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Forschungsstellen


Frauenforschung
Emigrationsforschung


DOKUMENTATIONSSTELLE FRAUENFORSCHUNG

Öffnungszeiten:
Montag - Mittwoch, 10.00 Uhr - 16.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (317 43 42)

Die Dokumentationstelle Frauenforschung wurde 1985 am IWK als Forschungs- und Servicestelle eingerichtet. Eine Datenbank, in der an österreichischen Universitäten verfasste Arbeiten zum Thema Frau von der Jahrhundertwende bis zum Beginn der 1980er-Jahre enthalten sind, war Ausgangspunkt für den Aufbau einer umfassenden Literaturdatenbank zur Frauenforschung und feministischen Forschung. Mit den in der Bibliothek vorhandenen Dissertationen, Diplom- und Hausarbeiten, Abstracts, Zusammenfassungen und den ìreinî bibliographischen Angaben, umfasst die Literaturdatenbank etwa 18.000 Einträge.

Die Forschungs- und Projektinitiative biografiA (ausführliche Beschreibung siehe unten) verfolgt das Ziel einer biografischen Datenbank bzw. eines Lexikons österreichischer Frauen, wobei eine umfassende historisch-biografische Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten angestrebt wird. Sie bezieht die in der Ära Hertha Firnberg entstandene  Materialsammlung zu einem "Biografischen Lexikon der österreichischen Frau" in das Vorhaben ein und steht in Kooperation mit vergleichbaren Nachschlagewerken und Datenbanken. Dabei sollen die unterbewerteten und unsichtbar gemachten Beiträge von Frauen in Kultur und Wissenschaft rekonstruiert werden, um deren Lebensgeschichte und Wirken als Korrektiv in die Geschichte der Wissenschaftsdisziplinen einzuschreiben, in der sie bislang nur marginal existierten. Im Rahmen des Gesamtprojektes wurde ein Datenbankprototyp entwickelt, in den in Form eines thematischen Modulsystems laufend Datensätze einfließen. Derzeit umfasst die Datenbank zirka 9.500 Frauenbiografien.

Neben der Funktion als Service- und Beratungsstelle für SchülerInnen, StudentInnen und ForscherInnen werden von den Mitarbeiterinnen der Dokumentationsstelle Seminarreihen, Tagungen und Symposien veranstaltet, wobei es von besonderer Bedeutung ist, mit ForscherInnen aus dem Ausland Kontakt aufzunehmen, um am internationalen Diskurs der jeweiligen Fachbereiche aktiv teilnehmen zu können.

Dr. Ilse Korotin:
AG BIOGRAFIA - DATENBANK UND LEXIKON ÖSTERREICHISCHER FRAUEN

DAS PROJEKT:

Auf der Grundlage von Expertinnen-Interviews und einer neu gegründeten Arbeitsgruppe zur "Österreichischen Frauenbiografieforschung" wurde ein Datenbankprototyp entwickelt, in dem bislang über 10.500 Frauen aufgenommen wurden.

Das Projektdesign orientiert sich an einem Modulsystem. Im Zentrum befindet sich die Datenbank, in welche prozesshaft laufend Datensätze einfließen. In thematischen Modulen wird die Ausarbeitung von Text-Biografien in Einzelprojekte ausgegliedert.

DIE MODULE:

  • Projekt "Wissenschafterinnen in Österreich" (Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank; abgeschlossen)
  • Projekt "Naturwissenschafterinnen" (Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank; abgeschlossen)
  • Projekt "Kinder- und Jugendbuchautorinnen" (Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank; abgeschlossen)
  • Jüdische Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur (Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank; laufend)
  • Die jüdischen Schrifstellerinnen Österreichs. ihr Leben, ihr Schicksal und ihr Schaffen (Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank; laufend)
Im Rahmen des vom bm:bwk finanzierten Basis-Projekts wurden bis Mitte 2004 in einem 1. Teilbereich die Erfassung von zirka 2.000 weiteren biografischen Datensätzen sowie die fachhistorische Nachbearbeitung von ausgewählten 300 Biografien  vorgesehen. Der  2. Teilbereich widmet sich der Weiterentwicklung  der Internet-Datenbank, die eine kombinierte Suche nach Daten ermöglichen soll.

DIE DATENBANK:

Herkömmlichen Datenbanken dienen Typen männlicher Lebensverläufe als Voraussetzung, eine feministische Sicht hingegen fordert die kritische Auseinandersetzung mit diesen scheinbar allgemein gültigen Kategorien. Leitend für die Entwicklung des "biografiA"-Kategorienschemas waren die theoretischen Überlegungen einer feministisch orientierten Biografieforschung sowie die Frage, wodurch sich eine frauenbiografische Datenbank von einer herkömmlichen unterscheiden sollte und wie sich die in der Gesellschaft offenkundigen Unterschiede von Männer- und Frauenleben erfassen lassen.

Nachfolgend werden einige Bereiche genannt, in welchen eine geschlechterdifferente Sichtweise zur Interpretation des jeweiligen Feldes als besonders notwendig erachtet wurde:

Namensformen:
Im Unterschied zur Erfassung einer männlichen "Normalbiografie" ist bei einer frauenbiografischen Dokumentation besonderes Augenmerk auf eine adäquate Erfassung möglicher Namensänderungen zu richten (= uneingeschränkte Eingabe von Namen als Suchbegriffe).

Beziehungen:
Der Beziehungsdimension von Frauen wurde eine zentrale Kategorie beigemessen. Damit soll der Eingebundenheit in gesellschaftliche Beziehungen - aber auch Abhängigkeitsstrukturen - breiterer Raum gegeben werden (= eigene Datenbankebene "Beziehungen").

Wirkungsbereich:
Die Kategorie "Wirkungsbereich" soll vor allem die Berücksichtigung der informellen Bezüge / Kreise ermöglichen, in denen sich aktive Frauen befanden. Es wurde davon ausgegangen, dass Tätigkeiten in Frauenvereinen, soziales Engagement und Widerstand selten über Daten und Fakten des offiziellen Lebens (Ehrungen, Titel etc.) erschließbar sind (= eigene Datenbankebene "Wirkung").

Einordnung / Beschlagwortung:
Eine weitere Zuordnung und Erschließung frauenspezifischer / feministischer Kontexte bietet die Beschlagwortung in den Feldern "Einordung-sachlich" und "thesaurA".
"thesaurA - Österreichischer Frauenthesaurus" hat ihren Ursprung im Diskurs über die Defizite der herkömmlichen Schlagwortkataloge hinsichtlich frauenspezifischer Thematik und bietet ein Vokabular, welches Frauen in der Beschlagwortung sichtbar macht (= feministische Beschlagwortung).

Anmerkungen:
Der narrative Teil soll die Möglichkeit eröffnen, einen kritischen "Kommentar" zur überlieferten Biografie zu verfassen und vorliegende Forschungsergebnisse zu diskutieren.
Es wird dabei davon ausgegangen, dass die Berücksichtigung einer historischen Kategorie "Geschlecht" zu einer anderen Lesart der traditionellen Quellen führt und Differenzierungen in der Geschichtsbetrachtung zur Folge hat (= Quellenkritik).

Berufsgruppen und Tätigkeitsbereiche:
Die Strukturierung des Lebensverlaufes durch Ausbildung und Erwerbstätigkeit ist für Frauen ein "modernes" Phänomen. Nach wie vor ist die weibliche Berufsbiografie - neben geschlechsbezogenen Beschränkungen und Verhinderungen - geprägt von familienbezogenen Veränderungen.
Das heißt, Lebensverläufe von Frauen sind im Normalfall durch Ehe, Familie und Erwerbsarbeit geprägt, eine ungebrochene Berufsbiografie gehört selbst in der Gruppe der Bildungsprivilegierten zu den Ausnahmen (= Berufs- und Tätigkeitsbereiche erschließbar über (1) normierte Auswahlliste, (2) Kombinationsfelder und (3) Textfelder mit differenzierter Mehrfachnennung, unter Berücksichtigung der Bereiche Familie und Reproduktion).

TEILNEHMERINNEN / KOOPERATIONEN:

Arbeitsgruppe:Christa Bittermann-Wille, Ariadne - ÖNB / Dr. Johanna Gehmacher, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien / Dr. Hertha Hanus, Judaica - ÖNB / Mag. Helga Hofmann-Weinberger, Ariadne - ÖNB / Dr. Brigitta Keintzel, Projektzentrum Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Wien / Dr. Eva Knollmayer, bm:bwk Abt. I/B/14 / Dr. Ilse Korotin, IWK - Dokumentationsstelle Frauenforschung / Dr. Elisabeth Lebensaft, ÖAW - IBIOLEX / Mag. Roberta Schaller-Steidl, bm:bwk Abt. I/B/14 / Mag. Ursula Scholda, IWK - Dokumentationsstelle Frauenforschung / Dr. Edith Stumpf / Claudia Wurzinger, Judaica - ÖNB

Kooperationen: Österreichisches Biografisches Lexikon der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien - Sozialwissenschaftliche Dokumentation - Tagblatt Archiv / Österreichische Exilbibliothek - Literaturhaus / Projekt "Österreichische Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert" - Archiv und Datenbank - ÖNB / Vorwärts - Forschungs- und Dokumentationszentrum / Wiener Stadt- und Landesbibliothek / Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Internationales Opern-Archiv / Parlamentarische Dokumentation, Archiv und Statistik der Parlamentsdirektion / Österreichisches Staatsarchiv / Universitätsarchiv

Interdisziplinäres Komitee: Im Rahmen der Vorbereitungsphase wurden folgende WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen bzw. Teilbereichen der historischen Forschung nach der Relevanz einer frauenbiografischen Datenbank / eines Lexikons und nach den zu berücksichtigenden fachspezifischen Kriterien befragt, wobei das Vorhaben als bedeutender Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen in allen Lebensbereichen bestätigt wurde: Univ. Prof. Dr. Mitchell Ash / Univ. Prof. Dr. Heide Dienst / Dr. Margarete Grandner / Dr. Christa Hämmerle / Univ. Prof. Dr. Friederike Hassauer / Univ. Doz. Dr. Waltraud Heindl / Univ. Prof. Dr. Brigitte Mazohl-Wallnig / Univ. Prof. Dr. Herta Nagl-Docekal / Univ. Prof. Dr. Edith Saurer / Univ. Prof. Dr. Erika Weinzierl / Univ. Prof. Dr. Ruth Wodak



DOKUMENTATIONS- UND FORSCHUNGSSTELLE
WISSENSCHAFTSEMIGRATION

Öffnungszeiten:
Montag - Mittwoch, 10.00 Uhr - 14.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (317 43 42)

Die Dokumentations- und Forschungsstelle "Österreichische Wissenschaftsemigration" (ausführliche Beschreibung siehe unten) dokumentiert erstmals in einer quantitativen und qualitativen Bestandsaufnahme die verlust- und folgenreiche Vertreibung österreichischer Intellektueller in der Epoche des Faschismus.
Eine derzeit über das Internet nicht zugängliche Datenbank baut auf den drei Elementen Person (z. B. EmigrantIn / AutorIn), Institution (z. B. Universität / Institut) und Werk (z. B. eines Emigranten / einer Emigrantin, eines nicht-emigrierten Autors / einer nicht-emigrierten Autorin) auf. Diese drei Elemente, Person-Institution-Werk, ermöglichen mit ihrer Verknüpfung vielfältige und komplexe Abfragen. Aufbauend auf diese Datenbank und eng damit verbunden, ist das 2002 abgeschlossene Projekt Wissensportal Science Exile, das einen experimentellen Versuch der Community-Bildung in Lehre und Forschung darstellt sowie Lehrenden und Lernenden die Möglichkeit gibt, selbstständig netzbasiert weiterzuarbeiten und ihre Ergebnisse zu präsentieren.
Die Datenbank wird durch eine ständig wachsende Präsenzbibliothek zur österreichischen Wissenschaftsemigration bereichert. Damit existiert eine institutionalisierte Plattform für eine fächerübergreifende Exil- und Emigrationsforschung, die eine Lücke in der Forschung und Dokumentation zum österreichischen Wissenschaftsexil schließt.

Dr. Charlotte Zwiauer:
DER BEREICH "WISSENSCHAFTSEMIGRATION" am IWK

Überblick

  • Aufbau der biografischen und der bibliographischen lokalen Datenbanken (Projekte unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Friedrich Stadler, finanziert vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung 1986-1991). Basis der Dokumentations- und Forschungsstelle Wissenschaftsemigration am IWK.
  • 1998/1999 Integration der Datensätze in die einheitliche Internet-Datenbank Die österreichische Wissenschaftsemigration, finanziert vom Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr.
  • 19999/2001 Erweiterung zur Kooperationsdatenbank Austrian Exile, Informationssystem zur Erfassung des kulturellen Exils insgesamt, Integration der Datenbank zum Exiljournalismus von Dr. Fritz Hausjell (Institut für Publizistik der  Universität Wien); finanziert vom Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Kultur.
  • 1999/2001 inhaltliche Nachbearbeitung der Datenbank im Rahmen eines vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanzierten Projektes (Nr. 7882). Schwerpunkt: aktuelle disziplingeschichtliche Literatur. Folgeprojekt eingereicht beim Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank. Projektleitung und Sachbearbeitung: Dr. Charlotte Zwiauer.
  • 2000/2002 Multimedia Projekt Science.Exile, Wissensportal im Internet zum Thema Wissenschaftsemigration aus Österreich; finanziert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Rahmen des Förderprogramms "Multimediale Bildungsmaterialien"; Integration der Datenbank als zentrale Wissensressource.
Internet-Projekte in Kooperation mit Vienna Knowledge Net. Projektteam: Alexander Jerusalem, Mag. Harald Riedmann, Jan Wessely, Dr. Charlotte Zwiauer (Projektleitung)

Die Erforschung der österreichischen Wissenschaftsemigration am IWK

In der Zeit von 1986-1991 wurde in vom Wissenschaftsministerium geförderten Projekten am IWK die "Dokumentations- und Forschungsstelle Österreichische Wissenschaftsemigration" aufgebaut. Im Zuge dieser von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler geleiteten Projekte konnte eine biografische Datenbank mit Informationen zu rund 2200 Personen sowie eine bibliographische Datenbank mit rund 3300 Literaturangaben eingerichtet werden. Die biografischen Einträge enthalten neben Eckdaten vor allem Informationen zum Emigrationsweg, zu beruflichem Werdegang (wichtigste Institution vor/nach der Emigration, Position), ethnischem Hintergrund, Religion. Der Grundstock an Daten wurde einschlägigen Handbüchern und Lexika entnommen und durch das Einbeziehen von weiterer Literatur und von zum Teil schwer zugänglichen Archivmaterialien wesentlich erweitert.
Mit der biografischen Datenbank sollte eine erste quantitative Bestandsaufnahme zur österreichischen Wissenschaftsemigration durchgeführt werden, wobei die Informationen zu den aufgenommenen Personen zunächst auf ein einheitliches Niveau gebracht wurden. Eine überarbeitete Fassung der biografischen Datenbank erschien in dem von Friedrich Stadler und Peter Weibel herausgegebenen Band "The Cultural Exodus from Austria" (1993, Zweite Auflage 1995), gedacht als Ergänzung zu den auf dem Tagungsband "Vertriebene Vernunft II" (herausgegeben von Friedrich Stadler 1988) aufbauenden Beiträgen über Vorgeschichte, Verlauf und Folgen der Emigration von einzelnen WissenschaftlerInnen, von Schulen, Kreisen und Disziplinen. In diesem Band sind auch persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen enthalten, die anlässlich des Symposions "Vertriebene Vernunft - Emigration österreichischer Wissenschaft" (gemeinsame Veranstaltung des IWK mit dem Ludwig Boltzmann- Institut) nach Wien gekommen waren.
Die bibliographische Ursprungsdatenbank enthielt Eintragungen von selbstständiger und unselbstständiger Literatur im besonderen zur Wissenschaftsemigration, zu den Aufnahmeländern, zu Exil allgemein sowie vereinzelt Literatur zu bestimmten EmigrantInnen.

Die biographisch-bibliographische Datenbank Austrian Exile 

1998/1999 wurden in einem vom Wissenschaftsministerium finanzierten Projekt des IWK - konzipiert und durchgeführt von Vienna Knowledge Net - die biografische und die bibliographische Datenbank in eine einheitliche Struktur integriert. Im Rahmen des im Februar 2001 abgeschlossenen Folgeprojekts wurde die Datenbank überarbeitet und wesentlich erweitert. Die Datenbank baut auf den drei Elementen Person (z. B. EmigrantIn/AutorIn), Institution (z. B. Universität, Institut) und Werk (z. B. eines/einer EmigrantIn, eines nichtemigrierten Autors) auf. Als Werke fungieren derzeit verschiedene Literaturarten wie Bücher, Sammelwerke, Biografien sowie Zeitschriften und Zeitschriftenartikel sowie Sammelwerkbeiträge. Die drei Elemente Person-Institution-Werk ermöglichen mit ihrer engen Verknüpfung vielfältige und komplexe Abfragen. Um den unterschiedlichen Vorkenntnissen und Bedürfnissen der Benutzer gerecht zu werden, wurde eine "Volltextsuche", eine "einfache Suche" und eine "komplexe Suche" eingerichtet.
Mit der Integration der lokalen Datenbanken in ein einheitliches biografisches/bibliographisches Informationssystem eröffnen sich neue Perspektiven für den Ausbau: dem wurde im Folgeprojekt Rechnung getragen, dessen Ziel es war, die Struktur der Datenbank zu erweitern. Insgesamt können jetzt in die Datenbank - in Orientierung am "Biografischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945" (Röder / Strauss 1980, 1983) - genauere Informationen zu den einzelnen EmigrantInnen aufgenommen und abgefragt werden, wobei insbesondere das Institutionen-Konzept überarbeitet wurde. So ist es künftig möglich, detailliertere Informationen zu Bildungsweg, beruflicher Laufbahn und Wirken (jeweils als zeitlicher Verlauf) aufzunehmen. Mit geringem Aufwand können jetzt unterschiedlichste Werktypen - insbesondere auch Nachlässe - ergänzt werden.
Damit bietet die Datenbank Austrian Exile die Möglichkeit zur Erfassung des kulturellen Exils insgesamt, ein Weg der - angesichts der Verflochtenheit des wissenschaftlichen mit dem künstlerischen und politischen Exil - bereits in "The Cultural Exodus from Austria" (Stadler / Weibel 1993 und 1995) eingeschlagen wurde.

Bildung - Forschung - neue Medien: das Wissensportal ScienceExile

Mit der fehlenden Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Österreichs nach 1945 ging eine zweifelhafte Haltung gegenüber EmigrantInnen einher: diese waren nicht erwünscht in Österreich, von wo sie 1938 vertrieben worden waren, eine offizielle Rückholaktion blieb aus. Erst in den Siebzigerjahren kam es mit dem Prozess der gesellschaftlichen Öffnung zu einem offiziellen Bemühen um Aufarbeitung der belastenden Vergangenheit. Trotz der Schaffung einer wissenschaftlichen Basis durch ZeithistorikerInnen und Einrichtung des Faches "Politische Bildung" in den Schulen nehmen viele ÖsterreicherInnen eine Haltung des Schweigens, Verdrängens und Vergessens ein anstatt eine direkte Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu suchen.
Am Übergang zu einer Zeit ohne Zeitzeugen, vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis und der viel diskutierten Historisierung der NS-Vergangenheit zeichnet sich ab, dass in der Gedächtnispädagogik neue Wege gegangen werden. ExpertInnen sind sich darin einig, dass mit dem Ausscheiden der Erlebnisgeneration wissenschaftlich und pädagogisch fundierte Erinnerungsarbeit notwendig wird, getragen von sekundären Gedächtnisträgern wie Universitäten, Schulen, Gedenkstätten und Museen. Von gedächtnispädagogischer Seite wird betont, dass die Auseinandersetzung mit NS und seinen Ursachen und Folgen eine umso nachhaltigere Wirkung hat - im Sinn eines aus der Geschichte Lernens - , wenn diese dem Lernenden einen möglichst hohen Grad an Aktivität ermöglicht (etwa im problemorientierten Projektunterricht) und wenn Anstöße zum reflexiven Vergleich zwischen belastender Vergangenheit und Gegenwart gegeben werden. (s. Thonhauser / Gassner in: Kontroversen um Österreichs Zeitgeschichte, hrsg. v. Gerhard Botz u. a. Frankfurt a. M. 1994) Auf der Jahrestagung der internationalen "Gesellschaft für Exilforschung" in Wien 2000 wurde in diesem Sinn gefordert, von der Exilforschung einen Brückenschlag zu aktuellen gesellschaftlichen Problematiken, insbes. zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu schaffen.
Aus diesen Überlegungen wurde im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen IWK und Vienna Knowledge Net das Konzept für das Wissensportal Science.Exile  entwickelt (gefördert vom Bundesministerium für Bildungs-, Wissenschaft und Kultur im Rahmen des Förderprogramms ìMultimediale Bildungsmaterialienî, Projektleitung Dr. Charlotte Zwiauer). Verwendbar ist das Bildungsmaterial in der oberen Sekundarstufe, im Zweiten Bildungsweg sowie im Studium.  Die Datenbank stellt in diesem Portal die zentrale Wissensressource dar.

Das thematische Wissensportal Science.Exile besteht aus den Elementen multimedialer Hypertext - Datenbank - Projektmodul - Links:

  • Der multimediale Hypertext besteht aus den Bereichen Fächer (Übersichtsdarstellungen zu den einzelnen Disziplinen / Schulen /Kreisen), Biografien, Kontext (Texte zu vertiefenden und weiterführenden Fragestellungen). Die Beiträge werden von ausgewiesenen FachautorInnen erarbeitet und mit Multimedia-Dokumenten angereichert. Der Hypertext ist mit einer Annotierungsfunktion ausgestattet, die das gemeinsame Einfügen von Notizen, zusätzlichen Informationen ermöglicht. Folgende Disziplinen werden schwerpunktmäßig behandelt: Wiener Kreis, Kybernetik, Computer Science, Psychologisches Wien, Sozialforschung, Nationalökonomie, Rechts- u. Staatswissenschaften, Naturwissenschaften (bes. Physik, Medizin).
  • Datenbank: Die Datenbank wird über die drei Elemente Person - Institution - Werk in den multimedialen Hypertext integriert, d.h. bei der namentlichen Nennung von EmigrantInnen, Institutionen (wie Orte ihres Wirkens), Werken (wie zitierte Literatur) wird ein Link auf den entsprechenden Datensatz in der Datenbank gelegt. Damit wird eine Integration von quantitativen Daten in qualitativ-semantische Information (Texte) ermöglicht.
  • Das Projektmodul unterstützt in einer virtuellen Projekt-Werkstatt Teams Schritt für Schritt bei ihren eigenen multimedialen Projekten. SchülerInnen, StudentInnen können sich mit der strukturierten Wissensumgebung gleichsam selbst als ForscherInnen selbstständig die Thematik erschließen.
  • Ausgewählte und kommentierte Links öffnen das System zum Wissensraum Internet.
Perspektiven

Die stufenweise Entwicklung des thematischen Wissensportals Science Exile und der Datenbank Austrian Exile folgt von Beginn an einem umfassenden Gesamtkonzept, das auf  Nachhaltigkeit, Erweiterbarkeit und Übertragbarkeit ausgerichtet ist. Mit entsprechenden Entwicklungsschritten können diese zu einer internationalen Forschungsplattform ausgebaut werden: ForscherInnen sollen hier künftig die Möglichkeit erhalten, online in die Datenbank Informationen einzugeben, mit dem Projektmodul multimediale Beiträge zu produzieren und diese selbstständig in den Hypertext zu integrieren.

Für die Datenbank sind folgende Schritte bereits konkret vorbereitet worden:

  • Ausbau von nationalen und internationalen Kooperationen
  • Entwicklung einer Internet-basierten Eingabeoberfläche, um die laufende Aktualisierung ortsunabhängig durch ein Team von Institutionen / WissenschaftlerInnen zu ermöglichen
Folgende weitere Schritte sind geplant:
  • Standardisierungen
  • Mehrsprachigkeit der Eingabe- und Abfragemöglichkeiten
  • Anbindung an andere europäische Forschungsdatenbanken
Das Wissensportals Science Exile ist zunächst vor allem für Lernende gedacht, es kann jedoch leicht an professionelle Forschungsbedürfnisse angepasst werden, sodass es z. B. netzbasiert kooperierende ForscherInnen bei der Erarbeitung eines multimedialen Beitrags gezielt unterstützt. Optimalerweise sollten die von ForscherInnen mit dem Projektmodul erarbeiteten Beiträge ohne großen Aufwand in den Bereich multimedialer Hypertext von Science Exile integriert werden können. Ein Netzwerk von ForscherInnen ist so in der Lage, laufend neue Wissensitems in ein redaktionell betreutes, lebendiges Wissensportal zu diesem Thema einzubringen. Das Gesamtsystem entwickelt sich so schrittweise zu einem umfassenden Instrumentarium der netzbasierten Kommunikation, Produktion, Publikation, Dokumentation von Wissen. Aktuelle Forschung steht hier in einer offenen und wachsenden Wissensumgebung der Fachwelt, dem Bildungsbereich sowie der breiten Öffentlichkeit frei zur Verfügung.
   
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