DAS
RECHTSSUBJEKT MACHT SICH DIE WELT UNTERTAN. DIE FOLGENREICHE
JURISTISCHE KONSTRUKTION VON INDIVIDUALITÄT UND PERSÖNLICHER
IDENTITÄT
Eine Kooperation mit „juridikum. zeitschrift für kritik | recht | gesellschaft“
Seminar mit Christopher Pollmann (Metz)
Samstag, 18. Oktober, 10.30-16.00 Uhr
Ort: Republikanischer Klub, Rockhgasse 1, 1010 Wien
Unsere
individuelle Existenz stellt sich uns gemeinhin als naturgegeben dar.
Auch das Recht scheint sie lediglich vorauszusetzen, ohne an ihrer
Herausbildung mitzuwirken. Dabei zeigt das Studium früherer wie auch
mancher heute noch existierender traditioneller Gesellschaften, dass es
nicht immer und überall Individuen gibt. Das führt zu der Frage, welche
Mechanismen bei der Herstellung von Individualität im Spiele sind.
Während
Individualität den Zustand der voneinander geschiedenen Menschen
bezeichnet, postuliert persönliche Identität die Erwartung von
Stabilität und Kontinuität: Wer eine Wohnung anmietet, eine
Versicherung abschließt oder die Ehe eingeht, ist darauf angewiesen,
dass der jeweilige Vertragspartner auch idem, d. h. ”derselbe” bleibt.
Wie lässt sich das bewerkstelligen, obwohl Menschen sich doch dauernd
wandeln und deshalb, naturwissenschaftlich gesprochen, nie identisch
bleiben?
Hier treten Rechte auf den Plan, weil sie sich im
Unterschied zu Lebewesen durch Zeitablauf nicht zwangsläufig verändern.
In der Tat, die Herstellung von Individualität und Identität – als
Folge und Voraussetzung marktorientierten Handelns – erfolgt im
wesentlichen auf juristischem Wege, namentlich durch die Kategorien
Person und Rechtssubjekt und mittels der in ihnen verkörperten
Ansprüche und Verpflichtungen, bis hin zu den Grund- und
Menschenrechten als ranghöchster Ausprägung von Rechtssubjektivität.
Ziel des Seminars ist es, diese verschiedenen rechtlichen Instrumente
und Prozesse mittels Referaten und in der gemeinsamen Diskussion
auszuleuchten und dabei auch – in interdisziplinärer Auseinandersetzung
mit einschlägigen psychischen, sozialen und politischen Aspekten –
Erkenntnisse über die Funktion und Wirkungsweise des westlichen Rechts
zu fördern.
Das Seminar richtet sich an Studierende der Rechts- und
Sozialwissenschaften sowie der Philosophie, ferner auch an alle, die
auf diesen Gebieten tätig oder hieran interessiert sind. Der Ablauf
soll in lockerer Form und abhängig von den Wünschen der Teilnehmer
kurze Einführungen durch den Referenten und ausführlichere Dialoge mit
und unter den Teilnehmern mischen. Die nachstehend aufgeführten
Schriften des Referenten (mit weiteren Literaturhinweisen) mögen der
näheren Orientierung dienen, sind aber rein fakultativ. Interessierte
können sie auf Wunsch per E-mail erhalten.
Für Fragen und Anregungen: pollmann@univ-metz.fr
Einschlägige Schriften des Referenten
Detaillierter Seminarplan
Am Mittwoch, den 15. Oktober, um 19.00 Uhr hält Christopher Pollmann im Juridicum (Seminarraum 34, 2. Stiege, Schottenbastei 10-16, 1010 Wien) einen Vortrag
zum Thema: Globalisierung und Atomisierung. Zur Individualisierung von
Grenzen durch und im Recht. Für nähere Informationen bitte hier klicken.
Christopher Pollmann:
Professor
an der Université Paul Verlaine-Metz (Frankreich); Ehrenprofessor der
Universidad de San Martín de Porres, Lima (Peru) und 2001-2002
“Visiting Fellow” an der Harvard Law School