VERANSTALTUNGEN
Das Wissensportal Science Exile / Exilforschung
und Neue Medien -
Status Quo, Perspektiven, Vernetzungsstrategien
Konzept und Organisation: Dr. Charlotte
Zwiauer (Wien)
Gemeinsame Veranstaltung mit der Österreichischen
Exilbibliothek im Literaturhaus;
gefördert von bm:bwk / Abteilung
Erwachsenenbildung - IT-Weiterbildungsoffensive
Die österreichische Exilforschung fächert sich derzeit in ein breites Spektrum von Projekten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten, institutioneller Anbindung und Zukunftsperspektiven auf. Das Wissensportal ScienceExile, welches im Rahmen des bm:bwk-Förderprogramms "Multimediale Bildungsmaterialien" als Kooperationsprojekt des IWK und Vienna Knowledge Net sowie in Zusammenarbeit mit zahlreichen AutorInnen der österreichischen Exilforschung entwickelt wurde, versuchte bei dieser Veranstaltung mit seiner offenen, dynamischen Konzeption, dieser Vielfalt gerecht zu werden. In Anschluss an die Präsentation von Science Exile wurden zentrale Fragen, die sich im Laufe der inhaltlichen Entwicklung des Portals stellten, diskutiert: das zunehmende Aufgehen des Forschungsgebietes in den jeweiligen Disziplinen und in der zeitgeschichtlichen Forschung, die offene Frage des Anschlusses an die neuere Migrationsforschung, das Ende der Zeitzeugen-Ära. Folgende Fragen wurden dabei diskutiert: Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Prozess der Historisierung für die Erinnerungsarbeit? Worin sehen Institutionen der Exilforschung künftig ihre Aufgaben - Beforschung, Archivierung, Erinnerungsarbeit? Wie positionieren sich die entstehenden Portale, Archive und Datenbanken im Internet, die institutionell vereinzelte ForscherInnen wieder vernetzen, dem Bildungsbereich und der breiteren Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen und sich mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen auf diese drei Arbeitsbereiche der Exilforschung beziehen?
An der Podiumsdiskussion nahmen teil:
Dr. Doris Ingrisch (Wien) / Dr. Konstantin
Kaiser (Wien) / Dr. Ilse Korotin (Wien) / Dr. Reinhard Müller (Graz)
/ Univ. Prof. Dr. Friedrich Stadler (Wien) / Gert Tschoegl (Wien).
Die Moderation erfolgte durch Dr. Peter Lachnit (Wien).
Die Veranstaltung fand im Literaturhaus
(Zieglergasse 26 A, 1070 Wien) statt.
Das Wissensportal Science Exile -
Wissensproduktion und Online-Medien
Konzept und Organisation: Dr. Charlotte
Zwiauer (Wien)
Gemeinsame Veranstaltung mit der Lehrentwicklung
der Universität Wien
Gefördert von bm:bwk / Abteilung
Erwachsenenbildung - IT-Weiterbildungsoffensive
In einer Zeit der immer größer werdenden Datenmengen und unter neuen technischen Bedingungen der Informationsverarbeitung zeichnet sich bereits eine grundlegende Umstrukturierung der Wissenskultur ab. Dabei spielen Medien längst nicht mehr nur die Rolle eines neutralen Vermittlers zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Neue Medien, besonders in der Form von Online-Medien, sind in diesem Prozess nicht länger bloß Gegenstand der Forschung, sondern Forschungsmedium selbst. Neue Methoden der Recherche (z. B. Datenabfragen) bis hin zum Publikationswesen verändern sowohl Forschungsalltag, Erkenntnisinteressen als auch Bedingungen und Struktur wissenschaftlicher Öffentlichkeiten. Mit den neuen Möglichkeiten ändern sich auch die Anforderungen an die Akteure in Wissenschaft, Forschung und Lehre. Neue Kompetenzen sind gefragt; was diese Prozesse für die Produktion wissenschaftlichen Wissens bedeuten, so konnte bei Veranstaltung analysiert werden. Nach der Präsentation des Wissensportals Science Exile referierte:
Univ. Prof. Dr. Michael Giesecke (Erfurt)
zum Thema
"Wissensproduktion und Online-Medien"
Die anschließende Diskussion wurde
von Univ. Doz. Dr. Frank Hartmann (Wien) moderiert.
Die Veranstaltung fand in der Aula am
Universitätscampus (Altes AKH, Hof 1, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien)
statt.
Kooperationsvorträge:
In Kooperation mit der Universität Wien fanden folgende Veranstaltungen statt:
Bei der akademischen Feier zu Ehren der
Physikerin Marietta Blau referierte Dr. Ilse Korotin (Wien) über "Wissenschafterinnen
in Österreich".
Im Rahmen der Veranstaltung "1. Tag der
Neuen Medien an der Universität Wien" präsentierte Dr. Ilse Korotin
(Wien) die Projekte "biografiA" - Datenbank und Lexikon österreichischer
Frauen" und "Austrian Science in Exile".
Zum Schwerpunkt "Emigrations- und Exilforschung":
siehe auch die Tagung "Frauen schreiben
gegen Hindernisse - Zu den Wechselwirkungen von Biografie und Schreiben
im weiblichen Lebenszusammenhang" unter dem nachfolgenden Schwerpunktthema
"Frauenforschung / Geschlechertheorie" sowie ebendort die Vorträge
der Seminarreihe "Frauen BiografiA - Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung".
Tagung:
Frauen schreiben gegen Hindernisse
-
Zu den Wechselwirkungen von Biografie
und Schreiben im weiblichen Lebenszusammenhang
Konzept und Organisation:
Mag. Dr. Susanne Blumesberger (Wien)
Bei dieser Tagung wurde der Frage nachgegangen,
inwieweit die weibliche Biografie Einfluss auf das Schreiben hat und umgekehrt,
wie das Publizieren von Texten Einfluss auf das weitere Leben nehmen kann.
Die ReferentInnen beschäftigen sich mit dem Schreiben von Frauen in
den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Es kamen sowohl WissenschaftlerInnen
zu Wort als auch Frauen, die über ihre eigenen Erfahrungen berichteten.
Die Annäherungen an das Thema erfolgten aus den unterschiedlichsten
Blickwinkeln, wobei sich der zeitliche Bogen vom Mittelalter bis in die
Gegenwart spannte. Im Mittelpunkt der Diskussion standen folgende Fragen:
Ist es denkbar, dass es einen Zeitpunkt
im weiblichen Lebenslauf gibt, der das Schreiben ermöglicht bzw. an
dem das Schreiben eine Möglichkeit ist, das Leben zu strukturieren?
Welche Bedingungen müssen dabei gegeben sein, dass sich eine Frau
schreibend an die Öffentlichkeit wendet? Welche Texte können
eventuell daraus entstehen? In welcher Form kann sich das Publizieren von
Texten auf das weitere Leben der jeweiligen Frau auswirken?
Die ReferentInnengruppe, die sich aus
WissenschaftlerInnen mehrerer Disziplinen und aus Autorinnen zusammensetzte,
sprach anhand konkreter Beispiele unter anderem über das Schreiben
in Extremsituationen, über das Verfassen von Autobiografien als Ausdrucksmittel
in unterschiedlichen Lebenszusammenhängen, über das literarische
Wirken im Exil und ob beziehungsweise wie man Hindernisse auch als Chancen
nutzen kann.
Mag. Dr. Susanne Blumesberger (Wien):
Schreiben um zu (über-)leben.
Texte als Produkte von Grenzerfahrungen
Mag. Dr. Christian Gastgeber (Wien):
Das Selbstverständnis der schreibenden
Frauen im Mittelalter
Dr. Ilse Korotin (Wien):
Den Nationalsozialismus denken. Zur
(Auto-)Biografie der Mathilde von Kemnitz-Ludendorff
Barbara Neuwirth (Wien):
Vom Mut, an sich zu glauben. Weibliche
Biografie und literarisches Schaffen
Dr. Susanne Bock (Wien):
Heimgekehrt und fremd geblieben
Dr. Ernst Seibert (Wien):
Fortschreibung und Selbstinterpretation
im Werk von Marlen Haushofer
Ilse Kilic (Wien):
Die Autobiografie als unsicherer Ort
Käthe Recheis (Wien):
Hindernisse, die zu Chancen werden
können
Die Diskussionsleitung und Moderation erfolgte durch Mag. Dr. Susanne Blumesberger (Wien)
Die Beiträge der Tagung werden - ergänzt
durch weitere Autorinnen - 2004 in der Edition Praesens (Wien) erscheinen.
BiografiA - Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung
Konzept und Koordination:
Dr. Ilse Korotin (AG biografiA - Datenbank
und Lexikon österreichischer Frauen)
Mag. Siglinde Bolbecher (FrauenAG der
Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung)
Die Projektinitiative "biografiA" (http://www.biografiA.at)
am IWK hat die umfassende historisch-biografische Aufarbeitung österreichischer
Frauenpersönlichkeiten zum Ziel. Derzeit stehen rund 6.500 frauenbiografische
Datensätze in unterschiedlicher Ausarbeitungsstufe zur Verfügung.
Im damit verknüpften Arbeitskreis wurden im Sommersemester projektbegleitend
mit ExpertInnen biografische Forschungsthemen diskutiert. Dabei war es
wichtig, Impulse zur Revision herkömmlicher Aufnahmekriterien zu leisten.
Nicht mehr nur den bedeutenden Namen, sondern einem weiten Spektrum historischer
Frauenpersönlichkeiten galt in diesem Zusammenhang die Aufmerksamkeit.
Im Wintersemester stand die historisch-biografische
Erfassung österreichischer Frauenpersönlichkeiten im Brennpunkt
der Aufmerksamkeit, die in der NS-Zeit verfolgt und ins Exil getrieben
wurden oder Widerstand leisteten. Die "Österreichische Gesellschaft
für Exilforschung" (öge), die sich die Erforschung der Geschichte
des Exils aus Österreich im 20. Jahrhundert und ihre Koordination
und Kommunikation in Wissenschaften und Öffentlichkeit zur Aufgabe
gemacht hat, befasst sich in ihrer FrauenAG mit der frauenspezifischen
Situation von Exilantinnen des Austrofaschismus und Nationalsozialismus.
Die erste und zweite Generation von Akademikerinnen, Künstlerinnen
und Kulturschaffenden wurden durch die Vorgeschichte 1934 und die Zäsur
1938 in einem großen Ausmaß aus politischen oder rassistischen
Gründen ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Der Verlust dieses Potenzials
und der Bruch in der gesellschaftlichen Entfaltung von Frauen reicht bis
in die Gegenwart Österreichs. Im Exil fanden sich Möglichkeiten,
konnte unter erkämpften, aber doch freieren Bedingungen gearbeitet
und gelebt werden. Die Kooperation von biografiA und öge-FrauenAG
befördert die differenzierte Erforschung dieser vielschichtigen Exilerfahrungen.
Univ. Prof. Dr. Karl Brunner (Wien):
Frauen im Mittelalter - Problemfelder
und Annäherungen
Noch in den 60er-Jahren konnte man lesen,
dass es interessant wäre, mehr über Frauen im Mittelalter zu
lesen, aber auf weite Strecken die Quellen fehlen. Die folgende Welle von
Frauengeschichte, vor allem aus den USA und Frankreich, hat das Gegenteil
bewiesen: Nicht die Quellen fehlten, sondern die Fragestellungen. Nun sind
wir dabei, unter dem Gender-Aspekt die Quellen neu zu lesen, Geschichte
ein weiteres Mal umzuschreiben. Einmal mehr erweist sich der Nutzen der
Mediävistik in der Erforschung des "eigenen Fremden": Fremd genug,
um die Gegenwart zu kontrastieren, aber Bestandteil der eigenen Geschichte.
Mag. Dr. Susanne Blumesberger (Wien):
Vera Ferra-Mikura. Eine große
österreichische Schriftstellerin, die auch viele kleine LeserInnen
begeisterte.
Leben und Werk einer Nicht-nur-Kinderbuchautorin
(Vortrag und Lesung erfolgten gemeinsam
mit Elisabeth Mikura, der Tochter der Autorin)
Vera Ferra-Mikura, der es gelungen ist,
Fantastisches und Realistisches gekonnt zu verbinden, wurde durch ihre
zahlreichen Bücher für Kinder und Jugendliche bekannt. Man denke
nur an die liebevoll beschriebenen "Drei Stanisläuse" oder "Tante
Rübchen" und nicht zu vergessen an "Herrn Wuschelkopf". Weitgehend
unbekannt ist, dass Ferra-Mikura auch erfolgreich für Erwachsene tätig
war. Ihre berührenden Gedichte in "Schuldlos wie die Mohnkapsel" und
ihre amüsanten Geschichten in "Horoskop für den Löwen" zeigen
die Vielseitigkeit dieser Autorin, die 1997 starb und 2003 ihren 80. Geburtstag
gefeiert hätte.
Dazu erschien: Susanne Blumesberger: "Das
Brutgeschäft des Autors ist keine stille Wonne der Besinnlichkeit"
- Die österreichische Erzählerin, Lyrikerin und Kinderbuchautorin
Ferra-Mikura (1923-1997), in: biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek
und Schrift, herausgegeben von der Österreichischen Nationalbibliothek,
51, 2, Phoibos Verlag, Wien 2002, S. 215-243.
Mag. Dr. Carina Nekolny (Wien):
Devianz als Überlebensstrategie.
Ländliche Unterschichtfrauen
zwischen Mobilität und Sesshaftigkeit
im ausgehenden 18. Jahrhundert
Ausgehend von Elisabeth Stainerin, einer
in Weyer (OÖ) 1773 verhafteten Vagantin, behandelte der Vortrag die
Entwicklung der Problematik ländlicher Unterschichtfrauen und ihrer
(Geschlechtsrollen-)Handlungsspielräume. Ein Fragenraster soll Strukturierungshilfe
leisten: Welche normativen Vorgaben gab es für diese Frauen im ausgehenden
Barock? Welche Lebensentwürfe machten sich diese Frauen? Welche Formen
von "Selbstbestimmung" oder "Widerstand" gab es? Von welchen Koordinaten
war das Leben bestimmt? Der Bogen spannte sich zu Christine Lubnerin, einer
randständigen Frau im Mühlviertel, die aufgrund von "Sinnen verrückhung"
einen Ort abbrannte. Dazwischen stand die Klärung der Fragen, welche
Möglichkeiten Frauen in Dorf und Gesellschaft sowie vor Gericht hatten.
Dr. Eva Cescutti (Wien):
Maria von Wolkenstein
Die Klarissin Maria von Wolkenstein: "Sie
war zänkisch, klatschsüchtig und ehrgeizig", heißt es in
der Nicolaus-Cusanus-Forschung, und "kleinliches Nonnengezänk" sei
es gewesen, in das "die gehässige Denunziantin" Cusanus verstrickt
habe, ihren Diözesanbischof, "der nichts von ihr verlangt hatte, was
nicht in der Ordensregel stand." Und doch hätten unter ihrer Führung
die "streitbaren Frauen" ihres Konvents allen Strafen des Cusanus getrotzt.
"Macht und Rückhalt des mächtigen Adelsclans", zu dem sie gehörte,
habe Cusanus eben unterschätzt in dem Streit, und es fällt das
schlimme Wort "Raubrittermanier". Die Geschichte, die dahintersteckt, ist
schnell erzählt: Nicolaus Cusanus kam 1452 als Fürstbischof nach
Brixen in Tirol und machte sich u. a. an die Reform des dortigen Klarissenklosters;
es entbrannte ein sehr vehement geführter Konflikt um die Legitimität
dieser Reform-Pläne, in dem Maria von Wolkenstein, die Tochter des
"letzten Minnesängers" Oswald, seine wichtigste Widersacherin war.
Nach längerem Hin und Her wurde das Kloster reformiert. Maria wechselte
den Konvent, ging ins Klarissenkloster nach Meran, das nicht zu Cusanus'
Diözese gehörte und wurde dort Äbtissin. Der Vortrag rekonstruierte
dieser Frauen-Biografie zwischen den vermeintlich unvereinbaren Polen "Ordensregel"
und "Adelsclan" im Tirol des 15. Jahrhunderts.
Dr. Primavera Gruber (Wien) im
Gespräch mit der Pianistin, Klavierpädagogin
und Theresienstadt-Überlebenden Edith Kraus (Jerusalem)
Edith Kraus, 1913 in Wien geboren, studierte
bei Arthur Schnabel in Berlin und lebte in Prag, wo sie auf den Konzertpodien
und im Rundfunk als Solistin tätig war, bis sie 1942 ins KZ Theresienstadt
deportiert wurde. Sie gehört zu den wenigen Musikschaffenden, die
das KZ überlebten. Nach der Befreiung zog sie nach Jerusalem, wo sie
eine gesuchte Konzertpianistin war und heute als Klavierpädagogin
und Spezialistin für die Musik von Viktor Ullmann und Pavel Haas lebt.
Edith Kraus kehrt zu einem Masterclass an der Universität für
Musik und darstellende Kunst erstmals in ihre Geburtstadt Wien zurück
und berichtete an diesem Nachmittag über ihr Leben, ihre Beziehung
zu Wien und ihre Freundschaft mit der Pianistin Alice Herz-Sommer, die
mit ihr das KZ Theresienstadt überlebte und heute 99-jährig in
London lebt.
Dr. Doris Ingrisch / Mag. Marion Steinfellner
(Wien):
Fremdheit und Alltag
Fremdheit und Selbstentfremdung ist eine
der grundlegenden bitteren Erfahrungen, die in dem keineswegs bezugsfertigen
Gehäuse Exil vom Fluchtgepäck noch abzuziehen sind. Im Alltag
mit seinen Geldsorgen, Unterkunftsproblemen, Krankheit, Schule, Korrespondenzen,
Flüchtlingshilfe u. v. a. wurden Frauen stärker mit einer "fremden
Bedingtheit" konfrontiert. Annäherung ohne Selbstverleugnung, Respekt
und Neugier, Offenheit wie auch Distanz spiegeln sich selbstreferentiell
in besonderer Weise im Schreiben von Frauen wieder. Im mexikanischen Exil
waren Alice Rühle-Gerstel und Marie Frischauf-Pappenheim, im USA-Exil
Alice Herdan (Farmerin), in Großbritannien Edith Rosenstrauch (Fabriksarbeiterin)
- anhand von exemplarischen Textpassagen wurde der Perspektivenstandort
der Fremdwahrnehmung genauer betrachtet sowie der Frage nachgegangen, ob
und inwieweit sich diese Erfahrungen in der 2. Generation (z. B. Sophie
Freud) in der intellektuellen Konturierung und wissenschaftlichen Arbeit
niederschlugen.
Buchpräsentation / Vortrag
Mag. Dr. Ursula Prokop (Wien):
Margaret Stonborough-Wittgenstein.
Bauherrin, Intellektuelle, Mäzenin
(Böhlau Verlag, Wien 2003)
Als Schwester Ludwig Wittgensteins in der
einschlägigen Literatur oftmals nur als "Fußnote" angesehen,
war Margaret Stonborough, wie neue Quellen zeigen, tatsächlich eine
höchst bemerkenswerte Frau. Nicht zuletzt gipfelte der große
intellektuelle Einfluss, den sie auf ihren jüngeren Bruder ausgeübt
hatte, im Projekt des von ihr initiierten "Wittgenstein-Hauses". Selbst
in höchstem Maße an Mathematik und Physik interessiert, förderte
sie die Wissenschaften und machte ihren Salon zu einem Zentrum des österreichischen
Geisteslebens. Darüber hinaus agierte sie - die von Gustav Klimt porträtiert
wurde - als Mäzenin der Kunst der Wiener Moderne. Bedeutend auch ihr
soziales Engagement, insbesondere ihre amerikanische Hilfsmission zugunsten
hungerleidender Wiener Kinder nach dem Ersten Weltkrieg. In der NS-Zeit
verhalf sie zahlreichen Wiener Juden, darunter auch Sigmund Freud, zur
Flucht, bis sie schließlich selbst zur Emigration gezwungen wurde.
Feministische Theorie und Geschlechterforschung
Konzept und Koordination:
Dr. Silvia Stoller / Dr. Eva Waniek (Wien)
Die Vortragsreihe widmete sich aktuellen
Themen aus dem Bereich der feministischen Theorie, der Frauenforschung
und den Gender Studies. Auch in diesem Jahr ging es um die Bestandsaufnahme
der feministischen Theorie: Welche Themen stehen im Mittelpunkt der gegenwärtigen
Auseinandersetzung? Welche Probleme werden diagnostiziert, und wie sehen
deren Lösungsmöglichkeiten aus? Nicht zuletzt ist damit mehr
denn je die Frage virulent, welchen Stellenwert die feministische Theorie
im Vergleich zu anderen gegenwärtigen Ansätzen heute hat.
Die ReferentInnen, die aus den verschiedenen
geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Bereichen der Genderforschung
wie der Philosophie, der Geschichte, der Soziologie, Politik- und Erziehungswissenschaften,
der Kunstgeschichte, der Film- oder Medienwissenschaft, der Architekturtheorie,
der Wirtschaftsgeschichte und Sprachwissenschaft stammen, gingen - ausgehend
von ihrer eigenen aktuellen Forschungsarbeit - diesen Fragestellungen nach
und stellten ihre Analysen zur Diskussion.
Mag. Helga Eberherr / Dr. Natascha Gruber
/ Mag. Manuela Hofer /
Mag. Elisabeth Mayerhofer / Mag. Sabine
Prokop / Dr. Eva Kalny / Mag. Sabine Kock (Wien):
Vorstellung und Diskussion des Projekts
"Gender Studies (Cultural Studies?) -
Perspektiven von Frauen- und Geschlechterforschung
an der Universität Wien"
Von September 2001 bis Juli 2002 wurde am Projektzentrum Genderforschung der Universität Wien an diesem Forschungsprojekt gearbeitet. Das mit Mitteln des bm:bwk und unter der Leitung der damaligen Vizerektorin Dr. Gabriele Moser durchgeführte Projekt ermöglichte erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung und einen internationalen Vergleich von Gender Studies mit dem Ziel, die gegenwärtige und künftige Implementierung dieses Forschungsbereichs an der Universität Wien zu unterstützen. Die Studie zeigt ein erfreuliches Ergebnis: An der Universität Wien besteht vom Umfang und der Breite der beteiligten Fächer her ein außerordentlich umfassendes Angebot an Gender Studies, das für die künftige Profilentwicklung der Universität einen innovativen Stellenwert haben kann. Die Hauptergebnisse der Studie wurden an diesem Abend in einen theoretischen Rahmen gestellt - insbesondere mittels des kritischen Blicks auf die gegenwärtigen organisatorischen Veränderungsprozesse der österreichischen Universitäten.
Mag. Stefanie Holuba (Berlin):
Die "Frauenfrage" und eine Antwort
von 1904
Einleitende Worte und Diskussionsleitung:
Fritz Keller (Wien)
Anlässlich der Präsentation ihres Buches An der Grenze des Marxismus - Arbeiten Paul Lafargues hielt Stefanie Holuba einen Vortrag, der die Relevanz der Theorie Lafargues' für gegenwärtige Fragen der Geschlechterforschung herausarbeitete. Das Thema der Geschlechterverhältnisse hatte den Politiker und Autor Paul Lafargue (1842-1911) lebenslang begleitet und beschäftigt, wobei sein Werk von geschlechtsspezifischer Differenzierung, Parteilichkeit für die Frauen und einem Streben nach Gerechtigkeit geprägt ist. Im Vortrag wurde deshalb insbesondere der Frage nachgegangen, welche Ansprüche Lafargue theoretisch vertrat, wie deren konkrete Umsetzung im Alltag aussah, und ob er damit als Feminist bezeichnet werden kann.
Dr. Anna Babka (Wien):
Hermes, Aphrodite, Hermaphroditos.
Zur tropologischen Konstruktion
und Dis-Figuration des vergeschlechtlichten
Subjekts
Wird (Geschlechts-)Identität als
de-konstruiert angenommen, so spricht einiges dafür, dies über
Figuren zu denken, die das Unsagbare sagbar machen, ohne sich selbst der
De-Figuration entziehen zu können und ihre Inszeniertheit und Fiktionalität
zu leugnen. Die Frage nach dem Geschlecht ist immer auch eine nach dessen
Ursprung und verlangt nach Fiktionen und Figurationen beziehungsweise nach
den kognitiven Eigenschaften des tropologischen Systems, die Verstehen
ermöglichen. Im Vortrag wurde diese Dekonstruktion reflektiert, und
zwar unter Bezugnahme auf theoretische Überlegungen des amerikanischen
Dekonstruktivismus bzw. bestimmter Facetten der Gender- und Queer Studies,
durch die Konzeptualisierungen des vergeschlechtlichten Subjekts hinsichtlich
kohärenter Körper- und Identitätsmodelle reformuliert werden.
Im Zentrum der Überlegungen stand die Metapher des Hermaphroditen,
durch die eine Theoretisierung unentscheidbarer Geschlechtsidentität
angedacht wurde.
Dr. Anna Schober (Wien):
Feministische Utopie Kino - Das Zusammenspiel
von
Subversion und Bejahung in urbanen
Räumen des 20. Jahrhunderts
Abolitionistische Streiterinnen, Frauenklubs,
Arbeitervereine, feministische Gruppen, Wissenschaftlerinnen, Theoriezirkel,
Filmemacherinnen und Künstlerinnen haben sich im 20. Jahrhundert euphorisch
und mit diversen Veranstaltungen, Kunstgriffen, Analysen und Forderungen
daran gemacht, das Kino als öffentlich-politischen Ort zu re-definieren.
Sozialreformatorische Kampagnen gegen die Nickelodeons (ganz frühe
Kinos) in den USA der 1910er-Jahre gehören hier ebenfalls dazu wie
"rote" Filmabende im Wien der 30er-Jahre oder Niki de Saint-Phalles Kino
im Bauch von Hon, einer durch die Vagina betretbaren Riesenfrau. Das Kino
wurde von all diesen Gruppen als Ort ideologie-kritischer Interventionen
genutzt - gehen diese, entsprechend der dominierenden feministischen Utopiemodelle,
auch in ganz unterschiedliche Richtungen: etwa in Richtung einer Aufhebung
von Ungerechtigkeiten und einer Herstellung von Gleichheit zwischen den
Geschlechtern und Schichten, in Richtung eines Feierns ureigenster Weiblichkeit
und Sinnlichkeit oder in Richtung einer Dekonstruktion herrschender Geschlechterstereotypen.
Der Vortrag verfolgte die Taktiken dieser Gruppen und setzte dieses Kinogeschehen
in Beziehung zu anderen Verschiebungen in städtischen Metropolen des
20. Jahrhunderts: etwa einer Transformation von Wahrnehmung und von Glaube,
einem Wandel von Öffentlichkeit und Privatheit bzw. einer Geschichte
der Selbstdarstellung.
Dr. Yvonne P. Doderer (Stuttgart):
Perspektiven auf einen feministischen
Stadt- und Raumbegriff
Werden urbane Räume als gesellschaftliche
Räume verstanden, so lassen sich die Verräumlichungsprozesse
gesellschaftspolitischer und sozialer Bewegungen im städtischen Bereich
sichtbar machen. Indem eine solche Lesart urbaner Räume und Raumproduktionen
zugrunde gelegt wird, ergeben sich neue Perspektiven auf einen erweiterten
feministischen Stadt- und Raumbegriff, dem dieser Vortrag am Beispiel der
feministischen Frauenöffentlichkeit auf theoretischer Ebene nachging.
Dr. Irene Bandhauer-Schöffmann (Wien):
Geschlecht und Geschäft. Umrisse
einer feministischen Wirtschaftsgeschichte
Die Wirtschaftsgeschichte ist wie die
Wirtschaftswissenschaft ein Bereich, in dem die Kategorie "Geschlecht"
mit einiger Verspätung und sehr zögerlich zur Anwendung kam.
Während andere historische Disziplinen seit den 1970er-Jahren Geschlecht
als Analyseinstrumentarium benützen, scheint es in der Wirtschaftsgeschichte
immer noch infrage zu stehen, ob ein "Engendering" überhaupt sinnvolle
Ergebnisse bringen kann. Der Vortrag zeichnete die Entwicklung hin zu einer
feministischen Wirtschaftsgeschichte nach, stellte aktuelle Theoriedebatten
vor und skizzierte aufgrund von eigenen Forschungen Umrisse einer möglichen
feministischen Wirtschaftsgeschichte.
Mag. Maria Pober (Wien):
Metasprachliche Asymmetrien als Paradigmen
der Geschlechterordnung
Ausgehend von der These, dass sich nach
30 Jahren feministischer Sprachkritik verhältnismäßig wenig
Substanzielles in der Versprachlichung der Geschlechter getan hat, wurden
im Rahmen des Vortrags die Gründe dafür erörtert. Im Mittelpunkt
standen Fragen zur Konzeption der Geschlechter: Wer ist nun der weibliche
bzw. männliche Mensch in der Lexik? Sind sie beide als symmetrisch
konzipiert und auch lexikalisiert, oder sind diese zwei MenschentypInnen
etwas grundsätzlich Anderes, abgesehen vom biologischen Unterschied?
Die relative Gendersymmetrie innerhalb der Berufsbezeichnungen kann nicht
über den Mangel einer solchen im Bereich der Bedeutungszuschreibungen
hinwegtäuschen. Diese bis heute bestehende Asymmetrie in der Polysemie
weiblicher und männlicher Lemmata liegt zum einen im geschlechtsspezifischen
Bedeutungsumfang dieser Lemmata begründet und zum anderen in den Paradigmen
der Geschlechterordnung von Zeit, Raum und Sexus.
Univ. Doz. Dr. Maria Joo (Budapest):
Simone de Beauvoir in der postsozialistischen
Situation. Eine ethisch-politische Untersuchung
"Das andere Geschlecht", das als "das"
feministische Werk Beauvoirs gilt, wurde hier zum Anlass genommen, um die
sozialistische Vergangenheit und die damit verbundenen ambivalenten Identitätsbildungen
von Frauen zu durchdenken: Nach einem kurzen Rückblick auf die 1970er-Jahre,
als die ungarische Ausgabe von Beauvoirs Werk erschien, befasste sich die
Vortragende mit dem Problem der postsozialistischen Identität. Dafür
wurden insbesondere die Begriffe der "gelebten Erfahrung" (experience vecue)
und der "Ambivalenz" (ambiguite) bei Beauvoir auf ihre ethische Relevanz
hin behandelt. Diese Begriffe wurden in Beziehung gesetzt zum Phänomen
einer "ambivalenten Identität postsozialistischer Frauen", die nach
der Wende wieder in Erscheinung tritt, nach der Periode der homogenen Identität
gleichberechtigter sozialistischer Frauen. Was für ethische und politische
Konsequenzen ergeben sich daraus für die heutige Situation?
Kooperationsvorträge:
Solidaritätsveranstaltung in Kooperation
mit dem "Depot":
Mag. Dr. Eva Waniek (Wien): Vom Wunsch
nach Veränderung - Feminitische Strategien und die Produktion von
Bedeutung im Verhältnis Sprache, Körper und Gesellschaft
Alternativen Ringvorlesung zum Thema "What's
left of politics?" in Kooperation mit der Universität Wien:
Mag. Dr. Eva Waniek (Wien): Performativität
- Die Konstruktion des Geschlechts durch Sprache
In Kooperation mit dem Literaturhaus Wien
im Rahmen des Internationalen Symposions "Mira Lobe":
Susanne Blumesberger (Wien): "Mira Lobe.
Stationen eines bewegten Lebens"
In Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien:
Dr. Ilse Korotin (Wien): ÖGDI-Kurs:
Lehreinheit mit Vorstellung der Dokumentationsstelle Frauenforschung mit
besonderer Berücksichtigung des Projekts "biografiA" und Einführung
in deren Arbeitsweise
biografiA. Biografische Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen (Folgeprojekt)
Auftraggeber: Bundesministerium für
Bildung, Wissenschaft und Kultur
Projektleitung: Dr. Ilse Korotin
Laufzeit: November 2002 - Oktober 2004
Das Gesamtprojekt "biografiA. Biografische
Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen" wurde von Beginn an
(1998) als Datenbank, Buch und vor allem für die Nutzung des biografischen
Forschungs- und Dokumentationsbereichs im Internet konzipiert und kann
derzeit auf rund 6.400 biografische Datensätze in unterschiedlichen
Ausarbeitungsstufen verweisen. Das auf zwei Jahre konzipierte Folgeprojekt
sieht die Bearbeitung nachstehender Bereiche vor:
» 1. Teilbereich: Datenbank (Nachbearbeitung
der Datenbank: Beschlagwortung, Ereigniskategorien / Dateneingabe: Schwerpunkt
Mittelalter und Frühe Neuzeit / Ergänzung des bisherigen Schwerpunktes
(19. und 20. Jahrhundert). / Erfassung von weiteren 2000 biografischen
Datensätzen / fachhistorische Nachbearbeitung von ausgewählten
300 Biografien.
» 2. Teilbereich: Internet (Homepage:
Laufende Aktualisierung der Projektinformationen. Präsentation von
Biografien und web-fertigen Grafiken aus den ÖNB-Projekten "Wissenschaftlerinnen",
"Naturwissenschaftlerinnen", "Kinder- und Jugendbuchautorinnen" sowie aus
dem Basisprojekt biografiA. / Internet-Datenbank: Für eine weitere
Ausbaustufe der Internet-Präsenz ist eine direkte Internet-Datenbankschnittstelle
vorgesehen, die eine kombinierte Suche nach Daten (Grunddaten) ermöglicht.
Biografische Datenbank
und Lexikon österreichischer Frauen.
Modul: Jüdische
Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur.
Ein biografischer Überblick
Projektleitung: Gen. Dir.
a. D. Dr. Johann Marte
Projektbearbeitung: Mag.
Dr. Susanne Blumesberger
Laufzeit: Jänner 2003
-Dezember 2004
Dieses Projektmodul soll
das Leben, Schaffen und Wirken von Frauen jüdischer Herkunft, die
innerhalb der jeweiligen historischen Grenzen der Republik Österreich
im Zeitraum des 18. bis 20. Jahrhundert geboren wurden, bzw. eine wichtige
Phase ihres Lebens hier tätig waren, durch das Erstellen von ausführlichen
Biografien beleuchten. Als Grundlage dient der methodische Ansatz, welcher
im Rahmen der Entwicklung des Projekts "Biografische Datenbank und Lexikon
österreichischer Frauen" (www.biografia.at), diskutiert wurde. Ausgehend
von den theoretischen Überlegungen einer feministisch orientierten
Biografieforschung wurde eine kritische Auseinandersetzung mit scheinbar
allgemein gültigen Kategorien, die in der Betrachtung von menschlichen
Lebensläufen nach wie vor bestimmend sind, initiiert und in unterschiedlichen
Bereichen eine geschlechterdifferente Sichtweise eingefordert.
Das Projekt ist damit vorrangig
auf die biografische Methode ausgerichtet. Ergebnisse werden nicht nur
im Bereich Frauenforschung sondern auch im Bereich der jüdischen Geschichte
erwartet.
Biografien von Frauen, und
besonders von jüdischen Frauen, sind durch mehrere Faktoren schwerer
nachzuzeichnen als die der Männer. Zum einen, weil Frauen traditionell
eher im Hintergrund tätig waren, bzw. tätig sein mussten und
nur wenn es ihnen gelang an die Öffentlichkeit zu treten, ihre Namen
in Lexika zu finden sind, und zum zweiten, weil ihre Spuren durch Namenwechsel
und aufgezwungene Pseudonyme oft sehr verwischt sind.
Bei diesem Projektmodul
werden die Kategorien des Basisprojekts BiografiA berücksichtigt,
bei denen man sich um eine kritische Auseinandersetzung mit den an männlichen
Lebensläufen orientierten Dokumentationsmodellen bemühte. Die
Entwicklung des BiografiA-Kategorien-Schemas folgte den theoretischen Überlegungen
einer feministischen Biografieforschung und hatte den Anspruch, die in
der Gesellschaft offenkundigen Unterschiede von Männer- und Frauenleben
erkennbar zu machen. Veränderungen im weiblichen Lebenslauf durch
Bildung, Erwerbsarbeit und Familie sollten dokumentierbar werden und im
Weiteren eine feministische, geschlechtssensible Biografieanalyse ermöglichen.
Jüdinnen und Juden
haben die Kulturlandschaft Österreichs entscheidend mitgeprägt.
Unter ihnen sind zahlreiche Frauen vertreten, die zum Teil heute wegen
der oben genannten Faktoren in Vergessenheit geraten sind, bzw. von denen
nur noch der Name, aber keine Lebensumstände bekannt sind. In den
meisten Lexika, besonders bei früheren Ausgaben, ist der weibliche
Anteil an den verzeichneten Personen deutlich unterrepräsentiert.
(Das im Jahre 2002 erschienene "Handbuch österreichischer Autorinnen
und Autoren jüdischer Herkunft", Hg. von der Österreichischen
Nationalbibliothek, verzeichnet 688 Autorinnen von über 8100 Gesamteinträgen)
Das Projekt will einen möglichst
breiten Überblick über all jene Frauen schaffen, die die österreichische
Kultur mitgetragen haben, sei es in öffentlichen Positionen oder im
Hintergrund und zugleich die jeweiligen Lebenswege möglichst genau
recherchieren und darlegen. Dabei sollen möglichst viele individuelle,
unverwechselbare Lebensläufe, um mit Bettina Dausien (Dausien, Bettina:
Frauengeschichten. Perspektiven der Biografieforschung in der Frauen- und
Geschlechterforschung. In: Desiderate der österreichischen Frauenbiografieforschung
Hg. Elisabeth Lebensaft. Östereichische Akademie der Wissenschaften
Wien 2001 S. 26) zu sprechen, möglichst viele "rote Fäden" die
in individuelle Geschichten verstrickt sind, aufgenommen und die verschiedenen
"Webmuster" entziffert werden. Der gemeinsame jüdische Hintergrund
der aufgenommenen Frauen wird, unabhängig vom jeweiligen religiösen
Bekenntnis, als Schicksalsgemeinschaft begriffen. Die Zugehörigkeit
zu Österreich meint hier nicht nur die Geburt innerhalb der jeweiligen
historischen Grenzen sondern bezieht auch all jene Frauen mit ein,
die durch ihre Staatsbürgerschaft als österreichisch zu definieren
sind, bzw. die hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.
Der Untersuchungszeitraum
umfasst das 18. bis 20. Jahrhundert, also eine Zeitspanne die sowohl die
Emanzipationsbestrebungen innerhalb des Judentums, als auch deren Zunichtemachung
durch Vertreibung und Ermordung enthält. Biografien stellen nicht
nur die Lebensgeschichte der Menschen dar, sondern bieten auch einen Überblick
über das jeweilige politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem
die Personen jeweils lebten und wirkten.
Bei Personen jüdischer
Herkunft ist dieser Umstand verstärkt erkennbar, bedenkt man die Tatsache,
dass Jüdinnen und Juden in unserem Land besonders im 20. Jahrhundert
Verfolgungen ausgesetzt waren. Dabei waren Frauen jüdischer Herkunft
oft doppelt unterdrückt, einmal als Frau, die eine Rolle in der Gesellschaft
einnehmen wollte und einmal als Person jüdischer Herkunft.
Die Forschungs- und Projektinitiative "biografiA" verfolgt das Ziel einer biografischen Datenbank bzw. eines Lexikons österreichischer Frauen, wobei eine umfassende historisch-biografische Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten angestrebt wird. Dabei sollen die unterbewerteten und unsichtbar gemachten Beiträge von Frauen in Kultur und Wissenschaft rekonstruiert werden, um deren Lebensgeschichte und Wirken als Korrektiv in die Geschichte der Wissenschaftsdisziplinen einzuschreiben, in der sie bislang nur marginal existierten. Im Rahmen des Gesamtprojektes wurde ein Datenbankprototyp entwickelt, in den in Form eines thematischen Modulsystems laufend Datensätze einfließen. Derzeit umfasst die Datenbank zirka 7.000 Frauenbiografien.
Neben der Funktion als Service-
und Beratungsstelle für SchülerInnen, StudentInnen und ForscherInnen
werden von den Mitarbeiterinnen der Dokumentationsstelle Seminarreihen,
Tagungen und Symposien veranstaltet, wobei es von besonderer Bedeutung
ist, mit ForscherInnen aus dem Ausland Kontakt aufzunehmen, um am internationalen
Diskurs der jeweiligen Fachbereiche aktiv teilnehmen zu können.
Ilse Korotin / Doris Ingrisch /
Charlotte Zwiauer (Hg.):
Die Revolutionierung des Alltags. Zur
intellektuellen Kultur von Frauen im Wien der Zwischenkriegszeit
Peter Lang, Frankfurt am Main (im Druck)
Inhalt: Johann Dvorak: Helene Bauer - Materialistische
Theorien von Wirtschaft und Gesellschaft und der Austromarxismus / Renate
Flich: Auguste Fickert - "Rote" Lehrerin und radikal bürgerliche Feministin?
/ Ernst Glaser: Die Zeit der Illegalität - Muriel Gardiner (1901-1985)
und Ilse Kulcsar (1902-1976) / Bernhard Handlbauer: Psychoanalytikerinnen
und Individualpsychologinnen im Roten Wien / Ilse Korotin: "Bemerkungen
über Rassenhygiene und Sozialismus". Oda Olberg-Lerda, die eugenische
Bewegung und ihre Rezeption durch die Linke / Brigitte Lichtenberger-Fenz:
"Sklavin Frau" und "Junges Weib der Gegenwart". Zur Genese normativer Frauenbilder
und -rollen in der österreichischen Sozialdemokratie der Ersten Republik.
/ Rüdiger Schiferer: Raissa Adler (1872-1962). Von der bürgerlichen
Frauenbewegung zum österreichischen Trotzkismus / Michaela Schneider
/ Margit Wolfsberger: Marianne Pollak - Schreiben für den Neuen Menschen
/ Barbara Serloth: Käthe Leichter: Eine unorthodoxe Sozialdemokratin
im austromarxistischen Umfeld / Charlotte Zwiauer: Aufbruch der Geschlechter
zwischen Moderne und Antimoderne: Die Künstlerin und Kunstpädagogin
Friedl Dicker (1898-1944) / Christine Zwingl: Grete Lihotzky, Architektin
in Wien, 1920-1926
Beiträge von IWK-Mitarbeiterinnen in Zeitschriften und Sammelbänden:
Susanne Blumesberger: "Scheu-Riesz, Helene, Schriftstellerin, Verlegerin, Frauenrechtlerin und Übersetzerin". In: Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Was wird aus Österreichs Frauen? 30. Jahrgang Nr. 1/2003 Wien.
Susanne Blumesberger: "Vera Ferra-Mikura. Eine biografische Skizze". In: libri liberorum. Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (Sonderheft), Edition Praesens, Wien 2003.
Susanne Blumesberger: "Der Weg zum Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert". In: Adunka, Evelyn / Peter Roessler (Hg.): Die Rezeption des Exils. Geschichte und Perspektiven der österreichischen Exilforschung. Mandelbaum Verlag, Wien 2003.
Susanne Blumesberger: "Österreichische Kinder- und Jugendschriftstellerinnen und -schriftsteller. Das "Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft" als Forschungsgrundlage". In: libri liberorum. Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung, Edition Praesens, Jahrgang 4, Heft 11-12/Juni, Wien 2003.
Susanne Blumesberger: "Fanny Neuda als Botin religiöser Literatur von Frau zu Frau. Theologische Schriften für Frauen und Mädchen aus weiblicher Hand". In: Biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift. Herausgegeben von der Österreichischen Nationalbibliothek Wien: Phoibos Heft 52,1 / 2003 (im Druck).
Ilse Korotin: "Das Lexikon österreichischer Wissenschafterinnen und die Aufarbeitung des Exils österreichischer Frauen". In: Evelyn Adunka (Hg.): Die Rezeption des Exils in Österreich. Perspektiven der österreichischen Exilforschung. Tagungsdokumentation. Mandelbaum-Verlag, Wien 2003.
Ilse Korotin: "Mit der Bibel in den Widerstand. Katholische Frauen und ihr Einsatz gegen den Nationalsozialismus". In: Biblos, 52, 1 (2003).
Ilse Korotin: "Bertha von Suttner". In: AEP. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, Nr. 2 / 2003.
Eva Waniek: "Sex/Gender - Bedeutungsrelevante
Fragestellungen zur Natur- und Kulturdebatte in der feministischen Theorie",.
In: metis. Zeitschrift für historische Frauen- und Geschlechterforschung,
Heft 20: Verwerfungen, 10. Jg., Königstein / Ts. 2003.
Konzept und Koordination:
Univ. Prof. Dr. Franz M. Wimmer (Wien)
Unter dem Schwerpunkt "Menschenrechte" wurden aus der Sicht unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen vor allem diejenigen Bereiche thematisiert, in denen aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen Grundrechte von Menschen in vielen Regionen infrage gestellt sind. Dies betrifft allgemeine Sozialrechte ebenso wie Frauenrechte und zunehmend auch individuelle Freiheitsrechte. Wie Menschenrechte in den verschiedenen Kulturtraditionen verankert sind und welche Ideen angesichts der heutigen Entwicklung daraus zu gewinnen sind, war die leitende Frage des Arbeitskreises.
Univ. Prof. Dr. Franz M. Wimmer (Wien):
Menschenrechtsentwicklungen in der
Stadt der Zukunft. Thesen - Überlegungen - Fragen
Die Entwicklungen in den Megastädten
des Südens wie auch in den Städten der Industrieländer legen
die Vermutung nahe, dass sowohl die klassischen Individualrechte als auch
die Sozialrechte weitreichenden Veränderungen unterworfen sind. Wie
weit spielen Faktoren wie die neoliberale Ideologie des Marktes dabei eine
Rolle im negativen oder auch im positiven Sinn?
Mag. Mathias Thaler (Wien):
Menschenrechte, Kulturrelativismus
und Interkulturalität
In diesem Vortrag wurden zwei Problemfelder
behandelt: Erstens wurde versucht, Kriterien zu finden, die kulturrelativistische
Infragestellungen von anderen Formen der Kritik an Menschenrechten abheben.
Durch welche Merkmale lässt sich jene Kritik kennzeichnen, die kulturelle
Argumente zu ihren Waffen gegenüber dem universalen Anspruch der Menschenrechte
zählt? Zweitens wurde gefragt, welche Antworten auf kulturrelativistische
Angriffe möglich und fruchtbar erscheinen. Eine These des Vortrags
lautete demnach, dass die Prämissen einer kulturell sensiblen Kritik
an den Menschenrechten richtig sind - die Schlussfolgerungen jedoch, die
manchmal aufgrund von Fehleinschätzung der Kategorie "Kultur" abgeleitet
werden, sind aus theoretischen wie praktischen Erwägungen abzulehnen.
Mag. Paulina Prinz (Wien):
Weltethos und Menschenpflichten
Angesichts der Probleme der globalisierten
Welt erscheint es immer notwendiger, ein gemeinsames globales Menschheitsethos
zu realisieren. Doch wie kann ein solches Ethos gefunden werden? Hans Küng
hat mit seinem "Projekt Weltethos" versucht, Gemeinsamkeiten in Werten,
Haltungen und ethischen Maßstäben der Religionen aufzuspüren,
um auf Basis der religiösen Traditionen das Fundament eines globalen
Ethos zu schaffen. Daraus sind zwei wichtige Dokumente entstanden, die
"Erklärung zum Weltethos" des Parlaments der Weltreligionen sowie
die "Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten" des InterAction Council,
die als ethisches Fundament die Menschenrechte untermauern und abstützen
wollen. Im Vortrag wurden die beiden Projekte vorgestellt und auf ihre
Tragfähigkeit hin diskutiert.
Die Vorträge werden 2004 in den IWK-Mitteilungen
veröffentlicht werden.
PUBLIKATION
Erik M. Vogt (Hg.):
Was heisst Kontinentalphilosophie in
den USA?
Eine internationale Debatte über
Hermeneutik, Dekonstruktion, Feminismus
Turia + Kant, Wien 2003
Der Ausdruck "Continental Philosophy" dient
in der nordamerikanischen Philosophie zur Abgrenzung gegenüber der
Analytischen Philosophie, und zwar im Rückgriff auf europäische
Traditionen. Die Kontinentalphilosophie beeinflusst das hermeneutische,
dekonstruktive und feministische Denken.
Inhalt: Erik M. Vogt: Kontinental-Drift
in den USA / Ludwig Nagl: Amerika, der "neue, aber unbetretbare" Kontinent:
Annotationen zu Stanley Cavells Konzept "amerikanischen Philosophierens"
/ Christina Howells: Kontinentalphilosophie: Über das Subjekt des
Feminismus / Hugh Silverman: Merleau-Pontys Gespenster in der amerikanischen
Kontinentalphilosophie / Tony O'Connor: Eine Re-Interpretation der Kontinentalphilosophie
/ James R. Watson: Interkontinentalraketen
Konzept und Organisation:
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak (Wien)
Theodor W. Adorno war ein bedeutender Theoretiker der Moderne und hat Maßstäbe zur Beurteilung moderner Kunstwerke im Zusammenhang mit der Neuen Musik in Wien (von der Zeit um 1900 bis zu den 30er-Jahren) entwickelt. In den Vorträgen dieser Tagung zum 100. Geburtstag Adornos (geb. am 11. September 1903) wurden sowohl die historischen Auseinandersetzungen um die Moderne und Adornos maßgebliche Beteiligung daran (zirka 1925 bis 1935 sowie in den 50er- und 60er-Jahren) als auch die aktuelle Bedeutung seiner Theorien behandelt.
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak (Wien):
Begrüßung und Einführung
in die Thematik
Univ. Prof. Dr. Burghart Schmidt (Wien):
Adorno, Moderne und Postmoderne. Über
Strategien des Vergessens und Erinnerns
Dr. Gerald Kertesz (Wien):
"Die Ideologie ist in die Sprache gerutscht".
Zur Aktualität von T. W. Adornos
"Jargon der Eigentlichkeit" (insbesondere in Österreich)
Dr. Gabriele Eder (Wien):
Die Auseinandersetzungen um die musikalische
Moderne im Wien der frühen 20er- und 30er-Jahre
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak (Wien):
Theodor W. Adorno und die Wiederaufnahme
des Kampfes um die Moderne in den 50er- und 60er-Jahren
PUBLIKATION
Dvorak, Johann (Hg.):
Radikalismus, demokratische Strömungen
und die Moderne in der österreichischen Literatur
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main (in
Druck)
Seit der Gegenreformation im 17. Jahrhundert
ist auf dem Territorium der Habsburger-Monarchie vor allem eine 'Kultur'
der politischen Unterdrückung und der Untertänigkeit ausgeformt
worden, die bis heute nachwirkt. Verhindert werden sollte unter anderem
das Eindringen 'westlicher Einflüsse': Aufklärung und Revolution,
Parlamentarismus und Konstitutionen, bürgerlich-liberales Gedankengut
und allzu entwickelte kapitalistische Wirtschaftsweise. Allerdings gab
es auch Elemente einer untergründigen Tradition der Widerständigkeit,
Ansätze demokratischer Denk- und Verhaltensweisen sowie Streben nach
radikaler Veränderung der je bestehenden Verhältnisse.
Den Spuren und Erinnerungen an solche
untergründigen Strömungen wird in den Aufsätzen dieses Sammelbandes
anhand von Beispielen der Wiener und der österreichischen Literatur
des 19. Jahrhunderts sowie des Einflusses fiktionaler und nichtfiktionaler
Texte der englischen Literatur auf die Wiener Moderne um 1900 nachgegangen:
So werden nicht oder wenig bekannte Autoren und Aspekte der Wiener und
österreichischen Literatur des 19. und frühen 20 Jahrhunderts
dargestellt und damit neue Zugänge zu verschütteten Traditionen
der österreichischen Kultur eröffnet.
Inhalt: Wendelin Schmidt-Dengler: Vorwegnahmen
im Untergrund - Die Einübung von Widerständigkeit vom Hanswurst
zur Wiener Gruppe / Wolfgang Beutin: "Freiheit geb' ich euch, und Gleichheit!
Gleich beglückt sollt all ihr sein!" - Spazier- und Waffengänge
eines Wiener Poeten: Anastasius Grün / Johann Dvorak: Historisches
Bewusstsein und die 'Tradition der Unterdrückten' bei Nikolaus Lenau
/ Wynfrid Kriegleder: Eine "Republik, wie sie seyn soll, nämlich die
der estados unidos". Charles Sealsfields "Herrenvolk democracy" / Johann
Sonnleitner: "Ich habe keine Stimme". Immunisierungsstrategien Johann Nestroys
gegen die Zensur / Heidi Beutin: "Der ich komm' aus dem Hussitenlande"
- Tradition, Revolution und Demokratie in der Gedankenwelt von Moritz Hartmann
/ Wolfgang Häusler: "Unterdrückte Taten" - Vom Scheitern revolutionärer
Vormärzdichtung am Beispiel von Karl Beck / Wolfgang Häusler:
Alfred Meißner - Ein deutschböhmischer Dichter zwischen Sozialismus
und Nationalismus / Heidi Beutin: Die Revolutionen von 1846 und 1848 im
erzählerischen Werk Maries von Ebner-Eschenbach / Wendelin Schmidt-Dengler:
Eine Semmeringfahrt: Ferdinand Kürnbergers janusköpfiger Liberalismus
/ Wolfgang Beutin: Subversive Potenziale in den Dichtungen Jakob Julius
Davids / Johann Dvorak: Der Junge Hermann Bahr - Materialismus und Moderne
/ Wendelin Schmidt-Dengler: Sozialwissenschaften als Relais: John Stewart
Mill, Theodor Gomperz und Sigmund Freud / Johann Dvorak: Die Rezeption
des englischen Ästhetizismus bei Sigmund Freud, Hugo von Hofmannsthal
und Karl Kraus / Wolfgang Beutin: Lord Byrons Don Juan und die Wiener Psychoanalyse
(Sigmund Freud und Otto Rank) / Michael Gassenmeier: Philologische Akribie
und poetische Gestaltungskraft in Karl Kraus' Nachdichtungen der Sonette
Shakespeares / Ursula Prokop: Das britische Paradigma im Konflikt der Wiener
Moderne zwischen Dekorativismus und Purismus. Zur unterschiedlichen Rezeption
der Arts und Crafts Bewegung bei Josef Hoffmann und Adolf Loos
VERANSTALTUNGEN
Tagung
Staatstheorie im Zeitalter
des Empire
Konzept und Organisation:
Martin Birkner / Dr. Karl
Reitter (Redaktion "grundrisse") / Mag. Beat Weber (Redaktion "Malmoe")
Laut Michael Hardt und Antonio
Negri wird der Staat zunehmend zum Funktionsträger eines globalen
Empire, das sich der Absicherung einer transnationalen Ökonomie verschrieben
hat. In dieser Weltordnung gibt es keine Kriege zwischen Nationalstaaten
und keine Auseinandersetzung um Territorium mehr, sondern militärisches
Eingreifen gewinnt den Charakter von Polizeiaktionen zur Beseitigung punktueller
Störungen von Ruhe und Ordnung, legitimiert vom Banner der "Menschenrechte".
Negris und Hardts Thesen wurden bei dieser Tagung in mehrfacher Hinsicht
geprüft: einerseits darauf, wie sehr die von ihnen behauptete Tendenz
postfordistischer Wirtschaftsweise ein reales neues Paradigma darstellt;
und zum anderen, um die Empire-These mit dem Werkzeug kritischer Staatstheorie
auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen.
Mit der Veränderung
der globalen Weltordnung verschieben sich einige zentrale gesellschaftliche
Verhältnisse, die staatlich (mit-)strukturiert sind. Die Veränderung
der im Fordismus wesentlich staatlich strukturierten Territorialität
hat Implikationen für politische Strategien, die bei der Veranstaltung
ausgelotet wurden.
Dr. Karl Reitter (Wien):
Eröffnung und Begrüßung
Univ. Prof. Dr. Joachim Hirsch
(Frankfurt am Main):
Neues "Empire" oder Transformation
des Staatssystems?
Mag. Eva Genetti (Wien):
Staat, Kapital und Geschlecht.
Elemente einer kritisch-feministischen Staatsanalyse
Mag. Roland Atzmüller
(Wien):
Postfordistische Staatlichkeit
und die Reorganisation von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
Die Diskussionsleitung und
Moderationen wurden von Dr. Karl Reitter (Wien) geführt.
Studien zur Arbeiter/Innenbewegung
Konzept und Koordination:
Paul Habr / Peter Ulrich
Lehner (Redaktion der Zeitschrift "mitbestimmung")
Bei der seit 1986 bestehenden
Seminarreihe werden Themen, die mit den Anliegen der Arbeiterbewegung im
engeren und weiteren Sinne verbunden sind, behandelt. Dabei werden insbesondere
aktuelle Problemstellungen aus dem gesellschaftlichen oder politischen
Bereich thematisiert und sowohl aus einer praxisbezogenen als auch theoretischen
Perspektive analysiert und zur Diskussion gestellt.
Der erste Vortrag
2003 stand noch unter dem Schwerpunkt des letzten Wintersemesters "Arbeit
und Raumordnung". Der Themenschwerpunkt des Sommersemesters war dann dem
Verhältnis von Arbeiterschaft und Theater gewidmet: "Die ganze Welt
ist Bühne, und alle Fraun und Männer bloße Spieler", lässt
William Shakespeare in der siebenten Szene des zweiten Aktes seiner Komödie
Wie es euch gefällt den schwermütig-romantischen Jacques seufzen.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand das Genre des Schäferspiels,
das bereits eine Geringschätzung der Fürstengesellschaft ausdrückte.
Schon in der griechischen Antike verdeckte die Maske das Mienenspiel, behinderte
das Aufgehen des Schauspielers in seiner Rolle und bewirkte dadurch eine
gewisse Verfremdung. Diese wurde in der Moderne vor allem durch Bertolt
Brecht mit verschiedenen Stilmitteln zum tragenden Effekt entwickelt. Dadurch
sollte die Wirklichkeit als gemacht erkannt und ihre Veränderung nahe
gebracht werden. Ein Anliegen, das vor allem den Benachteiligten in der
Gesellschaft und der großen Mehrheit gewidmet war, die durch ihre
Arbeit den Reichtum der Wenigen schaffte. Welche Rolle spielte das Theater
selbst im Laufe der Geschichte? Welche Bedeutung hatte es im Spannungsfeld
gesellschaftlicher Konflikte und für die Weckung kritischen Bewusstseins?
Wie nutzte die Arbeiter/innenbewegung das Theater? Wie ist die Lage kritischer
Bühnen heute?
Das Wintersemester beschäftigte
sich mit dem Thema "Natur und Arbeit", da zu beobachten ist, dass gesellschaftlicher
Vorgänge und Probleme wieder gerne durch den Rückgriff auf naturwissenschaftliche
Muster erklärt werden. Ähnlich wie seinerzeit die Vernachlässigung
naturwissenschaftlicher Gesichtspunkte durch die Gesellschaftswissenschaft
begünstigt der gegenwärtige Trend - wenn auch mit umgekehrten
Vorzeichen - eine unangemessene Frontstellung beider Wissenschaftsbereiche.
Darüber hinaus wird einer Mentalität Vorschub geleistet, die
gesellschaftliche Probleme durch die "Behebung biologischer Defekte" lösen
zu können glaubt. Ein eindimensionales Ursache-Wirkungs-Verständnis
statt Berücksichtigung sich wechselseitig beeinflussender Vorgänge,
der Glaube an "natürliche Auswahlprozesse" statt Thematisierung demokratischer
und sozialer Gestaltungen der Wirklichkeit als Grundlage politischen Handelns
lassen sich vortrefflich in den Dienst der Interessen vermeintlicher Eliten
stellen. Welche gesellschaftliche Bedeutung haben die Naturwissenschaften?
Welche Kräfte wirken in der Natur? Passen sich Lebewesen nur an die
Umwelt an oder erschließen auch sie sich diese durch ihre Eigenaktivität?
Sind Menschen "gentechnische Konstruktionen" oder "Ensembles gesellschaftlicher
Verhältnisse"?
Die unterschiedlichen Einleitungsstandpunkte
zu diesen und ähnlichen Problemen bzw. Fragestellungen trugen zur
Information und Meinungsvielfalt bei und regten vertiefend die Diskussion
zwischen Theoretiker/innen und Praktiker/innen der Arbeiter/innenbewegung
an.
Zum Schwerpunkt "Arbeit und Raumordnung":
Dipl. Ing. Brigitte Mang
/ Dipl. Ing. Kurt Puchinger / Dipl. Ing. Ottokar Uhl (Wien):
Einleitungen zu "Gebaute
Umwelt"
Zum Schwerpunkt "Theater der Arbeitenden":
Dr. Herbert Arlt / Univ.
Prof. Dr. Evelyn Deutsch-Schreiner / Univ. Prof. Dr. Peter Roessler (Wien):
Einleitungen zu "Theater
der Gesellschaft"
Univ. Prof. Dr. Ulf Birbaumer
/ Dr. Wilhelm Pellert (Wien):
Einleitungen zu "Kein
bürgerliches Theater"
Conny Hannes Meyer / Univ.
Prof. Dr. Rolf Schwendter / Klaus Uhlich / Gerhard Werdeker (Wien):
Einleitungen zu "Kritisches
Theater"
Prof. Herbert Exenberger
/ Didi Macher / Harald Ruppert (Wien):
Einleitungen zu "Theater
der Arbeitenden"
Zum Schwerpunkt "Natur und Arbeit":
Dr. Gerald Kertesz / Prof.
Dr. Anton Szanya (Wien):
Einleitungen zu "Naturwissenschaft
und Gesellschaft"
Prof. Dr. Friedrich Katscher
/ Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb /
Ass. Prof. DI Dr. Hans Mikosch
/ Univ.Prof. DI Dr. Helmut Rauch (Wien):
Einleitungen zu "Kräfte
der Natur"
Mag. Dr. Karl Edlinger /
Prof. Dr. Friedrich Katscher / Univ. Prof. Dr. Renee Schroeder (Wien):
Einleitungen zu "Lebenswissenschaft"
PUBLIKATIONEN
Mitbestimmung. Zeitschrift für
Demokratisierung der Arbeitswelt
Hg. von der Arbeitsgemeinschaft zur Demokratisierung
der Arbeitswelt, Wien 2002
In dieser sechsmal jährlich erscheinenden Zeitschrift werden laufend die Ergebnisse des Arbeitskreises "Studien der Arbeiter/innenbewegung" veröffentlicht. In den Nummern 1-6/2002 wurden folgende Referate und Diskussionsbeiträge publiziert:
1/2003: Kunstbetrieb? - Gerhard Ruiss: Zurück zur Subkultur / Dieter Schrage: Anmerkungen zum Kunstbetrieb heute / Wolfgang Zinggl: Kunst als Konstrukt
2/2003: Gesellschaft und Raumordnung - Alfred Kohlbacher: Angewandte Gesellschaftspolitik / Peter Schneidewind: Wer hat welche Einflussmöglichkeiten / Roland Arbter: Spannungsfeld Planungsphilosophie
3/2003: Stadtplanung - Claudia Doubek: Mehr Anforderungen, weniger Geld / Hannes Minich: Freiräume sichern! / Peter Moser: Stadt und Arbeit / Rudolf Schicker: Entwicklung statt Ordnung
4/2003: Verkehr und Energie - Johannes Gielge: Verkehrszunahme ohne Ende? / Wolfgang Hein: Nutzung erneuerbarer Energien
5/2003: Gebaute Umwelt - Brigitte Mang: Freiräume nutzen! / Janos Karasz: Paradoxien und Widersprüche / Kurt Puchinger: Zwischen Gesetz und Wirklichkeit
6/2003: Theater und Gesellschaft
- Herbert Arlt: Wiederholung des Nichtwiederholbaren / Peter Roessler:
Modernismus in der Amnesie? / Evelyn Deutsch-Schreiner: Theatron - Spielraum
der Zeiten
Psyche und Soma
Konzept und Koordination:
DDr. Ulrike Kadi /
Mag. Gerhard Unterhurner
Ziel dieser Semiarreihe ist es, das wechselseitige
Verhältnis von Psyche und Soma unter einem gemeinsamen Aspekt zu betrachten.
Auch in diesem Jahr wurden diesbezüglich Konzepte der "Normalität"
untersucht: Das Wort "normal" ist Bestandteil unserer Alltagssprache. Darüber
hinaus ist es in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen und in
einigen Wissenschaften (Psychopathologie, Medizin, Soziologie, Ethnologie
oder Philosophie) wichtig, auch wenn Normalität oft nicht eigens reflektiert
wird. Normal ist, wenn die Füße eines Menschen ungefähr
gleich lang sind. Normal ist, wenn ein Mensch eindeutig männlich oder
weiblich ist. Normalerweise sehen wir Kunst nicht als Konstruktion. Es
ist normal, in der Nacht zu schlafen und am Tag zu arbeiten. Wer normal
ist, kann zwischen Träumen und der Realität unterscheiden. Normal
erscheint uns, woran wir uns gewöhnt haben. Was normal sein soll,
sagt ein Gesetz, eine Regel, eine Statistik ... . Normalität hält
Existenzen ebenso sehr zusammen, wie sie sie infrage stellt. Wir klammern
uns an Vorstellungen des Normalen, wir sehen uns ihnen aber auch gegen
unseren Wunsch unterworfen. Denn wer nicht normal ist, läuft Gefahr,
stigmatisiert zu werden. Normalität schillert so zwischen einem deskriptiven
Begriff (im Sinne des Gewöhnlichen, Regelhaften, Durchschnittlichen)
und einem präskriptiven Begriff im Sinne des Richtigen. Oft wird das
Normale zum Normativen, worauf andere mit der Parteinahme für das
Anormale antworten.
Psyche und Soma bilden einen geeigneten
Diskussionsrahmen für die Frage nach dem Normalen, denn sie sind nicht
nur das Feld, auf welchem individuelle Reaktionen auf vorgegebene Normalität
realisiert werden, sondern sie werden selber durch Normalisierungsmechanismen
strukturiert. In diesem Sinne bietet die Vortragsreihe eine Auseinandersetzung
mit Thesen einzelner TheoretikerInnen der Normalität wie auch mit
gegenwärtigen und historischen Phänomenen im Umfeld der Frage
nach dem Normalen. Und sie setzt Impulse, um eine Diskussion über
Normalität, ihre Genese, ihre Zwecke, ihre Wandelbarkeit und ihre
Ausformungen in verschiedenen Wissens- und Erfahrungsräumen anzuregen.
Dr. Gerhard Hammerschmied (Klagenfurt):
Eine Hermeneutik des ungeschriebenen
Gesetzes
Der Vortrag unterzog - mit Derrida und
Lyotard - Kafkas Prozessakten einer Revision, um einen Blick auf die mannigfachen
Prozesse zu werfen, die "unsere" Normalität konstituieren. Welche
Gesetze liegen ihnen zugrunde? Oder ist Normalität vielmehr deren
Urgrund, verlorener Ursprung, der sich jedem Sagen entzieht? Der mystische
Grund der Autorität, Habitus oder Stil, passive Synthesis? Wie der
Vortrag darlegte, zeichnet sich an diesen Grenzen eine Schrift ab, die
sich - wie in extremis in Kafkas "Strafkolonie" - in den Körper einschreibt:
der Eigenname als Urteil.
Prof. Don Ihde (Stony Brook / New York):
Beyond the Brush: Technological Construction
in Visual Art
David Hockney shook up the art theory
and criticism world with his thesis concerning the use of optical technologies
by many Renaissance masters. This presentation investigated the role of
technologies in the construction of visual art, particularly the camera
obscura and its variants. Heidegger, variational phenomenology, and embodiment
technologies was discussed. The thesis tried also to show how close the
problems of "construction" are for both art and science. (The lecture was
illustrated.)
Der Vortrag wurde in englischer Sprache
gehalten und war eine gemeinsame Veranstaltung mit der Gruppe "Phänomenologie".
Univ. Prof. Dr. Alfred Springer (Wien):
Kulturelle Inkorporation und Normalisierung
Gemäß der Theorie des Subkultur-Theoretikers
Dick Hebdige werden subkulturelle Symbole, Zeichensysteme und Verhaltensweisen
von der Gesamtkultur durch Kommerzialisierung integriert. In diesem Prozess
gehen die subversiven Aspekte des subkulturellen Ausdrucks verloren. Damit
entsteht auch der Anschein, dass die ursprünglich anstößigen
Zeichen und Verhalten in den allgemeinen normativen Rahmen gerückt
und damit "normalisiert" werden. Es besteht jedoch die Frage, ob diese
"kulturelle Inkorporation" tatsächlich die anstößigen Muster
in allen Dimensionen - auf der Verhaltensebene ebenso wie auf der des symbolischen
Ausdrucks - integriert oder lediglich die Ausdrucksformen durch Dekontextualisierung
zu in ihrer Bedeutung veränderten oder de facto bedeutungslosen Inhalten
der populären Kultur und des Konsums werden. Trifft Letzteres zu,
könnten auf diesem Wege gesellschaftliche Spannungen verschärft
werden und der Kulturprozess unter Umständen eine zunehmende "Denormalisierung"
der ursprünglichen subversiv konnotierten Zusammenhänge bedingen.
In dem Referat wurde diese Frage anhand des Schicksals der Aufweichung
der Geschlechtsrollen in der Jugend-/Populärkultur und der Integration
sado-masochistischer Symbolfigurationen in "Punk" und "Neuem Primitivismus"
zur Diskussion gestellt.
Mag. Gudrun Hopf (Wien):
"Allerdings nicht ganz normal" - Geistige
Behinderung historisch betrachtet
In einer ländlich-alpinen Lebenswelt
um 1900 waren "normal" oder "nicht normal" keine abstrakten Begriffe, sondern
etwas sehr Konkretes, bestimmt durch Arbeitsfähigkeit und praktische
Kenntnisse. "Normal" sein hieß vor allem, der eigenen sozialen Rolle
gerecht zu werden. Medizinische Beurteilungen gingen von anderen Kriterien
aus beispielsweise Schulbildung. Einmal eingestuft, war es für die
Betroffenen kaum möglich, das Stigma des/der "Schwachsinnigen" abzustreifen.
Dr. Stefan Vater (Wien):
Nur nicht aus der Reihe tanzen. Normalität
heißt: Sein wie andere
Normalität funktioniert in westeuropäischen
Gesellschaften Anfang des 21. Jahrhunderts als Aufforderung zur Selbstnormalisierung
und auch als (implizite) Kopplung an einen undefinierten, aber hegemonial
konstruierten geregelten gesellschaftlichen Ablauf. Es ließen sich
viele Beispiele aus den Bereichen Biopolitik, Politik oder Ökonomie
anführen. Das flexible Normalitäts-Dispositiv realisiert mit
Jürgen Link eine der effektivsten (anonymen) Machtstrategien moderner
Kontrollgesellschaften. Und gerade die Flexibilität der Normalisierungsstrategien
lässt die Möglichkeiten irreversibler Denormalisierungen (z.
B. als politisches Konzept der Situationisten) angesichts rigider, pragmatischer
Alternativenlosigkeit schwierig erscheinen. Normalität setzt sich
flexibel fest und erscheint als etwas a priori Gegebenes. Sie ist eine
gegebene Form der Darstellung (vgl. Wittgenstein).
Univ. Prof. Dr. Peter Moeschl (Wien):
Biopolitische Normalität
"Jahrtausende hindurch ist der Mensch
das geblieben, was er für Aristoteles war: Ein lebendes Tier, das
auch einer politischen Existenz fähig ist. Der moderne Mensch ist
ein Tier, in dessen Politik sein Leben als Lebewesen auf dem Spiel steht."
Mit diesen Worten beschrieb Michel Foucault das Phänomen, dass sich
herkömmliche Politik, welche die Lebensgrundlage nicht infrage zu
stellen brauchte, zusehends in eine andere, in eine immer expliziter agierende
Biopolitik gewandelt hat. Die Frage der Politik, die Frage, wie ein vollkommenes
Leben der und in der Gemeinschaft geführt werden kann, setzt - so
scheint es - eine Definition des Lebens als Grundlage des so genannten
nackten Lebens voraus. Kann Politik jedoch, wie seit Aristoteles üblich,
die Sphäre eines nackten Lebens als ursprünglich gegeben, als
natürlich voraussetzen? Handelt es sich nicht vielmehr um ein Setzen
der Voraussetzungen als einen rückbezüglichen, nachträglichen
Akt der Bestimmung eines nackten Lebens, weil dieses eben nicht gegeben,
nicht natürlich vorfindbar ist? Und ist nicht gerade dies das Dilemma
der modernen Demokratie, dass sie ohne eine heteronome Bestimmung (durch
eine göttliche Ordnung etwa) die eigenen Voraussetzungen immer und
immer wieder neu setzen muss, selbst also zu bestimmen hat, was Leben als
Grundlage des politischen Lebens ist?
Dr. Ramon Reichert (Wien):
Die Listen des Virus. Körperkonzepte
des Anderen in der Wissensvermittlung der Immunologie
Der Vortrag beschäftigte sich mit
der Definition der List, die in der Immunologie gewöhnlich der einfachen
Zweiteilung von Listigem und Überlistetem folgt. Die einzelne List
erscheint als ein Mittel, das klug und abwägend, kalkulierend und
den Verhältnissen optimal angepasst zur Wirkung und zum Einsatz kommt.
Im Rahmen des immunologischen Modells scheint die List immer schon auf
ihren Begriff gebracht, selbst vollkommen aufgeklärt und durchschaut.
Besteht aber die subversive Performanz der List nicht vielmehr darin, den
aufgeklärten Blick der Immunologie durch die Harmlosigkeit alltäglicher
Erscheinungen abzuziehen, der genau diese auf verdächtige Anzeichen
untergründigen Wirkens abtasten sollte?
Dr. Vera Pfersmann (Wien):
Das psychiatrische Gutachten
Der Vortrag befasste sich sowohl mit den
gesetzlichen Rahmenbedingungen wie mit den praktischen Abläufen einer
psychiatrischen Gutachtertätigkeit. Das Psychiatrie-Unterbringungsgesetz
und das Strafgesetzbuch bildet den Hintergrund, auf welchem Empfehlungen
für eine Sachwalterschaft, in Haftungsangelegenheiten oder hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit von Begutachteten gegeben werden. In den kritischen
Betrachtungen einer Gutachterin taucht die Frage nach der Normalität
im Kontext von Psychiatriegeschichte und Gesellschaftspolitik auf. Michel
Foucault und Gladys Swain bildeten für den Vortrag die theoretische
Bezugspunkte.
VERANSTALTUNGEN
Tagung
Die doppelte Figur des "Lagers" - Überlegungen
zur städtischen Raumproduktion
Konzept und Organisation: IWK-Forschungsgruppe
"Sozial- und Kulturwissenschaften"
DI Mag. Christa Kamleithner / Univ. Ass.
Prof. Dr. Wolfgang Pircher / Mag. Dr. Eva Waniek
Gefördert von: Magistrat der Stadt
Wien / MA 7 - Wissenschafts- und Forschungsförderung
Das Ende flächendeckenden Verwaltungsdenkens lässt sich nicht nur in Begriffen politischer Theorie beschreiben, sondern kann auch an konkreten Veränderungen des Stadtraums nachgezeichnet werden. War es das Bestreben 'alter' Stadtplanung, einen flächendeckenden Plan zu entwerfen, konzentrieren sich neue Ansätze auf einige wenige Standorte, die eine 'totale' Planung erfahren, während die dazwischen liegenden Zonen unbestimmt bleiben. Dahinter verbirgt sich auch eine neue Wunschökonomie aufseiten der BewohnerInnen: Wohnen wird als die Summe individueller Bedürfnisbefriedigung angesehen, die gebaute Umwelt dabei immer detaillierter den Erfordernissen des alltäglichen Lebens untergeordnet - ein ideales Wohnen, das sich nicht für alle verwirklichen lässt und als dessen Gegenfolie sich ein davon geschiedener Restraum abzeichnet. Der Foucault'sche Begriff der Biopolitik scheint sich in besonderer Weise zur Kennzeichnung dieser Entwicklungen zu eignen, darüber hinaus auch Giorgio Agambens Figur des "Lagers" als jenem "nómos des politischen Raums, in dem wir heute leben". Beschreibt diese Figur zwar in erster Linie die räumliche und rechtliche Ausnahmesituation besonderer Topoi, so ist sie auch imstande, deren Zusammenhang mit einer anderen städtebaulichen Entwicklung zu benennen, deren Kehrseite sie darstellt. Die Figur des "Lagers" ist insofern eine doppelte: Sie kann sowohl für das entrechtete, auf seine biologische Faktizität reduzierte Leben stehen wie auch für das von seiner verrechtlichten Form ununterscheidbare bessere Leben in den Enklaven des new urbanism. Eine für die Tagung relevante Frage war deshalb auch, mit welchen Strategien dieser Tendenz zukünftig entgegengewirkt werden kann.
Mag. Dr. Eva Waniek (Wien):
Eröffnung
Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher (Wien)
/ DI Mag. Christa Kamleithner (Wien):
Einleitungsreferat
Dr. Ralf Rother (Wien):
Lager in Demokratien - Zum Beispiel
Flughafenasylverfahren und Schutzzonen
Moderation und Diskussion: DI Mag. Christa
Kamleithner
Dr. Karl Bruckschwaiger (Wien):
Zukünftige Lager. Neue Raumordnungen
einer global organisierten Flüchtlingspolitik
Moderation und Diskussion: Mag. Dr. Eva
Waniek
Mag. Dr. Katharina Zakravsky (Wien):
Enthüllungen - Zum Lager als performativer
Raum
Moderation und Diskussion: Ass. Prof.
Dr. Wolfgang Pircher
DI Mag. Christa Kamleithner (Wien):
Zwischen Analyse und Konstruktion:
Themen als Mittel der Raumplanung
Moderation und Diskussion: Ass. Prof.
Dr. Wolfgang Pircher
Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Luzern):
Varianten der räumlichen Organisation
der Stadt: Entwicklungsmuster des 20. Jahrhunderts
Moderation und Diskussion: DI Mag. Christa
Kamleithner
Dr. Friedrich Balke (Köln/Siegen):
Die Stadt und ihre Auslagerungen. Politik
in der 'Antigone'
Moderation und Diskussion: Mag. Dr. Eva
Waniek
Prof. Dr. Georg Franck (Wien):
Soziale Raumzeit
Moderation und Diskussion: Ass. Prof.
Dr. Wolfgang Pircher
Die Tagungsbeiträge werden in einem
Schwerpunktheft der IWK-Mitteilungen 2004 erscheinen.
Zeichen und Zeichnung - Techniken der Visualisierung
Konzept und Koordination:
IWK-Forschungsgruppe "Sozial- und Kulturwissenschaften"
Im Rahmen der seit einigen Semestern stattfindenen
Veranstaltungen zum Thema "Zeichen und Zeichnung - Techniken der Visualisierung"
fanden fünf Einzelvorträge statt, die sich mit den Techniken
der Visualisierung in wissenschaftlichen Bereichen beschäftigten.
Dabei stand im ersten Schwerpunkt der äußere und innere Raum
im Zentrum der Auseinandersetzung, so wie er in den Bereichen von Physik
und Psychoanalyse visualisiert wurde und wird.
Der darauf folgende Themenschwerpunkt
setzte sich mit der Perspektive auseinander: Es gibt im Rahmen einer umfassenden
Zeichenkunst, worunter auch alle Arten von technischen Zeichnungen fallen,
verschiedene Arten, einen Blickpunkt zu wählen: Entsprechend dem Zweck
der Zeichnung, wählt man eine Perspektive. Die Zentralperspektive
ist nun schon seit einiger Zeit Gegenstand kunst- und wissenschaftshistorischer
Abhandlungen. Die vor allem in der Technik heimische Parallelperspektive
(Grund- und Aufriss) ist kaum weniger wichtig, wenn sie auch mit einem
'unmöglichen' Blickpunkt, nämlich im Unendlichen gelegen, operiert.
Unter dem Titel 'Perspektive' sind also buchstäblich verschiedene
Ansichten des Zeichnens zu verstehen, welche bei den Vorträgen vorgestellt
wurden.
Es referierten und diskutierten unter
der Moderation von Univ. Ass. Dr. Markus Arnold, Univ. Ass. Prof. Dr. Wolfgang
Pircher und Dr. Eva Waniek folgende Vortragende:
Dr. Gerhard Grössing (Wien):
Zum Bilderstreit in der Quantentheorie
Die sich heute meist als "orthodox" gerierende
"Kopenhagener Deutung" der Quantentheorie (nach Bohr, Heisenberg und anderen)
konstatiert(e) ein Bilderverbot: Die "Heisenbergsche Unschärferelation"
verbiete demnach prinzipiell ein Nachdenken über Prozesse, die ihr
selbst (und dem quantenmechanischen Formalismus überhaupt) zu Grunde
liegen könnten. Während der Byzantinische Bilderstreit die "magische
Kraft" der Bilder und deren Legitimität verhandelt, wird in der orthodoxen
Quantentheorie dem reinen Formalismus selbst eine "Magie" zugeschrieben
(Feynman u. v. a.), wobei es nun gerade in Computermodellen generierte
"Bilder" (von kausalen, so genannten "verborgenen" Parametern) sind, die
aufgrund ihres materialistischen Ansatzes jene "Magie" durch Entmystifizierung
bedrohen. Der Vortrag ging dieser Debatte nach und legte deren Gründe
am Problem der Visualisierung dar.
Univ. Ass. Dr. Christian Kassung (Berlin
/ Linz):
"Alles, was der Fall ist." Der Raum
des physikalischen Wissens auf dem Papier
In der Welt der Physik ist das, was mit
Wittgenstein "der Fall ist", etwas Geschehendes, ein Prozess. Die Visualisierung
derartiger Fälle, die sich der Kulturtechniken Bild, Schrift und Zahl
bedient, umfasst damit stets ein Wissen von Zeit. Am Beispiel des Papiers,
jenem zentralen Beobachter 'der' Zeit, wurde diskutiert, wie Fälle
zu Fallgeschichten, Beobachtung zu Beobachtung zweiter Ordnung und Wissen
zu Epistemologie werden.
Dr. Lydia Marinelli (Wien):
Typographien der Traumdeutung
Die typographische Gestaltung von Sigmund
Freuds "Traumdeutung" wurde in dem Vortrag zum Ausgangspunkt genommen,
um die Frage nach der Visualität mithilfe einiger markanter Züge
des Schriftbildes neu zu stellen. Die Materialität des Textbildes,
das durch typographische Eingriffe organisiert wird, gewinnt in der frühen
Traumtheorie weit über die Funktion einer zweitrangigen Illustration
hinausreichend erkenntnisbildende Kräfte. Das Problem der materiellen
Repräsentation, sowohl der psychoanalytischen Deutung als auch der
Traumphänomene, überformt die unterschiedlichen Auflagen von
Freuds Traumbuch und bildet den Angelpunkt theoretischer Nachadjustierungen
und Kritiken.
Univ. Prof. Dr. Kari Jormakka (Wien):
Papier - Stein - Schere: Flachheiten
und Tiefe in der Architektur
Im 16. Jahrhundert erlangte eine neue
Visualität eine zentrale Stellung in den Wissenschaften, wofür
Andreas Vesalius ein anschauliches Beispiel darstellt. In der Architektur
sind Sebastiano Serlio und Andrea Palladio die ersten Theoretiker, die
ihre Argumente auf einer visuellen statt einer verbalen Darstellung gründeten.
Die Übersetzung von perspektivischen und orthographischen Zeichnungen
in Gebäude war aber kein neutraler Prozess. Sie implizierte eine Transformation
in der Architektur, die die semiotische These über die Materialität
des Zeichens unterstützt. Anhand von Beispielen verschiedener Architekten
und Künstler von Pietro und Tullio Lombardo bis Hans Holbein und Palladio
wurde im Vortrag die Dialektik von Tiefe und Flachheit in der Renaissance
und im Manierismus untersucht.
Dr. Leonhard Schmeiser (Neusiedl bei Güssing):
Die Erfindung der Zentralperspektive
und die Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft
Im Vortrag wurden wichtige Thesen des
Buches: "Ursprung der neuzeitlichen Wissenschaft aus dem Geist der Zentralperspektive"
dargelegt. Hierzu unterzog der Vortragende bzw. Autor Texte von "Gründerfiguren"
der neuzeitlichen Wissenschaft - Leonardo da Vinci, Nikolaus Kopernikus,
Johannes Kepler, Rene Descartes - einer erneuten Lektüre mit erstaunlichem
Ergebnis. Die Entstehung der für die spätere Naturwissenschaft
seit dem 17. Jahrhundert charakteristischen Form der Forschung und des
Diskurses verdankt sich der Reflexion auf die Bildlichkeit der Renaissance
und die darin implizierte Verweisungsstruktur von Bildern. Als Angelpunkt
der Arbeit fungiert eine Neubewertung der Erfindung der Zentralperspektive.
Diese Erfindung des Architekten, Ingenieurs und Archäologen Filippo
Brunelleschi ist nicht als Ereignis im Rahmen der Geschichte der Malerei
zu verstehen, sondern als Antwort auf ein während des frühen
15. Jahrhunderts akutes Problem der Epistemologie oder - im Verständnis
der Zeit - der Theologie.
Zur Reihe siehe auch unter Publikationen:
Medien
der Architektur. IWK-Mitteilungen 1-2/2003
Internet - Forschung - Lehre
Konzept und Koordination: Dr. Charlotte
Zwiauer (Wien)
In Kooperation mit der Lehrentwicklung
der Universität Wien
Gefördert von: bm:bwk / Abteilung
Erwachsenenbildung - IT-Weiterbildungsoffensive
In dieser Seminarreihe wurden zentrale Themen in den Bereichen Lehre mit Neuen Medien sowie Forschung zu eLearning und Neuen Medien vorgestellt und diskutiert. Im Mittelpunkt standen erprobte und ressourcenschonende Modelle des eLearning, allgemeine didaktische Konzepte und Spezifika der Webdidaktik, Fragen der Standardisierung sowie innovative Open Source Entwicklungen. Ein weiteres Thema war die Beforschung der Neuen Medien und deren systematische Einbindung in die Lehre. Hier sollte der Kreis der AnwenderInnen beim Aufbau von Beurteilungs- und Gestaltungskompetenzen unterstützt und Anregungen zur Umsetzung neuer Lernmodelle geben werden. Ziel der Reihe war es, den TeilnehmerInnen Einblick in den aktuellen Stand der Medienentwicklung im Bildungsbereich zu geben sowie Vernetzung und Erfahrungsaustausch zu fördern.
Mag. Karin Harrasser / Dr. Christina Lutter
(Wien):
The (Net-)Work of Cultural Studies
Die website www.culturalstudies.at - Onlinecommunity
und e-learning Plattform, Projekt- und Literaturdatenbank - ist Teil des
Forschungsschwerpunktes Kulturwissenschaften/Cultural Studies im bm:bwk
und seit Juli 2001 im Netz. Eine Zielsetzung des Programmes ist es, einen
verstärkten Dialog über die Theorie und Praxis problemorientierter
und fachübergreifender kulturwissenschaftlicher Arbeit zu ermöglichen.
Im Rahmen von Forschungsprojekten, Workshops, Fellowships etc. werden Kulturwissenschaften
als prozessorientiertes Projekt gemeinsam mit der Scientific Community
entwickelt. Die Schaffung neuer Orte für eine möglichst unhierarchische
Institutionalisierung des erarbeiteten Wissens und die Entwicklung experimentellerer
wissenschaftlicher und außerwissenschaftlicher Diskursformen sind
Desiderate der Wissenschaften nach dem cultural turn. Dafür stellt
die Website CS.at WissenschaftlerInnen, Studierenden und an Kulturwissenschaften
Interessierten "Räumlichkeiten" zur Verfügung und ermöglicht
die Teilnahme an einer differenzierten, aber gleichzeitig offenen kulturwissenschaftlichen
community.
Univ. Prof. Dr. Peter Baumgartner (Innsbruck):
Didaktik des e-learnings
Vor dem Hintergrund dreier verschiedener
Lernparadigmen (Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus) wurden
unterschiedliche neue Interaktionsformen, die das Internet ermöglicht,
diskutiert. Lernen als sozialer Prozess erfordert die "Konstruktion" von
Lernumgebungen, die "situiertes Lernen" ermöglichen. Der Vortrag legte
dar, welche Ansätze es dazu gibt und welche Organisationsformen sich
dafür schon heute ausmachen lassen?
Mag. Georg Pleger (Innsbruck):
Produktion von standardisiertem eLearning
Material
Der Vortrag bot eine Einführung in
aktuelle bildungstechnologische Spezifikationen. Insbesondere wurde auf
die Spezifikationen zur Beschreibung differenzierter didaktischer Ansätze
eingegangen: IMS-Learning Design (die Weiterentwicklung der Educational
Modelling Language, Open University of the Netherlands) und Web-Didaktik
(Norbert Meder).
Dr. Peter Langmann / Univ. Ass. Prof. Mag.
Dr. Hubert Stigler (Graz):
Zum Verhältnis von Wissenschaft
und Informationstechnologie -
am Beispiel des GEWILAB an der geisteswissenschaftlichen
Fakultät der Universität Graz
Neben der Entwicklung und Betreuung eines
datenbankgesteuerten Informationssystems (www-gewi.kfunigraz.ac.at/faculty)
unterstütz(t)en die Vortragenden die Institute der Fakultät bei
Planung und Umsetzung von wissenschaftlichen Projekten (z. B. languageserver.uni-graz.at
). Weiters sehen sie ihre Aufgabe darin, neben der Bereitstellung von Basisdiensten
(Hotline, Benutzerzentrum mit Arbeitsplätzen für DiplomandInnen
u. Ä.) im Prozess der Integration "Neuer Medien" in die Lehre unterstützend
zu wirken (grips.uni-graz.at). Über die entsprechenden Erfahrungen
und Probleme aus diesen Prozessen berichtete die Vortragenden und stellten
ihre Überlegungen zur Diskussion.
Univ. Prof. Dr. Gerhard Budin (Wien):
Wissensorganisation im eLearning
Am Beispiel mehrerer derzeit laufender
eLearning-Projekte wurde gezeigt, wie wichtig die lernziel- und zielgruppenorientierte
Organisation der zu vermittelnden Wissensinhalte ist und welche Methoden
dafür eingesetzt werden. Der strukturierte Aufbau einer Wissensbasis
(in Form von multimedialen Lernobjekten) stellt eine wesentliche, aber
oft unterschätzte Säule in der Architektur von eLearning-Projekten
dar. Wissensorganisation ist gleichzeitig auch ein Prozess, der bei jeder
lernenden Person den Lernvorgang entscheidend unterstützt.
Dr. Bernd Simon (Wien):
Architekturkonzepte und Erfolgsfaktoren
für Wissensmärkte
Bildungsanbieter sind zunehmend mit einer
verschärften Wettbewerbssituation konfrontiert. Austauschplattformen
für Wissensinhalte, so genannte Wissensmärkte, schaffen neue
strategische Möglichkeiten, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Der erste Teil des Vortrags behandelte, wie geschlossene Systeme wie z.
B. Lernmanagementsysteme mithilfe von Semantic Web Technologie für
einen Wissensmarkt geöffnet werden können, um ihre Wissensinhalte
einem größeren Anwenderkreis zugänglich zu machen. Der
zweite Teil des Vortrags zeigte schließlich die unterschiedlichen
Gestaltungsräume von Wissensmedien auf und präsentierte erfolgskritische
Akzeptanzfaktoren.
Dr. Franz Palank (Linz / Wien):
Die Lernfabrik im Netz
Folgende Aspekte von eLearning wurden
in diesem Vortrag behandelt: Entwicklung von Lernarrangements, die Rolle
des Studienmaterials, mediale Kommunikation, die Lernfabrik als Element
universitären Unterrichts sowie einschlägige Projekterfahrung.
Univ. Prof. Dr. Theo Hug (Innsbruck):
eLearning und/oder Living Learning?
Ausgehend von einigen begrifflichen Klärungen
und kritischen Überlegungen zu gängigen eLearning-Versprechungen,
wurde im Vortrag die Frage nach der Relation von eLearning-Modellen und
Konzepten des lebendigen Lehrens und Lernens thematisiert: Was haben Infotainment
und Edutainment mit lebendigem Lehren und Lernen zu tun? Inwieweit können
eLearning-Ansätze zur Entfaltung gedeihlicher Lernkulturen förderlich
oder hinderlich sein? Welche Optionen für die Gestaltung computerunterstützter
Lernumgebungen ergeben sich aus der Sicht der Themenzentrierten Interaktion
(TZI)? Abschließend wurde die Frage der Gewichtung von Perspektiven
der Lernpsychologie und -technologie, der Pädagogischen Psychologie,
der Medienpädagogik und auch der Informatik zur Diskussion gestellt.
Mag. Dr. Jutta Pauschenwein (Graz):
Paradigmenwechsel in der Didaktik und
das Umsetzungspotenzial durch eLearning
In dem Vortrag wurden nationale und internationale
Beispiele für die Umsetzung vorgestellt und diskutiert: ELearning
wurde zuerst vorwiegend als Selbststudium mithilfe von "eContent" gesehen
(CBTs), das eventuell durch asynchrone (in wenigen Fällen synchrone)
Lernunterstützung unterstützt wurde. Im nächsten Ansatz
("Classroom based learning") liegt der Fokus auf der Interaktion zwischen
Tutor und Lernenden oder zwischen den Lernenden, eContent unterstützt
diesen Prozess. Nun ist die Zeit reif für eine neue Sichtweise auf
eLearning, bei der die Interaktionen zwischen Lernenden, ihre Aktivitäten
und ihre Interaktion mit dem Tutor im Mittelpunkt stehen. Individuelles
Lernen wird durch soziales Lernen in Gruppen unterstützt, die Lernenden
arbeiten selbstgesteuert an Problemen aus der Praxis (problem-based learning).
In einer demokratischen Lernumgebung - die Tutorin ist Teil des Teams -
kann eLearning Auslöser und unterstützender Ansatz für die
Umsetzung dieses Lernparadigmas sein, die Theoriebildung fusst auf dem
sozialen Konstruktivismus (Vygotzki), Mindful Learning (Langer), Communities
of Practice (Wenger) und Etivities (Salmon).
DI Dr. Erwin Bratengeyer (Krems):
Postgradualer Lehrgang eTeaching -
eLearning
Im Mittelpunkt des Vortrages stand ein
Erfahrungsbericht über den seit 2002 bestehenden postgradualen Lehrgang
"eTeaching - eLearning" an der Donau-Universität Krems. Besprochen
wurden Blended Learning Szenarien, Tools, Master Thesen und Prüfungsszenarien.
Univ. Prof. Dr. Wilfried Grossmann (Wien):
Erschließung und Nutzung von
Lernmaterialien im Internet
Die effektive Nutzung neuer Medien in
der Lehre erfordert neben Lernplattformen auch eine geeignete Erschließung
und Dokumentation von Unterrichtsmaterialien im Internet. Grundlage dafür
sind die Entwicklungen von XML und die damit in Verbindung stehenden Konzepte
für ein einheitliches Resource Description Framework (RDF) und dessen
Anwendung im Semantic Web. Die Nutzung dieser Konzepte zur Dokumentation
von Ressourcen ist unter dem Begriff Metadaten heute ein wichtiges interdisziplinäres
Forschungsgebiet. Im Rahmen des Vortrages wurden die wesentlichen Grundkonzepte
der Entwicklung von Metadaten für die Lehre dargestellt und deren
Anwendung anhand von Beispielen internationaler Forschungsprojekte demonstriert.
Boris Schürmann, M. A. / Matthias
Kunkel, M. A. (Köln):
ILIAS als Beispiel für die kooperative
Entwicklung einer Open-Source-Lernplattform
Die 1997 an der Universität zu Köln
entstandene Lernplattform ILIAS ist heute das wohl bedeutendste Open-Source-LMS
auf dem Markt. Zahlreiche Hochschulen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen
weltweit beteiligen sich an der Weiterentwicklung. Der Entwicklungsprozess
ist an die Open-Source-Idee angelehnt. Die Offenheit des Prozesses und
die Transparenz der Methoden entspricht der wissenschaftlichen Tradition
und ermöglicht es den Anwendern, ihre eigenen Anforderungen in die
Entwicklung einzubringen. Darin unterscheidet sich ILIAS grundlegend von
proprietären und kommerziellen Lösungen. Mit der Version 3 liegt
ILIAS nun in einer völlig überarbeiteten Fassung vor, die sowohl
neueste softwaretechnische Anforderungen wie auch Standards im Bereich
Metadaten und Interoperabilität berücksichtigt. Der bereits grosse
Funktionsumfang von ILIAS wird mit der neuen Version noch erweitert z.
B. um bessere Möglichkeiten zur Layout-Anpassung, ein sehr variables
Rechtesystem, eine digitale Bibliothek sowie zusätzliche Groupware-Funktionen.
Für die Zukunft geplant ist auch, adaptives Lernen durch die Plattform
zu unterstützen. Durch das Engagement in verschiedenen eLearning-Projekten
auf EU-Ebene und anderen Kooperationen wird zudem die Verbreitung der Anwenderbasis
von ILIAS weiter voran getrieben.
Ausgewählte Vorträge dieser Semianrreihe
sind in den IWK-Mitteilungen 3-4/2003 publiziert.
Kooperationsvortrag:
In Kooperation mit dem Österreichischen
Kultur Service (ÖKS) fand folgende Veranstaltung statt:
Mag. Dr. Eva Waniek (Wien): Sprache und
Sprechen - Zwischen Angerufensein und Rufen
Zum Thema "Medientheorie"
siehe auch unter dem Schwerpunkt "Emigrationsforschung
und Exilforschung":
Das Wissensportal Science Exile / Exilforschung
und Neue Medien - Status Quo, Perspektiven, Vernetzungsstrategien;
Das Wissensportal Science Exile - Wissensproduktion
und Online-Medien
PUBLIKATIONEN
Medien der Architektur
IWK-Mitteilungen 1-2/2003
Die hier versammelten Beiträge gehen
großteils auf einen Workshop zurück, der unter dem Titel "Zeichen
und Zeichnung 5. Zur Visualisierung in Wissenschaft, Kunst und Technik"
im November 2002 am IWK stattgefunden hat. Diese Veranstaltung wurde von
der IWK-Forschungsgruppe für Sozial- und Kulturwissenschaften konzipiert
und organisiert, die nun schon seit einigen Semestern das Problem der Visualisierung
in wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Bereichen untersucht:
Ihre allgemeine Bedeutung als Instrument des Denkens, der Kommunikation,
der Analyse und Theoriebildung wird hier in verschiedenen wissenschaftlichen
Bereichen heraus gearbeitet und diskutiert. Dabei ist vielfach in der Ausmessung
des Raumes von Zeichen und Zeichnung Halt gemacht worden, wobei die Themenspanne
von künstlerischen Notationen, über wissenschaftliche Illustrationen
bis hin zu technischen Konstruktionen reichten.
Ausgehend von dieser Diskussion, ist es
die Absicht des Heftes, solche Kristallisationspunkte für den Bereich
der Architektur aufzufinden und zu untersuchen, worin sich das Sichtbare
und das Sagbare - oder eben: Zeichen und Zeichnung - berühren und
auch direkt mit der Praxis verbunden sind. Denn der Architekt teilt mit
dem Ingenieur die Leidenschaft für die Zeichnung. Ohnehin führte
erst das 18. Jahrhundert eine striktere Trennung dieser Professionen durch,
wobei dem Architekten zunächst die Seite der Kunst (Dekoration), dem
Ingenieur aber auch Aufgaben der Landvermessung, der Aufnahme von Stadtplänen
und natürlich die Trigonometrisierung der Festungsbauten zufiel. Das
19. Jahrhundert, welches dem Ingenieur wiederum mehr Architekturaufgaben
zuweist (Nutzbauten aller Art) und gleichzeitig den Architekten technisch
versierter macht, kennt nun auch die Figur des Städteplaners. Hier
geht es um die politische Kartographie eines Lebensraumes. Kurzum, die
Zeichnung ist das Zeichen eines umfassenden Gestaltungswillens.
Die vorliegenden Beiträge nehmen
diese Fährte auf und gehen der Visualisierung in der Architektur nach,
um zu ermessen, welche Bedeutung ihr zukommt, wie sich für diesen
Bereich das Verhältnis von Zeichen und Zeichnung denken lässt,
und inwieweit diese Fragestellungen von den verschiedenen Architekturtheorien
unterschiedlich eingeschätzt bzw. beantwortet werden. Den Beiträgen
gemein - so viel vorab - ist die Erkenntnis, dass es sich bei der Visualisierung
um ein für die Architektur grundlegendes, weil mediales Verfahren
handelt, bei dem die menschliche Erfahrung des Raumes und der Wunsch nach
seiner städtebaulichen, sozialen und ästhetischen Gestaltung
Eingang finden in die planerische Zeichnung, die dann ihrerseits gegenständliche
bzw. bauliche Übersetzungen erfährt. Damit könnte man sie
als eine Wissensform beschreiben, die im zeichnerischen Entwurf und über
seine besondere Perspektivenwahl konkret Gestalt gewinnt und über
die Anforderungen der baulichen Praxis zum traditonalen und innovativen
Gegenstand des architektonischen Wissens wird.
INHALT:
Christa Kamleithner: Wiederkehr der Diagramme.
Zum spatial turn im Architekturdiskurs der 1990er-Jahre
Oliver Schürer: Diagramme, Algorithmen,
Typen und Architektur. Positionen zur Morphogenese von Antoni Gaudí
bis Greg Lynn
Daniel Chamier: Skizze, Plan, Illusion.
Zur Zeichnung in der Architektur
Wolfgang Pircher: Das Schöne und
das Nützliche. Historische Anmerkungen zu Architektur und Ingenieurskunst
Internet - Forschung - Lehre
IWK-Mitteilungen 3-4/2003
Im Rahmen der seit März 2002 bestehenden
Seminarreihe "Internet - Forschung - Lehre" wurden ReferentInnen mit unterschiedlichen
Expertisen im Bereich Neue Medien in Forschung und Lehre eingeladen und
behandelten grundlegende Aspekte der Medienentwicklung und Medienintegration.
Das Spektrum reichte von angewandter Grundlagenforschung, Medienkommunikation,
Medientheorie, Didaktik des eLearning, didaktische Standardisierungen,
Contententwicklung und Management, eLearning-Strategien und Hochschulentwicklung.
Die Vortragenden wurden aufgefordert, ihre Themenstellungen so weit wie
möglich entlang von konkreten Projekten zu entwickeln. Ausgehend von
eigenen Erfahrungen und der begleitenden theoretischen Reflexion, nahmen
die ReferentInnen Stellung zu aktuellen Fragen wie der Konzeption und Umsetzung
von Online-Wissensumgebungen, des institutionenübergreifenden Austauschs
von Lernmaterialien, Design und Durchführung von Blended Learning
und Distance-Learning-Szenarien sowie des Aufbaus von eLearning-Supportstrukturen
in Bildungsinstitutionen. Zugleich vernachlässigten die eingeladenen
ExpertInnen aus dem In- und Ausland auch Fragen der gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen nicht - insbesondere entlang des Themenfeldes Urheberrecht.
Zwei größere Einzelveranstaltungen wurden zum Anlass genommen,
das vom IWK mitgetragene multimediale Portal ScienceExile zu präsentieren.
Ausgehend von diesem Wissensportal zur österreichischen Wissenschaftsemigration
- einer der Forschungs- und Dokumentationsschwerpunkte des IWK -, wurden
zum einen Formen der Online-Wissensvermittlung von zeitgeschichtlichen,
gesellschaftlich brisanten Themen mit einem Kreis von ExpertInnen am Podium
und einem breiten Publikum diskutiert. Zum andern lag in der zweiten Veranstaltung
der Schwerpunkt auf der Frage der Online-Wissensgenerierung, wobei ScienceExile
hierfür ein anschauliches Beispiel liefert. Dieses aktuelle Thema
wurde sowohl im Kontext von innovativen, auf aktive Wissensproduktion abzielenden
Lehr-/Lernkonzepten analysiert als auch im Kontext Forschung mittels neuer
Medien und den damit entstehenden neuartigen vernetzten Wissensumgebungen
und Kommunikationskulturen.
Ziel war es, den Kreis der AnwenderInnen
beim Aufbau von Beurteilungs- und Gestaltungskompetenzen zu unterstützen
und Anregungen zur Umsetzung innovativer Formen der Wissensvermittlung
und Generierung mittels neuer Medien zu geben. Die ReferentInnen wurden
ersucht, bei den Veranstaltungen mit Anschauungsmaterial bzw. Online zu
arbeiten. Als Methode wurde Vortrag mit moderierter Diskussion und in einigen
Fällen auch Workshop gewählt. Die Veranstaltungsreihe in dieser
Konzeption ist derzeit einzigartig in Österreich und hat mittlerweile
einen Stammkreis von TeilnehmerInnen, meist Lehrende, Studierende, ForscherInnen
und EntwicklerInnen aus unterschiedlichen Bildungsinstitutionen. Gerade
die offene - nicht an bestimmte Verwertungszwecke gebundene - Auseinandersetzung
mit neuen Medien bietet ein konstruktives Diskussionsforum, das zu Austausch
und Vernetzung anregt und Anstöße für neue, an aktuellen
Qualitätsstandards orientierten Entwicklungen liefert.
INHALT:
Ilse Schrittesser / Dietmar Treichel:
PiN - Pädagogik im Netz
Peter Langmann: Gewilab - Zur Geschichte
einer nicht existenten universitären Einrichtung
Herbert Hrachovec: Informationstechnologie
von unten. Ein Laborbefund
Karin Harrasser / Christina Lutter: Building
a Community. Der Forschungsschwerpunkt Cuttural Studies/Kulturwissenschaften
und seine Website CS.at
Karl Müller: Das Online-Projekt "Österreichische
Schriftstellerinnen und Schriftsteller des Exils seit 1933. Texte und Kontexte"
Charlotte Zwiauer / Harald Riedmann: Das
Wissensportal Science Exile - Konzept, Umsetzung und erste Erfahrungen
in Lehre und Forschung
Universität, Wissenschaft und Demokratie in Österreich
Konzept und Koordination:
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak (Wien)
Unter diesem Titel steht seit einigen Semestern eine systematische und kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, der gegenwärtigen Lage und möglichen zukünftigen Entwicklungen des österreichischen Wissenschaftsbetriebes. In Vorträgen und Diskussionen werden - unter Bezugnahme auf aktuelle politische Auseinandersetzungen - universitäre und außeruniversitäre Forschung sowie Universitätspolitik im internationalen Vergleich behandelt.
Sektionschef i. R. Dr. Norbert Rozsenich
(Wien):
Die universitäre Forschung im
Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak (Wien):
Staatliche Verwaltung und Universitätsreform
in England und in Österreich - eine historische Skizze
Dr. Karl H. Müller, M. A. (Wien):
Österreichs semiperiphere Wissenschaftslandschaft
- Das Beispiel Kognitionswissenschaften
Univ. Prof. Dr. Marianne Springer-Kremser
(Wien):
Gender Mainstreaming als Credo der
Politik - Aber die Wissenschaft muss männlich bleiben
Wiener Wissenschaftstage: "Stadt. Leben. Zukunft"
In diesem Kontext fanden am IWK folgende Veranstaltungen (nähere Informationen dazu sind in den Schwerpunkten "Interkulturalität", "Frauen- und Geschlechterforschung" und "Kulturwissenschaften" zu finden) statt:
Vorträge und Diskussionen:
Univ. Prof. Dr. Franz M. Wimmer (Wien):
Menschenrechtsentwicklungen in der Stadt
der Zukunft. Thesen - Überlegungen - Fragen
Dr. Yvonne P. Doderer (Stuttgart):
Perspektiven auf einen feministischen
Stadt- und Raumbegriff
Tagung:
Die doppelte Figur des "Lagers" - Überlegungen zur städtischen Raumproduktion
Publikationen:
Im Rahmen der Tätigkeit der Seminarreihe
"Studien zur Arbeiter/innenbewegung" wurde im Herbstsemester 2002 der Schwerpunkt
"Arbeit und Raumordnung" behandelt. Die Vorträge wurden in der Zeitschrift
mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der Arbeitswelt publiziert
( 2 - 5/2003). Hierin wird die Raumordnung als gesellschaftliche Aufgabe
(Heft 2/2003), die Stadtplanung (Heft 3/2003), Verkehr und Energie (Heft
4/2003) sowie die gebaute Umwelt (Heft 5/2003) behandelt. Dabei wurde näher
auf die Rolle der Öffentlichen Hand als Standortproduzentin und Trägerin
der Infrastrukturinvestitionen eingegangen, um aufzuzeigen, welchen widersprüchlichen
Anforderungen sie bei ihren Aufgaben ausgesetzt ist. Der Stadt Wien wurde
dabei besonderes Augenmerk geschenkt, vor allem in den Bereichen Verkehr
und Energie sowie gebaute Umwelt.
Arlt, Herbert: freischaffender
Literaturwissenschaftler, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer
der Jura Soyfer-Gesellschaft, Wien
Atzmüller, Roland: Studium der Politikwissenschaften, Dissertant am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Forschungsaufenthalt am Center for Research on Innovation and Competition der Manchester University; seit 2002 für FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt) tätig.
Babka, Anna: Studium der Komparatistik, Germanistik und Romanistik; externe Lektorin an den Universitäten Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Gender- und Queer Studies, Cyberfeminism; Dekonstruktion und Rhetorik; Theorie und Methodologie der Literatur- und Kulturwissenschaften; Theorie der Autobiografie
Balke, Friedrich: Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs "Medien und kulturelle Kommunikation" an der Universität zu Köln. Forschungsschwerpunkte: Politische Philosophie, französische Gegenwartsphilosophie, Gesellschafts- und Kulturtheorie, Wissenschaftsgeschichte
Bandhauer-Schöffmann, Irene: Historikerin; Lehrbeauftragte an der Universität Klagenfurt und der Wirtschaftsuniversität Wien; 2000-2002 Projektleiterin für die Historikerkommission der österreichischen Bundesregierung, 2002-2003 Leiterin der Koordinationsstelle für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Klagenfurt. Forschungsschwerpunkte: Historische Frauen- und Geschlechterforschung
Baumgartner, Peter: Studium der Soziologie; Habilitation zu "Der Hintergrund des Wissens. Vorarbeiten zu einer Kritik der programmierbaren Vernunft"; Professor am Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck
Birbaumer, Ulf: Theaterwissenschaftler, Professor am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien, Mitgründer des Fo-Theaters in den Arbeiterbezirken Wiens
Birkner, Martin: Industriekaufmann, Studium der Philosophie und politischen Theorie an der Universität Wien; arbeitet derzeit am Instituto Orientale in Neapel an einer Diplomarbeit über marxistische Philosophie in Italien; Mitarbeiter in der Redaktion "grundrisse"
Blumesberger, Susanne: Kommunikationswissenschaftlerin, Projektmitarbeiterin von "biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen": derzeit Bearbeitung des Moduls "Jüdische Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur"
Bock, Susanne: Sprachwissenschaftlerin (Schwerpunkt: angewandte Sprachwissenschaft), Exilantin (1938 bis 1946: Italien, Frankreich, Großbritannien); Publikationen u. a.: Mit dem Koffer in der Hand. Leben in den Wirren der Zeit 1920-1946 (1999); Heimgekehrt und fremd geblieben (in Druck)
Bolbecher, Siglinde: Historikerin und Exilforscherin. Ausstellungen und Publikationen zur Exilkultur, Mitherausgeberin der Zeitschrift "Zwischenwelt" (Wien)
Bratengeyer, Erwin: Studium der Philosophie an der Universität Wien und der Elektrotechnik an der Technischen Universität Wien. 1981-1988 Assistent am Institut für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Wien. Kursleiter und Dozent an der Donau-Universität Krems, seit 2003 Leiter des TIM-Lab
Bruckschwaiger, Karl: Studium der Philosophie und Geschichte an der Universität Wien. Tätigkeit als Übersetzer für den Bereich Philosophie und Psychoanalyse aus dem Englischen sowie im Verlagswesen und ab 1996 im Museum der Sigmund Freud Gesellschaft, Wien; Aktivitäten im performativen Bereich von Theater, Tanz, Film/Video und Musik, insbesondere zur Frage der Darstellbarkeit und Undarstellbarkeit und ihren sozialen und politischen Aspekten
Brunner, Karl: Professor am Institut für österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien
Budin, Gerhard: Lehr- und Forschungstätigkeit am Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung, am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Wien sowie an der Universität Paris VII und an der Donau-Universität Krems. Beteiligung am Projekt "Media Nova Naturae" im österreichischen Förderprogramm Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen, am EU-Projekt "Logos Gaias" und an EU-Projekten in den Bereichen Kultur-, Wissens- und Übersetzungstechnologien
Cescutti, Eva: Romanistin, Mitarbeiterin am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), Wien
Deutsch-Schreiner, Evelyn: Theaterwissenschaftlerin, Professorin am Institut für Schauspiel der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Doderer, Yvonne P.: Architektin und Stadtforscherin, arbeitet im wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Bereich zu den Schwerpunkten Raumtheorie, Stadtforschung, Gender, Queer und Cultural Studies. Vorträge und Lehrtätigkeiten an diversen Kunsthochschulen und Universitäten, Konzeption des internationalen Fraueninternetprojekts "womenspacework" (http://www.wspacework.net)
Dvorak, Johann: Politikwissenschaftler und Historiker, wissenschaftlicher Beamter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
Eberherr, Helga: Studium der Soziologie, Gender Studies / feministische Wissenschaften und Politikwissenschaft in Wien und Paris. Forschungsschwerpunkte: Gender Studies, Kultur- und Mediensoziologie, Bildungs- und Hochschulforschung. Junior Fellow am IHS, Wien
Eder, Gabriele: Musikwissenschaftlerin; Assistentin am Institut für Musikpädagogik der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien
Edlinger, Karl: Biologe und Entwicklungswissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums, Wien
Exenberger, Herbert: ehemaliger Elektromechaniker und Betriebsratsvorsitzender, Bibliothekar, Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien
Franck, Georg: Studium der Philosophie, Architektur und Volkswirtschaftslehre in München; Ordinarius für EDV-gestützte Methoden in Architektur und Raumplanung an der Technischen Universität Wien; zahlreiche Veröffentlichungen zum Ausgleich von Ökonomie und Ökologie, zur Rolle der digitalen Medien in Architektur und Raumplanung, zur Ökonomie der Aufmerksamkeit und zur Philosophie der Zeit
Gastgeber, Christian: Studium der Klassischen Philologie (Latein, Griechisch), Mittel- und Neulatein sowie Byzantinistik, wissenschaftliche Mitarbeit an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Bereich der Kirchenväterkommission mit Schwerpunkt "Augustinus" und in der Byzantinischen Kommission im Bereich der griechischen Paläographie und Diplomatik; Veröffentlichungen zu Literatur, Byzantinistik, Papyrologie; Redakteur mehrerer Zeitschriften
Genetti, Eva: Studium der Politikwissenschaften und Frauenforschung in Wien; Dissertationsvorhaben über die Transformation von Staatlichkeit am Beispiel aktueller Umstrukturierungen im tertiären Bereich
Giesecke, Michael: Professor für Vergleichende Literaturwissenschaften mit den Schwerpunkten Kultur- und Medientheorie, Mediengeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt
Grossmann, Wilfried: Professor für Statistik am Institut für Statistik und Decision Support Systems. Publikationen: Theoretische Statistik, Angewandte Statistik, Operations Research, Statistische Datenbanken. Derzeitige Arbeitsschwerpunkte: Statistische Metadaten, Data Mining
Gruber, Natascha: Studium der Philosophie, Geschichte, Volkswirtschaft und Soziologie; freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am IBW - Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (Projektmitarbeit und Studien im Bereich der Arbeits- und Ausbildungsforschung, Berufsinformation). Forschungsschwerpunkte: Erkenntnistheorie, Ethik, Sozialphilosophie
Gruber, Primavera: Kulturmanagerin, Exilmusikforscherin; Gründung und Leitung von Orpheus Trust, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Forschungsprojekt "Verfolgte Musik"
Habr, Paul: Magistratsbeamter, Personalvertreter
Hammerschmied, Gerhard: Studium der Romanistik, Theologie und Philosophie; Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt. Forschungsschwerpunkte: Französische Gegenwartsphilosophie, Phänomenologie und Psychoanalyse, Philosophie und Entwicklungspolitik
Harrasser, Karin: Studium deutscher Philologie und Geschichte; Forschungsschwerpunkte: Medientheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte, Popular Culture (Science Fiction), Gender Studies; Projektkoordination im bm:bwk
Hartmann, Frank: Dozent für Medien- und Kommunikationstheorie am Institut für Publizistik der Universität Wien; freier Autor und gewerblicher Medienberater
Hirsch, Joachim: Professor am Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Schwerpunkte u. a.: Theorie kapitalistischer Gesellschaften, Staatstheorie, Struktur und Politik neuer sozialer Bewegungen
Hofer, Manuela: Studium der Theater-, Film-, und Medienwissenschaft, Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik; Forschungsschwerpunkte: Queer Studies, Ironie, Ethik. Tätig im Bereich Bildungsforschung und Berufsinformation
Holuba, Stefanie: Studium der Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität Berlin, davor tätig als Erzieherin und Lehrerin; derzeit Doktoratsstipendiatin für "Politik und Geschichte des Lachens"; Veröffentlichungen im sozialwisssenschaftlichen und politischen Bereich
Hopf, Gudrun: Sozialhistorikerin; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF), Abteilung Kultur- und Wissenschaftsanalyse, Arbeitsbereich Historische Anthropologie. Aktuelles Forschungsprojekt: "Normen in der Praxis - Praktiken der Norm: Norm und Lebenswelt aus historisch-anthropologischer Sicht"
Hug, Theo: Professor am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck; Arbeitsgebiete: Methodologie der qualitativen Sozialforschung, Wissenschaftsforschung, Hochschuldidaktik, Gruppenpädagogik sowie Medienpädagogik und Kommunikationskultur
Ihde, Don: Professor für Philosophie (Stony Brook/New York), derzeitige Interessen- und Forschungsschwerpunkte: Bildtechniken, feministische Kritik an Wissenschaft und Technik, Multikulturalität und Wahrnehmung, soziale und politische Dimensionen von Wissenschaft sowie Körpertheorien
Ingrisch, Doris: Historikerin, Lehrbeauftragte am Institut für Geschichte der Universität Wien, Forschungsprojekt im Rahmen eines Charlotte Bühler Habilitationsstipendiums "Der diskontinuierliche Status des Seins - Aspekte zur vertriebenen (und verbliebenen) österreichischen Kultur anhand von Lebensentwürfen und -kompositionen intellektueller Frauen und Männer"
IWK-Forschungsgruppe "Sozial- und Kulturwissenschaften": Entlang von erkenntnistheoretischen und wissenschaftsgeschichtlichen Fragestellungen werden im Rahmen dieser Gruppe verschiedene Wissensphänomene untersucht; seit einigen Semestern steht das Problem der Visualisierung in wissenschaftlichen und technischen Bereichen sowie die damit verbundenen unterschiedlichen Theoriebildungen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ausführliche Informationen siehe: . Die Forschungsgruppe setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Univ. Ass. Mag. Dr. Markus Arnold, Mag. Dr. Günter Hefler, Mag. Dr. Harald Katzmair, Mag. Marianne Kubaczek, Mag. Wolfgang Neurath, Univ. Ass. Prof. Dr. Wolfgang Pircher, Mag. Dr. Eva Waniek
Joó, Maria: Universitätsdozentin am Institut für Philosophie der Eötvös Lorand Universität (ELTE) in Budapest; Studium der klassischen Philologie und Philosophie in Budapest und Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Literaturwissenschaft, Hermeneutik und Phänomenologie, feministische Philosophie, Ethik und Anthropologie
Jormakka, Kari: Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Wien; demnächst erscheint: Geschichte der Architekturtheorie
Kadi, Ulrike: Philosophin, Ärztin, Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkte: Psychoanalyse, Phänomenologie, Sprachtheorien
Kaiser, Konstantin: Vorsitzender der österreichischen Gesellschaft für Exilforschung, Autor des Projekts "Österreichische Literatur im Exil seit 1933" (http://www.literaturepochen.at/exil)
Kalny, Eva: Ethnologin, externe Lektorin. Forschungsschwerpunkte: indigene Kulturen, Lateinamerika, Südasien, Multikulturalität, Menschenrechte/Frauenrechte
Kamleithner, Christa: Studium der Architektur und Philosophie in Wien, Autorin und Redakteurin bei derive - Zeitschrift für Stadtforschung, Vorstandsmitglied der ÖGFA (Österreichische Gesellschaft für Architektur)
Kaschl, Helga: Historikerin, Generalsekretärin des IWK, Redakteurin der "Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst"
Kassung, Christian: Studium der Physik, Germanistik, Philosophie und Pädagogik; Assistent am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Robert Musil; Literatur der Klassischen Moderne; Literatur- und Kulturtheorie diskursanalytisch; Wissenschaftsgeschichte der Physik; Medientheorie und -praxis. Publikationen im Bereich von Epistemologie und Kulturalität der Naturwissenschaften
Katscher, Friedrich: Physiker und Mathematiker, ehemaliger Wissenschaftsredakteur der Arbeiter-Zeitung und der Wiener Zeitung
Keller, Fritz: Geschichtsarbeiter und Herausgeber der kritischen Werkausgabe Paul Lafargues sowie Lebensmittelpolizist und Mitglied des Bundesvorstandes der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten
Kertesz, Gerald: Philosophie-, Psychologie- und Politikwissenschafter
Kilic, Ilse: Autorin, Filmemacherin und Comixzeichnerin. Bewohnt und betreibt mit Fritz Widhalm seit 1986 das "fröhliche wohnzimmer" (www. dfw.at)
Kock, Sabine: Studium der Literaturwissenschaft, Germanistik, Medienwissenschaft und Philosophie in Kiel und Tübingen. Mitarbeiterin am Projektzentrum Genderforschung der Universität Wien, Arbeit an einer Dissertation über "Theoretische (Un-)Möglichkeiten im Diskurs des Gedenkens"; Forschungsschwerpunkte: Ästhetik; Erkenntnistheorie, Auswirkungen von Gentechnik und Reproduktionsmedizin, Gender Studies
Korotin, Ilse: Philosophin, Mitarbeiterin am IWK und Leiterin der IWK-Dokumentationsstelle Frauenforschung, Forschungsschwerpunkte: Frauenbiografieforschung, Philosophie und Nationalsozialismus
Kraus, Edith: Pianistin und Klavierpädagogin; lebt in Jerusalem
Kromp-Kolb, Helga: Meteorologin, Professorin an der Universität für Bodenkultur, Mitglied verschiedener Beratungsgremien des Bundes, Wien
Kunkel, Matthias: Studium der Politikwissenschaft an der Universität zu Köln; Journalist und Nachrichtenredakteur; seit 1997 an der Universität zu Köln u. a. Projektmanager VIRTUS, dabei maßgeblich an der Entwicklung von ILIAS beteiligt
Lachnit, Peter: Historiker, Mitarbeiter des ORF
Langmann, Peter: derzeit interimistischer Leiter des Instituts für Informationsverarbeitung in den Geisteswissenschaften der Universität Graz
Lehner, Peter Ulrich: geschäftsführender Redakteur der "mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt"
Lutter, Christina: Historikerin und Kulturwissenschaftlerin, Lehraufträge und Gastprofessuren an österreichischen und deutschen Universitäten, Herausgeberin der Reihe Cultural Studies und Autorin des gleichnamigen Einführungsbandes (mit Markus Reisenleitner); Koordinatorin der Forschungsschwerpunkte Cultural Studies und Gender Studies im bm:bwk
Macher, Didi: studierte am Max Reinhardt-Seminar, Schauspielerin und Theatermacherin, ehemalige Gewerkschaftsfunktionärin, Wien
Mang, Brigitte: freischaffende Landschaftsarchitektin, Wien
Marinelli, Lydia: Historikerin mit Schwerpunkt auf Wissenschafts- und Mediengeschichte, derzeit wissenschaftliche Leiterin des Sigmund Freud-Museums; Lektorin am Institut für Geschichte der Universität Wien
Mayerhofer, Elisabeth: freiberufliche Wissenschaftlerin; Schwerpunkte: Gender Studies, Kunst- und Kulturwissenschaften, empirische Kulturarbeitsmarktforschung; Gründungsmitglied der Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und kulturpolitische Studien (FOKUS)
Meyer, Conny Hannes: Gründer des Theaterensembles Die Komödianten, Regisseur, Leiter des Studios für Theaterarbeit, Wien
Mikosch, Hans: Chemiker, Assistenzprofessor, Mitglied des Senats der Technischen Universität Wien, Stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der österreichischen Universitäten, Wien
Mikura, Elisabeth: ehemalige Kostümmalerin an der Wiener Staatsoper; Nachlassverwalterin von Vera Ferra-Mikura
Moeschl, Peter: Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien; Vorstand der 2. Chir. Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung. Neben zahlreichen Veröffentlichungen im medizinischen Bereich, kunst- und kulturtheoretische Publikationen, insbesondere im Rahmen der Neuen Wiener Gruppe (Lacan Schule).
Müller, Karl H.: Studium der Philosophie und Geschichte in Graz und Pittsburgh / USA; Leiter der Abteilung Politikwissenschaft und Soziologie am Institut für Höhere Studien Wien (IHS)
Müller, Reinhard: Historiker, Archiv für Geschichte der Soziologie in Österreich (http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe), Universität Graz
Nekolny, Carina: Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in Graz und Wien; Post Graduate am IFF, Pilotprojekt "Historische Anthropologie"; Erwachsenenbildnerin
Neuwirth, Barbara: freiberufliche Schriftstellerin und Lektorin für Wissenschaftstexte, Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Ethnologie; Verlegerin im Wiener Frauenverlag, Gastprofessuren in Ohio und in New Mexico
Palank, Franz: Leiter des Zentrums für Fernstudien der Universität Linz (http://www.esc.ac.at), Lehraufträge an der Universität Linz und an der FH in Hagenberg, Lehrtätigkeit im Bereich Didaktik, Medienentwicklung und Fernstudien in Betrieben und anderen Institutionen des In- und Auslandes, Projektleitung in Fernstudienprojekten, Mitglied des Executive Comitees der European Association of Distance Teaching Universities
Pauschenwein, Jutta: Physikerin (Theoretische Physik), Lehrerin (Mathematik, Physik); seit Juni 2003 Leiterin des Zentrums für multimediales Lernen (FH JOANNEUM); Arbeitsschwerpunkte: eDidaktik und virtuelle Kooperationen, Learning in Communities, Unterstützung von Netzwerken, Unterstützung der Lehre durch neueste technische Entwicklungen, Evaluation
Pellert, Wilhelm: Theaterwissenschaftler, Schriftsteller, Wien
Pfersmann, Vera: Studium der Medizin in Wien, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie; freiberufliche Gutachtertätigkeit als allgemein beeidete und zertifizierte Sachverständige; institutionelle Erfahrung in der klinischen Psychiatrie, im Drogenbereich und in der forensischen Psychiatrie; derzeit Oberärztin an der Psychiatrischen Aufnahmestation im SMZ-Ost und in freier Praxis tätig
Pircher, Wolfgang: Assistenzprofessor am Institut für Philosophie der Universität Wien. Studium der Philosophie und Absolvent des TGM (Technologisches Gewerbe Museum, Höhere Abteilung für Nachrichtentechnik und angewandte Elektronik); Forschungsschwerpunkte: Philosophie der Ökonomie, Technik und Politik
Pleger, Georg: Studium der Mathematik und Pädagogik, Schwerpunkt Medienpädagogik; vier Jahre technische Leitung einer digitalen Bibliothek, dann Projektleiter am Medienzentrum des Landes Tirol (Aufbau eines Online-Lehrganges), seit Ende 2001 selbstständig als Bildungstechnologe tätig, Mitglied der CEN/ISSS Arbeitsgruppe Lerntechnologien. Arbeitsschwerpunkt: Verknüpfung bildungstechnologischer Standards mit Open Source
Pober, Maria: Germanistin, DaF-Trainerin und Erwachsenenbildnerin; Gründerin der Vereins "WörterINNENspiegel - Verein zur Erweiterung der deutschen Sprache". Forschungsschwerpunkte: feministische Literaturwissenschaft bzw. Literaturtheorie und feministische Linguistik (Semantik, Lexikologie, Normfragen des Deutschen)
Prinz, Paulina: Studium der Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Germanistik in Wien; Diplomarbeit zum Thema "Weltethos und Weltreligionen"; arbeitet als Erzieherin
Prokop, Sabine: freie feministische Medienwissenschaftlerin und Künstlerin, externe Lehrbeauftragte in verschiedenen Disziplinen an diversen österreichischen Universitäten. Forschungsschwerpunkte: Textproduktion und LeserInnenkonstruktion in TV und Neuen Medien, Vergnügen in der Textproduktion. Beiratsmitglied der IG Externe LektorInnen und freie WissenschaftlerInnen sowie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des Verbands feministischer Wissenschaftlerinnen
Prokop, Ursula: Historikerin und Kunsthistorikerin; Forschungsscherpunkt: österreichische Kunst- und Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; u. a. Mitarbeiterin am Forschungsprojekt der Akademie der Wissenschaften "Österreichische Architektur des 20. Jahrhunderts"
Puchinger, Kurt: Raumplaner, Ingenieurkonsulent für Raumplanung und Raumordnung, Geschäftsführer der "Regional Consulting", Wien
Rauch, Helmut: Physiker, Vorstand des Atominstituts der österreichischen Universitäten, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien
Recheis, Käthe: Schriftstellerin, Kinderbuchautorin und Übersetzerin; leitete 1956 bis 1961 das österreichische Büro der Internationalen Katholischen Wanderungskommission in Genf, half mit der Herausgabe der "Indianerbibliothek" die indianische Kultur zu bewahren, übersetzte indianische Texte und gründete einen Hilfsfonds
Reichert, Ramon: Studium der Philosophie, Literatur- und Kulturwissenschaft in Wien, Berlin und London. Gastprofessor am Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz; aktuelle Lehraufträge: Kulturwissenschaftliches Seminar, Humboldt Universität, Berlin; Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich; Universität Wien; Universität Salzburg
Reitter, Karl: Lektor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Autor zahlreicher Artikel zu sozialphilosophischen und sozialpolitischen Themen; arbeitet derzeit zum Thema "garantiertes Grundeinkommen" und ist Redakteur der Zeitschrift "grundrisse"
Roessler, Peter: Theaterwissenschaftler, Professor für Dramaturgie am Institut für Schauspiel und Schauspielregie (Max Reinhardt-Seminar) Wien
Rother, Ralf: arbeitet in Wien als Philosoph und im Ausstellungsbereich. Forschungsschwerpunkte: Philosophie, Psychoanalyse, Politik
Rozsenich, Norbert: ehemaliger Leiter der Abt. "Innovation und Technologie" des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie
Ruppert, Harald: Techniker, ehemaliger Betriebsrat, Mitbegründer des Amateurtheaters Club Hamlet, Wien
Schmeiser, Leonhard: Philosoph; freischaffender Wissenschaftler; Forschungsschwerpunkte u. a.: Medien- und Kulturwissenschaften
Schmidt, Burghart: Professor für Philosophie, Lehrtätigkeit u. a. an den Universitäten Klagenfurt, Graz, Hannover, an der Universität für bildende Künste bzw. für angewandte Kunst in Wien sowie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main; Forschungsschwerpunkte: Erkenntnistheorie, Sozialphilosophie, Kunst- und Sprachtheorie
Schober, Anna: studierte Geschichte, Kunstgeschichte und politische Theorie in Wien, Frankfurt am Main und Colchester (UK). Lehrbeauftragte an verschiedenen Wiener Universitäten; Forschungsschwerpunkte: Visuelle Kultur, Pop-Kultur und Geschichte des öffentlichen Raums
Schroeder, Renee: Professorin für Molekularbiologie und Genetik der Universität Wien, Wittgenstein-Preis 2003
Schürmann, Boris: Studium der Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität zu Köln; Leiter der Softwareentwicklung im ILIAS-Projekt
Schwendter, Rolf: Sozialwissenschaftler, Professor für Devianzforschung, Wien / Kassel
Seibert, Ernst: Germanist, Lektor an der Universität Wien, Projektarbeiten in Zusammenarbeit mit dem "Internationalen Institut für Jugendliteratur und Leseforschung", zuletzt Projektleiter im DFG-Projekt "Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur" an der Univ. zu Köln, Vorsitzender der "Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung"
Simon, Bernd: wissenschaftlicher Mitarbeiter am New Media Lab der Abteilung für Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien; Koordinator bei der Entwicklung der Universal Brokerage Plattform, einer Technologie für die Implementierung von Wissensmärkten; technischer Projektleiter des EU-Forschungsprojekts Elena und Mitglied der E-Learning-Strategiegruppe an der Wirtschaftsuniversität Wien. Publikationen zu Themen wie: die Gestaltung von Wissensmärkten, Effektivität von Lernumgebungen sowie zur methodologischen Entwicklung von web-basierten Informationssystemen
Springer, Alfred: Facharzt für Psychiatrie und Neurologie; Psychotherapeut. Habilitiert für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalytiker, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung seit 1976. Interessens- und Forschungsschwerpunkte: Suchtforschung, Jugend- und Populärkultur; Geschlechtliche Identität und ihre Problembereiche; (Ideen-) Geschichte der Psychoanalyse und der Psychiatrie; Sozial- und Ideengeschichte der drogenbezogenen Probleme; psychoanalytische Kultur- und Kunsttheorie; psychische Struktur und Kreativität. Zahlreiche Publikationen, darunter zuletzt die Bücher: Pathologie der geschlechtlichen Identität; Kokain-Mythos und Wirklichkeit; Drug abuse and AIDS
Stadler, Friedrich: Historiker, wissenschaftlicher Leiter des Instituts Wiener Kreis, Professor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Steinfellner, Marion: Studium der Germanistik und Philosophie in Wien. Zahlreiche Aufenthalte in Mexiko und Arbeit über Fremdbegegnung im mexikanischen Exil. Tätigkeit als freie Schriftstellerin und im Lehrgang "Deutsch als Fremdsprache"
Stichweh, Rudolf: Studium der Soziologie und Philosophie an der FU Berlin und der Universität Bielefeld. Professor für soziologische Theorie und allgemeine Soziologie an der Universität Luzern. Arbeitsschwerpunkte: Theorie der Weltgesellschaft; Soziologie des Fremden; Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftssoziologie; Inklusion und Exklusion; Systemtheorie; Theorie soziokultureller Evolution
Stigler, Hubert: Assistenzprofessor am Institut für Informationsverarbeitung in den Geisteswissenschaften der Universtät Graz
Stoller, Silvia: Philosophin, Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien; Habilitationsstipendium an der Universität Nimwegen (Holland), Forschungsschwerpunkte: Phänomenologie und feministische Philosophie
Szanya, Anton: Geschichtswissenschaftler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Österreichischen Volkshochschularchivs, Wien
Thaler, Mathias: Studium der Philosophie und Politikwissenschaft in Wien und Paris; Diplomarbeit: "Antworten auf den Kulturrelativismus. Eine philosophische Untersuchung aktueller Debatten zur Universalität der Menschenrechte"
Tschoegl, Gert: Historiker, Mitarbeiter der Burgenländischen Forschungsgemeinschaft, Projekt: Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen (http://www.forschungsgesellschaft.at/vertrieben.htm)
Uhl, Ottokar: Architekt, emeritierter Universitätsprofessor, Wien
Uhlich, Klaus: gelernter Industriekaufmann, Schauspieler, Regisseur, Mitbegründer des Jura Soyfer-Theaters, ehemaliger Betriebsrat, Wien
Unterthurner, Gerhard: Philosoph; Forschungsschwerpunkte: Phänomenologie und französische Gegenwartsphilosophie
Vater, Stefan: Studium der Soziologie in Linz und Berlin, Studium der Philosophie in Salzburg und Wien. Lektor für Bildungssoziologie an der Universität Linz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeits- und Forschungsstelle des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen.
Waniek, Eva: Philosophin; Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Wien sowie der Universität Graz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IWK; Forschungsschwerpunkte: Sprachphilosophie, Psychoanalyse, Gendertheorie
Weber, Beat: Ökonom, Mitarbeiter der Zeitschriften "Kurswechsel" und "Malmoe"
Werdeker, Gerhard: studierte am Max Reinhardt-Seminar, Regisseur, Gründer des Theater Spielraum, Wien
Wimmer, Franz M.: Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Forschungsschwerpunkt: Interkulturell orientierte Philosophie
Zakravsky, Katherina: Studium der Philosophie an der Universität Wien, Lehrbeauftragte an der Hochschule für visuelle und industrielle Gestaltung, Linz, sowie am Institut für Philosophie der Universität Wien; Übersetzerin aus dem Englischen; Forschungsschwerpunkte: politische Philosophie, Psychoanalyse, Kulturtheorie und Ästhetik, insb. Literatur, Film und Tanz. Daneben Entertainment im performativen Bereich
Zwiauer, Charlotte: Sozialwissenschaftlerin,
Mitarbeiterin der Lehrentwicklung an der Universität Wien; Projekte
im Rahmen der IWK-Dokumentations- und Forschungsstelle "Österreichische
Wissenschaftsemigration" z. B. Entwicklung des Wissensportals Science Exile;
weiterer Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung
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Letzte Bearbeitung: 10. Februar 2004
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