse unterschiedlicher Traditionen sind in einen offenen gemeinsamen Raum zu leiten – damit sie in einem Polylog ihre Unterschiede verstehen, einander verändern und gemeinsame Positionen entwickeln können. Das Projekt interkulturelles Philosophieren wird von der Annahme getragen, dass Probleme unserer heutigen Welt nur durch Beiträge aller betroffenen Kulturen und Traditionen gelöst werden können. Die WiGiP (Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie) versteht sich als ein Forum eines solchen philosophischen Polylogs. Mit dem Jour fixe der WiGiP möchten wir dieses Forum öffentlich zugänglich machen.


► Do., 6.12.2012, 18.00 Uhr, Seminar-Zentrum, Liechtensteinstraße 41, 1090 Wien
Präsentation der Nummer 27 von »polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren« zum Thema »Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens«
Mit Franz Gmainer-Pranzl und Bianca Boteva-Richter
Das Projekt interkulturellen Philosophierens erfährt gegenwärtig eine Phase der Revision und der kritischen Selbstvergewisserung. Nach interessanten Entwicklungen in den vergangenen beiden Jahrzehnten, in der auch die Zeitschrift »polylog« entstand, werden viele PhilosophInnen, die einer interkulturellen Orientierung folgen, von einer neuen Nachdenklichkeit eingeholt: Wie ist der bisherige Weg interkulturellen Philosophierens zu beurteilen? Inwiefern haben sich gesellschaftliche Realitäten und kulturelle Traditionen verändert? Fand interkulturelles Philosophieren Eingang in die universitären Institutionen? Kann man von einer Veränderung in der Problemwahrnehmung philosophischen Denkens sprechen, oder bleibt der akademische Diskurs unverändert – mit »interkultureller Philosophie« als einem »exotischen Zusatzfach«? Und nicht zuletzt: Wie wird interkulturell philosophiert?
All diese Fragen zeugen von einer Krise und einem neuen Aufbruch: von einem Mangel an geeigneten Methoden interkulturellen Philosophierens einerseits und einer Suche nach Wegen der Verständigung und des Miteinanders von Menschen aus unterschiedlichsten kulturellen, gesellschaftlichen und diskursiven Kontexten anderseits. Um der angezeigten methodischen Krise zu begegnen und die Suche nach neuen Wegen interkulturellen Philosophierens konkret anzustoßen, haben wir uns auf den Weg des Philosophierens in interkultureller Orientierung gemacht. Entstanden ist das 27. Heft von »polylog«, das verschiedene Zugänge zur interkulturellen Philosophie präsentiert.
 
Franz Gmainer-Pranzl ist Leiter des Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen an der Universität Salzburg und Redaktionsmitglied der Zeitschrift »polylog«.
Bianca Boteva-Richter ist Obfrau der Wiener Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie und Redaktionsmitglied der Zeitschrift »polylog«.


► Mi., 16.1.2013, 18.30 Uhr, IWK
Buchpräsentation
Peter Enz:  "Der Keim der Revolte: Militante Solidarität und religiöse Mission bei Ibn Khaldun" Vortrag und Diskussion

In seinem Versuch, die Geschichte, so wie er sie erlebt, rational begreiflich zu machen, entwirft Ibn Khaldun, ein Tunesier aus dem 14. christlichen Jahrhundert, in seinem geschichts-theoretischen Hauptwerk den Begriff der Asabiya.
Die Asabiya ist eine Art militanter Solidarität, die die Mitglieder einer Gruppe von Menschen aneinander bindet und es der Gruppe ermöglicht, sich gegen äußere Bedrohungen zu wehren und aktive Machtansprüche zu stellen. Sie ist im Gedankengebäude Ibn Khalduns die eigentliche Bewegerin der Geschichte, sie treibt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen an, sie macht eine Gruppe von Menschen zu einem aktiven politischen Subjekt. Ohne Asabiya
ist politischer Erfolg nicht möglich.
Peter Enz macht es sich zur Aufgabe, die vielschichtigen Strukturen dieses Begriffs, seine Bedingungen und Funktionen genau zu durchleuchten. Die Bedeutung der Asabiya erschöpft sich nämlich nicht in ihrer Rolle als soziale Kraft. Gerade im Dialog mit dem post-marxistischen Denker Alain Badiou entpuppt sie sich als ein Konzept, das die komplexen Strukturen revolutionärer Bewegungen verständlich machen kann.Die Asabiya ist das bedingungslose, militante Bekenntnis des Einzelnen zur Wahrheit eines politischen Ereignisses und somit auch der Ursprung von Rebellion und Revolte.

Peter Enz, geboren 1987, studierte an der Universität Wien Arabistik und Philosophie und schloss beide Studien mit Arbeiten zu Ibn Khaldun ab. Das Arabische Denken lernte er unter anderem auf ausgedehnten Reisen in die Arabische Welt kennen. Schon während des Studiums war er für die österreichische Tageszeitung "Die Presse" tätig. Gegenwärtig arbeitet er als Übersetzer im Bundesdienst.




Weitere Informationen zur WiGiP, alle Abstracts sowie eventuelle Workshops finden Sie unter http://www.wigip.org/





Feministische Theorie und Gender Studies
Konzept und Organisation: Susanne Hochreiter, Silvia Stoller

Semesterprogramm als PDF: pdf
 
Die Vortragsreihe widmet sich in diesem Semester der Männlichkeitsforschung. Die in jüngerer Zeit sehr öffentlichkeitspräsente neue Männerrechts- und Väterrechtsbewegung mit ihrer teils antifeministischen Einstellung stellt den unmittelbaren Anlass für diese Fokussierung dar. Aber auch die Tatsache, dass Männlichkeitsforschung in den Gender Studies nach wie vor unzureichend berücksichtigt wird, lässt eine Beschäftigung mit diesem Zweig der Geschlechterforschung aus unserer Sicht notwendig erscheinen. Die Vortragenden in diesem Semester rücken die Männlichkeitsforschung aus unterschiedlichen Disziplinen ins Zentrum.


Mittwoch, 7.11.2012, 18.30 Uhr, IWK
Herta Nöbauer (Wien):

Männlichkeiten im Aufbruch: Krisen und Re-formationen von Männlichkeiten im globalen Zeitalter

Dieser Vortrag diskutiert Dynamiken von Männlichkeitskonstruktionen im Zuge der gegenwärtigen Globalisierungsprozesse. Die globalen Bewegungen von Menschen und Vorstellungen von Geschlecht bzw. Männlichkeit ziehen sowohl für Männer als auch für Frauen Verunsicherungen in Geschlechterbeziehungen und in Bezug auf eine jeweils etablierte Geschlechterordnung nach sich. Häufig rufen Konfrontationen mit verschiedenen Geschlechtervorstellungen auch Krisen von Männlichkeiten und in den Geschlechterbeziehungen hervor. Mit welchen Praktiken diesen Verunsicherungen und Krisen entgegengetreten wird und welche Auswirkungen dies auf eine jeweilige Geschlechterordnung hat, werde ich anhand von ethnografischen Beispielen und mit Bezug auf sozialanthropologische bzw. sozialwissenschaftliche Theorien aufzeigen.

Herta Nöbauer: ist promovierte Kultur- und Sozialanthropologin und arbeitet am gleichnamigen Institut an der Universität Wien. Ihre Schwerpunkte in Lehre und Forschung liegen in den Bereichen der Sozialanthropologie des Körpers, der Männlichkeitsforschung, der Anthropologie der Gefühle sowie der Zusammenhänge zwischen Globalisierung, Arbeit und Geschlecht sowie von Natur und Umwelt.


Mittwoch, 28.11.2012, 18.30 Uhr, IWK
Hinrich Rosenbrock (Marburg):

Antifeminismus 2.0 – Vernetzung, Ideologien und Strategien

In den letzten Jahren hat sich ausgehend von den USA und der europäischen Väterrechtsbewegung eine neue Form des Antifeminismus etabliert. Mittlerweile gelingt es diesen antifeministischen Netzwerken in Österreich, der Schweiz und Deutschland vermehrt, medienwirksam aufzutreten. Im Gegensatz zum traditionellen Antifeminismus wird dabei vor allem die männliche Verletzbarkeit taktisch und emotional in den Vordergrund gestellt. Strategisch setzen Teile der Netzwerke auf Hate Speech und versuchen so, andere AkteurInnen aus den Diskursen über Geschlechtergerechtigkeit zu verdrängen. In die Darstellung mit einbezogen werden Fragen nach Bedeutung dieses neuen Antifeminismus und möglichen Reaktionsweisen auf ihn.

Hinrich Rosenbrock: studierte von 2005 bis 2011 Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Soziologie und Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum. Er arbeitete am Lehrstuhl von Prof. Ilse Lenz (Soziale Ungleichheit und Geschlecht) und veröffentlichte für die Heinrich-Böll-Stiftung die Expertise »Die antifeministische Männerrechtsbewegung«.

Mittwoch, 12.12.2012, 18.30 Uhr, IWK
Barbara Hindinger (Weilheim):
»Vor einem starken Gefühl kann auch ein Mann erschrecken« – Zur literarischen Konzeption von Männlichkeiten im 18. und 19. Jahrhundert

Die Männerforschung ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen innovativen Feld der Gender Studies geworden. Die Auseinandersetzung mit Gefühl und Männlichkeit findet jedoch erst seit kurzem eine stärkere Berücksichtigung. Der Vortrag skizziert zunächst Stand und Bedeutung der Masculinity Studies und zeigt dann anhand von ausgewählten literarischen Beispielen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, wie sehr Gefühle ein zentraler, aber ständig wandelbarer Bestandteil von Männlichkeit sind. 

Barbara Hindinger: hat in Passau, Gießen und München Germanistik und Geschichte studiert und 2003 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Untersuchung zum Thema »Tragische Helden mit verletzten Seelen. Männerbilder in den Dramen Friedrich Hebbels« promoviert. Zuletzt gem. mit Martin M. Langner herausgegeben: »Ich bin ein Mann! Wer ist es mehr? Männlichkeitskonzepte in der deutschen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart« (München 2011).

Mittwoch, 30.1 2013, 18.30 Uhr, IWK
Stefan Krammer (Wien):
Unmögliche Liaison? Feministische Theorie und Männlichkeitsforschung in der Literaturwissenschaft

Der Vortrag geht der Frage nach, auf welche Weise Männlichkeitsforschung auf Aspekte der feministischen Theorie Bezug nimmt und inwiefern deren Positionen übernommen, transformiert oder auch verworfen werden. Der Fokus wird dabei auf Erkenntnisse gerichtet, wie sie vor allem in der Literaturwissenschaft diskutiert werden. Welche Rolle dabei den Fiktionen des Männlichen zukommt, soll anhand der Positionierung der Männlichkeitsforschung zwischen feministischer Literaturtheorie und Queer Theory diskutiert werden.

Stefan Krammer: ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik der Universität Wien und dort mit der Leitung des Fachdidaktischen Zentrums Deutsch betraut. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Österreichische Literatur, Deutschdidaktik und Gender. Zuletzt herausgegeben (gem. mit Wolfgang Straub und Sabine Zelger): »Tropen des Staates. Literatur, Film, Staatstheorie 1918–1938« (Stuttgart 2012).

Silvia Stoller: Universitätsdozentin am Institut für Philosophie der Universität Wien.
Susanne Hochreiter: Universitätsassistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien.




Jour fixe: Simulation komplexer Systeme
Koordination: Manfred Füllsack

Semesterprogramm als PDF: pdf

Die Möglichkeit, das Verhalten komplexer Systeme am Computer zu simulieren, eröffnet zurzeit einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen neue Forschungszugänge. Viele bisher für »dirigiert« gehaltene Phänomene – von Tierschwärmen über Verkehrsstaus und Spezifika der Stadtentwicklung bis hin zu Märkten und sozialen Normen – entpuppen sich mit ihr als selbstorganisiert und lassen sich in ihren Parametern verändern und in ihrem Entstehen beobachten. Die Bottom-up-Methode der Simulation macht Wirkungen sichtbar, die top down, also von ihrem Ergebnis her, oft auf andere Ursachen zurückgeführt würden. Sie scheint damit in der Lage, »altbekannte« wissenschaftliche Fragen in ein neues Licht zu rücken.
Die Veranstaltungsreihe will – disziplinenübergreifend – Personen, die an dieser Methode Interesse haben, eine gemeinsame Plattform bieten und den Austausch von Informationen und Neuigkeiten zu dieser Methode und entsprechenden Forschungsprojekten fördern. Weitere Informationen: http://sim.econ.tuwien.ac.at/.


Donnerstag, 15.11.2012, 19.00 Uhr, IWK
Rainer E. Zimmermann (München):
Metaphysics of Emergence

During the last fifteen years we can observe a progressive convergence of physics, biology, and computer science that is actually tending to go far beyond the already classical framework of physical theories of everything. This is mainly so because the problem of emergence implicit in this sort of theory building is considerably more complex than what is encountered within the development of intra-physical modelling alone. Work over the last two years has revealed essentially two main insights: First of all, as it turns out, it is in fact the metaphysical grounding of the problems involved that might prove helpful for achieving basic progress. Hence, it is thus possible to give a new modern meaning to formerly purely philosophical attitudes traditionally derived from a line of thought associated with what Schelling used to call »speculative physics«.  On the other hand, recent results on the physical aspects of energy and information and their discursive representation display clearly the mediated nature of the categories of cognition and communication on the most fundamental level of reflexion. Hence, it can be shown that it is the concept of »evolutionary system« that opens up the epistemological field of possibilities once it is chosen as a leading paradigm itself.

Rainer E. Zimmermann ist Professor für Philosophie an der Hochschule München, zudem Life Member of Clare Hall, Cambridge (UK), sowie gewähltes Mitglied der Internationalen Akademie für kybernetische und Systemwissenschaften (iascys) Wien. Um die 350 Publikationen , darunter 20 Bücher.


Donnerstag, 6.12.2012, 19.00 Uhr, IWK
Karolina Safarzynska (Wien):
The Coevolution of Institutions and Environment

We propose a model of multi level (group) selection in the presence of climate variability, where environment and culture coevolve. The model describes a population subdivided into groups, each with access to a renewable resource. Individuals employ different harvesting strategies: defectors harvest more resources than cooperators and punishers. In groups with many defectors, resource extraction may exceed the level of sustainable harvests, causing resource exhaustion. Weather shocks accelerate resource scarcity and eliminate groups with many defectors. The model is used to study conditions under which resource conservation evolves. Conservation is costly but enhances group's chances of survival. We study conditions under which environmental crises enhance the evolution of cooperation. We examine how between-group interactions such as resource-conflict and harvest-sharing affect the probability of resource exhaustion.

Karolina Safarzynska works as an assistant professor at the Institute of the Environment and Regional Development at WU Vienna University of Economics and Business. Her research interests concern evolutionary-economic modeling, sustainable development, technological change, complexity, and environment-economy coevolution. She has published several articles on these issues.


Donnerstag, 10.1.2013, 19.00 Uhr, IWK
Manfred Füllsack (Graz/Wien):

»Ententionality«, Emergence and the Observer. A Review of Deacon’s »Incomplete Nature« on the Background of Suggestions by Mark Bedau and Heinz von Foerster
This presentation will discuss implications of the recent proposal of Terrence Deacon to unify physical and human sciences by focusing on the constraints of matter – »the absent rather than the present« – thereby resorting to the emergence of morphodynamic from thermodynamic, and teleodynamic from morphodynamic processes. Deacon’s proposal will be reviewed on the background of Mark Bedau’s suggestion to define (weak) emergence in respect to computer-based simulation. And it will be questioned in regard to Heinz von Foerster’s invitation to consider the observer in each conception with aspiration to a Theory of Everything.

Manfred Füllsack is Professor for Systems Sciences at the University of Graz, concerned with theory and simulation of complex systems, in particular networks, and with the epistemology of productivity and sustainability.


Donnerstag, 24.1.2013, 19.00 Uhr, IWK
Wolfgang Hofkirchner (Wien):
Emergent Information. The Quest for a Unified Theory

The talk will deal with an attempt to cast a framework for a unified theory of information. That framework is based upon systems thinking, in particular, on the concept of »evolutionary system«. It will be demonstrated that every evolutionary system can be regarded as an agent that is capable of generating as well as utilising information. Information is then a relation that is actualised by an evolutionary system relating a perturbation that occurs to a system to a change in the system’s structure, state or behaviour. Such a definition can include semiotic concepts, in particular, those of C. S. Peirce. Emergence is shown as a sine qua non for the existence of information.

Wolfgang Hofkirchner is Associate Professor for Technology Assessment at the Vienna University of Technology. He is heading the Unified Theory of Information Research Group, the Bertalanffy Center for the Study of Systems Science and President Elect of the International Society for Information Studies. His focus is on a theory that comprises information, information technology and information society. A book with the title »Emergent Information« is to be published at the end of 2012 (World Scientific).




Digitale Objekte sichern, archivieren und r
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Das digitale Langzeitarchivierungssystem Phaidra an der Universität Wien
Eine Einführung

Mit
Susanne Blumesberger
(Wien)

Diese Veranstaltung dient zur Einführung in den Umgang mit Phaidra (Permanent Hosting, Archiving and Indexing of Digital Resources and Assets), dem Digital Asset Management System mit Langzeitarchivierungsfunktionen der Universität Wien.
Phaidra erfüllt vielfältige Aufgaben: Es kann als sicherer Speicherort für wertvolle digitale Objekte verwendet werden. Auch eigene digitalisierte Objekte oder Digital-born-Objekte können in Phaidra gespeichert werden. Jedes Objekt, das mit Lizenzen und ausführlichen Metadaten versehen wird, erhält einen persistenten Link, der eine beständige Zitiermöglichkeit bietet. Die Zugangsberechtigung kann für jedes archivierte Objekt nach Bedarf vergeben werden. Daraus ergibt sich eine Fülle an Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Anlegen von Bildersammlungen oder das Archivieren von wertvollen Audio- bzw. Videodokumenten. Phaidra wird auch in der Lehre und Forschung verwendet. Lehrmaterialien können in Phaidra archiviert, mit Zugangsberechtigungen auf bestimmte Personen oder Institute versehen und zu Sammlungen zusammengefügt werden. Eine wichtige Funktion ist auch die rasche Publikationsmöglichkeit von Forschungsergebnissen, Beiträgen oder audiovisuellen Materialien Lehrender und Studierender.
Der aktive Umgang mit Phaidra, das heißt das Speichern und Verlinken von Objekten, ist – ohne bürokratische Hürden – offen für Angestellte der Universität Wien und Externe, die diese Berechtigung erhalten, sowie für Studierende mit u:net-Account.
Das Recherchieren und Ansehen der Inhalte ist für jede/n ohne Einloggen möglich.
Die Serviceseite (http://phaidraservice.univie.ac.at) gibt einen ersten Einblick in das System.

Termine/Ort: 17.10.2012, 6.11.2012, 11.12.2012, 21.1.2013, jeweils 18.30 Uhr im IWK

Anmeldung erforderlich, E-Mail an: susanne.blumesberger@univie.ac.at

Susanne Blumesberger
: Mitarbeiterin im Langzeitarchivierungssystem Phaidra an der Universitätsbibliothek Wien.

 



Suchterkrankungen: Ursachen, präventive Maßnahmen, Therapien
Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit der Aktion für 0,0 Promille
Koordination: Peter Wasservogel

Semesterprogramm als PDF: pdficon
 
Der Arbeitskreis versteht sich als Plattform für die Diskussion von SpezialistInnen und interessierten Laien zum Thema der substanzgebundenen wie auch der substanzungebundenen Suchterkrankungen. Abhängigkeiten und Suchterkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft generell zu. Der Arbeitskreis beleuchtet die komplexen gesellschaftlichen Ursachen dieser Entwicklung; er präsentiert neue Forschungsergebnisse, informiert über unterschiedliche Ansätze in Prävention, Behandlung und Rehabilitation sowie über aktuelle gesundheits- und suchtpolitische Entwicklungen. Dabei werden neben medizinischen auch psychologische, soziologische, juristische und gesundheitspolitische Aspekte des Themas berücksichtigt.
 
 
Dienstag, 18.9.2012, 18.30 Uhr, IWK
Ute Andorfer (Wien) im Gespräch mit einer Patientin:
Ein Weg aus der Suchterkrankung

So wie es nicht den einen Weg in eine Suchterkrankung gibt, so gibt es auch nicht den einen Weg wieder hinaus. Die Therapieverläufe bzw. therapeutischen Wege der PatientInnen des Anton Proksch Instituts (Wien) sind so unterschiedlich, wie es die Menschen sind, die Hilfe bei ihrer Suchterkrankung suchen. Notwendig ist dabei das Sich-aufeinander-Einlassen, sowohl von therapeutischer Seite als auch von Seiten der Betroffenen. In Form eines Dialogs werden an diesem Abend Patientin und Therapeutin versuchen, eine konkrete Suchterkrankung den ZuhörerInnen verstehbar und nachvollziehbar zu machen sowie exemplarisch den Weg aus der Suchterkrankung zu beschreiben.
 
Ute Andorfer: Klinische und Gesundheitspsychologin, Verhaltenstherapeutin; seit 2000 am Anton Proksch Institut (Wien), Schwerpunktkoordinatorin des Bereichs »Gender«, sowie stv. Schwerpunktkoordinatorin der Bereiche »Angehörige von Suchtkranken« und »Kreativität und Lebensgestaltung«.


Dienstag, 23.10.2012, 18.30 Uhr, IWK
Sonja Grabenhofer (Wien):
(Neue) psychoaktive Substanzen – Entwicklungen und Trends

Die Vortragende, Leiterin von »checkit!«, der Informations- und Beratungsstelle zum Thema Freizeitdrogen, sowie Leiterin des Projekts »Partyfit!«, vermittelt einen Überblick über derzeit populäre Substanzen bzw. Substanzklassen sowie deren Wirkspektren und Vermarktungsformen. Darüber hinaus werden Strategien für Prävention und Beratung vorgestellt und diskutiert.
 
Sonja Grabenhofer: Bereichsleiterin Suchtprävention der Suchthilfe Wien gGmbH; Vortragende in Suchtpräventions- und SuchtberaterInnenlehrgängen, an Fachhochschulen, für MultiplikatorInnen und auf nationalen und internationalen Kongressen; Mitglied des Beirats des österreichischen Informations- und Frühwarnsystems über besondere Gesundheitsgefahren im Zusammenhang mit Substanzkonsum (EWS).
 

Dienstag. 20.11.2012, 18.30 Uhr, IWK
Wolfgang Preiszler (Wien):
Die polizeiliche Praxis in Bezug auf Drogenkriminalität
Süchtiges Einzelverhalten – insbesondere im Umgang mit psychoaktiven Substanzen – steht in westlichen Demokratien im Spannungsfeld von staatlichen Regulierungen, Verboten, polizeilichen Maßnahmen und der Gesundheitspolitik. Der Vortrag wird Methoden der Polizeiarbeit vorstellen und diskutieren, welche Rolle die polizeiliche Praxis im Ensemble der staatlichen Drogen- und Suchtpolitik spielt.
 
Wolfgang Preiszler: Oberstleutnant der Polizei, Drogenkoordinator des Landespolizeikommandos Wien, verantwortlich für Bekämpfung der Suchtgiftkriminalität, seit 2009 stellvertretender Leiter des Assistenzdienstes im Landeskriminalamt Wien.
 

Dienstag, 4.12.2012, 18.30 Uhr, IWK
Michael Heiling, Marlene Reisinger (Wien):
Kleines Glücksspiel – großes Leid
Was ist das kleine Glücksspiel? Warum ist es so gefährlich und welche Auswirkungen hat es? Ist ein Verbot eine geeignete politische Maßnahme, um die Spielsucht und ihre gesellschaftlichen und persönlichen Auswirkungen zu bekämpfen? Die ReferentInnen sind AktivistInnen der Sektion 8 der SPÖ Wien und haben sich für das Verbot des kleinen Glücksspiels eingesetzt und dieses in Wien auch erreicht. Neben der politischen Debatte werden sie vor allem die derzeitige Ausgestaltung der gesetzlichen Lage, die sozialen Auswirkungen der Sucht sowie öffentliche und soziale Folgekosten des kleinen Glücksspiels diskutieren.
 
Michael Heiling: Betriebswirt und Politikwissenschafter, Aktivist der Sektion 8.
Marlene Reisinger: Medizinerin und Aktivistin der Sektion 8.
 

Dienstag, 22.1.2013, 18.30 Uhr, IWK
Georg Psota (Wien):
Aktuelle Entwicklungen im Umgang der Gesellschaft mit süchtigem Verhalten. Überlegungen aus der Sicht eines Psychiaters
Suchterkrankungen bilden ein gesamtgesellschaftliches Problem, weshalb sie auch nur durch die gesamte Gesellschaft gelöst werden können, nicht bloß durch die MitarbeiterInnen des Suchthilfesystems. Der Vortrag versucht zu analysieren, welche gesellschaftlichen Ursachen für die Zunahme an substanzgebundenen und substanzungebundenen Süchten verantwortlich sind und wie aus der Perspektive eines Psychiaters der gegenwärtige Umgang der Gesellschaft mit süchtigem Verhalten einzuschätzen ist.
 
Georg Psota ist seit 1993 Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. 1994 wurde er Oberarzt. Daneben leitete er als Primar das Sozialpsychiatrische Ambulatorium Josefstadt sowie den 2005 gegründeten Mobilen Psychiatrischen Krisendienst und gestaltete den Sozialpsychiatrischen Notdienst mit. Seit 2010 leitet er den Psychosozialen Dienst in Wien (PSD).
 

Peter Wasservogel: Stellvertretender Obmann der Aktion 0,0 Promille, Jurist, Kommunikationswissenschaftler, freischaffender Medienberater.
                         




Um:Druck-Gespräche
Polit- und Kulturplakate in der jüngeren Geschichte Österreichs

Eine Kooperation mit dem Künstlerhaus Wien und »Um:Druck – Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur«
Konzept und Präsentation: Philipp Maurer

Semesterprogramm als PDF: pdf

Die Um:Druck-Gespräche vermitteln Geschichte und Theorie von Druckgraphik und Bildmedien und analysieren deren soziale und politische Botschaften, um so zu einem rationalen und kontroversiellen Diskurs über Kunst und Gesellschaft beizutragen.
Heute verstehen wir unter Druckgraphik die vervielfältigten und verbreiteten Bilder. Daher sind auch Plakate, die in die Öffentlichkeit wirken wollen und künstlerischen Anspruch haben, Gegenstand der Diskussion über Druckgraphik. Plakate zielen darauf ab, durch wirkungsvolle Bildzeichen unsere Wahrnehmung und Beurteilung von Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur zu prägen und unser Verhalten zu beeinflussen. Die Um:Druck-Gespräche thematisieren Polit- und Kulturplakate in der jüngeren Geschichte Österreichs. Die Gesten der Kriegsbegeisterung während des Ersten Weltkriegs, die Symbole der politischen Frontstellungen der Ersten Republik, die Klischees der österreichischen Tourismuswerbung bis hin zu den Umweltplakaten Friedensreich Hundertwassers werden mit Fachleuten analysiert und diskutiert. Ein Abend widmet sich in polemischer Grundhaltung dem aktuellen Thema Kunstreligion.
Die Um:Druck-Gespräche weisen voraus auf die Internationale Druckgraphik-Triennale Kraków – Oldenburg – Wien im April 2013 im Wiener Künstlerhaus, die einen Schwerpunkt auf künstlerische Plakate legen wird.


Donnerstag, 11.10.2012, 18.00 Uhr, Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Willkommen in Österreich!
Wie die Fremdenverkehrswerbeplakate das Bild Österreichs nach außen und das Selbstbewusstsein der ÖsterreicherInnen nach innen prägen. Aus Anlass der aktuellen Ausstellung »Willkommen in Österreich« im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.
Mit Christian Maryška

Christian Maryška: Mitarbeiter der ÖNB, Kurator der Plakatsammlung der ÖNB.


Donnerstag, 18.10.2012, 18.00 Uhr, Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Wider die Kunstreligion!
Ein Abend in polemischer Grundhaltung gegen die Kunstfrömmigkeit, gegen die VerehrerInnen esoterischer Kunst und über kapitalistische Kunstikonen. Als vorbereitende Lektüre empfehlen wir: Wolfgang Ullrich, »An die Kunst glauben« (Wagenbach, 2011).
Mit Johann Dvořák, Alfred Kohlbacher, Robert Poslusny, Michael Schneider u. a.

Johann Dvořák: Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und Präsident des IWK.
Alfred Kohlbacher: ehemaliger Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, Aktivist in der Dritten-Welt-Bewegung, Friedensarbeit; Karikaturist, Buchillustrator; zahlreiche Ausstellungen.
Robert Poslusny: Vorsitzender der Fachgruppe Unterricht der KulturGewerkschaft GdG-KMSfB (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe).
Michael Schneider: Lehrender an der Universität für angewandte Kunst Wien, Abteilung Grafik | Druckgraphik.


Donnerstag, 22.11.2012, 18.00 Uhr, Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Zeichnet Kriegsanleihen!
Wie im Ersten Weltkrieg mit Plakaten, Postkarten und Ehrenzeichen für Heldentum, Kampfesmut und Opferbereitschaft geworben wurde.
Mit Peter Enne

Peter Enne: Kurator der Bildsammlung des Heeresgeschichtlichen Museums.


Donnerstag, 29.11.2012, 18 Uhr, Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Wählet sozialdemokratisch-christlich-national!
Wie die Aufrufe, Argumente und Symbole auf politischen Plakaten der Ersten Republik Stimmung machten, warum sie wirkten und welchen Erfolg sie hatten.
Mit Brigitte Pellar

Brigitte Pellar: Historikerin, freie Autorin, Projektmitarbeiterin im Österreichischen Gewerkschaftsbund.


Donnerstag, 13.12.2012, 18 Uhr, Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Rettet die Auen!
Warum Friedensreich Hundertwassers ökologisch engagierte, in teilweise sehr hohen Auflagen erschienene Druckgraphiken und seine Plakate zu Hainburg u. a. auch heute noch zu Diskussionen über Kunst, Politik und Erfolg führen.
Mit Philipp Maurer
 
Philipp Maurer: Kulturwissenschafter, langjähriger Direktor der Kleinen Galerie, Wien, Herausgeber von »Um:Druck – Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur«.

Kuenstlerhaus                         UM:DRUCK




Lesekreis: Philosophie auf Türkisch
Koordination: Franz Martin Wimmer


Ziel des Lesekreises ist die Arbeit an philosophischer bzw. humanwissenschaftlicher Terminologie im Türkischen anhand der Lektüre philosophischer Texte in türkischer Sprache. Alle Texte werden in türkischer Sprache gelesen und auf Deutsch interpretiert und diskutiert. Die Teilnahme am Lesekreis ist frei, sie setzt Kenntnisse der türkischen und der deutschen Sprache sowie Grundkenntnisse der Philosophie voraus. Beim ersten Termin am 10. Oktober wird folgender Text gelesen: Onur Bilge Kula: »Batı Felsefesinde Oryantalizm ve Türk İmgesi« (2. Aufl. İstanbul: İş Bankası, 2010) sowie das weitere Semesterprogramm beschlossen. Vorschläge sind willkommen. Um Anmeldung per E-Mail wird ersucht: franz.martin.wimmer@univie.ac.at.
Nähere Informationen zum Lesekreis sowie die Lektürevorlagen in elektronischer Form finden Sie unter: www.lesekreis.wikispaces.com.
 
Termine/Ort: 10.10., 7.11., 21.11., 5.12., 19.12., 9.1., 23.1. jeweils mittwochs, 18.00–20.00 Uhr in der Bibliothek des  IWK, Berggasse 17, 1090 Wien
 
Franz Martin Wimmer ist Professor i. R. am Institut für Philosophie der Universität Wien; Gründungsmitglied der Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie. Forschungsschwerpunkt: interkulturell orientierte Philosophie.





Late NITE Lacan
Vortragsreihe der Sektion Logik der Neuen Wiener Gruppe/Lacan-Schule
Koordination: Sándor Ivády


»Late NITE Lacan« versteht sich als experimentelle Theoriewerkstätte, die sich mit verschiedensten Fragen im Bereich der Gesellschaftstheorie und Kulturwissenschaften befasst. Der Bezug zur psychoanalytischen Theorie Jacques Lacans bildet dabei den losen Faden, der die einzelnen Vorträge zu gesellschaftlichen, kulturellen und ästhetischen Phänomenen verbindet. Organisiert wird diese Vortragreihe von der Sektion Logik innerhalb der 1989 in Wien gegründeten Neuen Wiener Gruppe/Lacan-Schule.


Mittwoch, 10.10.2012, 20 Uhr, IWK
Erregende Schrift: Zum Begriff der Allegorie mit Benjamin und Lacan
Workshop mit Luisa Banki (Konstanz) und Andrea Wald (Chicago/Wien)

Im Zentrum des Abends sollen Funktion und Status der Allegorie als Denkfigur der Moderne stehen. In der seit Kant und Goethe geführten Debatte zum Unterschied von Symbol und Allegorie wurde Letztere generell als »schadhafte« Version des Symbols aufgefasst: Während das Symbol das Ganze zu fassen vermag, ist die Allegorie immer nur ein lesbares Zeichen dieses Ganzen. In der Theoriebildung des 20. Jahrhunderts wird jener harte signifikante Rest, der die Buchstäblichkeit der Allegorie ausmacht, nicht mehr als Mangel gegenüber einer »volleren« Form des Ausdrucks gesehen, sondern gerade als Bedingung der Möglichkeit einer solchen Fülle.
In dem Workshop zu dieser erregenden Schrift, welche die Allegorie ist, möchten wir uns zwei Autoren zuwenden, die sich mit der Allegorie als hervorgehend aus der Schrift und deren Materialität beschäftigt haben – Walter Benjamin und Jacques Lacan.
Der Abend wird zwei kurze Impulsreferate umfassen sowie eine geleitete Lektüre und Diskussion von Auszügen aus Benjamins »Ursprung des deutschen Trauerspiels« (Abschnitt »Allegorie und Trauerspiel«) und Lacans »Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten«.

Luisa Banki ist Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg »Das Reale in der Kultur der Moderne« an der Universität Konstanz und promoviert mit einem Projekt zu Walter Benjamin und W. G. Sebald. 
Andrea Wald ist PhD Candidate am Institut für Germanic Studies der University of Chicago und promoviert mit einem Projekt zu Hugo von Hofmannsthals Ästhetik der Fläche.


Montag, 17. 12.2012, 20.00 Uhr, IWK
Irene Steinlechner (Wien):
Was meinst du eigentlich?
Vom Missverstehen in der psychoanalytischen Kur

Ausgehend von einem Wechselspiel zwischen Erfahrung und theoretischen Überlegungen umkreise ich in dem Vortrag Begriffe wie Symptom, Übertragung und Begehren in der Kur. Dabei kommt dem Nicht-Wissen eine besondere Funktion zu.

Irene Steinlechner ist Psychoanalytikerin in freier Praxis.

Montag, 4.2.2013, 20.00 Uhr, IWK
Gerald Schönauer (Wien):
Das Unbewusste und die U-Musik
Dass Musik eine außerordentlich starke affektive Wirkung auf Menschen haben kann, ist sowohl langläufige Meinung als auch Erfahrung der therapeutischen Praxis. Trotzdem lässt sich überraschenderweise feststellen, dass die Psychoanalyse als Königsweg zum Unbewussten größtenteils der gesprochenen Sprache den Vorzug gibt. Die meisten Versuche, sich der Musik zu nähern, geschahen anfangs über die Erkundung der psychischen Strukturen von MusikerInnen und der Auffindung ebendieser Strukturen in den entsprechenden Werken. Hierbei lassen sich zwei Hauptinterpretationen erkennen, einerseits Musik als narzisstisch-präödipale Abwehr von Angst als auch Musik als die Vermittlung vorsprachlicher Einheit, einem »ozeanischen Gefühl« der Einheit von Ich und Welt. Obwohl dies wichtige Elemente zum Verständnis der Wirkungen von Musik sind, wird die Frage der Beziehung von Musik und Sprache aber außen vorgelassen. Ob nun Musik dem Vorsprachlichem nahe ist oder ob sie »sprachähnlich, aber nicht Sprache ist«, wie Adorno sagt, und damit doch dem Signifikanten untersteht, es aber mitunter ein eigenständiges Objekt des auditiven Genießens gibt, ist die zentrale Frage. Bisherige konkrete Untersuchungen von Musikbeispielen haben sich diesbezüglich auf klassische Musik und Opern konzentriert. Hier ist die Frage zu stellen, ob durch die zeitgenössischen Formen des Hörens von Musik, die Veränderung der Räume, in denen Musik gehört wird, die Produzenten und Apparate der Musikerzeugung und die Beweglichkeit der Körper allgemein – speziell im Tanz – eine neue oder doch eine alte Form von musikalisch-ästhetischer Rezeptivität zum Vorschein kommt.

Gerald Schönauer: Student der Philosophie an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Gesellschaftstheorie, Ästhetik und Technik.


Nähere Informationen finden Sie auch unter:

http://logik.psychoanalyse.co.at
http://www.lacan.at

logik@psychoanalyse.co.at






Dienstag, 16.10.2012, 17.30 Uhr, IWK
Podiumsgespräch
Exil als Familienerfahrung

Joana Radzyner
im Gespräch mit Thea Scholl und Susanne Scholl
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Frauen AG der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (ÖGE)
Thea Scholl
, geb. Werner; Zeitzeugin
Geboren 1916 in Wien, aufgewachsen in jüdischer, sozialdemokratischer Arbeiterfamilie im 2. Bezirk, Engagement in der sozialdemokratischen Jugendbewegung, Arbeit als Kontoristin in einer jüdischen Holzhandelsfirma in Wien bis zum „Anschluss“ 1938. Weihnachten 1938, unterstützt durch die Israelitische Kultusgemeinde, Flucht nach England (gemeinsam mit zwei ihrer Schwestern mit „domestic permit“), wo alle drei als Hausgehilfinnen arbeiteten. Heirat in England mit dem österreichischen Mediziner Dr. Friedrich Scholl, der v. a. wegen seiner kommunistischen Einstellung vor den Nationalsozialisten flüchten musste. Drei Kinder: Sohn Tony (geb. 1941), Töchter Emmy (geb. 1944) und Susanne (geb. 1949). Im September 1946 Rückkehr nach Wien
Susanne Scholl
 
Freie Journalistin, Schriftstellerin, Doktoratsstudium der Slawistik in Russland und Rom (1972 abgeschlossen). Ihre journalistische Laufbahn begann sie als Mittel- und Osteuropa-Korrespondentin  (Assistentin) der französischen Zeitung „Le Monde“. Anschließend war sie für Radio Österreich International (ROI) und die APA tätig, von wo sie von Paul Lendvai 1986 in das Pionierteam der neuen ORF-Osteuroparedaktion geholt wurde. 1989 ging Scholl als Korrespondentin des ORF nach Bonn, 1991 wechselte sie nach Moskau. 1997 bis 2000 leitete sie in der Wiener Zentrale das „Europajournal“ im ORF-Radio, um dann 2000 als Bürochefin des ORF nach Moskau zurückzukehren. Autorin mehrerer Sachbücher und Romane. Zahlreiche Preise und Auszeichnung.
Joana Radzyner

Geboren 1954 in Warschau; freie Journalistin und Historikerin. Ihre Familie emigrierte 1959 aus Polen nach Wien, wo sie Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften studierte und 1978 promovierte. Journalistische Tätigkeit bei „Presse“ und „profil“, ab 1984 ORF-Korrespondentin für Warschau, Bratislava und Prag, seit 2010 fre«ie Journalistin.

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Freitag, 9.11.2012, 17.00 Uhr, IWK
Zeitzeugengespräch anlässlich des Novemberpogroms mit Prof. Dr. Gertrude Schneider (New Jersey)
Moderation:  Evelyn Adunka

Gertrude Schneider wird über ihre Kindheit und Jugend in Ottakring, Fünfhaus und in der Leopoldstadt sprechen.

Gertrude Schneider wurde 1928 in Wien geboren; ihre Familie führte in der Brunnengasse und in der Veronikagasse zwei Volkswarenhäuser und in der Grundsteingasse ein koscheres Restaurant. 1942 bis 1945 überlebte sie mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Mutter das Ghetto Riga, von wo sie nach Wien zurückkehrte. 1947 wanderte sie in die USA aus, wo sie an der City University in New York unterrichtete und 1995/96 Chefredakteurin des »Aufbau« war. Sie publizierte u.a. »Exile and Destruction. The Fate of Austrian Jews« (1995), »Reise in den Tod. Deutsche Juden in Riga 1941-1944« (2008) und ein Buch über den jiddischen Volkssänger Mordechai Gebirtig (2000).

In Kooperation mit der FrauenAG der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.

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Montag, 3.12.2012, 18.00 Uhr, IWK
Exil – gestern, heute, morgen? Zur Erinnerung an Siglinde Bolbecher
Podiumsdiskussion mit Gabriele Anderl, Irene Messinger, Julya Rabinowich und Renate Welsh-Rabady
Moderation: Joana Radzyner
Eine Veranstaltung in Kooperation mit öge-FrauenAG und Theodor Kramer Gesellschaft
 
Gabriele Anderl war Mitarbeiterin der Historikerkommission, in zahlreichen zeitgeschichtlichen Publikationen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, der »Arisierungspolitik«, dem NS-Kunstraub sowie Aspekten der jüdischen Geschichte; freie Journalistin und Autorin – u.a. »Gescheiterte Flucht. Der Kladovo-Transport auf dem Weg nach Palästina« (mit W. Manoschek), »NS-Kunstraub in Österreich und die Folgen« (mit A. Caruso). Zuletzt erschienen: »9096 Leben – Der unbekannte Judenretter Berthold Storfer« (2012).
Irene Messinger: Ausbildungen zur Sozialarbeiterin und Bildungswissenschafterin; langjährige Arbeit in NGOs: Rechtsberatung in asyl- und fremdenrechtlichen Verfahren, Mitherausgeberin des »Handbuchs Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge«; mehrfach ausgezeichnete politikwissenschaftliche Dissertation zum Rechtskonstrukt »Schein- bzw. Aufenthaltsehe«. Aktuelles Forschungsgebiet: Schutzehen im Nationalsozialismus. Zuletzt erschien »Schein oder nicht Schein – Konstruktion und Kriminalisierung von ›Scheinehen‹« (2012)
Julya Rabinowich: geb. 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien; Autorin, Malerin und Simultandolmetscherin. Zahlreiche Literaturpreise und Stipendien – u.a. Rauriser Literaturpreis für ihren Debütroman »Spaltkopf«, 1. Preis der edition exil »schreiben zwischen den kulturen«, Arbeitsstipendium der Stadt Wien, des Bundeskanzleramts sowie Elias-Canetti-Stipendium 2010 und 2012. Theaterstücke (u.a.): »Stück ohne Juden, Auftauchen – Eine Bestandsaufnahme, Porno«. Zuletzt erschien der Roman »Die Erdfresserin« (2012).
Renate Welsh-Rabady: geb. 1937 in Wien, Übersetzerin, seit 1970 freie Schriftstellerin; Präsidentin der IG AutorinnenAutoren, Mitglied der GAV; zahlreiche Preise und Auszeichnungen – u.a. österr. Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien, Deutscher Jugendliteraturpreis, Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, zahlreiche Übersetzungen, Schreibwerkstätten mit unterschiedlichsten Gruppen.
Joana Radzyner: geb. 1954 in Warschau, freie Journalistin und Historikerin. Ihre Familie emigrierte 1959 aus Polen nach Wien, wo sie Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften studierte und 1978 promovierte. Journalistische Tätigkeit bei »Presse« und »profil«, ab 1984 ORF-Korrespondentin für Warschau, Bratislava und Prag, seit 2010 freie Journalistin.


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Dienstag, 15.1.2013, 18.00 Uhr, IWK
Eva Taudes (Wien):
Die Kulturkritikerin Elsa Bienenfeld
Elsa Bienenfeld wurde in der Zeit der österreich-ungarischen Monarchie in Wien als erstes von vier Kindern einer jüdischen Familie geboren. Die Eltern waren aus Krakau nach Wien gezogen und haben hier geheiratet. Der Vater war k. u. k. Advocat und gerichtlich beeideter Dolmetscher für die polnische Sprache. Die Mutter stammte aus einer bekannten Rabbinerfamilie. Elsa besuchte die zu dieser Zeit in Wien für Mädchen zugänglichen Schulen, maturierte als Externistin und begann anschließend ihr Studium an der Universität Wien. Sie belegte zuerst naturwissenschaftliche Fächer. Schon als Kind zeigte sie großes musikalisches Talent und wurde bereits mit acht Jahren am Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, aufgenommen, absolvierte dort ein praktisches Musikstudium, das sie mit 17 mit Auszeichnung abschloss. Nach einem Vortrag Guido Adlers – Begründer der Wiener Musikwissenschaft –, der eine »Musikhistorische Lehrmittelsammlung« aufbaute, entschloss sich Elsa Bienenfeld, sich dieser noch jungen Wissenschaft zu widmen und promovierte als erste Frau am heutigen Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien. Anschließend unterrichtete sie an der Schule von Genia Schwarzwald, an Volkshochschulen und an der Urania. Mehr als 25 Jahre lang war Elsa Bienenfeld als Kulturkritikerin beim »Neuen Wiener Journal« tätig, ebenso wie für die »Frankfurter Zeitung«. Sie war die erste Frau, die in Wien unter eigenem Namen Kulturrezensionen publizierte. Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde sie vom »Neuen Wiener Journal« gekündigt. Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich wurde sie wegen Devisenvergehens angeklagt und »zum Teil entmündigt«, war in Haft und zuletzt in einer Sammelwohnung untergebracht. 1942 wurde sie nach Maly Trostinec deportiert und dort ermordet.

Eva Taudes, 1944 in Graz geboren, begann ihre Berufslaufbahn 1961 als Stenotypistin in einem Grazer Verlag, war anschließend Vertragsbedienstete im Fernmeldebetriebsamt Graz, leitete von 1966 bis 1971 das Sekretariat der Abteilung darstellende Kunst der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. 1971 übersiedelte sie nach Wien, war bis 1984 Sekretärin bei Kammersängerin Gundula Janowitz und von 1984 bis 2004 Fachbeamtin des höheren Verwaltungsdienstes der Stadt Wien. 1984 machte sie die Externisten-Matura, studierte an der Universität Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Pädagogik. 1999 Diplom und 2007 Promotion mit »Musiktheaterkritik von der Jahrhundertwende bis zum Ende der Dreißiger-Jahre am Beispiel Elsa B«.

In Kooperation mit der FrauenAG der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.



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