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Öffnungszeiten:
Montag - Mittwoch, 10.00
Uhr - 16.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung
(317
43 42)
Die Dokumentationstelle Frauenforschung wurde 1985 am IWK als Forschungs- und Servicestelle eingerichtet. Eine Datenbank, in der an österreichischen Universitäten verfasste Arbeiten zum Thema Frau von der Jahrhundertwende bis zum Beginn der 1980er-Jahre enthalten sind, war Ausgangspunkt für den Aufbau einer umfassenden Literaturdatenbank zur Frauenforschung und feministischen Forschung. Mit den in der Bibliothek vorhandenen Dissertationen, Diplom- und Hausarbeiten, Abstracts, Zusammenfassungen und den ìreinî bibliographischen Angaben, umfasst die Literaturdatenbank etwa 18.000 Einträge.
Die Forschungs- und Projektinitiative biografiA (ausführliche Beschreibung siehe unten) verfolgt das Ziel einer biografischen Datenbank bzw. eines Lexikons österreichischer Frauen, wobei eine umfassende historisch-biografische Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten angestrebt wird. Sie bezieht die in der Ära Hertha Firnberg entstandene Materialsammlung zu einem "Biografischen Lexikon der österreichischen Frau" in das Vorhaben ein und steht in Kooperation mit vergleichbaren Nachschlagewerken und Datenbanken. Dabei sollen die unterbewerteten und unsichtbar gemachten Beiträge von Frauen in Kultur und Wissenschaft rekonstruiert werden, um deren Lebensgeschichte und Wirken als Korrektiv in die Geschichte der Wissenschaftsdisziplinen einzuschreiben, in der sie bislang nur marginal existierten. Im Rahmen des Gesamtprojektes wurde ein Datenbankprototyp entwickelt, in den in Form eines thematischen Modulsystems laufend Datensätze einfließen. Derzeit umfasst die Datenbank zirka 9.500 Frauenbiografien.
Neben der Funktion als Service- und
Beratungsstelle
für SchülerInnen, StudentInnen und ForscherInnen werden von
den
Mitarbeiterinnen der Dokumentationsstelle Seminarreihen, Tagungen und
Symposien
veranstaltet, wobei es von besonderer Bedeutung ist, mit ForscherInnen
aus dem Ausland Kontakt aufzunehmen, um am internationalen Diskurs der
jeweiligen Fachbereiche aktiv teilnehmen zu können.
Dr. Ilse Korotin:
AG BIOGRAFIA - DATENBANK UND LEXIKON
ÖSTERREICHISCHER FRAUEN
DAS PROJEKT:
Auf der Grundlage von Expertinnen-Interviews und einer neu gegründeten Arbeitsgruppe zur "Österreichischen Frauenbiografieforschung" wurde ein Datenbankprototyp entwickelt, in dem bislang über 10.500 Frauen aufgenommen wurden.
Das Projektdesign orientiert sich an einem Modulsystem. Im Zentrum befindet sich die Datenbank, in welche prozesshaft laufend Datensätze einfließen. In thematischen Modulen wird die Ausarbeitung von Text-Biografien in Einzelprojekte ausgegliedert.
DIE MODULE:
DIE DATENBANK:
Herkömmlichen Datenbanken dienen Typen männlicher Lebensverläufe als Voraussetzung, eine feministische Sicht hingegen fordert die kritische Auseinandersetzung mit diesen scheinbar allgemein gültigen Kategorien. Leitend für die Entwicklung des "biografiA"-Kategorienschemas waren die theoretischen Überlegungen einer feministisch orientierten Biografieforschung sowie die Frage, wodurch sich eine frauenbiografische Datenbank von einer herkömmlichen unterscheiden sollte und wie sich die in der Gesellschaft offenkundigen Unterschiede von Männer- und Frauenleben erfassen lassen.
Nachfolgend werden einige Bereiche genannt, in welchen eine geschlechterdifferente Sichtweise zur Interpretation des jeweiligen Feldes als besonders notwendig erachtet wurde:
Namensformen:
Im Unterschied zur Erfassung einer
männlichen
"Normalbiografie" ist bei einer frauenbiografischen Dokumentation
besonderes
Augenmerk auf eine adäquate Erfassung möglicher
Namensänderungen
zu richten (= uneingeschränkte Eingabe von Namen als Suchbegriffe).
Beziehungen:
Der Beziehungsdimension von Frauen wurde
eine zentrale Kategorie beigemessen. Damit soll der Eingebundenheit in
gesellschaftliche Beziehungen - aber auch Abhängigkeitsstrukturen
- breiterer Raum gegeben werden (= eigene Datenbankebene "Beziehungen").
Wirkungsbereich:
Die Kategorie "Wirkungsbereich" soll vor
allem die Berücksichtigung der informellen Bezüge / Kreise
ermöglichen,
in denen sich aktive Frauen befanden. Es wurde davon ausgegangen, dass
Tätigkeiten in Frauenvereinen, soziales Engagement und Widerstand
selten über Daten und Fakten des offiziellen Lebens (Ehrungen,
Titel
etc.) erschließbar sind (= eigene Datenbankebene "Wirkung").
Einordnung / Beschlagwortung:
Eine weitere Zuordnung und
Erschließung
frauenspezifischer / feministischer Kontexte bietet die Beschlagwortung
in den Feldern "Einordung-sachlich" und "thesaurA".
"thesaurA - Österreichischer
Frauenthesaurus"
hat ihren Ursprung im Diskurs über die Defizite der
herkömmlichen
Schlagwortkataloge hinsichtlich frauenspezifischer Thematik und bietet
ein Vokabular, welches Frauen in der Beschlagwortung sichtbar macht (=
feministische Beschlagwortung).
Anmerkungen:
Der narrative Teil soll die
Möglichkeit
eröffnen, einen kritischen "Kommentar" zur überlieferten
Biografie
zu verfassen und vorliegende Forschungsergebnisse zu diskutieren.
Es wird dabei davon ausgegangen, dass
die Berücksichtigung einer historischen Kategorie "Geschlecht" zu
einer anderen Lesart der traditionellen Quellen führt und
Differenzierungen
in der Geschichtsbetrachtung zur Folge hat (= Quellenkritik).
Berufsgruppen und
Tätigkeitsbereiche:
Die Strukturierung des Lebensverlaufes
durch Ausbildung und Erwerbstätigkeit ist für Frauen ein
"modernes"
Phänomen. Nach wie vor ist die weibliche Berufsbiografie - neben
geschlechsbezogenen
Beschränkungen und Verhinderungen - geprägt von
familienbezogenen
Veränderungen.
Das heißt, Lebensverläufe von
Frauen sind im Normalfall
durch Ehe, Familie und Erwerbsarbeit geprägt,
eine ungebrochene Berufsbiografie gehört selbst in der Gruppe der
Bildungsprivilegierten zu den Ausnahmen (= Berufs- und
Tätigkeitsbereiche
erschließbar über (1) normierte Auswahlliste, (2)
Kombinationsfelder
und (3) Textfelder mit differenzierter Mehrfachnennung, unter
Berücksichtigung
der Bereiche Familie und Reproduktion).
TEILNEHMERINNEN / KOOPERATIONEN:
Arbeitsgruppe: Christa Bittermann-Wille, Ariadne - ÖNB / Dr. Johanna Gehmacher, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien / Dr. Hertha Hanus, Judaica - ÖNB / Mag. Helga Hofmann-Weinberger, Ariadne - ÖNB / Dr. Brigitta Keintzel, Projektzentrum Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Wien / Dr. Eva Knollmayer, bm:bwk Abt. I/B/14 / Dr. Ilse Korotin, IWK - Dokumentationsstelle Frauenforschung / Dr. Elisabeth Lebensaft, ÖAW - IBIOLEX / Mag. Roberta Schaller-Steidl, bm:bwk Abt. I/B/14 / Mag. Ursula Scholda, IWK - Dokumentationsstelle Frauenforschung / Dr. Edith Stumpf / Claudia Wurzinger, Judaica - ÖNB
Kooperationen: Österreichisches Biografisches Lexikon der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien - Sozialwissenschaftliche Dokumentation - Tagblatt Archiv / Österreichische Exilbibliothek - Literaturhaus / Projekt "Österreichische Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert" - Archiv und Datenbank - ÖNB / Vorwärts - Forschungs- und Dokumentationszentrum / Wiener Stadt- und Landesbibliothek / Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Internationales Opern-Archiv / Parlamentarische Dokumentation, Archiv und Statistik der Parlamentsdirektion / Österreichisches Staatsarchiv / Universitätsarchiv
Interdisziplinäres Komitee: Im Rahmen der Vorbereitungsphase wurden folgende WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen bzw. Teilbereichen der historischen Forschung nach der Relevanz einer frauenbiografischen Datenbank / eines Lexikons und nach den zu berücksichtigenden fachspezifischen Kriterien befragt, wobei das Vorhaben als bedeutender Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen in allen Lebensbereichen bestätigt wurde: Univ. Prof. Dr. Mitchell Ash / Univ. Prof. Dr. Heide Dienst / Dr. Margarete Grandner / Dr. Christa Hämmerle / Univ. Prof. Dr. Friederike Hassauer / Univ. Doz. Dr. Waltraud Heindl / Univ. Prof. Dr. Brigitte Mazohl-Wallnig / Univ. Prof. Dr. Herta Nagl-Docekal / Univ. Prof. Dr. Edith Saurer / Univ. Prof. Dr. Erika Weinzierl / Univ. Prof. Dr. Ruth Wodak
Öffnungszeiten:
Montag - Mittwoch, 10.00
Uhr - 14.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (317 43 42)
Die Dokumentations- und
Forschungsstelle
"Österreichische Wissenschaftsemigration" (ausführliche
Beschreibung
siehe unten) dokumentiert erstmals in einer quantitativen und
qualitativen
Bestandsaufnahme die verlust- und folgenreiche Vertreibung
österreichischer
Intellektueller in der Epoche des Faschismus.
Eine über das Internet
zugängliche
Datenbank (http://iwk.phl.univie.ac.at/emigration)
baut auf den drei Elementen Person (z. B. EmigrantIn / AutorIn),
Institution
(z. B. Universität / Institut) und Werk (z. B. eines Emigranten /
einer Emigrantin, eines nicht-emigrierten Autors / einer
nicht-emigrierten
Autorin) auf. Diese drei Elemente, Person?Institution?Werk,
ermöglichen
mit ihrer Verknüpfung vielfältige und komplexe Abfragen.
Aufbauend
auf diese Datenbank und eng damit verbunden, ist das 2002
abgeschlossene
Projekt Wissensportal Science Exile (http://scienceexile.coresearch.org),
das einen experimentellen Versuch der Community-Bildung in Lehre und
Forschung
darstellt sowie Lehrenden und Lernenden die Möglichkeit gibt,
selbstständig
netzbasiert weiterzuarbeiten und ihre Ergebnisse zu präsentieren.
Die Datenbank wird durch eine ständig
wachsende Präsenzbibliothek zur österreichischen
Wissenschaftsemigration
bereichert. Damit existiert eine institutionalisierte Plattform
für
eine fächerübergreifende Exil- und Emigrationsforschung, die
eine Lücke in der Forschung und Dokumentation zum
österreichischen
Wissenschaftsexil schließt.
Dr. Charlotte
Zwiauer:
DER BEREICH "WISSENSCHAFTSEMIGRATION"
am IWK
Überblick
Die Erforschung der österreichischen Wissenschaftsemigration am IWK
In der Zeit von 1986-1991 wurde in vom
Wissenschaftsministerium geförderten Projekten am IWK die
"Dokumentations-
und Forschungsstelle Österreichische Wissenschaftsemigration"
aufgebaut.
Im Zuge dieser von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler geleiteten
Projekte
konnte eine biografische Datenbank mit Informationen zu rund 2200
Personen
sowie eine bibliographische Datenbank mit rund 3300 Literaturangaben
eingerichtet
werden. Die biografischen Einträge enthalten neben Eckdaten vor
allem
Informationen zum Emigrationsweg, zu beruflichem Werdegang (wichtigste
Institution vor/nach der Emigration, Position), ethnischem Hintergrund,
Religion. Der Grundstock an Daten wurde einschlägigen
Handbüchern
und Lexika entnommen und durch das Einbeziehen von weiterer Literatur
und
von zum Teil schwer zugänglichen Archivmaterialien wesentlich
erweitert.
Mit der biografischen Datenbank sollte
eine erste quantitative Bestandsaufnahme zur österreichischen
Wissenschaftsemigration
durchgeführt werden, wobei die Informationen zu den aufgenommenen
Personen zunächst auf ein einheitliches Niveau gebracht wurden.
Eine
überarbeitete Fassung der biografischen Datenbank erschien in dem
von Friedrich Stadler und Peter Weibel herausgegebenen Band "The
Cultural
Exodus from Austria" (1993, Zweite Auflage 1995), gedacht als
Ergänzung
zu den auf dem Tagungsband "Vertriebene Vernunft II" (herausgegeben von
Friedrich Stadler 1988) aufbauenden Beiträgen über
Vorgeschichte,
Verlauf und Folgen der Emigration von einzelnen WissenschaftlerInnen,
von
Schulen, Kreisen und Disziplinen. In diesem Band sind auch
persönliche
Erinnerungen von Zeitzeugen enthalten, die anlässlich des
Symposions
"Vertriebene Vernunft - Emigration österreichischer Wissenschaft"
(gemeinsame Veranstaltung des IWK mit dem Ludwig Boltzmann- Institut)
nach
Wien gekommen waren.
Die bibliographische Ursprungsdatenbank
enthielt Eintragungen von selbstständiger und
unselbstständiger
Literatur im besonderen zur Wissenschaftsemigration, zu den
Aufnahmeländern,
zu Exil allgemein sowie vereinzelt Literatur zu bestimmten
EmigrantInnen.
Die biographisch-bibliographische Datenbank Austrian Exile im Internet
1998/1999 wurden in einem vom
Wissenschaftsministerium
finanzierten Projekt des IWK - konzipiert und durchgeführt von
Vienna
Knowledge Net - die biografische und die bibliographische Datenbank in
eine einheitliche Struktur integriert. Im Rahmen des im Februar 2001
abgeschlossenen
Folgeprojekts wurde die Datenbank überarbeitet und wesentlich
erweitert.
Die Internet-Datenbank baut auf den drei Elementen Person (z. B.
EmigrantIn/AutorIn),
Institution (z. B. Universität, Institut) und Werk (z. B.
eines/einer
EmigrantIn, eines nichtemigrierten Autors) auf. Als Werke fungieren
derzeit
verschiedene Literaturarten wie Bücher, Sammelwerke, Biografien
sowie
Zeitschriften und Zeitschriftenartikel sowie Sammelwerkbeiträge.
Die
drei Elemente
Person-Institution-Werk ermöglichen mit ihrer
engen Verknüpfung vielfältige und komplexe Abfragen. Um den
unterschiedlichen
Vorkenntnissen und Bedürfnissen der Benutzer gerecht zu werden,
wurde
eine ìVolltextsucheî, eine ìeinfache Sucheî
und eine ìkomplexe Sucheî eingerichtet.
Mit der Integration der lokalen
Datenbanken
in ein einheitliches biografisches/bibliographisches Informationssystem
eröffnen sich neue Perspektiven für den Ausbau: dem wurde im
Folgeprojekt Rechnung getragen, dessen Ziel es war, die Struktur der
Datenbank
zu erweitern. Insgesamt können jetzt in die Datenbank - in
Orientierung
am ìBiografischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration
1933-1945î
(Röder / Strauss 1980, 1983) - genauere Informationen zu den
einzelnen
EmigrantInnen aufgenommen und abgefragt werden, wobei insbesondere das
Institutionen-Konzept überarbeitet wurde. So ist es künftig
möglich,
detailliertere Informationen zu Bildungsweg, beruflicher Laufbahn und
Wirken
(jeweils als zeitlicher Verlauf) aufzunehmen. Mit geringem Aufwand
können
jetzt unterschiedlichste Werktypen - insbesondere auch Nachlässe -
ergänzt werden.
Damit bietet die Internet-Datenbank Austrian
Exile die Möglichkeit zur Erfassung des kulturellen Exils
insgesamt,
ein Weg der - angesichts der Verflochtenheit des wissenschaftlichen mit
dem künstlerischen und politischen Exil - bereits in ìThe
Cultural
Exodus from Austriaî (Stadler / Weibel 1993 und 1995)
eingeschlagen wurde.
Die sich schon länger abzeichnende Beteiligung anderer
Emigrationsforschungsstätten
an der Datenbank hat jetzt konkrete Formen angenommen. So wurden im
zweiten
Projekt die Daten von Dr. Fritz Hausjell, Institut
für Publizistik, Universität Wien, zum Exiljournalismus
in
die Datenbank integriert, ein Projekt zur Daten-Integration am Dokumentationsarchiv
des Österreichischen Widerstandes (DÖW) befindet sich
Bearbeitung,
das Literaturhaus/Exilabteilung hat ebenfalls vor, seine Daten
einzubringen.
Die Datenbank ist unter http://iwk.phl.univie.ac.at/emigration
sowie unter http://austrianexile.coresearch.org
im Internet zugänglich.
Durch die Präsentation der Daten
im Internet, dem damit erweiterten Verwendungszweck und neuen
Zielgruppen
ergibt sich die Notwendigkeit zur systematischen inhaltlichen
Nachbearbeitung
des Kernbereichs Wissenschaftsemigration. Ein erster Schritt zur
Einarbeitung
wichtiger Forschungsliteratur, die gerade in den letzten Jahren von
internationalen
Forscherkreisen publiziert wurde, konnte im Rahmen des im Februar 2001
abgeschlossenen Projekts des Jubiläumsfonds der
Österreichischen
Nationalbank gemacht werden (Nr. 7882, Schwerpunkt:
disziplingeschichtliche
Literatur).
Bildung - Forschung - neue Medien: das Wissensportal ScienceExile
Mit der fehlenden Aufarbeitung der
NS-Vergangenheit
Österreichs nach 1945 ging eine zweifelhafte Haltung
gegenüber
EmigrantInnen einher: diese waren nicht erwünscht in
Österreich,
von wo sie 1938 vertrieben worden waren, eine offizielle
Rückholaktion
blieb aus. Erst in den Siebzigerjahren kam es mit dem Prozess der
gesellschaftlichen
Öffnung zu einem offiziellen Bemühen um Aufarbeitung der
belastenden
Vergangenheit. Trotz der Schaffung einer wissenschaftlichen Basis durch
ZeithistorikerInnen und Einrichtung des Faches ìPolitische
Bildungî in
den Schulen nehmen viele ÖsterreicherInnen eine Haltung des
Schweigens,
Verdrängens und Vergessens ein anstatt eine direkte
Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus zu suchen.
Am Übergang zu einer Zeit ohne
Zeitzeugen,
vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis und der viel
diskutierten
Historisierung der NS-Vergangenheit zeichnet sich ab, dass in der
Gedächtnispädagogik
neue Wege gegangen werden. ExpertInnen sind sich darin einig, dass mit
dem Ausscheiden der Erlebnisgeneration wissenschaftlich und
pädagogisch
fundierte Erinnerungsarbeit notwendig wird, getragen von
sekundären
Gedächtnisträgern wie Universitäten, Schulen,
Gedenkstätten
und Museen. Von gedächtnispädagogischer Seite wird betont,
dass
die Auseinandersetzung mit NS und seinen Ursachen und Folgen eine umso
nachhaltigere Wirkung hat - im Sinn eines aus der Geschichte Lernens -
, wenn diese dem Lernenden einen möglichst hohen Grad an
Aktivität
ermöglicht (etwa im problemorientierten Projektunterricht) und
wenn
Anstöße zum reflexiven Vergleich zwischen belastender
Vergangenheit
und Gegenwart gegeben werden. (s. Thonhauser / Gassner in: Kontroversen
um Österreichs Zeitgeschichte, hrsg. v. Gerhard Botz u. a.
Frankfurt
a. M. 1994) Auf der Jahrestagung der internationalen
ìGesellschaft für
Exilforschungî in Wien 2000 wurde in diesem Sinn gefordert, von
der Exilforschung
einen Brückenschlag zu aktuellen gesellschaftlichen Problematiken,
insbes. zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu schaffen.
Aus diesen Überlegungen wurde im
Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen IWK und Vienna Knowledge
Net
das Konzept für das Wissensportal Science.Exile entwickelt
(gefördert
vom Bundesministerium für Bildungs-, Wissenschaft und Kultur im
Rahmen
des Förderprogramms ìMultimediale
Bildungsmaterialienî, Projektleitung
Dr. Charlotte Zwiauer). Verwendbar ist das Bildungsmaterial in der
oberen
Sekundarstufe, im Zweiten Bildungsweg sowie im Studium. Die
Datenbank
stellt in diesem Portal die zentrale Wissensressource dar.
Das thematische Wissensportal Science.Exile besteht aus den Elementen multimedialer Hypertext - Datenbank - Projektmodul - Links:
Die stufenweise Entwicklung des thematischen Wissensportals Science Exile und der Datenbank Austrian Exile folgt von Beginn an einem umfassenden Gesamtkonzept, das auf Nachhaltigkeit, Erweiterbarkeit und Übertragbarkeit ausgerichtet ist. Mit entsprechenden Entwicklungsschritten können diese zu einer internationalen Forschungsplattform ausgebaut werden: ForscherInnen sollen hier künftig die Möglichkeit erhalten, online in die Datenbank Informationen einzugeben, mit dem Projektmodul multimediale Beiträge zu produzieren und diese selbstständig in den Hypertext zu integrieren.
Für die Datenbank sind folgende Schritte bereits konkret vorbereitet worden:
Februar 2003
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Letzte Bearbeitung: 9. Februar 2005
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