
Edith Saurer (20. August 1942 - 5. April 2011)
Nach langer Krankheit verstarb Edith Saurer, Universitätsprofessorin für Geschichte der Neuzeit, am 5. April in Wien.
Edith Saurer studierte ab 1960 an der Universität Wien Geschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft. 1966 promovierte sie mit der Arbeit „Die politischen Aspekte der Bischofsernennungen in der Habsburgermonarchie 1867–1903“. Danach war sie mit einem Stipendium zwei Jahre lang in Rom. Nach einigen Jahren als Universitätsassistentin habilitierte sie sich mit der Arbeit „Straße, Schmuggel, Lottospiel. Materielle Kultur und Staat in Niederösterreich, Böhmen und Lombardo-Venetien im frühen 19. Jahrhundert“. Seit 1992 war sie Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Wien. Als Gastprofessorin lehrte sie an der Universität Neapel, 1998 und 2003 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz sowie an den Universitäten Bielefeld (1987) und Leipzig (1993). Ihre Forschungsschwerpunkte waren die Geschichte der materiellen Kultur, die Frauen- und Geschlechtergeschichte, die Religionsgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert, die Historische Anthropologie sowie die Geschichte Italiens im 19. Jahrhundert.
Innerhalb und außerhalb des Instituts für Geschichte gründete und
förderte Edith Saurer
eine Vielzahl von Initiativen und Projekten, die sich der Frauen- und
Geschlechtergeschichte widmeten. Sie war maßgeblich an der
Institutionalisierung des Schwerpunkts "Frauen- und
Geschlechtergeschichte" in Forschung und Lehre beteiligt.
Beispielsweise gründete sie 1982 die „Arbeitsgruppe
Frauengeschichte“, die später in „Arbeitsgruppe Frauen- und
Geschlechtergeschichte“
umbenannt wurde und 1990 die feministische historische Zeitschrift „L'Homme. Europäische Zeitschrift für
feministische Geschichtswissenschaft“. Von 1993 bis 2000
war sie Vorsitzende der Kommission der „Interuniversitären Koordinationsstelle für
Frauenforschung“, seit 2006 leitete sie die Forschungsplattform „Neuverortung der Frauen- und
Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext“
an der
Universität Wien. Sie initiierte die „Sammlung Frauennachlässe“, das
derzeit ca. 180 Nachlässe aufbewahrt, und regte die Einrichtung des
„Salon 21“ an, eines Internetforums für Information,
Vernetzung und
Diskussion. Zudem gestaltete sie seit den 1970er Jahren die
Gleichbehandlungsgesetzgebung mit.
Frauen-
und Geschlechtergeschichte brachte Edith Saurer als Thema auch ins
„Institut für Wissenschaft und Kunst“ ein. So konzipierte sie die
Tagung
„Institutionalisierung historischer Frauenforschung“ (1986), die als
Kooperation
zwischen der „Arbeitsgruppe Frauengeschichte“ und dem IWK stattfand.
Dem IWK-Vorstand gehörte sie seit dem Jahr 1986 an. Sie gab Impulse
für zahlreiche
Veranstaltungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte und wichtige Anregungen
zur Profilbildung und Schwerpunktsetzung des Instituts.
Mit Edith Saurer verlieren wir eine international angesehene, innovative, für neue Fragestellungen und Methoden stets offene Historikerin und eine gesellschaftspolitisch engagierte Wissenschaftlerin, deren Arbeit weit über die Universität hinaus in die Öffentlichkeit wirkte.
Thomas Hübel, Generalsekretär des IWK
Links zu Projekten, an denen Edith Saurer maßgeblich beteiligt war:
L'Homme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft
Sammlung Frauennachlässe
Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext"
Zeitschrift "Historische Anthropologie"